Monatsarchiv: August 2010

7. Wandertag

Guten Morgen!

11:15 Uhr am Ortsrand von Asbach. Der Himmel ist weiß, grau und blau. Das novembrige Aprilwetter setzte sich heute früh um sich spritzend nach Osten ab. Nach einer Erkundungsrunde durch die Fachwerkstraßen Allendorfs ging es die Straße nach Asbach entlang. Es gab kaum mehr Autos als langhälsige Begleiter in einer langen Talkoppel zu sehen (sind das Emus? Ich bin halt auch tierisch ungebildet.).

Jetzt sitze ich noch unter Birken- und Kieferngezweig und genieße die Wetterverwandlung nach dieser Regenwoche! Als Ziel war eigentlich Volkerode geplant. Doch wegen des angekündigten Besuchs von Frau Welsch, Redakteurin der Zeitschrift Orthopädie Technik aus Dortmund, gehe ich nur noch bis etwa 14:15 Uhr weiter, um danach auf dem Kolonnenweg zurück zu wandern…

Ich war also weiter im Tal unterwegs, bin dann umgekehrt, aber die herrliche Landschaft entschädigt mich dafür. Soeben habe ich noch den Schaft neu angesetzt.

Der Kolonnenweg führte mich weiter, am Grenzlandmuseum vorbei, wieder durch den Schifflersgrund zu der steilen Stelle, die ich bereits gestern heraufgeklettert war. Ich war neugierig, wie sie bei etwas mehr abgetrocknetem Boden zu bewältigen sei. Es war kurz kritisch, ansonsten ging es ganz gut. Nachdem meine vereinigten Knochen ohne Sturz unten angekommen waren, schlug ich den Feldweg nach Allendorf ein. Kurz nach mir traf dort auch Frau Welsch aus Dortmund ein, und bald war ich soweit fertig für unseren Termin.

RZ

6. Wandertag

…warum ich so ewig in und bei Wahlhausen gebraucht habe?
Ich biege also gemäß Karte im Ort nach links ab, um dort nach 300m rechts den Wanderweg zum Schifflersgrund zu finden. Doch da ist nix! Am Ortsende frage ich ein Ehepaar am Gartenzaun. Da über die Wiesen, da sei dann eine Behelfsbrücke über den Bach, aber ich solle doch lieber zurück, bei der Kirche… oder auf der Straße laufen, ich würde doch sonst nur nasse Füße…
Also, ich finde es nett, wenn andere Leute für mich Ausreden erfinden, auf die ich gar nicht komme, nur um mein Wohlergehen zu schützen.

Also natürlich durchs Gras! Umkehren und Straße, nur im Notfall!
Vor dem Steg jedoch entdecke ich einen verlassenen Betriebshof, ich brauche dringend was zum Hinsetzen; meine Prothese ist grad unfreundlich zu mir. Ein alter Anhängerreifen, noch am Fahrzeug, dient als Sitzplatz. Nun kann ich verhindern, dass sich eine Entzündung entwickelt. Reinigen, vorsorglich behandeln, das Gefühlsleben im Prothesenschaft muss einfach stimmen.

Nach der Brücke muss ich doch wieder zurück – über eine Wiese. Doch nicht weit davon ein Weg, links halten, weitere Wege gabeln sich, doch nichts stimmt mit der Karte überein.

Dort der steile Weg, der hat die richtige Richtung! Also hinauf. Auf einer Kuppe ein querer Zaun, ein knallgelbes Schild: Vorsicht, freilaufender Bulle, Lebensgefahr! Nun, ich möchte das vermutlich temperamentvolle Tier nicht in Gefahr bringen und kehre mitfühlend um.

Wie soll man so sein ehrgeiziges Ziel von 12-13 km pro Tag erreichen können?

Da gibt es noch einen Weg, am Waldrand, aber noch am Werratalrand, und so entdeckte ich den Platz meiner 2. Rast.

So komme ich dann in Sprühregenattacken nahe Allendorf zum Grünen Band. Das Wetter ist heute die perfekte Kreuzung von April- und Novemberwetter. Auch jetzt beim Anstieg dringt manchmal die Sonne durch die feuchten Schleier und entfesselt jedes Mal Hoffnung auf etwas Erwärmung.

Rechts ein rostiger Metallzaun. Nach dem letzten steilen Wegstück die Grenzanlagen, wie sie im Grenzlandmuseum Schifflersgrund für die Nachwendeleute konserviert sind. Der Kolonnenweg ist zwischen den Platten gemäht, wie aufmerksam!
Der nette Mann an der Kasse lässt mich bekrückten Wanderer so durch.
Viel Zeit kann ich mir nicht nehmen, eine Schlängelstraße bringt mich talwärts zum Quartier zurück.

Wie war das? 10,5 km gestern. Heute auf jeden Fall 12! Endlich mal wieder.

RZ

5. Wandertag

…Die Talsohle habe ich erreicht. Hier steht links ein thüringischer Anstand mit Leiter. Aktuell sehr wichtig, da ich die Prothese fast verloren hätte. Bei dem extremen Abstieg entstanden im Liner Blasen, die bei jedem Schritt aufwärts wanderten. Ohne mich anlehnen zu können, ist ein Neuansetzen der Prothese nicht machbar…

…nun kraxle ich doch nicht den steilen Kolonnenweg wieder hinauf, denn ich bekam einen Anruf. Rüdiger marschiert ein Stück mit.
Rüdiger Herzog ist derjenige, der oben auf Homepage mehrmals mit mir zu sehen ist.
Also der Straße entlang nach Bornhagen. Das Timing stimmt, wir starten hinauf zur Burg Hanstein…

…und schon wieder steigen wir. Oben im offenen Gemäuer blies es kalt durch und westlich waren breite Regenschwaden im Anmarsch.
Der Höhenweg zur Teufelskanzel. Oben auf dem Kamm ein schwieriger Weg. Wurzeln, Abgründe, rutschende Steine. Bizarre Kiefern vor dem dunstigen Werratal. Bekannte von Rüdiger kommen entgegen, wir lassen uns gleich mal fotografieren…

…Die Teufelskanzel, ein beliebter Ausblick und ein uriges Lokal wie ein Hexenhaus. Gute Sachen gibt es hier, soll ich aufzählen? Nein, geht mal lieber selber hin!
Wir haben uns sehr gut unterhalten. Schnell war die Zeit vergangen und etwas zu viel Respekt hatte ich vor dem steilen Abstieg nach Lindewerra. Gemeinsam wanderten wir also noch zum Parkplatz Rothenbach, etwas kürzer, einfacher und schneller, er marschierte zurück zum Auto, ich wurde vom Heiligenstädter Gastwirt nach Allendorf mitgenommen.
Nun noch ein Süppchen, ein Bierchen und oben die Vorbereitung für morgen.

RZ

4. Wandertag

Rolands Eindrücke von der Strecke
Situation um 13:30.

Ich sitze am Iberghaus auf feuchter Gartenbank und überdenke den verkorksten Tag.
Wäre ich gestern nicht so verschusselt gewesen, würde ich jetzt eben den schönen Rusteberg erklimmen. Lasse ich doch beim Auszug aus Duderstadt das weiße Kabel für das iPhone in der Dose stecken! Doch mein Gastwirt im Eichsfelder Hof war überaus entgegenkommend; wir holten es heute morgen.

Deshalb ging es erst nach dem Aufladen los. Stadtrundgang oder mehr?
Die Wolken zogen relativ grimmig über meinen Kopf hinweg. Ich nahm nur das „kleine Gepäck“, wegen der Schwüle keine Jacke, nur den Schirm.

Schon am Stadtrand zunehmend Nässe von oben. Eine Bank unter einem Vordach. Rucksackgewicht um zwei Brötchen reduziert. Hier setzte ich gleich mal die Mail des gestrigen Berichtes ab.

Ein steiler Wiesenweg in den Wald des Ibergs. Eigentlich wäre es sinnvoll, zwei beginnende Entzündungen ruhen zu lassen, um nach dem morgigen Ruhetag weiter problemfrei zu laufen. Andererseits möchte ich noch weiter. So kam ich an das Ausflugslokal Iberg.

3.Rast.

Immer am Iberg entlang gegangen. Doch der Weg biegt immer weiter nach links und bergauf, und ich will doch nach rechts und runter. Endlich habe ich jetzt eine feuchte Bank, sitze mal eine Weile. Hier gibt es jetzt den Weg hinunter.

3. Wandertag

Zwischenbericht von der 1. Rast, siehe „Stillleben mit Bank“:
Zuerst sah es so aus, dass sich der im iPhone versprochene Regen zurückhalten würde (mampf – ich esse gerade Sardinen mit ’nem Eislöffel), dann zog ich genau nach den ersten 5 Schritten die Bremse sowie meine Regenjacke an. Und danach auf der einzigen Herrentoilette im Grenzlandmuseum die dichte Hose (mampf – Eichsfelder Wurstbrötchen). Wegen der Rutschgefahr auf dem Kolonnenweg am Abhang des Mauseberges umging ich diesen. Auf den Ersatzfeldwegen ging es vom Untergrund her auch nicht langweilig (mampf – Käsebrötchen an frischer Luft!) zu. Deshalb kam es erst nach 13 Uhr zum „2. Frühstück“, da hier offenbar nicht solche verrückten Grenzgänger vermutet werden und diese halb vermorschte Bank eine Ausnahmeerscheinung ist. Jetzt noch ein Apfelnachtisch, und weiter geht’s.

Mit neuer Energie geht’s weiter in Richtung Neuendorf. Enormer Rückenwind schiebt mich davon. Bis zur nächsten Riesenpfütze. Nur mit Hilfe der Gehstützen komme ich ans andere Ufer.
Doch bald, während mir das Ziel entgegen kommt, tut das der Wind ebenso. Hier auf der Höhe beobachte ich, wie der Harz soeben von gewaltigen Schauern überzogen wird. Hier dagegen nur etwas Tröpfelei.
Der Plattenweg zeigt sich bald von dichten, nassen Grasbüscheln bewuchert; trotzdem läuft es sich inzwischen feuchten Fußes recht flüssig.
Doch für Mühen folgen auf Wanderungen meist Belohnungen. Hier sind es die regenverhangenen Ausblicke, sehr eindrucksvoll.

Noch eine zweite, sehr kurze Rast an einer halbtrockenen, baumzweiggeschützten Böschung, mit der Unterlage bequem zu sitzen.
Es ist schon 16 Uhr vorbei, das Ziel noch zu weit. Diese schwierigen Wege fressen Zeit. Die Abholung wird für 17 Uhr in Böseckendorf vereinbart, mein Gepäck aus Duderstadt gleich mitgebracht, denn es geht ins neue Quartier nach Heilbad Heiligenstadt.

R.

2. Wandertag

8:42 Uhr am Grünen Band bei Ecklingerode. Noch heftiger, kühler Wind,  der mich die Platten hochschiebt. Die Morgensonne kommt noch recht schräg. Diese Tageszeit mag ich am liebsten beim Wandern.

Ein Holzbau weiter oben kommt in Sicht. Schon von hier aus immer wieder schöne Ausblicke nach Ecklingerode hinunter. Die Sielmann-Hütte. Eine steile, schmale Holztreppe. Die sehr frische Luft bläst hier ungehindert durch.

Kaum die Höhe erreicht, schon geht’s wieder runter. Eine Weggabelung. Grünes Band – wo bist du? Ah ja, rechts geht ja der Plattenweg, links nicht, vorne undurchdringlich. Die Karte ignoriere ich mal. Was ich nicht wusste: Auch weitere Zufahrtswege in Thüringen wurden teils mit Platten ausgebaut. Ich gerate eine Weile auf den nicht bezeichneten Wanderweg nach Wehnde. Ein Traktorist meint, also wenn Sie da durch wollen, die Wege sieht man kaum… Schließlich drehe ich doch um, Zeitverlust, neue Planung.

Der Sielmann-Weg. Nach einer Weile steiler. Dann extrem steiler. Dann extremistisch steiler. Etwa 300 Meter Weg wie eine Wand. Bei Feuchtigkeit unbegehbar. Aber unvergesslich!

Oben, ein Ehepaar. „Ah, Sie sind doch der von dem Zeitungsartikel heute früh?!“ Ich natürlich keine Ahnung, aber Vermutung. Ein paar Fotos, tschüss, später treffe ich sie wieder.

Eine Gabelung. Rechts Fuhrbach, links Gut Herbigshagen. Durch den Zeitverlust schwenke ich links ab und komme erstmal zum Harzblick.
Nach zwischenzeitlichem Getröpfel ziehen in kurzen Abständen helle Lichtzonen über die weiträumige Landschaft mit den rötlichen, grünen und kornfarbenen Gliederungen, und ganz im Hintergrund hoch aufsteigend der blaue Harz. Ich bekomme eine ungewöhnliche Bildserie in die Lumix.

Gut Herbigshagen und Heinz-Sielmann-Stiftung. Die gestrige Vereinbarung mit Herrn Bürgermeister Nolte spreche ich mit Herrn Spielmann und Frau Schaaf durch, mit positivem Ergebnis. Worum es geht? Aus der geplanten 1000-km-Wanderung 2011 wird ein Segment von 130 km herausgelöst. Diese 130 km liegen als Grünes Band unter der Aufsicht der Sielmann-Stiftung zwischen Bad Sachsa und Wanfried. Dorthin werden sie verlegt.

Der restliche Weg führte noch zurück nach Duderstadt.

Übrigens, das waren heute mindestens 14 Wanderkilometer.

RZ

1. Wandertag

Bericht 1
Zwischenbericht von der Schutzhütte am Thomasberg.
Heftigsten Dank für die überaus freundliche Begrüßung am Rathaus!!!
… für die gutgelaunte Begleitung der Schulkinder, des Herrn Bürgermeisters Wolfgang Nolte und aller anderen bis zum WestÖstlichen Tor!!!
Dort herrlicher Blick ins Land und leider Verabschiedung sowie erste kurze Rast.
Den Kolonnenweg, abwärts und wieder hinauf, kein großes Problem.
Hier die zweite Rast. Das Wetter ist ideal zum Wandern…

Bericht 2
Was einem noch als „Grüner Band-Läufer“ begegnen und passieren kann…

… herrliche Ausblicke aus der Bewaldung hinaus ins freie Land des Eichsfeldes, auf Duderstadt mit vorwiegend roten Dächern und ebenfalls breit hingelagert die Gebäude der Firma Otto Bock –

… manchmal soll doch die Prothese besser sitzen, besonders, weil bei dieser „Berg- und Talbahn“ des Grünen Bandes das sichere Auftreten besonders wichtig ist – also das Ersatzteil zwischendurch mal runter, neu ansetzen, und schon geht’s besser –

… und das zeigt sich bald sehr deutlich. Es geht einen dunkel überzweigten Hang steil wieder hinunter – man freut sich also auch einmal, wenn’s bergab geht – kaum ein Sonnenstrahl kommt hier mal durch, plötzlich gehen mir die Füße davon, ich rutsche, kann mich geradeso im Gleichgewicht halten und stelle jetzt erst fest: hier ist es vermutlich glatt. Jetzt fällt mir auch auf, die Längsrillen des Kolonnenweges sind hier sinnigerweise quer eingebaut worden, um Fahrzeugen Halt geben zu können. Das nutze jetzt auch ich. Schritt für Schritt Fersen und Gehhilfen in die tiefen Kerben (siehe Bild) gestemmt, und sicher komme ich unten an.

Der Besuch im Grenzlandmuseum kann leider nur viel zu kurz ausfallen.

Jetzt noch der Weg zurück zur Fachwerkstadt Duderstadt. Der erste Tag hat mir sehr gut getan, er war weit mehr als eine normale Wanderung! Die „Kleinigkeit“, die ich noch gegessen habe, ein Eichsfelder Vesperteller, erwies sich fast als größere Aufgabe als die heute erwanderten etwa 12 Kilometer – ich vermute, dass ich doch mal wieder zunehme …

RZ