Monatsarchiv: April 2011

Etappe 7 / Grünes Band, Eichsfeld, Werra

Tag 34 Samstag, 23. April 2011

Zwei hochgeklappte Langohren, aha, es ist Hasenstunde, Ostertraining. Offenbar ist er kurzsichtig. 30m, 20m, 10m, immer unbekümmert weiter auf mich zu. Hat mich einfach als alten Pfosten identifiziert. Weil ich ihn zuerst gesehen habe, mache ich auch keinen Mucks, weder mit mir noch mit dem iPhone. Dann biegt er ein in den Kolonnenweg, der hier westlich abbiegt, sicher unterwegs zur nächsten Hühnerhaltung wegen der Eierlegeberatung.

Kurz vorher war ich bei Böseckendorf gestartet. Als ich oben an die Waldecke komme, ist das Waldstück versperrt mit einem riesigen Brocken, und der Weg verliert sich im Wirrwarr des Waldes, der Umweg über die Straße ist nicht lang, dann habe ich ihn wieder.

Als ich im ersten Tal in der Nähe von Neuendorf eintrudle, ist es grade 11 Uhr. Eine freundliche Schutzhütte steht da ungenutzt rum. Das wird umgehend geändert, denn wie schon zu sehen war, ein langer Anstieg steht bevor. Wenn der Stumpf manchmal etwas nachdrückt bei jedem Schritt, wird es unangenehm, besonders bergab bei Körperbelastung. Nur, wo soll ich mich anlehnen und den Schaft neu anziehen, wenn die Jungbäume am Grenzweg keinen Platz für die Füße lassen? Während der Grenzzeit war hier ja alles freie Fläche. Schließlich finde ich einen Hochsitz mit geeigneten Pfosten. Anschließend läuft es sich wieder besser.

Hinter mir hält ein Auto mit Anhänger. Da ist der Weg etwas breiter; bearbeitete Hölzer und Leitern liegen herum. Der Mann erzählt, dass er hier verschiedenes in Ordnung hält. Hochstand-Leitern für die Jagd, Futter für die Wildschweine, damit sie im Wald bleiben und sich nicht am Mais vergreifen. Er gibt mir noch den Rat, die Sperrung des Grenzweges zu beachten.

Bald danach quere ich das zweite Tal. Dort begrüßen mich Kühe, aber ich glaube nicht, dass sie mitwollen. Weideflächen wie hier sind selten; zwischen ihnen führt der Weg wieder steil empor. Nachdem ich diese Sperrung 250m weit untersucht habe, kehre ich um. Er ist kurz begehbar, wächst weiter hinten zu. Im nächsten Tal ein weiterer Grund für die Unterbrechung. Die Brücke des Grenzweges in Glasehausen über den Bach fehlt.
Der dritte Anstieg. 200 Platten lang und ich brauche aufwärts 6 Schitte je Platte. Oben, nach der zweiten Rast, mache ich einen Treffpunkt mit dem Privatvermieter in Heilbad Heiligenstadt aus. Kurz nach Günterode auf der Straße hält sein Auto.
R.

Tag 35 Ostersonntag, 24. April 2011

Angeliefert vom Quartierchef stehe ich bei Weißenborn am Plattenweg, um zu beginnen. Was sagt denn die Karte? Der Weg ist vorhanden, doch weiter hinten, hört er da nicht auf? Das wäre ja …..! Soll ich’s riskieren? Nein, da ist unweit ein Parallelweg.
Dort beginne ich das zweite Drittel der Tour. Angenehm zu laufen, Grasboden. Vorbei an Bischhagen, um die Platten wieder zu erreichen. Doch wer sie auch entwendet hat, zurück gebracht wurden sie nicht. Wozu sie nur gebraucht wurden? Trittflächen im Vorgarten vielleicht? Bald habe ich die Lösung, als ich von der Straße bei Vogelsang südlich abbiege.
In den Löchern ist der Ernteertrag nicht zufriedenstellend. Also muss sich der Wanderer, der sich auf die Wanderkarte verlassen hat, welche einen real existierenden Wirtschaftsweg verspricht, der puren Landwirtschaft anvertrauen. Wer plant denn schon rückwärts zu laufen, wenn das Ziel vorne ist? Es sind hier ja nur 2,5 abwechslungsreiche Korn- und Raps-Kilometer, dann sind ja noch ’n paar Platten da. Auch das ein gutes Beispiel und Erlebnis der sich entwickelnden Natur!
Das Grüne Band, erlebbar und begehbar…


Richtig warm ist es heute. Da vorn ist ein Schattenbaum. Gras, Wärme, Stille, nur Kaugeräusche. Man wird richtig faul dabei. Also weiter!

Links die Felder, rechts das Band, das nun tatsächlich vollständig grün ist. Der Verlauf jetzt wieder ziemlich komplett, mal eckig, mal kurvig, unvermittelte An- und Abstiege, entlang eines Talverlaufes. Die Löcher in den Platten des Weges sind hier so tief, dass beim gelegentlichen Einsinken der Gehhilfen die Arme plötzlich zu kurz sind. An der Abzweigung nach Bremke wächst der Zubringerweg bereits zu. Die Plattenbrücke hat an drei Stellen geschwächelt und ist müde, aber romantisch, eingeknickt.
Dahinter eine ebensolche Märchenwiese, auf der sich der Weg verabschiedet, in der Karte rot markiert als Wanderweg. Wo könnte er denn sein? Suchspiele in der Natur fand ich schon immer spannend. Links sehe ich im Gegenlicht einen gespannten Draht, davor, zurück und aufwärts führend, etwas Pfadähnliches.
Dort ist ja auch ein schmaler Durchgang durch den Draht. Da kann man den Wegweiser wirklich einsparen. Steil durchs tiefe, trockene Laub den Berghang hoch, da scheint doch ein Waldweg zu kommen? Ja, wieder mal gerettet! Perfekte Wanderkarten sind halt doch ein Segen!
Bremke ist dann schnell und einfach erreicht. Das letzte Haus, das Gasthaus Jütte.
R.

Tag 36 Ostermontag, 25. April 2011


Die Gaststätte schläft bis halb 9, das Tablett mit Kaffee und allem, samt Wanderproviant, vor der Tür vorgefunden und Andrea begrüßt. Am Südende von Gleichen-Bremke starten wir, während ihre Tochter mein Gepäck schon mal mitnimmt.

Das Traumwetter nimmt seinen Lauf und wir tasten uns auf Pfaden, über Märchenwiesen, eingesunkene Brücken wieder zum Kolonnenweg, dort mit Zielrichtung Rusteberg. Eine angenehme Unterhaltung über dies und das. Auch mal über ein Feld, herrliche Ausblicke zu den Gleichen, viele gleiche Löwenzähne vor diesen beiden gleich aussehenden Bergkuppen, die der Gemeinde Gleichen mit 16 Teilgemeinden ihren Namen gaben.

Das Traumwetter nimmt seinen Lauf und wir tasten uns auf Pfaden, über Märchenwiesen, eingesunkene Brücken wieder zum Kolonnenweg, dort mit Zielrichtung Rusteberg. Eine angenehme Unterhaltung über dies und das. Auch mal über ein Feld, herrliche Ausblicke zu den Gleichen, diesen beiden gleich aussehenden Bergkuppen, die der Gemeinde Gleichen mit 16 Teilgemeinden ihren Namen gaben.
Noch vor 11 Uhr genehmigen wir uns die erste Rast, denn eine Bank mit Aussicht lädt geradezu dazu ein. „Da, schreib du auch mal was“. Ich halte ihr das iPhone hin. In sensibler Einfinger-Berührungstechnik steht hier von ihr, original handgetippt:
„Der Weg mit Roland ist für mich heute etwas besonderes. Da ich sonst meine Strecken allein zurücklege finde ich das Gehen im Doppelpack viel interessanter.“
Andrea
Danke, Andrea, ein gutes Gefühl, sich mal als halber Doppelpack-Wanderer vorzustellen. Weiter geht’s auf der Grenzlinie; die Platten sehen wir heute nicht wieder. Da es keine zuverlässigen Wegweiser gibt, verpasse ich eine Abzweigung. Bald ist die Welt wie zugewachsen und der verbliebene Pfad entpuppt sich als Wildwechsel. 500m zurück. Abkürzung im Umweg über ein steiles Feld zum Waldrand, unvermutet direkt auf zwei Bänke zu. Das Signal zur zweiten Rast, diesmal kurz.

Auf einer Kuppe sehen wir Marth vor uns. Ein großer Bogen, bestehend aus etwa fünf tiefen Taleinschnitten, es geht immer steil auf und ab. Kurz nach Rustenfelde nehmen wir am Feldrand die dritte Rast, tanken vor dem steilen Anstieg auf den Rusteberg nochmal einen Energieschub, den Andrea kurz darauf wiederum angenehm spüren und auch sehen kann, und schieben also langsam und stetig zum Rest der Ruine empor.

Noch ein Besuch bei einem seit langem Amputierten in Marth. Eigentlich wollte er heute mit, aber die Hüfte! Nach dem Austausch von Tipps gegen Kuchen müssen wir uns verabschieden. Vielleicht sehen wir uns in Mühlhausen. Peter, Andreas Mann, holt uns ab. Im Klausenhof helfen mir beide noch, mich samt Gepäck im Museum für Eichsfelder Wurstherstellung in der Mägdekammer abzuliefern. Dann müssen auch wir uns verabschieden, es war ein sehr schöner Tag zusammen.
Auch diesmal ist es nicht untierisch, denn unten im Koben schnarchen schon die Schweine; bald werde ich es ihnen gleichtun.
R.

Tag 37 Dienstag, 26. April 2011

Eine Bank auf der Höhe über Limbach am Hanstein. Dorthin schweife ich den Blick, während ich heute ein Freiluftfrühstück veranstalte. Denn ich bin bereits gegen 7 Uhr aus dem Museum entwichen samt vorbereitetem Überlebenspaket. Der Blick nach rechts unter dem bedeckten Himmel entlang zeigt einen dünnen hellen Streifen, der sich schnell verbreitert. Ich steige los zum Bergwald und die Sonne ist schon zurück.
Diesen Weg zur Teufelskanzel kenne ich, denn ich bin ihn im letzten Jahr gemeinsam mit Rüdiger Herzog gewandert. Sandiger Boden, trockene alte Laubreste, anspruchsvolle Wurzeln, und der Blick zum Werrahufeisen.

Das Waldwirtshaus ist erst ab 11 Uhr geöffnet. Ich warte, muss eh noch was schreiben. Ein Anruf vom HR 4, wir vereinbaren einen Treff gleich hier. Mein 1 Jahr gealtertes Vorhaben, hier eine Wurstspezialität zu probieren, wird realisiert, ich nehme sie mit. Auch die Redakteurin. Wir steigen sofort steil ab in Richtung Wahlhausen, ich die Gehhilfen nutzend, sie das Mikrofon. Der Pfad ist unerwartet steil und rutschig mit tiefen Absenkungen. Die Gehhilfen haben volle Stützarbeit und wir übervolle Konzentration zu erbringen.


Anruf von Rüdiger, er könnte jetzt ein Stück mitkommen. Das ist echt schade, denn in einer Stunde werde ich ja bereits zum Vortrag in Eschwege abgeholt. Leider, leider, muss ich absagen. Es wird ein anderes Mal klappen!

Ich versuche die Fragen zu beantworten. Nach den Mitwanderern, den Selbsthilfegruppen, wie ich das alles schaffe, nach Start und Ziel usw. Als Frau J. mit gefülltem Mikro wieder zurücksteigt, bleibt mir auch gerade noch Zeit für eine Restevertilgungspause und eine Regenschauerabwehr, und der Treff funktioniert.
Nur eine Kurzwanderung über 5km ist heute möglich, endend in einer Wegkrümmung nach Lindewerra. In Eschwege zeige ich heute zum ersten Mal aktuelle Bilder, die zwischen Leipzig und Duderstadt entstanden sind.
R.

Tag 38 Mittwoch, 27. April 2011

Ruhetag in Allendorf. Ebenfalls im Deutschen Haus wie auch schon 2010. Gleich 8:15 Uhr eine Rücken-Schultermassage. Raus mit den Verspannungen! Das Gelände und die Stützen sind die Ursache.
Ein Drittel der Wanderzeit ist vorbei. Oft werde ich gefragt, wie ich das durchstehe, gestern bei dem Interview auch. Es sind ja nicht nur die Gehhilfen, die mir beim weiten Gehen helfen. Wie ich das alles schaffe kann ich nur im Zusammenhang beantworten.
Meine Erfahrung seit dem zweiten Laufenlernen ist, dass Ziel, Wille, Anstrengung und Ausdauer erforderlich sind, wenn meine Lebensqualität wieder steigen soll. Sehr schnell habe ich gemerkt, dass MEHR Bewegung dabei sehr schnell hilft. Und dass ich die Tour nur schaffen kann, wenn ich die höchsten Ansprüche an die technischen und körperlichen Voraussetzungen stelle.
Der Trainer Christoph Daum sagte kürzlich: Der Kopf ist das dritte Bein. Übertragen auf Amputierte heißt das, der Kopf kann viel von dem Verlust ersetzen. Ohne einen Weg zu kennen, ist das Ziel nicht erreichbar. Geschafft habe ich es mit der Kombination von drei Dingen: Ein erstklassiges neues Bein, zweitens die beste „Tankfüllung“. Drittens: Ohne Benutzung kein Nutzen.
Das C-Leg kam Februar 2010. Aber vorher trainierte ich mit dem 3R60 von Otto Bock. Meine Sicherheit beim C-Leg entsteht, wenn ich richtig belaste. Sicherer an Steigungen und Gefälle. Konzentrieren bringt auch Sicherheit und wachsendes Zutrauen. Ich verwende einen längsovalen Schaft mit flexiblem Innenschaft, eingebaut das Air Compact System nach Pohlig (Otto Bock), damit ich bei Bedarf enger machen kann. Der Seal In Liner ist von Össur, sehr hautangenehm. Fuß: Dynamic Walk 1D35, auch von Otto Bock. Orthopädie-Techniker Daniel Vette. Seine Leistung hat wesentlich zum Gelingen meiner Tour beigetragen.
Die „Tankfüllung“ könnte zum Dilemma werden. Ich will wegen des größeren Bedarfs nicht einfach 50 bis 100% mehr essen, Fett oder auch Zucker wäre dann entsprechend viel zuviel. Nicht mehr, sondern hochwertiger muss es sein.
Das Problem war lösbar, weil ich die FitLine Produkte zur Optimierung meiner Ernährung schon lange kannte, die auch sehr viele Weltmeister nehmen und große Sportverbände empfehlen. Auch für mich ist es zuverlässige und spürbare Energiegewinnung, Konzentration, Regeneration meiner Muskeln nach weiten Wanderungen, Gelenksicherheit, Zellschutz und einiges mehr; ich habe seitdem kein wesentliches Problem.
Ohne mehr Zucker und Fett! Unterwegs lecker zum Trinken. Das beste war letztes Jahr, dass die Entzündungen am Beinstumpf trotz des Laufens weggingen. Aktuell habe ich gar keine erst gekriegt! Als „Regenschirm“, also Vorsorge für Fitness und Gesundheit genau das, was ich für meine ausdauernden Leistungen brauche. FitLine ist mir nun schon seit vielen Jahren im Alltag, und besonders auf Wanderungen, neben dem C-Leg seit Februar 2010 zum unverzichtbaren Begleiter geworden.
Das dritte mache ich zur Zeit und steht in allen Berichten: MEHR Bewegung mit Vergnügen außerhalb des Alltags.
Dazu dient auch regensichere Kleidung von Klepper und Globetrotter der Gesundheit. Herr Rudi Ziegler, der sich schon zum Mitwandern angemeldet hat, besorgte mir medi Prothesenschuhe.
Alle diese hochwertigen Produkte ermöglichen mir die Erhaltung der Mobilität nach der Amputation.

Heute sind noch Berichte nachzuholen, Skizzen zu zeichnen und Bilder zu versenden. Gleich schaue ich noch in das Buch vom Eichsfeld und Werrabergland. Dort ist der schwierige Weg beschrieben, der morgen für mich auf dem Programm steht.
R.

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Etappe 6 / Grünes Band / Eichsfeld

Tag 27 Samstag, 16. April 2011, ab 9.45 Uhr: AKTIONSTAG „BEWEGUNG HILFT“

Eröffnungsroute Grünes Band mit Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte

Wanderstart: 9.00 Uhr bei der Heinz-Sielmann-Stiftung, Gut Herbigshagen.
Weiter zur Sielmann-Hütte, zum West-Östlichen Tor und zum Grenzlandmuseum Teistungen.

Ich sitze im Waldhaus Obergrasmühle, bereite den nächsten Tag vor und denke an die heutigen Ereignisse zurück. Kein Balance-Akt auf Schlammwegen, keine Rast auf buckeliger Wiese, keine einsame Pirsch auf Wald- und Wiesenböden. Diesmal ist es harter Beton, ehemals raffiniert verlegt, nur um Macht zu festigen und Freiheit zu zerstören. Diesmal mit Bierbänken und -tischen und „Eintopfkanone“.

Gut Herbigshagen, Heinz-Sielmann-Stiftung. Im Hof hatten sich heute vormittag etwa 50 Bewegungshungrige eingefunden, um gemeinsam die eigene „Wanderfähigkeit“ auf dem Grünen Band zu testen. Und um Freiheit durch Gesunderhaltung zu gewinnen. Wanderer mit zwei oder weniger Beinen.
Nach den Begrüßungen der Wandergäste durch Herrn Bürgermeister Wolfgang Nolte, Duderstadt, Herrn Spielmann von der Heinz-Sielmann-Siftung, Herrn Roger Rost von Otto Bock Health Care GmbH und mich führte uns der Weg direkt zur Heinz-Sielmann-Hütte am Grünen Band. Die Schönheiten des Wanderns genießen und die Vorteile dieser moderaten Bewegung erleben und begreifen – ich hoffe, dass dies bei jedem einzelnen Teilnehmer angekommen ist.

Unterwegs Erläuterungen zum Grünen Band und zu geschichtlichen Ereignissen, zum Beispiel
am West-Östlichen Tor, wo der leckere Eintopf geboten wurde, stellten auch kleine Verschnaufpausen dar. Auch deshalb sinnvoll, weil die Steigungen und Gefällstrecken für manchen der Teilnehmer unerwartet steil waren.
Zuerst Herr Rost, später auch Herr Nolte, wollten unbedingt meinen Rucksack tragen. Es wurde mir diese Route richtig zum Spaziergang. Das meiste des Weges kannte ich ja vom Vorjahr. Das DRK war jederzeit präsent. An jedem Querweg zum Kolonnenweg war es wie bei Hase und Igel, das Auto stand schon da. Dankenswerterweise durfte ich gleich die kleine Verletzung von gestern behandeln lassen. Man darf es nicht vergessen, die Helferinnen und Helfer vom Roten Kreuz waren ehrenamtlich dabei.
Nicht jeder konnte oder wollte das Ziel Grenzlandmuseum erreichen. Doch dort wurde uns noch eine sehr interessante Führung geboten, Erinnerungen an den brutal-engstirnigen Alltag im Bereich dieser ehemaligen Grenze.
Bereits vor diesem Rundgang waren die Schlussworte gesprochen worden. Herr Roger Rost stockte den Spendenbetrag pro Teilnehmer am heutigen Lauf, für den Bundesverband für arm- oder beinamputierte Menschen, noch großzügig auf.
Herzlichen Dank! Ich möchte mich hier auch für die zahlreiche Teilnahme, die perfekte Organisation und Unterstützung, und all die guten Wünsche zum weiteren Gelingen der Aktion „Bewegung hilft“ herzlich bedanken.
Es war ein schöner Tag!
R.

Tag 28 Sonntag, 17. April 2011

Ich bin bereits auf dem Grünen Band! Ich dachte gerade: Nanu! Ein Plattenweg! Er führte mich von der Straße bei Ellrich zum Grenzstreifen, wo es südlich weiter geht. Der freundliche Gastwirt hatte mich vor 30 Minuten abgeladen.
Der Harz ist ganz nahe. Im Süden, schon etwas weiter, zieht sich die Kette des Dün ebenfalls nach Westen.
Jetzt hätte ich doch beihnahe die Abzweigung verpasst. 100 Meter breit zugeackert, kurze Saat, doch alles ist trocken. Also nischt wie rüber zum erkennbaren Feldweg. Dieser Acker ist also eine Abkürzung, um auf der Landstraße mit meinem tollen Bein die Autofahrerinnen nicht von ihrer rechten Fahrspur abzubringen. Am Wiedigshof, das gehört zu Walkenried, treffe ich wieder zu den Platten. Dieser Hof dort steht mit seiner Mauer direkt am Grenzverlauf, jetzt zwischen den Landkreisen Osterode und Nordhausen.

Ich erreiche die Höhe des Reseberges. Nach Süden der Blick aufs Eichsfeld. Die Höhe wechselt ständig. Zweimal Rast vor Neuhof. Dann steige ich auf dem nächsten Abschnitt des Grenzweges gleichmäßig hoch zum Großen Warteberg.

Plötzlich Überfall! Es summt rings um mich. Aggressive Grüne-Band-Bienen machen mein Laufverhalten enorm ungleichmäßig. Die Arme wedeln, mit den Beinen geht das weniger gut. Ich spüre Stiche. Aber die Gehhilfen festhalten! Sonst halte ich mich im Schwarm unnötig auf. Da wedele ich mir auch noch die Kappe runter, muß sie auflesen, wedele jetzt mit Kappe weiter, bis ich nach Bienenmeinung doch kein Interesse an ihnen habe. So eigentümlich ist hier bestimmt noch keiner hochgetänzelt. Nebenbei sehe ich, es müssen etwa 8 Stöcke sein. Dann waren die 20 Bienen gar nicht mal so viel. In der Warteberghütte zähle ich am Spiegel die Stiche. 4! Vermutlich, denn am C-Leg ist der Angriff spurlos vorbei gegangen. Am Abend sehe ich auch nichts mehr davon.
Bald ist Tettenborn und das Jugend- und Bildungszentrum erreicht. Ab morgen beginnen die 130 Kilometer, die von der Heinz-Sielmann-Stiftung betreut werden.
R.<br<

Tag 29 Montag, 18. April 2011

In Nüxei, Teilort von Bad Sachsa, steige ich aus. Mein Reservegepäck bringt
der Hausmeister gleich weiter, nach Silkerode. Wenn ich das wolkenlose Wetter bedenke,
den Start an dieser schönen Allee und die Ruhe dieses Waldlandes voller Vogelstimmen, ist klar,
es wird wieder ein unvergleichlicher Tag – wie so viele schon vorher.

Langsam und stetig gewinne ich Höhe am Nordrand des Mackenöder Waldes.
Genau 9 Uhr erreiche ich den Plattenweg. Hier beginnt jetzt, was ich am 24. August 2010
mit Herrn Bürgermeister Wolfgang Nolte beim gemeinsamen Anstieg zum West-Östlichen Tor vereinbart habe:
Wanderung auf dem Grünen Band, etwa 130 Kilometer zwischen Bad Sachsa und Wanfried an der Werra.
1961 der Mauerbau, 2011 sind 50 Jahre auf einer inzwischen befreiten Grenze vergangen.

Das Grüne Band wurde zum Mahnmal. Rund 1300 Kilometer nur in Deutschland.
Auf der gesamten europäischen Länge kann es zukünftig auf internationaler Ebene die
Sinnlosigkeit von Teilungen bewusst machen. Seit über 20 Jahren konnten nun wieder
Verbindungen und neue Sinngehalte entstehen. Den Gedanken des Umwelt- und Naturschutzes
auf diesem Band, auch des Wanderns, pflegt nun an zentraler Stelle die
Heinz-Sielmann-Stiftung, gemeinsam mit dem BUND.

Auf und nieder, auf und nieder, so steigen und senken sich die Platten.
Es erinnert an eine Berg- und Talbahn auf dem Volksfest des Cannstatter Wasens in Stuttgart.
Vier Kilometer nach dem heutigen Start erreiche ich meine 300km-Marke.

Gerade erklimme ich die bisher steilste Stelle, da wiehert es.
„Sie können ruhig weitergehen, er kennt nur noch nicht so einen großen Rucksack“.
Unversehens steht da eine abgestiegene Reiterin neben ihrem neugierig und ängstlich wirkenden Hengst.
Oder kennt er das C-Leg noch nicht? Doch als er ruhig herangeführt wird, siegt die Neugier und damit
die Zutraulichkeit. Bereitwillig frißt er mir die Leckerei aus der Hand, die die Frau mir gegeben hatte.

Gleich darauf klingelt die linke Hosentasche. Dort steckt mein Notiz-Camera-CPS-Mail-Telefon-Kompaß-usw.-Wecker,
der mich notfalls an meinen Hunger erinnert. Am Appetit zu erinnern ist nie nötig.

Unterbrechung des Grünen Bandes. Zwei tiefe Taleinschnitte. Ein kleiner Abstecher über die Wege
der offenen Felder mit Brockenblick, und ich stehe vor einem der ehemaligen Wachttürme.

Kurze Rast unter Bäumen, eine Bank mit Tisch. Ein älterer Mann setzt sich dazu. Er wandert auch sehr viel,
trotz seiner 78 Jahre und er erlebt das gleiche wie ich, keine Tabletten und gute Gesundheit.

Weiter, immer noch nach Westen, genauer West-Nordwest. Dann erreiche ich den nördlichsten Punkt meiner Tour,
als der Weg an einem Talstich nach West-Südwest abbiegt.


Mein Ziel in Silkerode

Am Bornberg biege ich ab, zum Quartier.
Sehr freundlich werde ich aufgenommen.
Acht Beine, drei Personen.
Benny beschnüffelt mich nach einer Bellbegrüßung.
Dann gemeinsames Abendessen.
R.

Tag 30 Dienstag, 19. April 2011

Rosi und Rudi machen uns ein gemeinsames Frühstück. Auch Benny ist angetan davon.
Rudi und Benny fahren mich hinauf aufs Grüne Band; gemeinsam ziehen wir los.

Rudi zeigt mir den Baum, an dem er als Schuljunge stand. Er schaute damals vom
„Westen“ in den „Osten“; er erlebte in seiner Grenzgemeinde den abgeschirmten Alltag als „normal“.

Benny freut sich über die Wanderung. Immer wieder springt er an mir hoch;
sicher soll ich meine Prothese etwas beschleunigen. Rudi hat fortwährend Stories
und die Zeit vergeht. Nach etwa vier Kilometern zweigen sie wieder ab.

Die Grüne Buckelpiste gen Süden in die Osterwoche hinein kann ich nun konzentriert genießen.
Wie bestellt flitzen drei Osterhasen über das Feld. Heute ist die Topografie noch schräger gefaltet.
Weit und steil hinauf, weit und steil hinunter. Richtig gut symbolisch, wie manchmal im Leben.
Es geht aber doch deutlich leichter, als gekochte Ostereier auszupusten!

Nach meiner ersten Rast steige ich abwärts nach Zwinge. Gleichmäßig neigt sich das C-Leg
und gibt den nötigen Widerstand. Am alten Bahnhof fangen die Muskelpisten wieder an.
Wieder paarmal auf und ab bis der erwartete Anruf kommt.

Herr T. W. macht mit mir einen Treffpunkt aus. Seine Mitarbeiterin Jutta wird zur Mitwanderin,
denn sie filmt im Gelände. So breche ich also die Wanderung nicht vorzeitig ab, sondern wir
suchen am Berghang zuerst geeignete Hintergründe, Vordergründe, Wegstücke. Sie hat Stativ und Camera,
und so ziehen wir los. Sumpfdotterblumen, Pferde, Ziegen, alles passt zu meinem schönsten Bein.
Der Talweg nach Fuhrbach ist aber versperrt. So kommen wir immer höher, zu den Baumreihen,
über steile Wege, ein Feld, buckeliges Gras, noch höher, doch der erhoffte Weg ist – wieder der Plattenweg.
Nirgends eine Abzweigung ins Tal, den gleichen Weg zurück wollen wir beide nicht. Erst nach dem fünften An-
und Abstieg gelangten wir hungrig und schwitzend, aber begeistert von diesem Abstecher, ins angestrebte Ziel.
R.

Tag 31 Mittwoch, 20. April 2011

Nun sind seit dem 12. April, dem letzten Ruhetag in der JH Beichlingen, acht Wandertage vorbei.
Den für die Grüne-Band-Wanderung am 16. April bereitgestellten bzw. verschobenen Ruhetag verwende
ich heute für intensive Regeneration in direkter Verbindung mit einem Ruhetag und einem Puffertag.

Auch für die Text- und Bildberichte ist Nachholbedarf. Wie schon einmal erwähnt,
ist es nicht immer möglich, die neuen Ereignisse am gleichen Tag festzuhalten.
Um den Stau in Grenzen zu halten, versuche ich das an den Regenerationstagen aufzuarbeiten.

Heute in Duderstadt: Was brauche ich? Bummel durch die Stadt, Zahnbürste und -pasta,
ein Eis, das war’s schon. Dann Tippbewegungen, wichtige Telefonate, etwas Glotze, Bildversand, Planung.
R.

Tag 32 Donnerstag, 21. April 2011

Abend in der ruhigen Marktstraße in Duderstadt.
Vorn das Hotel „Zum Löwen“, im Hintergrund das schöne Fachwerkrathaus

Regulärer Ruhetag. Wieder einiges zu erledigen. 9 Uhr Massage, doch der zweite Teil
kann erst nach 14 Uhr erledigt werden.Dazwischen bei Otto Bock, habe den USB Stick aktualisiert.
Nachmittags zwei Skizzen fürs Internet. R.

Tag 33 Freitag, 22. April 2011

Zusatzruhetag. Weitere Berichte sind nochmal nötig, die bisher nicht übertragen wurden.
Die Entspannung dieser drei Tage tut gut. Eine Überanstrengung kann ich mir nicht leisten;
die gesunde Ausdauer kommt aus dem Wechsel von Anstrengung und Entspannung.

In den gezielten Ruhetagen habe ich vielleicht nicht mal die 60% Mehrbedarf an Energie,
die man mit Oberschenkelamputation im Alltag mehr verbraucht. Kürzlich bestätigte mir Herrr Dr. Neumann
von der Moritzklinik in Bad Klosterlausnitz, dass es 50 bis 100% sein können. Es gibt dafür Tabellen;
er kopierte mir eine. Und weil mein Kohldampf regelmäßig nach 4-5 km einsetzt, glaube ich es ihm auch.

Doch diese Wanderung ist deutlich anstrengender als der Alltag. Trotzdem ist es doch interessant,
dass ich diese Anstrengung schon lange nicht mehr als anstrengend empfinde und dass es mir dadurch
insgesamt ausnehmend gut geht.

Heute kam noch eine Anmeldung zum Mitwandern für Montag.
R.

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Etappe 5 /Thüringer Becken / Schmücke

Tag 23 Dienstag, 12. April 2011

So sieht das also aus: Bedeckter Himmel. Schon fast vergessen! Und die himmlische Windmaschine ist wieder angeworfen. Nur im 2. Gang. Nach den 2 Ruhetagen, die auch sie mal gebraucht hat. Mit zurückhaltenden Tropfen.
Mit Rucksack hinauf zum Saal des Frühstücks. Müslitime! Körnerbrötchen-Optimierung. 5 Tassen Apfeltee. Die Küchenfee richtet mir noch ein Mitnehmsel. Fertig, Rucksack auf, Schlüssel abgeben – HALT!!! – die obligatorische 2. Schüssel Müsli!!! Was sein muss, muss sein! Nicht umsonst bestehe ich doch zu 25% aus Müsli.
Um wieder die 13 Kilometer unter meine 5 Zehen zu kriegen, kommt jetzt der 2. Start. Müsli, für eine kräftige Hornhaut, ohne Blasen! So sieht ein gelungener Start aus…

Zuerst hinab ins Dorf, dann aber rechts hinauf, vorbei am riesigen Komplex des Schlosses. Den Schülerstimmenschwall in der Juhe ausgetauscht gegen die melodische Waldkomposition aus Vogelstimmen, Ästeknacken und Wipfelrauschen. Zunächst auch verständliche Beschilderung der Wanderwege, dann aber Hinweisschildermangel und Rätselraten.
Tropfen, dunkelgraue Wolkenmasse. Wieder die Jacke, Rucksack in die blaue Hülle gezogen, weiter. Nur 3, 4 Minuten – helle Sonne durch die Bäume, strahlend blauer Himmel. Ich beschwere mich natürlich nicht.

Nach vielen Wegkurven gelange ich auf den Höhenweg der Schmücke. Sie löst nun in Richtung Westen die Finne ab. Ich meine, gerader, als mit dem Lineal gezogen, dünn und schmal. Einen Kilometer südlich entlud sich gerade eine heftige Schauerwolke über den Feldern, bei mir aber Sonne, zunehmend. Oben gleich ein Rastplatz. Was ist drin in der Provianttüte? Schokowaffel, Corny Big, Orangengetränk, Apfel, Banane, eine gute Frischluftmahlzeit.
Dasselbe Spiel nochmal: Wolke, blaue Hülle, 13 Tropfen, Sonne. Die Schmücke senkt sich, der Wald hört auf. Eine breite Regenwand wälzt auf mich zu, doch wieder treibt sie der Wind südlich vorbei. Von einem weiteren Unterstand lässt sich die Wetterentwicklung hervorragend beobachten.
Mit dem iPhone werden diese Bilder nichts. Doch mit der Lumix kann ich diese tiefblaue Wolkenwalze eindrucksvoll einfangen.

Doch außerhalb des Waldes merke ich erstmal, dass die Windmaschine recht hoch aufgedreht ist. Da hilft nichts, Weste und Jacke hoch zuziehen, Kragen hoch, einfach weiter. Ich durchquere das schmale Tal, welches die Schmücke zersägt hat, drüben wieder steil empor.
Freie und weite Sicht nach allen Seiten. Südlich das Thüringer Becken, westlich vor mir die Hainleite, nordwestlich der breite Höhenzug des Kyffhäusers, nördlich die Hohe Schrecke und im Osten das Ende der Finne. Und man sieht, wie schmal die Schmücke dort ist, Oben etwa 20 Meter breit.
Der Frühlingssturm ist hier so stark, dass ich manchmal fast stehenbleibe. Aber das ist trotzdem das schönste Stück des heutigen Weges.
Nach der 3. kurzen Rast spüre ich eine Blase an der Zehe. Klammheimlich gebildet, war da doch der Gegenwind zu stark? Auf der nächsten windstillen Waldbank bekommt sie ein Omega 3-beträufeltes Pflaster.
Ausgebremst durch den Wind komme ich 18 Uhr in der Wasserburg-Juhe gerade noch zum Essen zurecht. Im Torhäuschen beziehe ich heute mein Bett.
R.

Tag 24 Mittwoch, 13. April 2011

Das alte Wasserschloss, schnell flüchte ich daraus. Kühles Wetter ist angenehmer als kühle Stimmung. Es ist wirklich sehr kühl heute. Schon hier im Tal ist der Wind knapp umwerfend. Ein anderer Weg zurück zum Kammweg der Schmücke. Heute mit 2 Jacken plus Weste, und das braucht man. Doch beim Anstieg zur ersten Rast wird es in den vielen Klamotten warm wie auf der Ofenbank. Solches „Mieswetter“ könnte durch einen Regen schon noch erlebnisreicher werden. Auch so bin ich es zufrieden, zum Wandern ist ja jedes Wetter gut.

Weiter, den Rest des Anstieges hinauf, und ich bin wieder am Ort der gestrigen Blasenentdeckung – die Behandlung war übrigens erfolgreich. Jetzt weiter westlich. Im Wald habe ich nur noch einen sachmalen Pfad. Bald wirkt der Bergrücken wie ein Dachfirst. Am Ende der Schmücke ein extrem steiler Abstieg. Felssteine treten hervor, die lose Erde beginnt unter den Sohlen zu rutschen, da hilft nur der Krebsgang. Und mit den Gehhilfen bin ich ja „vierbeinig“ .

Bei Sachsenburg überquere ich das Unstruttal. Die Unstrut hat sich hier prägnant durch den Höhenzug gefressen. Ich werde dadurch an meine 2. Rast erinnert, denn auch ich habe noch Material aus dem Rucksack „abzutragen“.
Zuerst noch was leisten. Dafür gibt’s hier gleich mal den nächsten Berg. In der historischen Pflaumenallee, 400 Meter höher, habe ich den richtigen Platz mit weiter Aussicht gefunden. Weiterhin bedeckter Himmel, die Sonne ist heute kraftlos, der Wind bleibt kalt. Der Blick nach Süden reicht heute bis zum Thüringer Wald, auf dem die Hälfte der ganzen Tour erreicht wird. Die Pflaumenblüte beginnt gerade, Pflaumen gabs heute früh als Mus. Die nächste Wanderung muss ich also im Herbst machen.

Weiter oben ein Bauer mit seinem PKW. Er fragte, woher, wohin des Weges, warum usw. Ich erzählte ihm alles was ich vorhabe. Er verdrehte die Augen: „…das gammer gar keen erzähln!“
Ein Stück noch am Waldrand entlang, dann nach Südwest in eine ebenfalls blühende Kirschallee. Doch dann sehe ich den „Strich in der Landschaft“. Ein Kontrollmast, um hier den Wind zu messen für den eventuellen Bau von Windmühlen. Noch eine kurze Rast im Gras zur Vertilgung der Reste. Manchmal jetzt blaue Auflösungen am Himmel. Doch der Nachschub an Wolken reißt nicht ab. Wieder um 18 Uhr komme ich nach diesmal 15 km am Ziel an.
R.

Tag 25 Donnerstag, 14. April 2011

Bilderbuchwetter! Die wenigen Wolken sind akzeptiert. Der Wind statt stürmisch ein sanftes Fächeln. Temperatur unangewärmt. 0 Grad heute früh. Kühl ist cool diese Tage!
Das Flüsschen hier heißt Wipper. Es hatte durchbrechenden Erfolg. Denn es durchbricht, aus dem Eichsfeld kommend, von Norden her die steilen Muschelkalkfelsen der Hainleite. Von meinem Quartier in Bilzingsleben aus folge ich dem Fluss aufwärts, gelange auf dem Wanderweg abkürzend über den Hügel. In einer Obstplantage rattert es. Dann weiße Sprühwolken mit dem Wind zu mir.
Schnell weiter!

Ein schmaler Pfad führt wieder hinunter ins sonnige Tal. Die Luft wieder sauber, keine Straße, kein Lärm. Nur eine relativ melodische Motorsäge beendet die anfängliche Ruhe. Trotzdem, zum Wald gehört es dazu. Nach einigen Talwindungen eine Bank zum richtigen Zeitpunkt. Ruhe, Frieden, Traktorgeräusch, zwei lange sprühende Arme schieben sich 10 Meter breit über das Feld, die Luft riecht südlich, guten Appetiet! Nach dieser gekürzten Rast und dem Ort Günserode folgen leider etwa 3 Kilometer Straße. Rechts der massive Abbruch des Kohnsteins, dann kann ich wieder in den Wald abbiegen.
Heute wird alles etwas anders. Morgen besonders früh raus. Also doch lieber etwas kürzer heute. Bei der 2. Rast unterhalte ich mich mit einem Mann, den ich in Seega wiedertreffe. Und er bietet mir an, mich nach Berka zur Pension zu bringen.
R.

Tag 26 Freitag, 15. April 2011

Bereits 7 Uhr steht das Taxi vor der Tür. Mit dem geplanten Bus klappt es heute nicht. Mein Termin 14 Uhr in Heringen muss wegen der Abholung zum Sanitätshaus in Nordhausen unbedingt klappen. An der Klinik Sondershausen steige ich aus, während mein Gepäck noch etwas weiter fahren darf.

Es dauert nicht lange, da haben meine Finger das gewohnt coole Gefühl der Klammheit. Dagegen funktioniert meine Körperheizung, unter der Jacke, und zusätzlich bergauf, ganz prima. Im Westen gibt es klaren, blauen Himmel, doch von der östlichen Luftströmung wird er zusehens zugedeckt.
Rast, welliger Bergwald, hügelige Felder, staubige Schotterwege (entsprechend eingefärbte Stiefel), weißblühende Hecken und Bäume, so geht es weiter. Östlich der Blick zum Kyffhäuser. Da, wieder eine Bank, ein Tisch, überdacht, gleich ein Foto machen! Ich mache eine Drehbewegung, bleibe mit dem rechten Schuh an einem Stein hängen, habe genug wirksamen Schwung, ich spüre die Bremswirkung des C-Leg, doch schon liege ich längs auf der rechten Seite, den Unterarm in Kontakt mit dem Schotter. Beim Aufstehen zieht mich der Rucksack noch einmal nach hinten, peng, Zugabe! 5 Schritte zum Tisch, Pflaster, Schere, Q10, Anruf beim Sanitätshaus. Rucksack, beide Jacken, alles ist staubig, ich werde mehr Zeit brauchen.
Mein Anruf beim Sanitätshaus bewirkt, dass ich nach kurzem Weitermarsch nach Nordhausen abgeholt werde. Dort kurze Verarztung, danach mit Rudi Ziegler ein Nordic Walking Training, ein sehr schöner Nachmittag!
R.

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Tag 18 Donnerstag, 7. April 2011

Tag 18 Donnerstag, 7. April 2011

Kartoffelpuffer! Zum Frühstück und für Unterwegs. Dazu noch ein Eierkuchen, der restliche von gestern abend. Und noch was Wichtiges: Hier gibt es Schmalzbemmen für einen Euro!
So in die höheren Gefilde der Lebensqualität befördert, mache ich mich zu den Burgen auf.

Die Rudelsburg ist eine impusante Anlage. Unmittelbar am senkrechten Abbruch des Muschelkalkes, unter sich die Saale. Der schwere Weg lohnte sich wieder mal, ich genieße die Aussicht. Ähnlich ist es danach bei den beiden Türmen der Saaleck.

Hier, bei der ersten Rast, dämmert mir, dass Donnerstag ist und ich gestern den Anruf beim Gruppenabend der SHG verschwitzt habe. Sicher gelangen meine Grüße auch auf diesem Wege an alle!
Hier im Windschatten ist es angenehm. Aber als ich ankam, hat mich der Wind regelrecht in die Ruine gepustet. Weiter geht’s durch den Ort Saaleck. Selbst hier im Tal schafft es der Wind, mich vollständig zu stoppen. Aber nur einmal, jetzt kommt der Windschatten des „Himmelreiches“, der Berghang, den mir Frau Hübner gestern schon gezeigt hatte. Auch das Gebäude hier links, wo ihr Sohn Pferde für Kutschfahrten hält. Auch das „Bistro“ an der Bootsanlegestelle, wo ihre Tochter Urlauber und Kanufahrer bewirtet. Familienzusammenhalt, einfach, preiswert und im Einklang mit der Natur.

Ich komme in den Wald. Völlig anders als vor ein paar Tagen. Hier findet eine programmierte grüne „Explosion“ statt, wochenlange Frühlingshighlights.
In Großheringen steige ich am Gegenüberhang steil empor. Wieder diese alten, naturbelassenen Landstraßen. Am Rand ist Rast, wo es weniger weht. Der Wind pfeift bis in die Joghurtflasche, wenn ich sie zum Trinken ansetze. Wieso Joghurtflasche? Gestern abend noch hatte ich der Frau Hübner meinen FitLine-Joghurtbereiter gegeben, um die Probiotik frisch anzusetzen.
Der Himmel bedeckt sich. Wer kennt übrigens das sächsische Wort dafür mit 3 „Z“? „szietzschzu“! -bedeutet: „Es zieht sich zu“.
Nun noch weiter ansteigende Wiesenwege. Nochmal steil runter, die Jugendherberge Bergsulza. Sehr freundlich dort. 21,50 für Halbpension, gratis Gepäcktransport, Sofortbezahlung einfach per Internet. Zimmer gegenüber Behindertendusche. Der Herbergsvater muß derzeit selbst Gehhilfen benutzen, möchte mir alles etwas erleichtern.
Gestern nach dem Vortrag in der Moritz Klinik per Klinikfahrer nach Bad Kösen. Pension Saaletal, gegenüber der beiden Burgen, eine ungewöhnliche Tallandschaft, ein einmaliger Platz mit Wiederholungswert.

Tag 19 Freitag, 8. April 2011

Halb 8 beim Stehfrühstück. Es soll schnell gehen, der Anstieg zur Finne kommt heute. Schnell ein Müsli und alles andere verstaut. Die Schüler kucken, das C-Leg scheint ihnen wie ein Ding von einem anderen Stern.

Durch Bad Sulza an der Ilm. Kurz vorher wechsle ich die dicke warme Hose gegen die Prothesensichthose. Das Wetter wärmt sich ein, der Weg steigt steil an, Jacke nicht nötig, doch je höher ich bin, um so heftiger ziehts. Jacke also wieder an, drunter die Weste, Kragen hoch, Mütze tief gezogen. Doch die Zipphose bleibt. Das halbe Beinpaar kann ja doch nur zu 50% frösteln. Seitlich driftet das C-Leg manchmal in Wind-Richtung östlicher Acker, von vorn angeweht bekomme ich klamme Nasenflügel. Ein Wind mit unterkühlter und wütender Stimmung.

Nach Auerstedt Windstille hinter einer Hecke. Während ich kaue, schlucke und genieße, treibt die Wolkendecke davon, die Wärme ist zurück. Dann hinauf zur Finne, dem Höhenzug am Nordrand Thüringens. Alles wird heideähnlich. Der Ausblick ins Thüringer Becken ist grandios. Dort im Süden ahne ich Weimar. Im Osten, das wird Naumburg sein, mit dem Tal der Saale. Dann Wald mit blühenden Weißdornhecken, eine Windmühle, eine Rastbank für die 2. Rast.

„Da hammsesich abber verlaufen – der Pilgerwech geht doch da drübn – abber wennse nach Marienthal wolln sinnse richtisch“. Also werde ich mit meinem Rucksack mit ’nem Pilger verwechselt. Also scheinen die auch dauernd zu wandern. Also ist Religion bestimmt gesünder als Autofahren!
Lange Pappelallee, rechts in die Kastanienallee, da ist das Schloss. Mal sehen, was es heute hier gibt: Schloßgeist, Schloßfräulein oder nur ’ne Führung?
R.

Tag 20 Samstag, 9. April 2011

Es ist Abend, ich versuche in Bittstellerhaltung an der Steckdose im Quartier eine iPhone-Ladung. Siehe da, es reagiert ja DOCH! Vorausgegangen waren folgende Dinge, heute leider ohne Bilder – wieso?
Der Morgen war wieder sehr frisch bis kalt. Obwohl die Sonne Wärme wenigstens vermuten ließ.
Auch heute musste ich erst wieder die Jacke anziehen. Nach kurzem Marsch im Wald rechts ein Bach, links ein Specht. Dem Talbeginn folgte ich abwärts, denn ich wollte heute nicht dem Finnewanderweg weiter folgen. Bald hebt sich der Talboden wieder; Karst, der Bach ist längst versickert, kommt erst weiter unten wieder ‚raus.
Am Waldrand zückte ich das iPhone, doch es reagierte nicht. Trotz nächtlichem Aufladens. Mit gut Zureden fing ich gar nicht erst an. Technik reagiert bei mir nie darauf. Los, auf ins nächste Dorf! Jeder Wirt hat wohl eine Steckdose. Deshalb zog ich von der geplanten Route weg, südlicher nach Herrengosserstedt.
Ob diese Dose wohl Strom hat (weil sich nix tat)? „Sicher!“, sagte der Wirt. Eine halbe Stunde Ladeversuch und zweifelnde Unterhaltung über Steckdosen. Nix tat sich.
Was tut mir dieses iPhone an? Aber eine klare Wegführung nach Rastenberg bekam ich. Erst den Graben lang und dann rechts! Also ging ich endlich mit meinem stillen iPhone, betankt mit Gulaschsuppe.
Nach einer Wiesenwegpause fragte ich einen Bauern, ob das hier noch richtig sei. Nur ein kleiner Umweg wegen der neuen ICE-Trasse, ich kam nun schon wieder weiter südlich ab. Seine Beschreibung stimmte zwar, nur im nächsten Tal fehlte mal wieder der direkteste Weg. Die Felder voller Saat, soweit man blicken kann. Das bedeutete, parallel auf dem Talweg zurück, bis endlich die geplante Route wieder erreicht war.
Ein Kastenwagen hält. „Wollnse e Stickschn midgomm?“ Ich bedanke mich bei dem freundlichen Landsmann – sehr nett, nein, danke! Ich will ja eigentlich wandern.
Weiter nach Westen, einen Hohlweg hoch, eine Rast beim Abstieg, der nächsten Hang hinauf bis zum Waldrand. Dort, im Bergwald von Rastenberg, traf ich meinen heutigen Vermieter. Er joggte erst noch, ich wanderte zum Tagesziel.
Die Kilometer der Tour überprüfen! Ich stelle fest, dass ich bereits gestern am Ziel in Marienthal die 200-km-Marke erreicht hatte. War dann also die Wirts-Steckdose doch ein Flopp? Oder- gähn – das ei-fon- gääähhhn – ! Wie üblich, bin ich bald müde, die Gehirngänge schließen sich und drücken gemeinsam auf die Augendeckel, Zeit, um die… weiteren Dinge… Dinge… … mor…gen… .
R.

Doch noch ein paar Fotos – vom Lumix-Display abfotografiert.

Tag 21 Sonntag, 10. April 2011

Ein reichhaltiges Frühstück, eine ungebremste gute Laune, eine verschlafene Stadt, als ich aus ihr verschwinde. Auf die telefonische Anfrage an Carola, meine Tochter, ob in Stuttgart Wolken schweben, sagt sie, durchs Küchenfenster und nirgends sonst seien welche zu sehen. Nun, ich habe hier kein Küchenfenster dabei und trotzdem sehe ich keine Wolken. Und der Wind ist still. Gestern noch hätte er mir den Dotter aus dem Ei geweht.
Die erste Gabelung; jetzt steht’s auf Messers Schneide, ob ich mein Frühstücksei am linken oder am rechten Weg löffeln soll. Doch wichtiger ist mir: Etwa an dieser Stelle habe ich die 220 Kilometer der letztjährigen Probewanderung überschritten!
Gleich nach einem landwirtschaftlichen Wagen mit duftendem Rundbehälter steht eine weissblühende Honigwolkenhecke am Weg. Solche Extreme bietet die ländliche Natur!

Ein Ehepaar und ihr Hund haben nichts dadegen, dass ich mich mit dem Hund ablichten lasse. Eine der vielen netten Begegnungen unterwegs.
Ein Mann steckt liebliche kleine Zwiebelchen in die Erde. „Mein Acker, da habsch Zwiebln, Gartoffln un Bewääschung!“ An dessen Fahrzeug durfte ich mich anlehnen für eine Prothesen-Korrektur: die Linerkante begann mich zu ärgern, da muss ich immer schnell was unternehmen.

Am Rand von Ostramondra ein einsamer Sportplatz. Ein Baumstumpf bietet sich meinem Beinstumpf und mir als Rastplatz und „Zuschauertribüne“ an. Da sitzen wir nun, ich genieße wie üblich, und kein einziges Tor fällt.
Nach dem Ort treffe ich auf den ehemaligen Bahndamm. Gleichmäßig steigt es an. Zwischen den Hecken erhalte ich weite Ausblicke auf einen Teil des Thüringer Beckens. Die halbe Höhe der Finne ist wieder erreicht. Der Südrand dieses Höhenzuges zieht sich lange hin, wie mit dem Lineal gezogen, mit nur wenigen Taleinkerbungen oder Ausläufern. An der Wegkreuzung von Großmonra steht eine Radfahrerin, grinst, und redet vom MDR. Netterweise macht auch sie noch ein Bild.

Kurz vor Burgwenden hält ein Auto an. Ob ich mit will. Eigentlich wollte ich ja wandern, heute aber zeitiger in der Juhe sein. Also gut! Der freundliche Autofahrer bringt mich bis kurz vor Beichlingen. Den Rest steige ich selbst noch, zum Kinder- und Jugenddorf.
Es gibt Krautwickel mit Banane (nacheinander). Außerdem erledigt der „Koch“ noch meine Wäsche.
Morgen früh zeitig raus, in Kölleda habe ich 8 Uhr einen Massagetermin.
R.

Tag 22 Montag, 11. April 2011

Ruhetag in der Jugendherberge Kinder- und Jugenddorf Beichlingen. Wo ich genau richtig bin, so wie ich mich fühle. Vor dem Frühstück reiße ich aus, mit dem Bus nach Kölleda. Massagetermin. Spätstück anschließend erst 8 Uhr.
Halb verdaut zum Mittagessen. Ein Nachmittag für die versäumten Skizzen. So kann ich das endlich auf den aktuellen Stand bringen. Schade, dass ich bei dem Superwetter nicht unterwegs bin. Doch der Wanderplan steht fest.
R.

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Etappe 3/ Holzland, Saale

Tag 12 Freitag, 1. April 2011

Gestern abend rief mich Kai-Uwe Ramig an. Heute früh steht er 8 Uhr an der Rezeption. Wir fahren zum Wanderstart bis ans Haus von Gert Kästel, dem Leiter der Selbsthilfegruppe Gera, und sind bald an dem ersten Anstieg.
Ich freue mich sehr, dass Kai-Uwe mit dabei ist. Er gehört als stellvertretender Leiter zu den engagierten und aktiven Mitgliedern der SHG „Steh auf“, denkt sehr zielgerichtet und realisiert gute Ideen.
Der geplante Weg existiert nicht; wir geraten deshalb erstmal auf eine Verkehrsstraße. Doch nur kurz, bald geht’s hinab in ein enges Tal, bald auf gefurchten Wegen hinauf und an das Wegende. Ein Hochstand, zwei Aussichten, drei Felder, für vier Leute Hunger! Wir probieren die Leiter, doch der Sitz ist nicht für zwei Jagdkollegen gemacht. Am Feldrain sitzt und schmeckt es sich sehr gut.
Doch wie nun weiter? Zurück, NEIN! Mit gefülltem Magen fühlt es sich über das Feld irgendwie gedämpfter an. Dort vorn müsste eigentlich ein Weg sein. Doch warum soll der Landwirt hier einen Weg anlegen, nur weil an dieser Stelle der Kartograf in die Karte einen Strich gezogen hat?

An einem Tümpel finden wir Unmengen von Kröten. Auch an der Straße; manchen Hüpfern war die Richtung zum Wasser nicht klar (dieses übrigens auch nicht), doch das Problem für sie sind ja die Autos.
Der Wind wurde immer stärker, fast weht er mich aufs Feld. Hier ist auch kein Wald. Monokulturen, riesige Flächen. Wo man doch bereits den Wert von der Vernetzung von Feldrainen, Hecken und Waldzonen erkannt hat. Kurz vor Grossbocka ist am Hang ein guter Platz für eine Rast. Danach zieht sich unser Weg noch einige Kilometer über die Straße bis Münchenbernsdorf.
Frau Schmidt begrüßt uns herzlich.
R.

Tag 13 Sonnabend, 2. April 2011

Das kühle Wetter ist vorbei. Ich verlasse das gemütliche Quartier von Frau Schmidt in ihrem Auto; sie erspart mir damit einige Landstraßen-Kilometer. Noch vor St. Gangloff möchte ich aber raus, < passiere den Dorfteich und nähere mich dem Wald. „Da hamm Sie sich abber was vorgenomm“. Der Mann an seinem Garten beneidet mich um meine Gesundheit und stimmt mir zu, dass man schon was dafür tun muss – (müsste!).
Das Holzland besteht für mich aus einem ziemlich großen Wald. Leicht sandiger Boden. Wechsel von Kiefern, Fichten und Birken. Wiederholt rollt der Fuß über einen „Kienappel“. Auch viel Blaubeerkraut gibt’s hier, bereits mit kleinen, hellgrünen Knospen. Ein kleiner Stapel Kiefernstämme lädt zu einer Schönwetterrast ein.
In dem ganzen Wald treffe ich keine Leute. Dafür faltern eckige zitronige Punkte herum, sind neugierig, überprüfen das C-leg und meinen Handrücken und verflattern zickzackig und zufriedengestellt im schattierten Dunkel zwischen den Stämmen. Ab und zu entdecke ich einen Marienkäfer, den nennen wir in Leipzig „Mutschegiebchen“.
Mitten im Wald überquere ich die A9, das Hermsdorfer Kreuz ist deutlich zu sehen, und bin froh, bald wieder in die Ruhe zurückzukommen. Nach den 7 Waldkilometern biege ich rechts am Waldrand, entlang eines Baches, ab. Ein tiefgründiges, himmelspiegelndes Hindernis, ich will es wieder von der anderen Seite sehen. Wunderbar warm hier in der Sonne. Moosiges Gras zwischen Kiefernwurzeln, ein Platz zum Rasten, direkt auf dem kaum benutzten Waldweg.
Zwei Ehepaare, auf der Straße ins Weihertal, kucken, natürlich zum C-leg – „ach Sie sind deeer…! – mir ham doch Sie im Düringenschurnal gesehn…“ Wir unterhalten uns super im hiesigen Hochdeutsch, sie machen noch ein Bild und wünschen bestes Gelingen.
Entlang des Baches, nach 14,5km, erreiche ich das Ziel des 13. Tages, die Weihertalmühle, die gerade noch einige Strahlen der Sonne einfängt.
R.

Tag 14 Sonntag, 3. April 2011

Ein Schritt aus der Weihertalmühle- und ich stehe im Wald. Ein herrlicher Sonntagsstart. Sogleich geht es im engen bewaldeten Tal weiter. Leicht abwärts, zügig. Gut so, denn ich weiß ja nicht, welche Hindernisse kommen.
Stadtroda, eine sehr schöne Kleinstadt. Aus dem engen Tal, dessen Hänge städtisch bebaut sind, steige ich eine schmale Stolpersteinstraße steil hinauf; sie ist nur über Treppen erreichbar. Auf die Hochfläche hinaus führt ein Weg genau in meiner Richtung.
mor dem Wald eine Rast, nach dem Wald eine besetzte Bank, ohne Rast – aber: „Solln mir n‘ bisschn rüggen?“ Sie sehen das C-leg, wir reden über die Tour. Ich brkomme Ratschläge für eine Wegalternative: die Straße sei ruhig, weil in Bau, aber draufbleiben!, weil, der Pfad zum Ort ist zu steil! Naja! Er meint, er bewege sich zu wenig, sein Gewicht sei entsprechend, sie meint das auch für sich. Mehr Bewegung würde helfen!

Nun also die Alternative. Nach dem ersten Ort: Wiesenweg, sumpfige Viehhuflöcher, tiefe Reifenstrukturen, Arbeit für meine Arme, um hochzukommen, dann eine schattige Bank. 2. Rast. Unvermutet stimmt Thüringen an dieser Stelle genau mit der Karte überein. Weiter geht’s im Wald. Dekorativ hingelagerter Stamm. Schwungvoll hebt sich das C-leg darüber. Dann scheint mich der Wald deutlicher darauf aufmerksam machen zu wollen, daß Bäume auch liegen können, und zwar sehr intensiv! Kein Durchkommen. Kurz zurück, nun einfach hinein in den Wald, hindurch und abkürzen. Keine Hindernisse dort, wo sie hingehören. Vor mir blinkt es schon waldrandhell, doch der Boden senkt sich deutlich. Und jetzt durch die Stämme entsteht ein schöner Ausblick zur Leuchtenburg auf ihrem prägnanten Kegel.
Die Baustelle ist ruhig. Der „steile“ Pfad ist problemlos; zu so was sagen wir eigentlich noch „eben“. Man rollt ja noch nicht. Trotzdem bitte nicht stolpern. Nicht links, nicht rechts, und auch nicht gleichzeitig beidseitig!
Der letzte Waldabschnitt. Steil aus dem Ort hinaus. Die Kreuzung mit der angekündigten Rehfutterstelle, Rastbänke für meine 3. Reste-Rast. Sämtlicher Rest wird aber an mich verfuttert. Aber diese verflixte Kreuzung hier ist nicht klar! Ich wähle 300m abwärts und 700m Entfernung aufwärts, um nicht 3 km auf der Straße laufen zu müssen.

Abwärts ist es noch problemlos. In der Karte sehe ich den Aufwärtsweg, in der Natur löst er sich immer mehr in Natur auf. Zuerst steile Spuren, dann eine steile Ahnung von Spuren, dann ein steiler Hauch einer Ahnung von Spuren. Mit allem Unaufgeräumten, womit der Wald so um sich wirft. Ich bestehe aber auf diesem Weg! Siehste, da ist er wieder, wenigstens angedeutet. Es wird ebener. Bin fast oben. Da, drei Stämme, quer, wie zum Angewöhnen, in Brusthöhe. Links und rechts alles dicht verwachsen. Drüber geht auch nichts. Aber drunter sind 40cm Luft, fast unverzweigt. Rucksack runter und rauf auf die Stämme. Ich selbst auch runter, unter die Stämme. Auf dem Rücken schiebend sehe ich das erste Mal, wie gefällte Bäume von unten aussehen. Eine echte Belohnung nach dem Steilwald!
Bald ist die Straße und Seitenroda und das Quartier erreicht. Und damit 15 km. Schöne Abendmotive von der Leuchtenburg, trotz der heranwehenden Regenschauer. Ziemlich kühl nach der heutigen Frühlingshitze.
R.

Tag 15 Montag, 4. April 2011

Ein Blick zur Burg. Da sind Tropfen an der Scheibe. Hat hier jemand schon die Gartenblumen gegossen? Unmöglich, ich bin ja im ersten Stock. Also Regenwetter.
Oben an der Brüstung der Leuchtenburg ziehe ich die obere Regenklamotte bis zur Nasenspitze. Es wedelt hier heftig. Unter mir wehen weiße Fetzen über die Wälder. Grandios! Bei mir flattern die Ohrläppchen. Die ruhigere Zone ist der Abstieg. Ich will ins Seitental, aber auf keinen Fall einen Weg wie gestern beim Anstieg. Leich links kann ich mich ja halten.

Es wird ein Pfad, der immer linkser wird. Trittstufen, die Vorderkande aus Rundholz. Die sich aber auflöst, mit ihr der stufige Boden. Steil ist es auch. Die Schuhsohlen wollen immer schneller als ich. Bald ist Balance gefordert, seitlich jeder Schritt genau geprüft.

Der Regen treibt schnell das Grün aus den Zweigen. Dann bin ich auf der Straße, kein anderer Weg als Alternative. So komme ich sogar noch nach Kahla. Vor der Saale treffe ich endlich auf den Talweg, der nach rechts, also nördlich führt. Eine Stunde in Richtung Jena. Es wird heller. Ich zähle immer mehr Wolkenlöcher. Nach der ersten Rast kommt die Sonne voll durch. Eine frischere Luft zieht um mich. Ich hingegen durch zwei kleinere Ortschaften. Ein Straßendurchbruch mit einem Aufschluss des Sandsteines. Eine neue dunkle Wolke geht in Angriff über, Regensachen erneut an! Doch kaum bin ich weiter, ist sie wieder vorbei, und die Sonne lacht mich an und aus.
Da kommt Rothenstein in Sicht. Am Fuß eines vom Fluß fast senkrecht angeschliffenen Berges. Die Bahntrasse und die Saale direkt davor. Diesen Blick kann ich bequem von einer Bank aus genießen, kombiniert mit den Verpflegungsresten.
Für heute hatte ich eine etwas zeitigere Abholung vereinbart. Ich beziehe für zwei Übernachtungen ein einfaches Quartier in der Nähe des Zeiss-Planetariums. Abends noch ein Gang durch die Altstadtholpergassen Jenas. Kein Regen mehr, aber dafür eine Erfrischung des Inneren, ergänzt durch himmlische Pfannkuchen. Hmm!
R.

Tag 16 Dienstag, 15. April 2011

Nahe der Innenstadt von Jena und des Planetariums habe ich ein einfaches und preiswertes Quartier bekommen können. Die Buchungen dafür stehen ja bereits seit November und Dezember fest. Morgens werde ich von der ROBEX GmbH abgeholt. Um die Schulter- und Nackenverspannungen lockern zu können, sind regelmäßige Massagen erforderlich. Deshalb bin ich nun rechtzeitig bei der Physiotherapie verabredet.
Verspannungen – seit dem Verlassen des Rollstuhles im Oktober 2007 entstehen sie durch den Einsatz der Gehhilfen. Besonders, wenn ich im Gelände bin. Auf den Wanderrouten und Pfaden weiträumig um Stuttgart möchte ich keine Einschränkungen der Beweglichkeit akzeptieren. Es ist eine Befreiung aus den Grenzen, die durch den Verlust des Beines entstanden sind. Die ehemalige Mobilität konnte ich dadurch sehr weit zurückerobern.
Nach der Massage zeigt mir Herr Rothgaenger seine Firma ROBEX. Auch habe ich eine interessante Unterhaltung mit Herrn Dr. Brückner, dem ehemaligen Chefarzt der Moritzklinik in Bad Klosterlausnitz.
14 Uhr. Bei dem anschließenden Vortrag bei REHA AKTIV 2000 sind etwa 10 Gäste anwesend, für zwei ist das Thema Selbsthilfegruppe interessant.
R.

Tag 17 Mittwoch, 6. April 2011

11 Uhr, das Taxi ist da. Es geht nach Bad Klosterlausnitz. Ein Mittagessen mit Herrn Dr. Neumann, Chefarzt der Moritzklinik. Er bestätigt mir übrigens, dass mit der Prothese im Alltag 50 bis 100% Energie MEHR verbraucht werden. Zusätzlich kopiert er mir dazu eine Tabelle. 60 bis 70 Personen sind zum Vortrag während der Mittagspause eingetroffen, dabei 2 Amputierte. Ein Klinikfahrer bringt mich zum Quartier nach Bad Kösen ins Saaletal.
Dieser Ruhetag war einigermaßen geruhsam. Ich brauche diese Tage zum Regenerieren. Auch zum Nacharbeiten einiger Aufgaben. Die Tour verläuft nämlich bisher wie ein Volltimejob, aber bestimmt der coolste von Deutschland!
Wie müsste ein Ruhetag aussehen? Ausschlafen, noch mal rumdrehen, Spaziergang, Planen, Mittagsschlaf, zeitig ins Bett – also gründlich regenerieren für die nächste Wanderetappe.
Wie er aber aussieht, bestimmen die Wandertage, und die stellt man sich am besten so vor: Man ist Wanderer und zugleich ein bisschen Fotograf, Schreiberling, Organisator, Manager, Kontakter, Patient.
5 Uhr bis 5:30 Wecken und ab ins Bad, Energie tanken, munter werden, duschen (falls nicht schon abends geschehen).
Packen (Reservegepäck und Wanderrucksack), Einzelheiten des Tages planen. Ggf. Bericht tippen.
7:00 Frühstück.
7:30 bis 8:30 Abmarsch.
2 bis 3x Wanderrast, je etwa 30 bis 60 Minuten, dabei manchmal schon Bericht verfassen, diese und Bilder verschicken.
17 bis 18 Uhr Ziel erreichen.
Duschen, möglichst vor 19 Uhr essen.
Vielleicht eine Unterhaltung.
20 Uhr Umpacken für den Morgen. Inzwischen habe ich bereits soviel Gehirnschmalz verschmiert, dass für die Berichte kaum noch Zeit ist.
22 Uhr plötzliches Zufallen der Augendeckel, Regenerationsdrinks für Muskeln und Gelenke, ausmessen der Wanderstrecke des Tages.
Und doch ist jeder Tag völlig anders. Nette Leute, schöne Landschaften, frische Luft, ein gesundes Gefühl!
Ist das nicht ein Superjob?
R.

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Etappe 2 / Östliches Thüringen

Tag 7 Sonntag, 27. März 2011

Mit Beginn der 2. Etappe geht es heute nach Thüringen hinein. Im Gepäck diesmal, neben dem üblichen „Flaschen-Tee“, ein Liter Apfelsaft, sowie in eine meiner Flaschen abgefüllt, frischer probiotischer Joghurt, der mir an der kühlen Luft besonders gut schmeckt.

Es sind heute zumeist Dammwege entlang der Speicherbecken mit und ohne Wasser. Minusgrade beim Start, man sieht es an dem Veilchen-Bild. Der purblaue Himmel, die vielen Farben der Hecken, die weite Sicht über die Wasserflächen und Ufer, es ist wieder das reine Vergnügen zu laufen.

Am Hang das Speichers Borna gibt es auf einem Baumstamm die erste Rast. Der südliche Teil dieses Beckens ist ohne Wasser, darf aber nicht betreten werden. Der Untergrund kann zum See hin ins Rutschen und Gleiten kommen.
Ein Motorrad kommt auf dem Damm entgegen. Die beiden wollen Surfen, doch bald kommen sie zurück, ist wohl doch nicht erlaubt.
Direkt nach der Grenzlinie Thüringen raste ich das zweite Mal. Viele Wasservögel kreisen. Jetzt tun das auch die Sonntagsbummler, sie kreisen um die Seen und mit weniger Geschrei.

Am geplanten Tagesziel, Bahnhof Treben, holt mich der Gastwirt ab.
In Altenburg mache ich noch eine kurze Fotorunde.
R.

Tag 8 Montag, 28. März 2011

Etwas Motzstimmung hatte ich heute früh. Eine halbe Std kam ich zu spät weg! Klamme Finger, länger als eine Stunde! Die Prothese nicht richtig angezogen! Das Pflaster hier auf diesen Straßen! Den Reißverschluß der frisch reklamierten Hose geschrottet!´
Dabei habe ich dann doch einiges vergessen:
Ein erstklassiges Frühstücksbuffet! Ein frischer Joghurt wird mir für morgen angerichtet!Gute Marschverpflegung! Ein sonniger Tag! Die Hose wird mir zur Reparatur weggebracht! Ein Anruf zur abendlichen Abholung genügt!
Die Mischung der Ereignisse am Morgen ist doch ganz normal bis spitze!

Heraus aus der Stadt, und das noch winterliche Reizklima in der Kombination kalter Gegenwind und gutwillige Sonne tut beim ersten Anstieg richtig gut.
Der Weg geht nach Westen, von hier bis zum Grünen Band am Südharz. Diese Etapppe 2 im östlichen Thüringen ist überraschend und ungewohnt hügelig. Bisher ja nur anspruchslose, ebene Wege entlang der Pleiße, grad richtig zum Einlaufen. Nun endlich wieder spürbare Topografie unter den Stiefeln, Landschaftswellen auf und ab (aufpassen, dass man sich nicht in den Isohypsen verfängt!), abwechslungsreicher alles.
Als würde ich in einen Bilderband hineinlaufen, ich sehe mich als Schatten vorhergehen, permanent wechselnde Eindrücke mit Gerüchen und Geräuschen, mit jedem Schritt ändert sich die Situation, breiter und höher als die Bildseiten fassen könnten.

Oben in Lödla, mit dem bisher schönsten Straßenpflaster, geht es unmittelbar steil wieder runter. Von Oberlödla nach Unterlödla hinunter, irgendwie logisch! Nicht verwechslungsfähig!
Lödla! Klingt das nicht wie Musik? Wie undeutliches Jodeln mit Sprachfehler?
Dann wieder aufwärts, einen Feldweg. Seitlich ein Traktor, der riesige Runden ackert. Kaum sehe ich oben eine Bank, habe ich Hunger! Ist das ok?
Doch die Bank war noch zu zeitig hier gestanden, Rast und Hunger ungeplant. Ich würge also meine Glückshormone brutal ab und schalte schnell zurück auf Bewegungshormone um.

Entlang eines langen Waldrandes mit dünnen, jungen Birkenstämmen gehe ich in recht warmer Sonne, nun ist keine Jacke mehr nötig. Nach der 3. Rast komme ich auf einen ehemaligen Bahndamm, von Büschen und jungen Bäumen bewachsen. Die Spur wird immer undeutlicher, zuletzt ein riesiger Haufen Laub, seitlich der Boden voller Dornenranken. Später hätte ich hier umkehren müssen. Am Rand von Nißma werde ich abgeholt. Hunger für 15 km. In der Pension finde ich die reparierte Hose.
R.

Tag 9 Dienstag, 29. März 2011


Kurz nach 8 Uhr verlasse ich im Auto der Pension „Treppengasse“ Altenburg, um heute in Nißma zu starten. Das Gepäck bringt wieder ein „Taxi“ zum Zielort, ich darf wie üblich laufen.Doch längst nicht wie geplant.

Zuerst wird der Treffpunkt mit dem Team des MDR verlegt. Ich bin losgelaufen, komme im Wald auf einen Sumpfweg und im Tal fehlt der in der Karte angegebene Weg. Eine Wiesenspur führt mich in der falschen Richtung weiter zu einem Feldweg und einer Straße, auf der dann der Treff funktioniert.
Das Dreier-Aufnahmeteam macht dann Interwiews beim Laufen, Picknicken und mit einem Traktorfahrer auf dem Weg von Kayna nach Naundorf. Es ist ein Riesenspaß, denn er kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass 1000 km mit Prothese machbar sind (Ob das sein Traktor schafft?). Sehr unterhaltsam ist auch die Wiesenmahlzeit unter Kamerabeobachtung. Frau R. spendiert Tee und Banane, ich habe für sie eine Sitzunterlage.
Ich werde bis Pölzig mitgenommen. Der letzte Teil der Route ist heute also die zweite Änderung. Ohne Straße laufen zu müssen, geht’s im rechten Winkel über die Feldwege.

Die dritte kommt mir in Hermsdorf entgegen. Eine Autoscheibe senkt sich. „Suchen Sie was?“ es stellt sich heraus, dass ich soeben meinen „Zimmerchef“ gefunden habe. Noch eine nette Unterhaltung draußen, eine Nudelsuppe, Gurkenbrote mit Wurst, schnelle Müdigkeit, und bald bin ich eingepennt. Die Übertragung der heutigen Aufnahmen habe ich nicht entdeckt.
R.

Tag 10 Mittwoch, 30. März 2011

20 vor 5 bin ich ohne Wecker munter. Und 20 vor 8 klopft es an die Tür und Herr Michael Scheffler kommt herein mit dem Wunsch mitzuwandern. Die Wirtin hat ein reichliches Lunchpaket gepackt, ich selbst packe mich nochmal besser in die Prothese und schon geht es südlich auf Gera zu. Im Nu sind wir per Du, wie das unter Wanderern üblich ist. Diesen Morgen, mit leichtem Dunst, weiter Sicht über die Felder, kann man so richtig genießen.´Michael ist bei Otto Bock Verkaufsleiter, zuständig für den Außendienst Prothetik.

Wir gelangen auf einen bewanderbaren Bahndamm und finden dort im Halbschatten eine Bank. Das Lunchpaket reicht für Zwei. Zwei iPhones sind heute gegenseitig in Aktion und Bildgrüße werden versandt. Ein malerischer Anblick, das Dorf gegenüber, halb verdeckt von hoher Baumreihe. Als es dann weitergeht, führt uns der Damm auf die Höhe zur Brücke ùber die Autobahn. Als meine linke Schulter schmerzt, will Michael den Rucksack übernehmen, und nun tun wir so, als hätte ich einen Rucksackträger.

In Gera werden wir abgeholt, Fahrt zu TOG und zum Hotel. Nach der Veranstaltung folgt noch eine entspannende Massage, die nach den letzten 10 Kilometern richtig wohltut.
R.

Tag 11 Donnerstag, 31. März 2011

Ruhetag, aber ein Termin in Plauen. Von Gera mit der flotten Vogtlandbahn kein Problem. Ein Abstecher durchs romantische Elstertal mit steilen dunklen Felshängen. Ich weiß noch, als die Elster uns in Leipzig ein Hochwasser beschert hatte und ich den überschwemmten Waldplatz bestaunt hatte. Ich weiß auch noch, als ich mit den Freunden samt Fahrrädern am Plauener Bahnhof stand, den Gepäckträger mit dem Rucksack belud, losfahren wollte. Es ging nicht. Ich hatte den Gurt durch die Speichen gezogen und so für Heiterkeit gesorgt.
Heute soll ich beim Sanitätshaus Bandagen Fischer über die Aktion erzählen. Ein Besucher des Vortrages bringt mich zurück zum Bahnhof Barthmühle. Wir unterhalten uns noch gut und laufen etwas, fast bis zur Elsterbrücke, bis der Zug kommt.
R.

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