Etappe 2 / Östliches Thüringen

Tag 7 Sonntag, 27. März 2011

Mit Beginn der 2. Etappe geht es heute nach Thüringen hinein. Im Gepäck diesmal, neben dem üblichen „Flaschen-Tee“, ein Liter Apfelsaft, sowie in eine meiner Flaschen abgefüllt, frischer probiotischer Joghurt, der mir an der kühlen Luft besonders gut schmeckt.

Es sind heute zumeist Dammwege entlang der Speicherbecken mit und ohne Wasser. Minusgrade beim Start, man sieht es an dem Veilchen-Bild. Der purblaue Himmel, die vielen Farben der Hecken, die weite Sicht über die Wasserflächen und Ufer, es ist wieder das reine Vergnügen zu laufen.

Am Hang das Speichers Borna gibt es auf einem Baumstamm die erste Rast. Der südliche Teil dieses Beckens ist ohne Wasser, darf aber nicht betreten werden. Der Untergrund kann zum See hin ins Rutschen und Gleiten kommen.
Ein Motorrad kommt auf dem Damm entgegen. Die beiden wollen Surfen, doch bald kommen sie zurück, ist wohl doch nicht erlaubt.
Direkt nach der Grenzlinie Thüringen raste ich das zweite Mal. Viele Wasservögel kreisen. Jetzt tun das auch die Sonntagsbummler, sie kreisen um die Seen und mit weniger Geschrei.

Am geplanten Tagesziel, Bahnhof Treben, holt mich der Gastwirt ab.
In Altenburg mache ich noch eine kurze Fotorunde.
R.

Tag 8 Montag, 28. März 2011

Etwas Motzstimmung hatte ich heute früh. Eine halbe Std kam ich zu spät weg! Klamme Finger, länger als eine Stunde! Die Prothese nicht richtig angezogen! Das Pflaster hier auf diesen Straßen! Den Reißverschluß der frisch reklamierten Hose geschrottet!´
Dabei habe ich dann doch einiges vergessen:
Ein erstklassiges Frühstücksbuffet! Ein frischer Joghurt wird mir für morgen angerichtet!Gute Marschverpflegung! Ein sonniger Tag! Die Hose wird mir zur Reparatur weggebracht! Ein Anruf zur abendlichen Abholung genügt!
Die Mischung der Ereignisse am Morgen ist doch ganz normal bis spitze!

Heraus aus der Stadt, und das noch winterliche Reizklima in der Kombination kalter Gegenwind und gutwillige Sonne tut beim ersten Anstieg richtig gut.
Der Weg geht nach Westen, von hier bis zum Grünen Band am Südharz. Diese Etapppe 2 im östlichen Thüringen ist überraschend und ungewohnt hügelig. Bisher ja nur anspruchslose, ebene Wege entlang der Pleiße, grad richtig zum Einlaufen. Nun endlich wieder spürbare Topografie unter den Stiefeln, Landschaftswellen auf und ab (aufpassen, dass man sich nicht in den Isohypsen verfängt!), abwechslungsreicher alles.
Als würde ich in einen Bilderband hineinlaufen, ich sehe mich als Schatten vorhergehen, permanent wechselnde Eindrücke mit Gerüchen und Geräuschen, mit jedem Schritt ändert sich die Situation, breiter und höher als die Bildseiten fassen könnten.

Oben in Lödla, mit dem bisher schönsten Straßenpflaster, geht es unmittelbar steil wieder runter. Von Oberlödla nach Unterlödla hinunter, irgendwie logisch! Nicht verwechslungsfähig!
Lödla! Klingt das nicht wie Musik? Wie undeutliches Jodeln mit Sprachfehler?
Dann wieder aufwärts, einen Feldweg. Seitlich ein Traktor, der riesige Runden ackert. Kaum sehe ich oben eine Bank, habe ich Hunger! Ist das ok?
Doch die Bank war noch zu zeitig hier gestanden, Rast und Hunger ungeplant. Ich würge also meine Glückshormone brutal ab und schalte schnell zurück auf Bewegungshormone um.

Entlang eines langen Waldrandes mit dünnen, jungen Birkenstämmen gehe ich in recht warmer Sonne, nun ist keine Jacke mehr nötig. Nach der 3. Rast komme ich auf einen ehemaligen Bahndamm, von Büschen und jungen Bäumen bewachsen. Die Spur wird immer undeutlicher, zuletzt ein riesiger Haufen Laub, seitlich der Boden voller Dornenranken. Später hätte ich hier umkehren müssen. Am Rand von Nißma werde ich abgeholt. Hunger für 15 km. In der Pension finde ich die reparierte Hose.
R.

Tag 9 Dienstag, 29. März 2011


Kurz nach 8 Uhr verlasse ich im Auto der Pension „Treppengasse“ Altenburg, um heute in Nißma zu starten. Das Gepäck bringt wieder ein „Taxi“ zum Zielort, ich darf wie üblich laufen.Doch längst nicht wie geplant.

Zuerst wird der Treffpunkt mit dem Team des MDR verlegt. Ich bin losgelaufen, komme im Wald auf einen Sumpfweg und im Tal fehlt der in der Karte angegebene Weg. Eine Wiesenspur führt mich in der falschen Richtung weiter zu einem Feldweg und einer Straße, auf der dann der Treff funktioniert.
Das Dreier-Aufnahmeteam macht dann Interwiews beim Laufen, Picknicken und mit einem Traktorfahrer auf dem Weg von Kayna nach Naundorf. Es ist ein Riesenspaß, denn er kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass 1000 km mit Prothese machbar sind (Ob das sein Traktor schafft?). Sehr unterhaltsam ist auch die Wiesenmahlzeit unter Kamerabeobachtung. Frau R. spendiert Tee und Banane, ich habe für sie eine Sitzunterlage.
Ich werde bis Pölzig mitgenommen. Der letzte Teil der Route ist heute also die zweite Änderung. Ohne Straße laufen zu müssen, geht’s im rechten Winkel über die Feldwege.

Die dritte kommt mir in Hermsdorf entgegen. Eine Autoscheibe senkt sich. „Suchen Sie was?“ es stellt sich heraus, dass ich soeben meinen „Zimmerchef“ gefunden habe. Noch eine nette Unterhaltung draußen, eine Nudelsuppe, Gurkenbrote mit Wurst, schnelle Müdigkeit, und bald bin ich eingepennt. Die Übertragung der heutigen Aufnahmen habe ich nicht entdeckt.
R.

Tag 10 Mittwoch, 30. März 2011

20 vor 5 bin ich ohne Wecker munter. Und 20 vor 8 klopft es an die Tür und Herr Michael Scheffler kommt herein mit dem Wunsch mitzuwandern. Die Wirtin hat ein reichliches Lunchpaket gepackt, ich selbst packe mich nochmal besser in die Prothese und schon geht es südlich auf Gera zu. Im Nu sind wir per Du, wie das unter Wanderern üblich ist. Diesen Morgen, mit leichtem Dunst, weiter Sicht über die Felder, kann man so richtig genießen.´Michael ist bei Otto Bock Verkaufsleiter, zuständig für den Außendienst Prothetik.

Wir gelangen auf einen bewanderbaren Bahndamm und finden dort im Halbschatten eine Bank. Das Lunchpaket reicht für Zwei. Zwei iPhones sind heute gegenseitig in Aktion und Bildgrüße werden versandt. Ein malerischer Anblick, das Dorf gegenüber, halb verdeckt von hoher Baumreihe. Als es dann weitergeht, führt uns der Damm auf die Höhe zur Brücke ùber die Autobahn. Als meine linke Schulter schmerzt, will Michael den Rucksack übernehmen, und nun tun wir so, als hätte ich einen Rucksackträger.

In Gera werden wir abgeholt, Fahrt zu TOG und zum Hotel. Nach der Veranstaltung folgt noch eine entspannende Massage, die nach den letzten 10 Kilometern richtig wohltut.
R.

Tag 11 Donnerstag, 31. März 2011

Ruhetag, aber ein Termin in Plauen. Von Gera mit der flotten Vogtlandbahn kein Problem. Ein Abstecher durchs romantische Elstertal mit steilen dunklen Felshängen. Ich weiß noch, als die Elster uns in Leipzig ein Hochwasser beschert hatte und ich den überschwemmten Waldplatz bestaunt hatte. Ich weiß auch noch, als ich mit den Freunden samt Fahrrädern am Plauener Bahnhof stand, den Gepäckträger mit dem Rucksack belud, losfahren wollte. Es ging nicht. Ich hatte den Gurt durch die Speichen gezogen und so für Heiterkeit gesorgt.
Heute soll ich beim Sanitätshaus Bandagen Fischer über die Aktion erzählen. Ein Besucher des Vortrages bringt mich zurück zum Bahnhof Barthmühle. Wir unterhalten uns noch gut und laufen etwas, fast bis zur Elsterbrücke, bis der Zug kommt.
R.

Weiter zu Etappe 3
Zurück zur Tourenübersicht 2011

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s