Tag 18 Donnerstag, 7. April 2011

Tag 18 Donnerstag, 7. April 2011

Kartoffelpuffer! Zum Frühstück und für Unterwegs. Dazu noch ein Eierkuchen, der restliche von gestern abend. Und noch was Wichtiges: Hier gibt es Schmalzbemmen für einen Euro!
So in die höheren Gefilde der Lebensqualität befördert, mache ich mich zu den Burgen auf.

Die Rudelsburg ist eine impusante Anlage. Unmittelbar am senkrechten Abbruch des Muschelkalkes, unter sich die Saale. Der schwere Weg lohnte sich wieder mal, ich genieße die Aussicht. Ähnlich ist es danach bei den beiden Türmen der Saaleck.

Hier, bei der ersten Rast, dämmert mir, dass Donnerstag ist und ich gestern den Anruf beim Gruppenabend der SHG verschwitzt habe. Sicher gelangen meine Grüße auch auf diesem Wege an alle!
Hier im Windschatten ist es angenehm. Aber als ich ankam, hat mich der Wind regelrecht in die Ruine gepustet. Weiter geht’s durch den Ort Saaleck. Selbst hier im Tal schafft es der Wind, mich vollständig zu stoppen. Aber nur einmal, jetzt kommt der Windschatten des „Himmelreiches“, der Berghang, den mir Frau Hübner gestern schon gezeigt hatte. Auch das Gebäude hier links, wo ihr Sohn Pferde für Kutschfahrten hält. Auch das „Bistro“ an der Bootsanlegestelle, wo ihre Tochter Urlauber und Kanufahrer bewirtet. Familienzusammenhalt, einfach, preiswert und im Einklang mit der Natur.

Ich komme in den Wald. Völlig anders als vor ein paar Tagen. Hier findet eine programmierte grüne „Explosion“ statt, wochenlange Frühlingshighlights.
In Großheringen steige ich am Gegenüberhang steil empor. Wieder diese alten, naturbelassenen Landstraßen. Am Rand ist Rast, wo es weniger weht. Der Wind pfeift bis in die Joghurtflasche, wenn ich sie zum Trinken ansetze. Wieso Joghurtflasche? Gestern abend noch hatte ich der Frau Hübner meinen FitLine-Joghurtbereiter gegeben, um die Probiotik frisch anzusetzen.
Der Himmel bedeckt sich. Wer kennt übrigens das sächsische Wort dafür mit 3 „Z“? „szietzschzu“! -bedeutet: „Es zieht sich zu“.
Nun noch weiter ansteigende Wiesenwege. Nochmal steil runter, die Jugendherberge Bergsulza. Sehr freundlich dort. 21,50 für Halbpension, gratis Gepäcktransport, Sofortbezahlung einfach per Internet. Zimmer gegenüber Behindertendusche. Der Herbergsvater muß derzeit selbst Gehhilfen benutzen, möchte mir alles etwas erleichtern.
Gestern nach dem Vortrag in der Moritz Klinik per Klinikfahrer nach Bad Kösen. Pension Saaletal, gegenüber der beiden Burgen, eine ungewöhnliche Tallandschaft, ein einmaliger Platz mit Wiederholungswert.

Tag 19 Freitag, 8. April 2011

Halb 8 beim Stehfrühstück. Es soll schnell gehen, der Anstieg zur Finne kommt heute. Schnell ein Müsli und alles andere verstaut. Die Schüler kucken, das C-Leg scheint ihnen wie ein Ding von einem anderen Stern.

Durch Bad Sulza an der Ilm. Kurz vorher wechsle ich die dicke warme Hose gegen die Prothesensichthose. Das Wetter wärmt sich ein, der Weg steigt steil an, Jacke nicht nötig, doch je höher ich bin, um so heftiger ziehts. Jacke also wieder an, drunter die Weste, Kragen hoch, Mütze tief gezogen. Doch die Zipphose bleibt. Das halbe Beinpaar kann ja doch nur zu 50% frösteln. Seitlich driftet das C-Leg manchmal in Wind-Richtung östlicher Acker, von vorn angeweht bekomme ich klamme Nasenflügel. Ein Wind mit unterkühlter und wütender Stimmung.

Nach Auerstedt Windstille hinter einer Hecke. Während ich kaue, schlucke und genieße, treibt die Wolkendecke davon, die Wärme ist zurück. Dann hinauf zur Finne, dem Höhenzug am Nordrand Thüringens. Alles wird heideähnlich. Der Ausblick ins Thüringer Becken ist grandios. Dort im Süden ahne ich Weimar. Im Osten, das wird Naumburg sein, mit dem Tal der Saale. Dann Wald mit blühenden Weißdornhecken, eine Windmühle, eine Rastbank für die 2. Rast.

„Da hammsesich abber verlaufen – der Pilgerwech geht doch da drübn – abber wennse nach Marienthal wolln sinnse richtisch“. Also werde ich mit meinem Rucksack mit ’nem Pilger verwechselt. Also scheinen die auch dauernd zu wandern. Also ist Religion bestimmt gesünder als Autofahren!
Lange Pappelallee, rechts in die Kastanienallee, da ist das Schloss. Mal sehen, was es heute hier gibt: Schloßgeist, Schloßfräulein oder nur ’ne Führung?
R.

Tag 20 Samstag, 9. April 2011

Es ist Abend, ich versuche in Bittstellerhaltung an der Steckdose im Quartier eine iPhone-Ladung. Siehe da, es reagiert ja DOCH! Vorausgegangen waren folgende Dinge, heute leider ohne Bilder – wieso?
Der Morgen war wieder sehr frisch bis kalt. Obwohl die Sonne Wärme wenigstens vermuten ließ.
Auch heute musste ich erst wieder die Jacke anziehen. Nach kurzem Marsch im Wald rechts ein Bach, links ein Specht. Dem Talbeginn folgte ich abwärts, denn ich wollte heute nicht dem Finnewanderweg weiter folgen. Bald hebt sich der Talboden wieder; Karst, der Bach ist längst versickert, kommt erst weiter unten wieder ‚raus.
Am Waldrand zückte ich das iPhone, doch es reagierte nicht. Trotz nächtlichem Aufladens. Mit gut Zureden fing ich gar nicht erst an. Technik reagiert bei mir nie darauf. Los, auf ins nächste Dorf! Jeder Wirt hat wohl eine Steckdose. Deshalb zog ich von der geplanten Route weg, südlicher nach Herrengosserstedt.
Ob diese Dose wohl Strom hat (weil sich nix tat)? „Sicher!“, sagte der Wirt. Eine halbe Stunde Ladeversuch und zweifelnde Unterhaltung über Steckdosen. Nix tat sich.
Was tut mir dieses iPhone an? Aber eine klare Wegführung nach Rastenberg bekam ich. Erst den Graben lang und dann rechts! Also ging ich endlich mit meinem stillen iPhone, betankt mit Gulaschsuppe.
Nach einer Wiesenwegpause fragte ich einen Bauern, ob das hier noch richtig sei. Nur ein kleiner Umweg wegen der neuen ICE-Trasse, ich kam nun schon wieder weiter südlich ab. Seine Beschreibung stimmte zwar, nur im nächsten Tal fehlte mal wieder der direkteste Weg. Die Felder voller Saat, soweit man blicken kann. Das bedeutete, parallel auf dem Talweg zurück, bis endlich die geplante Route wieder erreicht war.
Ein Kastenwagen hält. „Wollnse e Stickschn midgomm?“ Ich bedanke mich bei dem freundlichen Landsmann – sehr nett, nein, danke! Ich will ja eigentlich wandern.
Weiter nach Westen, einen Hohlweg hoch, eine Rast beim Abstieg, der nächsten Hang hinauf bis zum Waldrand. Dort, im Bergwald von Rastenberg, traf ich meinen heutigen Vermieter. Er joggte erst noch, ich wanderte zum Tagesziel.
Die Kilometer der Tour überprüfen! Ich stelle fest, dass ich bereits gestern am Ziel in Marienthal die 200-km-Marke erreicht hatte. War dann also die Wirts-Steckdose doch ein Flopp? Oder- gähn – das ei-fon- gääähhhn – ! Wie üblich, bin ich bald müde, die Gehirngänge schließen sich und drücken gemeinsam auf die Augendeckel, Zeit, um die… weiteren Dinge… Dinge… … mor…gen… .
R.

Doch noch ein paar Fotos – vom Lumix-Display abfotografiert.

Tag 21 Sonntag, 10. April 2011

Ein reichhaltiges Frühstück, eine ungebremste gute Laune, eine verschlafene Stadt, als ich aus ihr verschwinde. Auf die telefonische Anfrage an Carola, meine Tochter, ob in Stuttgart Wolken schweben, sagt sie, durchs Küchenfenster und nirgends sonst seien welche zu sehen. Nun, ich habe hier kein Küchenfenster dabei und trotzdem sehe ich keine Wolken. Und der Wind ist still. Gestern noch hätte er mir den Dotter aus dem Ei geweht.
Die erste Gabelung; jetzt steht’s auf Messers Schneide, ob ich mein Frühstücksei am linken oder am rechten Weg löffeln soll. Doch wichtiger ist mir: Etwa an dieser Stelle habe ich die 220 Kilometer der letztjährigen Probewanderung überschritten!
Gleich nach einem landwirtschaftlichen Wagen mit duftendem Rundbehälter steht eine weissblühende Honigwolkenhecke am Weg. Solche Extreme bietet die ländliche Natur!

Ein Ehepaar und ihr Hund haben nichts dadegen, dass ich mich mit dem Hund ablichten lasse. Eine der vielen netten Begegnungen unterwegs.
Ein Mann steckt liebliche kleine Zwiebelchen in die Erde. „Mein Acker, da habsch Zwiebln, Gartoffln un Bewääschung!“ An dessen Fahrzeug durfte ich mich anlehnen für eine Prothesen-Korrektur: die Linerkante begann mich zu ärgern, da muss ich immer schnell was unternehmen.

Am Rand von Ostramondra ein einsamer Sportplatz. Ein Baumstumpf bietet sich meinem Beinstumpf und mir als Rastplatz und „Zuschauertribüne“ an. Da sitzen wir nun, ich genieße wie üblich, und kein einziges Tor fällt.
Nach dem Ort treffe ich auf den ehemaligen Bahndamm. Gleichmäßig steigt es an. Zwischen den Hecken erhalte ich weite Ausblicke auf einen Teil des Thüringer Beckens. Die halbe Höhe der Finne ist wieder erreicht. Der Südrand dieses Höhenzuges zieht sich lange hin, wie mit dem Lineal gezogen, mit nur wenigen Taleinkerbungen oder Ausläufern. An der Wegkreuzung von Großmonra steht eine Radfahrerin, grinst, und redet vom MDR. Netterweise macht auch sie noch ein Bild.

Kurz vor Burgwenden hält ein Auto an. Ob ich mit will. Eigentlich wollte ich ja wandern, heute aber zeitiger in der Juhe sein. Also gut! Der freundliche Autofahrer bringt mich bis kurz vor Beichlingen. Den Rest steige ich selbst noch, zum Kinder- und Jugenddorf.
Es gibt Krautwickel mit Banane (nacheinander). Außerdem erledigt der „Koch“ noch meine Wäsche.
Morgen früh zeitig raus, in Kölleda habe ich 8 Uhr einen Massagetermin.
R.

Tag 22 Montag, 11. April 2011

Ruhetag in der Jugendherberge Kinder- und Jugenddorf Beichlingen. Wo ich genau richtig bin, so wie ich mich fühle. Vor dem Frühstück reiße ich aus, mit dem Bus nach Kölleda. Massagetermin. Spätstück anschließend erst 8 Uhr.
Halb verdaut zum Mittagessen. Ein Nachmittag für die versäumten Skizzen. So kann ich das endlich auf den aktuellen Stand bringen. Schade, dass ich bei dem Superwetter nicht unterwegs bin. Doch der Wanderplan steht fest.
R.

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