Etappe 5 /Thüringer Becken / Schmücke

Tag 23 Dienstag, 12. April 2011

So sieht das also aus: Bedeckter Himmel. Schon fast vergessen! Und die himmlische Windmaschine ist wieder angeworfen. Nur im 2. Gang. Nach den 2 Ruhetagen, die auch sie mal gebraucht hat. Mit zurückhaltenden Tropfen.
Mit Rucksack hinauf zum Saal des Frühstücks. Müslitime! Körnerbrötchen-Optimierung. 5 Tassen Apfeltee. Die Küchenfee richtet mir noch ein Mitnehmsel. Fertig, Rucksack auf, Schlüssel abgeben – HALT!!! – die obligatorische 2. Schüssel Müsli!!! Was sein muss, muss sein! Nicht umsonst bestehe ich doch zu 25% aus Müsli.
Um wieder die 13 Kilometer unter meine 5 Zehen zu kriegen, kommt jetzt der 2. Start. Müsli, für eine kräftige Hornhaut, ohne Blasen! So sieht ein gelungener Start aus…

Zuerst hinab ins Dorf, dann aber rechts hinauf, vorbei am riesigen Komplex des Schlosses. Den Schülerstimmenschwall in der Juhe ausgetauscht gegen die melodische Waldkomposition aus Vogelstimmen, Ästeknacken und Wipfelrauschen. Zunächst auch verständliche Beschilderung der Wanderwege, dann aber Hinweisschildermangel und Rätselraten.
Tropfen, dunkelgraue Wolkenmasse. Wieder die Jacke, Rucksack in die blaue Hülle gezogen, weiter. Nur 3, 4 Minuten – helle Sonne durch die Bäume, strahlend blauer Himmel. Ich beschwere mich natürlich nicht.

Nach vielen Wegkurven gelange ich auf den Höhenweg der Schmücke. Sie löst nun in Richtung Westen die Finne ab. Ich meine, gerader, als mit dem Lineal gezogen, dünn und schmal. Einen Kilometer südlich entlud sich gerade eine heftige Schauerwolke über den Feldern, bei mir aber Sonne, zunehmend. Oben gleich ein Rastplatz. Was ist drin in der Provianttüte? Schokowaffel, Corny Big, Orangengetränk, Apfel, Banane, eine gute Frischluftmahlzeit.
Dasselbe Spiel nochmal: Wolke, blaue Hülle, 13 Tropfen, Sonne. Die Schmücke senkt sich, der Wald hört auf. Eine breite Regenwand wälzt auf mich zu, doch wieder treibt sie der Wind südlich vorbei. Von einem weiteren Unterstand lässt sich die Wetterentwicklung hervorragend beobachten.
Mit dem iPhone werden diese Bilder nichts. Doch mit der Lumix kann ich diese tiefblaue Wolkenwalze eindrucksvoll einfangen.

Doch außerhalb des Waldes merke ich erstmal, dass die Windmaschine recht hoch aufgedreht ist. Da hilft nichts, Weste und Jacke hoch zuziehen, Kragen hoch, einfach weiter. Ich durchquere das schmale Tal, welches die Schmücke zersägt hat, drüben wieder steil empor.
Freie und weite Sicht nach allen Seiten. Südlich das Thüringer Becken, westlich vor mir die Hainleite, nordwestlich der breite Höhenzug des Kyffhäusers, nördlich die Hohe Schrecke und im Osten das Ende der Finne. Und man sieht, wie schmal die Schmücke dort ist, Oben etwa 20 Meter breit.
Der Frühlingssturm ist hier so stark, dass ich manchmal fast stehenbleibe. Aber das ist trotzdem das schönste Stück des heutigen Weges.
Nach der 3. kurzen Rast spüre ich eine Blase an der Zehe. Klammheimlich gebildet, war da doch der Gegenwind zu stark? Auf der nächsten windstillen Waldbank bekommt sie ein Omega 3-beträufeltes Pflaster.
Ausgebremst durch den Wind komme ich 18 Uhr in der Wasserburg-Juhe gerade noch zum Essen zurecht. Im Torhäuschen beziehe ich heute mein Bett.
R.

Tag 24 Mittwoch, 13. April 2011

Das alte Wasserschloss, schnell flüchte ich daraus. Kühles Wetter ist angenehmer als kühle Stimmung. Es ist wirklich sehr kühl heute. Schon hier im Tal ist der Wind knapp umwerfend. Ein anderer Weg zurück zum Kammweg der Schmücke. Heute mit 2 Jacken plus Weste, und das braucht man. Doch beim Anstieg zur ersten Rast wird es in den vielen Klamotten warm wie auf der Ofenbank. Solches „Mieswetter“ könnte durch einen Regen schon noch erlebnisreicher werden. Auch so bin ich es zufrieden, zum Wandern ist ja jedes Wetter gut.

Weiter, den Rest des Anstieges hinauf, und ich bin wieder am Ort der gestrigen Blasenentdeckung – die Behandlung war übrigens erfolgreich. Jetzt weiter westlich. Im Wald habe ich nur noch einen sachmalen Pfad. Bald wirkt der Bergrücken wie ein Dachfirst. Am Ende der Schmücke ein extrem steiler Abstieg. Felssteine treten hervor, die lose Erde beginnt unter den Sohlen zu rutschen, da hilft nur der Krebsgang. Und mit den Gehhilfen bin ich ja „vierbeinig“ .

Bei Sachsenburg überquere ich das Unstruttal. Die Unstrut hat sich hier prägnant durch den Höhenzug gefressen. Ich werde dadurch an meine 2. Rast erinnert, denn auch ich habe noch Material aus dem Rucksack „abzutragen“.
Zuerst noch was leisten. Dafür gibt’s hier gleich mal den nächsten Berg. In der historischen Pflaumenallee, 400 Meter höher, habe ich den richtigen Platz mit weiter Aussicht gefunden. Weiterhin bedeckter Himmel, die Sonne ist heute kraftlos, der Wind bleibt kalt. Der Blick nach Süden reicht heute bis zum Thüringer Wald, auf dem die Hälfte der ganzen Tour erreicht wird. Die Pflaumenblüte beginnt gerade, Pflaumen gabs heute früh als Mus. Die nächste Wanderung muss ich also im Herbst machen.

Weiter oben ein Bauer mit seinem PKW. Er fragte, woher, wohin des Weges, warum usw. Ich erzählte ihm alles was ich vorhabe. Er verdrehte die Augen: „…das gammer gar keen erzähln!“
Ein Stück noch am Waldrand entlang, dann nach Südwest in eine ebenfalls blühende Kirschallee. Doch dann sehe ich den „Strich in der Landschaft“. Ein Kontrollmast, um hier den Wind zu messen für den eventuellen Bau von Windmühlen. Noch eine kurze Rast im Gras zur Vertilgung der Reste. Manchmal jetzt blaue Auflösungen am Himmel. Doch der Nachschub an Wolken reißt nicht ab. Wieder um 18 Uhr komme ich nach diesmal 15 km am Ziel an.
R.

Tag 25 Donnerstag, 14. April 2011

Bilderbuchwetter! Die wenigen Wolken sind akzeptiert. Der Wind statt stürmisch ein sanftes Fächeln. Temperatur unangewärmt. 0 Grad heute früh. Kühl ist cool diese Tage!
Das Flüsschen hier heißt Wipper. Es hatte durchbrechenden Erfolg. Denn es durchbricht, aus dem Eichsfeld kommend, von Norden her die steilen Muschelkalkfelsen der Hainleite. Von meinem Quartier in Bilzingsleben aus folge ich dem Fluss aufwärts, gelange auf dem Wanderweg abkürzend über den Hügel. In einer Obstplantage rattert es. Dann weiße Sprühwolken mit dem Wind zu mir.
Schnell weiter!

Ein schmaler Pfad führt wieder hinunter ins sonnige Tal. Die Luft wieder sauber, keine Straße, kein Lärm. Nur eine relativ melodische Motorsäge beendet die anfängliche Ruhe. Trotzdem, zum Wald gehört es dazu. Nach einigen Talwindungen eine Bank zum richtigen Zeitpunkt. Ruhe, Frieden, Traktorgeräusch, zwei lange sprühende Arme schieben sich 10 Meter breit über das Feld, die Luft riecht südlich, guten Appetiet! Nach dieser gekürzten Rast und dem Ort Günserode folgen leider etwa 3 Kilometer Straße. Rechts der massive Abbruch des Kohnsteins, dann kann ich wieder in den Wald abbiegen.
Heute wird alles etwas anders. Morgen besonders früh raus. Also doch lieber etwas kürzer heute. Bei der 2. Rast unterhalte ich mich mit einem Mann, den ich in Seega wiedertreffe. Und er bietet mir an, mich nach Berka zur Pension zu bringen.
R.

Tag 26 Freitag, 15. April 2011

Bereits 7 Uhr steht das Taxi vor der Tür. Mit dem geplanten Bus klappt es heute nicht. Mein Termin 14 Uhr in Heringen muss wegen der Abholung zum Sanitätshaus in Nordhausen unbedingt klappen. An der Klinik Sondershausen steige ich aus, während mein Gepäck noch etwas weiter fahren darf.

Es dauert nicht lange, da haben meine Finger das gewohnt coole Gefühl der Klammheit. Dagegen funktioniert meine Körperheizung, unter der Jacke, und zusätzlich bergauf, ganz prima. Im Westen gibt es klaren, blauen Himmel, doch von der östlichen Luftströmung wird er zusehens zugedeckt.
Rast, welliger Bergwald, hügelige Felder, staubige Schotterwege (entsprechend eingefärbte Stiefel), weißblühende Hecken und Bäume, so geht es weiter. Östlich der Blick zum Kyffhäuser. Da, wieder eine Bank, ein Tisch, überdacht, gleich ein Foto machen! Ich mache eine Drehbewegung, bleibe mit dem rechten Schuh an einem Stein hängen, habe genug wirksamen Schwung, ich spüre die Bremswirkung des C-Leg, doch schon liege ich längs auf der rechten Seite, den Unterarm in Kontakt mit dem Schotter. Beim Aufstehen zieht mich der Rucksack noch einmal nach hinten, peng, Zugabe! 5 Schritte zum Tisch, Pflaster, Schere, Q10, Anruf beim Sanitätshaus. Rucksack, beide Jacken, alles ist staubig, ich werde mehr Zeit brauchen.
Mein Anruf beim Sanitätshaus bewirkt, dass ich nach kurzem Weitermarsch nach Nordhausen abgeholt werde. Dort kurze Verarztung, danach mit Rudi Ziegler ein Nordic Walking Training, ein sehr schöner Nachmittag!
R.

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