Etappe 7 / Grünes Band, Eichsfeld, Werra

Tag 34 Samstag, 23. April 2011

Zwei hochgeklappte Langohren, aha, es ist Hasenstunde, Ostertraining. Offenbar ist er kurzsichtig. 30m, 20m, 10m, immer unbekümmert weiter auf mich zu. Hat mich einfach als alten Pfosten identifiziert. Weil ich ihn zuerst gesehen habe, mache ich auch keinen Mucks, weder mit mir noch mit dem iPhone. Dann biegt er ein in den Kolonnenweg, der hier westlich abbiegt, sicher unterwegs zur nächsten Hühnerhaltung wegen der Eierlegeberatung.

Kurz vorher war ich bei Böseckendorf gestartet. Als ich oben an die Waldecke komme, ist das Waldstück versperrt mit einem riesigen Brocken, und der Weg verliert sich im Wirrwarr des Waldes, der Umweg über die Straße ist nicht lang, dann habe ich ihn wieder.

Als ich im ersten Tal in der Nähe von Neuendorf eintrudle, ist es grade 11 Uhr. Eine freundliche Schutzhütte steht da ungenutzt rum. Das wird umgehend geändert, denn wie schon zu sehen war, ein langer Anstieg steht bevor. Wenn der Stumpf manchmal etwas nachdrückt bei jedem Schritt, wird es unangenehm, besonders bergab bei Körperbelastung. Nur, wo soll ich mich anlehnen und den Schaft neu anziehen, wenn die Jungbäume am Grenzweg keinen Platz für die Füße lassen? Während der Grenzzeit war hier ja alles freie Fläche. Schließlich finde ich einen Hochsitz mit geeigneten Pfosten. Anschließend läuft es sich wieder besser.

Hinter mir hält ein Auto mit Anhänger. Da ist der Weg etwas breiter; bearbeitete Hölzer und Leitern liegen herum. Der Mann erzählt, dass er hier verschiedenes in Ordnung hält. Hochstand-Leitern für die Jagd, Futter für die Wildschweine, damit sie im Wald bleiben und sich nicht am Mais vergreifen. Er gibt mir noch den Rat, die Sperrung des Grenzweges zu beachten.

Bald danach quere ich das zweite Tal. Dort begrüßen mich Kühe, aber ich glaube nicht, dass sie mitwollen. Weideflächen wie hier sind selten; zwischen ihnen führt der Weg wieder steil empor. Nachdem ich diese Sperrung 250m weit untersucht habe, kehre ich um. Er ist kurz begehbar, wächst weiter hinten zu. Im nächsten Tal ein weiterer Grund für die Unterbrechung. Die Brücke des Grenzweges in Glasehausen über den Bach fehlt.
Der dritte Anstieg. 200 Platten lang und ich brauche aufwärts 6 Schitte je Platte. Oben, nach der zweiten Rast, mache ich einen Treffpunkt mit dem Privatvermieter in Heilbad Heiligenstadt aus. Kurz nach Günterode auf der Straße hält sein Auto.
R.

Tag 35 Ostersonntag, 24. April 2011

Angeliefert vom Quartierchef stehe ich bei Weißenborn am Plattenweg, um zu beginnen. Was sagt denn die Karte? Der Weg ist vorhanden, doch weiter hinten, hört er da nicht auf? Das wäre ja …..! Soll ich’s riskieren? Nein, da ist unweit ein Parallelweg.
Dort beginne ich das zweite Drittel der Tour. Angenehm zu laufen, Grasboden. Vorbei an Bischhagen, um die Platten wieder zu erreichen. Doch wer sie auch entwendet hat, zurück gebracht wurden sie nicht. Wozu sie nur gebraucht wurden? Trittflächen im Vorgarten vielleicht? Bald habe ich die Lösung, als ich von der Straße bei Vogelsang südlich abbiege.
In den Löchern ist der Ernteertrag nicht zufriedenstellend. Also muss sich der Wanderer, der sich auf die Wanderkarte verlassen hat, welche einen real existierenden Wirtschaftsweg verspricht, der puren Landwirtschaft anvertrauen. Wer plant denn schon rückwärts zu laufen, wenn das Ziel vorne ist? Es sind hier ja nur 2,5 abwechslungsreiche Korn- und Raps-Kilometer, dann sind ja noch ’n paar Platten da. Auch das ein gutes Beispiel und Erlebnis der sich entwickelnden Natur!
Das Grüne Band, erlebbar und begehbar…


Richtig warm ist es heute. Da vorn ist ein Schattenbaum. Gras, Wärme, Stille, nur Kaugeräusche. Man wird richtig faul dabei. Also weiter!

Links die Felder, rechts das Band, das nun tatsächlich vollständig grün ist. Der Verlauf jetzt wieder ziemlich komplett, mal eckig, mal kurvig, unvermittelte An- und Abstiege, entlang eines Talverlaufes. Die Löcher in den Platten des Weges sind hier so tief, dass beim gelegentlichen Einsinken der Gehhilfen die Arme plötzlich zu kurz sind. An der Abzweigung nach Bremke wächst der Zubringerweg bereits zu. Die Plattenbrücke hat an drei Stellen geschwächelt und ist müde, aber romantisch, eingeknickt.
Dahinter eine ebensolche Märchenwiese, auf der sich der Weg verabschiedet, in der Karte rot markiert als Wanderweg. Wo könnte er denn sein? Suchspiele in der Natur fand ich schon immer spannend. Links sehe ich im Gegenlicht einen gespannten Draht, davor, zurück und aufwärts führend, etwas Pfadähnliches.
Dort ist ja auch ein schmaler Durchgang durch den Draht. Da kann man den Wegweiser wirklich einsparen. Steil durchs tiefe, trockene Laub den Berghang hoch, da scheint doch ein Waldweg zu kommen? Ja, wieder mal gerettet! Perfekte Wanderkarten sind halt doch ein Segen!
Bremke ist dann schnell und einfach erreicht. Das letzte Haus, das Gasthaus Jütte.
R.

Tag 36 Ostermontag, 25. April 2011


Die Gaststätte schläft bis halb 9, das Tablett mit Kaffee und allem, samt Wanderproviant, vor der Tür vorgefunden und Andrea begrüßt. Am Südende von Gleichen-Bremke starten wir, während ihre Tochter mein Gepäck schon mal mitnimmt.

Das Traumwetter nimmt seinen Lauf und wir tasten uns auf Pfaden, über Märchenwiesen, eingesunkene Brücken wieder zum Kolonnenweg, dort mit Zielrichtung Rusteberg. Eine angenehme Unterhaltung über dies und das. Auch mal über ein Feld, herrliche Ausblicke zu den Gleichen, viele gleiche Löwenzähne vor diesen beiden gleich aussehenden Bergkuppen, die der Gemeinde Gleichen mit 16 Teilgemeinden ihren Namen gaben.

Das Traumwetter nimmt seinen Lauf und wir tasten uns auf Pfaden, über Märchenwiesen, eingesunkene Brücken wieder zum Kolonnenweg, dort mit Zielrichtung Rusteberg. Eine angenehme Unterhaltung über dies und das. Auch mal über ein Feld, herrliche Ausblicke zu den Gleichen, diesen beiden gleich aussehenden Bergkuppen, die der Gemeinde Gleichen mit 16 Teilgemeinden ihren Namen gaben.
Noch vor 11 Uhr genehmigen wir uns die erste Rast, denn eine Bank mit Aussicht lädt geradezu dazu ein. „Da, schreib du auch mal was“. Ich halte ihr das iPhone hin. In sensibler Einfinger-Berührungstechnik steht hier von ihr, original handgetippt:
„Der Weg mit Roland ist für mich heute etwas besonderes. Da ich sonst meine Strecken allein zurücklege finde ich das Gehen im Doppelpack viel interessanter.“
Andrea
Danke, Andrea, ein gutes Gefühl, sich mal als halber Doppelpack-Wanderer vorzustellen. Weiter geht’s auf der Grenzlinie; die Platten sehen wir heute nicht wieder. Da es keine zuverlässigen Wegweiser gibt, verpasse ich eine Abzweigung. Bald ist die Welt wie zugewachsen und der verbliebene Pfad entpuppt sich als Wildwechsel. 500m zurück. Abkürzung im Umweg über ein steiles Feld zum Waldrand, unvermutet direkt auf zwei Bänke zu. Das Signal zur zweiten Rast, diesmal kurz.

Auf einer Kuppe sehen wir Marth vor uns. Ein großer Bogen, bestehend aus etwa fünf tiefen Taleinschnitten, es geht immer steil auf und ab. Kurz nach Rustenfelde nehmen wir am Feldrand die dritte Rast, tanken vor dem steilen Anstieg auf den Rusteberg nochmal einen Energieschub, den Andrea kurz darauf wiederum angenehm spüren und auch sehen kann, und schieben also langsam und stetig zum Rest der Ruine empor.

Noch ein Besuch bei einem seit langem Amputierten in Marth. Eigentlich wollte er heute mit, aber die Hüfte! Nach dem Austausch von Tipps gegen Kuchen müssen wir uns verabschieden. Vielleicht sehen wir uns in Mühlhausen. Peter, Andreas Mann, holt uns ab. Im Klausenhof helfen mir beide noch, mich samt Gepäck im Museum für Eichsfelder Wurstherstellung in der Mägdekammer abzuliefern. Dann müssen auch wir uns verabschieden, es war ein sehr schöner Tag zusammen.
Auch diesmal ist es nicht untierisch, denn unten im Koben schnarchen schon die Schweine; bald werde ich es ihnen gleichtun.
R.

Tag 37 Dienstag, 26. April 2011

Eine Bank auf der Höhe über Limbach am Hanstein. Dorthin schweife ich den Blick, während ich heute ein Freiluftfrühstück veranstalte. Denn ich bin bereits gegen 7 Uhr aus dem Museum entwichen samt vorbereitetem Überlebenspaket. Der Blick nach rechts unter dem bedeckten Himmel entlang zeigt einen dünnen hellen Streifen, der sich schnell verbreitert. Ich steige los zum Bergwald und die Sonne ist schon zurück.
Diesen Weg zur Teufelskanzel kenne ich, denn ich bin ihn im letzten Jahr gemeinsam mit Rüdiger Herzog gewandert. Sandiger Boden, trockene alte Laubreste, anspruchsvolle Wurzeln, und der Blick zum Werrahufeisen.

Das Waldwirtshaus ist erst ab 11 Uhr geöffnet. Ich warte, muss eh noch was schreiben. Ein Anruf vom HR 4, wir vereinbaren einen Treff gleich hier. Mein 1 Jahr gealtertes Vorhaben, hier eine Wurstspezialität zu probieren, wird realisiert, ich nehme sie mit. Auch die Redakteurin. Wir steigen sofort steil ab in Richtung Wahlhausen, ich die Gehhilfen nutzend, sie das Mikrofon. Der Pfad ist unerwartet steil und rutschig mit tiefen Absenkungen. Die Gehhilfen haben volle Stützarbeit und wir übervolle Konzentration zu erbringen.


Anruf von Rüdiger, er könnte jetzt ein Stück mitkommen. Das ist echt schade, denn in einer Stunde werde ich ja bereits zum Vortrag in Eschwege abgeholt. Leider, leider, muss ich absagen. Es wird ein anderes Mal klappen!

Ich versuche die Fragen zu beantworten. Nach den Mitwanderern, den Selbsthilfegruppen, wie ich das alles schaffe, nach Start und Ziel usw. Als Frau J. mit gefülltem Mikro wieder zurücksteigt, bleibt mir auch gerade noch Zeit für eine Restevertilgungspause und eine Regenschauerabwehr, und der Treff funktioniert.
Nur eine Kurzwanderung über 5km ist heute möglich, endend in einer Wegkrümmung nach Lindewerra. In Eschwege zeige ich heute zum ersten Mal aktuelle Bilder, die zwischen Leipzig und Duderstadt entstanden sind.
R.

Tag 38 Mittwoch, 27. April 2011

Ruhetag in Allendorf. Ebenfalls im Deutschen Haus wie auch schon 2010. Gleich 8:15 Uhr eine Rücken-Schultermassage. Raus mit den Verspannungen! Das Gelände und die Stützen sind die Ursache.
Ein Drittel der Wanderzeit ist vorbei. Oft werde ich gefragt, wie ich das durchstehe, gestern bei dem Interview auch. Es sind ja nicht nur die Gehhilfen, die mir beim weiten Gehen helfen. Wie ich das alles schaffe kann ich nur im Zusammenhang beantworten.
Meine Erfahrung seit dem zweiten Laufenlernen ist, dass Ziel, Wille, Anstrengung und Ausdauer erforderlich sind, wenn meine Lebensqualität wieder steigen soll. Sehr schnell habe ich gemerkt, dass MEHR Bewegung dabei sehr schnell hilft. Und dass ich die Tour nur schaffen kann, wenn ich die höchsten Ansprüche an die technischen und körperlichen Voraussetzungen stelle.
Der Trainer Christoph Daum sagte kürzlich: Der Kopf ist das dritte Bein. Übertragen auf Amputierte heißt das, der Kopf kann viel von dem Verlust ersetzen. Ohne einen Weg zu kennen, ist das Ziel nicht erreichbar. Geschafft habe ich es mit der Kombination von drei Dingen: Ein erstklassiges neues Bein, zweitens die beste „Tankfüllung“. Drittens: Ohne Benutzung kein Nutzen.
Das C-Leg kam Februar 2010. Aber vorher trainierte ich mit dem 3R60 von Otto Bock. Meine Sicherheit beim C-Leg entsteht, wenn ich richtig belaste. Sicherer an Steigungen und Gefälle. Konzentrieren bringt auch Sicherheit und wachsendes Zutrauen. Ich verwende einen längsovalen Schaft mit flexiblem Innenschaft, eingebaut das Air Compact System nach Pohlig (Otto Bock), damit ich bei Bedarf enger machen kann. Der Seal In Liner ist von Össur, sehr hautangenehm. Fuß: Dynamic Walk 1D35, auch von Otto Bock. Orthopädie-Techniker Daniel Vette. Seine Leistung hat wesentlich zum Gelingen meiner Tour beigetragen.
Die „Tankfüllung“ könnte zum Dilemma werden. Ich will wegen des größeren Bedarfs nicht einfach 50 bis 100% mehr essen, Fett oder auch Zucker wäre dann entsprechend viel zuviel. Nicht mehr, sondern hochwertiger muss es sein.
Das Problem war lösbar, weil ich die FitLine Produkte zur Optimierung meiner Ernährung schon lange kannte, die auch sehr viele Weltmeister nehmen und große Sportverbände empfehlen. Auch für mich ist es zuverlässige und spürbare Energiegewinnung, Konzentration, Regeneration meiner Muskeln nach weiten Wanderungen, Gelenksicherheit, Zellschutz und einiges mehr; ich habe seitdem kein wesentliches Problem.
Ohne mehr Zucker und Fett! Unterwegs lecker zum Trinken. Das beste war letztes Jahr, dass die Entzündungen am Beinstumpf trotz des Laufens weggingen. Aktuell habe ich gar keine erst gekriegt! Als „Regenschirm“, also Vorsorge für Fitness und Gesundheit genau das, was ich für meine ausdauernden Leistungen brauche. FitLine ist mir nun schon seit vielen Jahren im Alltag, und besonders auf Wanderungen, neben dem C-Leg seit Februar 2010 zum unverzichtbaren Begleiter geworden.
Das dritte mache ich zur Zeit und steht in allen Berichten: MEHR Bewegung mit Vergnügen außerhalb des Alltags.
Dazu dient auch regensichere Kleidung von Klepper und Globetrotter der Gesundheit. Herr Rudi Ziegler, der sich schon zum Mitwandern angemeldet hat, besorgte mir medi Prothesenschuhe.
Alle diese hochwertigen Produkte ermöglichen mir die Erhaltung der Mobilität nach der Amputation.

Heute sind noch Berichte nachzuholen, Skizzen zu zeichnen und Bilder zu versenden. Gleich schaue ich noch in das Buch vom Eichsfeld und Werrabergland. Dort ist der schwierige Weg beschrieben, der morgen für mich auf dem Programm steht.
R.

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