Monatsarchiv: Februar 2012

Mittwoch, 29.02.2012, vorgezogener Ruhetag

Vorgezogener Ruhetag
Der Fahrer vom Sozialverband Deutschland in Berlin, bedeutet am heutigen Tag für das weitere Funktionieren der Tour eine große Hilfe.
Das neue Quartier in Rheinsberg-Warenthin liegt direkt am Rheinsberger See. Zu der Ruhe der Umgebung werde ich selbst vorsorglich die Hüftmuskulatur beruhigen. Ruhetage mit Wandertagen zu tauschen ist in solchen Fällen sinnvoll.

Tag 3, Dienstag, 28.02.2012, Altfriesack bis Neuruppin

Di, 28.2.12 Altfriesack bis Neuruppin

Heute sollen es etwa 14 Kilometer werden. Einigermaßen ausgeruht gehe ich zuerst nach Wustrau an das Südende des Ruppiner Sees. Der Ort ist vorbildlich gepflegt. Alle Straßen und Wege sind einheitlich gepflastert, immer in der Mitte buntes dekoratives Steinpflaster.

Hier beginnt mein Weg nach Norden zur Ostsee. Ich komme auf eine lange Allee, der Radweg nach Neuruppin. Der Nordwestwind kommt kräftig entgegen. Doch als kalt empfinde ich ihn bei dieser Bewegungsarbeit nicht.

Viehweiden rechts, vor dem Saum der Bäume am See. Ohne Vieh. Keine Kuh hier in der Ostprignitz würde also bemerken, wenn ich ein erfrischendes Bad in einer der fast randvoll geregneten Badewannen- Tränken nehmen würde. Doch davor der Elektrozaun – lassen wir das diesmal!

Wie auf Bestellung steht punkt elfuhrdreißig eine überdachte Sitzgruppe am Weg. Ich lass‘ es mir an der durchwehten Luft gut schmecken, muss aber aufpassen, dass mir nicht das Brot vom Käse geweht wird, was den Geschmack aber deutlich verstärken würde.

Das nächste Drittel des Weges heute. Weiter zieht sich diese Allee. Lange gerade Strecken mit drei leichten Knicken dazwischen. Alte, knorrige Bäume, mit Hecken und mit niedrigerem Bewuchs fast verwachsen. Solche attraktiven Straßen gibt es im Süden kaum noch. Ich schiebe mich, doch ziemlich langsam, nach Treskow hinein.

Da steht vor einer Pension eine Bank. Diese Rast ist schon etwas ersehnt; angestrengt fühle ich mich. Soll ich mich nicht lieber etwas zügeln? Vor der Tour ging es ‚rund‘ mit der Vorbereitung; und Training war dadurch zu wenig. – Da war doch eine Bushaltestelle?

Als der Stadtverkehrbus vor dem Bahnhof Rheinsberger Tor anhält und ich gerade den Fahrplan studieren will, fährt mir wieder dieser gemeine Krampf ‚rein und ich erstmal keinen Schritt wage. Ich glaube, ich habe mich überfordert wegen dieser Orthese. Ein Taxi steht da drüben, bringt mich vor die Haustür.

Den morgigen Tag disponiere ich um zum vorgezogenen Ruhetag. Dadurch entstehen drei Tage zum Entspannen in Rheinsberg. Danach mache selbst den versäumten und erforderlichen systematischen Bewegungsaufbau, der mir etwa 40 km Rückstand bescheren wird. Ich habe ja Zeit, um alles aufzuholen.

R.

Meine versäumte Erfrischungschance

Tag 2, Montag, 27.02.2012, Bahnhof Grunewald bis Bahnhof Nikolassee

Ein Tag im Grunewald. Es ist kalt, der Waldboden „bockelhart“, die Sonne kommt genau von links, tief durch die Bäume. Sie wärmt noch nicht, trotzdem ist die rechte Hand kälter. Die Handschuhe machen es sich inzwischen im Gepäck gemütlich.

Der leicht sandige Waldweg verläuft schnurgerade, etwa über sieben Kilometer leicht welliges Gelände. Gegen elf Uhr raste ich auf einem feuchten Baumstamm. Macht nix, habe ja die rollbare Sitzunterlage. Ein hochwertiger Sonnenplatz und der einzige der ganzen Strecke!

Der geplante Vortrag in Potsdam kürzt die Tagesroute ab. Etwa zehn Amputierte haben sich eingefunden. Mit der projezierten Fassung meines neuen Vortrages komme ich auf Anhieb zurecht.

Der Zug bringt mich zur Station Wustrau, der Wirt holt mich ab, schnell bin ich müde. Ein Bett, weich wie ein Morast. Kaum liege ich, ziehen sich mir die „Gürtelmuskeln“ zusammen, weiche Betten habe ich noch nie vertragen. Aber durch das Tragen der Orthese bilden sich Muskeln zurück.

Der Teppich vor dem Bett ist DIE Lösung; nicht allzu weich ist viel besser für mich. Natürlich mit Kopfkissen und Decke, die ich halb unter mich ziehe. Eine Weile noch wechseln sich diese Krämpfe mit einer Sonderausgabe der seltenen Phantomschmerzen ab; bis auf die Unterbrechungen schlafe ich problemlos. R.

Gestern 11,5km = -1km

Heute 10,5km = -3km

Mein Weg durch den Grunewald

Roland Zahn zur 2000-Kilometer-Wanderung gestartet — kobinet

http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,28817/ticket,g_a_s_t

Roland Zahn zur 2000-Kilometer-Wanderung gestartet.

Berlin (kobinet) 75 Jahre alt ist Roland Zahn. Er hat eine Oberschenkelprothese. Heute startete der Mann in Berlin eine Wanderung, die ihn in 160 Tagen über 2000 Kilometer von der Spree über die Ostseeküste bis an die Isar führen soll.

Mit der Aktion „Bewegung hilft“ möchte er unter dem Motto „Baue dich auf, bevor du abgebaut wirst“ seine Mobilität und Gesundheit stabilisieren und zugleich andere Amputierte dazu motivieren, ihr Leben informierter, bewusster und aktiver zu gestalten.

Unterstützt wird Zahn durch den Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation in München, wo das Ziel der Wanderung ist. Am Startort hat der Sozialverband Deutschland durch seinen Landesverband Berlin-Brandenburg die Wandertour als beispielhafte Aktion gewürdigt. Sie zeige, dass auch Menschen mit und trotz Behinderung aktiv im Leben stehen und sich durch ihre Behinderung nicht benachteiligt fühlen müssen. sch

Leserbriefe zu diesem Artikel:.

K. Stern schrieb am 28.02.2012, 06:55

Das interessiert mich ebenso.

Herr Zahn,

ist das Unternehmen Otto Bock ihr Sponsor? Was war die Voraussetzung (außer, dass Sie mit Prothese laufen), dass das Unternehmen Otto Bock Ihre Wanderung gesponsert hat? Dass Sie als leicht integrierbar hingestellt worden sind und hingestellt werden?

K. Stern, Rostock

ursula lehmann schrieb am 27.02.2012, 14:05

roland zahn

sind Sie Kunde von Otto-Bock?

Tag 1, Sonntag, 26.02.2012, Rundwanderung in Berlin

Gegen 8:00 Uhr holt mich Detlef Sonnenberg in der Jugendherberge ab. Extra angereist zum Wanderstart von der BV-Geschäftsstelle in Wedemark. Eine halbe Stunde später stehen für uns schon Kaffee und belegte Brötchen bereit. Gastgeber ist Herr Michael Wiedeburg vom Sozialverband Deutschland, der sich am Sonntag die Zeit nimmt, mich auf die Reise zu schicken. Dazu kommen noch Frau …… (erfahre ich morgen) und Herr Herbert Schlemmer, Bildjournalist. Eine Weile Unterhaltungen, dann außen noch Bilder.

Detlef fährt zurück, ich ziehe los. Wohin kann man in Berlin wandern? Eins steht fest: zuerst, vorbei an der Siegessäule, zur Spree! Der Tiergarten ist geräumig, man kann lange darin wandern. Zwölf Uhr setze ich mich für die erste Rast am Brandenburger Tor auf eine Steinbank, nachdem ich vorher die noble Hütte von Angela links liegen ließ; sie war heute ja nicht da.

„Unter den Linden“, wunderbar zum Wandern! Überhaupt, gegenüber Stuttgart ist hier alles sehr weitläufig und großzügig angelegt. Diese Ausmaße, die breiten Straßen, beeindruckend!

Am DDR-Museum biege ich links der Spree entlang wieder nach Westen um. Im nördlichen Teil von Mitte ist alles echter Vorstadtcharakter. Dann fällt mir ein, ich habe mir doch vorgenommen, täglich einmal die Prothese neu anzuziehen, um das Laufgefühl wieder frisch zu haben. Aber wo in einer Stadt? Da sehe ich am Alexanderufer den Eingang des Charité-Museums. Behindertentoilette, alles lief sich anschließend viel besser.

Eine weitere Rast in der Nähe der Haveleinmündung in eine der großen Spreeschleifen mit Genuß der warmen Sonne bei weiterhin kalter Luft und den leckeren Eigenbaukeksresten meiner Tochter Carola. Über die Spreebrücke, um den Bundestag. Nocheinmal am Brandenburger Tor vorbei und durch den Tiergarten. Als ich die Juhe erreichte, war es fast dunkel. Ich merke heute zwar die Knochen, bin aber riesig zufrieden!

R.

Begrüßung am Brandenburger Tor

Aktion Bewegung hilft

Beschreibung der Aktion

MEHR Bewegung hilft


„…die reinste Form des Wahnsinns ist, alles beim alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass alles besser wird…“

-Albert Einstein-

Hallo, mein Name ist Roland Zahn, Jahrgang 1936,
seit 2006 oberschenkelamputiert.
Mit dieser Aktion beabsichtige ich zu zeigen, was BEWEGUNG bewirken kann,
wo sie helfen kann.
Wie es mir erging und welche Chancen auch für andere bestehen.

Können SIE sich vorstellen, wie das wäre: Eines Tages wachen Sie auf –
und ein Arm/ein Bein fehlt?

Versorgung im Promillebereich

Weit über 200.000 amputierte Menschen in Deutschland. Die meisten davon mit Informations- und Versorgungsdefiziten, Depressionen, Zukunftsängsten, Bewegungsmangel mit allen Folgen…

Ein beträchtlicher Teil dieser Menschen hat jahrelang nur unzureichende Versorgung und weiß zu wenig oder nichts über weitere Möglichkeiten.

Aktuell existieren nur 30 Selbsthilfegruppen mit 2 bis 30 Mitgliedern!

Ein ehrgeiziges Ziel des im September 2009 gegründeten Bundesverbandes für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e.V. ist die Gründung von bis zu 1000 Selbsthilfegruppen.
Möglicherweise existiert zukünftig also ein sehr breiter Bedarf an optimierter Versorgung mit orthopädietechnischen Hilfsmitteln bzw. Prothesen, wenn die Öffentlichkeitswirkung dieser Aktion mit Hilfe der Sponsoren eintritt.

„Der Bundesverband tritt ein für die Verbesserung der prothetischen Versorgung für Menschen mit Arm- oder Beinamputation, die Verbesserung der beruflichen und sozialen Rehabilitation nach Amputation und die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Arm- oder Beinamputation.“ www.amputiert.org

  • Zu diesem Bild: Das Präsidium des Bundesverbandes für Menschen mit Arm- oder Beimamputationen während der Gründung am 17. Oktober 2009 in Düsseldorf.
  • Zu allen Bildern: Sie zeigen das Thema BEWEGUNG direkt oder auch indirekt. Was dazu führt, was daraus entstehen kann. Bewegung – der gesündeste Virus, den ich kenne. Lassen Sie sich anstecken! (Fotos: Roland Zahn und SHG)

Zweck und Realisierung

  • Anstöße geben für mehr Aktivität, Bewegung und Beweglichkeit
    im Alltag
  • Öffentlichkeitsarbeit für erforderliche Bewußtseinsbildung, Events mit Presse vor Ort
  • Möglichkeiten aufzeigen für neue Chancen über Selbsthilfegruppen
  • Hauptziel ist die Unterstützung zum Aufbau neuer Selbsthilfegruppen

Die in dieser Form vielleicht bisher einmalige Wanderung soll und kann Beinamputierten aktiv helfen, Informationen zu Hilfsmitteln und besserer prothetischer Versorgung zu erhalten. Sie soll motivieren, zur Akzeptanz von Anstrengungen herausfordern, Fähigkeiten, Zutrauen, Entwicklungen und Erfolgserlebnisse mit Spaß ermöglichen. Sie will dazu beitragen, Isolierungen und Depressionen aufzubrechen, also mit weniger Hindernissen und größerer Mobilität alle Weichen in Richtung Zukunft zu stellen.

Der Amputierte kann Zugang zu den bisher installierten Selbsthilfegruppen finden. Er kann seine Bewegungsfähigkeit weiter entwickeln. Er gelangt leichter zurück in den Arbeitsprozess. Er kann bleibende Ausgrenzung verhindern. In allen Lebensbereichen erhöhen sich seine Chancen. Die Risiken werden kleiner. Das gute Lebensgefühl steigt. Anfang und Voraussetzung ist MEHR BEWEGUNG – extrem wichtig, gerade und besonders bei Beinamputierten, die dieses Potential noch besitzen.

Events mit Herstellern, Sanitätshäusern und Orthopädietechnischen Fachbetrieben, unterwegs vor Ort, gemeinsam mit der regionalen Presse, sollen und können dazu beitragen, dass diese Informationen auch von amputierten Menschen aufgenommen werden, die noch auf der Suche nach Versorgungsmöglichkeiten sind. Die Bildung neuer Keimzellen für regionale Gruppen zur Selbsthilfe soll dadurch angestoßen werden.

Es sollte für Beinamputierte nachvollziehbar und erlebbar sein, welchen großen persönlichen Gewinn man aus der Rückgewinnung von zuerst nur einer Stunde Gehen in freier Natur ziehen kann. Kleine Spaziergänge, Unternehmungen mit Freunden oder alleine, wieder Hobbys verwirklichen wie z.B. Fotografieren, Ausflüge zu interessanten Orten…

Wer diese Anstöße und Herausforderungen zum anfangs anstrengenden Aufbau von körperlicher Beweglichkeit trotz seiner Behinderung annimmt, landet zwangsläufig bei den Orthopädie- und Sanitätshäusern. Und er wird die innovativen Produktentwicklungen der Hilfsmittel und Prothesen künftig für seine Weiterentwicklung nutzen.
Eine Win-win-Sitiation für Beinamputierte, Hersteller, Orthopädie- und Sanitätshäuser!
Sponsoren gesucht! Ohne Finanzierung ist diese Aktion nicht durchführbar. Welcher Leser dieser Seiten möchte uns bei der Finanzierung unterstützen oder kann uns mit weiteren Tipps helfen? m-two – Stichwort bewegunghilft.

  • Zu diesen Bildern: Gehschule: Mitgieder der Selbsthilfegruppe „Mittlerer Neckar“ in der Praxis für Physiotherapie Sybille Main in Nürtingen (von links nach rechts: Sybille Main, Inhaberin der Praxis, Roland Zahn, Gabriele Gebelein, Leiterin der SHG, Helmut Kurz, Dieter Jüptner, Präsident des Bundesverbandes). Unterhaltsames, effektives Training für Muskelaufbau und Gleichgewicht. – Auch Kegeln bedeutet Rückeroberung der anfänglich verlorenen Beweglichkeit. – Kontrolliertes Fallen, ein überaus wichtiges Training für die Gruppe (Daniel Vette, Orthopädietechnikermeister und Kampfsporttrainer, demonstriert uns unterschiedliche Fallbeispiele).

Die Route 2012

2000 Kilometer

Die Aktion wird fortgesetzt, nur nicht so kurz wie bisher. Von der Spree bis zur Isar wird die weitere Route gewandert. Der Start erfolgt am 26. Februar 2012 in Berlin. Das Ziel in München soll am 11. Oktober erreicht werden. Dazwischen führt die Route über Rostock, Stralsund, Cottbus, Dresden, Leipzig, Magdeburg, Meiningen. Hof, Regensburg, Bad Tölz, Landsberg/Lech.
Die Ziele der Aktion sind im Prinzip dieselben wie in 2011. Mit anderen Worten: MEHR Bewegung erarbeiten, damit man trotz Prothese gesünder und aktiver am Leben teilhaben kann.
Aktives Leben soll man auch genießen können. Die vielen noch unbekannten Landschaften und Erlebnisse zeigen das. Auch die Länge der Wanderung soll zeigen, dass dies mit Prothese möglich ist. Dass also auch fünf oder zehn Kilometer möglich sind. Dass man sich mit kleinen Schritten steigern und entwickeln kann. Dass man nicht aufgeben darf. Dass die Schwierigkeiten einer vorübergehenden Anstrengung dem depremierenden körperlichen Abbau durch Resignation und Bewegungsmangel immer vorzuziehen sind. Dass die Herausforderungen das Dasein würzen und wieder spannend machen.
Dass man deshalb auch fehlende Informationen oder bestehende Isolation beenden sollte, indem man Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufnimmt. Neugründungen dieser Gruppen, um ein dichtes Netz und bessere Erreichbarkeit davon zu schaffen, sind ein wichtiges Ziel der Aktion.

Tourentagebuch – 32 Etappen


Berlin und Brandenburg

Mecklenburg-Vorpommern

Brandenburg

Sachsen

  • Orthopädie- und REHA-Messe 16. bis 18. Mai in Leipzig
  • 1. Prothesencamp 19. bis 23. Mai in Triptis/Thüringen

Sachsen-Anhalt und Niedersachsen

Thüringen und Hessen

Bayern

Änderungen vorbehalten.

Die einzelnen Etappen bestehen zumeist aus fünf Wandertagen und zwei Ruhetagen. Die Ruhetage werden möglichst für zwei Vorträge in Sanitätshäusern oder Kliniken verwendet. Als Besucher sind vorwiegend Beinamputierte aus der Region eingeladen. Ein Wandertag hat eine durchschnittlich geplante Länge von 12.5 Kilometern. Dadurch ergeben sich bei 160 Wandertagen insgesamt 2000 Kilometer. Zusammen mit den Ruhetagen entsteht ein Zeitbedarf von 222 Tagen. Folgende Bundesländer werden berührt oder durchwandert: Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Hessen, Thüringen und Bayern.

Wer mitwandern möchte

Grundgedanke für Wanderungen mit Prothese Nicht die sportliche Ausrichtung, sondern, viel wichtiger, die individuelle Alltagstauglichkeit eines Beinamputierten wird angeregt. Vorrangig soll das Laufen und Wandern als Vergnügen, Befreiung und Entwicklungsmöglichkeit erlebt werden.

Jeder ist herzlich willkommen, ob „Einbeiner“ oder „Zweibeiner“!
Hallo – gleich mal vorab – ich bin Roland, und beim Wandern reden wir doch per DU, das wäre doch in Ordnung?
Ihr wollt ein beliebiges Stück mitgehen? Dann sucht euch einfach die passende Etappenroute aus (oben bei „2.2 Tourentagebuch – 32 Etappen“) und klingelt bei mir an. Täglich zwischen 7:00 und 20:00 Uhr: 0151/5826 4176 oder 0163/4895 613

  • Mail zu mir auf die Route: EmailAddressImage-generator.php?str=bewegung-hilft~ampuBV;de
  • Bitte auch beachten: Startpunkt, Startzeit und voraussichtliche Wegstrecke erfahrt ihr telefonisch erst am Vorabend eurer Teilnahme zwischen 18:00 und 20:00 Uhr!

Was noch wichtig ist:

  • Früh geht es los, jeweils zwischen 7:30 und 8:30 Uhr.
  • Unser Wandertempo richtet sich nach der Prothese und dem Gelände. Das Tagesziel sollte bis 17:00 Uhr erreicht sein.
  • Kleidung und sicheres Schuhwerk nach der Witterung richten, aber das Wetter sollte für uns kein Hinderungsgrund sein.
  • Die Wanderroute verläuft auf Tal- oder Bergstrecken, befestigten Wegen oder Pfaden. Die bisher geplanten Tagesrouten können sich ändern.
  • Wo rasten wir? Nicht in Gaststätten, aber es wird romantische Wald- und Wiesenmahlzeiten auf Baumstämmen, Bänken oder im Gras geben. Deshalb: Wenn’s feucht wird: Eine Isomatte wäre die Lösung.
  • Die Wanderverpflegung und genug zu Trinken bringt ihr mit.
  • Wie weit ihr mitlauft und wie ihr wieder heim kommt, organisiert ihr selbst – und ihr seid auch für die gesamte Teilnahme völlig selbstverantwortlich.

Also dann, vielleicht bis bald – Roland

Finanzierung der Aktion Bewegung hilft

Die von Gunther Belitz, Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift HANDICAP, vorgeschlagenen Vorträge in Sanitätshäusern sowie Presseankündigungen sind der Schlüssel zur Finanzierung der Aktion BEWEGUNG HILFT durch Sponsoren, damit möglichst viele weitere amputierte Menschen erreicht und motiviert werden können.
Nicht nur amputierte Menschen sollen davon nachhaltig provitieren: Auch Orthopädietechnische Betriebe/Sanitätshäuser, Selbsthilfegruppen für Amputierte und deren Bundesverband. Jeder, der sich im Alltag zu wenig bewegt.
Bereits ein Sponsorbetrag ab 200 Euro aufwärts je Event unterstützt die Durchführung der Aktion.

Sonderkonto Bewegung hilft

Seien Sie großzügig, unterstützen auch Sie die Aktion „Bewegung hilft“ mit einem effektiven Betrag zum beschriebenen Zweck! Herzlichen Dank!

Verwendungszweck

Schritt 1
Vorbereitung und Durchführung der Aktion BEWEGUNG HILFT, zum Beispiel Deckung der Tageskosten, Quartierkosten, Ausrüstung, begleitende Maßnahmen, technische Versorgung, Betreuung, Dokumentation.

Schritt 2
Restliche Mittel gehen ausschließlich speziell zum Zwecke des Aufbaues neuer Selbsthilfegruppen an den Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e.V.
In regionalen Selbsthilfegruppen werden die durch diese Aktion entstandenen Kontakte zu amputierten Menschen weiter betreut und über Möglichkeiten informiert.

Roland Zahn

Technische Vorbereitung bei Alfons

Wer ist Alfons? Alfons Middendorf hat mich im letzten Jahr drei Wandertage begleitet. Gemeinsam haben wir die Veste Coburg, Vierzehnheiligen, Kloster Banz und den Staffelberg erstiegen. Für´drei „Arbeitstage“ bin ich bei ihm eingeladen, um Klarheit über den praktischen Einsatz des iPhone, eines Notebooks und der Lumix Camera für die Berichterstattung zu bekommen. Was ich dreimal nacheinander nicht kapiere, kriegen Dreijährige in drei Tagen hin. Alfons erklärt mir daher aber alles sehr verständlich. Ich habe gewisse Hoffnung.
Die Schnelligkeit der Berichterstattung während der Wanderzeit hat ihre Grenzen. Nicht immer wird eine Wanderung rechtzeitig beendet sein. Wenn kein W-Lan zur Verfügung steht, wird eben erst die nächste Môglichkeit genutzt.


Eine zweistündige Schneewanderung mit Alfons und Garmin Oregon erinnert mich an die Tücken und Freuden auf vereisten Waldwegen. Während ich mich mit Alfons gut unterhalte, zeigt sich Garmin sehr verschlossen, nachdem er seinen mitgebrachten Proviant an Batterien verbraucht hat, damit

aber auch seinen Heißhunger nach leistungsfähigen Akkus.
Fazit: Alfons Middendorf ist nicht nur ein erfahrener Wanderer, ein Künstler der heimischen Küche und aufmerksamer Gastgeber, er sponsert auch die Garmin Akkus und ein Ladegerät! Herzlichen Dank für alles!
Gemeinsam kommen wir zu der Erkenntnis, ich muss die Mitte finden zwischen Technik beherrschen, beherrschen lassen und unabhängig davon bleiben.
Die Prothesentechnik und der Mikrochip im Kniegelenk zeigen mir zwar Grenzen, doch bei meiner Tour auch deren Überwindung und viel zurückgewonnene Unabhängigkeit.
Weitere Vorbereitungen werden mit aktiver Hilfe geschafft: Jochen Metz in München verwaltet alle Daten und bucht noch nach meinem Start den Großteil der Unterkünfte, verschickt diverse Mails. Kerstin Schultz übernimmt gleichzeitig die Vorbereitung weiterer Vorträge in Sanitätshäusern und steht als Ansprechpartnerin für die Presse zur Verfügung. Die Geschäftsstelle des Bundesverbandes mit Kerstin Sonnenberg arbeitet für die Koordination, das Verbandspräsidium mit Dieter Jüptner und Detlef Sonnenberg für wichtige Kontakte.
Zwischen München, Freising, Nürtingen, Stuttgart und Wedemark glühen die PCs und Handys. Alles ist mehr Arbeit, als wir alle gedacht haben.
6, Februar 2012
Roland Zahn

Februartraining

Es wird Zeit, daß ich mich konkret um meine Kondition kümmere. Zuviel PC macht mich ganz hüpfelich!
Samstag, 10.2.12
Zwei Wochen vor meiner Abreise. 10 Uhr ab der Haustüre, minus sieben Grad, Handschuhe, mein Wanderrucksack fast voller Verpflegung und ich voller Erwartung. Erreiche ich heute meine geplanten zwölf Kilometer? Seit Juli waren es immer nur vier, fünf, kaum mal sechs Kilometer. „Passetse bloß uff, s’isch saumäßich glatt heut‘, fliegetse bloß net na!“, so werde ich gewarnt.
Vorbei rutschlos an Villa Berg, am Schloß Rosenstein, durch das Löwentor, Serpentinen hinauf zum Killesberg und noch durch den Kräherwald, wo mein Busfahrer wie immer 6 Minuten zu spät kommt. Fast fünf Stunden durch arktische Kälte, um den Bus zu kriegen!? Blödsinn, wenn’s nicht so toll wäre! Die Glätte findet oft nur im Kopf statt. Ich bin nicht „nagfloge!“, aber nur fast zehn km, keine 12, es reicht eigentlich trotzdem für den Anfang. Ein Wintertraining, wie schon lange seit Juli nicht mehr.

Samstag, 17.2.12
Völlig anders dieser Tag. Sieben Tage danach, 13 Grad wärmer. Mit meinen Gewohnheitswinterjacken und der Straßenbahn fahre ich frostgewohnt nach Remseck. Aber schon die Kurzaufenthalte beim Bäcker und Apotheker ließen mich vorhin ahnen, welche Hitze ich wohl im Juli im windgeschützten Tal der Werra überstehen muss. Als ich dann nach einer halben Stunde zügig den Neckardamm benutze – erste Jacke aus! Kurz darauf, die Wintersonne brennt schon erbarmungslos durch den Rucksack auf den Rücken – zweite Jacke aus.
Wo durch die Neckarschleuse bei Poppenweiler den Fischen bisher der Weg versperrt wurde, ist jetzt ein Umgehungsbach und Auengebiet über 1,5 km Länge gebaut worden. Natürlich wirkende Seen; das noch pflanzenlose Gebiet in der Neckarschleife wartet nur noch auf die einsetzende Begrünung. In den Köpfen der Macher ist offenbar ein gewaltiger Wille für Naturerlebnis freigesetzt worden, dieses einmalige Pilotprojekt zu realisieren. Ich vergleiche es mit dem Müritz-Nationalpark, den ich allerdings über volle vier Tage im März durchqueren werde.
In Benningen bekomme ich, fast mit Rennen, nach über 13,5 km gerade noch meine S-Bahn, ohne eigentlich schon aufhören zu wollen. Mein geplanter Tagesdurchschnitt ist seit Juli erstmalig wieder erreicht.

Dienstag, 21.2.12
Da ich noch Skizzenblöcke brauche, starte ich in Stetten. Über die Felder unter den einschwebenden Düsenjets. Einer mit rotem Bauch und weißer Schrift air.berlin.com. Mein Ziel am Freitag. Wie würde das ablaufen, Elektronikknie beim Fliegen, weiß das jemand? Über allen Fliegern ein strahlender blauer Himmel. Beim Anstieg zur Weidacher Höhe im Schatten der Hecken Frostboden mit Eisblumenmustern und harten Schneeresten. Im Sonnenbereich rieselt es auf dem tauenden Erdreich.
Die Alte Poststraße nach Waldenbuch, ein Stück gehe ich sie in Richtung Siebenmühlental, bis ich einen Weg rechts ab nehme. Doch der verliert sich im Wald und ich kehre lieber um. An einer Bank behandle ich mit meiner bewährten Ölmethode den Beinstumpf, es ist besser, nicht bis zum Abend damit zu warten. Im Tal kenne ich diesen schönen Weg zur Seebrückenmühle; von dort aus nehme ich den Bus bis zur S-Bahn. Schon bei 8,5 km breche ich ab, ich muß packen!

Fazit des Trainings: Durch die gelegentlichen, aber regelmäßigen Kurzwanderungen mit etwa vier Kilometern seit Juli habe ich jetzt kein Problem, schnell über 13 km zu kommen. Wichtiger ist die Hautgewöhnung im Schaft an den Ausdauerdruck. Am 10. und 17. Februar entstanden Entzündungen, die einen Tag Ruhe brauchten. Heute trug ich erstmals den neuen Iceross-Liner. Die Kante hat eine empfindliche Stelle hinterlassen. Nach dem Wechsel auf den alten Liner drückt es nicht mehr. Dieses Thema Haut bleibt erstmal eine Unsicherheitsfaktor.