Monatsarchiv: März 2012

Tag 25, Samstag, 31.3.12, Zecherin bis Karlshagen

Morgenstund‘ mit Hindernissen. Ich will die Prothese anziehen und entdecke das Kabel daneben. Das könnte heute zwar noch reichen, aber das muss man sich mal vorstellen, wie ich steifbeinig im Sand staksen würde. Stefan kann also eine Stunde länger pennen, während ich neben dem Nachladen noch das iPhone strapaziere.

Dann noch das Frühstück. Tee kochen für Unterwegs. Verpflegungseinheiten richten. Dann noch ein Termin im Sitzungssaal. Dann das Gepäck vom ersten Stock in den Hof, das macht Stefan. Sowie die Fahrt nach Wolgast und Wölschow.

Schließlich kann ich etwa 10 Uhr 30 starten, reichlich spät. Ziemlicher Wind hier. In Zecherin geht’s ja noch, aber danach! Bevor die große waldlose Fläche zwischen Trassenheide und Karlshagen kommt, habe ich Windschutz hinter einem dicken Baumwurzelungetüm. Gerade setze ich mich vorzeitig, da ruft meine Tochter Carola an. Meine Kehrwoche macht der Jörg, da bin ich aber beruhigt.

Nun geht es hinein in den Wind. Stemmen muss ich mich. Es ist purer Gegenwind, Rückenwind ist nichts dagegen. Die Mütze ziehe ich tief runter, damit sie nicht irgendwo in Osthinterpommern landet. Die Kapuze darüber, aber sie wird wieder zurückgeweht. Mir fällt das Lied ein, das wir früher gesungen haben: „Wir lieben die Stürme…“

An so einen Wind kann ich mich nicht erinnern. Die Luft kommt waagerecht auf mich zu. Ich passe auf, dass ich nicht mehr einatme, als ich ausatmen kann. Wenn diese Langzeitbö mal kurz aussetzt, schnelle ich nach vorn. Einmal hält der Sturm meine Prothese zurück, fast gibt es einen Sturz, manchmal will er sie in den Wassergraben drücken. Die Hände sind klamm, die Nase wird rot, der Tropfen wird wieder hineingeweht, ich spüre seine Brandung an der Nasenwand! Trotzdem erreiche ich den Hafen und den Windschutz von Karlshagen.

Dieser Ort zieht sich in die Länge, doch endlich erreiche ich den Strand. Hier geht es gewaltig zu. Der Sturm wird hier oberheftig. Der Sand wird über den Strand gefegt, dringt auch leicht in die Augen, wenn man zu viel sehen will. Trotzdem gehe ich ihm noch einen Kilometer entgegen, denn als Naturerlebnis ist das heute schon ungewôhnlich für mich als eingefleischten Küstenmuffel!

Km heute: Soll 13 Ist 11

Km gesamt: Soll 313 Ist 308

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Gesundheitszentrum Greifswald GmbH: 29.03.2012 Wanderer in Greifswald und im GZG

Einzelansicht

29.03.2012 Wanderer in Greifswald und im GZG

30.03.2012,

Eigentlich wollte Roland Zahn heute nicht wandern, eigentlich hat er heute „wanderfrei“. Denn am Mittwoch kam er nach einer fast 15km langen Tagestour von seinem Startort Horst in Greifswald an. Aber für die Mitarbeiter des Gesundheitszentrums machten er und sein Begleiter Herr Stefan Hartung heute einen Ausnahme und das gerne. Eine spontane Wandereinladung mit ortskundigen Führern nimmt er gerne und sofort an. Frau Nagel (Verwaltung), Frau Spiering (Verwaltung) und unser Orthopädietechnik – Auszubildender Steffen Hagemeister zeigten Herrn Zahn unsere schöne Hansestadt Greifswald. Sie wanderten den Ryck entlang, vom Museumshafen bis nach Wieck. Das war genau nach dem Geschmack von Herrn Zahn, denn beim Wandern kommt man sich näher, sagt er. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Wandergruppe lachend am Ziel , der Wiecker Brücke, ankommt. Ja , Herr Zahn hatte recht- sie sind sich näher gekommen.

v.l. Stefan Hartung, Silke Spiering, Roland Zahn, Steffen Hagemeister

Wieder im Gesundheitszentrum eingekehrt, wurden die Wanderer schon von wissbegierigen Kunden unseres Unternehmens erwartet. Bei einer kleinen Kafferunde erzählte Herr Zahn von seiner aktuellen Wandertour und von seinen Abenteuern, die er schon bei seiner 1000km Wanderung im Jahr zuvor erlebt hat. Unsere Kunden, selbst auch Prothesenträger, hatten viele Fragen und freuten sich über sie Tipps und Informationen, die ihnen Herr Zahn geben konnte. Aber auch wir, die Techniker- die, die diese Prothesen für unsere Kunden bauen und unsere Kunden beraten, konnten viel über die Anwenderprobleme und Anwenderwünsche erfahren.

v.l. Stefan Hartung, Hans-Magnus Holzfuß, Roland Zahn,
Birgit Nagel, Silke Spiering, Steffen Hagemeister

Wir bedanken uns bei Herrn Zahn für den schönen Tag bei uns und wünschen ihm alles Gute bei seiner noch langen Wanderung durch Deutschland, denn den größten Anteil des Weges hat er noch vor sich. Und so freuen wir uns, dass unsere Erfurter Partnerfirma BOS-Erfurt , Herrn Zahn auch für eine „Pause“ gewinnen konnte und er die thüringische Hauptstadt mit den Kollegen dort „erwandern“ kann.

Roland Zahn

Wir hoffen, dass ihn noch viele Wanderer auf seiner Tour begleiten und dass er dabei vielen interessierten und betroffenen Menschen weiterhelfen kann.

Fazit des Tages war: Wer sich bewegen will muss sich Ziele setzen, ob man so viel wandert wie Herr Zahn, oder ob man kleinere Schritte macht- ein Ziel muss man haben, da waren wir uns mit Herrn Zahn einig.

Wer Herrn Zahn weiterhin „begleiten“ möchte, kann dies tun. Unter www.ampuwiki.de/wiki/Aktion_Bewegung_hilft kann man seine Abenteuer verfolgen und dank seiner Tagebucheintragungen miterleben.

Tag 24, Mittwoch, 28.3.12, Horst bis Greifswald

Stefan setzt mich wieder in Horst aus. Hier setze ich den Marsch fort und möchte gern das Quartier ohne Abholung erreichen. Noch im Ort habe ich eine nette Unterhaltung mit einem Einwohner auf einer Bank, in meinem Alter, der über seine Beinbeschwerden klagt und gerne mehr gehen können möchte.

Auf der ehemaligen Bahnlinie, noch in Nähe des Ortes, holt mich eine freundliche Morgenspaziergängerin ein, die mir von einem Greifswalder Zeitungsartikel erzählt, den sie heute schon gelesen habe. Warum und wie ich soviel laufen wolle. Sie kommt zwei Kilometer mit, wir unterhalten uns wunderbar unterwegs.

Noch weiterhin bleibe ich bahnlinientreu. Linker Hand ein paar Häuser, ein Dach wird gedeckt. Die zwei Männer da oben scheinen den gleichen Artikel und dann mich entdeckt zu haben und rufen mir gute Wanderwünsche herunter. Sie können mich nicht begleiten wie das vorhin der Fall war, sonst wird ihr Dach nicht fertig.

Es ist ja beabsichtigt, dass Wanderlustige mitkommen und ich freue mich jedes Mal darüber! Bei einem Anruf am jeweiligen Vorabend macht man den Treffpunkt aus, schnappt sich die geeignete Kleidung, Sitzunterlage und Überlebenspaket und ist am besten rechtzeitig am Start, bevor ich verschwunden bin. Es wandert sich angenehm mit Begleitung, obwohl ich alleine sehr gern laufe. Bei Unterhaltungen kann aber auch Verständnis entstehen über die Problematik von Behinderungen und über Lösungen ihrer Überwindung.

Mit diesen Gedanken beschäftigt entdecke ich einen geeigneten Baumstumpf. Ideale Sitzhöhe! Ideal zum Absturz in einen tiefen Graben direkt dahinter. Ideal deswegen, weil ja noch keine Brennnesseln drin wachsen. Eine kleine Trinkbecherablage hat er auch, doch vorsichig bewahre ich auch die Getränke vor der Tiefe.

Als ich mich Greifswald nähere, sehe ich vom Golfplatz aus die Kirche, ebenfalls so mächtig, wie ich es in Rostock, Barth und Stralsund sah. Am Stadtgraben umgehe ich noch die halbe Innenstadt, bewundere den Markt und bin dann halb sechs am Ziel.

Km heute: Soll 12 Ist 14,5

Km gesamt: Soll 300 Ist 297

Alte Bahnlinie bei Horst

Datei:Tag24b.jpg

Markt von Greifswald

Markt von Greifswald

Das Team von GZG

Usedom. Flach und leichte Hügel

Im Hafen von Zechelin

Am Hafen von Karlshagen

Der Strand bei Karlshafen ist flach und leicht begehbar

Muschelscherben

Tag der Offenen Tür in unserem Quartier

Tag 23, Dienstag, 27.3.12, Miltzow bis Horst

Mit dem RE fahre ich nach Miltzow, das liegt etwa in der Mitte zwischen Stralsund und Greifswald. Am Bahnsteig das Garmin um Mitarbeit bitten, das Ziel bestimmen, den Weg suchen. Gar nicht so einfach, hier Wege zu finden, wo die Felder ohne Unterbrechung bis über den Horizont hinaus geackert sind.

Doch bei den ersten Häusern am Ende der Bahnhofsallee beginnt tatsächlich eine dünne Linie durch das Grün der Pampa, die mir das iPhone zeigt. Eine Linie, die nicht irgendwo in der Saat oder in Sumpftümpeln endet.

Die Linie ist in der Realität ein stinknormaler, also schöner, Feldweg. Aber heute scheint nicht so recht mein Tag zu sein. Viel zu schnell, schon nach knapp zwei km, kommt eine „Raststätte“, in Form von überdachten Bànken mit Tisch, neben einem Waldsee in Sicht, die in Sekundenschnelle einen Heißhunger erzeugt, den Rucksack untragbar schwer macht und eine unüberwindliche Abneigung gegen Weiterwandern aufkeimen lässt.

Ich ergebe mich dieser Gelegenheit, genieße den Unterhaltungswert meiner Dosen und Fressalien, um den Rest über zehn km auch noch schaffen zu können.

Die dünne Linie entwickelt sich dann zu einer schmalen geteerten Straße bis zu den paar Häusern von Mannhagen (von Quote hier noch nichts gehört?!) und mündet dort in einen Plattenfeldweg.

Hier kann ich mich wieder von dem kleinen Schreck erholen. Vorhin war auf der schmalen Straße ein Bus so dicht an mir vorbeigeschossen, dass ich nicht hätte wanken oder mich drehen dürfen, ohne in den Graben befördert zu werden. In Sichtweite hatte er eine Wendeschleife und blieb dort völlig entspannt zwei Minuten stehen, bevor er zurück kam. Manche Autofahrer haben halt mehr im Tank als im Kopf!

Hier aber ist wieder eine wohltuende und verkehrsfreie Ruhe. Die Sonne scheint, die Saat wächst, die Windräder drehen sich erfreut, wieder schmettert ein Schmetterling vorbei. Die leichten Hügel der Felderlandschaft sind mit Baumreihen und Waldstücken gegliedert. Da kann ich es sogar genießen, den Schaft neu anziehen zu müssen. Der Wind pfeift ins Telefon, als ich von einer Greifswalder Zeitung neugierig zur Tour ausgefragt werde.

Nach einer Rast am Waldrand besitzt der Weg bald keine Platten mehr. Die weiterhin dünne Linie ist jetzt eine Mischung aus Sand und Staub, sehr tief, es fällt schwerer zu laufen, weil es gleichzeitig auch den Hügel hinauf geht. Zwei Fahrzeuge stauben mich ein, natürlich können sie nichts dafür.

Heute kann ich erstmalig den Vorteil einer Abholung durch Stefan nutzen. Auf einer Bank in Horst knabbere ich noch eine Banane, tippe noch ein paar Gedanken in die Tastatur für meine Berichte; ich bin ja so hinterher damit, dass ich jede Pause zu nutzen versuche. Wie einfach wäre es mit einer Sprachsteu- den Gedanken kann ich nicht fertig denken, denn Stefan beginnt mich einzuladen samt Rucksack und allem, um mich in Stralsund wieder abliefern zu können.

Km heute: Soll 13 Ist 11

Km gesamt: Soll 288 Ist 282,5

Fahrt über das Meer nach Rügen

Die Seebrücke Binz

Rolf Brakemeier bei der Arbeit

Die Kirche neben unserem Quartier in Stralsund

Rast am Waldrand

Feste Straßendecken sind einfach zu langweilig!

Tag 21, Sonntag, 25.3.12, Rundwanderung bei Barth

Tag 21, Sonntag, 25.3.12, Rundwanderung bei Barth

Dieser Tag beginnt mit der Frage, wie ich möglichst preiswert zum Quartier zurückkomme. Busse fahren nicht, Straßenbahnen gibt’s hier nicht und Stefan kommt erst heute abend. Also, wie wär’s mit einer Rundwanderung?

Wer ist Stefan? Er soll heute noch zu mir stoßen als Begleitfahrer für Gepäcktransfer, Wanderabholungen und diverse Aufgaben.

Aus der „Runde“ wird eine „Zacke“, weil an mehreren Stellen die Wege nicht weiterführen, wenn ich aus der Stadt heraus will und die Kandstraßen vermeiden will. Dreimal muss ich den Schaft wechseln. Nichts gelingt. Da ich noch in Hotelnähe gehalten bin, gehe ich zurück und behandle die drückenden Stellen während einer „wohlverdienten“ Pause.

Zur Belohnung verläuft Teil zwei dieses Tagesmarsches entschieden besser. Am Boddenufer entlang bis zum Wald und zurück. Immer wieder Ausblicke auf die riesenhafte Kirche von Barth. Der Himmel ist inzwischen wolkenlos und das Meer sieht aus wie blau angemalt.

Nach 22 Uhr kommt Stefan. Nur das Nötigste für morgen besprechen wir noch.

Km heute: Soll 13 Ist 11

Km gesamt: Soll 263 Ist 259,5

Wanderung am Bodden

Straße in Barth

Tag 20, Samstag, 24.3.12, Prerow bis Barth

Ohne Frühstück starte ich. Es wird hier nur Langschläfern ab 9 Uhr serviert. Ich nehme es halt mit. Vor 8 Uhr hilft mir noch ein netter Mitgast, der zum Joggen will, das Gepäck die steile Stiege ins EG zu entsorgen.
Frau Heyne, sie hatte gestern meine Hose in der Werkstatt wegen Reißverschlußermüdung, ist bereits hier, um das Gepäck nach Barth zu fahren. Sie stammt aus der Bachstadt Mühlhausen in Thüringen, die ich grüßen soll, wenn ich dort durchkomme.
Auffällig plötzlich und termingerecht kommen die Knospen und Kräuter hervor, sie kennen den Kalender, seit drei Tagen ist Frühling. Die Sonne wird bereits nach kurzer Zeit wieder zugehangen, die Meeresnebel hatten sich heimlich über den Bodden angeschlichen. Den ganzen Tag über bringen sie kalte Luft mit. Dieses Szenario vom Aussichtsturm der Hohen Düne anzuschauen lohnt nicht. Ich setze mich lieber auf die dritte Stufe und esse mein erstes Brötchen und das Frühstücksei.
Als ich zum Strand will, ist auch hier ein Abstieg nur auf dem Hosenboden möglich, wieder hinauf käme ich hier nur mit einer Leiter. Eine Weile wandere ich fleißig den Damm entlang, da hupt es auf der Straße. Frau Heyne winkt mir zu, mein Gepäck ist abgeliefert.
Kurz vor Zingst ist der Strand noch mal ein Stück begehbar. Aber ich sehe, dass es eigentlich nichts zu sehen gibt außer dem Nebel, den Anfang vom Wasser und die relativ wenigen erkennbaren Sandkörner.
Bei dem Zingster Campingplatz drehe ich ab, nach Süden. Das dürfte der Weg nach München sein. Es ist der Landessicherungsdamm vor Hochwässern, der sich in Richtung Barth durch den Wald schlängelt.
Mitten auf diesem Weg brauche ich meine zweite Behandlung am Stumpf. Heute früh erst bemerkte ich, woran man bei Ruhetagen nicht so denkt, den Stumpf genau zu kontrollieren. Ich spüre eine empfindliche Hautstelle am Ende der seitlichen Narbe. Es nützt nichts, unterwegs muss ich das weiter untersuchen. Aber hier im Wald stelle ich fest, es hat sich während des Laufens verbessert.
Dann verengt sich die Halbinsel. Ùber die Meiningenbrücke, als Meeresbrücke über den Bodden, entlang der zuwachsenden Bahnlinie Prerow – Barth, stelle ich an einer Bushaltestelle fest, dass Busse nur Mo-Fr fahren. Ich habe schon etwa 15 km hinter mir. Also noch den Rest, als Abendspaziergang. Langsam wird die große, rote Backsteinkirche von Barth immer größer. Km heute: Soll 12 Ist 18
Km gesamt: Soll 250 Ist 248,5

Nordkurier – Lokales – Prenzlau

http://www.nordkurier.de/cmlink/nordkurier/lokales/prenzlau/erste-selbsthilfegruppe-fur-amputierte-geplant-1.406225

Erste Selbsthilfegruppe für Amputierte geplant

Von unserem Mitarbeiter
Christian Menzel

Die Begegnung mit Roland Zahn hat Sabine Dobslaw, Koordinatorin der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) der Diakonie Güstrow, tief beeindruckt. Der Mann war mit einer Beinprothese 2000 Kilometer durch Deutschland gewandert.

Die Begegnung mit Roland Zahn hat KISS-Koordinatorin Sabine Dobslaw tief beeindruckt. Foto: Menzel

Güstrow.Während seines Aufenthalts in Güstrow hatte der 75-jährige Träger einer Beinprothese von seinem Vorhaben berichtet, innerhalb von 32 Wochen 2000 Kilometer durch Deutschland zu wandern (wir berichteten). Betont hatte er dabei immer, dass ihm neben eigener eiserner Disziplin eine Selbsthilfegruppe den Mut und die Motivation gegeben habe, aus dem Rollstuhl wieder in ein aktives Leben zu finden.
In der Region Güstrow wirken etwa 70 Selbsthilfegruppen unter dem Dach der Diakonie. Das Spektrum reiche dabei von Aphasikern über Essstörungen und Leben mit Depressionen und Demenz bis aktuell zur bevorstehenden Gründung einer neuen Gruppe von Menschen mit Herzproblemen, beschreibt Dobslaw. Dabei gäbe es größere Selbsthilfegruppen mit bis zu 15 Mitgliedern und kleinere, zu denen sich vier bis sechs Menschen zusammengeschlossen hätten. Manche suchten die Öffentlichkeit, andere würden eher zurückgezogen wirken. „Aber immer war es bisher so, dass Menschen eine Selbsthilfegruppe zur Bewältigung ihrer Probleme suchten und die KISS bei der Gründung und der anfänglichen Begleitung behilflich war“, sagt die Koordinatorin.
Die Begegnung mit Roland Zahn habe sie nun auf die Idee gebracht, doch einmal einen anderen Weg zu versuchen. „Nach meinen Informationen gibt es in der Region um Güstrow etwa 100 Menschen, die mit Amputationen leben müssen. Ihnen wollen wir über die KISS eine Selbsthilfegruppe anbieten, in der sie Kraft aus der Gemeinsamkeit schöpfen können“, schlägt Dobslaw vor. Ein Gespräch mit einem Sanitätshaus habe bereits stattgefunden, versichert sie.
Übrigens verfolgt sie nun genau den Weg von Roland Zahn durch Deutschland. Als er nach seinem Vortrag in Güstrow zu einer weiteren Wanderetappe aufbrach, hatte sie ihn gemeinsam mit Mitgliedern von Güstrower Selbsthilfegruppen ein Stück begleitet.

Tag 19, Mittwoch, 21.3.11, Waldrand bei Ahrenshoop bis Prerow

5:45 Uhr die Weckmelodie. Das Sanitätshaus Scharpenberg, Rostock, spendiert mir den Gepäcktransfer von Warnemünde nach Prerow. 8 Uhr wollen wir losfahren.

Eine neblige Autofahrt bis kurz vor halb zehn. Ein Lichtschein am Himmel, manchmal bläulich, manchmal gelblich. Vielleicht entweicht noch die Nebeldecke.

Als ich das Auto verlassen habe, finde ich auch hier feuchten Nebel vor. Über dem Damm auf dem Querweg gehe ich dem Rauschen entgegen. Ein rot-weißes Band, windzerfleddert, vor dem senkrechten Abbruch des Weges. Vor einigen Monaten ist auch hier durch den Sturm und hohe Flut viel abgetragen worden. Für mich besteht so keine Chance für den Strand.

Als mein weiterer Dammweg in einen normalen Waldweg übergeht, kann ich die Nebelstimmung richtig auskosten. Die Sanddünen werden bis unter die gezausten Kiefern in den Wald hinein geweht. Ich komme da nicht durch. Die Bildmotive hier sind aber auch sehr faszinierend.

Ich habe mich auf über 16 km eingestellt. Es kann heute später sein, wenn ich das Quartier erreiche, denn es folgen zwei „Ruhetage“. Diese Bezeichnung ist irreführend. Was wird diesmal zu tun sein? Wanderwäsche, Weitertransport, sonstige Termine organisieren. Banküberweisungen. Belege sortieren. Bilder aufladen, bearbeiten, in Tagesalben auswählen. Ach ja, mir fehlt ja noch der Bericht von gestern! Sowie die Bilder verschicken! Und die gebuchte Massage am Freitag nicht vergessen. Dabei könnte ich gleich noch in den Supermarkt kucken…

Also weiter! Je tiefer nordöstlich im Wald, um so weniger ist das ständige Rauschen zu hören, um so weniger Nebel. Ein paar Regentropfen. Doch nur wenige Minuten danach Sonne. Für heute bleibt sie mir erhalten und es entsteht einer der schönsten Tage bisher.

Der Wald hier bedeckt fast alles der dicksten Stelle des Darß. Das Garmin empfängt keine Funksignale mehr, doch das iPhone zeigt mir zuverlässig meine aktuelle Position. Möglicherweise kann es aber auch mal anders herum funktionieren.

Am Großen Stern finde ich Bänke für meine Rast, Wegweiser, Infotafeln. Ich erfahre, dass hier mitten im Wald vor 6000 Jahren die Küste war. Der Darß und der Bodden sind ständiger Wandlung unterworfen. Es wird abgetragen, wie ich vorhin gesehen habe, es wird angeschwemmt, wie mir der weitere Weg zeigt.

Zuerst gehe ich auf einem Betonplattenweg genau nördlich. Ganz leichte Wellen sind zu spüren. Alte ehemalige Dünen, die sich in kurzen Abständen aneinander reihen, wie sich das Land immer weiter nach Norden hin vergrößerte. Dazwischen sumpfige Vertiefungen, wo die Bäume nasse Füße gewohnt sind.

Eine Kreuzung. Ich muss mehr rechts halten. Endlich kein Beton mehr, der immer seine Stolperfallen hat. Waldboden hat das auch, ich laufe aber sehr gern auf dem weichen Grund und bin dort höher konzentriert unterwegs. Wieder eine Kreuzung. Wieder links. Sehr wenige und alte Spuren von Fahrzeugen. Zweige beginnen überzuhängen. Ich beruhige mich, denn die Wegschneise ist weit nach vorn ja gut zu erkennen.

Plötzlich liegt quer vor mir ein schmaler gebogener See. Hab ich’s mir doch fast gedacht, dass ich noch umkehren müsste, wenn, dann wieder bis zu den Platten. Ist das links nicht wie ein Fußpfad? Das teste ich aus, evtl. hört der Teich ja auf. Rechts wäre auf jeden Fall Morast. Unter Zweigen bücken, über Wurzeln steigen, da ist der Pfad deutlich, noch über puren Waldboden und die gerade Linie des Weges ist wieder erreicht. Nochmal querliegende Bäume und eine breite Schranke umgehen, da ist schon die feste Waldstraße, in die ich nach rechts einbiege. Wieder mal alles halb so schlimm bis wunschgemäß!

Jetzt lange nördlich, bis zum Nordstrand. Hier plätschert die Ostsee nicht mehr, als würden sich zweie in der Badewanne ganz ruhig verhalten. Was für ein Gegensatz zur Westküste, wo es vorhin recht stürmisch zuging. Diese Bucht ist durch die Nordspitze des Darß stark abgeschirmt.

Nun ist der nördlichste Punkt meiner Wanderung erreicht, es sei denn, ich würde doch noch nach Rügen kommen, wenn alles klappt, was kurzfristig geplant ist. Nach einer weiteren Stunde erreiche ich den Hafen meiner Herberge „Am Hafen“. Es ist fast halb sieben, Zeit zum Verschlingen dreier Kartoffelpuffer.

R.

Km heute: Soll 13 Ist 16

Km gesamt: Soll 238 Ist 230,5

Ehemaliges Meeresufer

Tag19b.jpg

Sand und Nebel dringen in den Wald ein

Der Darßwald, nur auf festen Wegen zu durchqueren

Der Strandweg ist abgebrochen

Bild zu Tag 17

Die Wellenbrecher an der Seebrücke Wustrow auf dem Darß

Tag 18, Dienstag, 20.3.12, Dierhagen Strand bis Wustrow

Das Ziel ist heute möglichst Ahrenshoop zu erreichen. Wenn ich den Bus für die Rückfahrt bekomme – sonst gibt’s eine Nacht am Strand!

Wie bereits gestern frühstücke ich unterwegs. Drei belegte knusprige Roggenbrötchen. In eine Schnappdose schütte ich mir Müsli mit etwas Quarkfüllung. Über zwei Liter Tee in drei Flaschen, in die ich bei den zumeist zwei Pausen meine Pülverchen einrühre. Dabei habe ich als auch gern Nussmischung, eine Dose Sardinen und einen Mahlzeitenersatz-Shake. Das hält lange durch bis zum nächsten Hungeranfall. Mit dieser Ausstattung komme ich äußerst gesund und preiswert über jeden langen und anstrengenden Tag.

Zuerst mühe ich mich noch am Strand ab. Da läuft mir aber die Zeit davon, wie sie das so gewohnt ist. Am Nordrand von Dierhagen Ost finde ich hinter der Düne den sehr schönen Weg nach Wustrow. Der Wald rechter Hand ist voller schwarzer Sumpflôcher, in denen sich immer öfter blaue Stellen spiegeln: Das Wetter wird besser.

Später am Weg liegt sitzgerecht ein Erlenstamm, was ich als Aufforderung annehme. Immer erzeugen bei mir waagerechte Bäume Appetietsanwandlungen. Auf dem Weg hält ein Radfahrer, um zu trinken. Ich weise auf den freien Platz neben mir. „Muss weiter!“, ruft er und winkt beim Abfahren.

Der Damm seitlich der Straße zieht sich lange Strecken gerade hin. Dazwischen stehen Ferienhäuser und warten auf die Urlaubsfamilien. Die mit Reed gedeckten gefallen mir am besten. Doch auf dem freien Damm bin ich dem Wind stark ausgesetzt. Die Jacken bis hoch hinauf zuziehen, bewegen und alles ist ok! Bald ist es ja doch wieder zu warm mit der Witterung, also warum soll ich das heute nicht genießen?

Die schmalste Landstelle der Halbinsel Darß. Ich entdecke sie südlich von Wustrow. Der Saaler Bodden wäre fùr einen Zweibeiner vom Weststrand aus in zehn bis 15 Minuten erreichbar.

Interessant ist auch die Seebrücke Wustrow. Wieder so ein Beispiel, wo das Geld zu früh ausging, bevor sie Sùdspitze von Falster in Schweden erreicht werden konnte! Die Wellen schieben sich unter mir durch und erbrechen sich an der großen schwarzen Gesteinsmauer mit weißer Gischt.

Ich rechne nach: bis Ahrenshoop reicht es mir nicht. Ich wandere noch eine Runde nördlich von Wustrow. Dort beginnt die Rückfahrt. Mir fällt ein: Tag 18, das hatte ich schon mal 2010 in Treffurt. Da hatte ich nach 18 Wandertagen 220 km. Diesmal also nicht ganz, nur ein Tagesschnitt von 11,9 bisher.

Wegen mir wartet extra der Busfahrer. Aber mürrisch, er sei schon zu spät dran. Als später Fahrgäste zusteigen und ich den Prothesenfuß nicht vor den Sitz zwängen kann, wird er fuchtig, obwohl die Leute gut vorbeikommen. Das einzige Beispiel dieser Art in Mecklenburg.

Erst nach 19 Uhr bin ich in der Juhe, das Abendessen ist vorbei. Noch paar Nüsse, Packen für die morgige Abreise und schnell ins Bett.

Km heute: Soll 12 Ist 11,5

Soll 225 Ist 214,5

Das sieht klein aus von hier oben

Auf der Seebrücke Wustrow

Schon der vierte Strandtag mit Blumengrüßen

Tag 17, Montag, 19.03.12 Graal-Müritz bis Dierhagen Dorf

Bereits als ich am Bahnhof in Graal starte, höre ich die Ostsee deutlich. Nachts schon hatte es gestürmt und auch heute weht es stark. An der Seebrücke angelangt, sehe ich die breit geschäumten Wellen heranrollen.

Der Wind gibt mir Unterstützung. Die Prothese kommt kaum hinter mir her. Etwa einen Kilometer laufe ich am Strand. Der Himmel ist gut blank geputzt. Die Jacken müssen hoch geschlossen sein, fast hole ich die Handschuhe heraus. Hinter mir scheint ein riesiger Ventilator auf Kaltluft eingestellt zu sein. Der Sand wird mir unter den Füßen weggeblasen.

Fast alle Spuren sind mit hastigem Sand überdeckt. Dadurch entstehen eigentümliche Gebilde, wenn die Ablagerungen von Algenresten noch teilweise sichtbar sind.

Während ich mich wie der Sand treiben lasse, zieht vor mir eine Wolkenschicht den blauen Himmel wieder zu, sehr schnell geht das. Das Windrad vorn am Wald dreht sich enorm schnell. Am Nordende von Müritz finde ich auf der Düne den Weg nach Dierhagen.

Bevor ich mit Bus und Bahn zurückfahre, will ich wieder zum Strand und zum Ortsteil Strand. Dort suche ich den Dünenweg, wo einst Onkel Dieter wohnte, ein Nachbar lädt mich zu einer Tasse Kaffee ein. Gern hätte ich Dieter früher mal hier besucht. Das Dach des kleinen Hauses mit Reed bedeckt, ringsum ein Garten. Ein traumhafter Wohnsitz, raus zum Gartentor, daneben durch ein Stück Kiefernwald und über die Düne ins Wasser, wann immer man will!

R.

Km heute: Soll 13 Ist 13

Km gesamt Soll 213 Ist 203

Die Wellenbrecher an der Seebrücke Wustrow auf dem Darß

Die Seebrücke bei Wustrow

Blumengrüße vom Strand bei Dierhagen

Beinamputierter Wanderer macht Station in Greifswald

http://www.greifswald-netz.de/174/2012-1404/roland-zahn-wanderung-greifswald.html

Roland Zahn möchte andere Menschen mit Handicap dazu motivieren, ihr Leben informierter, bewusster und aktiver zu gestalten
Mit 75 und Oberschenkelprothese – von der Spree bis zur Isar – 2000 Wanderkilometer in 160 Wandertagen

(Greifswald) Roland Zahn, 75 Jahre und seit 2006 oberschenkelamputiert, macht seit dem 26. Februar 2012 eine 2000 km-Wanderung durch Deutschland und wird dabei auch in der Hansestadt Greifswald Station machen. Damit möchte Herr Zahn andere Beinamputierte, bzw. Menschen mit Handicap, unter dem diesjährigen Motto „MEHR Bewegung hilft“ dazu motivieren, ihr Leben informierter, bewusster und aktiver zu gestalten.

Am 29.03.2012 macht Herr Zahn in Greifswald Station. In Zusammenarbeit mit der OT aktiv GmbH hält Herr Zahn um 18.30 Uhr im Theatersaal des BBW Greifswald einen Vortrag, während dessen er seine spannenden Erlebnisse und Beweggründe schildert. Wer sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen möchte, ist herzlich eingeladen. Für einen kleinen Snack und Getränke ist gesorgt.

Ebenfalls besteht die Möglichkeit, sich über die Arbeit des „Verein zur Förderung des Landesleistungszentrums für Behindertensport in Greifswald e.V.“ und seine Unterstützung für den Sport mit Handicap zu informieren.

Anmeldung unter Tel. info

Tag 16, Sonntag, 18.3.12, Markgrafenheide bis Torfbrücke

Zuerst hörte ich zwar den Wecker in weiter Ferne, kapierte aber nicht, was das soll. Dann wachte ich 30 Minuten später auf. Dann wieselte ich alles so schnell, dass ich noch vor dem ersten Sonntagsbus an der Haltestelle wartete.

Inzwischen habe ich die zwei Busse und die Autofähre mit guten Verbindungen hinter mir. Der Dünensandweg ist so sandig und versinkbar wie eine Schmalspursahara. Ich wechsle hinunter zum Strand. Da geht es richtig leicht. Bald bin ich ganz allein hier und genieße die Einsamkeit.

Wenn ich dicht bei den Wellen laufe, scheint es, sie würden reagieren und näher herankommen. Eine Weile scheinen sie ganz harmlos zu sein und urplötzlich marschieren sie von irgendeiner Bö da draußen sehr temperamentvoll heran. Manche Welle umkreist unvermutet von hinten die Schuhsohle und leckt sie sauber. Auch der Prothesenschuh wird nicht verschmäht.

Unzählige Spuren sind zu erkennen. Von den Wellen halb verwischte. Auch die eigenen Schuhabdrücke, wenn ich mich umdrehe, werden manchmal umgehend eingeebnet. Spuren vieler Schuhe, Vogelfüße, Hundetatzen, einer ging hier schon barfüßig.

Spuren aus der See. Muscheln, Tang, Holz werden abgelagert. Irgendjemand steckt immer wieder Blumengrüße in den Sand. Eine blaue Einkaufskiste wird vom Wasser umspült und tief eingegraben.

Bei meiner Rast auf einem heruntergebrochenen Stück Dünenkrone umkreisen mich Möven. Die Reste meines ausgespuckten sauren Apfels môgen sie aber nicht. Ziemlich verwöhnt, welches Menu speisen die sonst?

Hinter der Düne liegt der Heiligensee, das Hütelmoor und die Rostocker Heide. Wo der Wald beginnt steige ich die Düne hinauf und gehe Waldwege in Richtung Graal. Von der Station Torfbrücke aus kann ich zurückfahren. R.

Km heute: Soll 13 Ist 13

Km Gesamt Soll 200 Ist 190

Dünenweg zwischen Markgrafenheide und Graal-Müritz

Das gute Wetter gewinnt heute

Wellenbrecher ohne Wellen

2000 Kilometer mit 75 Jahren und nur einem Bein – nnn.de

http://www.nnn.de/

2000 Kilometer mit 75 Jahren und nur einem Bein

2000 Kilometer zu Fuß durch Deutschland – und das im Alter von 75 Jahren. Das ist eine gewaltige Leistung. Doch Wanderer Roland Zahn setzt noch einen drauf: Im Jahr 2006 wurde sein rechtes Bein amputiert, seitdem trägt der gebürtige Leipziger eine Oberschenkelprothese. Unmöglich? Nein. Gestern machte Roland Zahn auf seiner Deutschland-Tour Station in Güstrow, erzählte von Überwindung, Mut und Anstrengung, vom Spaß an der Bewegung und der Leidenschaft für das Wandern.

Durchschnittlich 62,5 Kilometer schafft Roland Zahn pro Woche, seit drei Wochen ist er unterwegs, hat also noch mehr als 1800 Kilometer vor sich. Kein Grund für den 75-Jährigen den Kopf hängen zu lassen. „Ich habe einfach die Kondition. Bewegung macht mich glücklich“, sagt er selbstbewusst. Die Strapazen sind dem Wanderer nicht anzumerken, gestern bei seinen Auftritten im Ambulanten Reha-Zentrum Güstrow und im Sanitätshaus Beerbaum, wo er anschaulich über seine Tour Auskunft gab. Doch nicht nur der Spaß an der Bewegung lässt den Oberschenkelprothesenträger auf diesen Gewaltmarsch gehen, er hat auch einen klaren Aufklärungsanspruch. „Ich will auf dieser Tour mit anderen Amputierten zusammenkommen, ihnen Mut machen, sich zu bewegen“, sagt er.

Mehr als 200 000 amputierte Menschen gäbe es in Deutschland, viele davon mit Informations- und Versorgungsdefiziten, Depressionen, Zukunftsängsten oder Bewegungsmangel. Roland Zahn kennt das aus eigener Erfahrung. Als sein Bein 2006 nach einer Venenentzündung amputiert werden musste, fiel er in ein Loch. Nach 14 Klinikaufenthalten dachte er: „Das ist das Ende.“ Ein Jahr war er an den Rollstuhl gefesselt. Dann spornte ihn seine Vermieterin an, doch mal aufzustehen und wieder selbst zu gehen. Es kostete Roland Zahn Überwindung, doch er fasste wieder Mut, ging immer weitere Strecken. „Mir wurde klar: durch Bewegung kann man seine Gesundheit am besten fördern. Man muss an sich arbeiten. Das erfordert natürlich Anstrengung“, sagt er. Seine Selbst-Mobilisierung ging Schritt für Schritt weiter – bis zu seiner jetzigen Deutschland-Tour.

Geholfen hat Roland Zahn nach seiner Amputation auch eine Selbsthilfegruppe. Die Gründung solcher Gruppen regt Zahn an jedem seiner Etappen-Stopps bundesweit an. „In solchen Selbsthilfegruppen ist für möglichst viele Amputierte ein Informationsaustausch wohnortnah möglich“, sagt er. Noch existiert keine solche Gruppe in Güstrow und Umgebung. Doch Sabine Dobslaw, Koordinatorin der Kontakt- und Informationsstelle Selbsthilfe (Kiss) in Güstrow, ist von Roland Zahn so begeistert, dass sie jetzt in die Offensive gehen will. „Beeindruckend, dass er sich dieser extremen Herausforderung stellt“, sagte sie gestern. „Wir als Kiss werden jetzt aktiv werden, um eine Selbsthilfegruppe für Amputierte ins Leben zu rufen.“

Unterdessen ist Roland Zahn schon wieder unterwegs. Heute Abend will er in Rostock sein. Schluss der Tour ist im Oktober in München.

Tag 15, Samstag, 17.3.11, Warnemünde DJH bis Markgrafenheide

Ein dicker Nebel überall. Vor der Einmündung der Warnow ins Meer taucht schemenhaft ein dunkle Mauer auf. Oben, dahinter, sehe ich Köpfe, es wirkt, als rollen sie auf der Mauerkrone. Durch tiefen Sand finde ich den Durchlass und gehe den gleichen Weg wie die Köpfe, in Richtung Mündung.

Riesige Gesteinsbrocken sind an der Warnowböschung angebracht. Vor mir taucht ein Leuchtturm auf, der nicht leuchtet. Wie dick müsste denn hier der Nebel sein, um Leuchtürme zum Leuchten zu veranlassen?

Am Hafen von Warnemünde kommt ganz kurz die Sonne durch. Ich entdecke eine Fischbude. Ein Heringsbrötchen, das muß jetzt sein. Hinter den Bahngleisen leutet schon die Autofähre zur Abfahrt hinüber zur Hohen Düne.

Am Jachthafen lasse ich meine Jacht heute mal alleine schaukeln und stapfe wieder hinaus auf den Sandstrand. Der ist aber tief hier. Lange mache ich das nicht, parallel, hinter der Düne, geht ja die Straße.

Einige Male wechsle ich hin und her. Ganz sinnvoll so, denn nur tiefen Sand zu haben, strengt enorm an. Die langweilige Straße aber auf andere Art ebenfalls. Bis ich beim dritten Versuch festeren Sand bekomme. Doch vorher gibt es einen Dünenquerweg, der bricht zum Strand hinunter plötzlich ab. Auf den Hosenboden und gerutscht.

So ein Aufstieg aus dem Strand auf die Düne hinauf ist aber auch nicht ganz normal. Seitlich laufen! Zwei Fußbreiten steige ich hoch, eine rutsche ich zurück. Langsam aber sicher!

Wie gestern mache ich erst noch eine Runde auf dem oberen Rand und dann am Wasser zurück. Bei dieser Wende kommt endlich die Sonne. Die gesamte Wolkendecke schiebt sich mit einer geraden Kante davon. Ein starker Eindruck eines Wetterwechsels!

Am Rande von Markgrafenheide komme ich zurück zur Straße und genau richtig zur Ankunft des Busses.

Km heute: Soll 12 Ist 13

Km gesamt: Soll 187 Ist 177

Die Warnowmündung Die Warnowmündung

Der Hafen von Warnemünde Der Hafen von Warnemünde

Das war die weiche Rutschbahn von der Düne Das war die weiche Rutschbahn von der Düne

Angespülte Muschelschalen Angespülte Muschelschalen

Wetterwechsel Wetterwechsel

Wieder hinauf und zum Bus Wieder hinauf und zum Bus

Presse – „Roland Zahn“

Web 1 neues Ergebnis für „Roland Zahn“
Wanderer mit Handicap | NDR.de – Fernsehen – Sendungen A – Z
Mit Oberschenkelprothese 2.000 km in 160 Tagen quer durch ganz Deutschland wandern
www.ndr.de/fernsehen/sendungen/…/nordmagazin9723.html

Tag 14, Donnerstag, 15.5.12, Ostseebad Nienhagen bis Warnemünde Strand

Die folgenden zwei Wochen auf dem Darß und auf Rügen muss ich umplanen. Ein einfacher Grund: Das seit dem Start in Berlin eingeplante Begleitfahrzeug mit Stefan Hartung kann immer noch nicht eingesetzt werden. Entfernungen zwischen Sanitätshäusern bzw. Quartieren werden durch die Umstellung kostengünstiger überbrückt. Die gesamte Konzeption der Wanderetappen mit Vorträgen ist auf das eigene Fahrzeug abgestimmt und kann nur damit richtig funktionieren. Um aus dem Stralsunder Gebiet nach Kap Arkona bzw. von Sellin nach Greifswald zu gelangen, ist die Überbrückung mit Fremdkosten schlichtweg zu teuer. Mein großer Wunsch, an den Kreidefelsen zu wandern, ist damit dahin. Der Ersatz für Rügen führt dafür von Barth aus direkt nach Stralsund. Eine Abholung nach Greifswald ist mir schon zugesagt.

Die Tage auf dem Darß werden umgestaltet und durch die verkehrsgünstige Lage der Jugendherberge Warnemünde auch ökonomisch günstiger: Das Reservegepäck braucht eine ganze Woche nicht bewegt zu werden, während ich versuche, zwischen der Kliffküste bei Nienhagen bis nach Prerow zu wandern und „ôffentlich“ ohne Fahrtkosten an- und abzufahren.

Nach der Busfahrt bis Nienhagen merke ich schnell – Prothese falsch angezogen! Im Wald vor dem Strand kann ich das regeln. Ich habe vor, den Strand zu testen und da muss der Schaft gut sitzen!

Vor den Strandhotels sind steile Treppen hinunter zum Strand. Schilder weisen auf die Abbruchgefahr hin. Die Küste hier ist ein sehr steiles Kliff, der Strand recht schmal und ich erkenne deutlich die frischen Stellen, wo Erdreich mit Riesenkieseln abgerutscht ist.

Erst ab der Wilhelmshöhe gehe ich hinunter auf den Strand. Zuerst, tiefer trockener Sand. Dann sehr große Kiesel. Auf beiden sinkt man ein oder rollt darin herum. Besser schon sind die mittleren Kiesel und der leicht feuchte Sand. Ziemlich problemlos ist es dicht neben den auslaufenden Wellen. Ich suche die ebenen Stellen und weiche den schrägen Neigungen aus, denn der Strand steigt nach rechts. Bei der Standstelle von gestern abend habe ich einen reichlichen Kilometer hinter mir.

Um mein „Soll“ voll zu machen, marschiere ich auf dem oberen Weg noch bis zum dem landschaftlich beeindruckenden Klotz „Hotel Neptun“, das großkotzig den Strand verschönert, und damit einige Leute eine hochgeschossige Aussicht auf Wasser genießen können. Dort wechsle ich wieder runter zu den Wellen, um den Test in der anderen Richtung fortzusetzen.

Mit der Prothese den Strand entlang, wirklich ein Erlebnis! Etwas Einsinken und etwas langsamer sein, das muß man halt akzeptieren.

Km heute: Soll 13 Ist 12,5

Km gesamt Soll 175 Ist 164

Es gibt mehr solche Aussichtsplattformen, als ich rasten kann Es gibt mehr solche Aussichtsplattformen, als ich rasten kann

Diese Kliffküste ist fortlaufend am Abbrechen Diese Kliffküste ist fortlaufend am Abbrechen

Prothesentest auf dem Strand Prothesentest auf dem Strand

Der Untergrund wechselt. Der Untergrund wechselt

Mein erster Weg an der Wasserkante Mein erster Weg an der Wasserkante

Strandwandern ist beliebt Strandwandern ist beliebt

Tag 13, Mittwoch, 14.3.12, Büstrow bis Schwaan

Wegen „nasser Füße“ sitze ich hier vor Rosenkohl, Rinderbraten und Kartoffelpapps – und zwei mal Quarkspeise. Hier, das ist die Juhe in Wanrnemünde. Und die „nassen Füße“ hat das Juhe-Schiff in Rostock am Stadthafen bekommen, einen Wasserschaden. Also Umquartierung!,

Der Stsrt am Rathaus in Büstrow fiel gegenüber sonst aus der Reihe. Gestern war vereinbart worden, dass das NDR-Fernsehen die Wanderung filmt. Zum Mitwandern trafen sich gegen 8 Uhr Frau Dr. Sabine Dobslaw und verschiedene Mitglieder von Selbsthilfegruppen sowie das Team von Frau Voss vom NDR.

Außerhalb der Stadt wurde die Wandergruppe zusehends kleiner, nur noch Sabine und Helga zogen mit. Das Camerateam suchte sich per Auto die verschiedenen Aufnahmestandorte.

Wo der Fahrweg nach Passin abbiegt, verabschiedeten wir uns. Für mich begann ein Feldweg, teilweise ging er durch Wald. Als ich dann die Autostraße erreichte, lagen noch über 6 km vor mir.

In Schwaan sehe ich den Zug nach Rostock einfahren. Auf dem Gleis da drüben; jetzt sollte man halt den Raketenantrieb dabei haben. In der Unterführung wurde ich dann von ihm überrollt, ein Gefühl, das den restlichen Stress rausnimmt. Endlich hat man mal Zeit!

Im Bus 36 nach Warnemünde Strand, umgestiegen in Lichtenhagen. Die Sonne ist untergegangen. Ob ich heute noch den Strand sehe? Endstation bei der Juhe. Noch nicht ganz dunkel. Schnell rüber auf die Düne!

Das erste Mal seit 72 Jahren sehe ich die Ostsee wieder. Damals hatte ich Steine hineingeworfen. Heute werfe ich Blicke in den Sucher der Lumix, denn ich habe den genau richtigen Zeitpunkt erwischt. Ein wunderbarer Abendhimmel über dem Strand!

Km heute: Soll 12 Ist 15,5

Km gesamt Soll 162 Ist 151,5

Entlang der Warnow Entlang der Warnow

In Schwaan: Auch hier Holperstraßen und bunte Häuser In Schwaan: Auch hier Holperstraßen und bunte Häuser

Ankunft am Strand – zum richtigen Zeitpunkt Ankunft am Strand - zum richtigen Zeitpunkt

Tag 12, Montag, 12.3.12, Von Bornkrug nach Kirch Rosin und am Rande von Bützow

Hier in der Alten Poststation hat es mir gut gefallen. Eine Wegkreuzung im Wald, drei Häuser drumherum. Wieder das Problem: Wie veranlasse ich mein Gepäck, sich von dannen zu heben? Die restliche von vier Alternativen wird wahr: Das Sanitätshaus Beerbaum kommt aus Güstrow. Ich fahre verspätet mit und steige in Groß Grabow zum Wandern aus.

Über Klein Grabow und Lüdershagen komme ich auf windiger Allee und über Waldstraßen nach Kirch Rosin. Wie vereinbart, kann ich von hier aus wieder mit einem Fahrer des Sanitätshauses Beerbaum zum Bahnhof Güstrow gelangen. Nach einer kurzen Bahnfahrt setze ich die Wanderung am Rande von Bützow bis zu meinem Quartier fort.

Km heute: Soll 13 Ist 14

Km gesamt: Soll 150 Ist 136

Aufbruch an der Alten Poststation Aufbruch an der Alten Poststation

Kirchturm aus Holz in Lüdershagen Kirchturm aus Holz in Lüdershagen

Rathaus in Bützow Rathaus in Bützow

Tag 11, Sonntag, 11.3.11, Bornkrug bis Krakow am See

Ich wollte ja gleich durch den Wald. Aber da ist die Autobahn A19 dazwischen. Wieder viele Straßen. Sie haben hier zwar wenig Verkehr, aber lieber habe ich Waldboden unter den Schuhsohlen.

So komme ich bei Linstow über die Autobahn und dann nach Dobbin. Eine sehr große Backsteindorfkirche steht dort. Auch einige verfallende Häuser, dabei auch das ehemalige Gutshaus.

Der Krakower See ist sehr naturgeschützt, auch vor jedem Bootsverkehr. Nur der Fischer darf dort rudern, vorausgesetzt, er fischt beim Rudern. Der Uferweg ist sehr anstrengend für die Prothese, weil er sehr schräg angelegt ist. Da kommen von hinten Motorräder vorbeigerast, sehr dicht, und ich verliere fast die Balance, kann mich gerade noch senkrecht halten.

Nach einer windigen und hastigen Uferrast habe ich mich gleich regenfertig gemacht. Der Wind fegt die ersten Nieseltropfen über den See. Dann gerate ich mal wieder auf eine Straße. Würde ich mitfahren, wenn jetzt einer hielte? Nicht lange, da hält ein Pkw, die Scheibe geht runter: „Wollen Sie nicht ein Stück mitkommen? Steigen Sie hinten ein.“ Ich drehe mich um, das Auto will gar nicht mehr aufhören. „Ostseelimousine.d e“ lese ich. Vom Hintersitz brauche ich fast ein Opernglas, um die Fahrerin weit vorne erkennen zu können.

Am Seehotel in Krakow steige ich aus. Gern habe ich die stupide Straße gegen den Uferweg am Krakower See ausgetauscht. Aber – wie komme ich zurück? Die nette Dame mit dem Partyauto wollte nicht so recht. Also, ich muss einen Eingeborenen ansprechen.

Ein Westi mit Herrchen kommt daher. Wir unterhalten uns, und siehe da, ich habe mit meinem ersten Versuch genau den Taxifahrer gefunden, der mich kurz danach zurück nach Bornkrug fährt. R.

Km heute: Soll 12 Ist 12

Km gesamt: Soll 137 Ist 122

Kirche in Backstein pur Kirche in Backstein pur

Mitfahrt ohne Barbenutzung Mitfahrt ohne Barbenutzung

Die ideale Tourbegleitung? Die ideale Tourbegleitung?

…würde gerade ausreichen für mein Gepäck! ...würde gerade ausreichen für mein Gepäck!

Regenstimmung am Krakower See Regenstimmung am Krakower See

Tag 10, Samstag, 10.3.12, Waren, Quartier Paulshöhe bis Loppin

Beginn der dritten Wanderwoche. Regen ist angesagt, aber er hält sich noch zurück. Die Vororte Warens ziehen sich hin. Dann ein Weg neben dem Bahngleis. Wieder ein Vorort. Dann drei km neben der befahrenen Landstraße. Es beginnt zu nieseln, Rucksack einhüllen, Kragen hoch bis zum Anschlag, Handschuhe an und gegen den Wind stemmen. Dazu noch eine Steigung, die reinste Freude! Dafür weiß ich jetzt, dass dort rechter Hand 187 junge Bäume als Allee angepflanzt wurden.

Dieser verbissene Marsch erzeugt Hunger, an dem Haltepunkt Schwenzin sind drei Metallstühle für Bahnfahrer, ich missbrauche sie für meine Energieaufstockung. Dem anrollenden Zugführer winke ich ab, er fährt gleich durch; wieder ein Kunde weniger.

An der Putenmaststation kann ich endlich von der Straße weg. Im Wald wird es windstill, es kommt dann die Sonne durch, doch genau so lustlos wie der Regen vorhin. Am Waldende ist eine Schranke aufgebaut. Beidseitig aber zusätzlich große Steine, als Sperre aufgereiht. Damit hier ja keiner wieder aus dem Wald rauskommt?

Auf dem Jarbiner See treibt der Wind deutliche Wellen heran. Hier in der Nähe soll eine Insel sein, auf der Wiesente in freier Natur leben können.

Nicht weit davon liegt der Loppiner See. Am Nordende holen Matthias, der schon ab dem Schwarzenhof im Auftrag des Sanitätshauses Müller in Waren das Gepäck holte, und seine Frau mich ab. R.

Km heute: Soll 13 Ist 13,5

Km gesamt: Soll 125 Ist 110

Der einzige Sonnenstrahl des Tages! Schnappschuß: Der einzige Sonnenstrahl des Tages!

Der lächerliche Versuch mir den Weg zu versperren Schnappschuß: Der lächerliche Versuch mir den Weg zu versperren

Ruhetag, Donnerstag, 8.3.12, Einkaufsstraße in Waren

Einkaufsstraße in Waren

Tag 9, Mittwoch, 7.3.2012, Schwarzenhof bis Waren, Marktpkatz

In der „Jägerrast“ bei Herrn Mildner und seiner Familie fühlt man sich wohl und man wird von ihm und seiner Tochter sehr freundlich bedient. Das wäre mal was im Sommer, Kutschfahrten und Vogelbeobachtungen!

In Schwarzenhof wird mein Gepäck stationiert. Für die Fahrt hierher berechnet mir Herr Mildner nichts! Herzlichen Dank! Ich beginne hier die Wanderung.

Zum größten Teil geht der Weg am Rande des ehemaligen großen Müritzsees entlang. Ein großer Halbkreisbogen um den Rederangsee. Furchige Straßen, rechts der Waldhang, knorrige alte Eichen, die oft ihre dicken morschen Äste wie Ballast um sich abgeworfen haben. Wenn ich hier im Sturm entlang müsste, durch einen Schwarm von Eichenprügeln wie letztes Jahr durch die wütenden Bienen… Ich bekäme statt Stichen blaue Flecke!

Eigentlich gibt es heute keine weiteren Ereignisse, wenn man davon absieht, dass die Natur und die Landschaft hier ein sehr großes Ereignis sind. Da leuchten die noch eisbedeckten Überschwemmungen auf den Wiesen wie Silber im Gegenlicht. Da breitet das graue Vogelpaar grell schreiend die Schwingen über einen Meter Spannweite aus, als es sich vor mir zurùckzieht. Weit oben schweben keilförmig kreisend Schwärme dieser Vögel über dem Teufelsbruch.

Am östlichen Ufer der Feisneck entlang komme ich direkt hinein nach Waren, zum Hafen und zum Marktplatz. Hier treffe ich Matthias Haugwitz, der bereits im Auftrag von Sanitätshaus Müller mein Gepäck vom Schwarzenhof abgeholt hat und dieses incl. mir zum ebenfalls gesponserten Hotel schafft.

Zwischen der ersten und der zweiten Rast merke ich mein rechtes Hüftgelenk. Früher, immer wenn ich extrem zu selten gelaufen bin, war es so. Immer ging es weg, wenn das Laufpensum wieder erhöht wurde. Das habe ich ja gerade vor. Zusätzlich setze ich aber ab morgen Gelenk Fit und das Basenpulver Restorate in erhöhter Menge ein. Auch im letzten Jahr hat das gut funktioniert.

Trotzdem, nachdem ich nicht vorher abgebrochen habe: Heute, am Ende der Etappe 2 fühle ich mich richtig eingelaufen. Das Gefühl, es gibt kein Problem, der Tag ist wieder kürzer als meine Lauflust. Den ganzen Tag gehen zu können ist riesig und ich freue mich schon auf die restlichen KM! R.

Km heute: Soll 13 Ist 15

Km gesamt: Soll 113 Ist 96,5

Waren - ein "lütten Ort"

Regenwolken ziehen heran

Urzeitungetüm?

Typische Straße in der Kernzone des Müritz Nationalparks

Tag 8, Dienstag, 6.3.2012, Von Boek bis Schwarzenhof

Frostige Luft, Morgensonne, hohe Erwartungen an diesen Wandertag. Kaum laufe ich die Betonstraße in Richtung der Sümpfe, höre ich feste Schritte. „Bewegung hilft!“, behauptet der Mann, und da sind wir schon bei meinem Thema. Er zeigt mir dann einen Weg zum Müritzbadestrand, eine kleine Bucht. Hier können Badende weit hinaus laufen.

Noch einen weiteren Abstecher zum Müritzufer gibt es, den ich nutze, ich brauche ja auch Bilder. Doch Motive mit Wasser gibt es unmittelbar zu beiden Seiten, ein Kanal oder Sümpfe voller ockerfarbener Halme. Beste Sicht auf das weite Gelände, zur Binnenmüritz und zum Specker See erhalte ich beim Besteigen der beiden Holztürme, die mitten auf dem Damm stehen.

Mehrmals höre ich in der Nähe laute Vogelrufe, kenne mich aber nicht aus. Reiher, Kraniche und Seeadler gibt es hier.

Dann komme ich zu dem Steilhang, dem ehemaligen Ufer des Müritzsees vor der Absenkung des Grundwassers und der ehemaligen Entwässerung der Moorflächen. Die Abflüsse durch die Gräben sind inzwischen wieder gesperrt. Heute reguliert sich der Pegel alleine durch Niederschläge und Verdunstung.

Hier am Hang auf der Bank ist es in der Sonne sehr angenehm. Ich laufe dann noch zwei Runden beim Schwarzenhof, denn dort werde ich zu vereinbarter Zeit abgeholt und auf der Straße durch das Schutzgebiet, die nur Anwohner befahren dürfen, zum Quartier „Jägerrast“ zurück gebracht.

Ein derartiges Gebiet habe ich bisher noch nicht erlebt. Das waren starke Eindrucke und der Tag war ungewöhnlich. R.

Km heute: Soll 12,5 Ist 13,0

Gesamt km: Soll 100 Ist 81,5

Bilder aus den Müritz Nationalpark

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Tag 7, Montag, 5.3.12, Von Wesenberg nach Userin

Irgendwie komme ich inzwischen mit meinem Gepäck etwas besser und schneller zurecht. Gestern bereits habe ich meine heutige Route umgeplant, denn ich muss rechtzeitig am Vortragsort sein.

Nach kurzer Bahnfahrt nach Wesenberg und langem Anstieg durch einen Vorort biege ich von der Straße ab. Gut so, denn der Ostwind bläst mir derart ins rechte Ohr, dass ich mir ein Stück Taschentuch reindrehe. Entlang einer Strommastenschneise im Windschatten des Waldes gelange ich nach Klein Quaserow. Nach der Havelbrücke, kein passender Weg oder Pfad. Bevor mir das iPhone dieses Angebot zeigt, muss ich etwa 1km der Straße folgen.

Im Wald, die nächste ersehnte Aufgabe. Ein Baum legt sich über den Weg. Zuerst das linke Bein rüber, das rechte strecke ich nach hinten und kann es gerade noch über den Stamm heben.

Die Straße ist wieder nahe, deshalb weiche ich nochmal nach rechts aus. Da spaziert, die Nase am Boden und ohne mich eines Blickes zu würdigen, keine 15 Meter vor mir, ein Fuchs über den Weg. Aufmerksamer war da der erste Zitronenfalter, der sich bei meiner zweiten Rast mehrmals neugierig flatternd meine auf dem trockenen Gras ausgebreiteten Fressalien inspizierte.

Gleich danach ist das offene Gelände unwegsam und von Wassergräben durchzogen. Eine kurze Umkehr durch den Wald, so komme ich doch nach Userin und treffe dort Herrn Klein vom Sanitätshaus Klein zur Fahrt nach Neustrelitz.

Herr Klein ist überaus entgegenkommend, alles ist von ihm perfekt vorbereitet. Nach meinem Vortrag vor elf Amputierten hat er noch ein reichhaltiges Buffet organisiert. Weil nun alles etwas zu spät wird, spendet er noch die Taxifahrt zurück nach Mirow, wo noch das Gepäck auf mich wartet. Hier werde ich nach Boek abgeholt. R.

Heute 8,5 km

Gesamt Soll 88 km Ist 68,5 km

Überwundenes Hindernis

Tag 6, 4.3.12, Schwarz bis Mirow

Ich bin in Mirow und ich will nach Mirow. Prima, da kann ich ja gleich hier bleiben! Nein, natürlich wird gewandert und zwar, wenn auch wieder etwas kürzer, doch in der geplanten Richtung.

Ich lasse mich also zum Ortseingang Schwarz fahren, sieben km südlich am Schwarzer See. Da mir sieben km zu wenig sind, plane ich einige Umwege ein. Bei der Kirche entdecke ich einen Findlingsgarten. Am See finde ich einen Pfad, was an Seeufern mit Grundstücken gar nicht so einfach ist.

Auf dem Vorjahresrasen einer Wegböschung mache ich es mir bequem. Dieser Untergrund ist weich wie ein Kissen. Über Stegbrücken, mal Ufer links, mal Ufer rechts, dann verlasse ich den Fehrlingsee. Ich will rüber zum Zotzensee. „Waldweg gesperrt“, steht da an einem Querbalken. Sicherlich nur für Autos, denn für Wanderer braucht man keine Querbalken.

Der Uferpfad ist nur zu ahnen. Wunderbare Stille überall, nur das Laub raschelt beim Laufen. Da kommt wieder der Harfenklang des Ufereises näher. Doch jetzt liegt da ein Hindernis. Abgesägte Kiefernäste, auf den Pfad gelegt, nicht aufgeräumt! Als ich den Hang hinauf klettere, um es zu umgehen, sehe ich, der ganze Berghang bis zum Uferv sollte mal wieder aufgeräumt werden.

Nach oben ist eine „Schneise“ zu erkennen, nur noch kleinere Äste sind zu überklettern. Dann bin ich bald wieder auf dem Wanderweg nach Mirow und vertilge auf einer Bank heißhungrig die Reste.

Das werden aber nur achtkommafünf km bis zum Quartier. Zehnkommafünf will ich aber, mindestens. Da mein Quartiergasthof heute verriegelt ist, gehe ich in der Nähe etwas essen und Laufe anschließend nochmal in die Dämmerung hinein, noch eine volle Stunde, hinunter zur Schloßinsel, zum Seeufer des Mirower Sees und dann zu meinem Bett. R.

Heute 10,5 km

Soll 75 km Ist 60 km

Ab hier war der Pfad unbrauchbar, also links hinauf durch den Holzschlag

Entlang des Schwarzer Sees

Im Findlingsgarten von Schwarz

Holzsteg über einen Verbindungsgraben zwischen zwei Seen

Es ist hier zwar eine einsame Gegend, aber alleine bin ich nicht!

Tag 5, Samstag, 3.3.11, Warenthin bis Flecken Stechlin

Auf dem See hat sich nachts neues Eis gebildet. Doch am nächsten Baum blühen die ersten Schneeglöckchen und der Bootsanlegesteg wird bereits für die nächste Saison ausgebessert.

Gut ausgerüstet gehe ich auf der Holperstraße zum Wald und dann vorwiegend in nordwestlicher Richtung auf Linow zu. So etwa neun km will ich heute schaffen.

Es geht in das wasserreichste Gebiet Deutschlands. Rechts und links sehe ich durch die Zweige der kahlen Bäume weitere Seen schimmern. Ein Baumstumpf seitlich im offenen Wald ist heute mein Sitz für die erste Rast. Jacke dicht schließen, wenn man sich gerade nicht bewegt, trotz der Sonne!

Auch auf diesem einsamen Weg führen doch recht viele Hunde ihre Herrchen „Gassi“. Sie entdecken mich, finden Interesse an dem, was sie vermuten: Wurst! In dieser Hinsicht kann ich bei Hunden Gedanken lesen.

Meine Vorräte des Tages teile ich mir immer auf zwei bis dreimal ein. Zuviel im Magen schont die Schuhsohlen oder wirkt sich meist als Bremskraftverstärker aus.

Dann bin ich am Großen Zechlinsee. Ran komme ich nicht. Verfallende Häuser auf Feriengrundstücken und neue Besiedlungsflächen sind im Weg. Auf einer Höhe am Südrand des Zechlinsees finde ich einen sehr schönen Weg mit sandigen Fahrspuren. So ein Untergrund ist gegenüber dem Alphalt vorhin eine Wohltat.

Noch durch den Flecken Zechlin, dort am Waldrand treffe ich Herrn Mischke mit meinem Gepäck; bald sind wir in Mirow. R.

Heute 9,5 km Soll 62,5 km Ist 49,5 km

Ich nähere mich dem Tagesziel

Oft haben die Mecklemburgischen Seen Verbindungswege

Am Weg zum Zechlinsee

Bald ist es Mittag und doch noch so lange Schatten

Freitag, 02.03.2012, Ruhetag

Tag 4 1.3.12 Rheinsberg bis Warenthin

Nach der Massage – Verzeihung, das soll ja „Krankengymnastik“ heißen – sowie nach dem benachbarten Norma starte ich heute zu einer Kurzwanderung im Rahmen meines mir selbst verordneten „Aufbauprogrammes“.

Im Supermarkt verordne ich mir zusätzliches Calcium in Form von Emmentaler, 15mm dick, ohne dass ich an der Kasse nach einem Rezept gefragt werde.

Der Hintergrund: Um meinen knöchernen Calciumverlust auch über die tägliche Ernährung ausgleichen zu können, verriet mir eine Heilpraktikerin die verschiedenen Caciumwerte in Lebensmitteln; besonders hoch sei er in bestimmten Hartkäsesorten. Was mir wohl kein Arzt verrät.

Vorbei am Schloss Rheinsberg, auf dem Poetenweg, am Ufer des Grienericksees zum Großen Rheinsberger See und zu meinen Quartier.

Ein bisher noch nie gehörtes Musik-Erlebnis: Auf der ufernahen Wasserfläche berühren sich fortwährend dünne, schmelzende, schaukelnde Eisschollenreste. Es erinnert an Harfenklänge!

Heutige km: 7,5 Soll Gesamt 50,0 km Ist: 40,0 km

Am Uferweg des Grienericker Sees

Schloß Rheinsberg