Monatsarchiv: Mai 2012

Tag 67, Donnerstag, 31.5.12, Leisnig bis Förstgen – AmpuWiki

Nach dem kurzen eindrucksvollen Frühstück habe ich erstmal Hunger. Ich schleppe mich mit letzter Kraft zum Marktplatz, in der Hoffnung, dort noch einen geöffneten Bäcker zu entdecken. Was sehe ich? Sogar eine Konditorei!

Ein junger Mann spricht mich an: „Haben Sie eventuell fünfzig Cent für mich, ich muss dringend !!! meine Mutter anrufen“. Ich lasse im Bäcker wechseln, zwei Konditorbrötchen nehme ich noch mit. Die 50 Cent gebe ich weiter, da hält eine Radfahrerin an und streckt mir einen Doppelwecken zu. „Warum?“ „Ich wollt’s Ihn‘ einfach gähm!“

Woher wusste die, dass ich vorhin an ein zweites Doppelbrötchen gleicher Bauart gedacht hatte? Gut ausgestattet entferne ich mich aus Leisnig, während gleichzeitig der Sonnenschein von Nordwest her zugedeckt wird.

Parallel zur S44 finde ich einen ruhigen Weg über Röda zur Mulde und zur Muldenbrücke bei Podelwitz. Die Mulde hat weiße Flecken. Unzählige kleine weiße Blüten schwimmen in der Strömung.

Ein größerer Wald liegt vor mir. Der geplante Weg führt schräg genau in meine Richtung. Nach kurzer Zeit steht der Neubau eines Hochstandes an einer Wegkreuzung. Nur fünf Trittlatten hoch ist es zu der gleichaltrigen Sitzbank. Gedacht, getan! Hier oben schmeckt doch meine gehobene Auswahl guter Dinge viel erhabener. Ein erhebendes Gefühl ist es auch, als ich feststelle, gerade vorhin 800 Kilometer seit Berlin hinter die Prothese gebracht zu haben.

Weiter in dieser Richtung. Ab einer anderen Kreuzung scheint mein Weg zugewachsen zu sein. Ich gehe den linken Weg und komme auf die ursprüngliche Route zurück. Hier ist der Weg wieder besser begehbar und ich nähere mich dem Waldrand.

Ich finde noch eine schöne sonnige Rastmöglichkeit. Dabei bekomme ich telefonisch die Zusage von Klaus, mein Gepäck morgen früh mit mir nach Leipzig zu nehmen. Klaus kenne ich seit 1952, dem Jahr, in dem meine Lehrzeit begann.

Kurz vor dem Ziel mache ich mich unter einem Baum regensicher. In nächster Nähe sind schon dunkle Wolken und die ersten Tropfen machen auf der staubigen Straße dunkle Punkte. Schnell schwitze ich in der Jacke, aber die Regenwolke zieht schon weiter. Im gasthofzufoerstgen.de bleibe ich für eine Nacht.

Km heute: Soll 12 Ist 13,5

Km gesamt: Soll 825 Ist 803,5

Rast am Feldweg im Muldetal

Blüteninseln auf der Freiberger Mulde

Rast auf dem Hochstand

Arbeit für die Beine

Rast am Waldrand bei Förstgen

Werbeanzeigen

Tag 66, Mittwoch, 30.5.12, Töpeln bis Leisnig – AmpuWiki

Aus der Wäschetüte auf der Ladefläche des Taxis hole ich mir noch schnell das frischgewaschene Hemd. Rucksack aufgeschwungen, Camera umgehangen, los geht’s, hinauf auf die Höhe zwischen Zschopautal und der Freiberger Mulde.

Nach der Unterwanderung der B175 finde ich den geplanten Feldweg, der nach Nauthain führt. Auf der Karte des Garmin. Als er aufhört zu existieren, gibt es für mich nur Felder und eine Hecke.

Dort, wo der Weg weitergehen sollte, hat der Landwirt umgegraben. Wozu braucht man Wege, wenn man einmal in zehn Jahren darauf wandert? Freundlicherweise gibt es dafür eine große Auswahl an Traktorspuren. Besonders weich zu laufen bei Regenwetter. Heute herrscht immer noch Trockenheit. Auf ihnen beginne ich den Anschluß zum noch vorhandenen Wegstück zu suchen.

Bei der ersten Spur kehre ich bald um. Denn als ich quer zur zweiten im Nachbarfeld wechseln will, versperrt mir der Heckenstreifen mit raffiniert angepflanzter Brennnesselplantage die Passage durch das halbhohe Korn. Etwas weiter forsche ich bei der zweiten Spur, doch diese mündet – in einem Misthaufen. Noch mehr stinkt mir nur das ewige Umkehren! Wieder zurück! Spur drei zieht leicht auf den Hügel hoch. Erst dort oben entdecke ich den weiteren Weg.

Über zwei Kilometer landwirtschaftliche Feldexkursion mit Kniekehlen- Kitzeleffekt! Die Spur führt mich den Hügel hinten wieder hinunter; sie krümmt sich in meine Richtung, direkt auf fünf schwarz-weiß- rundkarrierte Kühe zu. Sie stehen nebeneinander aufgereiht an einer Tränke hinter einer tiefen Talrinne, beobachten gebannt meine Halmbiegetechnik, wie ich „pflüge“, und warten sicher auf die „Zirkusnummer“, wie ich mit Salto die bewachsene Schlucht, den Bach und den Elektrozaun überspringe.

Ich suche gar nicht erst nach Brennnesseln. Rechts des Grabens gehe ich weiter, denn dort erkenne ich an der Baumreihe den Weg. Ebenfalls hinter einer Böschung! Mein armes unbedecktes Knie! Schnell das Hemd ausziehen und darum verknoten! Ich schiebe mich aus der Spur, die Prothese wird immer von den vielen Halmen festgehalten. Vom Feldrand sehe ich nur wenige dieser „brennenden Blätter“.

Langsam, gut abgestützt und kniegesichert taste ich mich seitlich hinunter auf den Weg. Was war jetzt besser, Umkehren oder Durchstehen?

An einer Hofmauer mache ich in Ermangelung einer Parkbank eine Stehpause, kaum dass ich oben in Nauthain ankomme. „Hastedich wohl verloofen!?“ Ein Caddyfahrer hält extra an, ich erscheine ihm einfach zu auffällig. „Nee, bin davorne durchgespurt, weil ihr den Weg zugepflanzt habt.“ Er findet das aber auch nicht gut, und fährt weiter.

Am Ende des Ortes: „Geht der Weg da weiter?“ „Ja, halt e bisschen zugewachsen und dann eenfach of der Drakdorspur weiter, haste ne scheene Aussicht!“ Die finden das offenbar klasse. Sicher lässt die nächste Generation die Traktorspuren kartografieren.

Doch vorher darf ich den Pfad hinauf. Hohe Gräser biegen sich darüber. Einigen Brennnesseln muss ich ordentlich die Meinung sagen. Immer im Schatten von Bäumen oder Büschen warten sie auf nackige Beine. Ich schwinge die Gehhilfe und sie verbeugen sich völlig geknickt in ihrer Niedergeschlagenheit.

Dann wird es ab Wendshain schön einfach, aber auch langweiliger. Nach einer zweiten Rast im Wald komme ich dicht an die Mulde. Der Nase auf der Straße nach gelange ich nach Leisnig, an mein Quartier, und man sollte meinen, alles sei nun ok.

Doch es gelang uns, Kerstin und mir, bei den Quartiergebern und bei sieben Taxiunternehmen nicht, einen Termin für den morgigen Gepäcktransport zu bekommen. Die neun Gepäckteile stehen im EG-Flur. Niemand kann und will sie in den zweiten Stock tragen. Ganz kurze Stufen, wo die Fersen nicht draufpassen. Lohnt sich nicht. Aber vor acht Uhr morgen muss das Gepäck fort sein.

Daraufhin gehe ich, mal ohne Rucksack, in Richtung Stadtmitte. Ich frage die Leute und Gastwirte. Die vierte Person, ein junger Chinese im „Drachenhaus“, ermöglicht zusammen mit seinem Chef den Transport sehr preisgünstig. Bereits eine Stunde später ist mein Gepäck am Zielort. Was ich bis morgen brauche nehme ich vorher raus.

Km heute: Soll 13 Ist 14

Km gesamt: Soll 813 Ist 790,5

Tag 64, Dienstag, 28.5.12, Raußlitz bis Roßwein – AmpuWiki

Zuerst ist der Himmel bedeckt mit nur kleinen Lücken, als mein Gepäcktransport beginnt. Ich fahre mit bis zu meinem Start.

Auf und ab, so geht es heute den ganzen Tag. Im ersten Tal wird die Straße erneuert. Eine gute Maßnahme um die Autos fernzuhalten. An der Absperrungsplanke kann ich die Prothese neu anziehen; sie hat sich bereits gedreht. Ein Baustellensteg hilft mir, das tiefe Loch am Bach zu überwinden.

Steil und dann in einer Allee wieder flacher komme ich gut voran, aber der Schaft ist bereits wieder gedreht. Eine weite Sicht habe ich auf die nördlichen Felder. Breite Flächen der Roggenfelder sind beleuchtet durch dahinziehende einzelne Wolkenfenster. Nur einzelne Höfe neben Baumgruppen oder an kleineren Waldungen sind zu sehen. Die Dörfer sind wohl in den Tälern versteckt.

Im nächsten Tal die erste Rast. Schaftkorrektur. Dann einen großen Haken laufen, denn ein großes Feld versperrt meine Richtung. So einfach wie gestern geht das nicht. Das Korn steht zu hoch, die Spuren laufen quer. Als ich in der Allee auf auf dem Hügel hinter dem Feld eine Bank sehe, ist längst die nächste Schaftkorrektur fällig.

Hinter Starbach gibt es eine alte Straße, deren Asphalt Wellen schlägt, aber sie unterquert die A4. Bei der Wiesenrast bei Gleisberg kann ich den Schaft nicht ausziehen, da ich völlig haltlos bin, kein Zaun, kein Baum, die Paar Muskeln schaffen das nicht aus dem Stand. Unbequem muss ich weiter, im Ort runter und wieder rauf. Weiter rauf den steilen Schotterweg auf die Höhe bei Neuseifersdorf. An einem Alleebaum folgt die Schaftkorrektur Nummer 4. Muss ich mir ab heute eine Strichliste anlegen?

Zeigt die Fußspitze etwas nach rechts, kann ich die Prothese ohne Probleme mit dem gesamten Kôrpergewicht belasten, laufe sicherer und flüssiger, kann den Fuß besser abrollen und die Gehhilfen weniger einsetzen. Wenn aber die Fußspitze gerade nach vorn oder etwas nach links zeigt, entfallen diese Vorteile und es wird der Knochen spürbar strapaziert. Man stolpert leichter, tritt nicht mehr sicher auf. Die Prothese wird zum Problem und die Gehhilfen werden extrem eingesetzt.

Trotz des in meinen Schaft eingebauten und benutzten Air Compact Systems hat sich der Schaft heute gedreht. Gestern und vorgestern habe ich die Luftkammern nicht aufgeblasen – und es hat sich nichts gedreht!

Bevor es hinuntergeht ins Tal der Freiberger Mulde beginnt der Knochen zu schmerzen. Es sind noch über drei Kilometer bis zum Ziel. Am Pferdehof kommt Schaftwechsel 5. Dann geht es etwas besser bis zur Pension.

Ich bin ziemlich genervt. Gern würde ich das verstehen. Dann bin ich müde, es war schwül vorhin. Die telefonische Frage im Quartier nach einer Scheibe Brot wurde zur Wurstplatte umgewandelt. Runter mit der Prothese! Oh jeh, erst jetzt entdecke ich am Stumpfende eine längliche Entzündung. Und am Rücken einen dunkelroten Pickel. Eine Zecke? Damit bin ich mit drei Gründen beschert worden, morgen nicht laufen zu können.

Km heute: Soll 13 Ist 15

Km gesamt: Soll 788 Ist 776,5

Das Fahrverbot gilt nicht für Prothesen,...

...denn hier ist ja der Baustellenparcours

Der Weg nach Roßwein,...

...das hier in Sicht ist

Tag 63, Sonntag, 27.5.12 Pfingstsonntag, Meißen-Triebischtal bis Nössige – AmpuWiki

Frau Scheers zeigt mir das Schild des Hochwasserstandes im August 2002. Das Wasser stand bis fast an die Zimmerdecke. Sie waren erst kurz vorher eingezogen. Für das Entgegenkommen möchte ich mich herzlich bedanken. Hier könnte ich gern wieder herkommen, einfach, familiär, freundlich und ruhig.

Ich steige in westlicher Richtung aus dem Tal hinaus. Die Waldstraße ist steil. Nach Neun ist es schon sehr warm. Dazu kein Lufthauch. Langsam, Schritt für Schritt. Fast oben, sind die zwei kleinen Marmeladenbrötchen in meinem „Tank“ verbraucht.

Kein Stuhl, keine Bank, kein Sofa in Sicht. Aber ein Baum mit Schatten, darunter ein trockener Straßengraben. Ich setze mich auf die Asphaltkante und mache mich über die nächste „Tankfüllung“ her.

Ein Auto hält. Fragende Blicke im Rückspiegel. Ich winke mit der Gurke und die Sache ist klar, sie fahren weiter, außer Hunger kein weiterer Notfall.

Auf den Höhen der Hügellandschaft entstehen ständig neue Ausblicke in alle Richtungen. Ich suche mir die kleinen Straßen aus und vermeide auch die B101. Dadurch finde ich einen grasüberwachsenen Feldweg, der parallel dazu verläuft. In den Furchen gehend reicht mir das Gras etwa bis in Brusthöhe. Die Gehhilfen bleiben manchmal hängen. Ein Erlebnis voller Bildeindrücke, die ich auf einem Teerweg nicht haben kann.

Diese schmalen Landstraßen sind nun an der Reihe. Ich überquere die Bundesstraße und bin bald in Schletta und schlängle mich durch Lôthain. Wieder am Straßenrand, diesmal im Gras, genieße ich kauend die Landschaft Richtung Südwest, wo ich heute und morgen hinziele. Hinter mir die schmale Straße, die hier nach Nordwest abbiegt, über mir die Linde, vor mir ein Erbsenfeld. Die Pflanzen sind noch klein und es gibt Zwischenräume. Eine Traktorspur geht etwa in meiner Richtung.

Das Feld ist staubig, als ich einfach der Spur folge. Keiner der Erbsenpflanzen krümme ich dabei eine Ranke. Nach 400 Metern bin ich auf meinem geplanten Weg. Hätte ich dort keinen Hunger gehabt, wäre ich wohl an der Abkürzung vorbei marschiert.

Ich komme noch durch Mauna und Porschnitz bis zum Sportplatz von Barnitz. Innerhalb der Umzäunung stehen Bänke, eine könnte ich jetzt gebrauchen. Ein Durchlass zu meiner dritten Rast. Es ist auch Zeit abgeholt zu werden. Das Ehepaar Scheers liest mich auf, als ich gerade durch Nössige durch bin.

Km heute Soll 12 Ist 12,5

Km gesamt Soll 775 Ist 761,5

Entlang des Bahndammes

500 Meter lang hohes Gras

500 Meter lang niedrige Erbsen

Kamille aus der Käferperspektive

Tag 62, Samstag, 26.5.12, Niederwartha bis Meißen-Triebischthal – AmpuWiki

Gleich kommt der Bus – und der Schaft sitzt nicht gut! Wenn ich zu lange warte mit dem Anziehen, wird der Stumpf dicker. Doch das gemeinsame Bad wurde noch länger anderweitig beansprucht. Deshalb wurde mein gut überlegter Zeitablauf neu durchmischt.

Die rechte Fußspitze zeigt auf gut 13 Uhr. Irgendwie komme ich aber doch zur Haltestelle. Das Gepäck wird am Nachmittag von meiner Meißner Vermieterin abgeholt. Ich steige in Niederwartha aus, stelle das Garmin auf das Ziel ein und laufe einfach mal los. Gleich auf der ersten Wiese sehe ich den ersten Storch seit Urzeiten, aber ihm ist das egal. Anstatt für ein Foto zu lächeln, hebt er ab zur nächsten Froschwiese.

Und siehe da, der Schaft scheint zu wissen, wofür er da ist. Wir passen uns gegenseitig an, während ich zuerst einen Kilometer auf der B6 laufen muß. Dann beginnt erneut der Elberadweg. Ihm folge ich bis zur Fähre Gauernitz.

In der dunklen Wartehütte esse ich, während unten das Fährschiff rüber und nüber wechselt. Dauernd fliegen die Schwalben zum Hütteneingang, bemerken mich und drehen im letzten Moment ab. Einige aber bemerken mich nicht, fliegen herein zum Nest auf dem oberen Querbalken, rufen zwei, drei Mal, verfüttern vermutlich irgendwelche Delikatessen und fliegen erneut auf Futtersuche.

Hier verlasse ich die Elbe. Durch Gauernitz steige ich in die Hügel hinauf. Extrem steil ist die Straße nach Pegenau. Ein wichtiges Training vor den kommenden Bergstrecken, denn ich bin verwöhnt vom Flachland. Auf der Höhe drehe ich mich um und sehe halblinks zurück Dresden und dahinter im Dunst die Bergklötze der Sächsischen Schweiz.

In den Blättern schimmert es gelb-rot. Die ersten Kirschen am Straßenrand lasse ich mir schmecken, obwohl sie noch reifer sein könnten. Kurz vor Scharfenberg nehme ich meine zweite Rast auf einer gemähten Wegböschung, im Schatten des Baumes. Gerade habe ich eine Fischdose geknackt, da überfallen mich die zwei Hundchen von vorhin. Nach der Taktik Ablenken und Zuschnappen! Doch die Hundehalterin hält sie tatsächlich in letzter Sekunde zurück. „Willi!“ – Nix. „Wielllie!!“ Wieder nix. Wiellllllieieie!!! nugommschon!!!“ – und der Fisch wird nicht aufgeteilt.

Ich habe Socken an. Die Sonne steht oft hinter mir. Meine Wade wird immer wärmer. Dann wird sie heiß. Was soll ich machen? Der Weg dreht sich mehr westlich und es kommt die linke Seite dran. Falls die Prothese ebenfalls Sonnenbrand hat, lässt sie das kalt.

Das letzte Wegstück wird ein Suchabenteuer. Zuerst, gleich ab Bockwen, beginnt ein Hohlweg. Bei der Straßenüberquerung erkundige ich mich, ob ich hier nach Triebischtal durchkomme. „Ja, bei der Gabelung im Wald rechts halten, bei den Gärten über die Brücke“. Trotzdem muss ich suchen, da das Garmin einen Weg zeigt, der ein echter undurchdringlicher Steilhang im Wald ist. Dabei gibt es einen Pfad, der nicht im Garmin eingetragen ist.

Hin und her suche ich. Nichts als der Pfad. Er muss aber ein Ziel haben! Also los! Steil durch den Wald, jetzt ist da doch noch eine Gabelung. Ich geh‘ halt rechts weiter, tiefes altes Laub auf schmalem, dunklem Pfad, eng ist es auch an den Zäunen von Gärten direkt am Waldrand, wo die Nachmittagssonne aufprallt. Tief im Tal sind jetzt die Häuser zu sehen, schon im Schatten. Meist hässliche Wohnblocks. Ein Mann in seinem Garten gibt mir durch die Buchenhecke genaue Auskunft.

Ich muss nur noch durch die Gärten, nochmal steil durch einen Wald, die Eisenbahnbrücke unterqueren, an der Triebisch entlang, über die blaue Brücke. Die Pension ist ein schönes kleines Haus mit Garten in den Höfen der großen Blocks.

Km heute: Soll 13 Ist 15

Km gesamt Soll 763 Ist 749

Die Fähre Gauernitz

Die Steigung geht zu Ende

Abstieg ins Tribitschtal

Markierung am Haus der Pension

Tag 61, Freitag, 25.5.12, Dresden-Johannstadt, Pfotenhauerstr. bis Dresden – AmpuWiki

Es ist grandios. Ich passiere eine Gebüschgruppe und kann auf einmal die berühmte Stadtkulisse überblicken. Eine einmalige Athmosphäre. Wolkenloser Himmel. Er spiegelt sich um die kleinen olivbraunen Wellen. Ein melodisches Dampfersignal gegen den frischen Ostwind. Die Geräusche der Großstadt über den nickenden Gräsern. Ein alter Pflasterweg mit Gras in den Rillen, dicht am Ufer. Enger, immer enger wird er, ist jetzt mit staubiger Erde überlagert, jahrzehntelang festgetreten, jetzt nur noch ein Pfad, aus dem die runden Steinhügel bisweilen erkennbar sind. Eiserne dicke Ringe ragen heraus, ein alter Anlegeplatz. Stufen zu den Uferwellen, in denen noch ein zerfranstes, vergessenes Taustück badet. Formschöne Brückenbogen, sie fassen das Bild der Stadt zusammen. Die breite Elbe, die weißen Schiffe, die Brücken, die markanten Türme. Bestimmend die Frauenkirche.

Neben der flach gebogenen Straßenbrücke finde ich einen behauenen Stein. Parkplatzbegrenzung sitzbar. Als Frühstück Nussmischung. Hatte noch nichts besorgt. In der Stadt werde ich für den Tag was finden.

Die kleine Dresden-Runde, die Bilder sagen alles am Besten.

Am Elbufer gehe ich dann weiter. Eine lange gerade Allee mit alten Linden, unter denen ich einen Sitzplatz finde. Bei mir gibt’s heute Senf mit Riesenkrakauer. Ich finde, sie ist lediglich größer als klein. Der Senfhaufen gleicht das auch nicht aus.

Am Ende der Allee fließt die Elbe quer. Links herum geht ein Fahrradspur durch eine weite, ebene Wiesenfläche, an derem Ende ich wieder auf den Elbradweg stoße. Noch ein Einkauf, dann das Quartier bezahlen, den Gepäcktransport organisieren, den Tagesbericht schreiben. Jetzt ist er fertig.

Km heute: Soll 12 Ist 12

Km gesamt: Soll 750 Ist 734

Dresdenmotiv

Dresdenmotiv

Dresdenmotiv

Dresdenmotiv

Tag 60, Donnerstag, 24.5.12, Heidenau-Süd bis Dresden Pfotenhauerstraße – AmpuWiki

Am ersten Wandertag nach dem Prothesencamp will ich die Route wieder am Zielpunkt vom 59. Tag fortsetzen. Es ist wieder „volle Kanne Sonne“, dabei aber nicht zu warm und es wehen erfrischende Lüfte. Kein Wunder, denn ich steige schon gegen 6 Uhr zwanzig in den Bus, wo man sich eigentlich noch paarmal rumdrehen würde.

So früh laufe ich aber am liebsten, wenn es zu warm zu werden droht. Und wen treffe ich gleich am Elbradweg? Den Polen, mit dem ich das letzte Mal so nett getalkt hatte.

Bald stoppt mich ein Jogger. Ein Ende Sechziger, der fast jede Woche Marathon läuft, hier auf diesem Weg an der Elbe. Und warum das? Weil er nur noch einen Lungenflügel einsetzen kann, der andere musste herausamputiert werden. „Ich muss mich bewegen, sonst bekomme ich Atemnot, bei meinen Laufanforderungen ersetzt meine Lunge den fehlenden Rest! Mir geht’s halt gut damit!“

Es läuft sich wunderbar heute! Da unten an der Elbinsel ist ein Jachthafen. Da stoppt ein Radfahrer. „Waren Sie nicht im Sachsenspiegel? Das ist gut, was Sie machen, machen Sie weiter. Wir wollen bald per Rad nach Cuxhaven, wir brauchen auch Bewegung!“

An der Autofähre Kleinzschachwitz zwingt mich der Hunger in die Sitzhaltung, ich habe ja auch schon fünfeinhalb Ka-em. Dabei schreibe ich schon mal an den noch fehlenden Berichten über das Prothesencamp, damit die Erinnerung daran wach bleibt. Und damit meine Kämpfer, die sich alle so an ihre Grenzen begeben haben, die Berichte bekommen können.

Weiter geht’s. Die Elbwiesen werden breiter. Immer wieder ziehen sich Pfade durch das hohe sich wiegende Gras, die ich zur Abwechslung auch mal benutze. Auf einer Bank in Laubegast knacke ich eine Sardinenbüchse, denn manchmal dringt Heißhunger in die Gedärme, die Sardinchen halten lange vor.

Vor dem Bäckerladen sitzen Leute mit Kaffeetassen. Wieder sieht jemand meine Prothese. Die Frau erzählt von jemand, der erst kürzlich amputiert werden musste. Nach meinen Hinweisen zu den vielen Möglichkeiten bekommt sie meine Tour-Visitenkarte mit der Bitte, er solle doch einfach mal anrufen und sich paar Tipps abholen.

Nochmal bestätigt mir ein junger sportlicher Radfahrer mit einem tollen Rennrad, dass er das klasse findet, wenn ich weit wandere. Dann beginnt plötzlich am Beinstumpf das bekannte Jucken. Ich muss etwas ändern.

Aber wo? Weit und breit kein Baum. Dafür Jogger, Radfahrer jede Menge und breite Wiesen. An Grashalmen kann man sich schlecht anlehnen. Da steht halb versteckt eine Bank. Ideal! Den Stumpf befreie ich, massiere den Tropfen Omega 3-Öl drauf und kümmere mich dabei einfach nicht um die flitzenden Elbradler. Was sein muss, muss sein! Eine Entzündung muss ich vermeiden! Doch nur durch das frische Anziehen des Liners geht mein Weg problemlos weiter.

Nochmal ein Sitzplatz an einer Uferböschung, Weiter geht der Radweg an den breiter werdenden Elbwiesen in Flussnähe entlang. Dort vorn taucht eine Elbbrücke auf. Sieht aus wie im Bau ohne Bauarbeiter. Ich gehe auf einem Wiesenpfad rüber zur Stadt. Haltestelle Pfotenhauerstraße, Bus 62 Richtung Dölzschen, um am Postplatz umzusteigen. Übrigens, wer „Dölzschen“ richtig aussprechen kann, kriegt das Sächsisch schon ganz gut hin!

Km heute: Soll 13 Ist 15

Km gesamt: Soll 738 Ist 722

Morgen an der Elbe

Das ist vermutlich die Kirche bei Hosterwitz

Das Elbdampfschiff LEIPZIG

Durch die Wiesen zurück zur Stadt

Tag 5, Mittwoch, 23.5.12 – AmpuWiki

Unser fünfter Tag soll zu dem „versäumten“ Brunnen gehen. Zur Verabschiedung unserer Campgruppe sind wieder Herr Rosenau und Herr Hähnel gekommen. Tobi, ein Techniker des Sanitätshauses, begleitet uns auf unserem heutigen Weg.

Der Brunnen wird von jedem Teilnehmer leicht erreicht. Nur dieses Ziel haben wir heute, um die Probleme der Stümpfe und Beine abklingen zu lassen. Richtig gemütlich ist es hier und die gute Stimmung klingt nicht ab. In dieser Waldsenke ist ein kleiner Tümpel, dessen Ablauf unter dem Weg hindurch geht. Der Brunnen hat eine Pumpe, ein löchriger Eimer hängt und tröpfelt vor sich hin.

Ein Moped mit Anhänger knattert heran. Tobi kennt den Mann, wir begrüßen ihn auch, er heißt Roland. Kommt mir bekannt vor. Er ist der Urheber des Tümpels und des Brunnens. Jedenfalls., wir kommen auch auf unser Thema Bewegung zu sprechen. Seine Meinung dazu: „Wer noch laufen kann, MUSS sich bewegen, wer es nicht gut kann, MUSS ES VERSUCHEN!“.

Ich glaube, wir werden in Verbindung bleiben, denn unsere Erlebnisse sind sicher recht nachhaltig. Ich wünsche jedem Einzelnen viel Erfolg bei den weiteren Trainingseinheiten zu Hause und immer „Gut Stumpf!“

Noch einmal sitzen wir zum gemeinsamen Essen zusammen. Dann erhalte ich die von Manuela vorgedruckten und von unseren Teilnehmern gewissenhaft ausgefüllten Meinungsbogen zurück. Um eine mündliche Abschlussmeinung festhalten zu können, tippe ich die einzelnen Aussagen direkt ins iPhone.

Petra: Es war gut, hat mir viel gebracht. Viel Spaß dabei, das ist superwichtig.

Renate: Ich würde es als vollen Erfolg bewerten. Wer das nächste Mal nicht kommt, der wird eigenhändig geholt! Die Gemeinschaft hat viel gebracht und die gegenseitige Rücksichtnahme.

Günter: Hat sehr viel gebracht, Das Sanitätshaus ist einsame Spitze, die gesamte Betreuung, zu Hause will ich das beibehalten, habe neue Einstellung bekommen.

Annett: Es war gut, ich bin traurig dass alle gehen.

Marcel: Erschôpft aber glücklich. Habe Selbstvertrauen gewonnen. Erstaunt, was alles geht. Es ist Gruppendynamik entstanden.

Manuela: Wiederholungsbedürftig!

Meine Meinung: Bei dieser Stimmungslage trotz der immer bestehenden individuellen Problematik sollte man die Fortsetzung in Betracht ziehen. Gerade diese Aussagen von den Teilnehmern zeigen die Wichtigkeit eines systematischen Bewegungsaufbaues. Die schriftlich vorliegenden guten Ideen und Vorschläge zu einem weiteren Camp sollten unbedingt mit einbezogen werden, weil sie hautnah aus den frischen Erfahrungen entstanden sind. Daraus könnte ein realistischeres Konzept entstehen, an dem wir gerne gemeinsam arbeiten würden.

Sani: (Sie kuckt nur, wedelt mit dem Schwanz, kuckt weiter. Hat sie da nicht gerade genickt?)

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Pressemitteilung Messe Leipzig

ORTHOPÄDIE + REHA-TECHNIK als Treffpunkt für Deutschlandtouren

17.05.2012: Unter dem Motto „Alle Wege führen nach Leipzig“ trafen sich heute die Wege von Roland Zahn und der Inklusions-Tour 2012 vor der Glashalle der Leipziger Messe. Der 70-jährige Roland Zahn wandert seit dem 26. Februar 2012 als Beinprothesenträger 2.000 Kilometer durch Deutschland und will am 11. Oktober in München eintreffen.

Sein Ziel: Anderen Menschen mit Handicap zu mehr Bewegung motivieren. Ebenfalls quer durch die Republik geht es für Oliver Fleiner und Willi Lang auf ihrer „Inklusions-Tour 2012“, um das Miteinander von Behinderten und Nicht-Behinderten zu fördern. Dafür greifen die beiden Rollstuhl-Fahrer auf ein von der Firma Paravan umgebautes Auto und ihre selbst angepassten Segways zurück. Bei ihrer Begegnung unter strahlenden Sonnenschein tauschten sie ihre Erfahrungen aus und wünschten sich weiterhin einen „guten Weg“.

(Quelle: Leipziger Messe)

Tag 4, Dienstag, 22.5.12 – AmpuWiki

Manuela ist wieder dabei, als wir zum gleichen Startpunkt fahren wie gestern. Der Weg ist heute nicht genau der gleiche, aber der Wendepunkt sind wieder die Baumstämme. Wir bauen einen etwas größeren „Haken“ ein, um die Entfernung auszuweiten. Die erste Zwischenrast machen wir auf einem grasigen Nebenweg, setzen uns auf den Waldboden und auf die Hocker.

Der weitere Grasweg steigt an, Günter steigt langsam aber stetig hinauf. Es strengt ihn an, aber er lächelt, als wir oben abbiegen. Die weitere Strecke wird jetzt abgekürzt, weil Renates Schaft rutscht. Sie hat ihn vorhin schon neu angezogen. Sie will aber weiter. Auch bei Günter stimmt was nicht mit dem Druck am Bein. Doch schon sind wir am Langholzrastplatz angekommen.

Nochmal zieht Renate den Schaft neu an. Beim Aufstehen ist er sofort wieder locker, sie vermutet, dass das Ventil undicht ist, läuft aber los. „Sollen wir die Werkstatt anrufen?“, rufe ich sie ihr hinterher. „Auf keinen Fall!“.

Nun verstärkten sich auch bei den anderen die Probleme mit der Haut durch die Wärme, trotz der schönen und zumeist fußgerechten Waldwege. Marcel und Petra sind brandverletzt, bei Renate schält sich Haut ab, Günter ist noch kein volles Jahr amputiert. Er läuft langsam, ruhig und gleichmäßig, aber es strengt ihn sehr an. Annett hat generell wenig Ausdauerchancen wegen ihrer Laufhaltung.

Anstelle den Brunnen mit den Bänken zur dritten Rast anzusteuern, wurde es wichtiger, generell jede weitere Überforderung zu vermeiden und den leichteren Rückweg zu nehmen.

Kurz gesagt, Marcel sorgt schon vor, holt uns das Auto entgegen, um Renate und Günter zu entlasten. Petra will aber selbst zurücklaufen und zieht es mit uns anderen durch!

Eine neue Erkenntnis entsteht im offenen Gespräch unter den Sonnenschirmen vor dem Hotel. Und diese Gedanken sowie einige spontane Ideen aus unseren frischen Erfahrungen können zu einem neuen Konzept werden, das wir gemeinsam in unserer Gruppe erarbeiten könnten. Der Wunsch zu einem weiteren Prothesencamp besteht.

Die Route ist etwa 4,1 km lang. Aber heute wird uns klar, dass dieser Richtwert der Entfernung ebenfalls unwichtig ist. Zuerst sollte uns ja auch nur die Zeiterhöhung von fünf Minuten ein Maßstab sein, wie schon im Programm vermerkt. Da merkten wir am ersten Tag sofort, daß es so nicht funktioniert, weil wir uns ja nach dem langsamsten Teilnehmer richten wollen.

Aufbau in kleinen Schritten, auf jeden Fall. Wichtig ist aber die Teilnahme ohne ein Muß. Freiwillige Basis mit dem eigenen Willen zu Steigerung der Laufleistung. Kontinuierlich laufen nach den individuellen Möglichkeiten. Daraus wird leichter ein Aufbauerfolg entstehen.

Mit Manu fahren wir ab 15 Uhr nach Gera. Dort wird gegrillt und in der Halle des VFL 1990 Gera, Abteilung Behindertensport, Tischtennis gespielt. Auch treffen wir wieder Gerd mit seiner SHG. Es macht riesig Spaß, sich an der Tischtennisplatte von der Prothese wegzukonzentrieren und trotzdem die Zuverlässigkeit zu spüren, wenn man auf die Bälle des Spielpartners reagiert. Bewegung hilft auch bei Tischtennis sehr gut!

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Tag 3, Montag, 21.5.12 – AmpuWiki

Der Biergarten des Hotels Wutzler erfüllt eine wichtige Funktion. Hier verarbeiten wir gemeinsam die schönen und die „gemeinen“ Wege. Hier sehen wir die stolzen Blicke auf die Probeversorgung mit einem elektronischen Kniegelenk, die im Sanitätshaus Rosenau nebenbei auch noch ermöglicht wird. Herr Wutzler selbst ist mit seinem freundlichen Lächeln immer zur Stelle, damit wir bei diesem herrlichen Wetter nicht vertrocknen. Unter dem großen Sonnenschirm hat sich unser Treff während der Ruhepausen etabliert und wir genießen das alles. Die Athmosphäre stimmt!

Petra und Günter und Marcel nehmen an diesem Vormittag das Angebot des Sanitätshauses zur weiteren Versorgung wahr. Doris uns Siegfried sind längst zu Hause. Verbleiben diesmal nur Renate, Annett und ich (und natürlich die sanfte Sani an ihrer langen Leine), um das Programm weiterzuführen.

Wieder fahren wir zu einem Startpunkt. Diesmal neben einer Brücke über die Bundesstraße. Dort beginnt ein schattiger Weg innerhalb einer hohen Baumreihe, der zum Wald führt. Dort entdecken wir einen Brunnen und eine hölzerne Sitzgruppe.

Der Waldpfad ist nicht in der Garminkarte eingetragen. Der Nadelboden federt unter den Füßen, hat einige Wurzeln und ist nicht sehr leicht für jedermann. Vor allem, als er dann aufzuhören scheint. Doch Renate und Annett gehen munter drauflos, bis der erwartete Querweg in Sicht kommt.

Zur halben geplanten Strecke liegen beidseitig Baumstämme am Fahrweg. Wir genießen die Ruhepause mit unseren Lunchpaketen. Der Rückweg geht zuerst über andere Wege, zurück zum Auto, das wir nach 4,05 km erreichen. Das kommt dicht an meine Planung von 4,25 heran. Dann wird es schon Zeit für die Rückfahrt, denn die OTZ besucht uns gegen 13 Uhr.

Der Nachmittag steht im Zeichen der Gehschule im Sanitätshaus Rosenau. Interessant sind die neuen Prothesenschuhe, die uns vorgestellt werden. Weitere amputierte Gäste sind anwesend und wir können den Gehschulparcours testen, der von Manuela initiiert wurde.

Am Abend bekommen wir den Besuch der Chefs des Sanitätshauses. Herr Martin Rosenau und Herr Tobias Hähnel sowie Mitglieder der SHG „Steh‘ auf“ schauen sich dann den Vortrag „MEHR Bewegung hilft“ an. Eine lebhafte Unterhaltung beschließt den Abend.

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Tag 2, Sonntag, 20.5.12 – AmpuWiki

Vor dem Frühstück gehen Annett und ich zu einem Erkundungsgang. Der Hund Sani muss ja doch raus. Nach dem Bahnübergang gehen wir parallel zum Gleis, vorbei an einem Tümpel und dann eine gemähte Wiese steil hinauf bis fast zu einer bewaldeten Hügelkuppe, die einsam in großen Wiesenflächen steht.

Später gehen wir alle ebenso. Der Schotterweg neben dem Gleis bringt weitere Anforderungen, nachdem die Straße vorher ansteigend war. Heute habe ich den Rucksack dabei, um den Duschhocker daran verschnallen zu können. Marcel besitzt einen Klapphocker, den er ebenfalls mitnimmt.

An dem kleinen See werden unsere „Parkbänke“ genutzt. Mancher Muskel braucht erst mal Ruhe wegen der ungewohnten Belastung. Der steile Wiesenhang wird danach mit frischem Elan genommen. Siegfried, Günter, Petra, Renate und Annett scheuen allesamt keine Mühe und kämpfen sich den Hang hinauf.

Marcel ist geplagt von einem verstimmten Magenproblem. Auf dem Rückweg kürzt er unseren Abschlußwiesenweg ab, Renate begleitet ihn. Am Nachmittag bekommt er im Sanitätshaus Rosenau seinen Definitivschaft, was aber am Magen nichts verändert hat.

Die erste Runde erzielte 1,85 km. Und nach dem Essen wird es spannend. In Lemnitz geht es zu wie auf einer schiefen Ebene. Unser Weg zum Wald ist steinig und steil. Siegfried und Günter protestieren bald gegen die weitere Herausforderung. Das ist gut, immer raus damit! Für Ungeübte ist das hier wirklich schwer, und jeder soll das selbst entscheiden.

Petra blinzelt mich erbost an: „Musst du uns solche „Gemeinheiten“, solche Hochgebirgswege, zumuten?“ Ich habe genügend Gegenargumente. „Ihr habt ein Problem im Kopf, ihr seht den steilen Berg vor euch, der nächste Schritt aber ist entscheidend, denn damit kommt man gerade mal nur 1-2 cm höher, jede Treppe ist viel steiler…“ Renate unterstützt mich dabei. „…und ihr habt doch verstanden, dass es ohne Anstrengung nicht geht, sich zu verbessern!“ Jaja, die Welt besteht halt nicht nur aus Teppichboden!

Jedenfalls, wir trennen uns und die zweite Gruppe steigt ab und fährt in Begleitung von Doris zurück, um dort ohne Überforderung noch eine Runde zu drehen.

Wir dagegen gehen die kleinen Schritte langsam weiter. Renate, Annett, Dieter – und Petra, die nun eine wahre Kämpfernatur beweist. Nur noch das letzte Drittel, wir umrunden oben eine sonnige Lichtung, wandern zurück und erreichen das Auto nach 2,0 km. Unser Tagessoll von 3,75 haben wir mit 3,85 grandios überschritten. Die beiden Ausreißer erreichten zwar nur etwa 3,50 km, doch ist der steile Anstieg für sie als höhere Leistung gegenüber Geübten zu bewerten.

Am Abend sehen wir uns die Bilder der Aktion Bewegung hilft 2011 an. Dabei sind 20 neue Bilder der laufenden Aktion.

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Tag 1, Samstag, 19.5.12 – AmpuWiki

8 Uhr wollen wir uns zum Frühstück treffen und 9 Uhr die erste Runde drehen – wenn möglich, schon vorher. So haben wir es besprochen, als wir uns bereits gestern abend in kleiner Runde zum Abendessen zusammengesetzt hatten. Renate aus Bad Lauchstädt, Petra und Dieter aus Kiel, Günter aus Zerbst und ich aus Stuttgart.

„Auf dem Parcour der Natur“ wollen wir diese fünf Tage verbringen und dabei unsere Geh-Geschicklichkeit testen sowie unseren Geh-Radius in kleinen Schritten ausweiten. Kleine Wanderungen, auch auf Feld- und Waldwegen, damit wir in der Lage sind, auch 5 km gehen zu können, unabhängig vom Untergrund.

„Baue dich auf, bevor du abgebaut wirst!“ Nur wenn wir an uns arbeiten, ist die Chance zu unserer Gesunderhaltung, zur Kräftigung unseres Körpers trotz der Amputation größer. Darüber waren wir uns bereits gestern abend einig. Deshalb möchten wir versuchen das Programm des „Camps“ genau einzuhalten und Schwierigkeiten durchzustehen.

Übrigens, dieses Camp 2012 ist nur ein Versuch. Wir möchten herausfinden, ob diese Form des systematischen Bewegungsaufbaues Sinn macht.

Kurz vor dem Abmarsch zur ersten kleinen Wanderung stoßen noch Annett aus Gera sowie Doris und Siegfried aus Rudolstadt dazu. Außerdem kamen Manuela Soika, Gerd Kästel und Kai-Uwe Ramig von der Geraer Selbsthilfegruppe „Steh‘ auf“ sowie Tobias Hähnel mit drei Technikern des Sanitätshausese Rosenau im nahen Triptis bereits beim Frühstück dazu. Dieses Haus steht übrigens bei prothesen-technischen Problemen für uns auf Abruf bereit. Auch Marcel aus Frechen frühstückte mit uns.

Die Runde geht durchs Dorf und hinten einen Teerweg wieder hinaus zu den Fischteichen. Wir haben uns vorgenommen, immer wieder auf die Langsameren zu warten. Das geplante Zeitlimit nehmen wir aus den Köpfen raus, nur die Länge des geplanten Weges versuchen wir einzuhalten.

Der Rückweg geht durch den kleinen Miesitzer Park. Bei der Wahl zwischen dem Weg um eine Hecke oder über eine Wiese nehmen alle den Grasweg. Nach 1,65 km sind wir wieder am Hotel.

Die zweite Runde geht westlich nach Kopitzsch. Zuerst auf dem geteerten Orla-Radweg. Ein großer Schritt über einen flachen, trockenen Graben ist gefordert. Ein kurzes Stück über eine gemähte Pusteblumenwiese. Und zurück über einen Feldweg, bestehend aus zwei Fahrspuren und dem erhöhten Grasstreifen dazwischen. Die zweite Runde erreicht 1,75 km. Somit haben wir 3,4 Tageskilometer und das Soll von etwa 3,25 km erreicht.

Es ist klar, dies sind Anforderungen, die sich vom Alltag zu Hause deutlich unterscheiden. Deshalb möchte ich gleich jetzt, in der Runde am Abend, die spontanen Meinungen unserer amputierten Teilnehmer zum heutigen Tag wiedergeben:

Annett: Es war super, mir war’s zu langsam und zu warm. Kann man wiederholen. Die Wege haben auch gestimmt, so unterschiedlich.

Günter: Es war anstrengend, nicht zu sehr, es war schön, es hat mir bisschen was gebracht.

Marcel: Ich hätte nicht gedacht, was alles geht, wie engagiert die Teilnehmer waren, wie sie gekämpft haben und dass wir schon 3,5 km am ersten Tag geschafft haben, darauf bin ich stolz, das hätte ich nicht gedacht.

Petra: Es tat mir gut, es war auch anstrengend, ich bin sehr stolz auf mich, dass wir so viel geschafft haben, das hätte ich nie im Leben gedacht, nie im Leben!

Renate: Die Kombination zwischen Vormittag und Nachmittag, zuerst die kleinen Anhöhen auf den glatten Wegen und dann der Wechsel von Asphalt zu dem landwirtschaftlichen Weg, das fand ich gut.

Roland: Meine Hoffnungen scheinen sich zu erfüllen. Die Anforderungen werden trotz spürbarer Probleme angenommen. Die Gruppe stützt sich gegenseitig. Die Stimmung ist bombig! Die Aussichten auf Leistungssteigerung sind daher gewachsen.

Siegfried: Mir ist es sehr gut bekommen, aufgrund der steigenden Anforderungen war es bestens zu bewältigen.

Manuela Soika, Gehschultrainerin : Die Strecke war für den ersten Tag überschaubar und gut gewählt. Anforderung war meines Erachtens für den Anfang ausreichend. Mit dem Ergebnis des ersten Vormittages kann man zufrieden sein.

Web 1 neues Ergebnis für „Roland Zahn“

Web 1 neues Ergebnis für „Roland Zahn“

Wandern tut gut » Blog Archiv » Bewegung hilft dir
Von Roland Zahn erfuhr ich in einem Fernsehbeitrag des mdr Sachsenspiegel Wenn die Behinderung zum Antrieb wird. Ich wollte mehr erfahren über diesen … wandern-tut-gut.de/?p=1810

PresseBox

http://m.pressebox.de/boxid/508646

ORTHOPÄDIE + REHA-TECHNIK 2012 / Internationale Fachmesse und Weltkongress für Prothetik, Orthetik, Orthopädieschuhtechnik, Kompressionstherapie und Technische Rehabilitation (Weltkongress: 15. bis 18. Mai 2012) (Internationale Fachmesse: 16. bis 18. Mai)

Auf der ORTHOPÄDIE + REHA-TECHNIK präsentieren sich vom 15. bis 18. Mai 2012 auf dem Leipziger Messegelände sowohl alle Weltmarktführer als auch kleine, innovative Unternehmen aus den Bereichen Prothetik, Orthetik, Orthopädieschuhtechnik, Kompressionstherapie und Technische Rehabilitation. 537 Aussteller aus 39 Ländern zeigen ihre Neuheiten in zwei ausgebuchten Messehallen. Erstmals sind unter anderem Firmen aus Kroatien, Norwegen und Neuseeland in Leipzig vertreten. Der Weltkongress bietet hochkarätige und interdisziplinäre Weiterbildung. Renommierte Keynote-Speaker referieren zu drängenden Fragen der Praxis und zeigen neue Behandlungswege auf.

„Die ORTHOPÄDIE + REHA-TECHNIK ist die weltweit führende Veranstaltung der Branche. Mit einem Flächenwachstum von rund fünf Prozent auf nun 42.000 Quadratmeter kann sie diese Stellung deutlich ausbauen“, so Martin Buhl-Wagner, Sprecher der Geschäftsführung der Leipziger Messe GmbH. „Die Unternehmen finden hier eine einzigartige Plattform, um ihre Innovationsstärke unter Beweis zu stellen und einem internationalen Publikum zu präsentieren,“ erklärt der Messechef weiter.

In Leipzig trifft sich die gesamte Branche, Aussteller aus fünf Kontinenten werden erwartet. Mit einem Anteil von knapp 45 Prozent Ausstellern aus dem Ausland zählt die ORTHOPÄDIE + REHA-TECHNIK zu den internationalsten Veranstaltungen der Leipziger Messe. Erstmals zeigen unter anderem Hersteller aus Kroatien, Norwegen und Neuseeland ihre Produkte. Die größten Beteiligungen aus dem Ausland kommen in diesem Jahr aus den USA, Frankreich, Italien und Spanien. Zentrale Anlaufstelle für internationale Kontakte ist das Forum International, in dem sich rund 30 Verbände aus vier Kontinenten vorstellen.

Klaus-Jürgen Lotz, Präsident des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik: „Der Austausch mit Kollegen aus der ganzen Welt ist für uns enorm wichtig. Wir können auf der ORTHOPÄDIE + REHA-TECHNIK mit vielen internationalen Expertendelegationen sprechen und dadurch unsere Perspektive entscheidend erweitern. Internationalität und Interdisziplinarität sind auch die zentralen Stichworte beim Weltkongress.“

Das Who-is-Who im Weltkongress

Das Who-is-Who der konservativen Orthopädie trifft sich ab dem 15. Mai auf dem Weltkongress in Leipzig. Hier kommen international anerkannte Experten in 31 Symposien und sieben Keynote-Vorträgen zu Wort. Erstmals haben Teilnehmer im Anschluss an die Keynotes die Gelegenheit, individuelle Fragestellungen mit dem Referenten zu besprechen: „Meet-the-Speaker“ heißt das neue Konzept, das einen besseren Dialog ermöglichen soll.

Schwerpunktthema im Kongress ist in diesem Jahr die Orthetik. Aber auch Aspekte orthopädie-technischer Behandlungs- und Hilfsmöglichkeiten bei älteren Menschen, von Lähmungserscheinungen, Rheuma, Schmerztherapien und Sportverletzungen werden diskutiert. Die Vermittlung interdisziplinären und praxisrelevanten Wissens steht dabei immer im Mittelpunkt. Insgesamt werden rund 250 Referenten im Kongress erwartet.

Praxisnahe Weiterbildung in den Fachforen

In über 20 Fachforen wird neben dem Weltkongress Weiterbildung auf höchstem Niveau geboten. Dabei spielt der Praxisbezug eine zentrale Rolle: Zahlreiche Praktiker verraten Tricks und Kniffe aus ihrer täglichen Arbeit. Zertifizierte Weiterbildungsveranstaltungen sind die Fachforen „Podologie aktuell“ und „Orthopädieschuhtechnik aktuell“. Im lymphologischen Kolloquium werden Chancen und Risiken der Kompressionstherapie erörtert.

Neu ist in diesem Jahr das Managementforum Sanitätsfachhandel, das sich an die Inhaber und die Bereichs- und Abteilungsleiter der Sanitätshäuser richtet. Fragen zur Personalführung werden ebenso beleuchtet wie zum eigenen Web 2.0-Auftritt oder zum Eventmarketing für Sanitätshäuser.

Innovationen aus Wissenschaft und Forschung

Exoskelette haben in den letzten Monaten für mediale Furore gesorgt. Anlässlich der OTHOPÄDIE + REHA-TECHNIK ist es erstmals gelungen, alle Hersteller von Exoskeletten an einen Tisch zu holen und mit ihnen im Weltkongress die Perspektiven dieser Technologie zu diskutieren. Drei der Hersteller zeigen ihre Entwicklungen außerdem auf der Messe. Innovationen und Hightech versprechen zudem Institute und Forschungseinrichtungen am Campus-Gemeinschaftsstand. Neueste Erkenntnisse werden hier in einem Vortragsareal der breiten Fachöffentlichkeit vorgestellt. Mit dabei sind unter anderem das Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), die PFH Private Hochschule Göttingen und die Fachhochschule Münster. Auch am Gemeinschaftsstand junger, innovativer Unternehmen können überraschende Lösungen entdeckt werden.

Neu: „Gläserne Werkstatt“ im Technik-Forum Reha

Wozu braucht man auf einer Weltleitmesse für Orthopädie-Technik ein Rührgerät? Diese und weitere Fragen beantwortet die erste „gläsernen Werkstatt“ im Technik-Forum Reha. Denn hier kommen Rührgeräte, Kompressoren und eine Lackierkabine zum Einsatz. Täglich können Besucher in der Messehalle 3 erleben, wie ein Rollstuhl entsteht. Schritt für Schritt zeigen erfahrene Reha-Techniker diesen Prozess – vom ersten Maßnehmen bis zur fertig bezogenen Sitzschale. Auf der angrenzenden Teststrecke können Rollstuhlfahrer ausprobieren, ob ihr Rollstuhl richtig eingestellt ist – und wenn nicht, ihn gleich an Ort und Stelle von Otto Bock nachjustieren lassen. Die Firma Meyra zeigt im Technik Forum Reha, wie viel kleinteilige Arbeit in einem Elektrorollstuhl steckt. Schraube für Schraube entsteht vor den Augen der Zuschauer ein solches Gefährt.

Jugend im Fokus: Erstmals Jugend.Akademie TO in Leipzig

Mehrere hundert Schüler werden auf dem Messegelände in Leipzig erwartet, denn erstmals gibt es in diesem Jahr die Jugend.Akademie TO im Rahmen der ORTHOPÄDIE + REHA-TECHNIK. Ein spezielles Programm mit zentralem Meeting-Point in der Glasshalle, Führungen zu einzelnen Ausstellungsbereichen und einer Job- und Praktikumsbörse wurde für die Jugendlichen entwickelt. Untergebracht werden die Auszubildenden direkt vor Ort: in einem Camp Tür-an-Tür mit der Messehalle. So bleiben die Wege kurz und mehr Zeit zum Austausch und Networking.

Auch für das Publikum spannend…

Zwar ist die ORTHOPÄDIE + REHA-TECHNIK eine Fachmesse, aber Interessierte aus Leipzig und Umgebung können die Veranstaltung ebenfalls besuchen. Das lohnt sich besonders, wenn man Inklusion live erleben oder prominente Persönlichkeiten treffen möchte.

Roland Zahn und die Inklusions-Tour von Oliver Fleiner und Willi Lang machen auf der ORTHOPÄDIE + REHA-TECHNIK Station. Während Roland Zahn als Beinprothesenträger 2.000 Kilometer durch Deutschland wandert, fahren Oliver Fleiner und Willi Lang mit einem umgebauten Auto quer durch die Republik. Auf ihrer Reise besuchen sie Marktplätze, Schulen, Firmen, Kitas, Sportveranstaltungen, Kliniken und Messen, um das Miteinander von Behinderten und Nicht-Behinderten zu fördern. Roland Zahn möchte mit seiner Aktion, die er 2011 mit 1.000 Kilometern Strecke startete, vor allem zeigen, dass „Bewegung hilft“ und man sich trotz Handicap großen Herausforderungen stellen kann.

Prominent geht es am Messedonnerstag zu. Ab 7.00 Uhr joggt Joey Kelly zugunsten der Kinderrollstuhlsportgruppe des Reha-Sport Leipzig e.V. fünf Kilometer durch den Leipziger Clara-Zetkin-Park. Treffpunkt ist das Neue Rathaus. Am Nachmittag, ab 13.00 Uhr hält er auf dem Leipziger Messegelände seinen Motivationsvortrag „No Limits“ und berichtet von seinen Erlebnissen und Erfolgen als Extremsportler. Bereits um 12.00 Uhr trifft Wolfgang Joop auf der Messe ein und steht in einem Meet-and-Greet Rede und Antwort. Hier spricht Wolfgang Joop zum neuen „Bein-Bewusstsein“ und zur Zukunft eleganter und modischer Kompressionsstrümpfe. Damit ist die ORTHOPÄDIE + REHA-TECHNIK nicht nur das Messehighlight der Branche, sondern bietet auch für die interessierte Öffentlichkeit ein spannendes Programm.

Tag 59, Montag, 14.5.12, Wehlen Bf. bis Heidenau Süd – AmpuWiki

Unter Vortäuschung einer Katzenwäsche und Verschiebung des Frühstücks stehe ich bereits 6:50 Uhr vor dem Haus und harre der Busse, die da kommen mögen. Im Bahnhot Mitte ist noch genügend Zeit, um am Kiosk etwas Proviant für 2x Rast einzukaufen, bis der Zug ins obere Elbtal losfährt.

Am Bahnhof Stadt Wehlen geht mein Weg gleich neben den Gleisen weiter. Ganz schön schattig ist es hier gegen halb acht. Die Sonne versteckt sich noch stark verschüchtert hinter dem Berg und die angekühlten sechs Wärmegrade merke ich unerwartet kribbelig an den Fingern.

Beim Ortsschild Obervogelgesang ist die Elbe nach rechts verbogen. An dieser Stelle beginnt nach einer Gleisunterführung der Elberadweg. Die Sonne ist heute ein Genussmittel! Unverhüllt zeigt sie sich jetzt auf blauem Himmel. Die frische Morgenluft lässt noch bis 11 Uhr keine Hitzewallungen zu und das Marschieren am Fluß auf glatten Wegen fällt leicht und macht riesig Spaß!

Immer wieder begegne ich Lastkähnen und Ausflugsdampfern wie die „Stadt Wehlen“ oder die „Pirna“. Manchmal ertönt in der Ferne vom Fluß ein melodischer Ton, der sich weit im Tal fortsetzt. Eine Mischung von Fanfarenklängen und Kintertrompete.

Der Bereich von Vogelgesang ist sehr schön. Die wenigen Häuser sind zumeist hochwassersicher aufgestellt, manche direkt am Bahngleis. Knapp 7 km bin ich mit der Kraft der Nussmischung von vorhin gelaufen, bis ich kurz vor Pirna eine Schutzhütte zum Rasten nutzen kann.

Einige nette Leute treffe ich unterwegs. Ein Pole sättigt sich offenbar,

 indem er farbige Zuckerpastillen isst, ich bekomme auch gleich welche. Er ist aus dem Bereich Breslau ("die Polen dort sind meist mehr in Deutschland als in Polen...", so seine Aussage) und fährt oft diese Route an der Elbe mit dem Rad. 

Drüben hinter der Elbe ein undeutlicher Ruf. War das ein Kuckuck? Aber ich habe verstanden „kuku-kuck“. Der hat sich bestimmt nur versprochen! Oder habe ich mich verhört? Vielleicht hat er ja „kaka- kuck“ gerufen. Dann wäre das ja die äußerst seltene Kreuzung von Kakadu und Kuckuck!

Heidenau Süd. Vom Bahnhof aus mit der S-Bahn zurück. Hier unterbreche ich die Tour für 9 Tage. Nach dem morgigen Ruhetag zur Fahrt nach Leipzig folgen drei Tage auf der Orthopädie- und Reha-Messe mit Vorträgen zur Tour. Danach fünf Trainingstage im Prothesencamp in Triptis, um mit einigen Amputierten den systematischen Aufbau von mehr Bewegung zu trainieren. Ab 24.5. geht es mit dem Wandertag 60 an der Elbe weiter nach Dresden und Meißen, und Leipzig und Halle, und und und..

Km heute: Soll 12 Ist 14

Km gesamt: Soll 725 Ist 707

Tag 58, Sonntag, 13.5.12, Königstein und an der Elbe nach Stadt Wehlen sowie in Dresden – AmpuW iki

Über die B6 geht die Fahrt nach Dresden. Dort die Einweisung ins Quartier, dann mit Bus weiter, mal sehen was möglich ist. Perfekter S- Bahn-Anschluss Richtung Bad Schandau. Ein schöner Zug von der Bahn. Wie weit? Da sehe ich die Felsen. Spontan steige ich erst in Königstein aus.

Unterhalb des Königstein-Felsmassivs, das 240 Meter über dem Tal tront, geht der Radweg rechts neben den Bahngleisen. Wenn ich so an der Elbe entlang nach Dresden laufen will, sind das vier Tagesmärsche.

Das Elbtal hier ist imposant. Der breite Fluss, der die Talsohle fast völlig einnimmt. Der Wind kommt mir recht kühl und zugig entgegen. Kein schöner Zug von dem Wind. Der Talhang drüben ist nicht sehr hoch, vereinzelte ländliche Häuser im Wiesenhang. Radfahrerverkehr, regelmäßig die Bahnen, kaum mal ein Auto, sehr ruhig und angenehm. Eine langgezogene Talschlinge liegt vor mir. Drüben ragt jetzt ein dunkler Felsblock über dem Wald empor. Mein Weg wechselt dann auf die andere Seite des Bahdammes, eine Weile sehe ich wenig vom Tal.

Nach der weiter Rechtskurve der Elbe folgt eine lange Gerade. Als der Blick wieder frei wird und die Linkskurve ansetzt sehe ich sie einen nach dem anderen auftauchen, die Felsenwände der Sächsischen Schweiz, die alle ihren bezeichnenden Spitznamen weghaben: Lokomotive, Große Gans, Kleine Gans, Bastei…

Hellfarbge, ziegenkäsige Felsenberge, Wände, haushoch senkrecht und glatt wie mit dem Käsemesser geschnitten. Obendrauf schwarze Knubbelfelsen, wie Versteinerungen von jahrtausendelang ungewaschenen Kopfkissen, die auf- und nebeneinander gestapelt sind (entfernte Ähnlichkeit mit Käsebrötchen haben sie auch!). Und aus diesen Gebilden spült der Regen schwarze Schlieren auf die schönen Bergziegenkäse. Dazwischen spannt sich ein Bogen der Basteibrücke,

Allmählich nehmen die Felswände wieder eine „vernünftige“ Form an. Am Bahnhof Stadt Wehlen nehme ich die S-Bahn zurück und mache noch einen Gang durch die Dresdner Innenstadt.

Km heute: Soll 13 Ist 12,5

Km gesamt: Soll 713 Ist 693

Ich höre eine Weile zu

Bildtafel in Kurort Rathen

Die Felsengruppe um die Bastei

Tag 57, Samstag, 12.5.12, Rundwanderung um die Bautzener Talsperre – AmpuWiki

Die Wanderung verändert sich. Notgedrungen! Das Begleitfahrzeug kam abhanden. Na und, könnte man sagen. Die Entfernungen mit Fremdkosten überbrücken zu müssen, kann teurer sein. Mit dem „eigenen“ Auto zum geplanten und idealen Startpunkt zu fahren oder vom Wander-Tagesziel abgeholt zu werden spart vor allem Zeit für die Einhaltung der gesamten Planung. Dies beinhaltet möglichst die Aneinanderreihung der fünf Wandertage innerhalb einer Etappe.

Das Fehlen des Fahrzeuges bedeutet zum Beispiel das Ändern der Tagesrouten. Mit fremden oder öffentlichen Verkehrsmitteln die Route einzuhalten ist unmôglich. Es bedeutet Stornierung von Unterkünften oder Änderung auf eine Person. Anders ausgedrückt: Die Wanderung wird von Unterwegs aus völlig umorganisiert, weil sie vor dem Start für Begleitfahrzeug konzipiert werden musste. Wer tut das alles? Die Geschäftsstelle. Genau gesagt Kerstin!

Neben den vielen wichtigen anderen Aufgaben, die dort aktuell anstehen. Die Messe beginnt, viele unerlässliche Aufgaben, um Detlef zu unterstützen, der fast immer bis in die späte Nacht am Ball bleibt. Ich merke das an der Umsetzung meiner Berichte ins Internet oder an seinen Mails. Ich bin mit Kerstin trotzdem zusätzlich in fortlaufendem Kontakt. Wenn Sie Fragen hat, klingelt sie an, ich rufe dann zurück, wenn es die Situation erlaubt, damit ich keinen Zeitverlust bekomme.

Heute sehe ich dunkle, regenschwere Wolken, als ich 7:50 Uhr zu einer Rundwanderung aufbreche. Also anders als geplant. Zeitiger und einfacher zur Rückgewinnung der verlorenen Kilometer. Start vom Haus, Ziel am Haus.

Temperatursturz von 28 auf 14 Grad. Die Jacke, sie wurde mir gestern erst gewaschen. Zuerst über die Spreebrücke, unter der A4 durch. Dann sind es oft Teerwege, kein Uferweg im ersten Teil der Runde.

Es ist so kühl, dass selbst die Ameisen Gänsehaut auf ihrem Chitinpanzer bekommen, sie bleiben deshalb brav in ihren Burgen, keine überquert wie sonst die Fahrbahn ohne nach links und rechts zu schauen. Ich sehe keine bisher.

Mein Beinstumpf beginnt zu jucken. Die Narbe wirkt empfindlich. Ein dicker Tropfen Omega 3-Öl, gut einmassieren, dass dauert diesmal länger als eine Minute.

Zum Seeufer windet sich jetzt erstmals ein Pfad. Ein Baumstumpf zum Hinsetzen ist besser als keine zwei Baumstümpfe zum Stehenbleiben. Die Füße fast am Wasser, der Blick weit darüber hinweg, hinaus zu den Bergen der Lausitz. Vor mir schaukeln die Uferbäume im Wasser und verziehen sich zu quergestreiften Gebilden. Dazwischen schwimmt jetzt ein blauer Farbfleck. Ich schaue nach oben. Da sind sie schon da, die Schönwetterwölkchen vor ihrem idealen Himmelblau, nachdem vorhin schon der berühmte helle Streifen am Horizont derartiges andeutete. Genau der Streifen, den man auch sonst immer mal braucht. Der für heute zuständige Eisunheilige verstreut unversehens einige Mikrograde Wärmepartikel auch auf meine Hände.

Auf den Wegen der Talsperren-Verwaltung gelange ich auch über die zweite Staumauer. Auf ihr erfahre ich, dass im See weit über 200.000kg Fisch enthalten sind, genannt Biomasse. Ich habe keine einzige gesehen.

Am Bautzener Badeseeufer weht der Wind mir direkt von rechts an die Prothese, dass sie immer meint, wir müssten links abbiegen. Die Samstags-Katamarane flitzen nur so über die Seeoberfläche. Einmal bläst es derart, dass sie fast über die kleinen Schaumkrönchen stolpern, zweien ist es danach geglückt, das Segel wieder aufzurichten und weiterzugleiten. Interessant zu sehen, wie sie quer zum Wind aus beiden Richtungen schnell aufeinander zuschießen.

Der Uferweg auf dieser Seeseite ist gepflegt gepflastert und geht bis zum Stadtteil Gesundbrunnen. Ich setze mich noch kurz zu den Vermietern. Es ist sehr gemütlich in der Pension Schuster. Die Einrichtung ist geschmackvoll ausgewählt. Die Lage ist sehr ruhig. Vorbereitung für morgen wegen meiner Abreise. Dann ziehe ich mich völlig zurück, ein paar Häuser weiter, um morgen gut ausgeschlafen zu sein. Wieder steht eine Vereinfachung bevor: Dresden und die Elbe.

Km heute: Soll 13 Ist 15

Km gesamt: Soll 700 ist 680,5

Mein Pfad zur Uferrast

Der Staudamm: Uber 1000 Meter Breite

Badestrand

Die freundlichen Vermieter Schuster in ihrer Pension

Tag 56, Freitag, 11.5.12, Wanderung in Bautzen und an der Spree nach Grubschütz – AmpuWiki

Heute ist so ein Tag, wo ich schon absehen kann, dass es knapp wird mit meinem Tagesziel. Was so alles Schöne dazwischen kommt! Zuerst brauche ich für’s Wandern wieder weniger Luftwiderstand, also Haare fräsen! Die Friseurin ist so freundlich, den Hals gegen juckende Härchen perfekt abzudichten. Nach dem ersten Schock beim Blick in den Spiegel tritt aber der Gewöhnungseffekt wie gewöhnlich schnell ein.

Abends dann beim Blick in den Sachsenspiegel geht es mir ähnlich. Man sieht sich halt nicht täglich im Fernsehen, wie man zwischen Grashalmen in Käsebrötchen beißt. Aber der Reihe nach.

Dann die vorbestellte Massage. Heute habe ich sie bewusst in die Wanderung integriert. Diesmal hat mir mein Doktor gnädigerweise wieder zwei Massagen auf dem Rezept zugebilligt, obwohl ich sonst zu Hause nur 1-2 pro Woche bekommen habe. Während des Wandertages kostet das mich aber eine Stunde, gleich zwei Kilometer.

Zu einem vollen halben Kilometer Zeitgewinn hat mir aber der MDR verholfen! Wie geht denn sowas? Gestern erst kam ein Anruf des zuständigen Redakteures, für den heutigen Sachsenspiegel um 19 Uhr einige Szenen und Aussagen zu drehen. Aufnahmen schon während der Massage, beim Gang durch das schöne Bautzen, die Treppen hinunter zur Spree und dann weiter flussaufwärts und, wie oben erwähnt, bei einer Rast in der Wiese, am Steilabbruch hinunter zum Fluss.

Und was ist mit diesem halben Kilometer? Ganz einfach! Ich höre schon nach 15 Minuten statt nach 30 Minuten auf mit Kauen. Wie ich aufstehe, das soll auch mit in die Camera, also beeile ich mich und gewinne 500 Meter!

Gemessen an dem, dass über die Medien Anstöße an andere Amputierte gelangen sollen, ist die Sendezeit allerdings sehr kurz bemessen.

Drittens ist der Weg nach Grubschütz mehrmals unterbrochen von schlechtem Sitz des Schaftes. Der uralte Prallhang der Spree ist am westlichen Ufer von Felsenformationen gekennzeichnet, die mich an Bilder aus der Sächsischen Schweiz erinnern. Solche Motive hält man fest.

In Grubschütz an der Bushaltestelle finde ich keine weiteren Wege, die mich zu einem weiteren Wanderziel führen könnten, das ebenfalls Haltestelle heißt. Also nehme ich den Bus nach Bautzen zurück. Das bedeutet Abkürzung der Strecke im Stehen.

Um mein km-Defizit weiter auszugleichen, will ich von der Stadtmitte aus noch bis zum Quartier laufen. Doch nun ist es das Wetter, das mir den Wanderplan würzt. Besser doch den Bus? Ja, das ist richtig, denn als ich in der gemütlichen Pensionsstube auf den Sachsenspiegel warte, tobt draußen ein Unwetter, dass sich die Bäume verbiegen. Mir krümmt er kein Haar, denn dafür sind sie nun zu kurz!

Km heute: Soll 0 Ist 11

Km gesamt: Soll 687 Ist 665,5

Bautzen

Bautzen

Felsen im Spreetal

Tag 55, Mittwoch, 9.5.12, Räckelwitz bis Muschelwitz – AmpuWiki

Wie man an den Ortsnamen schon erkennt, ich bin in Sachsen angekommen. Bautzen, Dresden und Leipzig werden weitere Stationen.

Als ich bereits vor dieser vorbildlich geführten Pension „Windpfeife“ stehe und meine Route bestimmen will, ruft nochmal Frau K. Ob ich nicht ein Stück fahren möchte, denn hier sei erstmal nichts als die S100, und diese bald ohne Radwegbegleitung. Sehr gern! So gelange ich also dank dieser Freundlichkeit und nach Studium einer Karte zum heutigen Startpunkt, übrigens im sorbischen Sprachgebiet, wo Deutsch teilweise erst zum Schuleintritt als „Fremdsprache“ dazukommt.

Aber ich höre bisher nirgends Sorbisch sprechen. Ich bin aber auch sehr schnell aus diesem kleinen Ort heraus und nehme an der ersten Weggabelung den geplanten Landweg. Die Landschaft kann ich auf dieser Linie oft sehr gut überblicken.

Mein erhoffter Frühstücks-Rastplatz ist bald an einem Waldrand gefunden. Immer wieder sehe ich am Horizont Teile dieser Lausitzer Bergkette, die sich in einem Halbkreis um mich zu biegen scheint. In der Ferne und bis zu diesem Weg breiten sich in sanften Wellen die blühenden Rapsflächen aus, teilweise von grünen Linien der Alleen durchzogen oder von kleineren Wäldern begrenzt. Sie leuchten immer kurzzeitig auf, wenn der Wind hellerfleckige Sonnenfelder darüber schiebt.

Was sich bei einer Rast neben dem Telefonieren so alles im Magen versammelt! Das erste Käse-Wurst-Brötchen, umrollt von kleinen Tomätchen, süß gepolstert durch den Fruchtjoghurt, ergänzt durch ein Salami-Körnerbrot, bombardiert mit dem Frühstücksei, abgerundet mit dem 6. Gang, einem Biss in eine Schokoladentafel (Frau K. meinte es gut mit mir!). Gut durchmischt mit Fitness-Energie-Tee. Musikalisch umrahmt mit Vogelgesang.

Mit einem gut abgefüllten Gefühl beginne ich den zweiten Abschnitt. Überquere eine Fahrstraße. Taste mich dann weiter durch hohe Grashalme, denn der weiterführende Feldweg wurde schon lange nicht mehr „gespurt“.

In Jeßnitz ein unübliches Hindernis. Ein frisch einbetonierter, grabenumgebener Hofbereich, dessen Kanten plötzlich viel höher sind als der weitere Weg. Einen Haken schlagen durch hohes Unkraut, nur eine Fußbreite Platz, aber es geht.

Weiter geht es auf schmalen Straßen bzw. einem weiteren Landweg. Ein Sprühtraktor kommt auf dem Feld rechts schräg auf mich zu, die breiten Sprüharme verbreiten unter sich einen giftigen Nebel, dicht über den Halmen, auch der Wind kommt von dieser Seite. Der Fahrer nimmt eine Linkskurve, um die Feldkante am Weg zu erreichen. Ich bleibe stehen. Kurz bevor er vorbeifährt sehe ich, wie die Düsen in meiner Nähe ausgestellt sind. Ich winke ihm zu und gehe weiter zum Treffpunkt mit meinem neuen Vermieter.

Hier geht ein Feldweg ab von der Fahrstraße und ich will mich gerade an die Böschung setzen, wo ich nicht übersehen werde. Es brummt, und ein Traktor mit Gülleanhänger, mit superbreiten Rädern, kommt so dicht ran, dass ich mich an den Hang lehnen muss und die Füße ranziehen.

Km heute: Soll 12 Ist 11

Km gesamt: Soll 687 Ist 654,5

Tag 54, Dienstag, 8.5.12, Hörlitz bis Hosena – AmpuWiki

Nachdem sich die Magenvergrimmung verzogen hat wie ein Sommergewitter über dem Horizont sind über demselben heute zuerst keinerlei Wolken erkennbar. Der Weg geht Zickzack durch Senftenberg und danach zum Südufer des gleichnamigen Sees. Mein Reisegepäck? Herr Bauer bringt es abends mit, nachdem sein Kollege es ihm vormittags angeliefert hat. Herzlichen Dank für die breite Unterstützung!

Während des heutigen Marsches weiter nach Süden mache ich mir so meine Gedanken, wie es sein kann, dass sich hier im Osten nach der hoffnungsvollen Vorbereitungszeit so wenige Sanitätshäuser beteiligen können oder wollen.

Nun muss ich auf Bautzen und Dresden zuwandern, obwohl das dortige Potential an Sanitätshäusern nicht für die Ziele der Aktion genutzt werden kann. Die Unterkünfte sind gebucht und die Entfernungen sind zu überbrücken. Die Kosten der Wanderung laufen aber weiter.

Unabhängig von den Gründen für eine Nichtbeteiligung sind es folgende Fragen, die mir immer dann durch den Kopf wandern, wenn ich an einem Sanitätshaus vorbei wandere:

Wäre es für ein Sanitätshaus nicht ideal, wenn jeder Amputierte so motiviert und zielgerichtet wäre, dass er zu seinem Techniker sagt, du hör mal, ich möchte jetzt dieses und jenes erreichen, was brauche ich dazu, wie machen wir das?

Wie kommt ein Amputierter zu der nötigen Motivation, wodurch sein Wunsch formuliert werden kann?

Wenn mir meine Hauswirtin regelrecht an den Kopf wirft, ich solle doch endlich mal laufen, und dieser Satz erzeugt bei mir Motivation, wäre es dann nicht auch möglich, diesen Anstoß bei einem Vortrag zu erhalten, egal wie schlecht der Redner ist?

Inzwischen sind nun doch dunkle Wolken durch die Blätter des Ahorns zu sehen, als ich im Grase des Elsterdammes raste. Doch bald sind sie weitergezogen – und ich tu das auch.

Noch so eine wichtige Frage: Wer würde von der Realisierung der Wünsche des Amputierten profitieren? Und wie?

Oder: Könnte diese Motivation eines Amputierten nicht auch anders angestoßen werden?

Mit dem Verteilen eines Feedbackbogens wurde es schon versucht. Aber nicht konsequent genug. Was kann aber besseres passieren als die Wünsche schriftlich vorliegen zu haben?

Wenn ich jetzt nicht aufpasse, verpasse ich noch den Weg. Es ist angenehm zu laufen auf dem Radweg am Seeufer, doch hier biegt die Route ab in die Kiefernwälder. Wenn ich im Trubel eines Vortrages ebenfalls nicht aufpasse und die Feedbackbogen vergesse, ist das genau so schlecht wie das Verfransen im Wald, kann aber ebenfalls behoben werden.

Dann entstanden auf der jetzigen Tour neue Anregungen und Ideen. Zum Beispiel die Idee eines regelmäßigen Treffens des amputierten Kundenkreises im Sanitätshaus. Im Vierteljahresabstand und zur Kundenpflege. Und was passiert dann mit Sicherheit, wenn mehrere Amputierte zusammensitzen?

Man tauscht sich aus, bekommt Tipps, Anregungen und neue Möglichkeiten. Ist das nicht eine Grundlage für Motivation?

Wäre das im Prinzip nicht bereits eine mögliche Keimzelle einer Selbshilfegruppe?

Könnte man nicht diese Ideen und weiteren Möglichkeiten zu einem praktikablen Konzept zusammensetzen? Da läutet wieder das Handy. Diesmal ist es mein „Auflesekommando“. Herr Bauer muss mich nicht so kunstvoll ins Auto „stopfen“ wie mein Gepäck, ich bekomme wieder den Beifahrersitz mit Prothesenfreiheit.

Noch was Tolles. Wegen der Aussicht fahren wir auf den Hutberg. Das lohnt sich. Und dann suchen drei Mann und eine hilfreiche Kamenzerin fast eine Stunde die Hausnummer 2A der Bautzener Straße. Bis Kerstin recherchiert, dass St. die 217 in unserer Liste etwas vereinfacht wiedergegeben hatte. Wäre das Auto nicht so niedrig gewesen, wäre ich glatt an die Decke gegangen!

Km heute: Soll 13 Ist 13,5

Km gesamt: Soll 650 Ist 643,5

Bilder vom Hutberg: der Blick zu der Bergkette

die edlen Helfer vom Sanitätshaus Bauch in Finsterwalde, Herr Bauer (in Rot), Orthopädietechniker und sein Kollege, Aussendienst, bzw. mein Leipziger Landsmann.

die edlen Helfer vom Sanitätshaus Bauch in Finsterwalde, Herr Bauer (in Rot), Orthopädietechniker und sein Kollege, Aussendienst, bzw. mein Leipziger Landsmann.

Tag 53, Montag, 7.5.12, Hörlitz bis Schipkau – AmpuWiki

Wenn da oben immer steht „Tag“, so ist damit der „Wandertag“ gemeint. Die Ruhetage sind zusätzlich und Berichte dazu gibt es kaum. Heute ist ein sehr kurzer Wandertag, nur über 6 Kilometer. Als ich das aber erste Mal Ende 2007 diese Strecke gelaufen bin, von Benningen am Neckar immer den Talweg bis Ludwigsburg, da war das für mich ein wichtiges Ergebnis.

Der beabsichtigte Weg entpuppt sich als Betriebsgelände. Ein Sperrgebiet schließt sich an. Die andere Straßenseite ist Hörlitz und dann der Euro Speedway Lausitzring. Da kann man auch nicht lang. Der Radweg entlang der Straße bleibt als einzige Möglichkeit.

Hinter der Autobahn fängt Schipkau an. Dort treffe ich das Auto zur Abholung nach Finsterwalde zum Sanitätshaus Bauch.

Nach meinem Vortrag bietet mir Herr Matthias Berger die Rückfahrt an. „Waren Sie schon mal im Lausitzring? Wollen Sie mal rein?“ Na klar, warum nicht? Er hat die Beziehung und schon sind wir mittendrin. Überall Abbau, denn erst gestern war das Rennen. Wir fahren auf die Tribünenrückseite und gehen ganz hoch. Unterhalb meiner Nasenkante die Boxen, Start und Ziel. Mercedes lässt nochmal zwei Fahrzeuge auf der Strecke testen, wohl ob sie auch laut genug sind?

Km heute: Soll 12 Ist 6

Km gesamt: Soll 637 Ist 630

Präsentation von medi

Zwei Bilder Lausitzring

Zwei Bilder Lausitzring

Der Fahrstuhl ist immer besetzt. Also die Treppe runter.

Tag 51, Freitag, 4.5.12, Rundwanderung bei Calau – AmpuWiki

Wenige Minuten zuvor ist mir der Bus nach Vetschau davongefahren. Ich wollte diese Lücke in der Tour schließen. Dann eben anders. Gleich neben der Stadt ist ein großes Waldgebiet.

Eine Runde soll das werden. Wie schon probiert, kann ich mit dem Garmin die gewünschte Weglänge ziemlich genau erreichen, indem ich Zwischenziele eingebe.

Nach Kemmen führt eine Allee, doch kein Weg ist auf diesem Weg. Auf den ersten Blick ist alles nur Gras unter den alten Bäumen. Doch mittendrin sind Brennnesseln dekorativ angeordnet, sie lauern kniekehlenhoch zwischen anderen Kräutern. Noch komme ich durch. Viele große Äste liegen herum. Dann ist da doch ein Pfad, der aber wieder verschwindet. Alles ist übersät mit Apfelblütenblättern, denn nun ist das eine Obstbaumallee. Dann erreiche ich das Dorf.

Hinter Kemmen mit einer dickwandigen Dorfkirche und einigen Häusern, die Schadewitz heißen, biegt meine Runde nach Norden ab, wieder durch Wald.

Am Beginn von Säritz kuckt mir ein Mann entgegen. Ich sehe schon von Weitem sein Grinsen. „Was hast du denn mit deinem Bein gemacht!“ „Ach das? Das ist mein Ersatzteil! Zum Laufen!“ „Komm mal mit.“. Er geht voran in seinen Garten. Eine gemütliche Sitzecke hat er da, überdacht, mit Blick auf seine Hühner und Enten. Er erzählt von der Vertreibung seiner Frau, zuerst aus Ostpreußen, dann nochmal aus Polen. Von den Kindern, dem Haus. Nun hat er eine kranke Frau, wir treffen sie, als ich gehe. Beide sind neidisch auf meine Beweglichkeit.

Wieder sehe ich eine alte Windmühle, ganz versteckt und inzwischen recht bewegungsarm. Dann komme ich ins Zentrum von Calau. Eine attraktive große Backsteinkirche überragt alle Häuser deutlich. Viel wird gebaut zur Zeit, das Zentrum wird vorbildlich umgestaltet.

Noch ein Einkauf für die nächsten Tage, dann Packen, denn morgen geht’s weiter zum Lausitzring.

Km heute: Soll 0 Ist 14

Km gesamt: Soll 612 Ist 610

Die Grundlage für den Tag schaffen

Der vergessene Weg

Wehrhafte Dorfkirche in Kemmen

Bei den Kiefern

Bemalte Hauswandj

Ein neues Stadttor in Calau

Tag 50, Donnerstag, 3.5.12, Lübben bis Lübbenau – AmpuWiki

Plinsen – eigentlich hätte ich davon träumen müssen. Wir saßen gestern Nachmittag noch in dem Waldlokal Stegschänke Werchow Im Schatten hoher Bäume, das Ehepaar Stolpe und ich. Als der Teller vor mir stand, kam die Erinnerung einigermaßen zurück. Es schmeckte wunderbar. Vielleicht führt der Weg nach München hier noch vorbei?

Abends hat es dann noch geregnet mit einem Hauch von Donner, aber genießen kann ich das nicht, wenn ich darüber einschlafe. Morgens wusste ich nur, die Regensachen wandern heute mit.

1400 Meter bis zum Bahnhof. Ich fahre nach Lübben. 8 Uhr bin ich dort. Ich habe die Angabe 10-11 km bis Lübbenau im Garmin. Auf dem Waderwegsschild steht 19 km. Das würde mir nicht reichen den geplanten Rückzug 18:05 nehmen zu können.

Doch die Bundesstraße, die das Garmin angibt, will ich auch nicht. Irgendwie mittenhinein ins Gelände. Zuerst folge ich der B87 auf dem linksseitigen Radweg. Als ich telefoniere, sind manche Sätze wegen des Lärmes der Brummis nicht mehr verständlich.

Aber einen Weg gibt es immer! Auch nach links. Da muss ich jetzt so langsam hin, denn das Garmin zeigt mir neben der gelaufenen Tagesstrecke auch den Rest bis zum eingegebenen Ziel an. Schon insgesamt 14 km.

Waldboden. Und endlich wieder Ruhe! Sonne. Und nicht zu heiß! Wind. Sehr angenehm! Mitten im Forst übersteige ich einen Bahndamm mit braunen Rostgleisen. Dann verfehle ich den vorgeschlagenen Weg völlig, weil die Abzweigung nicht zu erkennen ist. Als ich es merke, gehe ich zurück auf die Suche. Eine Fahrspur durch regentriefendes Gras. Die muss ja irgendwo hin gehen. Sie führt gebogen in den Wald und wird zum Weg. Dort sehe ich das andere Ende meines verfehlten Weges ankommen. Er ist gerade dabei zuzuwachsen.

Eine große viereckige Lichtung. Nach links muss ich, der Weg geht wieder über das nasse Gras, das noch im Schatten des Waldrandes wächst. Saubere Stiefel machen mir die vielen Halme. Bevor ich in dem Kiefernwald weitergehe, ist hier der geeignete Rastplatz. Eine Böschung an der Wegkreuzung mit einem weichen Teppich aus Kiefernnadeln, die knubbeligen Kienäppel und störenden Ästchen räume ich weg, und dann habe ich den bequemsten Sitz in der Lausitz, sonnenbetupft, zum Genießen der Waldmahlzeit.

Die Kiefernwälder gehen weiter bis zur L55. Dort brummt und mieft es wieder. Kilometerweit. Ich hoffe, in Ragow einen Fußweg zu finden, doch das haben sie hier nicht. Auch parallele Seitenstraßen fehlen zum gelegentlichen Verlassen der Straße. Erst ab Ortsende beginnt der Radweg nach Lübbenau.

Km heute: Soll 0 (eigentlich Ruhetag) Ist 16

Km gesamt: Soll 612 Ist 596

Mit Ehepaar Stolpe im Plinsenland

Plinsen: Edle Pfannkuchen mit Sauerkirschfüllung und Kugeleis. Hier werden sie oft aus Buchweizenmehl gebacken.

Mein Weg ist kurz unterbrochen

Tag 49, Mittwoch, 2.5.12, Zwangsruhe in Calau

Die Ärztin nimmt das Problem nüchtern und nicht zu ernst. Die bisherigen Maßnahmen, Salbe Linola Sept und Omega 3-Öl, soll ich weiterverwenden. Eine neue Salbe, Fusicutan Creme, soll ich für die Nacht auf die Langzeitpickel nehmen. Heute früh ist die Empfindlichkeit gering. Trotzdem lasse ich die Prothese weitgehend in der Ecke schlummern.
Der Ärztin erscheint auch die Tatsache recht plausibel, dass sich die Entzündungen trotz des Laufens zurückbilden konnten – wenn der Schaft richtig sitzt. Bestätigt wurde mir das ja gestern wieder, dass die Empfindlichkeit gerade dann extrem schnell ansteigt, wenn das nicht der Fall ist. Innerhalb von Ortschaften kann ich nun mal nicht schnell genug neu anziehen.
Heute plane ich die nächsten Wandertage um. Nachher fahre ich mit meinen Bettgebern zum Plinsenessen. Was das ist? Ich habe bei den Eltern in Leipzig schon Plinsen gegessen. Ich weiß nur, dass es sehr gut schmeckt, aber eben nicht mehr genau. Km heute: Soll 12 Ist 0
Km gesamt: Soll 612 Ist 580

Tag 48, Dienstag, 1.5.12, Kunersdorf bis Vetschau – AmpuWiki

Heute war ich etwas früher wach. Manchmal verhaue ich mich in der Uhrzeit. Das hat Riesenvorteile! Ich konnte den Bericht vom Vortag noch schreiben, über den ich gestern in der Matratzenlage eingepennt bin. Dann habe ich, völlig folgerichtig, also auch eine Stunde zu früh beim Nachbar geklingelt, der heute mein Gepäck nach Calau bringt. Da waren zwei Namen. Ja, welcher denn nun? Ene mene mu, und gedrückt wirst – du! (Es war der falsche!)

Vorgestern schon wurde also mit dem Nachbarn Herrn H. die Fahrt vereinbart. Brote und Tee sind wieder im Rucksack. Die Fahrt geht 7:30 Uhr nach Schmogrow oder Burg als Start? Ich entscheide mich unterwegs für Kunersdorf.

Ich laufe also los in Richtung Vetschau. Kurz vor Milkersdorf ruft Herr H. an: „Es gibt ein Problem!“ Das Calauer Quartier ist nicht in Calau sondern in Cottbus! Ich habe mich gestern schon immer mehr von Cottbus entfernt, soeben tu ich das immer mehr.

Kerstin hilft in zehn Minuten! Ruck-Zuck! Während ich am Straßenggraben frühstücke, erhalte ich eine neue Pension und die alte ist ohne Stornogebühren abgesagt. Die Ursache der Fehlbuchung kennen wir noch nicht.

Jetzt muss ich was zu Kerstin sagen. Schon als Stefan dabei war, hat sie aus der Ferne, aus der Geschäftsstelle des Bundesverbandes, Umstellungen organisiert und Stefan geholfen mit der Tour zurechtzukommen. Wo andere (zum Beispiel ich) zwei Stunden dafür brauchen, hat sie das in kurzer Zeit auf die Beine gestellt.

An der Gabelung in Milkersdorf studiere ich gerade das Garmin auf der Suche nach einem Wanderweg, da ruft es „…wäre das hier nichts für einen Wandersmann?“ Da steht eine Schubkarre und quer darauf eine grüne Bank. Das wäre wirklich DIE Idee, so durch den Spreewald gefahren zu werden.

Erst nach Babow komme ich in einen Wald, ganze 100 Meter lang. Alles andere sind landwirtschaftliche Flächen, Wald steht erst dahinter. Und dabei brennt die Sonne wie im Hochsommer. Den Spreewald habe ich 1952 mit meinen Leipziger Freunden bei einer 4-tägigen Osternwanderung besucht. Diese Wanderung war der Startpunkt für alle anderen größeren Rad- und Fußwanderungen, letztendlich auch für die heutige.

Kein schöner Rastplatz, der zweite heute. Trockener Laubuntergrund, kaum Gras, aber Schatten. Danach bin ich schnell durch Märkischheide und über die Bahngleise. An einem Gartenzaun wechsle ich zum dritten Mal den Sitz des Schaftes. Da ich keine geeigneten Wege fand, will ich nun gleich zurück. Ein Bus fährt direkt nach Calau.

Im Quartier erst spüre ich wieder eine Entzündung. Heute früh war das noch völlig ok! Morgen habe ich Gelegenheit zu einer ärztlichen Stellungnahme. Leider auch zu einer unerwünschten Zwangsruhe. Vielleicht zu einem eingesparten Hitzetag.

Km heute: Soll 13 Ist 11

Km gesamt: Soll 600 Ist 580