Monatsarchiv: Juni 2012

Tag 83, Freitag, 29.6.12, Silkerode bis Gerode – BMAB – Bundesverband für Menschen mit A rm- oder Beinamputation

Viel kann das heute nicht werden. Zum Vortrag nach Bad Oeynhausen werde ich heute abgeholt. Deshalb bemühe ich mich um problemlose Wege.

Bald ist es sehr schwül. Am entgleisten Bahndamm bei Zwinge brauche ich schon eine Bank. In voller Sonne. Der Damm ist aber ideal. Gleichmäßig ansteigend durchbreche ich Bergvorsprünge und übergehe ich Mulden und Seitentäler.

Heute etwas zu oft klemmt das iPhone am Ohr. Der Akkusaft wird immer weniger. Ich brauche ihn aber doch zum Treffpunktvereinbaren. Da sind die Häuser von Weißenborn. Da oben, neben dem Fleischer, soll eine Gaststätte sein, dort könnte ich das Telefon am Netz wieder besaften. Erst ab 16 Uhr geöffnet. Soll ich eine Stunde hier hin- und herlungern? Da war doch der Fleischer. Hin und hinein. „Zwei belegte Brötchen bitte – ach ja, und könnte ich mir auch mal die Steckdose ausleihen?“ Während des Kauens lutscht sich das iPhone halbvoll und ich kann weiter.

Da kommen dicke Wolken, alle zu mir. Doch der Anruf sagt mir, bald ist der Abholer da. Bevor es tröpfelt, sind wir unterwegs. Gutes Timing, denn jetzt fahren wir mitten hinein in den dicksten Trief des Unwetters. Wäre mir draußen nicht sonderlich bekommen.

Km heute: Soll 12,5 Ist 10

Km gesamt: Soll 1037,5 Ist 1020,5

Schnurgerade: der Bahndamm

Alfons kehrt um zum Auto

Noch ein 5-Minuten-Schauer

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Tag 82, Donnerstag, 28.6.12, Mackenrode bis südlich Grenzkrug und nördlich Bockelhagen bis – BMAB – Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation

„Hier waren Deutschland und Europa bis zum 18. März 1990 um 11 Uhr geteilt“. Diese Tafel bezeichnet den ehemaligen Grenzübergang bei Mackenrode. Am Ortsrand findet Alfons einen sonnigen Parkplatz. Auf dem Weg zum Grenzschild läuft ein älterer Mann mit Rollator. Ich frage, warum er gern so an der Straße läuft. „Man muss sich halt bewegen!“

Diesem Stück Grünes Band wurden leider die Platten entnommen. Später finden wir wieder welche vor. Als es ansteigt, erreichen wir die Stelle, an der ich im letzten Jahr meinen Grenzwegabschnitt begonnen hatte. Mir fällt ein, dass ich heute bei 997,5 gelaufenen Kilometern gestartet bin. „Alfons, was steht auf dem Garmin?“ „Genau 2,51 km zurückgelegt!“

Alfons zückt eine kleine Flasche. Schierker Feuerwasser oder so ähnlich. Gleich rechts ist neben den Platten ein sehr schöner Grasplatz. Wir machen hier die 1000-km-Rast. Ich habe mir dafür ein Stück Mohnkuchen mitgebracht, das ich konzentriert genieße. Alfons macht einige Bilder, die auch gleich noch versendet werden sollen.

Da ist die Gabelung, ich erkenne sie wieder. Obwohl, der rechts abzweigende Weg sieht etwas verwildert aus. Er geht eigentlich parallel zu den Platten, um nicht so tief in die Seitentäler runter zu müssen. Na, das Garmin sagt uns ja, der Plattenweg sei goldrichtig.

Mensch, ist das steil! Und feucht. Ich passe auf, dass die Sohlen sicher auftreten. Nochmal steiler. Die Rutschgrenze ist nahe. Die Füße dürfen nicht schneller werden als ich. Alfons ist schon vor mir in der tiefen Senke. Er sucht etwas. Den Weg! Vor uns ist nur noch ein „Kräutergarten“, dekorativ durchwachsen von Brennnesseln und Büschen. Mittendrin Alfons. Links und rechts kein Anschlusspfad. Das Grüne Band hat dicht gemacht.

So haben wir also noch den Genuß des Anstieges. Genau so steil wie vorhin. Es zieht sich. An der ersten Weggabelung geht Alfons zum Auto, ich biege links ab. Aber der Weg windet sich weiter nach Nordosten, ich müsste die Gegenrichtung nehmen.

Nach einigen Versuchen mit anderen Waldwegen entdecke ich Alfons‘ Auto. Wir fahren jetzt in Richtung zu meinem Quartier. Kurz vor Bockelnhagen habe ich den Punkt erreicht, von dem aus ich bis 18 Uhr zum heutigen Bett wandern kann. Alfons treffe ich am Sonntag wieder, wenn sein Wohnwagen einen neuen Standplatz hat.

Km heute: Soll 12,5 Ist 13

Km gesamt: Soll 1025 Ist 1010,5

Rast am 1000-km-Punkt. Foto Alfons Middendorf

Alfons auf Wegsuche

Der Weg geht zurück

Die kleinen Freuden des Wanderns

Tag 81, Mittwoch, 27.6.12, Braunlage bis Zorge – BMAB – Bundesverband für Menschen mit A rm- oder Beinamputation

Noch bin ich am Müsliverwerten, steht Alfons schon am Tisch. Wir starten unseren Marsch aber erst unten in Braunlage. Ich besorge mir noch zwei Brötchen, er sich einen Parkplatz. Wir überlegen: Wieda oder Zorge als Ziel? Das kommt auf die Rückfahrtzeit des jeweiligen Busses an. Ich möchte aber mindestens 13 km schaffen, das dürfte es wohl auch werden.

Von hier aus erscheint der Brocken nah und riesig. Er liegt nicht in meiner Richtung, es wäre gestern aber eine ausgedehnte Tageswanderung gewesen. Jetzt gehen wir durch den Ort auf den Wald zu. Beim Überqueren einer Lichtung geht es auf einem feuchten Grasweg weiter, automatisch bekommst du das Gefühl, die Füße seien schon nass und kalt. Beide! Phantomfeuchtigkeit! Beidseitig! Der anfängliche Regen dreht sich wieder zu und gelegentlich findet die Sonne eine Lücke zum Strahlen.

Dann sind wir wieder im Wald. Alfons entdeckt einen weißen Raubvogel, der auf einem Baumstammrest sitzt. Bald entschwebt er zwischen den Stämmen der Kiefern. Uns will er also nicht ausrauben. Ich entdecke Sitzplätze für uns beide, hohe Holzstapel, also Hochstapel, wir suchen die am besten geeigneten tiefgestapelten Stämme aus. Mein 5-km- Hunger wird besänftigt. Mein Magen knurrt mich nicht mehr an.

Wandern zu zweit! Das ist eine tolle Sache. Obwohl ich sehr gern alleine laufe. Alfons ist ein erfahrener Wanderer. Vor allem können wir uns unterwegs ganz entspannt über alles Mögliche unterhalten und die Entfernungen schmelzen dahin.

Wir laufen auf dem sogenannten Kaiserweg, der den Harz überquert. Viele Fingerhüte wachsen hier, in dichten Gruppen stehen sie zusammen, blühen, und haben im oberen Teil viele Reserveblüten für die nächsten Wochen übrig. Immer noch sind wir auf etwa 600 Meter Höhe. Erst als wir eine Straße überquert haben beginnt der Abstieg.

Bei dieser Weggabelung müssen wir uns sicher sein, wohin wir gehen, um den Bus zu kriegen. Wir entscheiden uns für den etwas längeren Weg, also links bitte, auf nach Zorge. Das Garmingerät hat ja einen Positionspfeil. Alfons geht samit testweise in den vermutlich richtigen Weg hinein und Garmin bestätigt, es stimmt.

Wieder eine Straße in dem erreichten Talgrund, diesmal fast nur für uns. Dann ist daneben ein Weg, den wir natürlich nutzen. Als wir etwa 10 km gelaufen sind, liegt links ein bemooster Baumstamm, gut zugänglich, unter einem Baum mit dichtem Blätterdach. Unsere zweite Mahlzeit wird noch optimiert durch ein entstehendes Rauschen in den Wipfeln. Ich sehe den Regen in den anderen Bäumen, bevor er uns erreicht. Das Dach über uns schützt uns jedoch ganz gut und ich esse erstmal fertig. Die paar Tropfen! Uns bleibt auch etwas angefeuchtete Zeit zum Verpacken der Rucksäcke und uns selbst. Dann geht es eben mal frischluftreduziert weiter.

Wir probieren auch einen Pfad aus, der oberhalb des Baches verläuft. Er hat für mich einige Aufgaben bereit. Sehr schmal, feucht, schräg. Man könnte rutschen. Die linke Talwand wäre der direkte Weg in den Bach fünf Meter unter uns. Handtuch habe ich keins dabei. Die linke Gehhilfe lässt sich nicht in der Luft abstützen. Wegen dieser Dinge „laufe“ ich seitwärts, die Fußspitzen zeigen dabei zum Berg.

Wir nehmen den Bus ab Kurhaus Zorge zurück nach Braunlage. Ach so, vorher warten wir natürlich in dem gleichnamigen Häuschen. Nebendran eine Bäckerei. Wir entwickeln den dazugehörigen Kuchenappetit. Die Verkäuferin ist etwas – naja! Als sie dem Alfons mürrisch das schokoüberzogene Gebäckstück reicht, bemerke ich, daß er das sonst immer gemeinsam mit einer Bockwurst essen würde. Nur mal, um zu probieren, ob sie auch lächeln kann. Sie schaut gleichgültig und sagt „So?“

Km heute: Soll 12,5 Ist 15

Km gesamt: Soll 1012,5 Ist 997,5

Sperren sind nicht für uns

Schöne Harzwege ..

... besonders hier!

Der Pfad kurz vor Zorge

Tag 80, Dienstag, 26.6.12, Rundwanderung bei Braunlage

Lange musste ich nicht warten, bis ich ins Behandlungszimmer gerufen wurde. Der Doktor hörte sich geduldig und verständnisvoll meine Vorhaben bezüglich der Wanderung an. Am Zeh wurde die Druckempfindlichkeit getestet. Er schlug mir vor, kurz zu vereisen. Als ich die Zange sah, wusste ich dass der Zehennagel chancenlos war. Das hat er nun davon. Alles ging sehr schnell. Es zwickte natürlich gehörig, wie man das von einem ordentlichen Folterinstrument erwarten kann. Im Nu war der Zehennagel seitlich abgeschrägt, der schmerzhafte Druck verging, die Zehe schmolz wieder und erwärmte sich, auch für diese neue Lage. Der Doktor bekam noch eine Tour-Visitenkarte und sagte: „Morgen können Sie wieder wandern!“

Alfons fuhr uns wieder zur Juhe. Einige Dinge erledigte ich noch, dann zogen wir zwei Stunden lang hinaus zu einer Runde durch den Wald. Nach dem Essen stockte ich noch um eine Stunde auf. Morgen werde ich der Anweisung des Arztes folgen.

Km heute: Soll 12,5 Ist 6

Km gesamt: Soll 1000 Ist 982,5

Unsere erste gemeinsame Runde

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Tag 79, Montag, 25.6.12, Erste Zehenruhe – BMAB – Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Bein amputation

Alfons hat sein Wohnwagenquartier auf dem Campingplatz von Schierke abgestellt. Anstelle eine Wanderung in diesen herrlichen Bergen zu machen, kommt er mit seinem PKW herunter und lädt mein Gepäck ein. Wir fahren hinauf nach Braunlage in die Juhe.

Der Zehenverband hat sich nachts vom Fuß verabschiedet. Er hatte bereits die ersten Lockerungsübungen erhalten, als der Stützstrumpf in der Ambulanz darüber- und zum Schlafen wieder heruntergezogen werden musste. Er war halt nicht strumpfkompatibel angelegt worden.

Noch zwei weitere wichtige Geschenke der Ambulanzärztin durfte ich einstecken. Acht Tabletten UNACID Antibiotica prophilaktisch und vorsichtshalber zu nehmen. Wir wissen aber auch, dass die Darmflora ihre Darmbakterien zum Immunschutz benötigt und dass Antibiotica keinen Unterschied machen kann zwischen den bösen und den guten Bakterien. Ich kann nur hoffen, dass ich unterwegs meinen Immunschutz trotzdem behalten werde.

Außerdem bekam ich Oktenisept-Lösung in einer gut verschließbaren Spritze mit, um den Verband gelegentlich feucht zu halten. Leider ist er wegen seiner Unhaltbarkeit schon in Wernigerode entsorgt worden und die Spritze ist erstmal ein Füllsel der Rucksackaußentasche.

Bezüglich des Erhaltes der Kondition, der Verhinderung des Muskelsbbaues und der Weiterführung des Trainings bekam ich keine Hinweise. Z. B. Wie lange ich den Fuß hochlegen soll. Ob mit oder ohne Schuh. Womit ich weiterbehandeln solle, wenn der Verband weg ist. Diese Fragen wurden mir erst bewusst, als ich längst wieder im neuen Quartier war. Bin gespannt, was der Doktor in Braunlage morgen sagt.

Zusammen mit Alfons arbeite ich heute an der Vorbereitung der weiteren Wanderroute. Sein iPad und mein iPhone bekamen leider meistens zu wenig vom Netz ab, ein mühsames Vorantasten in die Einzelheiten der Routenoptimierung. Wenigstens etwas kann ich damit Kerstin entlasten. Nach dem Abendessen mache ich noch ein kleines 3-km-Training auf den Harzwegen bei der Juhe.

Km heute: Soll 12,5 Ist 0

Km gesamt: Soll 987,5 Ist 976,5

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Einladung zum Vortrag „Bewegung hilft“ im Sanitätshaus Hochheim

Thema des Monats, Sanitätshaus Hochheim

Der 75-jährige Oberschenkelamputierte Roland Zahn besucht uns bei

seiner diesjährigen 2.000 km – Wanderung.

Er berichtet über seinen Werdegang nach der Oberschenkelamputation,

seine im letzten Jahr durchgeführte 1.000 km – Wanderung von Leipzig

nach Tübingen und die veränderte prothetische Versorgung im

Zusammenhang mit der Organisation im Behindertensportverband.

Wir laden Sie als Kunden, Betroffene und auch Ihre Angehörigen recht herzlich zu dieser Veranstaltung am Donnerstag dem 5. Juli 2012 von 15°° bis 17°°Uhr ein. Veranstaltungsort ist der Seminarraum in unserem Stammhaus in Weimar Gerberstraße 5.

Für einen kleinen Imbiss in Form von Kaffee,

Tee und Kuchen haben wir gesorgt – wir freuen uns auf Sie!

Zur besseren Planung melden Sie sich bitte telefonisch bei Frau Grau

unter der Telefonnummer 03643 / 5433-10 an.

Ihr Sanitätshaus Hochheim Orthopädie- Technik GmbH.

Tag 78, Freitag, 22.6.12, Zum Schloß Wernigerode und zurück – BMAB – Bundesverband fü r Menschen mit Arm- oder Beinamputation

Mein Plan, den halben Weg bis Braunlage bereits heute anzusteigen, lässt sich nicht durchführen. Es ist unsicher, dass ich unterwegs rechtzeitig einen Bus erreichen kann, um pünktlich zum Vortrag bei Sanitätshaus Steinke in Wernigerode zurückzusein.

Wenn ich improvisieren muss, entstehen unvermutet völlig neue Möglichkeiten. So auch heute wieder. Ich gehe zuerst zum ZOB. Also, zu weit wegfahren, das geht nicht! Ein Stadtbus? Als ich mit Linie 2 losfahre, sehe ich das Schloss in der Morgensonne. Ein imposanter Bau! Die Nächste steige ich wieder aus, gehe durch die Stadt und suche den Weg hinauf. Da bleibe ich heute in der Nähe und habe zugleich Bergtraining.

Das ist aber auch nötig. Zugleich sitzt auch heute der Schaft nicht optimal. Ich habe ganz schön zu tun. Am Waldrand gibt es einen Pfad mit hohen Stufen. Die eine ist von der Höhe nur zu schaffen, weil ich mich mit der linken Hand an einer Zaunlatte hochziehen kann. Ich schätze, das war etwa die doppelte Stufenhöhe, weil viel Erde vor dem Stein weggeschwemmt wurde.

Ein Rundgang durch die äußere Schlossbefestigung. Ein weiter Blick auf die Harzberge, die sich direkt anschließen. Der Brocken sitzt, ziemlich nah scheint es, noch auf allem obendrauf. Beim Abstieg muss ich zweimal den Schaft neu ansetzen, bis er die Freundlichkeit hat mich normal laufen zu lassen. Zweimal mache ich Rast trotz der kurzen Strecke.

Dann bin ich rechtzeitig beim Sanitätshaus. Danach laufe ich noch zum Quartier. Die fehlenden Kilometer werden eine Aufgabe für einen der Ruhetage. Ich freu mich drauf, nach sieben zusammenhängenden Wandertagen. Meine Leipziger Freunde sind bei dem Treffen dabei. Mit ihnen sind wir zwischen 1952 bis 1955 im Leipziger Land mit den Rädern und zu Fuß umhergezogen. Sie sind der Anlass zu den Wanderungen, die sich in den Jahren danach ergeben haben – also auch zu dieser.

Km heute: Soll 12,5 Ist 8

Km gesamt: Soll 975 Ist 969,5

Wochenmarkt

Behindertengerechte Stufen

Wanderpfad zum Schloß Wernigerode

Am Schloß

Tag 77, Donnerstag, 21.6.12, In Wernigerode, bei Hasserode und nach Wernigerode zurück – BMAB – Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation

Eigentlich ist für heute der Wandertag 80 vorgesehen, nicht 77. Wie schon erwähnt, habe ich bisher dreimal aussetzen müssen, drei Tage, die nicht mit Ruhetagen ausgetauscht werden konnten. Tag 80 bedeutete bisher die Hälfte der Wandertage und der km erreicht zu haben.

Den Tagesdurchschnitt zu erhöhen habe ich nicht geplant. Es ist zwar möglich, dass ich trotz der fehlenden Tage noch auf 2000 km komme, aber ein Zwang oder eine gesundheitliche Überforderung dürfen nicht entstehen.

Bereits heute müsste ich den Tagesdurchschnitt des zweiten Tourabschnittes von 12,5 auf über 12,9 km erhöhen, um 2000 km zu schaffen. Ein weiterer Krankheitstag dürfte auch nicht entstehen. Während ich suchend durch die Stadt gehe, ist mir was andres wichtiger. Wie ersetze ich die heutige geplante Wanderung, die ab Blankenstein starten sollte?

In der Touristikinformationsstelle in dem ungewöhnlichen Rathaus bekomme ich den geeigneten Tipp. Stadtbus bis Floßpkatz in Hasserode. Dort beginne ich den linken Hang hinaufzusteigen. Am Rande der Bebauung finde ich neben einem Rieselbach eine noch feuchte Bank. Nach der langen Wegstrecke in Wernigerode ist sie trotzdem sehr willkommen. Meine gefaltete Sitzunterlage verhindert, dass ich die Saugfähigkeit meiner Hose testen muss.

Bald ist der Fahrweg steil. Noch steiler ist die ausgesuchte Abzweigung. Verwitternde schiefergraue Felsen, feucht und glitschig. Sie bröseln an der Wegoberfläche in kleine Plättchen auseinander. Am Ende des Hochwaldes wächst hohes Gras auf dem Weg. Meine Stiefel stehen noch in der Stube zum Austrocknen. Die Turnschuhe möchte ich nicht schon am Anfang des Anstieges nass haben, das beste sollte man sich für zuletzt aufheben.

Zurück am Fahrweg folge ich diesem, soweit er im iPhone eingetragen ist. Heute kann der bedeckte Himmel seine Entwässerung zurückhalten.

Auch auf diesem Weg hört der Hochwald auf. Aber nur wenige Gräser hängen ihre tropfenschwere Last in die Fahrspur hinein. Doch wenn ich nur einen Halm mit dem Strumpf berühre, rieselt es mir die bestrumpfte Wade hinab oder gleich in den Schuh. Der Prothesenschuh ist gegenüber Regentropfen oder Elefantentritten gleichermaßen gefühllos. Die Gehhilfe setze ich deshalb dafür ein, im Gehen die linksseitigen Tropfen schon vorher abzustreifen. Doch auch so bekomme ich noch jede Menge des herabfallenden Nachregens ab.

Rechts fallen steile Hänge weit hinunter. Links oben verstecken sich einzelne Bäume im Nebel. Als ich das Wegende erreicht habe, finde ich ein Stück Fichtennadelboden vor dem dazugehörigen Baumstamm. Richtig bequem heute, sauber, nicht zu schräg, Ablagemöglichkeit. Über mir bereits ausgeschüttelte Zweige. Um mich herum Heidelbeerkraut, daran wachsen einzelne unterentwickelte Beeren.

So einzeln und klein, der Geschmack so zurückhaltend, dass hier hinauf kein Heidelbeertransporter fahren würde. Er könnte hier auch nicht wenden. Ich jedenfalls tu das problemlos und steige wieder hinab. Den gleichen Weg, nicht den supersteilen mit dem nassen Gras. Über zwei km Yielding am Stück, vermutlich wird es meinem Gelenk ganz schön heiß im Mikrochip!

Der zweite Teil des Rückweges geht am Hang von Hasserode direkt hinein nach Wernigerode und bis zu meinem Quartier.

Km heute: Soll 12,5 Ist 13,5

Km gesamt: Soll 962,5 Ist 961,5

Rathaus Wernigerode

Dieser Weg ist unpässlich

Fingerhut

Der erste Tag im Harz bringt starke Eindrücke

Tag 76, Mittwoch, 20.6.12, Langenstein bis Bf. Börnecke sowie die Wege Bahnhof Spiegelsberg und zur ück – BMAB – Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation

Es tröpfelt leicht. Nieselregen auf den eineinhalb km zum Bahnhof Halberstadt-Spiegelsberg. Von dort aus bin ich in wenigen Minuten wieder in Langenstein.

Ich habe heute früh das Wetter nicht sonderlich beachtet. Bisher ist es nach morgendlichem Regen bald wieder schön gewesen. Die lange Regenhose bleibt im Reserverucksack. Dafür wäre es entschieden zu warm. Das Tal im Harzvorland ist heute gut durchfeuchtet. Der Nieselregen hat aufgehört, er wurde gegen normalen Regen ausgetauscht. Ein sehr geduldiger Regen!

Eine Regenwanderung ist schon was Besonderes. Wenn die Kleidung stimmt. Große Pfützen versammeln sich, um mir den Weg zu versperren. Ich mache die entsprechenden Kurven und große Schritte, wenn’s nötig ist. Die Kapuze ist über die Mütze gezogen, da mir die Bäume immer besonders große, kalte Tropfen in den Kragen zielen, damit der Rücken auch was vom Wetter hat. Das Tal ist leicht diesig und der Weg besteht aus einem Holperpflaster, dessen Steine in Größe und Form aussehen wie Koteletts. Es ist rutschig, denn die Steine sind uneben und gewölbt; der Prothesenfuß dreht sich leicht nach außen.

Wenn ich mich nur endlich irgendwo hinsetzen könnte, denn nun habe ich sicher schon paar km geschafft. Der steile Hang links ist voller grauer Felsen. Dazwischen stehen Kiefern, der Boden ist voller brauner Nadeln. Da ist ein Stein, der sieht wie ein Sitz aus. Ich probier’s.

Zwar sitze ich, doch ist alles am Rutschen, weil der Boden zu schräg ist. Alles, was ich abstellen will, muss ich gleichzeitig festhalten, weil ich aber noch den Schirm rausgeholt habe, klemmt der halb auf Kopf und Schultern, tröpfelt das Wasser gezielt in die Schuhöffnungen. Der Rucksack sollte sich bequem am „Sitz“ anlehnen, kippt aber eigensinnig in die Talrichtung. Während ich mich bücke, um ihn zurechtzuweisen, schütteln sich (vor Lachen?) die Kiefernzweige und laden noch den Regen von vorhin auf mir ab. An allem, was mit dem Boden in Berührung kommt, kleben die Kiefernnadeln an. Das anschließende Essen im Stehen ist gleich viel angenehmer.

Eine wiesige Abzweigung vom Holperweg. Sie verläuft über eine kleine Brücke und verschwindet dann hinter dem Talhang. Dort oben fahren in ihrem Stundenrhythmus die Züge zwischen Halberstadt und Blankenburg. Einmal fährt auch ein Güterzug zum Harz und zerrattert die Stille dieses Tales der Tränen.

Ja, der Himmel flennt, was das Zeug hält. Manchmal gibt es auch helle Stellen, doch es geht weiter und keine blaue Wolkenlücke entsteht. Wenn nur die Prothese richtig sitzen würde. Dadurch ist es beim Auftreten unangenehm und ich übernehme viel Gewicht in die Stützen. Aber bei Nässe kann ich den Schaft nicht runter nehmen. Dann entsteht doch eine Regenpause, ein dünner Baum steht auch da und ich versuche das Problem zu beheben. Aber es klappt weiterhin nicht richtig und es regnet weiter.

Der Holperweg geht jetzt über die Gleise und wird nun endlich ein Weg mit Fahrspuren und Gras dazwischen. Die Schuhe sammeln das Wasser auf und der Wind weht die Tropfen jetzt mal von hinten ans Bein. Irgendwie habe ich das Gefühl einer gewissen Undichtigkeit.

An der nächsten Kreuzung sehe ich, dass ich etwa ein Drittel hinter mir habe. Also, nur noch ein kleines Stück und ich habe das kleinere Wegteil vor mir. Und jetzt ist der Weg breit und gut zu laufen. Umkehren, das hieße wieder den Holperweg in Kauf zu nehmen. Nein. Es rinnt und rieselt neben mir her in kleinen Bächen, die den Straßengraben suchen. Hier erkenne ich etwas mehr von der vernebelten Landschaft. Schemenhaft einzelne bewaldete Kuppen hinter den Feldern. Ein Radfahrer, „Hallo…“, und ist schon weiter. Eine riesige Pfütze nimmt die halbe Straße ein, ein Abfluß quer, ein großer Schritt. Die Schienen überqueren die Straße, die Bahnlinie dreht aus dem Tal nach rechts ab über die weiten Felder hinüber zu dem Höhenzug.

Die nächste Kreuzung. Ein Wanderwegweiser sagt, dass der Bahnhof Börnicke nur 1,1 km rechts liegt. Es tröpfelt weiter, unermüdlich. Eine Gelegenheit zur Beendigung des Regendramas. Ich sehe dann aus 300 Metern Entfernung den Zug wegfahren. Das Wartehäuschen zur Rückfahrt wird deshalb der Platz für die erste richtige Rast.

Auf dem Weg ab der Bahnstation Spiegelsberg merke ich wieder deutlich, dass der Regen vom Kopf abwärts seine Wege gefunden hat. Nach wie vor regnet es stark. Beim Kleidungswechsel im Quartier brauche ich als erstes eine Wäscheleine. Frau T. stellt mir die Stiefel und den Rucksack in die Waschküche. Kalt war es ja nicht heute, aber nach der ausgiebigen warmen Dusche ist gefühlsmäßig alles wieder im trockenen Bereich. Eineinhalb Paar Spiegeleier, ebenfalls warm, verstärken das Gefühl, daß das ein besonderer Tag war.

Km heute: Soll 12,5 Ist 11,5

Km gesamt: Soll 950 Ist 948

Ein ungeeigneter Platz zum Rasten

Der Holperweg im Regental

Die Aussichten sind heute begrenzt

Tag 75, Dienstag, 19.6.12, Halberstadt bis Langenstein – BMAB – Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation

Heute möchte ich etwa die halbe Strecke bis Blankenburg wandern. Ich will aber auch ohne Abholung selbst zurückkommen. Was liegt in der Mitte?Langenstein, sieben km entfernt. Bisschen wenig zum Ausführen meiner Prothese, die braucht zur Zeit längeren Auslauf!

Wenn ich aus 588,2 km von Berlin nach München 2000 km zu machen versuche, kann das auch im Kleinen gehen. Ich gehe zum Parallelweg. Er führt raus aus den Siedlungen und gerade durch die Felder.

Eine Herde Schäfchen grast den Himmel ab und wird vor mir her geweht. Über den Raps rechts kann ich weit blicken. Links hinter den Weizenähren liegt ein einsames Gehöft. Bevor die Rüben erreicht sind, nehme ich die Erdstufe neben der Fahrtrinne als Gestühl. Unter Begleitung der Lerchen esse ich mein Frühstück fertig, aber nicht in ihrem Takt. So schnell kann niemand kauen! Völlig aufgeregt zwitschert eine über mir und flattert wie von Sinnen, als wolle sie die Schäfchenwölkchen vertreiben. Die Sonne scheint dazu und der Klatschmohn neben mir blüht vor sich hin und wankt leicht, als wäre er vom Gesang völlig high.

Als ich die Wegecke erreiche, ist es schon leicht schwitzig warm. Ich biege nach links in die Heckenallee ein. So zieht sich der Weg hin und über mir zieht sich der Himmel wieder zu, kühle Luft weht heran und lässt mich das Hemd wieder anziehen.

Wie vermutet, bin ich trotz des gewanderten Hakens noch zu schnell bei Langenstein. Ein zweiter Umweg muss her! Längs des Hoppelberges sntferne ich mich vom Ort, laufe dann quer und danch am Waldrand entlang zurück. Eine weite Aussicht bekomme ich hier geboten. Weit hinaus in die Richtung von Braunschweig muss das sein.

Auf dem Weg durch den Ort bekomme ich auf meine Frage nach dem Bahnhof eine ungenaue Auskunft. Deshalb gerate ich auf den falschen Weg. Ich sehe zwar das Bahngleis, aber nur Feld- und Waldwege begleiten es in Richtung Bahnsteig. „Nehmen Sie den Feldweg, der ist bedeutend kürzer, Sie brauchen dann nur noch über die Gleise…!“ diese Ermutigung war sinnvoll, andere hätten wohl gesagt „…auf diesen Wegen ist das viel zu schwierig, aber durch den Ort, wenn das Ihnen nicht zu weit ist…“

Ich habe es so im Gefühl, der Zug muss bald kommen. Ich spurte über einen Holperweg, einen Grasweg, der Gegenzug ist schon durch, ich muss am Bahnhof erst noch vorbei, bleibt die Schranke oben?, und ich erreiche den fahrplanmäßig schon verschwundenen Zug mit fünf Minuten Verspätung. Nach dem Aussteigen lerne ich den Weg kennen, den ich morgen früh brauche.

Km heute: Soll 12,5 Ist 15

Km gesamt: Soll 937,5 Ist 936,5

Rastplätze bei den Blumen

Tag 74, Montag, 18.6.12, Quedlinburg bis Münchenhof – BMAB – Bundesverband für Menschen mi t Arm- oder Beinamputation

Gestern zu spät geschlafen, heute wieder zu spät weg, noch zum Doktor wegen der Kontrolle eines eventuellen Zeckenstiches, das entwickelt sich zum Wandernachmittag.

Als ich beim Doktor raus bin, ist es bald elf Uhr und schwülwarm. Der Weg durch die alte Fachwerkstadt ist verwinkelt. Außerhalb steigt es an. Als ich den ersten Platz zum Sitzen gefunden habe, ist es Mittag. Nach dem ersten Brötchen bisher ist jetzt der Rest der Frühstücks überfällig.

Aber auf den weiteren Wegen ist heute die Wärme bei etwa 25 Grad eher unangenehm. Der schleppende Gang vom Vormittag setzt sich fort. Zusätzlich bekomme ich etwas Schweißentwicklung im Liner und die Prothese stört heute auch. Nach zweimaligem Wechseln geht es wieder gut weiter.

Die B79 sehe ich ab und zu. Was müssen die Autofahrer heute erst schwitzen! Als ich wieder aus dem Wald komme, finde ich einen schönen Grasplatz mit Aussicht. Die zweite Rast ist wieder etwas länger als sonst. Nachher will ich mich von der K1322 abholen lassen. Der Weg dorthin ist bereits zu sehen.

Als ich ihn schon eine Weile gegangen bin, wird das Gras immer höher und widerspenstiger. Wie lange brauche ich dazu? Drüben, an der Bundesstraße, sind einige Häuser, sicher hält dort auch der Bus. Dazwischen, wie üblich, ein riesiges Feld. Mein Gefühl sagt, Umkehren, an morgen denken.

Ich gehe zurück und biege auf den vorigen Weg ein. Kirschbäume. Einige sind abgestorben. Auch hohes Gras. Jetz liegt auch noch ein ganzer Baum auf dem Weg, mit allem Laub. Doch es gibt auch hell- und dunkelrote Farbtupfer. Wieder eine zupfgerechte Zwischenmahlzeit für mich. Viele Kirschen haben aber schon Besucher. Einige probiere ich, die Kirschen ohne Besucher, biege dann die Zweige zur Seite, um durchzukommen. Etwas knackt, das klingt wie ein zermalmter Kirschstein. Ein Reh, zwei Meter entfernt, besucht ebenfalls diesen gedeckten Tisch. Ich will leise die Camera zücken, da bemerkt es mich und hält sich nicht länger auf.

Auf der B79 ist ein Gegenwind, den ich vorhin nicht so gespürt habe. Viel Autoverkehr, nur etwas mit Brummis durchmischt. Alle Entgegenkommenden weichen mir aus, einer blinkt mich an und fuchtelt irgendwas, sein Wunsch bleibt mir verborgen. Man muss stemmen, als ginge es bergauf. Die kleine Ortschaft heißt beziehungsreich Münchenhof. Acht Minuten später kommt der letzte Bus. Schon 17 Uhr durch!

Km heute: Soll 12,5 Ist 10

Km gesamt: Soll 925 Ist 921,5

Quedlinburg

Quedlinburg

Der Weg nach Halberstadt

Das Reh sieht man nicht

22.06.2012 Wernigerode: Roland Zahn zu Besuch – STEINKE

Details

Erstellt am Freitag, 15. Juni 2012 00:00 75-jähriger Beinprothesesenträger wandert 2000 Kilometer durch Deutschland
und besucht am 22.06.2012 STEINKE in Wernigerode

Mit 75 Jahren 2000 Kilometer durch Deutschland zu wandern, ist ein großes Vorhaben.
Als Oberschenkelamputierter beweist Roland Zahn besonderen Mut. Er verbindet mit seiner Reise persönliche
und gesellschaftliche Ziele. Das Training hält ihn gesund und gleichzeitig möchte er auf seiner Tour andere
Amputierte unter dem Motto Bewegung hilft dazu motivieren, ihr Leben informierter, bewusster und aktiver zu gestalten.

Die Ziele der Aktion Bewegung hilft sind zu mehr Bewegung zu motivieren, zur Mitarbeit in und zur Gründung
von Selbsthilfegruppen aufzufordern, depressive Entwicklungen abzubauen sowie Isolationen aufbrechen zu helfen.
Roland Zahn berichtet: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass eigene Möglichkeiten oft weit unterschätzt werden.
Auch ahnen viele nicht, wozu sie mit einer guten prothetischen Versorgung fähig sein könnten. Oft ist man sich
nicht bewusst, wie viel Nutzen aus dem Erfahrungsaustausch in Selbsthilfegruppen gewonnen werden kann, wo
es leichter fällt, offen über Handicaps und vor allem Problemlösungen zu sprechen. Die Zahl an zu gering
informierten Amputierten ist gewaltig. Es fehlt weit verbreitet an Mut und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten.
“Der Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e.V. unterstützt diese Aktion und ihre Zielsetzung.

Sie möchten die Zahl der aktuell 40 Selbsthilfegruppen auf 1000 erhöhen, weil ein flächendeckendes und
wohnortnahes Angebot meist fehlt. Deshalb möchte Roland Zahn an den 32 wöchentlichen Etappenzielen
die Zeit während der Ruhetage nutzen, um bei Vorträgen über die Voraussetzungen für “MEHR Bewegung“
zu sprechen. Im Harzkreis gibt es bereits seit Juni 2010 eine Selbsthilfegruppe für Beinamputierte.
Informationen der Gruppe finden Sie im Internet unter www.selbsthilfegruppe-beinamputierter-harz.de

Seit der Gründung unterstützt das STEINKE Gesundheits-Center die Selbsthilfegruppe. Angeboten werden
Räumlichkeiten für die monatlichen Treffen in Halberstadt, die Gelegenheit an einer Gehschule für Beinprothesenträger
teilzunehmen und die Möglichkeit eine Gang- und Bewegungsanalyse durchführen zu lassen. Die Teams der
STEINKE Orthopädie-Technik und dem Bereich Prävention stehen in direktem Kontakt zu den Betroffenen.
Sie werden mit der Selbsthilfegruppe am 22. Juni 2012 um 16.00 Uhr Roland Zahn bei STEINKE begrüßen.
Anschließend wird er in einem Vortrag auf die Themen Bewegung, die Motivation seiner Wanderung, die Aufgaben
des Bundesverbandes für Menschen mit Arm- und Beinamputation und den Sinn von Selbsthilfegruppen eingehen.

Alle Träger von Beinprothesen, ihre Angehörigen, Physiotherapeuten, Menschen in pflegenden Berufen und
Interessierte sind herzlich eingeladen Roland Zahl am Freitag, den 22. Juni 2012 um 16.30 Uhr bei STEINKE
in Wernigerode, Ringstr. 37, Altstadt-Passagen, kennen zu lernen. Wer ihn ein Stück des Weges begleiten will,
kann über www.bewegung-hilft-dir.de Kontakt zu Roland Zahn aufnehmen. Die Teilnahme ist kostenlos.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

R Zahn in WR Flyer

Flyer als pdf: R.Zahn Flyer www.pdf

Tag 73, Sonntag, 17.6.1, Parkplatz zwischen Meisdorf und Ballenstedt bis Quedlinburg – BMAB – Bundes verband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation

Da meine Qoartieradresse von der Fremdenverkehrsstelle zuerst falsch angegeben wurde, steht mein Bett nun ungeplant anstelle in Meisdorf im Reiterhof bei Pansfelde. Ein fünf km weiterer Weg, gestern und auch heute. Deshalb ging ich gestern zwei Stunden früher ins Bett, um gegen sieben losgehen zu können.

Und was mache ich Langschläfer? Ich höre den Wecker nicht. Einen Meter entfernt auf dem Tisch läutet er zu leise für meinen Schlaf. Fast zwei Stunden später werde ich ohne ihn munter. Lange geträumt ist doppelt erholsam.

Nun geht alles möglichst kurz und knackig. Wann ich das Ziel erreiche, wird sich ergeben. Bereits beim Basteln und Einsammeln des Frühstücks, zwei gewaltigen „Bemmenburgern“, beginnt die Hauptlösung: Die freundliche Frau P. vom Reiterhof Pilger bietet mir an, mich die zuvielen fünf km zu fahren, die steile Fahrstraße hinunter nach Meisdorf sei ja ohnehin zu anstrengend für mich. Noch vor Ballenstedt lasse ich mich ein Viertel nach Neun aussetzen.

Ballenstedt, am Anhaltiner Platz. Eine Gruppe orangener t-Shirts radelt heran, begrüßt die anderen. „Die besten Nachbarn“ steht auf den Shirts. Nachbarschaftsgefühl, würde ich sagen. Ich frage nach, was für eine gute Idee das sei. „Wir wohnen alle in einer Straße…!“

Das geht doch auch wo anders! „Die besten Sanitätshäuser“? „Wir arbeiten alle an der gleichen Problematik!“? Wobei es um Qualität ginge incl. der Kundenpflege. Wir als Amputierte haben da noch zu wenig Informationen. Es gibt zu viele unzufriedene und unzureichend versorgte Kunden, wie ich bei Gesprächen immer wieder höre.

An Herausforderungen wächst man. Was für eine imagepflegende Chance für Sanitätshäuser mit orthopädietechnischer Werstatt, sich der Beurteilung ihres gesamten amputierten Kundenstammes zu stellen. Freiwillig! Ein Zufriedenheitszertifikat der Kunden zu besitzen! Sicher eine Illusion. Es ist aber sehr gut, dass der Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation Listen erarbeiten will, die uns die kompetenten Adressen von Sanitätshäusern, aber auch die von Kliniken, Physiotherapeuten, Gehschulen usw. liefern.

Ballenstedt ist eine sehr schöne alte Stadt. Meine Wanderung hinaus steigt in der „Allee“ der besten Nachbarn hinauf zum Schloß. Ein tolles Modell der Schloßanlage steht am Hang. Dann erreiche ich den Fürstenweg. Nach bald sieben Km raste ich auf einer Bank, um mich der Bemmenlast zu entledigen.

„Na, dat jeht aber janz jut..?“ Ein Sportradler und sein Mittreter stoppen mich, dass der Gegenwind zusammenbricht. „Sieht doch janz natürlich aus, wiese da loofen.“ sie wollen es genau wissen, wieso, und ich darf wieder das Gelenk demonstrieren.

Ich suche den Weg nach unten, denn da liegt Quedlinburg, jedenfalls jetzt noch in weiter Ferne. Da, ein steiler Schotterweg. Schotter pur und grob. Er rutscht beim Auftreten. Hinter mir knirscht es nochmal. Ein dunkles Auto hält Abstand. Ich weiche rechts in eine grüne Lücke aus. Der Fahrer winkt, fährt aber dann in die gegenüberliegende Einfahrt.

Was ergibt sich daraus? Eine Einladung auf die Gartenterrasse. Mit Rhabarbersaft und wunderbarem Rhabarberkuchen. Die Hausherrin hat einen goldenen Küchenfinger. Der Grund für diese unerwartete Rast war draußen auf dem Schotter die kurze Unterhaltung darüber, wie es „dazu“ kam und ob es zu einer „Entschädigung“ kam. Ich hätte einen Fachanwalt für Arzthaftpflicht gebraucht.

Noch neuen Tee bekomme ich in eine meiner Flaschen und eine Packung Walnüsse zum Durchhalten. Nach der freundlichen Verabschiedung gehe ich weiter durch die Straßen am Rande von Rieder.

Lange gerade Wege folgen. Die Sonne steht noch hoch, doch wir haben die Mitte des Jahres. Als der Rhabarber bis auf die letzte Faser verbrannt ist, überfällt mich der Hunger. Bald ist es 18 Uhr, und ich habe noch fast vier Kilometer zu laufen. Die flotte Rast muss etwas ungemütlich am Weg stattfinden, bevor ich auf dem Teerweg weitergehe.

Es entsteht das Abendlicht. Zu dieser Zeit laufe ich auch sehr gerne. In Quedlinburg sind nur noch die Dächer sonnenbestrahlt. Am Quartier ist es 20:15 Uhr.

Km heute: Soll 12,5 Ist 18

Km gesamt: Soll 912,5 Ist 911,5

Von links kommt gutes Wetter

Ballenstedt

Das Schloßmodell von Ballenstedt

Quedlinburg

Tag 72, Samstag, 16.6.12, Aschersleben bis Pansfelde Gartenhaus – BMAB – Bundesverband für Mens chen mit Arm- oder Beinamputation

Mein Gastwirt streckt den Finger hoch zu den tropfenden grauen Wolken. „So wollen Sie gehen?“ ich ziehe die Jacke zwar an, während ich den Weg ausspioniere, doch das war unnötig. Das Tröpfeln wird mit zwei blauen Wolkenlöchern wieder eingestellt. Die blauen Fkecken sind eingekesselt und werden mir wieder entführt.

Als ich den ersten Hügel erstiegen habe, sind vor mir etwas höhere Erhebungen zu sehen. Dahinter ein undeutlicher blauer Schatten. Jetzt zieht der Wind einen grauen Schleier vor das Panorama, die Windräder bleiben übrig.

In einer Senke liegt Westdorf. Noch vorher erreicht mich der Regen, kurze Zeit recht heftig. Er versucht sogar, meine Wade abzuspülen. Mein Brötchen esse ich laufend unter der Kapuze. An einer Bushaltestelle steht ein sauber geputztes sitzloses Wartehäuschen. Es funktioniert auch diesmal, denn kaum bin ich drin, hört der Regen auf. Und kaum habe ich an den Bänken davor den Rucksack geöffnet, um mich auch mal innerlich anzufeuchten, fängt er wieder an. Irgendein Naturgesetz muss es da geben!

Dann habe ich einen geradlinigen Landweg unter den Sohlen. Weit hinten schon die Linie, die auf dem iPhone ebenfalls ein Strich ist. Sie entpuppt sich als eine Allee aus Büschen und niedrigen Bäumen. Lange steigt sie den Hügel hinauf. Die Kräuter zwischen den Fahrspuren sind nass, die schwer überhängenden Grashalme seitlich streifen den Strumpf. Ganz oben sieht es aus wie ein enges Tor für den Weg.

Oben, bei meiner Rast, sehe ich wieder weit voran. Wie sanft geschwungene Wellen schwingt sich die Kornährenlandschaft vor mir davon. Sie steigt an in Richtung Harz und wird waldreicher. Aber so recht harzig sieht’s hier noch nicht aus.

Die Heckenallee wechselt in eine Kirschbaumallee. Ein dicker Ast ist angebrochen, stützt sich am Feldrand und hängt mir eine Auswahl Kirschen in Mundhöhe. Bequem wie nie! Trotzdem zupfe ich sie mit den Fingern.

Dann geht es nicht mehr ohne Straße. Das erste der seltenen Autos hält an. Meine Prothese wird bewundert. Nach dem nächsten Ort hält der gleiche Fahrer wieder und bietet mir an einzusteigen. Da ich schon acht km habe und über zehn km noch kommen werden, steige ich gerne ein. Wenn ich nach 18 Uhr eintreffe, kommt morgen alles durcheinander.

Aber, so einfach mache ich das nicht. Ich will ja wandern. Nach reichlich drei km stoppe ich ihn ab. Wir machen noch gegenseitig Bilder. Ich erfahre noch, dass seine 84-jährige Mutter amputiert ist, aber niemanden an sich ran lässt. Ich bitte ihn darum, dass sie anrufen solle.

Zum Ende der heutigen Tour lockert sich die Wolkendecke doch noch auf. Im Reiterhof habe ich ein Bett bis morgen.

Km heute: Soll 12,5 Ist 14,5

Km gesamt: Soll 900 Ist 906

Ruhetag 2, Freitag, 15.6.12, Kleine Runde durch Aschersleben.

Nochmal die Fahrt nach Magdeburg, diesmal zum Vortrag. Mandy Küsel von TOC hatte eingeladenn

Wieder eine andere Laufrunde plus eine durch Magdeburg. Bevor ich den Bahnhof ansteuere, sehe ich einen Rollstufahrer, der sich mit jemandem unterhält. Er ist erst seit letztem Jahr amputiert. Wegen seiner Problemlage will er sich mehr bewegen, kommt aber nicht weiter. Wir werden mit ihm Verbindung halten.

Km heute: Soll 0 Ist 6

Km gesamt: Soll 887,5 Ist 891,5

Das Hundertwasser-Haus in Magdeburg

Von „http://www.ampuwiki.de/wiki/Ruhetag_2,_Freitag,_15.6.12,_Kleine_Runde_durch_Aschersleben.

Ruhetag 1 in Aschersleben, Donnerstag, 14.6.12, Kurzwanderung in Aschersleben

Etwas Bewegung erhalte ich heute durch die Fahrt zur Physiotherapie in Magdeburg. Eine Stadtrunde ergibt sich, von der Bahnfahrt unterbrochen. Da der Termin auf 10 Uhr angesetzt ist, muss ich bereits 6:40 h losgehen. Der weite Weg zum Bahnhof gibt mir Gelegenheit, etwas von meinem Rückstand aufzuholen.

Km heute: Soll 0 Ist 4,5

Km gesamt: Soll 887,5 Ist 885,5

Tag 70, Mittwoch, 13.6.12, Wanderung bei Könnern – BMAB – Bundesverband für Menschen mit A rm- oder Beinamputation

Vorgestern ist die geplante Wanderung ausgefallen. Ich musste lediglich bei Anlieferung des Reisegepäcks wegen der Barzahlung anwesend sein. Erst gegen 14:00 kam der freundliche Taxifahrer, der leicht ungehalten war.

Um später noch in den Ort zu gehen, legte ich mich hin, damit ich die Entzündung weiter behandeln konnte und damit ich in den Schaft passe. Gegen 17:00 wurde es mir kalt. Ein Darmproblem war im Anmarsch. Dazu kam ein plötzlicher Schüttelfrost. Kerstin schickte mir einen Doktor, der mich aber beruhigte. Danach gind es etwas besser.

Gestern war klar, dass es wieder einen Ausfall gibt. Schlafen, Regenerieren, Berichte nachholen. Dabei stellte ich fest, dass sich in der Weiterführung der Wandertage Fehler eingeschlichen hatten. Einige Krankheitstage hatte ich mit der Nummerierung der Wandertage versehen. Auch die Soll- und Ist-Angaben habe ich kontrolliert.

Auch Kerstin hat ihre Erlebnisse. Bei der Umbuchung eines Quartieres in Qu. meldete sie sich wie gewohnt am Telefon: „Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation, guten Ta…“ – „Da wenden Sie sich an unsere Bundeskanzlerin!“ Aufgelegt! Kerstin lässt nicht locker und wählt nochmal: „…ich wollte bei Ihnen buchen – „Wir haben es nicht nötig Amputierte aufzunehmen.“ Aufgelegt!

Vom Haus aus gehe ich zu Beginn meiner heutigen Rundwanderung gleich in Richtung Saaletal durch den Nelbener Grund. Hochgrasige Wiesen, dazwischen steile Felsabbrüche, tauchen in eine V-förmige Senke. Ein schluchtartiger Einschnitt mit rutschigem Pfad, weil das trockene und morsche rote Gestein leicht unter den Füßen wegrollt.

Der Saale-Radweg nach Rothenburg ist befestigt. Eine Fahrstraße für Autos gibt es vorerst nicht. Meine erste Rast in Ufernähe bringt eine Überraschung. Mein Nokia-Handy ist aus.

Anstellen geht nicht, weil die Gummitaste nicht funktioniert. Ich meine doch während der Schnarchphase aufgeladen zu haben. Bei mir selbst hat das Aufladen geklappt, ich fühle mich wieder gut. Der Handyausfall wäre ebenso gravierend wie der Ausfall unseres Begleitfahrzeuges. Bald bin ich ja im Harz. Steile und einsame Wege auf langen Stecken. Nur noch mit einem Funknetz, das manchmal zu schwach ist?

In Rothenburg/Saale setze ich mit der Fähre über, mache eine Kehre und gehe auf der anderen Seite zurück. Ein schweinchenpinkrosaroter Fahrweg. Die Felsen seitlich des Saaledurchbruches haben diese Farbe geliefert. Viele seltene und geschützte Tiere und Pflanzen leben und gedeien noch in diesem ruhigen Talabschnitt.

Bei meiner ausgiebigen zweiten Rast am Wegesrand werden die dunklen Wolken immer mächtiger. Auf der anderen Seite sehe ich wieder die „Schlucht“. Nach dem Ort Nelben und nach der Brücke bin ich wieder auf dem östlichen Radweg.

Sobald kleinere Wege und Pfade abgehen, tendiert meine Prothese dorthin. Auch dieser Weg hat mein Vertrauen. Er hat Waldboden, geht direkt zum Fluss rüber und ist sehr bequem.

Inzwischen beginnt der erwartete Regen und meine dazugehörende Prozedur. Dann aber sehe ich, der Weg führt an meiner „Schlucht“ vorbei. Dazwischen liegen teils verwilderte Gartengrundstücke. Nach einer Weile bekommt der Uferpfad einen Knick genau in meine Wunschrichtung.

Als ich wieder die Kerbe hinaufsteige, scheint die Sonne wieder, schnell wird mir richtig warm. Noch ein Mineraliengetränk und dann ist das Quartier wieder erreicht. Ich stelle das Handy in die Ladestation und bin beruhigt. Noch eine gute Nachricht: Alfons will mich im Harz gelegentlich begleiten. Im vergangenen Jahr war er am Main drei Tage mit mir unterwegs.

ANSTELLE VON TAG 73 IST HEUTE ERST WANDERTAG 70.

Km heute: Soll 12,5 Ist 11

Km gesamt Soll 875 Ist 867,5

Wieder laufen lernen: 1. Prothesencamp in Miesitz bei Triptis | OTZ

Wieder laufen lernen: 1. Prothesencamp in Miesitz bei Triptis

  • Laufmotivator Roland Zahn (2.von rechts), Gehschultrainerin Manuela Soyka (4. von links) und Gerd Kästel (5. von links) mit Teilnehmern des ersten deutschen Prothesencamps. Foto: Constanze Alt Laufmotivator Roland Zahn (2.von rechts), Gehschultrainerin Manuela Soyka (4. von links) und Gerd Kästel (5. von links) mit Teilnehmern des ersten deutschen Prothesencamps. Foto: Constanze Alt

Die Thüringer Selbsthilfegruppe „Steh auf“ initiiert das erste bundesdeutsche Prothesencamp. Die Triptiser Gehschule veranstaltet am 2. August für Fachleute einen Workshop zum Thema „Mehr Bewegung hilft“.

Vom Erledigen alltäglicher Tätigkeiten einmal abgesehen, seien viele Menschen mit Amputation hinsichtlich ihrer Beweglichkeit ziemlich eingeschränkt, weiß Roland Zahn. Denn: „So ging es mir erst auch.“ Dass der energische Herr aus Nürtingen am Neckar ungeachtet seiner Beinprothese gegenwärtig eine 2000 Kilometer lange Route von Berlin nach München erläuft, das scheint einem eisernen Willen geschuldet, und dem Willen, anderen Betroffenen ein Vorbild zu sein.

Gemeinsam mit Roland Zahn, einem Mitglied des Bundesverbandes, hat die von Gera aus Thüringenweit agierende Selbsthilfegruppe „Steh auf“ kürzlich in Miesitz bei Triptis das erste Prothesencamp mit Teilnehmern aus dem ganzen Bundesgebiet initiiert. „Ich war so begeistert gewesen, weil ich es innerhalb eines halben Jahres geschafft habe, immer weitere Strecken zu gehen“, erinnert sich Zahn, dessen Lauf-Tour über 1000 Kilometer ihn 2011 auch durch Gera geführt hatte. Dieses schöne Erlebnis wollte er auch anderen Beinamputierten ermöglichen. So war nach und nach die Idee für das Prothesencamp herangereift. Nun galt es, einen geeigneten Ort zu finden, der vor allem eines ist: zentral. „Da ist man dann automatisch in Thüringen“, freut sich Zahn. Für Thüringen sprach natürlich nicht nur die Lage, sondern auch die Tatsache, dass die Geraer Selbsthilfegruppe um Gerd Kästel in dem Ruf steht, besonders ambitioniert und engagiert zu sein.

Dass die Entscheidung dann auf Miesitz fiel, verdankt sich einem Telefonat zwischen Roland Zahn und Manuela Soyka. „Wir machen das bei uns“, hatte die resolute Frau aus Triebes beschlossen, die als Trainerin in der im Triptiser Sanitätshaus Rosenau ansässigen ersten offenen Gehschule im Freistaat tätig ist. Bei der Eröffnung der Gehschule war Roland Zahn 2011 dabei gewesen und hatte befunden: „mit solchen Leuten kann man arbeiten.“

Fünf Tage, fünf Kilometer so die Zielvorgabe zu diesem ersten Prothesencamp, das als Pilot und Probelauf gedacht war. „Wichtig ist das Wechselspiel zwischen Anstrengung und Ruhepausen“, meint Roland Zahn. Eine Ausgewogenheit von Anspannung und Entspannung soll helfen, Überforderung zu vermeiden. „Das würde sonst Frust erzeugen, und dann wäre keine Bereitschaft mehr da“, glaubt Zahn.

Entsprechend liefen die Teilnehmer am ersten Tag etwas mehr als drei Kilometer, am Folgetag noch etwas mehr, am dritten Tag bereits vier Kilometer und so weiter. Ergänzt wird das Laufprogramm durch die Angebote, die Trainerin Manuela Soyka, selbst unterschenkelamputiert, im Rahmen der Gehschule macht. Im Vordergrund, sagt Roland Zahn, steht aber das „super Gefühl“, das das Laufen bewirkt. Wie eine Therapie sei das. Er selbst habe dadurch im Laufe der Zeit sogar Medikamente weglassen können. Die modernste Prothesentechnik nütze einem Betroffenen nichts, wenn er körperlich nicht in der Lage sei, sich zu mobilisieren. Zahn verweist auf die Verantwortung, die jeder für sich selbst trage.

Ebenso wichtig ist der Zusammenhalt als Gruppe und Gemeinschaft. „Allein müsste man sich doch sehr disziplinieren“, sagt eine Teilnehmerin aus Sachsen-Anhalt. „Eine super Idee“ sei das Camp, findet Petra Bock aus Kiel, die gemeinsam mit ihrem nicht behinderten Mann teilnimmt: „Es hat mir sehr viel gebracht; ich würde sofort wieder teilnehmen.“ Auch die übrigen Mitstreiter würden es sehr begrüßen, wenn sich das Prothesencamp als jährlich stattfindende feste Größe etablieren könnte. „Das Laufen in Gemeinschaft erleichtert“, sagt Renate Beschorner aus Bad Landstuhl. „Die Hemmungen werden insgesamt weniger“, kann Manuela Soyka bestätigen: „Es ist ein viel befreiteres Laufen, das hebt unheimlich das Selbstbewusstsein.“ „Wir laufen bewusst auf Naturwegen auf dem Parcours der Natur“, erklärt Roland Zahn den Grundgedanken. „Wir tun etwas unter dem Motto: Bau dich auf, bevor du abgebaut wirst“, sagt er.

SHG „Steh auf“

  • Die Triptiser Gehschule veranstaltet am 2. August einen Workshop zum Thema „Mehr Bewegung hilft“, der sich speziell an Physio- und Ergotherapeuten richtet, die mit Bein amputierten Menschen arbeiten. Mit Manuela Soyka verfügt die Gehschule über eine Trainerin, die als Betroffene genau weiß, wovon sie spricht.
  • Manuela Soyka ist Mitglied der Selbsthilfegruppe „Steh auf“ in Gera. Die SHG hilft bei der Suche nach Krankenkassen, Rehaträgern bzw. -beratern,
  • Krankenhäusern und Rehakliniken, Fachärzten, Schmerztherapeuten usw.
  • Die Selbsthilfegruppe möchte Amputierte ermuntern, sich für ihre Rechte stark zu machen. Sie bietet Unterstützung bei einer guten Schaftversorgung. In Vorbereitung sind die Gründung eines Landesverbandes sowie eine Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft.
  • Kontakt: shg-stehauf, 0365-7100997, 0365-8006622, 03661-430741, 036622-89079; 0361-6661627

Tag 72, Samstag, 9.6.12, Halle-Nietleben bis B6 bei Möderau – BMAB – Bundesverband für Me nschen mit Arm- oder Beinamputation

Die Morgensonne lockt mich vom Frühstückstisch weg, die Wendeltreppe runter und direkt rein in den Wald, den ich mit wenigen Schritten errelche. Mein Plan ist, über Dölau zur Fähre nach Brachwitz und dann bis zur Bahnstation Wallwitz zu laufen. Etwa 14 km sollen es nach dem Garmin sein.

Weil ich gestern schon ganz gut mit einer weiteren Entzündung am Beinstumpf laufen konnte, will ich es heute wieder versuchen. Bei jeder Rast bekommt der Stumpf Frischluft und einen Tropfen Öl.

Der Wald hat ein dichtes Netz an Wegen. Im iPhone geht einer geradezu auf Dölau zu. Da ist ja ein richtiger Berg im Weg. Der Pfad ist deutlich und ich muss ordentlich stemmen. Große Schritte hinauf und an Wurzelstufen absichern. Mit meiner Atmung hatte ich ja nach der Reha Probleme an den heimatlichen Treppenstufen, aber seit ich mit den Wanderungen begonnen und vor allem weitergemacht habe, gibt es da überhaupt kein Problem mehr!

Dann kommt ein Querpfad, aber geradeaus ist nur Wald. Es ist, wie schon oft, es sind längst nicht alle Wege eingezeichnet, dafür sind andere phantasiert. Das macht die Sache eben interessant! Nicht einmal zwei Kilometer bin ich gelaufen, da setze ich mein Frühstück auf einer Bank fort. In Dölau hole ich mir die weitere Tagesverpflegung sowie etwas Haltbares für Unterwegs.

Seitlich der Straße geht es jetzt durch die Felder. Eine dunkle Wolke zieht vorbei, dann brennt es wieder auf die Schultern. Ein frischer Wind verhindert heute das Schwitzen. Schon vorhin war mir das Hemd über dem Kurzarmshirt zu viel. Weite Ausblicke habe ich über die Senke, in der die Saale versteckt fließt. Die Farben der Landschaft verändern sich wieder, da hinten bekommen die Felder schon gelbe Farbtöne, die meisten sind noch grün. Zum Durchwandern inzwischen hoch.

Ein sonniger Wiesenhang mit kurzem Rasen, hier ruhe ich die beanspruchte Haut aus. Beim Weitergehen ist es aber besser als vorher, Auf dem anschließenden Wiesenpfad komme ich hinunter zur Saalefähre. Soeben fahren drei Pkw auf das Schiff. Ruckzuck sind wir drüben.

Ich gehe am Ufer entlang, denn weiter vorne soll eine Gabelung sein. Ein Weg abseits der Straße. „Da vorne gibt’s nichts als den Saaleweg nach Halle.“ ein Einheimischer weiß es wohl! Ich kehre um und muss nun die Kilometer auf der Landstraße abspulen.

Es geht lange bergauf. Das gelbe Feld von vorhin ist jetzt ganz nahe. Der kräftige Wind schiebt mich spürbar. Einige Kurven macht die Straße. Ich wechsle immer die Seite, damit ich in der Kurve möglichst weit gesehen werde.

Bald muss eine Abzweigung kommen, die ich nach Wallwitz gehen muss. Der Weg entlang eines Heckenstreifens ist jedoch zugewachsen. Die Straße weiter und einen Halt zum Schaftwechsel finde ich nicht sofort. Nach einiger Zeit hält mich eine Wegweiserstange, es ist zwar schwierig, aber es geht. Ich sehe schon die B6. An ihr müsste ich nun nördlich auf etwa 3-4 km. Es ist aber schon 17 Uhr. Die Haltestelle dort? 17 Uhr 14! Der Zug in Halle Hbf. ist gerade abgefahren, aber es ist ja nicht der letzte.

Km heute: Soll 12 Ist 13,5

Km gesamt: Soll 862,5 Ist 856,5

Feldweg statt Straße

Weg zur Fähre

Auf der Saale

Straße statt Feldweg

Tag 71, Freitag, 8.6.12, Böhlitz-Ehrenberg – Rüpsen – BMAB – Bundesverband für Men schen mit Arm- oder Beinamputation

Mit dem Besuch in einer Bäckerei starte ich die heutige Tour, ich werde ganztägig die Elsteraue weiterwandern. Vor lauter Vorfreude lasse ich die Brötchentüte liegen. Die Verkäuferin isst es nicht selbst und bringt mir den Einkauf nach.

Wieder im Wald. Aus einem Querweg kommt vor mir ein anderer Wanderer. Das gemeinsame Weitergehen ergibt sich ganz selbstverständlich. Er kennt sich hier aus. Er hat Sinn für den Wald. Eine Schnecke trägt er vorsichtig an den Wegrand. „Die wird ja bloß überfahrn hier“. Meinem Tempo passt er sich sofort an. Dann biegt er links in einen kaum erkennbaren Pfad ein.

Was ist bloß mit den Mücken los? Sind Mücken Langschläfer oder brauchen sie erst die Waldschwüle des Mittags, um über Wanderer herzufallen?

An einer Bank mit Schutzhütte erinnere ich mich des eingekauften Prasselkuchens, als ich schnell mal was was trinken will. Den Prassel sehe ich zwar nicht, aber die Streußel. Äußerst lecker und energievoll. Frisch geprasselt geht es weiter.

Lange Waldwege südlich von Schkeuditz. Ein Geräusch nimmt immer mehr zu. Dann bekomme ich von einem Mann genaue Auskunft, wie ich am besten die Autobahn überwinde. Das Kreuz ist zwar noch weiter nördlich, aber die A9 alleine macht einen enormen Lärm.

Nach der Elsterbrücke benutze ich den Damm, der unter der Autobahnbrücke durchgeht. Nun bin ich im nächsten Bundesland, in Sachsen-Anhalt. Da meldet sich Jens.

Er hat bei der Juhe soeben mein Gepäck eingeladen. Den genauen Treffpunkt können wir jetzt ausmachen. Bei der Bushaltestelle Rüpsen steige ich bei ihm ein. Wir fahren zum nächsten Quartier in der Gartenstadt bei Halle.

Km heute: Soll 13 Ist 13

Km gesamt: Soll 862 850 Ist 843

Mit der 7 aus der Stadt

Kleinigkeiten sind doch auch großartig, oder?

Der neueste Trick der Brennnesseln

Tag 70, Sonntag, 7.6.12, Gohlis – Böhlitz-Ehrenberg – BMAB – Bundesverband für Menschen mi t Arm- oder Beinamputation

An der Haltestelle Beyerleinstraße neben der Chrochsiedlung steige ich aus, um hier den Weg fortzusetzen. Als ich den Möckernschen Weg erreiche, verschwindet dieser im Gelände der Kaserne. Über Linderthal ist der Umweg zu weit, ich gehe also zurück.

Das Garmin foppt die Benutzer immer mal wieder. Auch als ich die Gleise an der S-Bahn Station Möckern unterquere, ist diese wichtige Verbindung nicht als Weg vorhanden.

Durch Gärten gelange ich zur Brücke über die Elster und gleich danach zur Luppe. Dieser Rückhaltekanal zwischen zwei Dämmen ist bei Elster-Hochwasser der Stauraum. Auf dem rechten Damm komme ich zügig voran.

Zwei Dinge verändern sich plötzlich und laufen falsch. Dunkle Wolken nähern sich und der Schaft beginnt zu drücken. Rechts unterhalb des Dammes steht ein Geländer zum Anlehnen. Tropfen fallen, aber zuerst will ich den Schaft wechseln. Dann beginnt der Regen, ich ziehe schnell die blaue Schutzhülle über den Rucksack und die Jacke an. Doch der Schaft stimmt so nicht. An einem Zaun muss ihn nochmal neu ansetzen. Der Regen hört auf. Runter mit der Jacke, viel zu warm! Weiter auf dem Damm, der Regen beginnt richtig, also wieder die warme Jacke. Aber der Schaft sitzt jetzt ebenfalls richtig.

Tröpfel, platsch, riesel, auf die Bank, auf mich und die Mahlzeit. Der Trinkbecher fühlt sich wie in der Spülmaschine. Ach wie schön, mal wieder ganz gemütlich den Regen genießen zu dürfen! Mütze auf dem Kopf, Kapuze drüber als Schutz gegen die Rinnsale am Rücken. Die Schaumstoff-Sitzunterlage ist mit der zweiten Mütze verdichtet. Während ich so kaue und trinke wird es heller, die Tropfen werden kleiner und mein Hunger auch. Die Brücke da vorne wird jetzt interessant.

Jogger und Radfahrer lassen sich nicht so schnell vom Regen vertreiben, wohin auch so fern von Häusern. Weil sie den Brückensteg nutzen kann ich das auch. So komme ich laut Wegweiser in Richtung Bahnhof Leutzsch. Wieder im Sonnenschein, die Schutzhülle muss ja trocknen.

Da das aber zu kurz wird, biege ich später auf einem Parallelweg zurück in meine Richtung nach Böhlitz-Ehrenberg. Die Haltestelle der 7. Ein Radfahrer fährt vorbei, wendet, kommt rüber zu mir. „Da könn‘ se lange wartn, setzn sich lieber erschtmal, die Siebn hat’n Schadn“. Aus der Stadt nähert sich der Schienenetsatzbus. Naja, dann geht’s ja doch. Nach weiteren zehn Minuten kommt dann doch die Tram angerumpelt. Drei sehr hohe Stufen, und ich bin drin, aber was hätte ich hier im Rollstuhl gemacht?

Km heute: Soll 12 Ist 13,5

Km gesamt: Soll 850 838 Ist 829,5

In den Gärten zur Elster...

...gibt es schöne Motive

Blumen am Bettrand der Luppe

Kopfamputierter Veteran

Ruhetag, Mittwoch, 6.6.12, Leipzig Mitte und Bayrischer Bahnhof bis Leipzig-Gohlis – BMAB – Bundesve rband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation

Weil ich gestern aussetzen musste, ist heute zu Beginn einiges erledigen. Meine Stadtwanderrunde beginnt bereits an der Jugendherberge in Leipzig-Schönefeld. Um rechtzeitig zum Massagetermin zu kommen, muss ich meinen Anmarsch mit der Straßenbahn unterbrechen.

Meine Verspannungen im Schulterbereich haben zugenommen, da die letzte Massage schon drei Wochen her ist. Von der Physiotherapie in der Nähe des Bayrischen Bahnhofs gehe ich zunächst zum Gutenbergplatz, denn dort kann ich mich mit dem Nachschub versorgen, der mich so ideal unterwegs unterstützt. Speziell das Omega 3-Öl gegen die Entzündungen darf nie ausgehen! Immer im Rucksack dabei.

Für den Versand der Zahlungsbelege der Tour habe ich bisher keine Briefumschläge und Briefmarken. Im Brühl ist die Post, gegenüber der großen Baustelle des Neubaues des Kaufhauses, in dem ich 1955 meine ersten drei Wochen nach der Lehrzeit in der Werbeabteilung arbeitete. Es folgte damals eine Reise nach Tübingen ohne Rückfahrkarte! Noch im letzten Jahr sah ich den Abriss dieses alten massiven Kaufhauses. Nun entsteht es im gleichen Stil neu.

Nach 14 Uhr ist endlich alles erledigt. Aber der Gang durch die Leipziger Innenstadt ist immer unterhaltsam. Die noch entstehende Universitätsfassade am Augustusplatz, die Grimmaische Straße und der Marktplatz, die alten Messehöfe, der Brühl. Durch die engen Gassen der Baustelle wühle ich mich hindurch, denn hier wimmelt es von Leuten, die in den aufgestellten Baustellenzäunen zu wenig Platz haben. Die Arbeiten am City-Tunnel sind quer durch die Innenstadt überall zu sehen.

Dort drüben schlüpfe ich in ruhigere Wohnstraßen und erreiche die große Wiese im Rosental. Ich brauche nun endlich mal ’ne Bank. Gerade erreiche ich genau die Bank, auf der ich im letzten Jahr zusammen mit Harald die zweite Rast gemacht habe, da beginnt es zu tröpfeln.

Es sah ja schon danach aus und kühl war’s heute früh, gerade mal 4 Grad. Deshalb habe ich nochmal die wärmende Regenhose an. Ich bin hier aber durch den Baum über mir gut geschützt und kucke beim Kauen und Schlucken über die Wiese rüber zum Zoo.

Hier ziehe ich die Prothese nochmal neu an. Nördlich durch das Rosental komme ich nach Gohlis. Bekanntes Gelände. Hier bin ich in die Schule gegangen, mein Schulweg die Landsberger Straße vier Haltestellen hin und wieder heim. Diesen Weg wandere ich jetzt. Rein in die Crochsiedlung. Unser Eckhaus am ehemaligen nördlichen Rand. Nach ein paar Fotos fahre ich zurück.

Km heute: Soll 0 Ist 12,5

Km gesamt: Soll 850 Ist 828

Die neue Front der Universität am Augustusplatz

In der Passage des Auerbachs Keller

Giebel des Alten Rathauses

Tag 69, Dienstag, 5.6.12, Bad bis Bett

Die Entzündung am Beinstumpf habe ich gestern nicht bemerkt und muss sie heute behandeln. Dafür werde ich am morgigen Ruhetag weitergehen. Km heute: Soll 12 Ist 0
Km gesamt: Soll 850 Ist 815,5

Tag 68, Montag, 4.6.12, Markkleeberg bis Leipzig Neues Rathaus – BMAB – Bundesverband für Mensc hen mit Arm- oder Beinamputation

Auf den Spuren der letztjährigen Wanderung bin ich heute unterwegs. Völlig spontan hat sich das ergeben. Erst wollte ich in Naunhof starten. Doch der Zug fuhr erst in einer knappen Stunde und ich hatte durch die Umständlichkeit in der Juhe, den schlecht sitzenden Schaft und den Weg zum Leipziger Hauptbahnhof viel Zeit verloren.

Ich komme in den Frühstückssaal, der durch Zwischenwände dreigeteilt ist. Müsli, Quark, Milch, Brot und was drauf muss im ersten Abteil. Das bebrauchte Werkzeug wird im zweiten durchgereicht. Im dritten die Getränke, das Besteck, die Tassen, die Teller? Nee, die sind wieder an der Rückwand im ersten und die Mini-Schüsseln an der Seitenwand. Also für mich war’s ziemlich umständlich und als „Wegegeld“ nahm ich eben zweimal Müsli.

Der Zug nach Gaithain fuhr dann schon in drei Minuten. So stehe ich also in dem alten eisernen Bahnhofsgestell von Markkleeberg, gehe durch die Stadt zum Cospudener See, finde dort am Nordufer eine Bank und mache da halt schon mal Rast, weil es hier recht schön dafür ist.

Diese und alle anderen Tagebauflächen in der Gegend sind schon eine Weile geflutet vom Wasser der Pleiße oder der Elster. Lange war dieses riesige Industriegebiet unzugänglich. Nun haben die Leipziger ein großes Naherholungsgebiet erhalten, das mit der Elsteraue direkt verbunden ist und nahe am alten Stadtkern vorbeizieht in Richtung Saale bei Halle.

Heute gehe ich abwärts an der Pleiße entlang, am 22. März 2011 aufwärts in Richtung Altenburg. Es läuft sich sehr gut. Ich merke gar nicht, wie die Kilometer unter mir nach hinten wegwutscheln. Ich habe heute auch einiges am Telefon zu organisieren. Links beide Gehhilfen, rechts das Handy am Ohr. So nähere ich mich immer mehr dem Zentrum.

Mit Klaus und Uschi, dem Rest der hiesigen Verwandschaft, habe ich mich verabredet. Vom Neuen Rathaus aus fahre ich mit Tram und Bus nach Mölkau, was heute eigentlich mein Ziel sein sollte. Wir sehen uns nur alle paar Jahre mal. Klaus fährt mich noch zur Jugendherberge zurück. Etwas kurz war die heutige Strecke, aber mit den Wegen in Schönefeld und im Zentrum am Vormittag ist mein Tagesdurchschnitt doch gerade so erreicht.

Km heute: Soll 13 Ist 12

Km gesamt: Soll 838 Ist 815,5