Monatsarchiv: Juli 2012

20.7. bis 25.7. Ausfalltage

Als ich am 19.7. die Wanderung hinter mir hatte, im Zimmer, setzte ein plötzlicher Schmerz am Unterschenkel ein. Eine hochempfindliche Stelle mit Rötung.

Am 20.7. muss ich deshalb umdisponieren. Das Gepäck wird nach Schmalkaden gebracht. Ich nutze die Bahnverbindung und marschiere vorsichtig zurAmbulanz in der Klinik.

Es haben sich offenbar Bakterien unter der Haut angesiedelt und ein Nest gebaut. Das soll ich samt dem Bein hoch und kalt stellen. Kühlakku anschnallen. Fünf Tage Antibiotika. Als Ausgleich mache ich mir mit meinem Joghurtbereiter Probiotika an, dass sich die Darmflora freut. Vorträge ja, Wanderungen nein. In Schleusingen kontrollieren lassen, in der Klinik. Dort weitere Diagnose abwarten.

Treff Selbsthilfegruppe „Steh auf“

http://www.gera.de/sixcms/detail.php?id=156584&_lang=de

Treff Selbsthilfegruppe „Steh auf“

Über seine Abenteuerreise durch Deutschland wird am Donnerstag, 2. August, 13 Uhr, Roland Zahn in der Selbsthilfegruppe „Steh auf“ für Amputierte Menschen im Sanitätshaus Rosenau-Prothetisches Kompetenzzentrum, Alfred Brehm Straße 29, in Triptis sprechen. Weitere Vorträge zur Rehabilitation und Vorsorgeangeboten werden durch Dr. Erler, Sportwissenschaftlerin aus der Moritz Klinik Bad Klosterlausnitz und Dr. Wutzier, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Notarzt aus Chemnitz erstmals angeboten. Interessierte und Betroffene sind dazu eingeladen. Ansprechpartner: Gerd Kästel, Telefon 0365 / 800 66 22

RehaTreff | Roland Zahn: 1100 Kilometer mit Prothese sind geschafft

http://rehatreff.de/aktuell/480-roland-zahn-1100-kilometer-mit-prothese-sind-geschafft

Roland Zahn: 1100 Kilometer mit Prothese sind geschafft

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Autor: Redaktion 16. Juli 2012

RolandZahn_Sontra2_2.000 Kilometer zu Fuß und rund 40 Vorträge vor Kunden in Sanitätshäusern wird Roland Zahn hinter sich haben, wenn er am 12. Oktober sein Wanderziel München erreicht. Ihn unterstützen bei seiner Wanderung von Berlin nach München der Bundesverband für Menschen mit Bein- oder Armamputationen sowie das mikroprozessor-kontrollierte Beinprothesensystem C-Leg. Wegen einer Venenentzündung wurde ihm 2006 das rechte Bein am Oberschenkel amputiert. „Eigentlich ist es bei mir ähnlich wie bei vielen der Paralympics-Sportler“, sagt der 75-Jährige bei einer kurzen Verschnaufpause acht Kilometer hinter dem geschichtsträchtigen Ulfen im Kreis Sontra. „Ich erlebe auf dieser wunderbaren 2000-Kilometer-Wanderung meine Leistungsfähigkeit ja nicht, obwohl, sondern weil ich diese Behinderung habe. Das hätte ich doch sonst gar nicht gemacht.“

Roland Zahn will ansteckend wirken

Ein Jahr lang fuhr Roland Zahn im Rollstuhl, weil er nicht daran glaubte, mit einer Prothese wieder mobil werden zu können. Seine Vermieterin redete auf ihn ein, bis er die erste Runde um den Häuserblock mit Kunstbein versuchte. Am nächsten Tag folgten zwei weitere. 1000 Kilometer waren es dann 2011 von Leipzig nach Tübingen, 2000 sind es jetzt von Berlin nach München. Das ihm wichtigste Ziel ist aber gar nicht geographischer Art. Er will ansteckend wirken auf andere, die vielleicht gerade, so wie er früher, die Hoffnung begraben könnten, jemals wieder mit Vergnügen durch Feld und Flur unterwegs zu sein. Er lädt jeden ein, ihn ein Stück zu begleiten. Soweit es eben geht. Und er hat auf seiner Tour schon viele Menschen kennen gelernt. Manchmal wird aus einer solchen Interessensgemeinschaft sogar Freundschaft. Auf dem Rennsteig ist er für ein paar Etappen mit einem früheren Weggefährten schon fest verabredet.

An zwei Orten, an denen er Vorträge hielt, wird über die Gründung von Selbsthilfegruppen ernsthaft nachgedacht. „Das wäre doch fantastisch, wenn sich die Leute da erst mal gelegentlich treffen und später regelmäßige gemeinsame Aktionen daraus hervorgehen“, beschreibt er die Tatsache, dass ein Amputierter die besten Ratschläge für den persönlichen Alltag von jemand erhalten kann, der als selbst Amputierter genau weiß, wovon er spricht.

Prothesen-Camp und Messevorträge

Im Raum Leipzig hat Roland Zahn im Anschluss an Vorträge auf der Orthopädie-Technik-Weltmesse ein Prothesen-Camp veranstaltet. Jeden Tag ein paar Schritte mehr, so seine Methode. Aber nur, soweit es noch Spaß macht. „Ohne Freude verändern Menschen ihr Leben nicht.“ Deshalb nennt er als eines seiner wichtigsten Erfolgserlebnisse der bisherigen Tour, dass aus dem Ost-Harz eine Gruppe von zehn Menschen die Bitte geäußert hat, ein solches Prothesen-Camp zu wiederholen. Und so wie er hier in der Sontraer Wald- und Hügellandschaft klingt, wird es bestimmt bald so kommen.

Besonders eindrucksvoll fand er die fünf Tage im Raum Usedom, wo er auch direkt am Strand unterwegs war und während der Fußball-Europameisterschaft bis Heringsdorf zur ZDF-Bühne kam. Zu Fuß von Berlin nach München über Usedom? – „Sonst kriegst Du doch die 2000 Kilometer nicht zusammen.“ – Alles klar.

Rückkehr zum Schauplatz seiner Event-Wanderung

Von Niedersachsen hat er diesmal nur eine kleine Ecke gesehen, dafür aber die höchste: Braunlage. Hinzu kommt ein Abstecher nach Duderstadt, dieser allerdings mit öffentlichen Verkehrsmitteln am 13. Juli zum Festakt am Tag der Niedersachsen. Bürgermeister Wolfgang Nolte hat ihn persönlich eingeladen, als Dank für seine Vorbildfunktion bei einem vom Medizintechnikunternehmen Ottobock organisierten Wander-Event im Vorjahr. Rund 50 Menschen, zahlreiche davon ebenfalls mit Beinprothese, begleiteten ihn auf seiner Etappe von der Heinz Sielmann Stiftung zum Grenzlandmuseum Teistungen und lernten auf diese Weise neben Roland Zahn auch das Naturschutzprojekt Grünes Band im Eichsfeld kennen.

„Das Grüne Band führt ja durch ganz Deutschland, ich habe auch diesmal Abschnitte davon in meine Tour eingeplant. Aber man muss aufpassen, es gibt schon jetzt Bereiche, in denen man plötzlich nicht mehr vorwärts kommt, weil alles zugewachsen ist. Der Wanderweg entlang der ehemaligen Grenze sollte für die Zukunft bewahrt werden. Man sollte sich an die überwundene Vergangenheit erinnern und über die am alten Todesstreifen erhaltene Natur freuen“, sagt der gebürtige Leipziger, der seit langem in Stuttgart wohnt.

Tag 95, Donnerstag, 19.7.12, Bad Salzungen nach Wernshausen – BMAB – Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation

Nuuuuur Straße! Garmin-Prognose runde 17 km. Zuerst dauert es lange, bis Bad Salzungen die Häuser ausgehen. Dann die pure B 62 weiter. Autolärm, hochprozentiger Brummianteil. Dabei habe ich noch richtiges Glück, dass es einen geteerten Radweg gibt, gut durchgemieft. Die flache Werratalsohle ist pure Natur, aber nicht zugänglich. Kein Weg führt hinunter. Schilfflächen, Bahnlinie, Militärgebiet. Wie so oft schon ist Thüringen selten seitlich der Straßen begehbar. Ich finde auch heute kein alternatives Wegenetz, seitlich der Durchgangsstraße. Der Schaft drückt schon eine Weile.

Da geht eine schmale Straße ab. Garmin schickt mich rein. Um die Ecke, und ich sehe, der Weg hört auf. Danke, Garmin! Eine Hauswand, Schaft neu angesetzt, zurück zur Straße. Wie beruhigend! Der Schaft sitzt immer noch nicht. Wie beunruhigend! Dann komme ich durch Immelborn.

Da, ein Wegweiser des Werraradweges. Endlich! Doch er mündet auf eine Kreisstraße. Weiterhin Autos. Um Unfälle zu vermeiden habe ich bisher die Prothese nicht am Straßenrand ausgezogen. Doch lange werde ich keine Rücksicht mehr nehmen. Nach achteinhalb km liegen linkerhand große Steine an der Andeutung einer Wegabzweigung, die gleich am Bahngleis endet. Frühstück um halb zwölf.

Breitungen noch vier km. Ab und zu zirpt es am Gleis und der Südthüringenexpress rattert vorbei. Mit dem kam ich gestern sehr spät aus Alsfeld zurück. Die Vorträge an beiden vorhergehenden Tagen waren in Bad Hersfeld und in Bad Salzungen. Wenn ich immer sage, mehr Bewegung hilft, ist das schwer mit Freude umsetzbar, wenn man in dieser Gegend oft nur die Hauptstraße oder die nächste Sackgasse nutzen kann.

Wernshausen noch vier km. Nach der Hälfte entfernt sich der Radweg doch noch von der Straße, immer dicht an der Werra. Viel Wasser hat sie von den vielen Regengüssen. Noch eine Rast auf einem Stein. Dann biegt der Weg unter dem Bahndamm in den Ort ein. Ein wunderschönes Quartier mit Fachwerkschmuck habe ich heute.

Km heute: Soll 12,5 Ist 17,5

Km gesamt: Soll 1187,5 Ist 1198

Spät heimgekommen gestern

Erste Steinrast

Holzrast

Die Kreisstraße

„Mut gehört immer dazu“ – Bad Hersfeld – Lokales – Nachrichten – HZ online

http://www.hersfelder-zeitung.de/nachrichten/kreis-hersfeld-rotenburg/bad-hersfeld/mut-gehoert-immer-dazu-2407484.html

„Mut gehört immer dazu“

Roland Zahn wandert trotz Beinprothese quer durch Deutschland – Stopp in Hersfeld

bad hersfeld. Als Roland Zahn 2006 aus dem Koma erwacht, fehlt sein rechter Unterschenkel. Nach einer Venenentzündung war sein Bein zu straff gewickelt worden. Es kam zu Vereiterungen und nach der folgenden OP war er zu früh entlassen worden. Schließlich muss der Unterschenkel des 75-Jährigen sogar amputiert werden.

Vital und lebensfroh: Der begeisterte Wanderer Roland Zahn ermutigte bei seinem Vortrag im Klinikum Bad Hersfeld andere Amputierte zu mehr Bewegung. Foto: Eichenauer

Vital und lebensfroh: Der begeisterte Wanderer Roland Zahn ermutigte bei seinem Vortrag im Klinikum Bad Hersfeld andere Amputierte zu mehr Bewegung. Foto: Eichenauer

Ein Jahr sitzt er danach in seinem „amputierten Porsche“, wie er den Rollstuhl scherzhaft nennt. „Damals war allerdings mein Handicap im Kopf größer“, sagt Zahn. Es ist seine Hauswirtin, die schließlich die „Bremse im Kopf“ abschaltet. Sie fordert ihn dazu auf, wieder zu laufen. Und so entdeckt Zahn seine Wanderlust ganz neu. Seit Februar diesen Jahres ist er quer durch Deutschland unterwegs und will damit andere Amputierte zu mehr Bewegung anregen.

„Bewegung beginnt im Kopf“

Über sein Schicksal und die 2000 Kilometer lange Wanderung berichtete der ehemalige Grafikdesigner am Montag in der Abteilung für Physikalische Therapie des Klinikums Bad Hersfeld. Organisiert wurde die Veranstaltung „MEHR Bewegung hilft“ von Abteilungsleiterin Beate Zeller und Andreas Becker vom Sanitätshaus Bad Hersfeld.

„Es geht nur mit Bewegung – aber ein bisschen Mut gehört immer dazu“, sagt Zahn zum Publikum, darunter auch mehrere Amputierte. Man brauche ein Ziel vor Augen, denn die Bewegung beginne im Kopf, erklärt er weiter.

Doch natürlich ist nicht immer alles super. Zahn berichtet, er habe auf seiner Tour auch schon mit einem entzündeten Zeh zu kämpfen gehabt. „Aber man muss wieder aufstehen, und mein Körper tut das, was ich von ihm verlange.“ Amputierte sollen sich zwar nicht überfordern, dennoch warnt Zahn vorm Nichtstun – denn dann baut der Körper ab.

Motivation für Amputierte

„Es geht um Vergnügen im Leben“, betont Zahn. Dennoch ist eine so lange Wanderung mehr als nur Vergnügen. Zahn hat höhere Ansprüche: „Ich will mit meiner Wanderung andere Amputierte erreichen und sie vor allem zur Bewegung motivieren.“

Weitere Hilfen im Leben erhält Zahn durch eine Selbsthilfegruppe und den Bundesverband für Menschen mit Arm– oder Beinamputationen. Jeder kann in den Bundesverband eintreten, der auch auf politischer Ebene Amputierten helfen will, betont Zahn.

So kümmere sich der Verband beispielsweise um Fehler in Stadtplanungen, bei denen die Bedürfnisse von Amputierten nicht berücksichtigt wurden.

Nach dem Zwischenstopp in Bad Hersfeld ist Zahn jetzt in Richtung Süden unterwegs.

Von Laura Eichenauer

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„Jeden Tag ein paar Schritte mehr“ Tag der Niedersachsen Themen Duderstadt Nachrichten / Goe ttinger-Tageblatt.de

http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Duderstadt/Themen/Tag-der-Niedersachsen/Jeden-Tag-ein-paar-Schritte-mehr

„Jeden Tag ein paar Schritte mehr“ Tag der Niedersachsen Themen Duderstadt Nachrichten / Goettinger-Tageblatt.de

Duderstadt. 2000 Kilometer zu Fuß und rund 40 Vorträge vor Kunden in Sanitätshäusern wird Roland Zahn hinter sich haben, wenn er am 12. Oktober sein Wanderziel München erreicht. „Eigentlich ist es bei mir ähnlich wie bei vielen der Paralympics-Sportler“, sagt der 75-Jährige bei einer kurzen Verschnaufspause im Kreis Sontra. „Ich erlebe auf dieser wunderbaren 2000-Kilometer-Wanderung meine Leistungsfähigkeit ja nicht, obwohl, sondern weil ich diese Behinderung habe. Das hätte ich doch sonst gar nicht gemacht.“

Misstrauen gegenüber Prothese

Ein Jahr lang fuhr Zahn im Rollstuhl, weil er nicht daran glaubte, mit einer Prothese wieder mobil werden zu können. Seine Vermieterin redete auf ihn ein, bis er die erste Runde um den Häuserblock mit Kunstbein versuchte. Am nächsten Tag folgten zwei weitere.

1000 Kilometer waren es dann 2011 von Leipzig nach Tübingen, 2000 sind es jetzt von Berlin nach München. Das ihm wichtigste Ziel ist aber gar nicht geographischer Art. Er will ansteckend wirken auf andere, die vielleicht gerade, so wie er früher, die Hoffnung begraben könnten, jemals wieder mit Vergnügen durch Feld und Flur unterwegs zu sein. Er lädt jeden ein, ihn ein Stück zu begleiten. So weit es eben geht. Und er hat auf seiner Tour schon viele Menschen kennen gelernt. Manchmal wird aus einer solchen Interessensgemeinschaft sogar Freundschaft. Auf dem Rennsteig ist er für ein paar Etappen mit einem früheren Weggefährten schon fest verabredet.

Gründung von Selbsthilfegruppen

An zwei Orten, an denen er Vorträge hielt, wird über die Gründung von Selbsthilfegruppen ernsthaft nachgedacht. „Das wäre doch fantastisch, wenn sich die Leute da erst mal gelegentlich treffen und später regelmäßige gemeinsame Aktionen daraus hervorgehen“, beschreibt er die Tatsache, dass ein Amputierter die besten Ratschläge für den persönlichen Alltag von jemandem erhalten kann, der als selbst Amputierter genau weiß, wovon er spricht.

„Ohne Freude verändern Menschen ihr Leben nicht“

Im Raum Leipzig hat er im Anschluss an Vorträge auf der Orthopädie-Technik-Weltmesse ein Prothesen-Camp veranstaltet. Jeden Tag ein paar Schritte mehr, so seine Methode. Aber nur, so weit es noch Spaß macht. „Ohne Freude verändern Menschen ihr Leben nicht.“
Deshalb nennt er als eines seiner wichtigsten Erfolgserlebnisse der bisherigen Tour, dass aus dem Ost-Harz eine Gruppe von zehn Menschen die Bitte geäußert hat, ein solches Prothesen-Camp zu wiederholen. Besonders eindrucksvoll fand er die fünf Tage im Raum Usedom, wo er auch direkt am Strand unterwegs war und während der Fußball-Europameisterschaft bis Heringsdorf zur ZDF-Bühne kam.

Von Rüdiger Herzog

Tag 94, Sonntag, 15.8.12, Kieselbach bis Bad Salzungen – BMAB – Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation

Eine Frühstücksbank im Morgenschatten des Berges. Am Waldrand, erhöht, mit Aussicht aufs Werratal und den nächsten herrlichen Kaliberg. Abgesehen davon, ein Tal, wie einer Ansichtskarte nachempfunden. Geschickt wachsen jedoch die Bäume vor den Aussichts- Bänken empor, um den Anblick etwas zu mildern.

Dem Quartier bin ich entflohen. Dicht unter der Spitzenklasse, könnte man sagen. Zwei dünne Bemmchen bekam ich verabreicht zum Frühstückspreis von 5 Euro, von denen ich beim Essen mit Sicherheit Hunger bekommen werde. Zwei Scheiben Brot, eine Scheibe Salami, eine Scheibe Käse, ein echtes Schnäppchen! Ich spare sie mir zum Mittag auf, um besser durchhalten zu können. Wozu habe ich kräftige Nussmischung dabei?

In Merkers ist ein Besucherbergwerk, das mir den Weg versperrt. Also gehe ich außen herum und den Hang hinauf. Kurze Zeit begleitet mich ein Sonntags-Spaziergänger um die Ecke des Industriegebietes. Das Gespräch dreht sich fast wie immer um zwei Probleme, die fest in den Köpfen verankert sind: Entfernungen zu Fuß und „schlechtes“ Wetter. „Was, bis nach Bad Salzungen wollen Sie, mit DEM Bein? Und was machen Sie, wenn’s regnet?““

Nach der Bemmchen-Rast geht es in gerader Richtung auf das Ziel zu. Linker Hand steht jetzt dunkel der Berg, an dessen Seite Kieselbach liegt. Er erinnert mich stark an gewisse Pickel, die ich in Pasewalk und Schwedt hatte. Da flattert es hell vor mir, als hätte jemand weißes Konfetti in Bonbonpapiergrôße abgeworfen. Die Papierchen setzen sich in zwei Gruppen an den Wegrand. Flattern immer mal wieder. Falter mit dunklen Punkten halten hier offenbar eine wichtige Konferenz ab. Oder sind hier soeben alle gleichzeitig den Kokons entschlüpft und machen Zukunftsplanung.

Die Natur auf den Wiesenwegen ist wunderbar! Rings um mich blüht es reichhaltig. Ich marschiere wie durch einen endlosen Blumenladen. Tausend Blumenläden! Ein sich wiegender Blumenstrauß neben dem anderen. Den Wind und die Regenperlen auf den Rispen, Blättern und kleinen Blüten. Mit krabbeligen und geflügelten Besuchern. Schöner und fantasievoller zusammengestellt als in den engen Vasen der Geschäfte.

Am Rande der Bebauung raste ich auf einem kleinen Spielplatz. Hier ist der Boden mit weißblühendem Klee geschmückt. Eine Dose Fisch wird geknackt, ich habe mindestens noch fünf km vor mir. Wie ich nachher entdecke, heißt der Ort Leimbach. Er grenzt direkt an Bad Salzungen an. Es hat fünf mal geläutet, als ich den Schlüssel für das Gästehaus in der Kurverwaltung abhole.

Zimmer 24 im zweiten Stock. Eine Wendeltreppe. Mein Gepäck wurde freundlicher- bzw. einfacherweise im Erdgeschoß abgestellt. Der bereits bezahlte Service meines Vorgastwirtes hat nur bis dorthin gereicht. Vorsorglich hatte er schon heute früh über die Treppen gejammert. Auch ein Prinzip: Schwache Leistung mit kräftiger Rechnung ausgleichen!

Km heute: Soll 12,5 Ist 16,5

Km gesamt: Soll 1175 Ist 1180,5

m Besucherbergwerk Merkens, das Wetter bleibt unterhaltsam

Die Versammlung der Flatterlinge

Erinnerung an die Pickel der Vergangenheit

Wiesenweg zum Thüringer Wald

Roland Zahns Geschichte: Aktiv trotz Amputation

http://www.vogelsberg-nachrichten.de/index.php?option=com_content&view=article&id=6902:roland-zahns-geschichte-aktiv-trotz-amputation&catid=3:alsfeld&Itemid=3

Roland Zahns Geschichte: Aktiv trotz Amputation

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Motivierende Einblicke in das Leben eines Oberschenkelamputierten

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Alsfeld (ak) – „Mit 75 Jahren und Prothese von der Spree bis zur Isar“ – lautet das Motto, unter dem die Aktion „Bewegung hilft 2012“ mit Roland Zahn läuft. Roland Zahn ist oberschenkelamputiert, macht aber alles andere, als deshalb den „Kopf in den Sand zu stecken“ oder sich zurück zu ziehen. Zurzeit wandert er mit seiner Prothese 2000 Kilometer durch Deutschland.

Am kommenden Mittwoch (18. Juli) macht der begeisterte Wanderer in Alsfeld Station und lädt um 17 Uhr Jedermann ein, sich seine Geschichte, seine Motivation und etwas über die Aktion „Bewegung hilft“ zu erfahren.

Heike Haß, Leiterin der Praxis für Physiotherapie Amandus im Kreiskrankenhaus Alsfeld, und Andreas Becker von der Orthopädietechnik Becker sind auf diese Aktion aufmerksam geworden und haben Roland Zahn nach Alsfeld eingeladen: „Es ist eine tolle Idee, so darauf aufmerksam zu machen, dass eine Amputation nicht gleich bedeutet, dass man keinen Sport mehr machen kann oder gar den Lebenswillen verliert“, erläutern Haß und Becker ihre Beweggründe, Roland Zahn einzuladen.

Die Veranstaltung findet in den Räumen der Krankenpflegeschule des Kreiskrankenhauses Alsfeld hinter dem Kreiskrankenhaus statt. Der Eintritt ist frei. Spenden für die Aktion „Bewegung hilft“ sind natürlich willkommen.

Tag 93, Samstag, 14.7.12, Rückfahrt ins neue Quartier – BMAB – Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation

Der Tag in Duderstadt hat auch mit Wandern zu tun, obwohl ich heute nicht wandern kann. Am 24. August 2010 begann meine Probewanderung bei ottobock und am Duderstadter Rathaus. Mitwanderer zum Westöstlichen Tor auf dem Grünen Band war auch Herr Bürgermeister Wolfgang Nolte. Von den fünf Kilometern war er angestrengt, aber auch begeistert. Am 17. April 2011 veranstaltete ottobock zusammen mit dem Bürgermeisteramt im Rahmen meiner 1000-km-Wanderung den Volkswandertag, der vom Gut Herbigshagen, dem Sitz der Heinz-Sielmann- Stiftung bis zum Grenzlandmuseum Teistungen über den Plattenweg führte.

Aus diesem Anlass bekam ich die Einladung zu der Abendveranstaltung im historischen Saal des Rathauses anlässlich der Eröffnung des Tages der Niedersachsen. Rüdiger Herzog, mein zweimaliger Mitwanderer, war dabei und begleitete mich ab 16 Uhr.

Im Zug rechne ich anhand meines Tourkalenders nach: Tag 93 – eigentlich müsste ich heute den Tag 96 haben. Drei Tage bin ich jetzt im Rückstand. Also habe ich statt 160 nur 157 Wandertage. 37,5 km müsste ich zur Zeit aufholen, um 2000 km trotzdem noch schaffen zu können.

Km heute: Soll 12,5 Ist 0

Km gesamt: Soll 1162,5 Ist 1164

So lebt Duderstadt am Tag der Niedersachsen 2012

Tag 92, Mittwoch, 11.7.12, Bauhaus bis Heringen/Werra – BMAB – Bundesverband für Menschen mit A rm- oder Beinamputation

Auf der Höhe über dem Ort Bauhaus steige ich aus dem Auto des Vermieters. Mein Gepäck fährt sein Sohn in Verbindung mit einer Erledigung. Etwa 16 km liegen heute vor mir. 8 Uhr, das dürfte reichen.

Ein regennasser Höhenweg, ein ausgedehnter Wald, bevor die Talregion erreicht ist. Von den Bäumen ringsum fallen einzelne schwere Tropfen, unaufhörlich. Wenn mich welche treffen, ist es mir egal. Nur der Nachtropfregen. Dann kommt ein minutenlanger Regenversuch, mehr nicht. Ich reagiere auch garnicht drauf.

In offeneren Waldstellen hängt Nebel in den Bäumen. Solche Bildmotive mag ich. Stets wenn ich hinkomme, ist es aber wieder entnebelt. Zum Trost entdecke ich Risse in der Wolkendecke. nach gut einer Stunde sind die Wolken jetzt fetzig mit weißen Rändern und dazwischen ist es schon blau.

Jetzt, an einer Kreuzung, macht das Garmin wieder die genialsten Vorschläge: Zück‘ die Machete und ab ins Unterholz. Die gerade Linie wäre gut, aber sie ist zugewachsen. Daher laufe ich Kurven. Aber auf festen Waldwegen. Währenddessen kommt die Sonne schon mal kräftig raus. Im Gegenlicht glitzert alles und die Stimmung steigt um weitere 100 Prozent.

Am Ende des Waldes sind sechs km gelaufen, da steht links ein Gehöft, und ich finde am Feldweg eine Stufe zum Hinsetzen im Gras. Kauend höre ich die Stimme einer Frau: „Ich wollte nur mal sehen, ob alles in Ordnung ist, kürzlich war hier jemand mit einer Verletzung…“ Aber sie sieht ja, wie zufrieden und gutgelaunt ich mein Ersatzteil ausstrecke. Aufmerksame Leute hier!

Nach den Unterschreiten der Autobahn komme ich durch Bosserode und dann kurz aufs Grüne Band Thüringen/Hessen. Danach – nur Straße bis Dankmarshausen, weniger angenehm. Widdershausen, direkt daneben, war durch die Grenze abgetrennt.

Dort sitzt in der Werrastraße ein Mann im leichten Regen vor der Haustüre. Ich selbst habe vorhin den Rucksack gesichert, aber nur mit dünnem Hemd genieße ich das Getröpfel. Ich frage den Mann, warum er im Regen sitzt. Er dagegen fragt, ob ich denn keinen Regenschirm habe. Ich erkundige mich nur noch, ob er mit Regenschirm duscht.

Zwischen Widdershausen und Heringen verläuft linksseitig neben der Werra der Werra-Radweg. Ein empfehlenswerter Weg, weil er als Schilfpfad ausgebaut ist. Auf den stabilen Brettern, hoch über dem feuchten Boden läuft es sich gut. Links und rechts dehnen sich weite Schilfflächen aus. Leider kann ich hier keine iPhone-Bilder machen, es ist inzwischen restlos entsaftet.

Eigentlich ist meine Wanderetappe am Quartier beendet. Um die Einladung des Duderstadter Bürgermeisters Wolfgang Nolte zum Niedersachsentag am Freitag wahrnehmen zu können, werde ich morgen hier eine Runde drehen. Der Samstag wird der Umzug zum neuen Quartier.

Km heute: Soll 12,5 Ist 17,5

Km gesamt: Soll 1150 Ist 1152

Zuerst Regenstimmung...

...dann wird es heller...

...und endlich die Sonne

Einbeinig durch die Republik – Zum zweiten Mal wandert Roland Zahn auf seiner Prothese durch ganz Deutschland – Heiligenstadt – meinanzeiger.de

http://www.meinanzeiger.de/heiligenstadt/leute/einbeinig-durch-die-republik-zum-zweiten-mal-wandert-roland-zahn-auf-seiner-prothese-durch-ganz-deutschland-d18706.html

Einbeinig durch die Republik – Zum zweiten Mal wandert Roland Zahn auf seiner Prothese durch ganz Deutschland

Gut gelaunt steigt Roland Zahn aus dem Zug, der ihn von einem Vortrag in Weimar zurück in sein Quartier nach Dingelstädt im Eichsfeld gebracht hat. Momentan befindet er sich auf seiner 18. von 32 Etappen, der ersten von insgesamt sechs, die ihn durch die Bundesländer Thüringen und Hessen führt. Entlang der Werra will er in den kommenden Tagen wandern und vielleicht auch dem Baumkronenpfad einen Besuch abstatten. Insgesamt 2000 Kilometer sind in diesem Jahr geplant, nachdem der Wanderfreund bereits im Jahr 2011 Eintausend Kilometer durch Deutschland zurücklegte. Gerade ist Halbzeit, der 1000. Kilometer ist absolviert und Roland Zahn nach einem knappen halben Jahr gut im Zeitplan. Die Idee zur Wanderung von Stuttgart nach Leipzig schlummert schon lange in ihm. Geboren 1936 in Leipzig verbrachte er bis zu seinem 18. Lebensjahr tolle Wandertage in und um die sächsische Stadt herum. Nach seinem Umzug nach Stuttgart wurde die Idee geboren, einmal zu Fuß in die alte Heimat zurückzukehren. Geld- und Zeitmangel machten die Unternehmung aber lange Zeit unmöglich. Dass er dies einmal auf einer Prothese tun würde, hätte er damals selbst nicht vermutet.

2006 trifft ihn das Schicksal hart, nach einer Venenentzündung, verbunden mit monatelangen Schmerzen und offenen Wunden muss ihm das rechte Bein amputiert werden hinzu kommt ein künstliches Koma. „Mein Leben stand auf der Kippe“, erinnert er sich an die Zeit im Krankenhaus zurück. Doch schon damals nimmt er sich vor, nicht in Depressionen zu verfallen, beschäftigt sich mit verschiedenen Dingen und versucht nach und nach wieder auf die Beine beziehungsweise die Prothese zu kommen. Anfangs noch mit einem mechanischen Kniegelenk beginnt er mit kleinen Spaziergängen. Zuerst sind es zwei bis drei Kilometer, bis zum Mai 2008 kann er seine Wanderungen auf 10 Kilometer steigern. Ende des Jahres sind es sogar 20. Heute, mit seinem neuen hochmodernen Kniegelenk, das einen Mikrochip enthält, erstrecken sich seine Wanderungen auf etwa 12 Kilometer. „Die Länge einer Tagestour hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dem Wetter, dem Zustand der Wege und meinem Befinden“, erklärt er. Über Mitwanderer jeglicher Art freut er sich und ab und an gibt es Anmeldungen. „Ein- oder Zweibeiner, alle sind mir willkommen“, schmunzelt Roland Zahn. Über die Homepage des Bundesverbandes für Menschen mit Arm- und Beinamputation erfahren Interessierte die Kontaktdaten zu Roland Zahn und können sich direkt anmelden. Am Abend vor der Wanderung erfahren sie dann vom Prothesenträger direkt wann und wo es am nächsten Morgen losgeht. Eine Etappe besteht immer aus fünf Wander- und zwei Ruhetagen. Zwischendurch ist Roland Zahn in Sanitätshäusern zu Vorträgen und Gesprächsrunden eingeladen. „Bewegung hilft“ ist sein Motto, dass er auch anderen Amputierten vermitteln möchte.
Für 2013 hat Roland Zahn erst einmal keine neue Wanderung geplant. „Die Vorbereitung für eine solche Tour würde wieder ein halbes Jahr in Anspruch nehmen“, gibt er zu bedenken. Dennoch will er nicht untätig sein, sondern hat bereits zwei Camps in Aussicht, in denen er anderen Betroffenen Mut machen will sich mehr zu bewegen. „Wir gehen gemeinsam auf Wanderungen und steigern täglich ihre Bewegungsfreiheit“, freut sich Roland Zahn, der mit einem ersten Camp bereits gute Erfahrungen gemacht hat. Auch sonst kommt seine Wanderung gut an. Im Norden Deutschlands konnte er die Gründung einer Selbsthilfegruppe anregen. Genau das ist sein Ziel. Er will die Menschen, denen er auf seiner Wanderung begegnet zum Nachdenken anregen, will sich und somit die Belange und Probleme von Menschen mit einer Amputation ins Gespräch bringen.

Informationen zur Wanderung und den einzelnen Etappen, sowie ein ausführliches Tourtagebuch gibt es unter:
www.ampuwiki.de

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Tag 91, Dienstag, 10.7.12, Grandenborn bis Nentershausen – BMAB – Bundesverband für Menschen mi t Arm- oder Beinamputation

Eine Pension der Sonderklasse. Iris sagt, reichhaltiges Frühstück, mitnehmen? – bitteschön! Ein Gästebuch für einen Eintrag. Die Gepäckfahrt beginnt wie vereinbart 7:30 Uhr, ich komme ein Stück mit.

Bis Ulfen ist es ein Weg über Höhen mit tollen Aussichten. Das finden auch die Schnaken, obwohl ihre Aussicht auf Beine, die in kurzen Hosen stecken, recht gering ist. Um so größer die Begeisterung bei mir.

Bei der Rast in Ulfen arbeite ich noch etwas an den Tourenberichten. Rüdiger Herzog kann mich leicht finden. Er ist bei Otto Bock für die Presse zuständig. Wir wollen mal wieder einen halben Tag zusammen wandern.

Hier beginnt ein Seitental, das wir aufwärts einschlagen. Wir unterhalten uns über den Unterschied der beiden langen Wanderungen der Aktion Bewegung hilft. 2011 war es Otto Bock, Exclusivsponsor aus Duderstadt für 104 Tage, Hersteller meines genialen Kniegelenks C-Leg. 2012 ist die Tour ein Projekt des Bundesverbandes für Menschen mit Arm- oder Beinamputationen, Sitz in München, wobei insgesamt 222 Tage und 2000 Kolometer durchgestanden sein wollen.

Doch bald stößt unser Weg auf die Fahrstraße nach Nentershausen, ein langes Stück Asphalt. Der beabsichtigte Seitenweg ist nicht auffindbar. Warum wohl? Na klar, zugewachsen. Das tun Wege, die man nicht beläuft. Wer wandert denn hier schon!

Abhilfe bietet halbrechts ein Weg mit deutlichen Fahrspuren. Sehr schön. Eine Kreuzung entsteht, als vom rechtsseitigen Tal ein Weg heraufstößt. Auf seiner Fortsetzung sollten wir laufen. Zugewachsen! Ein zusätzlicher Wegbogen ist aber vorhanden. Weiter gehen wir diesen bequemen Weg. Vorn taucht ein Platz auf, geeignet zum Rangieren für Holztransporter oder zum Holzlagern. Unser Weg weiter geradeaus? Dicht zugewachsen!

Müssen wir nun zurück? Das lässt sich leichter beantworten, wenn man was gegessen hat. Wir haben hier ja eine schöne Böschung und zwei Sitzunterlagen.

Rüdiger schaut sich den Unweg nochmal genauer an. Gnadenlos renaturiert. Wir beachten jetzt den Weg, der oberhalb zurückgeht. Der könnte ebenfalls zu sein. Die Spuren führen aber wohin. Wir gehen gutgelaunt das Risiko ein. Einige Kurven. Einige schöne Motive für die Cameras. Und da ist sie auch, die Straße, unsere Erlösung aus dem labyrinthischen Waldparadies. Rüdiger strebt nun wieder seinem Auto zu, ich meinem Ziel, noch ein gutes Stück entfernt.

Am Waldende genieße ich den Schönwetter-Ausblick auf mein Ziel, wie es sich zwischen den Bergen um Sontra eingebettet hat. Mein Bett ist da unten auch dabei. Beim Abstieg entwickelt sich in kurzer Zeit eine drohende Wolkenwand auf mich zu, die Sonne wird schon vom weißen Rand erfasst. Die Berghänge gegenüber sind noch in der Sonne und leuchten gegenüber den entfernteren dunklen Höhen im Abendlicht. Die Wolke driftet ab, ich jedoch finde mein Ziel.

Km heute: Soll 12,5 Ist 16

Km gesamt: Soll 1137,5 Ist 1134,5

Motive aus dem Waldlabyrinth

Motive aus dem Waldlabyrinth

Motive aus dem Waldlabyrinth

Tag 90, Montag, 9.7.12, Schnellmannshausen, Parkplatz am Heldrastein, bis Röhrda – BMAB – Bunde sverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation

Alfons winkt nochmal und fährt gen Heimat durch das Frankenland. Seit meinem Aufenthalt in Wernigerode konnten wir gelegentlich gemeinsam wandern.

Durch seine Hilfsbereitschaft konnten der Bundesverband und das Sonderkonto Aktion Bewegung hilft einiges einsparen. Alle Gepäcktransporte, die Fahrten nicht nur von und zu der Route, die Wäsche in Braunlage, manch kleinen Einkauf für unterwegs; jetzt ist auch schon vorgesorgt für meine heutige erste Rast. Mit allem will er Unterstützung geben und das ist es auch. Viele technische Fragen sind für ihn ein Klacks.

Ein schmaler Pfad verschwindet zwischen niedrigen Zweigen. Ich ebenfalls und finde einen Weg vor mit vielen Stufen. Oft sind sie einwandfrei stabil. Manche haben das Stützbrett verloren oder bieten abfallend kaum eine Trittfläche. Ein Geländer ist nicht immer vorhanden, doch bei den besonders schwierigen Stellen, wenn ich mich hochziehen muss.

Im dämmrigen Wald ist der gewundene Anstieg ganz angenehm, denn es ist nicht schwül trotz der Wärme. Vor mir taucht hinter den Bäumen eine senkrechte Felswand auf. Schräg unter ihr steigt es an. Dann stehe ich wie auf einem Grat und sehe einen tiefen Riss, wo sich der Berg abspaltet. Noch eine hohe Treppe, und der Querweg ist erreicht. Auf ihm steige ich weiter.

Ein schlanker Aussichtsturm, daneben ein Weg zum Geländer vor dem senkrechten Abbruch. Sitzmöglichkeiten in großer Auswahl.

Der Blick zum Hohen Meisner, zum Eichsfeld und ins Werratal von Lindewerra bis Treffurt ist vom guten Wetter nochmal verbessert. Ich setze mich zum Essen gleich auf den Tisch. Hmmm, Mohnkuchen mit Würstchen und Aussicht, phantastisch!

Jetzt sind es breite Schotterwege, die allmählich wieder runter führen. Das Grüne Band verpasse ich, weil an dieser Stelle meine rechte Schuhspitze zu lange mit einem Schotterstein knutscht. Ich bin mal wieder überrascht, dass der Fuß nicht dort ist wo er sein soll. Zu späte Reaktion mit den Gehhilfen, das C-Leg bekommt zu wenig Gewicht. Aber es reicht, um ganz langsam und etwas kontrolliert, also genüsslich, unten anzukommen. Eine leichte Schramme am rechten Ellenbogen, etwas hastig bin ich heute vormittag durch den Zeitverlust. Erst die Stunde Massage in Treffurt, dann die unzähligen Stufen..

Das Grüne Band ist nach einem Umweg erreicht. Den Plattenweg bin ich gewöhnt. Doch nicht lange, da geht mein Weg nach rechts ab. Hinunter nach Rittmannshausen. Weit hinten sind schon mit einem Blick die Kirchtürme von Netra und Röhrda zu sehen.

Ich denke, ich muss abzweigen zu einem Parallelweg der B 7. Im Ort beginnt aber eine Umleitung. So komme ich zeitsparend mitten auf der asphaltbefreiten Bundesstraße nach Netra.

Am Ortsanfang finde ich eine Bank. Gegenüber in einer Einfahrt unterhalten sich Leute, kucken herüber, was der wohl auf dem Brot hat. Wenn die wüssten! Beim Weitergehen grüßen sie freundlich. Viele Fachwerhäuser, am Ortsausgang ein Schloß. Irgendwie schief, der Putz ist alt. Müsste man mal aufpolieren.

Die Wolkenwand kurz vor dem Ziel wächst auf mich zu. Den Regen sehe ich schon vor dem Wald. Das Angebot des ersten Autos schlage ich noch ab, habe doch die Regensachen. Die zwei Männer des zweiten Autos sprühen ihren Handwerkercharme über mich, bevor die extremen Schauer mich überschütten. Also gut, ich steige ein. Bei der Pension Iris komme ich trocken an. Den morgigen Gepäcktransport vereinbaren wir gleich noch, gratis! Den gefahrenen Kilometer hole ich später zu Fuß nach, ohne vom nächsten Regen erreicht zu werden.

Km heute: Soll 12,5 Ist 14

Km gesamt: Soll 1125 Ist 1118,5

Alfons fährt heim

Anstieg zum Heldrastein

Steile Treppe

Blick über das Werratal bei Großburschla

Blumen auf den Grünen Band

Tag 89, Sonntag, 8.7.12, Katharinenberg bis Falken – BMAB – Bundesverband für Menschen mit A rm- oder Beinamputation

Und wieder ist es für Alfons wie selbstverständlich und als wäre es normal, dass er bereits zur Frühstückszeit zur Abholung bereit ist. Ich habe bereits 6:30 Uhr damit begonnen. Kurz nach Acht können wir in Katharinenberg loslaufen.

Kirschen reizen uns immer. Meist waren vor uns schon irgendwelche giraffenähnliche Wesen, die die roten Früchte so hoch abgeäst haben, dass Nachkommende chancenlos sind. Hier auf dem Weg nach Diedorf hatten wir tatsächlich einmal Glück.

Im letzte Jahr wanderte ich auf dem Bahndamm in Richtung Mühlhausen und zweigte nach Heyerode ab. Heute erreichen wir ihn am Rande von Diedorf über eine selbstgebastelte Treppe. Viel mehr zugewachsen inzwischen. Und stark belebt.

In Schwärmen greifen sie an. Vorzugsweise mein linkes Bein. Strümpfe stören sie nicht. Eine geistig verwirrte Schnake sticht durch die rechte Socke. Ihr Stachel prallt an der Prothese ab. Ich erwische nicht alle dieser Fluggeister, aber manche segelt zappelnd auf den Weg. Bei der Rasthütte setzen wir uns, ich will sie besser treffen können. Jetzt kommt aber keine mehr. Alfons meint, sie seien vielleicht temperaturempfindlich. Eine Wolkendecke zieht auf, gleich ist es kühler.

Legen sich jetzt schon wieder welche auf die Lauer? Nein, keine kommt mehr. Dafür gibt es hier mannshohe Kräuter. Danach echten Bahndammschotter. Und viele dem kargen Boden angepasste Pflanzen.

In Wendehausen setzt der erwartete Regen ein. An der ehemaligen Bahnstation Normannstein stehen Tafeln zur Geschichte dieser Bahnlinie. Der Anstieg zur Burg Normannstein beginnt genau dort. Der Weg ist nun rutschig, steil sowieso. Sehr konzentriertes Steigen ist erforderlich. Unter der Regenjacke staut sich unangenehme Wärme. Wenn ich den Wegboden beobachte, ist es sehr unterhaltsam. Denn er ist felsig, hat abgebrochene Stufen und große Steine. Man stelle sich vor, man befände sich in einem Geländefahrzeug – in Spielzeuggröße. Was für gewaltige Bergwelten müsste man dann überwinden!

Wir wollen eigentlich zum Hotel Waldblick. Alfons war 2010 zwei Wochen nach mir dort, als ich meine Probewanderung dort abgeschlossen hatte. Dadurch kam dann sein Mitwandern 2011 zustande.

Doch es ist Urlaubszeit für das Haus. Da wir gerade auf der Aussichtsplattform der Raubritterburg Normannstein stehen, werde ich zum Essen eingeladen. Eine gemütliche Stunde einer ungewöhnlichen Wanderrast zum Ende der gemeinsamen Wandertage 2012.

Alfons steigt wieder zu seinem Auto zurück. Ich steige ab nach Treffurt. Die holprige Bergstraße hinunter, die Egon-Bahr-Straße hinaus. Den Werraradweg hinauf. Im Quartierhof trocknet meine Wäsche für die morgige Abreise.

Km heute: Soll 12,5 Ist 14

Km gesamt: Soll 1112,5 Ist 1104,5

Wolken verfolgen mich, doch ich bin schon am Quartier

Mannshohe Kräuter

Anstieg zum Normannstein

Das Tor zur Bergstraße in Treffurt

Wolken verfolgen mich, doch ich bin schon am Quartier

Tag 88, Samstag, 7.7.12, Großbartloff bis Katharinenberg – BMAB – Bundesverband für Mensch en mit Arm- oder Beinamputation

Ich bin noch am Marmeladenbrötchen. Wir planen die heutige Route. Den Kaffee habe ich vergessen über den Teebeutel zu gießen. Ich soll in Ruhe essen, meint Alfons, alldieweil er das Gepäck runtertragen will.

Wieder in Großbartloff. Alfons fährt weiter, sucht sich einen neuen Stellplatz für den Wohnwagen. Ich habe die Berge rings um mich, und das Tal ist von der Straße belegt.

An der ersten wichtigen Gabelung sehe ich zwei Wegtypen. Links geteert ein bezeichneter „Wanderweg“. Geradeaus ein steiniger Naturweg, steil, außerdem in Richtung nach Effelder, das passt und ist mir auch sympatischer als Weg.

Langsam und gleichmäßig steigen. Gleicher Schrittrhythmus. Große Schritte. Ich meine, dass ich auf diese Weise am besten hochkomme und am leichtesten durchhalte. Nicht zu oft stehenbleiben hilft dabei auch.

Natürlich zieht sich der Weg lange hinauf. An Wiesen vorbei. Unter dem Bahndamm durch. Neben den Lichtungen weiter. Gekrümmt nach links, als der erwartete Abkürzungsweg zugewachsen ist. Neben den ausgewaschenen Steinschichtungen im wasserlosen Bachbett, die sich eine auf die andere gelegt haben, unter den dicht überhängenden Waldbäumen durch, bis sich weiter oben die Öffnung zu den Wiesenflächen zeigt. Und auch dann nochmal etwas steiler neben den Gärten von Effelder, während eine Sirene warnt. Dann zeigen sich die ersten Dächer. Bis zur Abzweigung noch und dann endlich mal wieder eben.

Ein feuerroter Trabbi mit Blaublinker auf dem Dach düst quer vor mir nach rechts zum Ortsrand. Feuerwehrsirenen spielen Unterhaltungsmusik. Überall blinkt es blau. Dorfeingeborene bekucken die Show. Eine schwarze Rauchfahne weht zerfetzt nach Ost. Feuerwehrmänner stehen aufpassend an der Kreuzung, auf den Wiesen vor dem Fabrikgelände. Irgendwelchen Ballen scheint es vorhin zu heiß geworden zu sein. Hoch spritzen die Wasserstrahlen und zerstäuben dann auf den Hallen, denen es nicht ebenso gehen soll. Schade, dass diese Erfrischung, ideal nach einen Abstieg, zu weit weg geschieht

Es wird Zeit für eine Bank. Da steht sie schon, samt Tisch, unter einem großen Baum, in einer Weggabelung. Den linken Weg muss ich nehmen. Das kann man genießen, wenn’s seit längerem wieder eben geht. Nicht, dass man sich die Steigbewegung so sehr verinnerlicht, dass man auch in der Ebene die Beine anhebt. Nun wieder runter, wie erwartet. Ins Tal der Frieda. Der begleitende Bach hat auf dieser Bergseite viel Wasser. Unten hat er viele große Brocken und Knüppel auf dem Weg liegen lassen, nachdem er sich zu breit gemacht hatte.

Mit Alfons tausche ich die Positionsdaten, denn er will mir entgegenwandern. Wie schnell sich das Wetter ändert. Beim Beginn des Abstieges verzog sich die Wolkenschicht. Jetzt ist bestes Wetter mit Wolkentürmen. Nach Lengenfeld Unterm Stein sind inzwischen dunkel drohende Riesen im Anflug. Wo könnte ich mich wohl trockenhalten bei einem Sturzregen?

Dort, wo ich die Landstraße verlasse, steht abseits ein dicker Stamm mit Pflaumenbaumkrone obendrauf. Auch Hagel würde er abhalten können. Dort stehe ich, die Wolken beobachtend, und gebe an Alfons diese neue Position ein, da raschelt es, und Alfons steht schon hinter mir und grinst.

Zuerstmal setzen wir uns an den Feldrand und essen. Die paar Tropfen ignorieren wir nicht, sondern beschließen, sie zu genießen, tun sie doch gut in ihrem vergeblichen Bemühen! Danach steigen wir durch die Weideflächen des Talhanges aufwärts nach Faulungen. In den Sonnenphasen schwitze ich heute schnell. Öfter als sonst muss ich die isotonischen Mineralien nachtrinken.

Wenn wir noch nach Katharinenberg wollen, geht es jetzt noch mal den Hang drüben richtig deftig steil hinauf. Aber trotz der Wärme merke ich heute deutlich, es gibt inzwischen kein inneres Widerstreben mehr, wenn ich hoch muss.

In Katharinenberg fährt Alfons kurz vor der Kirchenruine vorbei und stoppt dort. Er hat das Auto von Faulungen nachgeholt. Etwas spät, aber sehr zufrieden kommen wir an meinen neuen Quartier in Falken an.

Km heute: Soll 12,5 Ist 14,5

Km gesamt: Soll 1100 Ist 1090,5

Anstieg nach Effelder

Auf den Felder findet der Farbwechsel statt

Der Draisinenviadukt über Lengenfeld Unterm Stein

Unser Wanderweg nach Faulenbach

Ruhetag in Erfurt, Freitag, 6.7.12, Kurzwanderung in Dingelstädt und zum bzw. vom Bahnhof Silberhausen

Der 6. Jahrestag der Amputation. Ein Vortrag in Erfurt ist eingeplant.

Km heute: Soll 0 Ist 6,5

Km gesamt: Soll 1087,5 Ist 1076

"Gestern und Heute", am Goethe-Schiller-Denkmal

Jüttner Orthopädie KG – Schulungen

http://www.juettner24.de/Schulungen.362.456.html

Bewegung hilft – 2.000 Kilometer in 160 Tagen

Mitunter ist mehr möglich, als man zunächst glaubt.

Ganz herzlich möchten wir Sie zu einer Veranstaltung in unsere Mühlhäuser Hauptgeschäftsstelle, Im Flarchen 5 a, einladen, die hierfür ein gutes Beispiel gibt.
Am Dienstag, 03.07.2012 haben wir Herrn Roland Zahn von 15:00 bis 16:00 Uhr zu Gast.
Roland Zahn ist 75 Jahre alt, seit 2006 oberschenkelamputiert und nahm bereits an, seinem Hobby Wandern nie wieder nachgehen zu können.Doch weit gefehlt: In diesem Jahr legt er mit Prothese quer durch Deutschland an die 2.000 Kilometer zurück, nachdem er im Vorjahr bereits 1.000 Kilometer gewandert ist.

Einzelheiten dazu wird er Ihnen in seinem Vortrag gern genauer schildern. Nur eines vorab: Mobilität zurückzugewinnen war für Roland Zahn auch eine Frage der Information. Er möchte deshalb durch seine Wanderung dazu anregen, dass regionale Selbsthilfegruppen gegründet werden, in denen Erfahrungen direkt von Amputierten an Amputierte weitergegeben werden.

Ein sympathischer Erzähler mit der persönlichen Lebensphilosophie: „Jede Anstrengung ist eine Chance.“


Termin:

Dienstag, 03.07.2012, 15:00 – 16:00 Uhr

Veranstaltungsort:
Seminar- und Kongressraum
Jüttner Orthopädie KG
Im Flarchen 5 a
99974 Mühlhausen

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos.

Für Ihre Fragen steht Ihnen Frau Nina Scheffel gern unter der Telefonnummer (0 36 01) 46 18-76 oder eMail n.scheffel zur Verfügung.

Eine Anmeldung ist bis 29.06.2012 möglich.

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Tag 87, Mittwoch, 4.7.12, Dingelstädt bis Großbartloff – BMAB – Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation

Heute vor 6 Jahren kam das Rot-Kreuz-Auto für eine Gratisfahrt von der Filderklinik in Filderstadt nach der BG Unfallklinik in Tübingen. Nach wochenlanger Warteschleife war endlich ein Bett für mich frei. Zwei Tage später kam aufgrund einer Sepsis die Amputation.

Ein kleines Frühstücksbuffet, Wurst, Käse, Marmeladen, Müsli, Teewasser, Kaffeekanne, Säfte, Teebeutel. Ingwer mit Lemon, ein guter Tee, den wähle ich aus. Der Griff zur Kanne, hmm, schönes warmes Wasser – doch es ist – braun! Hat sich doch der Griff der Kaffeekanne handgerecht positioniert! Probe! Schmeckt trotzdem nach Kaffee. Nun das echte Teewasser drüber. Eine eeedle Geschmackscreation, wirklich! Muss ich mal wiederholen. So entstehen Innovationen!

Bis Kefferhausen laufe ich an der Unstrut entlang, bis in die Nähe der Quelle. Dann, auf der Landstraße nach Küllstedt, hält ein Auto an. „Wollen Sie mit nach Eisenach mitkommen?“ Das reizt einen natürlich. Als ich sage, dassich gern wandern möchte, findet das Verständnis und sie fahren winkend weiter.

Nach bald sieben km suche ich einen Sitzplatz. Ein Betonkreis von einem Meter Durchmesser und zehn Zentimeter Dicke ragt aus der Wiese neben Küllstedt. Abgepolstert mit der Sitzunterlage eignet er sich durchaus zum Rasten. Hinter mir wächst gesundes Gras empor, aber tief drinnen spiegelt sich der Himmel. Bevor ich darüber grübeln kann, klingelt das Handy für einen wichtigen Anruf aus Dresden.

Die Sonne brennt auf die Straße. Jetzt stehen rechts noch paar hohe Linden. Da vorne biegt meine asphaltierte Zielrichtung halblinks ab, ohne jeden Baum. Eine Ponykutsche klappert von hinten herab. Ein älterer Mann mit Hut, Weste und mit Peitsche statt Gehhilfen fährt vorbei. Zuerst denke ich, der hält jetzt an. Nein. Dabei wäre noch Platz gewesen auf der Rückbank für eine schlanke Prothese und einen schwitzenden Wanderer daran.

Doch gleich danach geht da rechts eine schattige Allee nicht nur ab, sondern auch abwärts. Ich verschiebe einfach das Ziel: aus Struth wird Großbartloff.

Aus einer Art Hochtal schneidet sich eine tiefe Klinge in den Westerwald. Das muss schon ein Zufluss zur Werra sein. Steil und steinig sinkt der Weg immer tiefer, unerwartet. Der Rand des Eichsfeldes ist erreicht. Bei einer Straße finde ich eine Wiese und maile während meiner zweiten Rast Alfons Bescheid, dass ich die Kirche als Treffpunkt vorschlage.

Das sind noch drei oder mehr Km. Zuletzt die Hauptstraße. An die schattige Hauswand gelehnt sitzt dort ein alter Mann, ich würde sagen, ziemlich alt. „Seid Ihr ein Eichsfelder?“, ruft er mich relativ altertümlich an. Ich sage, ich komme aus Stuttgart. Er reicht mir sein Hörgerät, frisch aus dem Ohr entnommen: Ich nehme es nicht, sage auch nicht Danke. „Ich höre schlecht, bin Jahrgang ’16, wo kommt Ihr her?“ Alle Achtung, 96! „Aus Dingelstädt.“ „Mein Gott, aus Dingelstädt, so weit?“ „Nein, eigentlich aus Berlin…“ Er kuckt verwirrt und fassungslos zu mir hoch, dann runter. „Herrje eine Prothese – und aus Dingelstädt! Seid Ihr ein Eichsfelder?“ Ich verziehe mich mit Guten- Abend-Wünschen, denn Alfons wartet ja schon für die Rückfahrt.

Km heute: Soll 12,5 Ist 15

Km gesamt: Soll 1087,5 Ist 1069,5

Ein gemütlicher Sitzplatz

Der Alleeweg ändert meinen Plan

Mittelgebirgscharakter in den Randtälern des Eichsfeldes

In Großbartloff

Tag 86, Dienstag, 3.7.12, Gernrode bis Reifenstein – BMAB – Bundesverband für Menschen mit A rm- oder Beinamputation

Unsere freundlichen Gastgeber bitten uns noch um ein paar abschließende Bilder. Vor einer wertvollen, glänzenden Rüstung eines Tempelritters macht das richtig Laune. Für das Sponsern der angefallenen Kosten möchte ich mich herzlich bedanken.

Wir fahren zu einer schmalen Straße, die nach Hausen weitergeht. Alfons hat erstmal sein Programm, ich ziehe los. Gegen Mittag treffen wur dann wieder zusammen.

Weite Blicke über das Eichsfeld bietet mir dieser ruhige Weg. Nach der Rast in Hausen wird die Bergkette des Dün in breiter Front sichtbar. Am Hang des Dün sehe ich ein Dorf, abseits davon ein einsames Gehöft. Dann ein Einschnitt in der Bergkette, fast der einzige.

Was ist das – Wandern mit Prothese? viele Schritte zum Wertvollsten, der Gesundheit. Heute zwar bedeckter Himmel. Aber warm. Ruhe. Einsamkeit. Ein Tag der gedeckten Farben. Die Bergmauer kommt immer näher, 170 Grad von links nach rechts. Davor wird der Einschnitt jetzt ein Tal. Ein großes gelbes Feld. Linien von Bäumen. Die Felder bunt betupft, weiß, mohnrot, kornblumenblau. Es ist eine Stimmung über dem Land, die sehr beruhigend ist. Nur die Lerchen verzwirschern sich mit ihrem endlosen Sound. Diese leicht diesige Stimmung ist einerseits so wohltuend entspannend, die völlig entstresste gleichmäßige Wanderbewegung bringt mir so reichlich Sauerstoff ins Blut, dass es insgesamt richtig wohltut. Es tut gut, den sicheren Widerstand der Prothese zu spüren. Außerdem gibt es ständig neue Eindrücke, mit jeder Wegbiegung, auf jeder Anhöhe. Wie in einem Bilderbuch blättert sich die Landschaft ständig weiter auf.

Der Berghang ist erreicht. Auch die Straße nach einer kurzen zweiten Rast. Alfons ist über meine Position informiert. Zusammen fahren wir nach Mühlhausen zu meinem nächsten Vortrag.

Km heute: Soll 12,5 Ist 7

Km gesamt: Soll 1075 Ist 1054,5

Verabschiedung vom Tempelritter im Haus An der Uferpromenade

Unterwegs zum Dün

BAD OEYNHAUSEN: Von der Isar an die Spree – mit Prothese | Neue Westfälische: Zeitung, Tageszeitung f ür Bad Oeynhausen – Neue Westfälische – Bad Oeynhausen

http://www.nw-news.de/lokale_news/bad_oeynhausen/bad_oeynhausen/6849221_Von_der_Isar_an_die_Spree_-_mit_Prothese.html

BAD OEYNHAUSEN: Von der Isar an die Spree – mit Prothese | Neue Westfälische: Zeitung, Tageszeitung für Bad Oeynhausen – Neue Westfälische – Bad Oeynhausen

Bad Oeynhausen (liz). Eingeladen zum Tag der offenen Tür in der Technischen Orthopädie der Auguste-Viktoria-Klinik hatte e die Selbsthilfegruppe für Amputierte OWL. „Wir wollen die Möglichkeit geben, sich umfassend über Prothesen zu informieren“, sagt der 1. Vorsitzende Rolf Brakemeier. Denn: „Viele Sanitätshäuser arbeiten nur mit einem bestimmten Hersteller zusammen. Hier dagegen können die Produkte mehrerer Hersteller getestet werden.“

http://www.nw-news.de/_em_daten/_nw/2012/07/01/120701_2144_boe4.jpg
Nicht nur aus der Region waren Interessierte angereist. Die Organisatoren freuten sich über die gute Resonanz. „Gut, dass es endlich mal so ein Event gibt“, lobt Sabine Kocksch.

Mehrere Vorträge rund um das Thema Prothesen standen auf dem Programm. Michaela Bienert erzählte von ihrer spannenden Wanderung mit Beinprothese über den Dachstein und weiteren sportlichen Aktivitäten. Roland Zahn wandert derzeit unter dem Motto „Aktion Bewegung hilft 2012 – Von der Isar bis zur Spree“ 2000 km durch Deutschland. „Täglich wandere ich ca. 13 km, das ist gut zu schaffen. 1.000 km habe ich inzwischen geschafft. Meist bin ich in der Natur unterwegs, auf ganz unterschiedlichen Böden“, erklärt er.

In Bad Oeynhausen machte er Halt, um von seinen Begegnungen unterwegs, auftauchenden Problemen und ihren Lösungen zu berichten. Am 12. Oktober wird der 75-jährige Beinprothesenträger in München erwartet.

Die Räumlichkeiten hatte die Auguste-Viktoria-Klinik zur Verfügung gestellt. „Wir finden die Idee sehr gut und möchten die Selbsthilfegruppe unterstützen“, sagte Elmar Bitter, Betriebsleiter der Technischen Orthopädie. Kostenlose Messungen von Venen, Körperstatik und Fußdruck sowie eine Ganganalyse rundeten das Programm ab. „Bei der Körperstatikanalyse wird vermessen, ob der Körper im Lot ist oder beispielsweise die Beinlängen unterschiedlich sind“, erklärte Elmar Bitter. Auch in der kommenden Woche können sich alle Interessierten noch kostenlos vermessen lassen.

Tag 84, Sonntag, 1.7.12, Gerode bis Haynrode – BMAB – Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation

Bei Rosi und Rudi in der Küche macht das Frühstücken doppelt Spaß. Ich soll auch gleich noch zwei Schnitten mitnehmen. Benjamin, der schwarze Höllenhund, beruhigt sich, sobald ich sitze und bändelt unterm Tisch mit meiner Prothese an.

Diese bleibt jedoch gleichgültig, denn sie ist ungeduldig und aufgeladen, wann geht es hier endlich los! Mit mir hat sie genug zu tun. Alfons wartet auch schon, und bald sind wir am alten Klostergebäude in Gerode.

Nicht lange, und die nächste Unsicherheit Garmins tritt auf. Von drei Wegen hat er den breitesten nicht auf Lager. Dafür behauptet er einen anderen, den es nicht gibt. Unser Positionspfeil zeigt auf den mittleren, den gibt es. Wie lange? Alfons spielt Kundschafter und steigt den Waldweg voran. Wir treffen nach einem Querweg auf den schönsten Teil. Tiefe Matschspuren. Hier kann das Wasser halt nicht abfließen. Unter überhängenden Zweigen, die Schuhe weit links auf den festesten Stellen, den Oberkörper durch die Gehhilfen abgestützt, anders ist es nur als Schlammbad möglich.

Am Ende des Waldes sinken die Felder in eine breite Talmulde. Eine Schutzhütte sehen, und wir sind schon überredet. Da drüben liegt Bischofferode. Inzwischen scheint auch die Sonne. Auf der anderen Seite ein riesiger roter Berg aus Erde, aber da kommen wir nicht hin.

Immer nach Süden. Vor der zweiten Rast kehrt Alfons um, das Auto zu holen. Ich habe dann noch ein schwieriges Wegstück. Viele Grashalme wollen mit vereinten Kräften die Prothese festhalten. Dann ein Graben mit einem Holz drin fùr die Füße. Nochmal Grasweg, schlimm schief, steiler Matsch durch eine Waldzunge. Schließlich hat es mein Schaft satt, ist völlig verdreht und findet das unpassend, was ich deutlich spüre.

Am Zaun einer Koppel einbeinig lehnend besuchen mich zwei Pferde und schauen, ob ich die Prothese wieder richtig anziehe. Zum Rucksacktragen lassen sie sich nicht überreden.

Am Südende von Haynrode vereinbare ich mit Alfons noch eine Runde am Dorf, während er weiter warten will. Zum Schluß komme ich noch in einen Regenschauer, zu kurz, um die Schuhe zu reinigen.

Es ist toll, was man mit zwei iPhons anstellen kann. Du bist alleine, willst dich mit jemandem treffen oder hast einen Notfall. Du tippst auf deinen Positionspunkt. Per Mail versendet schickst du deinen Standort weg. Pech nur, wenn wie heute das Funknetz 30 Minuten lang verklemmt ist.

Km heute: Soll 12,5 Ist 14

Km gesamt: Soll 1050 Ist 1034

Blick nach Bischofferode