Monatsarchiv: Mai 2013

Der unterhaltsame Schwäbische Wald

Wanderung am 18. Mai 2013 von Oppenweiler bis Sulzbach/Murr

Ein schöner Tag, du kannst natürlich nie wissen, was er hinterrücks noch für dich bereithält…

Ausdauer-Vorbereitung

„Du nimmst das eine halbe Stunde vorher“. Thomas, Chef im Fitness-Studio, in das ich immer nicht gehe, gibt mir gestern abend einen Tipp zur Ausdauer. „Nimm deine übliche B-Vitamin-Ration, ich geb‘ dir noch drei Kapseln mit“. Oh je, die sehen gefährlich rot aus. Doch es ist eine liebliche Aminosäure, gemeinsam mit zusätzlichem prickelnden Niacin drin, meinem Lieblings-B-Vitamin. „Du wirst morgen sehr gut laufen können!“

Also gut. Bei Schwaikheim, in der S-Bahn, nehme ich meinen Energiedrink und schlucke mutig mal zwei der Kapseln. Im Park von Oppenweiler spüle ich die dritte mit weiterem Drink zeitversetzt hinterher.

Auf festen Wegen

Ein kurzes Seitental der Murr, schnell steigt es an. Von rechts schaut unermüdlich die Burg Reichenberg ins Vorland des Schwäbischen Waldes. Die erste Abzweigung, rüber nach Rohrbach gehts jetzt. Das T-Shirt reicht schon aus. Aber nun dringt die Hitze zusätzlich von innen durch, mit dem begeisternden Kribbeln. Es entsteht wieder das hilfreiche Gefühl, dass der Weg wie ein Rollsteg unter mir hindurchwandert, ich brauche nur die Prothese nach vorn zu schwingen. Aber das kenne ich ja auch schon alles ohne die Kapseln.

Ein paar Häuser. Rohrbach. Danach, am Waldrand, zehn braune Kästen, schwirrende Bienen vorn auf der Sonnenseite. Aber diesmal kriegen die mich nicht! Hemd drüber, Kragen hoch, vorbeigeschlichen! Hemd wieder unter die Rucksackklappe. Das Abenteuer des Tages hat nicht stattgefunden. Denke ich!

Eins mit der Natur

Ein Querweg im Wald. Völlig falsch, beide Richtungen führen in die Täler zurück. Geradeaus geht der Wanderweg mit tiefen schlammigen Spuren weiter steil hinauf. Auf einer Art Berggrat; die Täler im Schwäbischen Wald haben bei mir schon den Ruf, mich schlingern zu lassen oder in Bäche befördern zu wollen. Ein Berggrat, da bin ich jetzt mal richtig beruhigt!

Der Untergrund wird fester. Doch dann eignet er sich besser für Schwarzwild. Plötzlich rollt der Weg unter meinem Tritt nach oben vorn, das heißt, der linke Schuh gleitet einen halben Meter zurück, und bevor die Prothese das nachmachen kann, drückt sich meine linke Schulter schon tief in den weichen wässrigen Schlamm; ohje, der Rucksack wird ja schmutzig!

Mehreres denkt man da gleichzeitig. Wie angenehm kühl die Rückseite! Wie gemütlich, allerdings nicht in dieser Lage! Was ist kaputt im Rucksack? Wie dünn doch der Hosenstoff ist.

Schnell noch ein Foto. Die Beine sind höher als der Kopf. So steht man nicht auf. Wie dreht man sich im Schlamm um?

Eigentlich möchte ich jetzt „Pfui“ rufen, doch das Hochkommen ist wichtiger. Zuerst die Arme aus den Rucksackträgern. Aufsteh-Versuch mithilfe der Stöcke. Halb oben, da entsteht ein Wadenkrampf, da gibt es wieder kein Halten, da schlingert es mich hinterrücks nochmal genussverlängernd weiter nach unten. Ohne Rucksack schon viel bequemer! Das Unterhaltungsprogramm wird fortgesetzt.

Hautnah kann ich es jetzt nachempfinden, das Gefühl des Wohlbehagens der Wildschweinchen in der daunenweichen Suhle, vergleichbar mit unserem Gefühl in besonnten Liegestühlen. Aber hier kommt ja keins der lieben Tierchen, um mit mit noch etwas zu gründeln. Immer noch zu kultiviert, dieser Weg?

Nicht genug das! Auch die Prothese hat sich gedreht und gelockert und sitzt zehn Zentimeter tiefer am Beinstumpf. Irgendwie muss ich sie erstmal so halten. Das Kniegelenk ist schlammverschmiert, hoffentlich streikt durch die Feuchtigkeit die Elektronik nicht. Dann müsste ich steifbeinig wandern.

Nochmal neu überlegen. Also: Der Prothesenfuß braucht Widerstand; wenn die Füße weiter höher liegen, habe ich ihn nicht. Da entdecke ich neben mir einen Baumstumpf, dem ich durch die drei Meter Schlammrutscherei näher gekommen bin. Drehen auf dem Hosenboden. Meine Hände sinken tief hinein, sie fühlen sich an wie die einer Kuchenbäckerin im Teig. Rückwärts sitzend drücke ich mich genüsslich hoch auf den freundlichen festen Sitzplatz.

Langsam bekommt meine Haut helleres Krustendesign. Ich beginne mich zu entbröckeln. Vier Meter weiter oben steht ein geradegewachsener Baum. Davor feuchtes Moos und feuchter Buchenlaubboden. Also die erste Reinigungsstufe. Wieder sitzend, den Schaft dabei festhaltend, gerate ich am Baumstamm auf einen erhöhten Wurzel-Moossockel. Hier kann ich aufstehen, die Prothese neu anziehen und die Lage mal überblicken.

Der Rucksack: Er liegt noch wie ein Maikäfer hilflos auf dem Rücken, strampelt aber nicht. Ich trete da unten nicht wieder rein! Mithilfe der Unterarmstützen ziehe ich ihn herauf. Ihm geht es nicht besser als meinem Äußeren. Optisch bilden wir nun eine Einheit und entsprechen dem Charakter der schwäbischen Keuper-Landschaft.

Der Weg: Nach einigen Schritten auf dem Waldboden steigt er, mit trittsicheren Steinen in der Mitte, weiter bis zu einem festen Fahrweg hinauf. Nach dem Stuttgarter Motto „Oben bleiben!“

Der Hunger: Wurde vergessen, verschoben zu Baumstämmen an einer Wegkreuzung. Wenn ich den Ruck-sack so betrachte – da kommt wohl Arbeit auf mich zu…

Später die Resonanz: Ein Mountainbiker entdeckt meine schamlos unverhüllte Prothese-Wanderrucksack-Kombination: „ich bin Physiotherapeut, toll, was Sie da machen!“ Kein Wort zu meiner aufgestilten Außenhaut! Aber wenigstens eine wohltuende Bestätigung von fachlicher Seite. – Schon vormittags, im Rohrbacher Tal, stoppt mich ein älteres Ehepaar: „Wowolletsedennnahmitdemfuß?“ „Waaas, soooweit?“ „Abbermachetsesoweiter – desischgnauriechtig“ „Ondg’sund!“

Nichts erschüttert mich mehr

Jetzt bin ich oben auf der Höhe, nun genau in der Richtung auf Sulzbach zu. Dort will ich bei Johanna was abholen. Der „Georg-Fahrbach-Weg“, als Kammweg. Mit einigen weiteren Untiefen. Völlig bedenkenlos kann ich, gründlich vorbereitet, nun hineintreten in quetschende Pampe mit weichen Radspuren. Angetrockneten Schmutz kannst du nicht schmutziger machen, nur dunkler. Aber sonst, und auch deswegen, ein sehr schöner Weg!

Der Abstieg hat noch mehr im Programm. Empfehlenswert! Eine Wurzel hält meinen Fuß fest, elegante Drehung, leichte Verbiegung der rechten im Boden verborten Gehhilfe, ich fange mich kurz auf halber Höhe, setze mich aber doch noch „freiwillig“ hin. Dann Stufen an einem Steilabbruch. Die Geländerhöhe ist reduziert auf Millimeter. Die senkrechten Bretter zum Halten des Erdreichs sind teilweise abgerutscht. Die Stufen selbst sind so schräg, dass die Schuhsohlen über den Minischotter zu rollen beginnen. Ein Blick von unten zeigt das im Bild.Reizvoll ist hier die Breite des Pfades. Etwa 70 ebene Zentimeter, bevor es beidseitig tief hinunter geht. Nur rückwärts absteigen schaffe ich hier mit Prothese, die Hände zum Absichern auf dem Boden oder am Spargeländer. Aber Spaß muss sein, der Weg ist eben noch nicht fertig zertifiziert!

Ein Radfahrer macht auf meine Bitte hin ein Erinnerungsfoto meines

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Outfits. Dann stoße ich im Tal auf die dicht befahrene B14. Kein Weg daran entlang ist vorhanden. Gegenüber ungemähte Wiese, dahinter ein Weg. Brusthoch wiegen schon die Halme. Den Bodengrund sehe ich nicht. Vorsichtig das C-Leg nach vorn drücken gegen den Widerstand der vielen Halme. 100 Meter Qualitätsgras. Besser als 500 Meter viele Autos. Hinter mir eine Spur, als wäre Schwarzwild eingedrungen.

Später, nach etwa zwölf eindrucksvollen Kilometern, sitze ich entspannt auf Johannas sonniger Gartenveranda, in der einen Hand die Kaffetasse mit wohlschmeckendem Dinkelkaffee, in der anderen eine Wurzelbürste für das Grobe an Schuhen und Rucksack, neben mir ein Eimer Wasser mit Küchenschwamm. Vorgesäubert kehre ich mit dem RE zurück aus dem Erlebniswald. Und freue mich – auf die Endreinigung!

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Oberschwabenwanderung 11. Mai 2013

Aulendorf bis Bad Schussenried

P1170935P1170894Das Navi zeigt mir die Schleichwege nicht, es ist permanent verärgert. Auf der 1 : 35.000er Wanderkarte sind sie zu unwichtig. Der Kompass arbeitet erst mit Verzögerung und wirkt unlustig. Vorbei am Schloß, dann mal rechts in eine Gasse. Zweimal frage ich nach der Ebisweiler Straße, einmal wird mir der Weg freiwillig beschrieben, dann habe ich diese schmale Teerstraße vor Augen und steige hinaus in die freie Natur, hoch nach Ebisweiler.

P1170904Rast mit sieben Beinen
Kurz vorher, an der ersten Waldecke, stehen Bänke, wie üblich. Ein schöner Platz hier, eine weite Sicht bis etwa Bad Waldsee. Ein Mann mit Rollator rollt schiebend seinem Hund hinterher. Dieser hat sicher erst kürzlich seine Wurstration bekommen, denn er kümmert sich nicht um meinen Rucksack.
Naja, aber das Thema Gesundheit und Bewegung wird auch bei dieser Begegnung behandelt.

P1170909Ich habe hier auf der Atzenberger Höhe weite Blicke. Den parallel verlaufenden Waldweg habe ich nicht ausgewählt, denn ich wandere das erste Mal in Oberschwaben und will was sehen. Der südliche Bereich ist dunstig, doch diese Stimmung mag ich sehr. Aber das typische Bild dieser Landschaft kann ich heute noch nicht erfassen.

Kampf ums Überleben
Wieder wird die Saat besprüht. Der Traktor breitet am Waldrand die Arme seitlich aus und verteilt gleichmäßige Flüssigkeit. Gratis für „Unschädlinge“. Jedes Mal denke ich dabei an das Buch „Der stumme Frühling“ von Rachel Carson, das erstmals auf die schlimmen Auswirkungen der bedenkenlosen Umweltvergiftung aufmerksam macht. Hinter mir wird das Traktorengeräusch langsam immer lauter. Da ich selbst zur Umwelt gehöre, erhöhe ich mein Schritttempo und wechsle zur anderen Straßenseite. Aber bis zum Ende des Feldes rechts sind noch etwa 200 Meter. Immer näher rattert es. Ich könnte es schaffen! Endlich! Der Feldweg ist dann doch gerade so erreicht, ich drehe mich um, der Bauer grinst und wir winken uns zu; er hatte meinen Wunsch bereits am Flitzen der Prothese erkannt.

Beginn der Zeitmessung
Am Wegweiser nach Fünfhäuser, kurz vor Menzenweiler, ist es 12 Uhr. Was, schon drei Stunden rum?! Ich will doch den Zug 16-Uhr-6 nehmen! Mit der Fingermessung auf der Karte wird schnell klar, dass es sogar für den 17-Uhr-Zug knapp wird bei dem bisherigen Gehtempo und nur noch vier Stunden. Ich stelle den iPhone-Wecker auf 14 Uhr, um dort die zurückgelegte Strecke, inclusive der Rastzeiten, mit der vor mir liegenden vergleichen zu können – und ziehe mit neuem Elan in neuer Richtung weiter, direkt auf Schussenried zu.

Im Regenwald
Links vor mir leuchtet wieder ein Rapsfeld auf. Über dem Wald sehen die Wolken nicht sehr gefährlich aus, es sind aber Schauer versprochen worden von Rheinland-Pfalz her. Am Waldrand treffe ich auf den Wanderweg, der von Aulendorf herankommt. Ich muss wegen der Sonnenwärme das Hemd ausziehen. Da steht eine Bank. Hemd aus – und die ersten Schauertropfen treffen mich. Nicht nur Hemd wieder an, auch die Jacke. Der Kilometer Wald bietet mir das gleichmäßige Tröpfeln. Kaum bin ich durch, sind bereits die blauen Risse in einer helleren Bewölkung im Anmarsch.

Fünf Häuser?
Hinter einem Feldhügel taucht Haus Nummer Fünf auf – der Ort heißt „Fünf Häuser“. Die nächsten folgen, tatsächlich: vier, drei, zwei, eins. An der Wegkreuzung des Weilers stellt sich allerdings heraus, dass der Ort mal wieder umgenannt werden müsste. Entweder in „Siebenhäuser“ oder in „Fünfschuppen“.

Seit dem Abbiegen ging es leicht und flott mit dem Weg. Als die Hosentasche um 13-Uhr-40 läutet, liegen links bequeme Buchenstämme. 20 Minuten Rast bis um zwei. Dann ist die halbe Restzeit verbraucht. Auch die Reststrecke müsste jetzt mit einer weiteren Rast normal laufend zu schaffen sein.

Schauer
Nach Verlassen eines Waldrandes sehe ich im Süden eine sehr dunkle Wolkenbank hängen. Später im Nordosten, gar nicht weit hinter Bad Schussenried, trieft es gerade heftig. Ein Mann kommt aus seinem Hausgarten auf mich zu: „Und das geht so, mit dem Bein?“ Die oft gestellte Frage. „Kann ich irgendwie helfen?“ Doch ich zeige ihm meine Wanderkarte und dränge weiter. Will ja noch eine regenfreie Bank finden. Auf dem Weg zum Bahnhof habe ich noch einen sehr schönen Blick zum Ortszentrum.

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Doch hier ist wird nichts mit einer Sitzbank. Erst im Bahnhofswartehäuschen! Ist das am Ziel nun noch eine Rast? Ich bin genau 16 Minuten vor dem Zug hierher gekommen. Hätte mit Unterwegsrast ja gut gereicht, den Zug um eine Minute zu verpassen. Und nun, einen Meter vor mir, prasselt es schauerlich hernieder, während ich um so genüsslicher meine Reste vertilge.

Gäuwanderung 5. Mai 2013

Frühlingstag im Gäu

Bondorf – Kurze Mark – Gäufelden-Nebringen

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Meine unterschiedlichen Knie brauchen Frischluft! Hauptbahnhof Stuttgart gegen 8 Uhr. Womit und wohin fahre ich? Hier habe ich reichhaltige Auswahl. Zuerst steige ich vom Bus aus hinauf zu den Gleisen der Züge, danach vielleicht runter zur S-Bahn oder Straßenbahn. Doch auf Gleis fünf, in drei Minuten, geht’s Richtung Singen! Das passt.

Vorbildliches Wetter

Ein ungestört blauer Himmel strahlt mich an. Wo steig‘ ich aus? In der Senke vor Herrenberg schwadet Nebel. Also, noch hinauf ins Gäu, noch bis Bondorf.

Streuobstwiesenblüte, Löwenzahnteppiche, zwei Birken verlieren ihr Würstchenlametta, die Phorsydien machen bereits schlapp. Die Navigation im iPhone ebenfalls. Das neue Update, kombiniert mit dem E-plus-Vertrag ist statt Fortschritt eine rückschrittliche Kathastrophe. Ist ja nicht nur in diesem Falle so. Ich versuche es weiter, aber es hat keine wandererfreundlichen Funktionen mehr. Das nächste Mal nehme ich wegen der Verlaufbarkeit wieder die topografischen Wanderkarten mit.

Im Wald wird es warm

Was ist das? Es ist grün und holzig, hat hoffentlich vier Beine und wartet auf mich? Die Bank am Waldrand! Für meinen Plan in diesem Falle eine halbe Stunde zu früh! Was tu ich nu? Ich nehme die Rast halt in Kauf. Kauen, P1170846Schlucken, Einteilung der weiteren Rastzeiten, gesamt maximal eine Stunde. Der Rest wird Wanderbewegung, inclusive
Navigieren, Fotografieren, Kallibrieren, Pinkilieren, alles mit drin! Auch das Nachjustieren des Schaftes, wenn nötig. Doch die Prothese sitzt, passt, wackelt nicht und zieht keine Luft!

Der Jogger von vorhin kommt mir jetzt wieder entgegen. Wir unterhalten uns und sind uns sofort über den Wert der Bewegung einig. „Ich brauch das einfach, regelmäßig!“, seine eindeutige Meinung.

Der Wald ist frisch begrünt. Fast alle Knospen sind geöffnet. Anemonen, Blätter der Maiglöckchen, die blauen Vergissmeinnicht. Die Brennnesseln haben schon ihre Teenagergröße erreicht. Das Shirt genügt, so wird hier heute eingeheizt. Eine Straße überquere ich, sie zerteilt den Wald, in dem danach ein flaches Tal nordwestlich ansteigt. Ein Waldlehrpfad, Schilder mit Angaben zu Bäumen, nie merke ich mir das. Der Waldrand mit gastlich geschälten Kiefernstämmen ist gleichzeitig mit meinem ausgewachsenen Hunger erreicht.

Der Wind gehört heute dazu

P1170868Der Wind ist hier spürbarer, er benimmt sich dicht an der Erfreulichkeits-grenze. Das Hemd brauche ich jetzt, beim Sitzen im Schatten. Gesättigt freue ich mich schon auf das P1170883letzte Wegdrittel bis Nebringen. Kleine 13-Uhr-Wölkchen ziehen mir von Osten her entgegen. Einen Teil der weiten Fläche des Oberen oder Korngäues kann man hier gut überblicken. Die Felder senken sich leicht hinunter zur Ammer. Dahinter die steilen Hänge des Schönbuchs mit den hochgelegenen Orten Mönchberg und Kayh. Dort ist ja auch Hohenentringen und die Talkerbe der Ammer bei Tübingen deutlich erkennbar. Nur schwachblau, wie halb verdunstet, sehe ich halbrechts die Alb. Einige Rapsfelder leuchten grellgelb auf, wenn die Wolkenlücken vorbeiziehen.

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Eine dritte Rast auf einer Bank, am Sportplatz in Nebringen. Die Dorfjugend trainiert für den Europapokal. Ein Vierjähriger und sein Bruder radeln heran, das Fahrrad mit Stützrädern lässt er mitten auf dem Weg einfach stehen, kommt näher, kuckt mein Knie an. Wie stark muss ihn das faszinieren, wenn er darüber sein Rad vergisst, denke ich. „Hol dein Faahraad!!, ruft der Bruder. „Brauch ich nicht!“ – Alle Achtung, diese Einstellung! Genau wie meine!

Dann sitze ich im Zug von Rottweil, drei Stationen nur: Herrenberg, Böblingen, Stuttgart. Graubäuchige 16-Uhr-Wolken kommen jetzt vom Schönbuch her, quer zur Fahrtrichtung. Das war die erste Wanderung in diesem Jahr mit der richtigen Frühlingsstimmung. Gemütliche zehn Kilometer. Auf dem Klappsitz tipp‘ ich schon mal meine Berichtsnotizen, kuck‘ die Bilder an und freu‘ mich auf mein Abendsüppchen.