Monatsarchiv: Juni 2013

Von Mönsheim bis Weissach

Wanderung im Strohgäu am 22.6.13 über 13,5 km

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Das Strohgäu ist im Stuttgarter Bereich meine Lieblingsgegend. Während der Hinfahrt besteht das Wetter aus einer breit ausgewalzten Wolkenmasse. Über der S-Bahn wirken einige Wolkenfetzen als ob sie mal müssten. Doch vom Bus aus wird der nordwestliche Horizont hell eingebläut. Bei vorerst nur 50 Prozent Hitze wird es wohl ganz angenehm.
Nach nur eineinhalb Stunden kann ich bereits 7Uhr30 in Mönsheim den ersten Gang einlegen.

Unanständige Wolken

Vor fünf Minuten habe ich das Hemd über dem ärmellosen Shirt ausgezogen. Ein Blick rückwärts, alles wieder voller dunkler Wolken. Mit hängenden Schleiern. Der schützende Wald ist noch zu weit. Nur die P1180144dünne Jacke haben ich dabei. Am Zaun eines Gartengrundstücks liegt ein wüst durcheinander geworfener Bauholzhaufen unter einem dichten Eichenblätterdach. Rast, während es regnet.

Vorhin war ich unterhalb der Wolkenkante ausgestiegen, bin 106 Stufen geklettert, fand einen halbgrasigen Waldrandweg, wurde dort von einem Gartenzwerg begrüßt und stieg hinauf auf die Höhen des Strohgäues. Jetzt sitze ich leidlich bequem, öffne die Dose mit Tomatenheringen und finde, das ist hier ziemlich gut gegangen. Zuerst sprüht es nur, dann brauche ich noch kurz den Schirm. Drüben an Waldrand wehen die Schauer fast waagerecht vorbei, hier dringt wenig davon durch. Nach 40 Minuten taucht links hinter mir der nächste blaue Himmelszipfel auf und verbreitert sich rasch.

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Sommerliche Farben im Heutal

Über die Felder erreicht die schmale Straße den Wald und biegt innerhalb nach rechts. Mein Wanderweg geht laut Wanderkarte geradeaus. Doch anstelle das weiterhin zu tun, wurde er zugewachsen. Naja, diese Karte benutzte schon mein Vater in den Fünfzigerjahren!

Am Nordrand des Heutalwaldes ist Mittagszeit. In einer weiten Senke, dem Heutal, steht eine Bank. Ab hier genügt wieder das Shirt.

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Ich gehe durch weite Felder, die wie Weißgold schimmern. Wenn die Wolkenschatten drüber ziehen, werden sie gelblich und der Wald dahinter fast schwarz. Schnell sieht alles wieder anders aus, weil der Wind sehr kräftig weht. Zurück in der Gegenrichtung geschaut liegen viele Grün-, Braun- und Orangetöne auf den Ährenfeldern.

Das Heutal wird vom Wald jetzt stark eingeengt. Der Waldrandwiesenweg ist von der Art, die ich besonders mag. Dann knicke ich wieder südlich ab, steil hinauf. Zwei Reiter kommen entgegen. Vorsichtig bleiben sie am Wegrand stehen. Ich auch. Was stört? Meine Prothese, die Stöcke oder ich, weil ich jetzt hemdlos daherwandere? Doch langsam kommen wir gut aneinander vorbei. Keiner von uns Dreien hat gescheut.

Weite Aussicht

Auf der Höhe über Weissach kuckt eine leere Bank hinaus in die Landschaft. Das tu ich jetzt auch, mach alle Kaureserven alle und knips x-mal die Felder mit den Wolkenschatten in die Camera. Zur Auswahl am PC zu Hause. Unten im Ort fährt leider die Strohgäubahn nicht mehr nach Korntal; als Museumsstück hat sie jetzt ein Extra-Altersruhegleis ohne Weiche bekommen. Der Bus nach Leonberg tuts auch, und die S-Bahn und mein Bus in den Osten bringen mich schon nach 65 Minuten bis nach Hause.

Von Sonnenbrand habe ich kaum was registriert, unterwegs. Mir schien, ich war vorsichtig mit der Sonnenbestrahlung. Als ich zwei Tage danach von Tim, meinem Physiotherapeut, zehn Minuten nach unserem üblichen Energiedrink (damit er noch kräftiger massiert!) am Hals gewalkt werde, schmerzt es doch. Da lässt er einen guten Spruch los: „Mir ist jetzt so heiß, wie dein Hals rot ist!“ Ich sehe in sein Gesicht: Wie mein Hals!

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Vom Vogelrain nach Giebel

Wanderung am 16. Juni 2013 über 13,5 km

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Der Bach kommt ein enges Tal herab. Nur 15 Minuten ab Hauptbahnhof ist man mitten in der Natur. An der Stadtbahn-Station Vogelrain bin ich gestartet. Irgendwo über mir am rechten Hang steigt die neue Trasse der B14 hinauf zum Schattenring.

Das Schwerste zuerst

Wo der bequeme Pfad im Tal aufhört, finde ich das „Heidenbrünnele“, eine eingefasste Quelle. Oberhalb windet sich das Tal weglos als steile Schlucht weiter hinauf, gestürzte Bäume liegen kreuz und quer herum.

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100 Meter unterhalb geht der Pfad den rechten Hang hoch, sehr steil, mit ausgefurchten Fahrradspuren. Da ist gute Arbeit zu leisten, bis ich oben die alte Bundesstraße erreiche.

Eine Bank im Schatten.

Die Wärme kommt von oben und von innen, der Anstieg war sicher 200 Höhenmeter. Ich gebe noch etwas zu, denn der Flash über die B-Vitamine tut jetzt gut vor dem Essen und unterstützt den folgenden Wegabschnitt. Tagsüber merke ich das nicht so stark wie morgens, wo ich nach fünf bis zehn Minuten zum Glühwürmchen werde.

Auf der Waldstraße nähern sich zwei Jogger. Dem ersten, einem Mann, rufe ich zu: „Schneller, Sie werden verfolgt, von einer Frau!“ Er grinst, ohne Halt: „Macht nix!“

Uferwege

P1180070Unter den Straßenbrücken am Schattenring komme ich an die Südwestufer der Stuttgarter Parkseen. Diese Wege sind immer sehr schön zu laufen, das Gebiet um das Bärenschlössle ist das Top-Naherholungsgebiet. Bäume liegen im Wasser, vom Uferrand hinein gekippt. Standplätze für Enten, Reiher und kleinere Vögel. An P1180084einem der oberen Weiher stehen gebannt etwa zehn Leute. Zuhörer eines Froschkonzertes. Ich frage, ob das hier kostenlos ist. Ein Mann nickt: „Bisher hat hier noch keiner kassiert“.

Das Tal steigt jetzt und ich folge ihm bis zur Wildparkstraße, die oben Stuttgart und Leonberg verbindet. Doch bevor ich die Brücke erreiche, ist jetzt erstmal nur ein Pfad durch den Wald vorhanden. Tiefe verschlammte Bike- und LKW-Spuren und dicht hochgewachsenes Kleingehölz verhindern fast das Durchkommen.

Am Schloß Solitude

Eine große Wiese, eine breite Schneise bieten den Blick bis nach Ludwigsburg, entlang der Landesvermessungsachse.
Es ist viel Betrieb hier, es wird gelagert und gegrillt. In Richtung Giebel finde ich bergab einen ruhigen Waldweg.

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Bei einer Wegkreuzung lehne ich mich an einer Bank an, mit dem linken Bein. Das rechte wird kurz „gelüftet“, während ich den Liner und den Schaft neu anziehe. Währenddessen sind die großen Ameisen nicht faul. Sie untersuchen eiligst und gewissenhaft die Gehhilfen. Eine erreicht überneugierig das Schaftventil, welches auf der Bank abgelegt ist. Aber ich habe sie ja rechtzeitig bemerkt, bevor es für sie zu eng geworden wäre.

Unten am Waldrand raste ich nochmal, bevor ich die Stadtbahnhaltestelle der U6 erreiche.

Wüstenbach- und Murrtal

Rundwanderung Burgstall am 30. Mai 2013 über 11,5 km

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Einer der wenigen brauchbaren Maitage. Kaum verschnauft sich der Regen mal ausnahmsweise, nutze ich gern die Gelegenheit. Heute fahre ich mit der neuen S4 ins untere Murrtal.

Quellen

P1170968Der Wanderweg mit dem blauen Punkt führt mich ins bewaldete Wüstenbachtal. Auch andere sind unterwegs. Eng ist das Tal, mit steilen Hängen. Ab und zu Wiesen. Flaches Wasser steht am Ende des Wiesenpfades, ich komme aber gut durch. Ursache ist eine Wasserrinne auf dem Waldweg. Die ganze Breite ist mit weichen, durchflossenen, ausgeschwemmten Sand- und Schlammspuren bedeckt. Rutschig! Da erkennt man den Wert der Gehhilfen. Danach treffe ich auf zwei Quellen, eine mitten auf dem Weg. Das Gelände besteht aus
Muschelkalkplatten, durch diese sickert der starke Regen der letzten Tage bis zu meinen Schuhsohlen.

Der fortgespülte Weg

Der schöne und ebene Weg schlängelt sich geradeaus weiter, nach links biegt einer ab über eine schmale Holzbrücke. Da begegne ich Schnuffi mit Frauchen.
„Da vorn ist es mal ein kurzes Stück recht steil“!

P1170975Bald hört der Weg tatsächlich auf. Zehn Meter weiter ist der Pfad wieder zu sehen, einige Bäumchen liegen dekorativ darüber. Dazwischen spült der Bach direkt an der senkrechten Bergkante entlang. Nur einige flache Steinbrocken scheinen den ehemaligen Weg ersetzen zu wollen. Nichts für teure Prothesen, Cameras und iPhones! Ich selbst wäre ja noch reciclebar.

Deshalb, für mich gibt’s jetzt nur noch den Steilhang rechts, weil ich einfach testen will, ob es hier wirklich nicht weitergeht. Der Pfad ist den steilen Hang hinaufgetreten worden von umkehrunwilligen Wanderern, und dabei vorbildlich abenteuerlich geworden, weil zuverlässig gleitfähig.

Seitlich stemme ich mich rechtwinklig vom Weg durch das Waldbodengemüse hinauf, etwa zehn Meter, rechts des Ersatzpfades. Einige Sträucher will ich mit weniger Rutschgefahr so umgehen. Ein überhängender Zweig will den Rucksack hartnäckig konfiszieren, die Schuhe wollen wieder P1170977zurückrutschen, meine Stöcke und Gleichgewichtssinne haben alle schwer zu tun. Jetzt seitlich links halten! Die Fersen zum Tal hin! Nur nicht auf Stöcke treten! Das sind Garantien für eine Talfahrt.

Langsam umgehe ich also auf dem Pflanzenteppich die rutschige Trittspur in einem Bogen oberhalb. Da dreht sich die Landschaft um 110 Grad, bevor ich die neue Lage richtig begreife. Vermutlich hat ein geschickt versteckter Stock die Erdanziehungskraft ausgelöst. Neben meinen Ohren wachsen auf einmal wunderschöne Kräuter. Sehr bequem gepolstert hier! „Vor mir“ blinkt der Himmel durch die Wipfel anstelle des grünen Maiwaldes. Ich drehe das Prothesenbein vorschriftsmäßig zur Talseite und stemme mich wieder hoch, schön brav parallel zu den Baumstämmen.

Wieder zurück auf der Umgehung des Weges kann ich zuerst nur ahnen, wie steil der Abstieg zur Fortsetzung des Weges ist. Das würde das heutige Unterhaltungsprogramm per Rutschbahn optimieren, direkt ins Wasser. Keine Chance! Ein Wandererpaar kommt soeben entgegen. Nur mit Festhalten an Geäst, jungen Baumstangen, großen Steigschritten und Handreichen gelingt es ihnen mühsam. Auf dem Waldboden dicht neben der Trittspur kehre ich nun doch um.

P1170985Da ist wieder die Brücke. Dieser Weg trifft auf den breiteren Waldweg, der mich auf der anderen Talseite endlich weiter bringt.

Schummrige Rast

Ich treffe auf den Hauptwanderweg 10 des Schwäbischen Albvereins. An der ersten Kreuzung des Anstieges steht zwischen den hohen Bäumen eine niedrige Holzbank. Eine gleichmäßige Schicht von braunen Fichtennadeln bedeckt sie. Dünne, im unteren Teil zweiglose Baumstangen, wachsen direkt neben der Sitzfläche.. Sie haben kleine „Kleiderhaken“ für die Jacke und die Camera. Die Wolken machen diesen Platz noch dunkler. Gern wäre ich in der Sonne gesessen. Doch der Nachschub war nach dem Aufenthalt vorhin wirklich unaufschiebbar. Geschmeckt hat’s trotzdem! Bei mir ist Appetiet unvergänglich.

Dunkle Wolken sind bald vorbei.

Der Wetterbericht wird grundsätzlich von Pessimisten angefertigt! Da steht 40, 50, 60% Regenwahrscheinlichkeit im iPhone, mit schaurig strömendem Regenguss illustriert. Meist zutreffender wäre aber die freundlichere Angabe 60, 50, 40% Sonnenscheinwahrscheinlichkeit und mutmachender Illustration. Außerhalb der Waldes, oben auf der Höhe, hängt zwar über Stuttgart eine große, dunkle Wolke, aus der schräg die versprochenen Schauer wehen.

P1170992Bei mir hier ziehen nur die Ausläufer der Schauerfront vorbei und die Sonne ist immer wieder da. Ich genieße die weite und klare Aussicht. Vom Korber Kopf rüber zum Kappelberg, Fernsehturm, Gerlinger Höhe mit Engelberg bis zu den entfernten Flächen des Nordschwarzwaldes. Wieder näher an mir die markanten Stromberghöhen. Wie so oft, so auch heute, lass dich nicht vom Wetterbericht abhalten!

P1180018Meine Zeit reicht noch, im Murrtal nach Burgstall zurückzuwandern. Durch Kirchberg/Murr gelange ich wieder hinunter. Nach einer sonnigen Wiesenrast finde ich einen breiten Radweg, der die Talschleife am Waldrand begleitet. Ein sehr schöner Abschluss dieser Runde. Am Ortsrand wartet unerwartet ein Busfahrer auf mich. Samt Bus zum Bahnhof Backnang.