Monatsarchiv: September 2013

Von Weissach bis Weil der Stadt

Strohgäuwanderung am 31.8.13

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„Bei Ihne tröpfelt was!“ Danke für die Auskunft! Ich sitze auf dem Klappsitz neben dem Mittelausstieg. Eine Pfütze hinter mir. Wie unanständig! Gerade erst passiert? Komisch, in der S-Bahn war alles noch trocken.

Teespende für Weissach

Neben der Bushaltestelle dient mir eine saubere, glatte Marmormauer als Ablage. Die untere Rucksacktasche ist durchflutet. In der einen Trinkflasche fehlt etwa eine halbe Kaffeetasse Tee. Ich trockne alles weitgehend ab und aus. Nun „schwimmt“ aber die Mauer. Diese Tee-Pfütze lasse ich für die Weissacher Teeliebhaber da. Schon nach dem ersten Anstieg, bei meiner ersten Rast, ist vom angenehm kühlen Wind alles wieder schnellgetrocknet.

Ersatzknie

Mein Knieersatz hat eine neue „Einstellung“ gewonnen. Es steht sich und läuft sich deutlich einfacher. Mein Orthopädietechniker Daniel hat am Dienstag die Feineinstellung am PC vorgenommen, weil ja mein „normales“ C-Leg zur Reparatur ist. Dessen Einstellung haben wir praktisch nie verändert, weil es ja, nach meiner Einschätzung, immer gut damit ging. Im Stand und im Yielding werde ich jetzt besser gehalten, fühle mehr Sicherheit, kann deutlich effektiver über die Fußspitze abrollen und werde dadurch auf ebenen Strecken etwas schneller.

P1180998Der erste Teil ist ein Genuss mit weiten Ausblicken. Die braunen und grünen Felder ziehen sich in leichten Bodenwellen dahin. Ab und zu ein Traktor. Eindrucksvoll die präzise Arbeit der Riesenmaulwürfe dieserP1190015 Gegend, siehe Bild. Die Wege teils Asphalt, Schotter oder grasig. Klares Wetter, warm, trotz des Windes, ganz nach meinem Geschmack.

Bilderwünsche

Im Rutesheimer Wald entdecke ich einen Klettergarten, das wäre doch mal eine Sache für unsere Selbsthilfegruppe. Dann überquere ich entlang der Straße die A8 und weiter geht’s im Wald südlich von Perouse. Bei einer Waldhütte steht ein breiter Holztisch – Rast!

Da rollt eine Truppe prallbereifter Radfahrerinnen von Süden heran, P1190041stoppt und rätselt über den Weg nach Heimsheim. Da kann ich nachhelfen. Dann kommt noch eine kamera-schwenkend herüber. „Könnet Sie von uns en Foto mache?“ Klar! Zwei Kameras und gleich mehrere Einstellungen, die können nicht genug kriegen! Dafür halte ich dann auch meine Lumix hin, damit auch mein knubbeliges Ersatzknie mit drauf kommt. Winkend radeln sie gutgelaunt weiter.

Der weitere Weg im Wald ist sehr abwechslungsreich. Überquerung des Tales und der Straße Heimsheim – Malmsheim. Langer Anstieg zur Hütte „Sackpfeife“. Ganz kurze Rast. Weiter Bogen abwärts, etwa Richtung Malmsheim. Nach dem Waldende tausche ich wieder das „Ohnearmshirt“P1190056 gegen das dünne Kurzarmhemd, um den Sonnenbrand zu vermeiden.

Dunkle Überflieger

Dann komme ich in ein flaches, gekrümmtes Tal und nähere mich der S-Bahn-Strecke. Beim Blick nach Westen sehe ich dunkle Wolkengebiete, sie nähern sich schnell und ziehen ohne Tropfen in Richtung Stuttgart vorbei. Ich hätte im Tröpfelfalle das Hemd ausgezogen und eingesteckt, um es später trocken zu haben und hätte gern den Regen auf der Haut genossen. Schade, er wollte noch nicht.

Da vorn rauscht grad eine S-Bahn vorbei. Wie spät? Sie ist kurz nach Um in Weil der Stadt gestartet. Welche Station ist näher für mich? Malmsheim über ein km nach links; Weil der Stadt über zwei km nach rechts. Also nach rechts! Sogar die Sonne kommt jetzt wieder. Der ebene Talweg läuft sich super. Ich muss schauen, dass ich hinter meiner Prothese herkomme, sie hat wohl Super getankt! So schaffe ich bequem den zweitnächsten Zug.

Kurz vorher hält eine der Radfahrerinnen an, vorhin bei der Hütte. Sie konnte das nicht ganz nachvollziehen, dass ich von der Waldhütte bis hierher mit der Prothese gelaufen bin. Ich konnte sie beruhigen, weil ich ja bereits ab Weissach drauf trainiert habe.

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Vor der Haustüre, noch am Briefkasten, habe ich offenbar die Wolken wieder eingeholt und bekomme einige freundliche Abschlusstropfen geschenkt. Sie machen mir klar, ich hatte einen sehr schönen Tag!

Aber wie lang war meine Route? Oben breite ich die Karte aus. Mein Stechzirkel wandert eifrig schwingend die Strecke nochmal ab. Alle Biegungen und Ecken, immer das, was fehlt, genau auf das nächste Wegstück übertragen. Er ist da ziemlich peniebel! 38 Mal ist er geschwungen. Ich hatte ihn auf 500 m eingestellt.

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