Monatsarchiv: Februar 2014

Wanderspirale W14, 25.2.14, Musberg bis Sindelfingen, Eschenried

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Der Spiralverlauf hat einige Hindernisse vor sich. Der Standortübungsplatz, die Bahnlinie und die A81 legen sich quer. Auch bestehen wenig Chancen für Tiefmatsch. Nur im Wald, auf festen Wegen und Pfaden setze ich heute meine Prothese auf! Und mal schauen, was der Winter für Frühlingsmotive zu bieten hat…

P1210786Nach der Haltestelle geht es tief runter, P1210793zurück ins Tal. Zwei Joggerinnen genießen dort talaufwärts die Morgensonne. Die Häfnersteige mühe ich mich gleich wieder steil nach oben. Dort schließt sich die große Waldwiese an. Die Baumschatten sind noch sehr lang, mein Schatten kann da nicht recht mithalten. Im Wald biege ich nördlich in den ersten Umweg ab. Der Seerosenteich ist noch zugefroren. Stocksteif P1210807ragen trockenbraune Schilfhalme heraus. Aus dem Fahrweg wird bald ein gut begehbarer Pfad, nur eine Stelle erfordert sowas wie Flugversuche von mir.P1210811

Ein Mann mit einem großen, schwarzen, langbeinigen Hund kommt mir entgegen. Schlappohren, Triefmaul und blutunterlaufene Augen, also – nur der Hund! Wenn der sich P1210819morgens immer im Spiegel sehen würde, wäre er dauernd auf der Flucht. Oder ist Horrorfilme gewöhnt. Er scheut schnell an mir vorbei. Guten Morgen, grüße ich die beiden. Kein Wort dringt aus dem Mann heraus, das Ungetüm knurrt wenigstens.

P1210832Gerade besetze ich eine schön bemooste P1210830Bank, als mit Nordic-Walking-Stöcken ein Mann über die Wiese heruntersteigt. „Auch ein Waldläufer!“, begrüße ich ihn. Er ist Grieche und wandert jeden Tag. Offenbar auch mit Begeisterung und weil es ihm gut tut. Mir tut hier die Sonne gut, die direkt einstrahlen kann. Ach ja, ob er griechischem Wein dabei hat, wollte ich ihn noch fragen! Aber das wäre zu P1210849unwahrscheinlich gewesen, denn aus seiner Rucksack-Seitentasche schaute eine Flasche „Saftware“ heraus.

P1210861Die Nordecke des abgesperrten Militärgeländes umgehe ich, übergehe den nächsten Bach und den anderen Hang wieder hinauf. Auf der Höhe überquert die Panzerstraße die Bahnlinie Stuttgart/Schaffhausen. Ein Schnellerer überholt mich. „Geht das gut damit“? Er hat von hinten heran joggend erkannt, womit mein rechtes Hosenbein gefüllt ist. Wer wie er hier im Wald umher läuft, ist „Wohlfühler“ aus Überzeugung! Schnell zieht er weiter. Ich ihm nach, vorbei an zwei hohen Mammutbäumen, an einem Stapel dicker zugeschnittener Stämme, die wohl aus anderem Holz geschnitzt sind, zum Diebskarrensee. Dort vermute ich eine Bank.

P1210867Keine in Sicht. Also die Stufen des Dammes als Sitz. Mit Blick auf die Brandung und die gelben Hölzer mit Wasserstandsmarkierungen. Nach dem Oberen Hinterlinger See passiere ich die P1210860alte B14 und die A81. In einem schmalen Bachlauf entdecke ich die ersten grünen Vorboten, neue, kleine Blätter. Die Höhenlage 450 bis 500 Meter braucht noch etwas Zeit.

Nun wandere ich bereits das dritte Mal in spiralisierter nördlicher Richtung, heute das einzige Mal etwa in der Nähe der Spirallinie. Kurze Pause an einer Spielplatz- und Grillwiese, super geeignet für einen Grillevent unserer P1210881Selbsthilfegruppe www.neckarampu.de . Vorbei am Forsthaus. Wieder verlasse ich diese Richtung. Die Busse fahren westlich von hier, ab Eschenried. In dem flachen Tal am Stadtrand sind viele Leute unterwegs.

P1210887Noch strahlt die Sonne auf das Grün der Talaue, ein junges Paar hat hier idealen Platz zum Spielen mit ihrem Hund. Im Hintergrund aber ziehen jetzt dichte, blaue Wolken heran.

foto8Heute: Plan 14,0 km  Ist 12,8         Gesamt: Plan 174 km  Ist 179,7

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Wanderspirale W13, 22.2.14, Sielmingen bis Musberg.

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Alles kann man nicht haben! Es wäre zwar ideal für meinen Zweck, wenn heute nachmittag gleich neben der Waldwegkreuzung pünktlich aus dem dichtesten Gebüsch die S-Bahn auftauchen würde, sobald ich genau 13 km gelaufen bin. Aus wäre es hier mit der Ruhe! Viel zu oft trifft man unterwegs an den schönsten Stellen unvermutet auf irgendwelche technische Anlagen, denen der Wald absolut gleichgültig ist. Heute werde ich also deshalb sehr gern mal die Route rechtzeitig verlassen, um ab Musberg wieder die P1210688heimatliche Herdplatte zu erreichen.

Immer wieder am Fleinsbach lang heute, wie am Ende der letzten Tour. Am Rande von Sielmingen und Bernhausen entlang bis zum Hang von Stetten/Filder. Gleich zu Beginn sitzt Reif im Gras, dann glänzt er in der Morgensonne auf den Obstbaumwiesen. Eine blaue Metallbank kommt in Sicht. Gleich mal so tun, als wäre ich völlig erschöpft, denn dann schmeckt alles noch mehrere Ticks besser. Bald kommt der Anstieg. Wenn man bedenkt, seit 5 Uhr nix gebissen und jetzt isses Neune!

Brot muss man brechen! Ich habe eine Bemme abgeschnitten, 4 cm dick! Das sehr schmackhafte, halbdunkle Krustenbrot brech‘ ich mir zurecht. In die Brotkapsel habe ich eine Gewürzmischung hineingemixt, sie haftet leicht am Brot. Ich kann nur sagen, überaus lecker! Aufstrich unnötig!

Es geht nun über die Felder der Filder. Leicht wellig, nach Westen hin aber stets leicht ansteigend. Mein Wanderwetter gefällt mir. Von Südwesten her zieht ein spürbarer und frischer Wind, der breite Wolkenbänke über den blauen Himmel schickt. In feuchten Wegstellen spiegeln sich flotte P1210712Jogger. Weit hinten lagert sich Stetten breit auf der ersten Erhebung des Schönbuchs. Nach der Unterführung der B27 beginnen die ansteigenden Wiesen. Ich habe mächtig zu tun mit den Wiesenwegen und ihren nassen P1210716Spuren. Die Steigung, dann geradlinig die Wiesen hinauf, ist natürlich größer als bei normal steigenden Wegen. Weite Blicke über die Ebene und zum nahen Flughafen. Oben, schon am anderen Rand von Stetten, bekomme ich meine Sonnenmittagsrast.

Am Waldrand dann der Wegweiser „Zur Schlösslesmühle“. Prima, sogar als Albvereinswanderweg mit blauem Kreuz bezeichnet. Doch was ändert ein Wanderverein schon am Wasser, das aus dem Wald abfließt und in dem „Bachbett“ des Weges aufgehalten wird. Erst weiter unten sind die Ursachen, Radspuren, richtig deutlich. Normal wandern, nein, das geht hier nicht!

Wegen der Rutschgefahr bin ich gezwungen auf den Waldboden auszuweichen. Auch andere Fußgänger waren hier schon vorher, ich sehe die Spuren. Trotz der Hindernisse komme ich relativ erträglich weiter.

Ein ausgebauter Querweg. Eine Frau wandert auf ihm. „Dieser Wald hier ist herrlich, ich gehe hier jeden Tag…“ Da geht auch die Fortsetzung meines Weges weiter, jetzt sehr gut als sauberer Pfad. Nicht lange, und es geht weiter mit dem zerfahrenen Weg, wieder auf dem Waldboden. Dort, wo der Weg dann nicht weitergeht, leuchtet der Wald geheimnisvoll und wie im P1210734Märchen von Hänsel und Gretel. Das geheime Triebleben des Waldes verläuft langsam und lässt die neuen Buchentriebe eben auch auf uneindeutig bezeichneten Wanderwegen aufkeimen.

Na dann eben waldwärts wieder zurück, bin ja jetzt auf weglos eingestimmt. Da sehe ich doch halblinks, ohne einen noch erkennbaren blauen Kreuze angemalt, doch ein Weg ist auch dort nicht zu erkennen. Diese Wegzeichen sollte man wieder abholen.

Oben, auf dem Querweg gehe ich links, doch dieser biegt bald in die völlig falsche Richtung ab. Da steigt von unten links ein Pärle einen anderen Weg herauf und geht rechts weiter hoch. „Nur drei- bis vierhundert Meter bis zur Mühle, ja, schon etwas matschig…“, antworten sie mir. Besser, als zurück nach Sielmingen. Siehe da, hier gibts auch ein Wanderwegszeichen, gleich wie vorhin! Na gut. Auch der Weg ist nur halb abgesoffen. Er gabelt sich sogar, leider wieder zeichenlos, ich habe hier die freie Auswahl. Der rechte? Probieren!

Die Bäumchen auf der Wegmitte sehen sehr gesund aus, nach dem Zurseitebiegen bietet sich wieder ein herrliches Waldstück, dort, wo es richtig steil runter geht, mit Pfad und so, auch ohne Bezeichnung schön genug. Dieser P1210742Pfad krümmt sich nach rechts und stößt – wieder auf einen Wanderweg, der von rechts herunterkommt. Auf keiner meiner drei Karten ist dieser Weg dargestellt.

Auch hier, je steiler, umso rutschiger. Ich krieg das auch noch hin, langsam bieten diese Unterhaltungen trotz ihres Vergnügungswertes keine neuen Ideen mehr. Verschnaufpause bei der P1210749Mühle. Verschwitzt wie nur bei Bergauf.

Steinenbronn liegt wieder oben. Diese Talseite hier ist flacher. – Fragen entstehen. Also, diese Vergnügungswerte im Naherholungsgebiet Wald sind doch für uns alle äußerst wichtig! Wo denn kann jeder den Wald erleben und sich entspannen von der Arbeit? Doch vorwiegend auf den Wegen. Wozu haben sich unser Albverein und ihre vielen ehrenamtlichen Helfer die Mühe der Wegebezeichnung gemacht?

Das Verhältnis der unterschiedlichen Nutzung des Waldes für Forst und Waldbesucher ist zerstört, sobald die Wege durch tiefe Spuren für Füße unbenutzbar werden. Regenwasser verstärkt dann die Unpassierbarkeit durch Fahrzeuge. Einige ungepflegte (oder vergessene?) Wanderwege zu so beliebten Zielen wie die Schlösslesmühle kommen dazu. Biker ebenfalls. Für LKW ist es P1210732verboten auf Fußgängerwegen zu fahren! Wanderer sind doch Fußgänger, oder? Gesund federnde Waldwege und Pfade vermitteln uns am unmittelbarsten den Wert des Waldes. Müssen jetzt Verkehrsschilder in den Wald gepflanzt werden, damit die Holzabfuhr begreifen könnte, dass es hier Fußwege gibt?

Meine letzten drei Wanderungen zwischen Remstal und Siebenmühlental zeigen wiederum deutlich, dass großflächig keine Rücksicht genommen wird auf wichtige Belange derjenigen Bevölkerung, die nun mal leider keine Forstleute geworden sind. Holzgerümpel und schwerste Fahrzeuge gehören neben die hoch empfindlichen Wanderwege! Darauf gehören sie verboten!

Heute ist die Realität: Einerseits werden wunderbar illustrierte Tafeln für das Verständnis des Lebens im Wald aufgestellt. Andererseits: Wanderer, du bist uns egal, geh‘ du nur weite Umwege! Welcher Wanderverein hätte denn da mal Lust zu einem klitzekleinen Widerspruch?

Ja, da bekommt man schon mal einen dicken Hals, anstelle eines Sturzbruches, das vergeht bis zum nächsten Waldweg. Ablenkung bringt mir die Bank am Waldrand bei Steinenbronn. Der Appetiet kommt mit dem Öffnen von Dosen. Die Sardinen finden einen „gepflegten Weg“ in meinen Magen. Gestärkt und kurvenreich umgehe ich den Wanderweg im Dornbiegel (zustandshalber wie erwartet) und gelange auf harten Waldstraßen sicher nach Musberg.

P1210763Der Bettelweg ist mein letztes Wegstück heute. Der Bus erscheint 30 Sekunden nach mir an der Haltestelle Sonnenhalde bei leichtem Nieseln.

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Heute: Plan 13,0 km  Ist 17,0
Gesamt: Plan 160 km  Ist 166,9

Wanderspirale W12, Oberesslingen bis Sielmingen

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Mit wieder strahlenden Stiefeln lasse ich mich per S-Bahn zum Start düsen. Das war gestern vielleicht eine erfreuliche Arbeit! Den bröckelnden Belag an den Seiten der Stiefel zuerst überm Klo verabschiedet, im tiefen Profil der Sohlen saß es auch ganz dicke. Dann die Schlammreste mit Schwämmle abgesäubert. Heute früh kam die Pflege dran, damit sie flimmern! Als Anregung zum Wandern habe ich den interessanteren Zustand noch rechtzeitig abgelichtet. Heute haben wir bessere Wege! Wir? – ja, heute krümmen wir uns zu zweit, Frieder ist dabei, über die Spirale.

DSCN3534Gerade will ich die Treppe hinunter, da taucht Frieder in der Bahn-Unterführung auf. Über die Neckarbrücke, und schon sehen wir P1210596den Pfad am Waldhang. Je steiler, desto kürzer, denke ich mir. Dieser scheint sehr kurz zu sein! Die Gehstöcke werden heftig eingesetzt. Wieder muss jeder Schritt genau sitzen. Dichte junge Buchen beiderseits. Deshalb ist der Weg mit braunen Blättern belegt, kleinste und größere Stöckchen sind dabei, natürlich alles schön feucht und saftig, auch zähe Ranken mit wirksamen Spitzen dürfen nicht fehlen. Genügend Material, um sich im Nu drei Meter tiefer vorzufinden. Doch zumeist am Rand habe ich ausreichend Festigkeit des Bodens.

Dann kommt eine Stelle, wo ich nicht weiß, ob es hier weitergeht. Um ein Haar bin ich der Länge nach im Schlammbett. Oder am Umkehren. Nur noch an einem weiteren Schritt liegt es jetzt, von dem aus es etwas leichter wird. Er gelingt, etwas mehr „Anlauf“ und Schwung mithilfe der rechten Gehhilfe ist schon nötig.

P1210602Mehrere Stämme sind es jetzt, die bestimmte Tricks erfordern. Besonders zwei, die in der Wegrichtung liegen, da passen die Schuhe gerade so dazwischen. Wo anders ist es viel zu schräg und zu schlierig. Hier ragt mir zusätzlich ein ganzes Bündel langer Ranken in den Weg. Schwierig, sie über Kopf und Rucksack zu schwingen. Sie hängen fest an mir. Irgendwie klappt es, ich komme locker und ich brauche wieder einen großen Schritt, um mich aus den Stämmen zu befreien.

Der Rest ist noch heftig genug, doch wir erreichen den Rand von Berkheim. Am Berkheimer See finden wir Bänke, trinken aber im Stehen und lernen uns etwas kennen.

Frieder stammt aus dem Vogtland, Nähe der berühmten Eisenbahn-Backstein-Göltzschtalbrücke, wohnt in Ulm und wandert selbst gern und regelmäßig. So schöne Strecken wie im Schwarzwald der Westweg. Er hat P1210612einen Blog, in dem er darüber berichtet, mit guten Bildern. Da treffen sich ja einige unserer Hobbies. Sehr schnell geraten wir in angeregte Unterhaltungen, was oft das Wandern betrifft.

„Guckemal, da schdeht doch ene Bank!“ Vor Hunger und Quatschen ne Bank übersehen, wirklich schlimm! Bin froh über den praktischen Hinweis. Während unseres Schluckens und Kauens promenieren ein Hund P1210622nach dem anderen von links nach rechts an uns vorbei, hinterdran die Inhaber. „Gute Appetiet!“ wünscht uns eine Frau. „Danke, aber Sie könn‘ uns beschdimmt mal zusamm‘ fodografiern!?“ (Ich bin natürlich schon DSCN3541längst in meinem Heimatsläng; brauche mir heute mal nicht mit sterilem Hochdeutsch mein „Schpachwergzeusch“ zu verbiegen!) Wir bekommen also ein gelungenes Bild. Vorhin, in Nellingen, entdeckte Frieder einen Palettenstapel. Eine gute Auflage für ein Selbstauslöserbild (vor „unserem Pkw, wo deine ganzen Ersatzbrodesen drinne sind“).

P1210626Ein steilrutschiger Wiesenweg runter ins Körschtal, ein steilrutschiger Pfad drüben wieder hoch, einige flachrutschige Feldwege in bester Erdklumpenausstattung. Das regt zum Rumspinnen an: „Kontaktanzeige – Nettes Mädchen zum Schuheputzen gesucht!“ – „Bloß zum Schuhebutzn?“ fragt Frieder. „Nawasdenksdndu?“

P1210630Ein sauberer Betonpfad unter der Autobahn durch – man sieht, abwechslungsreich und unlangweilig ist unser Weg. Jetzt spinnt Frieder: „Achtung Autofahrer, an der Autobahn-Anschlussstelle der A8, Esslingen, Fußgänger unter der Fahrbahn!“ – so fantasiert Frieder den Verkehrsfunk, als wir gerade unten durch gehen.

P1210634Eine weitere Bank. Hui, hier ist’s aber zugig! Zusatzjacke an! Paar Nüsschen, was trinken. Weiter. Und weiter bleibt es heute trocken. Durch Neuhausen, viel zu viel Industrie in der Gegend hier. Die Straße und eine Art Dammweg nach Sielmingen. Auf die Kirche zu. Dann warten wir an der Haltestelle Rathaus.

Da drüben winkt es aus einer schönen blauen Jacke heraus: Katrin aus dem Schönbuch! Hinterher Thomas! Frieder hat das organisiert. Er hofft, mit beiden zurück zu seinem Auto zu kommen. Schön, dass wir uns hier treffen! Thomas lädt uns noch zu einer Runde Teebeutel ins daneben angebrachte Café ein. Wir harmonieren alle irgendwie gut!

Das Navi bringt dann auch mich mit zum Bahnhof Oberesslingen. Und Katrin meint, bei der nächsten Spiralrunde soll ich ihr doch vorher Bescheid sagen. Möglicherweise treffen wir uns paar Wochen später auf dem Uhlberg? Und Frieder hat es auch gut gefallen heute, und mir sowieso! Über unsere Berichte und Kommentare sind wir aufeinander gestoßen. Hier noch die Blogs von Frieder und Katrin mit sehr guten Wanderberichten:

Frieder: buettners-hp.de
Katrin: wandern-tut-gut.de

P1210656Und noch vorher, in Sielmingen, schoss Thomas einige schöne Bilder von unserem Zusammentreffen.

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Heute:  Plan 12,0  Ist 12,8 
Gesamt:  Plan 147,0  Ist 149,9

Wanderspirale W11, Stetten bis Oberesslingen

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P1210511Mit Amselkonzert zur ersten Schurwaldüberquerung in diesem Jahr. Er ist so geschickt als schmaler Bergrücken angelegt, dass man überall auf gepflegten Wegen gut dosierte Tageswanderungen vom Neckar oder von der Fils rüber zur Rems, oder umgekehrt, zwischen Kappelberg und Hohenstaufen, unternehmen kann. Immer mit sehr guten Nahverkehrsverbindungen.

Nach einer Stunde Marsch ab Diakonie Stetten macht das Wetter einen sehr guten Eindruck. Der Weg steigt in den Waldrand hinein und glänzt im P1210526direkten Gegenlicht. Gegenüber des Baches steigt der Weinberghang empor. Die rechts in der Sonne aufgestellte Bank, schön bemoost und beblättert, bekommt mich sofort als „Kunden“.

Das ist hier der Alte Stettener Weg. Er wird zum Pfad mit Gras und auch etwas angematscht. Aber ich bin nicht so nachgiebig wie der Matsch und steige weiter.

P1210530Doch ganz steil geht es superglatt wieder hinunter in eine Senke. Glitschig getretener feuchter Graspfad, erdbraun durchnässt. Nur ganz am äußersten Wegrand rechts ist das zu schaffen, die Schuhe halb rückwärts gerichtet. Wenn ich nach vorn stehen würde und der Prothesen-Vorfuß wäre tiefer als die Ferse, ginge das Kniegelenk der Prothese nach vorn. Sollten dann zusätzlich noch die Schuhe ausgleiten…

Also aufpassen! Die Gehhilfen gegen den Berg gestemmt und stark belastet, um Körpergewicht von den Schuhen zu nehmen. Auf dem bisschen Gras (ganz rechts im Bild) geht das. Aber superlangsam und geduldig. Alte Ranken scharren hinten am Rucksack. Einmal versperrt mir so ein bedorntes Hindernis das bisschen „Weg“, ich muss mich kurz talwärts drehen, damit ich es wegbiegen kann – hoppla, jetzt wärs beinahe passiert. Unten: Aufatmen! Das waren sicher 20 Minuten Zeitverlust.

Nicht „vom Regen in die Traufe“. Nur „vom Matsch in den Schlamm“ gerate ich jetzt. Der Königsweg für Schlammtreter! Breite Reifen haben sich bis zu 30 cm tief in den Weg gewühlt und ihn zerstört. Entsprechend P1210532ist die Erde daneben aufgeworfen. Dabei eine gehörige Steigung. Nur seitwärts tretend geht es. Keineswegs ohne die Gehstützen! Nie darf versehentlich eine Trittfläche zu schräg sein! Nie darf ein feuchtes Holzstöckchen längs des Gefälles unter den Schuh geraten! Linker Fuß seitlich hoch, rechter ran. Linker hoch, rechter daneben. Hoch, ran, nur das! Nichts denken als nur den nächsten sicheren Schritt!

P1210533Das Outfit der Stiefel hat sich verändert. Wenns nur die Schuhe sind, ok! Ein Baumstumpf taucht rechts neben der Schlammwüste auf. Sehr freundlich, denn eine Menge Energie blieb im Weg stecken. Der nächste dick angerührte Energiedrink ist jetzt nötig. Dazu gleich noch die Banane, die eigentlich ins Müsli sollte. Da ich hier nicht anwurzeln will, alles flott bitte, ich habe erst 40 Prozent Weglänge bis zur hoffentlich sauberen Abzweigung dort oben.

Bereits beim Aufbrechen spüre ich neue Energie und im Gesicht die wohltuende Wärmeströmung. Das Zutrauen für ein weiteres Waten – natürlich ohne Schlammbad – ist zurück. Und ich brauche weiter die volle Konzentration! Wie damals, bei den Tausenden Autobahn-Kilometern als manchmal müder Kurierfahrer, als ich ebenfalls nach wenigen Minuten wieder munter und sicherer war. Was, nur noch 60 Prozent bis zur Erlösung? Trotzdem, hier hinfliegen, dann weiß ich nicht, wie ich ohne Widerstand für das Prothesenbein wieder hoch kommen soll.

Aber, welches Wunder, teilweise bekomme ich Tritt auf dem Waldboden mit grünen Fichtenzweigen, der Rest wird fester. Nix mehr mit Einsinken. Volle zwei Stunden für die gesamte Schlämmerei!

Die Abzweigung nach rechts. Pfui, wie eben und annähernd sauber! Wie langweilig! Die richtige Abzweigung nach links ist wieder steil und diesmal von Hufen zertreten. Doch längst ist es mir schnurz, wie die Wege sind.

P1210540Fast oben, nach einem schönen Wegstück, bekomme ich eine Einladung zum Baden. Alte Radspuren voller Regenwasser. Dann hört mein Weg einfach auf, zugewachsen! Ist das eine Ersatzabzweigung, die da rechts hinaufgeht? Lange grasig-feuchte Furchenpfützen. Wohin komme ichP1210545hier? Geht das da hinten überhaupt weiter? Er existiert nicht auf der Karte. Doch bald erkenne ich hinter weiteren Bäumen schwach den anscheinend befestigten Querweg. Und dazwischen liegen mir bereits neue Aufgaben mitten im weichen, sauberen, grünen Weg.

P1210548Die gefällte Baumstamm-Aufgabe mit Wippeffekt (im Hintergrund quer liegend) gefällt mir und bietet die ideale Sitzhöhe und Bequemlichkeit für die verspätete Hauptmahlzeit mitten im Tohuwabohu der Waldarbeiter. Beide Jacken ziehe ich vorübergehend aus, denn trotz der Wolkendecke über dem Schattenhang schwitze ich schon längst ungehörig.

P1210552Die paar letzten dünnen Stämme und sperrigen Äste überklettere ich dann P1210572auch noch. Endlich der feste Waldweg und oben am Flugplatz beim Esslinger Jägerhaus uneinsinkbarer Asphalt. Zwei Stunden kostete mich die gedankenlos hinterlassene Wegekatastrophe. Durch Gärten mit Schneeglöckchen und Priemeln, über Streuobstwiesenwege, eine schmale Steingasse, bei Sonne und klarblauem Himmel habe ich jetzt weite Sicht über die Filder, zum Fernsehturm und bis ‚rüber zur Alb. Über die Alte Steige sinke ich wieder mal hinunter zum Neckar. Die alten Pflastersteine, teils P1210580mit Moos und Gras umwachsen, bieten erneut Gelegenheit für Ausrutscher. Auf einem Wiesenweg wärs mir fast geglückt.

P1210590Von den Stiefeln mache ich schnell noch ein Abschlussbild, bevor die S-Bahn eintrifft. In Stuttgart schaut eine Frau auf meine Beine hinunter. Ein leichtes Grinsen zuckt um ihre Mundwinkel.

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Heute:  Plan 11,0  Ist 10,7  
Gesamt:  Plan 135,0  Ist 137,1

Wanderspirale W10, 9.2.14, Oeffingen bis Kernen-Stetten

Gleis 102, Warten auf die S3. Vorhin Probleme in den Schaft reinzukommen, noch zuviel Luft unten drin. Irgendwie musste ich aber rechtzeitig zum Bus. Gründlich aufgetreten dabei. Die fünf Minuten Stehen im Bus sind die beste Anziehhilfe, Fahrbewegungen helfen wirksam. Schon beim Umsteigen geht es deutlich besser.

P1210459Der Weg nach Waiblingen ist eine alte, ehemalige Direktverbindung von Oeffingen aus, mit weitem Blick nach beiden Seiten. Klar erkennbar der Kappelberghang und der Rotenberg, bewandert auf der vorigen Runde.

P1210461Bevor ich die Verkehrsstraße zwischen Schmiden und Waiblingen erreiche, leuchtet mir negen einem alten Kilometerstein ein frisch zubereiteter Baumstumpf entgegen, als Vorsorgemöglichkeit vor demnächst einbrechendem Hunger. Sehr bequem kann ich hier sitzen. An dieser Stelle ist die schmale Straße ein flacher Hohlweg, angenehm wind- und lärmgeschützt, gleichzeitig beginnt eine erste leichte Sonnenbestrahlung. Der projektierte Neubau der B29 nach Kornwestheim zur B27 würde bei Realisierung genau diese schöne Stelle zerstören.

Die folgenden Wege zeigen oft untrügliche Anzeichen von Pferden. Manchmal breitgewalzt von Autoreifen. Früher, noch als Kind in Leipzig, hatten wir während der Kriegszeit einen schmalen Kleingartenstreifen. Zumindest Radieschen, Zwiebeln, Möhren und Tomaten bauten wir an; besonders diese lechzten nach Pferdeäpfeln. Wir wurden mit einem kleinen Blecheimer, Kehrschaufel und einem Holzbrettchen bewaffnet und zum Einsammeln geschickt. Ich höre noch, wie es auf dem Asphalt kratzte. Richtig gut, echt und kräftig schmeckten diese Tomaten! Nicht nach abgestandenem Wasser mit Tomatenaroma. Wiederlich! Die Holländer Tomatenbauern brauchen dringend Qualitätskontrolle oder einfach Pferde! Wir vielleicht Balkonkästen und kleine Eimerchen.

Die Waiblinger Straßen entlang komme ich zum Remstal. Einige Zacken des Weges sind mal wieder fällig, die Rems, die B14/B29 sowie die Bahnlinie sind zu überwinden und Rommelshausen zu durchwinden.

Vorhin schon löste sich die Wolkendecke auf in kleine Wolkenbobbel mit weißen Rücken und grauen Bäuchen. Darauf folgen vorwiegend dunkle Riesenbobbel und zunehmend blaue Lücken. Die Sonne sollte auch mal hier wieder scheinen. Ich streife über die schattigen Feldwege. Altes Fallobst in einem Garten, aufgereihte Obstbäume, unbearbeitete Wiesen P1210465und tief geschorte Felder. An einem Spielplatzzaun einige Kindermotive auf zugeschnittenen Holzschildern. Der eine dargestellte Junge trägt eine Brille, die genau zu meinem diesjährigen Weg passt.

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P1210487Kurz vor den Häusern von Stetten strahlt es endlich durch eine ersehnte Wolkenlücke. So gibt es dann doch noch einige erträgliche Bildmotive.

P1210467 An der Bushaltestelle Diakonie fallen einige Tropfen vor einer strahlenden Sonne. Als dekorativer Abschluss steht ein Regenbogen über dem Remstal, dem außer den Füßen leider der Bogen fehlt.

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Heute:  Plan 12,0  Ist 12,3  
Gesamt:  Plan 124,0  Ist 126,4

Wanderspirale W9, Kornwestheim bis Oeffingen

P1210357Nachts Tröpfeln vor dem halb geöffneten Fenster. Morgens immer noch. Landregen. Radio-Vorhersage: Nur im Süden Baden-Württembergs soll es regnen. Yahoo im iPhone zeigt mir ein Wolkenbruchbild bis 15 Uhr mit 70 bis 60 % Regenwahrscheinlichkeit – hier bei uns! Also was stimmt? Yahoo gibt z. B. auch Regen an, wenn Sonne scheint! Die Stiefel scheinen unruhig zu zucken. Ich könnte ja später losgehen. Erst nach vier Stunden läufts durch die Jacke. Drei Stunden bis 18 Uhr würden dann ausreichen zum Wiedertrocknen. Ok, ich geh‘, nur etwas später.

Entgegen der Vorhersagezeit 15 Uhr funktionierte der Regen bereits gegen 9 Uhr nicht mehr, als ich zu Hause los ging. Könnte man das nicht P1210315anders ausdrücken? „Die Regenunwahrscheinlichkeit ist 40%?“

Im Kornwestheimer Salamanderpark haben sich viele gelbe Blüten verabredet zum Frühlingfeiern. Und Sonnenstrahlen sind auch dabei. Es ist auch so mild, dass ich die dicke Regenjacke unter die Rucksackhaube ziehe. Manche Wolke ist löchrig und nicht mehr strahlenfest. Ein weiterer Parkstreifen zieht sich hinaus aus den Häusern. Am Rand der Stadt stehen noch feuchte Bänke. Schon bald Zwölf! Gute Gelegenheit, bevor ich das freie Gelände erreiche. Und bevor mich der Hunger noch mehr anknurrt.

P1210328Ziemlich einsam, der Viesenhäuser Hof! Oberhalb eines einsamen Tales. Bei den Wegen muss man P1210333gut aufpassen. Die Erde beidseitiger Felder wurde durch die Traktorenräder auf dem Beton gut vermischt. Der Regen kam hinzu und mancher Pferdeapfel. Ich gehe über den Holzbach und finde endlich trockenen Boden, als groben Schotter, eine ganz andere Anforderung. Doch dann sind es doch noch einige schöne Wiesenwege in diesem ruhigen Seitental. Nur ein Vogelschwarm fliegt gelegentlich unruhig auf und versinkt wieder in den Ackerfurchen.

Die Bank an der Holzbacheinmündung in den Neckar. Meine Hauptmahlzeit wartet. Diesmal schneide ich mir eine Birne in mein Müsli, Nüsse und Rosinen sind dort bereits versammelt und warten auf das Zermalmen und Verschlingen.

P1210370Die Spirale überquert den Neckar. Ohne Brücke! Das habe ich mir aber unfreundlich vorbereitet. Die Spirale ist stur, sie macht keine Zacken, sie krümmt sich nur. Soll ich schwimmen? Keine Lust heute. Also dann, auf zur Schleuse Aldingen und drüben wieder südlich auf der Höhe über dem Neckartal. Ein Zacken, so etwa über drei Kilometer „Umweg“ und zurück zur Spirallinie! Dieser Weg hier, der gehört zu der Strecke meiner allerersten Prothesenwanderung.

P1210379Hier oben kann ich wieder, wie vorhin beim Hof, landwirtschaftlich ausdrucksstarke Wege genießen, man erkennt es abends an den Schuhen P1210374und Stöcken. Eine Eigentümlichkeit ist hier eingeführt worden: Sogar schon die Bienen werden überwacht – vom Hochstand aus!

P1210390Ein vermutlich künstlicher Aussichtshügel. Vorhin habe ich ihn schon kurz gesehen. Er bietet mir den Blick zurück in das heutige Gelände und östlich erkenne ich blau den Ausläufer P1210384des Schwäbischen Waldes mit dem Korber Kopf. Dem Stuttgarter Gebiet ist der Mühlhäuser Weinberghang bei Mönchsfeld vorgelagert. Alles wird schon dämmrig. Wieder hinunter zum Weg. Durch ein flaches Tal komme ich wieder hinauf und zur Oeffinger Rathaus-Bushaltestelle.

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Meine Stumpfverlängerung hat den ganzen Tag problemlos alles mitgemacht, keine Drehung, kein Zwicken oder Drücken. Flottes, gleichmäßiges Gehen ohne Stockeinsatz auf dem ebenen Neckardamm, sicheres Steigen, rutschloses Schlammwaten, einfach alles.

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Heute:  Plan 12,0  Ist 12,4 
Gesamt:  Plan 112,0  Ist 114,1