Monatsarchiv: März 2014

Breaks – in eigener Sache

Liebe Wanderfreunde und -„verfolger“,
die bisher plangenauen Spiraltouren wurden am 17. März wegen einer Erkältung liegend unterbrochen.

1-P1050153Was macht ihr, wenn ihr euch ein Bein brecht? Erst mal liegen bleiben! Mir aber brach gestern der Prothesenfuß. Der Vorteil: Ich konnte noch schlurfen – schmerzfrei. Dieses Problem ist bald behoben.

Länger schon ist die Erschaffung des neuen Pothesenschaftes im Gange. Ab 24. März bricht nebenher die Zeit kürzerer Probeläufe an. Nur im Bett bleiben, das baut mich ab. Kurze Laufrunden als Schaft-Test sind gleichzeitig auch zum Bewegungserhalt sehr vorteilhaft. Diese Kombination soll mir bis zum völligen Ausbruch 1-P1170352meiner Gesundheit helfen, die Zwangspause ohne Rückfall bald wieder abbrechen zu können.
Roland

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Wanderspirale W19, 14. März 2014, Beutelsbach bis Altbach

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Ein vorgewärmter Holzstoß mit Sitzkomfort: Richtige querbalken-unterstützte Sitzhöhe, abgerundete Baumstammlehne, Südlage, Wiesenteppich, mehrstimmiges

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Mittagskonzert vom Baum, Mittelgebirgs-Reizklima-Höhenlage 450 Meter mit linder Frischluft-zufächerung. Ein Wanderfotograf als besonderer Service! Alfons ist heute dabei!

Alfons hatte sich schon seit längerem mit mir zu einer gemeinsamen Spiral-Wanderung verabredet. Möglichst aber, wenn ich durch die Gegend von Weinstadt komme. Hier war früher sein Arbeitsbereich und sein Quartier im Außendienst. Das Remstal und seine Landschaft hatten es ihm angetan, doch die Zeit zum Erkunden fehlte. Heute früh am Gleis 102 klopft es mir plötzlich auf die Schulter. „Bin auch schon da!“ Gerade als die viertelstunde-frühere S2 einfährt.

3-P122026115 Minuten verfrüht durchquerten wir Beutelsbach. Hinüber zur Steige nach Aichwald. Entlang der Straße zieht sich ein geteerter Fußweg. Je höher wir kommen, umso faszinierender wird der Blick zurück in dieser 2-P1220252Morgenstimmung. Die Gärten unter uns blühen forsythiengelb und vielmehrfarbig, was sie nur können. Dahinter der blaue Dunst auf den umliegenden Ausläufern des Schurwaldes und der Berglen. Diese Stimmung und die schönste Tageszeit, nur für Frühwanderer!

1-Foto 14.03.14 09 56 37Ein Gefühl, als rutsche der Liner mitsamt dem Schaft, überkam mich beim Auftreten, noch bevor wir oben waren. Am Waldrand überfiel ich deshalb eine Bank zu dem Zweck einiger Änderungen. Befreiung von der gepolsterten langen Hose. Wir hatten geschwitzt wie im Hochsommer. Reinigung des Liners und des Beinrestes. Die eingeplante kurze Hose angezogen. Frischluft an den Prothesenschaft und an das Bein! Nebenbei Brötchen und Brot nicht vernachlässigt. Jetzt ging alles wieder viel besser, kein Schwitzen mehr, längs durch Aichelberg.

Durch eine leichte Senke am östlichen Hang. Hier sammelt einer Anhänger. Alte und vergammelte, vermutlich zum Aufpäppeln. Das Erscheinungsbild der Viehhaltung dieses Hofes ist entsprechend. Die armen zotteligen Tiere, eingezwängt in einen schief stehenden – Anhänger! Fällt das hier auch unter Artenschutz?

4-Foto 14.03.14 13 23 52Gleich hinter Krummhardt kamen wir zu diesen Holzstößen und entschieden uns für den bequemsten Stamm mit der meisten 4-P1220294Sonnenstrahlen darauf. Der weitere Weg senkt sich wieder, diesmal durch einen schmalen Waldstreifen, bevor er wieder hinauf will nach Aichschieß.
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Eine Frau kommt uns von dort entgegen, unberucksackt, unbetascht.  „So, auch eine kleine  Wanderung?“ , flopse ich sie an. Sie ist angetan von meinem Prothesenschaft. Mei, wie das dem guttut! Sie kriegt dafür noch mein Kärtchen, denn sie sagt, sie wolle auch mal in meine Berichte reinschauen.

3-Foto 14.03.14 13 28 51Da steht ja eine wunderbare Kuhrasse! Und so gepflegt, fast wie designt! Sie hat einen eigenen Garten. Neugierig und sanft schaut sie uns an. Mich überkommt einfach ein Tätscheln. Schade, dass sie nicht mitkommt. Ich hätte da noch ein bisher sehr trockenes Müsli dabei…

Die Wanderungen mit Alfons waren und sind für mich immer sehr willkommene Vereinbarungen. Stets gibt es interessante Unterhaltungen. Er ist ungewöhnlich hilfsbereit. In technischen Dingen, diese bleibend hinterpfeuteufelböhmischen Dörfer für mich, ist er perfekt up to date. Dieser Blog hier, war seine Anregung und ist immer wieder mit seiner Hilfe auf dem neuesten Stand. Er ist erfahren in allen Dingen, was Wandern und lange Touren betrifft, regelmäßig ist er oft fernwandernd unterwegs. Über mein Quartier 2011 in Treffurt kamen wir in Kontakt. In Coburg stiegen wir bei unserer ersten Tageswanderung hinauf zur Veste. Dann kamen noch viele, unvergessliche Momente. Ich hoffe, wir können noch manches Mal schöne und abenteuerliche Wege gemeinsam aufspüren!

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Doch heute, in dieser Frühlingshitze, „stört“ uns leider keine kleinste Wurzel, nichts lässt uns wenigstens einmal stolpern, kein junges Grashälmchen kann unsere Schuhsohlen schonen und kein Waldweg federt uns ab. Nur harter Teer, Teer, wieder Teer und auch mal Stein, schrecklich unanspruchsvoll! Zwar sind wir jetzt im Wald, doch wegen der Hochspannungsleitungen wurde eine breite, linealgerade Stromschneise angefertigt, in der nur halberwachsene Baumjugend sich dicht an dicht drängelt. Genau unter diesen Leitungen geht unser Weg, wieder befestigt, nun schon abwärts zum Neckartal.

5-Foto 14.03.14 15 25 45Trotz alledem schaffen wir das. Und da steht auch schon wieder eine Bank. Ich denke gerade an mein Orangen-Backpflaumen-Haselnuss-Haferfocken-Rosinen-Müsli (teeverdünnt!). imageDas passt mal wieder. Quer rüber kommt ein Hundchen, etwas scheu. Ein Herrchen hinterher. Wir unterhalten uns recht nett. Er macht das streng geregelt jeden Tag. Vormittags eine Stunde. Nachmittags ein-einhalb. Den gleichen Weg immer, natürlich! Alfons bittet ihn um ein, zwei Bilder von uns auf der Bank, mit seiner Camera. Bin übrigens gespannt auf unsere Fotos heute. Und Alfons bannt noch meinen Müsli-Mix in seine Pixel hinein.

Das Nachmittagslicht begleitet uns hinunter nach Altbach. Ein Grünspecht ruft uns an. Alfons kann antworten! Sein Handy besitzt eine „Vogelstimmen-App“. Der schöne Grüne wird uns doch jetzt wohl nicht bis in unsere S-Bahn verfolgen?

7-P1220297Doch falls wir nachher noch Indisch-Genießen wollen, in Rita’s Garden, können wir den Specht nicht gebrauchen. Sonst kommt er in die Suppe!

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Heute: Geplant 13,5 km   Ist 12,8
Gesamt: Geplant 245,0 km   Ist 254,0

Wanderspirale W18, 12.3.2014, Hochberg bis Beutelsbach

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Zweites Frühstück – frische Morgenluft, Sonne, bequeme Bank, Gezwitschermusik! Ansonsten wunderbare Ruhe. Sowas wie Urlaubsgefühle. Ich habe bereits das meiste des Berges hinter mich gestiegen. Die Neckarwiesen waren anfangs im Schatten der Gartenhänge noch weiß bereift. Und dann, an den 2-P1220193Bergwegen, ging eine Jacke nach der anderen unter die Klappe.

Hinter meiner Bank entdecke ich einen aufschlussreichen Text auf einer Tafel. Die alten Römer waren offenbar sehr weitsichtig. Nach dem Wald am Ende 3-P1220201der Steigung beginnen die Streuobstwiesen. Vielleicht war auch hier ehemals die Fläche größer? Quer durch marschiere ich über das Gras und übergangslos beginnen große Felder. Mal Betonwege, mal Feldwege, immer oberhalb des schlängelnden unteren Remstales.

9-P1220233Nach der Straßenkreuzung bei Hohenacker treffe ich einen Mann. Er bestaunt an einem Garten offenbar, ebenso wie ich heute schon den ganzen Tag, wie explosionsartig innerhalb weniger warmer Tage die Natur den Start zum Sprießen und Blühen endgültig durchboxt. Die meisten Pflanzen beteiligen sich fast gleichzeitig. Es wäre ja auch Schneetreiben machbar gewesen! Der Vorfrühling begann aber schon im Dezember! Unser Gespräch kommt auch auf meine Lauferei. Wenn er nur einen Tag so wie ich alleine laufen würde, er würde dabei sofort depressiv. Nichts für ihn, lieber Kartenspielen, Wirtschaftsitzungen oder Fernsehen. Aha, und wie reagiert dann wohl seine Psyche auf Nachrichtenmeldungen und die Künste der Politiker?

4-P1220211Neustadt, Industriegebiet. Ein gammeliger Palettenstapel. Ich bin am Rand vom Hungernagen. Diese Gelegenheit zum Ausbreiten von Fressalien und Schluckalien nutze ich zu einer Stehrast, um mich zu retten und den bereits nahen Sörenberg ungebremst besteigen zu können. Die Sicht oben ist zwar gut, aber in die Ferne durch den Schönwetterdunst abgepuffert. 5-P1220224Deutlich allerdings ist gleich nebendran im Osten der Korber Kopf. Eine rundumbemooste Bank drängt mich geradezu zur ausgedehnten Fortsetzung der kürzlichen Notrast, jetzt mit wohlig ausgestreckter Prothese.

6-P1220228Ein kurzer steiler Abstieg. Dann sinkt das flache Tal gleichmäßig und gemütlich zur Rems hin ab. Nach der B14-Brücke bin ich schnell in Korb. Dann der Radweg am Heppach entlang Radfahrer, Nordicwalker, Joggerinnen und völlig normale Fußgänger haben hier ihren ruhigen Weg. Wie viele das täglich sein können erahne ich an dem überquellenden „Papier“-Korb neben meiner Abschlusssitzungsbank. Kaum Papier, aber Verpackungen und Dosen.

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Über dem dicken Kleinheppacher Kopf kuckt der Mond recht schräg herunter. Zweifelt er an dem, was alles hier unten verzapft wird? Oder interessiert ihn gar meine Spirale? Wenn nun auch er damit anfängt? Sein Weg würde länger und länger. Die Gezeiten verzögern sich und die Monate dehnen sich wohl aus. Die Frauen würden sich wundern. Mehr Wochentage hätten wir. Mehr Freizeit oder mehr unterbezahlte Arbeitszeit? Er sollte es bleiben lassen!

8-P1220239Nach Klein- und Großheppach bin ich im Tal und in Beutelsbach angelangt. Ich haste die rund 30 Stufen zur S-Bahn hinauf, während soeben die letzte Tür des letzten Wagens da oben anhält. Der Öffnungsknopf, rund und magisch leuchtend wie der Mond, reagiert noch.

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Heute: Plan 15,0 km   Ist 15,5
Gesamt: Plan 231,5 km   Ist 241,2

Wanderspirale W17, 7.3. 2014, Möglingen bis Hochberg

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Beim Umsteigen in Stammheim von der U15 in den Bus war die Sonne bereits aufgestanden, einiges später als ich. Aber als sie dann endlich soweit ist, macht sie etwas Ordentliches aus diesem Tag. Gleich zu Beginn gehe ich durch schmale Durchgänge P1220096zwischen Gärten, einem Sportplatz, dem Bürgerhaus und einem Jugendhaus. Die Luft ist noch kalt. Im Gegenlicht der niedrig stehenden Sonne ist alles in einen dünnen Nebel gehüllt.

Die Daimlerstraße geht entlang eines rostigen Gleises, das längst zugewachsen und oft völlig verschwunden ist. An diesem Naturstreifen voller Gebüsch, Bäumen und Dornen gedeihen auf dem mageren Boden direkt neben dem Asphalt des Fußweges viele kleine Pflanzen, auch schon mit Blüten. Im Schatten sieht man noch den Reif der vergangenen Nacht auf den Blättern.

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Auf dieser Linie habe ich die Autobahn ohne Umwege schnell hinter mir. An der Waldecke des Osterholzes gibt es leider keine Bänke, aber Steine. Bei Hunger geeignet für eine kurze Rast. Übrigens, bitte nicht wundern, wenn so oft von Rast die Rede ist. Die wenigen Minuten des Tages, an denen ich nicht in Gedanken oder praktisch mit Essen beschäftigt bin, fallen kaum ins Gewicht.

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Die Wilhelmstraße in Ludwigsburg ist wie immer voller Betrieb. Dann beginnt auf der linken Seite der große Schloßgarten, nur gegen P1220128Eintrittsgeld zu haben. Meine Mittagsrast ist gegenüber des Einganges. Die Sonne ist und bleibt heute unaufhörlich. Der erste Wegteil geht zwar vorwiegend durch die Stadt, doch zu sehen gab und gibt es frühlingshaft sehr viel!

In der Kleinen Kneipe wechsle ich die Prothese in eine druckfreie Position. Da sitzen sie schon lange zusammen, bewegen ein Bier nach dem Anderen die Schluckröhre hinunter und einen Euro nach dem Anderen über die Theke. Bewegung hilft auch derart gut über den Tag! Eine lange Zeit laufe ich durch Oßweil. Danach wird der Blick endlich frei. Die Felder senken sich zum Neckartal hinunter. Ich erkenne die oberen Mauern und Felsen der Rebenhänge bei Poppenweiler. Die Baumreihe, die den Talverlauf anzeigt, ganz im Hintergrund schemenhaft dunstig den Lemberg.

P1220152Vom Reiterhof weiter oben kommen zwei sehr langsame Amazonen meinen Feldweg entlang geritten, während ich mir hier außerhalb der Häuser eine längere Pause leiste.

Hinter einer Mauer habe ich ein Holz mit wenigen Prozent Bequemlichkeitals Stuhl ausgewählt, aber mit wunderbarer Aussicht. Die Sonne brennt nun richtig. Die Jacken sind längst im Rucksack. Als es mir zu heiß am Kragen wird, schlage ich diesen des Polohemdes hoch. Schnell bekommt man beim ruhigen Sitzen Sonnenbrand. So ein warmer Nachmittag macht müde. Im Sommer, auf einer Wiese, würde man dabei im Nu einschlafen können. Bei mir wurden ein-einhalb Stunden mit Notizen daraus. Naja, auch mit Essen!

P1220160Einen wiesigen Feldweg leicht abwärts. Dann stehe ich plötzlich am Steilrand zum Neckartal. Blau leuchtet der Fluss direkt unter dem Hang durch die Bäume. An diesem Rand entlang komme ich zu dem Stich, in dem sich ein Weg hinunter P1220161absenkt. Da kommen auch gerade Leute aus dem Tal herauf. Er mündet jedoch in einer langgestreckten Wiese und verliert sich darin.

Oben steile Wiesen, unten nur Zäune. Muss ich zurück? Ich gehe weiter, da hinten scheint ein Fahrweg zu sein, doch die Zäune sind davor. Hier stimmt kein Weg der Navi-Angaben. Doch im Zaun finde ich eine Lücke. Jemand hatte den Maschendraht zur Seite gebogen.

P1220130In Hochberg kommt bald der Bus nach Neckargröningen. Dort steht fahrbereit die U14. Ich bin zufrieden mit diesem ersten durchgängig sonnigen Tag in diesem Jahr!

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Heute: Geplant 13,5 km  Ist 13,5
Gesamt: geplant 216,5  Ist 225,7

Wanderspirale W16, 5.3.2014, Höfingen bis Möglingen

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Gefühlte 40 Grad unter den Jacken bei realen 4 Grad Außentemperatur! Ich musste aufsteigen vom Bahnsteig zum Normalniveau Höfingens. Jetzt stehe ich an der Nordostecke des Ortes und sehe im Osten erfreuliche gelborangene Streifen am Horizont. Sie scheinen bereits breiter geworden zu sein…

P1220028Durch Seitentäler und über Hügel geht es auf und ab. Die weite Sicht über die Felder mag ich sehr. Wunderbar frische Luft! Ein Traktor mit Anhänger und rundem Behälter. Die nachwehende Duftwolke umhüllt mich noch einige Zeit. Vereinzelte Höfe stehen verstreut umher. Radler, Fußgänger, sehr selten. Wenn ich auf einer Höhe angelangt bin, werden mir die vier oder fünf Grad Wärme heftig von Westen entgegengepustet. An einer Hecke vor Hirschlanden sprießt es mir grün und blüht es mir gelb entgegen.

Beim Verlassen von Hirschlanden liegt wieder das Glemstal vor mir, nördlich von Ditzingen. Südöstlich steht der Grüne Heiner und nordöstlich, weiter entfernt noch, der blockige Asperg. Im Osten ist es immer noch hell, aber inzwischen ist die Wolkendecke westlich sehr porös P1220037geworden. Das wär halt gut für das Wetterfrosch-Image, wenn das gute Wetter gleichzeitig von zwei Seiten käme! Immer heller wird es. Auf der Glemsbrücke mach‘ ich ein Bild von dem schmalen Wasserlauf. Auf einer niedrigen Mauer der Hofeinfahrt der Talmühle nehme ich mir eine Viertelstunde für die erste Rast.

Der Anstieg aus dem Glemstal entlang der K1656 hat etwas mit einer Geduldsprobe zu tun. Aber gut, dass hier ein Fußweg angebracht ist. Sonst müsste mir jede Minute ein Brummi ausweichen, und das bei dem Tempo, das sie hier vorlegen. Einer wedelt mir die Kappe von der Frisur. Endlich, an einem Reiterhof, kann ich abbiegen.

P1220050Nördlich springt das große Gebäude von Bosch auf der Anhöhe von Schwieberdingen ins Auge. Bevor ich aber dort meinen Weg finde, quert noch ein Seitental der Glems meine Route. Die Sonne hat inzwischen freie Sicht nach unten. Auf der warm bestrahlten Talseite genieße ich die zweite Rast auf einer Bank, entschieden mehr als vorhin auf den schattigen Mauersteinen.

P1220067Östlich der B10 steigt der Vöhinger Weg gleichmäßig an. Dann wieder weite Blicke über die Felder nach allen Seiten. Traktoren sind unterwegs. Viele Strommasten bilden „Landschaften“. Zu einer Baumgruppe hin biege ich ab. Dort mache ich die dritte kurze Rast. Ein Tisch mit zwei Bänken. P1220083Unter den Büschen überall grüne Blätter, Sprossen und nagelneue Grashalme. Die jungen Brennnesseln wirken vorerst recht sympatisch.

Noch die Bahnbrücke, und dann ist Möglingen eine volle Stunde schneller erreicht als vorgesehen. Durch eine romantische Gasse, um die Ecke, das heutige Ziel.

P1220074Kaum stell‘ ich mich zu den anderen Fahrgästen, da kommt schon der Bus und mein Zeigefinger hat gerade noch Zeit, die Wegaufzeichnung zu beenden.

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Heute: Plan 15,5 km   Ist 16,3
Gesamt: Plan 203 km   Ist 212,2

Wanderspirale W15, 2.3.2014, Eschenried bis Höfingen

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Soeben bin ich bereits am Hölzersee angekommen. Für meine P1210957erste Rast um 10Uhr40 steht am Ufer eine bequeme Bank bereit. Der Wetterbericht der zweiten Tageshälfte spiegelt sich im Wasser.

Vorhin ging ich zuerst entlang der Route der W14 und stieg dann halblinks zur Spirallinie zurück. Die Stimmung: Ein trüber Sonntagmorgen.

Heut‘ bin ich erstmal langsam und schnaufend. Und geschwitzt habe ich!
Oben fiel es mir auf, ganz still ist’s hier, nur mal ein Specht, auch eine Taube, einige leise Zwitschertöne sind zu hören. Die dünnsten Zweige verhalten sich völlig bewegungslos. Links eine tiefdunkle Fichtenschneise, sie leuchtet weit hinten geheimisvoll dunstig wie durch ein geöffnetes Tor. Ganz leicht im rechten Ohr rauscht die A8. Dann stört kurze Zeit mal ein Jet, unsichtbar über der Wolkendecke. Unten, bei mir, das Knirschen meiner Stiefel und das Rollen einiger Schottersteine.

Auf der Gatterallee gab es ein Ersatzteiltreffen! Ein älterer Mann an Krücken. Beide Knie haben sie ihm ausgetauscht. Bald muss er wohl zum „Knie-TÜV“ damit; falls sie ausleiern sollten, bekäme er neue. Ein anderer P1210927Rentner kam dazu. Und er erzählte fast die gleiche Story, nur dass sein Ersatzknie bereits besser läuft als das eigene. Da bin ich richtig froh, dass ich bisher keine derartigen Sorgen habe!

Der Berghang an der Winterhalde war wohl das steilste, was ich bisher meiner Prothese auf purem Waldboden angetan habe. Ich lehnte mich an einen Baum, sodass er mich rechts am Tal stützt; ein P1210932Bild quer zum Weg wollte ich, um die Neigung sehen zu können. Das andere Foto vermittelt nur andeutungsweise das Gefälle des Hanges. Der Weg verschwindet abgründig irgendwo.

Seitlich abwärts tasten, das ist da das einzig Wahre. Und Stockeinsatz bringen! Der Waldboden neben dem etwas festgetretenen, aber rutschigen Weggrund, ist zuverlässig. Trotzdem ich ihn teilweise steiler als die normale Treppenneigung einschätze. Die Erde unter dem Buchenlaub ist locker krumig und weich, aber nicht schlammig. Sie passt sich deshalb leicht den Schuhsohlen an, die ich fest in die von mir gewählten „Stufen“ einstemmen kann. Wenn es dann im Grund etwas nachgegeben hat, hatte ich immer Zuverlässigkeit mit den Stöcken.

Kurz bevor der tief eingeschnittene Querweg erreicht war, setzte ich mich freiwillig hinein ins weiche und saubere Laub. An dieser Böschung ist es zu steil für Schuhe. Nach zwei Metern Hosenboden- und Handflächeneinsatz konnte ich wieder sicher auf ebenem Boden auftreten. Tief durchatmen! Abkürzungen sind doch das beste!

Hier am Hölzersee bin ich jetzt fertig mit meiner verdienten Mahlzeit. Der See reflektiert immer deutlicher die Schäfchenwolken auf blauem Grund. Auf der rechten Seite des Wasser-Spiegels sehe ich noch die dichte Wolkendecke, die über mir gemütlich mit Sich-Verziehen beschäftigt ist.

P1210972Die Sonne ist da, die Stimmung ist verwandelt. Befestigte Wege, ich werde jetzt auch schneller, bin besser eingelaufen. Jetzt ein Waldweg, die Ewigkeitsallee. Wie es kaum anders sein kann, ein Bikeranstieg. Wo der P1210974Weg für gar nichts mehr zu gebrauchen ist, hat jemand den Schlamm mit Holz versperrt. Alle weichen nun seitlich nach rechts aus. Waldboden, etwas besser, auch tiefe Radrillen, und weitgehend quellig. Ich suche Tritt rechts der Spuren. Das fühlt sich an wie Schokoladepudding mit Blätterkrokant. Die Bäume haben das ganze mit rutschigen Stöckchen beworfen. Chancen für eine genussreiche Horizontal-Einlage!

Die Höhe ist erreicht. Weiter, auf schönen Waldwegen in Richtung P1210980Leonberg. Vorbei am Jägerhaus, tiefer Abstieg durch Hohlwege und über wellige Wiesen zum Autobahndreieck Leonberg. Bei Eltingen nutze ich die Fußgängerbrücke über die A8. Meine Spiral-Planung geht zufällig direkt durch das Gebäude des Seniorenheimes, in dem meine Cousine Ingrid zu Hause ist. „Ich sehe dich…“ Sie steht schon auf dem Balkon und winkt. Diese schöne Stunde Aufenthalt ist eine Rast mit Kaffee und Sahne, Keksen und Familien-Erinnerungen.

P1220009Dann ist die Wolkendecke wieder dicht. Aber kurz vor dem Einschnitt des Glemstales bestrahlt die Abendsonne die Landschaft, die Wiesen und die hohen Baumgruppen sind orange lichtbesprüht.

P1220017Als ich schon halb unten bin im Tal, sehe ich es aus der schmalen Wolkenlücke grell leuchten, während die Sonne selbst schon hinter dem P1210996Feld versteckt ist. An der S-Bahn-Station ist es fast dunkel und fast 18 Uhr.

 

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Heute: Plan 13,5 km  Ist 16,2  
Gesamt: Plan 187,5  Ist 195,9