Monatsarchiv: April 2014

Wanderspirale W27, 26. April 2014, von Tamm nach Marbach

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Gestern keine Lust gehabt zum Berichteschreiben. Wunderbar durchgeschlafen. Kein Gewitter hat mich geweckt. Jetzt bin ich sitzend an gestapelten Holzstücken 05-P1230039auf einem Gartengrundstück. Es gab soeben Sardinchen in Chili. Als Nachtisch Erdnüsse, passt doch, oder? Jetzt kommt grad die Sonne in zaghaftes Strahlen. Bin bald in Geisingen und Beihingen.

Gleich zu Beginn geht ein steiler Pfad durch die Wiesen hinauf. Die Erde ist noch feucht. Ich halte mich am Nordrand von Hohenstange entlang der Felder. Wenn ich jemand traf, sind es immer schnüffelnde Vierbeiner. Natürlich bringen sie ihre Halter mit, die sich die notwendige regelmäßige Mindestbewegung ihrem kleinen Freund zu verdanken haben. Entlang der Gartenzäune oder auf speziellen Hundegassiechauseen. Die Jogger sind offenbar noch zu müde oder mit den Nachwirkungen des Cannstatter Volksfestes beschäftigt.

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Kurz vor dem Aldi kam mir eine Frau entgegen. Heute die erste ohne Hund, dafür mit einem Netz Orangen. „Sind die im Angebot?“, frage ich (hätt‘ ich bei einem Köter nich gefragt!). „Nein, wir haben zu Hause einen Orangennotstand!“ Eine gute Einstellung, finde ich. Mit nur noch einer Mandarine geht’s mir morgen auch so.

04-P1230036Nach der Brücke über die A81 eine große Hangfläche mit verblühenden Rapsfeldern. Der süßliche Rapsduft drang mir in die Nase. Statt 03-P1230033einer Baumallee dort oben schaut nur eine Wohnburg herüber. Rechts stehen Reihen junger Obstbäume am Berghang. Man sieht ihnen auf den ersten Blick nicht an, welche gute und wichtige Idee, einheimische Obstsorten zu bewahren, dahintersteckt.

Jetzt winde ich mich durch Freiberg am Neckar, also Geisingen und Beihingen. Interessant ist daran nur, dass die Straßen kaum eben verlaufen. Immer im Zickzack, mal runter, mal rauf. Dem letzten Runter folgt außerhalb der Anstieg auf die vom Neckar umwundene Höhe. Noch am Hang die S-Bahn-Linie nach Marbach und Backnang, oben eine Straße, sofort geht’s wieder etwas runter. Ich gelange zum Neckarrandweg am Lerchenbühl, den ich schon paarmal, auch mit Prothese, gegangen bin. Er gehört zu meinen Lieblingswegen, denn er wirkt stellenweise noch etwas verwunschen, wie er sich grasbewachsen durch Gärten und Wiesen zieht und schöne Blicke über das tiefer liegende Tal bereit hält.

06-P1230046Zum Beispiel auf das Kraftwerk, dessen Schornstein sicher einen Schönheitswettbewerb für „Anpassung ins Landschaftsbild“ gewinnen könnte. Etwas schöner noch das Schiller-Nationalmuseum. Aber so richtig gefällt’s mir auch nicht. Dann aber zwischen Obstbäumen in der Wegflucht kuckt schon Marbach herüber. Ganz im Norden gehört, leider permanent, die weiße Dampffahne von Neckarwestheim zur Runde der Landschaftsmerkmale.

07-P1230072Nach der Marbacher Fußgängerbrücke, wiedermal ein neckarbedingter Umweg, komme ich zu der Wegabkürzung. Sie war ein wichtiger Anstoß. Hier ein Bild, so wie ich sie 2007 entdeckt habe. Meine spontanen Gedanken, damals: „Kann man auf Gras und Erdboden auch gut laufen, mit Prothese???“ – „Könnte ich eventuell sogar wieder wandern gehen, mit Prothese???“ Dann bin ich den Pfad probeweise gegangen. Ganz vorsichtig! Die Prothese hat offenbar gar nicht gecheckt, dass hier was anderes unter ihr durchläuft. Kein Murren und Motzen ihrerseits. Der Entschluss stand in diesem Moment fest. Hier ist eigentlich der Ursprung zu meiner zielgerichteten Mobilisierung, zu noch besserer Beweglichkeit als nur mal zum Einkaufen gehen zu können – und zu Tausenden wichtiger Erlebnisse.

Sowie zur Erkenntnis, dass man mit Prothese nicht nur abkürzen kann, sondern auch erkenntnisreiche Umwege schätzen lernt! Die Spiralwanderung 08-P1230079ist nichts anderes als ein wahnwitziger, herrlicher Umweg. Und gleich darauf mache ich bewusst einen kleinen Umweg im Umweg. Den alten Karrenweg hinauf zur Marbacher Altstadt. Er ist ordentlich steil und aus Pflastersteinen angefertigt. Er rumpelt zwar etwas. Für mich immer wieder unterhaltsam. Anstelle des vermieften Gehweges an der Hauptverkehrsstraße.

09-P1230081Die Fortsetzung oben ist die mit alten Giebel- und Fachwerkhäusern bebaute Marktstraße. Die Innenstadt ist historisch noch gut intakt und ein gutes Ziel, das ich schon oft besucht habe.

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Heute: Geplant 14,5 km   Ist 14,2
Gesamt: Geplant 348 km   Ist 361,7

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Wanderspirale W26, 25. April 2014, von Hemmingen nach Tamm

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Die Regenjacke hängt bereits unter der Rucksackklappe, so angenehm mild ist es jetzt um 6Uhr30. Vermutlich brauche ich sie noch. Wieder Nieselregen, oder besser Schauer, Wolkenbruch oder Hagel? Das scheint heute im Programm zu sein, nachmittags. Ich müsste halt zur richtigen Zeit am idealen Ort sein…

Kaum verlasse ich Hemmingen, da beginnt schon ein schnurgerader Feldweg. Keine „unnötigen“ Kurven, denke ich, da komme ich ja flott voran. Reifenabdrücke, dazwischen Grasbüschel mit Löwenzahn,

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zumeist im Pusteblumenstadium. Was Matsch war, ist harte Trockenheit, es haben sich Risse gebildet. Eine Huckelpiste! Für einen Prothesenträger ist das hier der ideale Feldwegeparcours zum Trainieren. Jeder Schritt ist anders, erfordert Konzentration und den konzertierten Einsatz möglichst aller Muskeln, Kaumuskulatur ausgenommen. Vielleicht noch effektiver als das Training bei Physiotherapie Sybille Main in Nürtingen, wo innerhalb des Barrens fantasievolle „Schikanen“ angeordnet werden. Aber mit „schnell“ ist da nix. – 03-P1220949Der Querweg wäre eben und leicht. In Ost-West-Richtung. Er ist 04-P1220950mehr was fürs Auge. Wie unterschiedlich im Licht doch der gleiche Weg wirkt!

 

05-P1220956Am butterblumengeschmückten Schönbühlhof gibt’s eine Brücke über die B10. Dann wieder wie vorhin, Felder, weite Blicke. Die Sicht wird erst gebremst am Stromberg im Norden, an den Hängen des Schwäbischen Waldes bei Winnenden und bei den höheren Lagen des Strohgäues, wo meine Route herkommt. Der Stuttgarter Fernsehturm ist hier verdeckt. Jetzt taucht auch deutlich der Asperg vor mir auf. Etwas unterhalb verläuft die Schnellbahntrasse nach Mannheim. 06-P1220971Unter der Glemstalbrücke dieser Bahnlinie gehe ich durch und finde mit Blick auf Markgröningen meinen erhofften Wiesenrastplatz.

Schon im Glemstal, da rattern dauernd LKWs vorbei und hüllen die Straße in eine Staubwolke. Nebendran ist ein Schotterwerk. 07-P1220992Markgröningen ist eine alte Stadt. Eines der eindrucksvollsten Fachwerk-Rathäuser steht hier am Marktplatz. 1-P1230089Früher habe ich es schon mal fotografiert. Ein Schwarz-Weiß-Bild, das ich in Rasterpunkte umgewandelt habe. Nun war es geeignet für Siebdrucktechnik. Dann druckte ich das Bild als Titelblatt eines selbst hergestellten Fotokalenders, mit weiteren eigenen Bildern meiner damaligen Wanderungen zu Fuß oder per Tourenrad.

 

08-P1230008Steil geht es einen Hohlweg hinauf auf die Felder. Eine Hütte, von Hecken und Büschen umstanden, kommt mir vor als Rastmöglichkeit, kurz vor dem Ziel. Ja, hier sind Steine zum Sitzen. Immer noch gutes Wetter. Die Wolken sind schon größer, kommen mir von Osten entgegen. Von Sturmstimmung nichts zu spüren, das war wohl wieder ein Irrtum.

09-P1230023Ich sitze etwa in Höhe der Kirchturmspitze, die vorn über einen Acker schaut. An der vorbei ich den Bahnhof erreichen werde. So nah ist schon Tamm?

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Heute: Geplant 12,5 km   Ist 11,7
Gesamt: Geplant 333,5 km   Ist 347,5

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Wanderspirale W25, 21. April 2014, von Rutesheim bis Hemmingen

01-P1220858 Auf der flotten S-Bahn-Strecke nach Leonberg und Weil der Stadt sind Gleisbauarbeiten. In Leonberg muss ich aber in den Bus umsteigen. Die Fahrzeit ist heute länger, da ich schon in Stuttgart einen gemütlicheren Bus nach Leonberg besteigen kann. Ein etwas späterer Start ist das heute. Hohe Hügel gibt es nicht, deshalb werde ich wohl ganz gut über die Strecke kommen. Es ist längst nicht so kalt wie vor zwei Tagen. Nur wenige Wolkenreste schweben gelangweilt am kühlen Morgenhimmel. 02-P1220831Für einen Ostermontag-Morgen ist das vorbildliches Wetter. Ich erinnere mich an die Wanderung von Berlin nach München 2012, als ich am Ostersamstag bei Cosa in ein Schneetreiben geriet. Hier ein Auszug von diesem Tagesbericht: „Über eine breite Lichtung werden jetzt Schauer gejagt, mit nassem Schnee durchmischt … Inzwischen tropfen alle Gräser, die ich mit den Schuhen durchstreife. An den Wegenden himmelt der Waldrand durch, und als ich ihn erreicht habe, setzt endlich ein zaghaftes, und später herzhaftes nasses Schneetreiben ein. Über eine halbe Stunde lang 1-Schneesturmversucht ein Aprilsturm vergeblich mich aus den Socken zu pusten … Die Waldränder, Masten und Gebäude in der Ferne verschwimmen im dunklen Grau wie im Nebel, die dichten Flocken wehen fast waagerecht über die Felder mit den Saaten. In den Furchen entstehen weiße Streifen. Weit hinten jagen zwei Rehe schemenhaft über das Feld zur Hecke. Trotzdem ist das ganze herrliche Getue aus den Wolken etwas mickrich und vergeblich, denn die paar Schneespuren sind ja gleich wieder abgeflossen. Der Himmel gibt sich aber wenigstens alle Mühe und das muss man anerkennen. Nein – erst, wenn ich morgen eine Schneewanderung machen kann…“ Heute sind Schneewolken out! Von Beginn an genieße ich den Tag. Sollte ich eine Bank entdecken, werde ich die Prothese teilhaben lassen. Die erste Rast habe ich eigentlich bereits hinter mir. Damit ich nicht schon völlig entkräftet starten muss. 35 Minuten Buswartezeit in Leo reichen doch für ein Außenfrühstück. Derart gut vorbereitet erreiche ich einen gewundenen Weg, der in meiner Richtung weitergeht. 04-P1220852Eine Anhöhe. Mein Blick nördlich. Hier stelle ich mir einen aufgeschlagenen Bildband vor, doppelseitiges Landschaftsbild: Sonnige Wiesen, hellgrüne Weiden in einem flachen Tal, Ackerflächen, Waldränder, Hecken und Baumgruppen. Keine Straße, keine Masten und Leitungen. Und in dieses Bild laufe ich nun in Wirklichkeit hinein, auf meinem gewundenen Weg. 03-P1220849 Drei Bänke als Umziehhilfe. Nein, mir genügt natürlich nur eine davon. Vorhin am Hang wurde mir schon so warm, dass ich lieber unbejackt gestiegen bin. Im Rucksack ist die kurze Hose, sie löst nun die Jeans ab. 05-P1220871Am Waldrand steht die Rastbank. Eine Joggerin macht bereitwillig ein Bild. Als ich im Wald weitergehe, kommt von rechts eine Kutsche. Da ist noch 06-P1220884ein freier Platz – da könnte ich ein paar Kilometer wegschmuggeln! Durch Heimerdingen, über Feldwege mit Löwenzahn, gelbe 07-P1220886Rapsstreifen, ein einsamer Hof. Gülleduft sickert, auch gegen den Wind, aus den Ställen. Alternativ strömt ein violetter Fliederbusch mit prallen Blütenständen ein Gegenangebot, schon auf drei Schritte spürbar, mir entgegen. Nase dicht ran. Doch beide Düfte vermischen sich. Dann doch lieber jeder einzeln! Als ich um die nahe Waldecke links abbiegen will, ist mein weiterer Weg zum Acker veredelt worden. Da entdecke ich dort im Waldwinkel einige Mammutbäume. Eine Trittspur führt auf dem Feldrand hinüber. Ich zähle 15 dieser Wellingtonien. In großem Kreis ragen sie auf einer Waldlichtung, mehrmals pärchenweise, deutlich über die anderen Bäume hinaus. Riesig erscheinen sie, oben stoßen sie schon an den Himmel. Einer ist nur noch ein gesplitterter Stumpf, der daneben geköpft, so etwa im „5. Stockwerk“. In der Mitte der Runde stehen die vier größten eng zusammen. 08-P1220907 09-P1220910Ich setze mich an diesem ungewöhnlichen Platz auf einer Bank, auf den Feldern nachher steht sowas nicht rum. Jetzt sind wieder bald drei Stunden vorbei. Mein Riegeltest hat gut funktioniert. Den Mahlzeitenriegel hatte ich vorhin am Waldrand gegessen. Hat inzwischen keinen Hunger erzeugt. Gerade kratze ich die letzten Haferflocken, Nüsse und Mandarinenstücke zusammen, spüre ich Niesel auf dem Knie. Es wurde zuletzt auch dunkler. Also wird gleich der Hosenwechsel zurück vollzogen. Noch ohne Jacke benutze ich einen Wiesenweg am Waldrand. Kräuter und hohe Gräser überwuchern die Fußspur. An der Waldecke werden die Tropfen größer. Nun mit Jacke, Kapuze und Rucksackschutz geht es über die Felder Zwei Reiterinnen und drei Pferde. Sie kommen von links quer herüber. Wieder werde ich nicht mitgenommen. Das wäre doch was – Wanderkilometer auf 10-P1220930dem Pferderücken! Nein, sowas gilt nicht! Vor mir der Hochdorfer Wald. Nur zwei km entfernt, in Hochdorf, wohnte ich mal, Ende der Fünfziger Jahre. Am südlichen Waldrand stecke ich die Jacke wieder ein, zu warm! Unter dem Baldachin der bis über den Ackerrand reichenden Baumkronen läuft es sich so viel angenehmer, die wenigen Tröpfle stören mich nicht.

11-P1220924 Hemmingen liegt jetzt südlich vor mir. Dort nehme ich die nächste Strohgäubahn. Stundentakt. Für mich noch 20 Minuten. Unmerklich hatte der Regen aufgehört. In Korntal, beim Umsteigen, scheint schon wieder die Sonne.

Heute: Geplant 12 km   Ist 14,4
Gesamt: Geplant 321 km   Ist 335,8

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Wanderspirale W24, 19,4,14, von Maichingen bis Rutesheim

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„Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder s’bleibt wie’s ist.“ An meiner Bushaltestelle Blick nach oben: Bedeckter Himmel. Beim Umsteigen in Böblingen: Nieselregen. Eine Änderung, die Wetterregel stimmt bisher. Beim Aussteigen in Maichingen: Nieselregen. Geblieben, es stimmt also wieder! Diese Regel ist brauchbar, obwohl: Es gab nirgends neben der S-Bahn-Fahrt einen krähenden Hahn, schon gar nicht mit Misthaufen unter sich.

Ein Wiesenweg, feucht, rutschig, aber kurz, senkt sich durch eine Hecke in das flache Tal. Regenstimmung liegt über der Landschaft, beim Wandern in diesem Jahr das erste Mal. Die noch kurzgrasigen Wiesen sind triefnass, doch am Rande der Weges ist es darauf sicherer als auf freigetretenem schrägen Erdboden.

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Mein Plan, durch die Bahnunterführung hinein nach Magstadt zu gehen, ist verbaut worden. Die neu gebaute Südtangente blockiert den Weg mit Leitplanken. Weiter links drüben kommen mir die Einsparungen von 3-P1220782Leitplanken zugute. Die beiden steinigen Gräben sind flach, die anschließende Wiese sieht problemlos aus. Ohren auf! Denn die Kurve ist unübersichtlich. Doch die Fahrgeräusche der Autos sind deutlich, wegen der nassen Fahrbahn. Danke! Für den Regen! Also, was brauche ich eigentlich einen Übergang? In vier Sekunden bin ich drüben.

Das Wetter hat sich längst entnieselt. Ständig weht von Nordost kalter Wind in die Lücken der Jacke. Fest zuziehen! In Magstadt beginnen die Wege zu trocknen. Ein Kieshaufen am steil erstiegenen Höhenweg hat eine Umplankung aus Rundhölzern, auf der sich mal schnell 40 Minuten lehnen lässt. Aber dringend brauche ich eine richtige Bank. Die Keileinlage im Prothesenstiefel ist zu dick für die Ferse. Der Liner um den Beinrest hat wohl zuviel „Spiel“. Sitzen muss ich, um die Stiefel erreichen und deshalb Prothese und Liner ausziehen zu können. Eine schlecht sitzende Prothese strengt bei langem Laufen merklich an. Bald nach der Rast steht diese Sitzfläche an einer Waldecke und das Problem wird behoben.

 

Die Sonne dringt schwach durch. Leider nur wenige Minuten lang. Es ist, als würde der Wald plötzlich lebendiger, die Schatten tiefer und das junge Laub strahlt. Nun habe ich doch vergessen den Liner neu anzuziehen und so richtig leicht läuft sich’s auch weiterhin nicht. Vorbei am Stöckhof besuche ich kurz das Ufer des Renninger Sees. Der Blick über das bräunliche Wasser geht nach Westen hin über weite Wiesenflächen bis zu den Häusern 5-P1220802von Renningen. Die Bänke am Ufer würden mich schon zu einem Zwischenaufenthalt reizen. Hätte gern den See umrundet. Doch der 6-P1220811Uferpfad wurde mit großen Erdhaufen zugeworfen.

Zurück auf festem Weg finde ich dort eine interessante Tafel zu den parallel verlaufenden Gräben im Wald. Wenn man bedenkt, was und wie die Kaufleute damals gewandert sind!

Aber die Bank mitten in Silberberg ist sehr angenehm. Jetzt ist es gemütlich warm. Eine Frau geht vorbei. „Da hat sich die Bank doch g’lohnt!“ Das klingt fast, als ob hier außer mir noch keiner draufgesessen hätte. Im letzten Jahr ich schon mal, von Büsnau her, aber das weiß sie ja nicht. Oder meint sie, dass ich nicht nur sitze, sondern auch veschpere?

7-P1220816Nun bin ich doch zufrieden mit dem Wetter. Nochmal steigt ein Hang steil an. Treppen hinauf in eine Siedlung. Das gedämpfte Licht ist wunderbar. Die Apfelblüten wirken sehr plastisch, auch ohne zu tiefe Schlagschatten. Jetzt ist wiedermal die Autobahn im Weg. Tief eingegraben durch den Neubau. Kein Laut davon belästigt die nächst stehenden Häuser. Über einige Felder, auf weichgrasigen Feldwegen, bietet sich eine weite Sicht hinüber zum Engelberg. Und schon bin ich am Rand von Rutesheim.

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Eine Reihe Hindernisse heute. Aber mit etwas Geduld wurden sie alle mit der Zeit sehr belanglos, lösten sich auf und wurden durch bleibende Eindrücke ersetzt.

Heute: Geplant 12,5 km   Ist 15,0
Gesamt: Geplant 309 km   Ist 321,4

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Wanderspirale W23, 13. April 2014, Rauher Kapf bis Maichingen

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Fast ein Stadtspaziergang heute. Am Sonntag ist das eine ruhige Sache. Bis gegen 9 Uhr dringt Schnarchen aus Fensteröffnungen der Wohnungen. In keinem Industriegebiet rumpelt und scheppert es. Autoparfüm ist reduziert. Selbst Böbli und Sifi wirken wie Urlaubsorte.

Ich habe vermutet, alles sei stiller heute. Die Amseln zumindest kennen keine Sonntagsruhe. Über das Gleis der Schönbuchbahn komme ich in ein flaches Tal, das sich langsam nach Böblingen hineinsenkt. Die Wolkenschleier verziehen sich. Als erster Fußgänger heute ein Jogger. Es sieht aus, als ob sein Hund ebenfalls joggt.

02-P1220696Am Beginn der Wilhelm-Maybach-Straße liegen vier Steine auf einem Wiesendreieck. Gerade starte ich nach dieser Rast, da spricht mich eine ältere Frau an, die wegen der leichten Steigung ihr Fahrrad schiebt. Wir gehen langsam bis zu ihrem Ziel, der Kirche. Sie meint, sie hätte verstanden, ich bräuchte nicht viel zu sagen. Sie sehe, das Handicap müsse ein großes Problem für mich gewesen sein. Sie sehe aber auch, dass ich das nicht nur hinnehme. Das sei wichtig für sie.

03-P1220701Die Bewohner der Friedensstraße haben eine spezielle Maßnahme ergriffen, um sich ruhigeren Verkehr zu sichern. Mit haltbaren Farben großflächige Tiermotive auf die Straße gemalt, so versteht jeder Autofahrer auch ohne Verkehrsschilder, hier spielen gerade Kinder! Am besten gefällt mir die grüne Spitzmaus. Leider sind überall schon deutliche Verwitterungsspuren zu sehen.

Die Böblinger Altstadt auf dem Hügel, 04-P1220716dabei die Kirche, alles ist über die weite Fläche der Seen gut präsentiert. Viele Motive entdecke ich hier, wo es auch unter der Woche recht ruhig zugeht.

Am Rande des Flugfeldes steht breit das Mercedes-Benz Werk Sindelfingen vor mir. Vorher quer die A81. Noch vorher der See am Rande des Flugfeldes. Dort überall mitten hindurch verläuft meine Spirallinie. 07-P1220744Schwimmen? Schwimmflügel leider nicht dabei. Schnell die Autobahn überflitzen? Wegen einer Prothese hält auch Sonntags keiner an. Über den Werkszaun klettern? Ich besitze keinen Mitarbeiterausweis.

Ich halte mich also mehr rechts, unterlaufe die S-Bahn-Brücke, komme am Bahnhof vorbei und bin schon bald am anderen Ende des Werksgeländes. Es ist tatsächlich so: Halb ausgestorben wirken die Straßen. Wo stecken sie nur alle bei dem tollen Wetter?

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Eine Bushaltestelle bietet mir Metallsitze an. Nach dieser zweiten Rast ist es nicht mehr weit. Weiterhin habe ich warmes und sonniges Wetter. In der Nähe der Bahnlinie wandernd erreiche ich heute bereits gegen 14 Uhr das Ziel S-Bahn-Station Maichingen.

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Heute:
 Geplant 11,5 km   Ist 11,2
Gesamt: Geplant 296,5   Ist 306,4

Wanderspirale W22, 11. April 2014, von Liebenau bis Rauher Kapf, Böblingen

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Heute habe ich eine Mitwanderin. Gundula und ihr Mann 02-P1220566Rainer wohnen zwei Stockwerke über der Familie meiner Tochter. Gegen Sieben Uhr treffe ich Gundula am Hauptbahnhof zur gemeinsamen Anreise nach Liebenau.

Durch Waldenbuch, vorbei am Haka-Werk, an den Schokofabriktürmen von Ritter. „Unter der Mauer“ heißt eine alte Gasse. Schmale Treppen zum Marktplatz hinauf. 03-P1220571Rechts über uns sehen wir Reste der Stadtmauer, die als Fundament der Häuser genutzt wurde.

Als wir „Uhlandshöhe“ suchen, führt das zur Entdeckung einer Zelle. 1-P1220575Mancher wird denken, was denn in Zukunft mit den Telefonhäuschen passiert, wenn jedermann jederzeit ein Smartphon ans Ohr schwingt. In Waldenbuch hatte einer eine gute, geräuschreduzierte Idee! – Die Straße Uhlandshöhe ist nur über Stufen erreichbar, die wir zuerst nicht für voll genommen hatten. Hinauf zum Wald wollen wir.

05-P1220590Ein anderer passender Straßenname, „Forchenweg“. Gleich neben den Häusern ist der Talhang, mit Kiefern bestanden. Uns gefallen diese Bäume, mit ihren rötlichen Stämmen und den immer wieder anders geformten Nadelwipfeln.

04-P1220585Hier beginnen auch die Waldwege. Schon dreht sich mein Prothesenschaft. Schlecht angezogen! Rechts hinter dem Graben eine schmale lehnenlose Bank. Erreichbar über zwei Bretter. Ich lehne mich an, um die Prothese neu zu richten. Die Bank will kippen, schlechte Erdverbundenheit! Da bietet Gundula den Gegendruck an. So kommt alles wieder ins Laufen.

Ein unerwarteter Anstieg. Ein 06-SAM_9348sonnenbestrahlter Waldrand. Eine weite ansteigende Wiese. Unser abbiegender Weg müsste doch fast genau hier in den Wald abzweigen. Beide Apps zeigen ihn. Eine Joggerin wird befragt. Kopfschütteln quer. „Erst weiter hinten im Wald.“ Da sehen wir aber eine Absperrung, ein rot-weißes Plastikband. Der Beweis eines Weges, den man zuerst nicht unbedingt erkennt. Was wollen wir mehr! Gundula hebt bereits das Band hoch.

07-SAM_9353Nur ein schmaler Pfad ist das, mittels heranwachsender Ranken und Zwergbäumchen und Büschelchen eifrig mit Zuwachsen beschäftigt. Das sind doch die schönsten Wege, da sind wir uns einig. Halbtrockene Matschreste, angenehm verfestigt, mit schief eingesunkenen Ziegelsteinen verziert. Höchst erfreulich, leider zu kurz! Das Band der unteren Absperrung verhakt sich oben am Rucksack. Was soll jetzt das? Dürfen wir hier nicht raus? Doch Gundula, die Bandheberin, ist darauf eingeübt.

08-P1220612Wir kommen an die Stelle, von der ich leichtsinnig behauptet hatte, sie erreichen zu können: Es begann an meinem Geburtshaus in Leipzig am 21. März 2011 mit Kilometer Null. Hier ist der 1000-km-Punkt dieser 09-P1220620Wanderung nach Tübingen, am 5. Juli 2011. Selbst hatte ich das immer geglaubt, aber nicht gewusst. Ein Schritt nach dem anderen, und das führte hierher. Wir setzen uns zu einer ausgiebigen Rast.

Gundula bringt mir einige weiße Blüten. „Koste mal!“ Es ist Wiesenschaumkraut. Richtig lecker, eine reizvolle Würze und Schärfe ist dabei. Dann der Abstieg ins Aichtal. Herrliche Löwenzahnwiesen, ein schmaler Bach, der sich zur Aich windet. Dort wird Gundula im Gras fündig und ihre Kräuterkenntnisse werden noch deutlicher: Giersch und Bärlauch bekomme ich jetzt. Ebenso gut! Nicht dass ich jetzt satter werde. Ich stelle fest, ein Kräutermuffel bin ich. Wenn man bedenkt, was es Sinnvolles und Gutes auf unseren Frühlingswiesen wächst! Jetzt hinauf nach Schönaich. Ein Spielplatz-Klettergerät aus Seilen wird getestet. Bis in die Spitze kommt man.

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Die Landschaft nach Schönaich wirkt unerwartet flach. Kein Wunder, dass wir beide als Berlinerin und Leipziger darauf sehr positiv reagieren. Von klein auf die Mark und die Tieflandsbucht gewöhnt. Begrenzt von den umliegenden Höhenzügen breiten sich einige Felder aus. Die Bank für die fällige zweite Rast ist in Sicht. Die Unterhaltungen mit Gundula fließen nur so dahin, es ist eine gute Wellenlänge. Da ich selbst gern und genau die Natur beobachte, fällt mir diese gleiche Fähigkeit bei Gundula auf. Da ist sie mir weit über! Da gibt es viele interessante Themen.

Der Weg krümmt sich nach Norden entlang von Gärten am Rand einer Senke. Auch die Nussbäume blühen mit Würstchen. Als wir links abbiegen folgen Streuobstwiesen mit teils großen Obstbäumen. Alles blüht. Bienen bedienen sich auf den Birnbaumblüten, Wir 11-P1220661unterscheiden sie leicht, die spitzen Birnbäume ähneln auch der Form ihrer Früchte. Entsprechend ist es zumeist auch so bei den Apfelbäumen, breiter und gedrungener. Halbrechts kuckt unaufhörlich die Gaststätte Pfefferburg in die oberen Täler der Aich. Der Rauhe Kapf lässt den Weg mächtig ansteigen. Auf den Bus müssen wir nicht lange warten.

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Während wir in der S-Bahn sitzen, blättern wir die Bilder des Tages beider Kameras durch. Die Landschaften, die Ereignisse. Ich sehe wieder die Kletterpyramide, Gundula im Gegenlicht fast oben in der Spitze. Zumindest probieren hätte ich das sollen!

Heute: Plan 12 km   Ist 12,0*
Gesamt: Plan 285 km   Ist 295,2

*Die Geländeschnitt-Aufzeichnung fehlt während der letzten 2 km.

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Wanderspirale W21, 9. April 2014, von Wolfschlugen nach Liebenau

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Der Himmel ist wolkenlos. Die Luft fühlt sich frisch an vom gestrigen Regen. Die S-Bahnen haben wieder Verspätungen. Die ganze Bahn erinnert mich öfters an einen alten nachlässigen Tatterer, der den eigenen Fahrplan nicht hinbekommt. Aber ich bin ja auch nicht der Schnellste und drücke wie gewohnt das Auge zu. Also fahre ich mit der U12-Alternative nach Degerloch, da startet der 74er nach Nürtingen. Am Löwen in Wolfschlugen gehe ich los. In westlicher Richtung auf den Uhlberg zu.

Nur 7 Grad entfernt vom Gefrierpunkt. Außerhalb des Ortes weht zudem ein etwas erkälteter Wind von der Alb her. Die paar Ackerfurchen können ihn nicht bremsen. Einige Höfe, wenige Bäume, schnell bin ich an diesem dürftigen Windschutz vorbei. Die Filderebene steigt gleichmäßig an und deshalb werde ich der Luftströmung noch besser ausgesetzt. Und froh bin ich über die dickere Jacke.

03-P1220488Ungerührt über alle Wetter grasen in einer Koppel drei schwarze windfeste Hengste. Mein Weg biegt südwestlich ab zur Südecke von Harthausen. Ein einzelner Baum schmückt den Feldweg in ganzer Länge. Gleichmäßig im 04-P1220492Wuchs, kräftige Stämme und Äste, noch halb geöffnete Blattknospen. Als ich daneben stehe, entpuppt er sich als zwei Bäume. Relativ nahe beieinander wachsend bilden sie eine Gemeinschafts- krone.

Diese Filderflächen bieten über das Neckartal hinweg bei jedem Wetter eindrucksvolle Aussichten hinüber zur Alb. Die warmgelben Phorsydienblüten haben ihr Verfallsdatum erreicht, aber gleichzeitig werden diese Büsche grün. Vereinzelt beginnen sich Rapsflächen frischgelb einzufärben. Und schon jetzt die rosa betupften Apfelblüten, sie haben es in 02-P1220482diesem Jahr sehr eilig. Und ich erst, wenn ich an meinen geschmackvollen Rucksackinhalt denke! Schon 11 Uhr! Da ist rechts ein Grundstück mit Spielplatz, Reitplatz, Kinder stehen um zwei Ponys herum. Eine breite 05-P1220510Sitzplattform an einer Hütte. Das Tor drückt sich nach innen auf. Ich besänftige das innerliche Protestknurren.

06-P1220513Eine halbseitige Allee führt hinunter zu den schönen Fachwerkgebäuden Gutenhalde. Zwischen den Stämmen steht deutlich mein Zwischenziel vor mir, der Uhlberg. Hier in diesem ruhigen Seitental der Aich ist ein idealer Platz für die 07-P1220530Freie Waldorfschule. Dann der
Anstieg zum Uhlbergturm, halb so schlimm als ich dachte. Inzwischen auch ohne Jacke. Ich versuche den Turm in ein gutes Bildmotiv einzupassen. Leider ist er nur an den Wochenenden bekletterbar. Er wird bewacht, eine geschnitzte Holzfigur beobachtet kritisch die Bergwanderer.

08-P1220534Ich bin nicht der einzige hier oben. Ein Fahrradwanderer genießt an einem der Tische auf der Wiese die Sonne und die Ruhe mit Mittagsrastlektüre. Ich setze mich dazu, kann statt eines Buches nur meine Heringsdose aufklappen. Es wird ein interessantes Gespräch über Ansichten, die früheren Berufe und Frischluftbewegung.

Das Aichtal erreiche ich nur auf krumm verlaufenden Waldwegzacken. Hier könnte nach jeder Biegung die Katrin „Schönbuche“ auftauchen, die in der Nähe zu Hause ist und gern den Schönbuch und die Alb durchwandert – und Schlammwege durchwatet. Sie schreibt in ihrem Blog so schöne einfühlsame Berichte!

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So komme ich auf die andere Talseite. Schon im kühleren Schatten wandernd stelle ich mir vor, wie warm die Sonne drüben auf der Fahrstraße wäre. Doch Bewegung hilft auch gegen Fröstelei. Der Rest meiner Route bleibt hier im Tal. Ab der Burkhardtsmühle (unteres Bild) ist der ehemalige Bahndamm – bis 11. April offiziell noch gesperrt – frisch gerichtet für alles, was in der Freizeit keine Schlaglöcher mit oder ohne Pfützchen mag (selbst mit Lupe könnte man keines finden), ein taufrischer Asphalt. Ein Graus, wenn das jedem Wanderweg angetan würde!

Jemand interessiert sich für mein Bein, die Technik und Funktion. Nicht dass ich es hergeben würde! Er empfiehlt mir das Hochgebirge, die Panoramawege zum Beispiel. Doch ich bin ja froh, dass ich weite unbekannte Wege laufen kann und trotzdem, im Moment, keine 20 Kilometer von meinem Bett entfernt bin!

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Ich erreiche Liebenau, fast die Haltestelle und sehe den Bus schon kommen. Ohne Halt in ihn hineingewandert. Das hat ja genau gepasst, bemerke ich zum Fahrer, doch er brummt nur. Oder war das der Bus?

Heute: Geplant 14,0 km   Ist 15,8
Gesamt: Geplant 273,0 km   Ist 283,2

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Schafttest

Testwanderung 7.4.2014, von Hulb in den Fasanengarten und zurück

Startschuss für den neuen definitiven Prothesenschaft, mit dem die Wanderspirale bald weiter gedreht wird. Mit dem provisorischen Modell konnte ich heute unerwartet, aber erhofft, 13,5 km bei Böblingen-Hulb zurücklegen. Wesentliche Probleme fanden keine statt. Die wichtigsten Daten dazu:

Unterwegs genau 6 Std. = 360 min
Minus Aufenthalte und Pausen: 75 min
Reine Laufzeit: 285 min
Wegstrecke: 13,5 km
Durchschnittliche km/h: 2,84

Dieser Ausdauertest hatte den Sinn, die Ausdauerqualität der Schaftanfertigung zu kennen. Da körperliche Ausdauerleistung unmittelbar mit gesundheitlicher Stabilität zusammenhängt, ist unsere Gesundheit immer auch von einem sehr guten Schaft abhängig. Ein Schaft kann also ein Gesundheitsrisoko oder ein Gesundheitsförderer sein. Die Daten dieses Schafttests zeigen die anspruchsvolle Eignung für die Verwendung des Schaftes über volle 6 Stunden.

Wanderspirale W20, 6. April 2014, von Altbach bis Wolfschlugen

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Schon wieder Antibiotika? Das wollte ich diesmal nicht. Also dauerte es etwas länger, bis meine Schnieferei ausgestanden war. Doch ganz untätig war ich nicht. Neben der Hauptaufgabe Erholungsschlaf sorgten einige Trainingsläufe für Ausgleich und den Erhalt der Gehfähigkeit und Ausdauer. Mehr Frühling will ich jetzt aber nicht mehr verpassen.

Ich darf es nie vergessen: Beine sind nicht dazu da, nur das Nötigste erledigen zu können. Sie zuerst verhelfen uns allen zur vollständigen Rückkehr in alle Lebensbereiche. Mobilität, Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit sehe ich als Grundrechte an, denn ausreichend Beinbewegung verhilft mir über die körperliche Kräftigung und Ausdauer zu stabilerer Gesundheit. Ohne diese kann Lebensqualität nicht funktionieren. Schade, dass es mancher nicht nutzt, obwohl er es doch könnte!

Mit dem Anstieg auf die Filder fängt es diesmal an. Gleich morgens den Berg hinauf, das ist doch praktisch! Bei jedem Höhenmeter spüre ich die frische, volle Kraft jeden einzelnen Frühstücksbissens. Das fällt jetzt leichter als nachmittags. Dann erreiche ich rechtzeitig die Aussichtsregion, kann kucken, was Landschaft und Natur bieten.

Die Birken zu Hause tragen heute Würstchenlametta, die wenigen auf den Fildern sind außerdem bereits beblättert. Hochnebel, mit Sonnenscheinoption. Kaum bin ich oben am Waldrand, hat die Sonne 02-P1220403schon ihre erste Wolkenlücke gefunden. Unter der Hochspannungs-leitung, die vom Werk Altbach heraufkommt, stehen Gewächshäuser wie Rundzelte. Dabei ein landwirtschaft-licher Karren, der mir eine Sitzfläche anbietet. Das passt!

03-P1220410Zwei nette Unterhaltungen. Der Mann bekennt sich als Experte für Geschichte. Und für Texas, und zur DDR. Eine nordische Walkerin kommt dazu. Die zwei sind offenbar hier oben immer mal im Gespräch. Sie begleitet mich spazierwalkend ein Stück durch die beiden nächsten Höfe. Will mal in meine Seite reinschauen.

Die nächste Waldecke bietet mir die ersten Bilder mit frisch grün belaubtem Waldweg. Dann quere ich einen Wiesenweg, den ich schon mal im Winter 04-P105075105-P1220413bewandert habe – dieses Bild, mitten im lauen Frühling, erzeugt hoffentlich keinen Fröstelschock! Und die am Höhenweg stehende Klingenlinde mit den zwei Sitzbänken kenne ich auch noch.

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Mit Blick zur recht verdunstigten Alb lasse ich mich nieder. Vor mir der Teckberg, neben mir hat eine Frau Platz genommen, die mit ihrer Familie eine Sonntagsrunde dreht. Auch hier gehört zu unserem Gespräch wie selbstverständlich das Thema Bewegung in freier Natur dazu.

Eigentlich zu früh geveschpert! Habe noch nicht die Hälfte! Also jetzt mal flotter das C-Leg schwingen! Weiter Blick in alle Richtungen. Zuerst auf Denkendorf zu, danach in Richtung Nürtingen, das hinter dem Wald versteckt liegt. Zumeist dieses halb verschleierte Licht, die Schatten sind heute sehr hell. Kaum Wind, ab und zu heftige Wärmeströmung von oben. Das Poloshirt wird mir zuviel.

Gestern gab es ein Erinnerungstreffen an Hans Kaiser. Etwa 20 Personen aus dem Ländle trafen sich im Bernhäuser Friedhof. Bewegende Worte seiner engsten Freunde an seinem Grab. Frau Kaiser lud anschließend alle in eine Gaststätte ein, um Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse auszutauschen. Hans hatte ab etwa 1958 viele maßgebliche Ämter im Schwäbischen Albverein und in der Deutschen Wanderjugend ausgefüllt. Beispielsweise hat er die Zeltlager des Albvereins initiiert und viele mit durchgeführt; sehr viel hat er für die Jugend getan! Ich war in diesen Lagern von 1959 bis 1964 sechs mal als Gruppenleiter dabei. Mit Hans wanderte ich einmal in der Freudenstadter Gegend, sehr gern denke ich daran. Heide gibt mir noch etwas „Proviant“ mit, von ihrem Ostergebäck. Sie meint, das passt, denn heute haben sich die Alten Hasen getroffen.

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Im Wald vor Wolfschlugen kommt jetzt öfter die Sonne klarer zwischen eindeutigen Wolken durch. Alle Blätter sind noch klein und glitzern im Gegenlicht. Wieder gibt es zustimmende Unterhaltungen mit 07-P1220461Spaziergängern. Ein Mann erzählt mir von seinem Vater, der beinamputiert aus dem Krieg zurückkam. Holzprothese mit Riemen zum Befestigen und Achselhöhlen-krücken. Er ist beeindruckt von meiner Elektronik am Bein.

Einmal geht ein Pfad recht steil hinauf zum Waldrand. Dort auf einer Streuobstwiese finde ich im Baumschatten Holzklötze zum Sitzen. Noch eine Rast. Ich probiere einen neuen Riegel, geeignet für sportliche Tage als vollwertige Knusper-Mahlzeit. Den gibt es erst seit einer Woche. Ein richtiger Hammer! Er sättigt enorm und geschmacklich genau richtig für mich! Ich hätte ihn schon vorhin essen sollen.

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Dann nur noch die ebenen Felder vor dem Zielort. Hinten im westlichen Dunst steht schon der Schönbuch in Sichtweite.

Heute: Plan 14 km   Ist 13,4
Gesamt: Plan 259 km   Ist 267,4

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