Monatsarchiv: Mai 2014

Wanderspirale W31, Reichenbach/Fils

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„Nein, einen Schirm nehme ich heute nicht mit – es könnte ja sein, dass es mal nicht regnet.“ Eine gute, risikobereite Einstellung. Meine ist vorsorglicher, denn meistens vergesse ich meinen Schirm – aus dem Rucksack-Seitenfach herauszunehmen. Seit dem kürzlichen Austrocknen des Hagelregens ist er wieder völlig entspannt dabei. Das Wetter heute? Sieht sehr gut aus.

Etwas eingerostet bin ich nach der Ausfallzeit. Vorgestern schon mal ein Bergtraining hinauf zum Fernsehturm, gestern ein Probelauf mit dem neuen Schaft, diese 10 km sollten als Vorbereitung ausreichen.

02-P1000331Heute aber, denke ich, sind die niedrigen Felder seitlich des Neckars eben bis fast flach. Nach der Filsbrücke geht ein Radweg Richtung Plochingen neben der Fils. Das ist kein Vorzeigefluss. Schaumblasen auf schmutzigbrauner Brühe. Die Enten und Schwäne nehmen’s wie es ist.

Bei der Filsmündung in den Neckar biege ich südlich hinauf auf meinem vorgeplanten Weg. Der erste Anstieg. Ein Mann pflückt Holunderblüten. „Als Tee für das Immunsystem, ein Glas täglich, drei Drittel verteilt“, ist sein Rezept. Holundersaft ist auch so was Gutes.

Gleich darauf, an einem Kreuz zur Erinnerung an den XX. Weltjugendtag 2005, finde ich „auf die Minute genau“ eine Rastbank. 03-P1000353Im Rücken hat sich inzwischen ein Wetterwechsel vorbereitet. Dunkle Wolken verdrängen weißen Wolken und die blauen Stellen. Aber noch scheint die Sonne und der Blick zurück geht zum Neckarhang mit der Plochinger Kirche.

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Ein Garten mit großem Kirschbaum. In halbe Höhe hinauf geklettert, genießen zwei Mädchen die reifen Kirschen. Vor dem verschlossenen Gartentörle sieben Frauen. „Kommsch jetz runter, Ina! – Inaaa!!!“ Ich kuck mir das an. Die Mama dreht sich rum zu mir. „Mir klauet fei nix!“ Ich erwähne, ich hätte auch schon manchmal zugelangt und hier sei ja offenbar kein Elektrozaun angebracht. Die anderen sechs lachen beruhigt.

Viele schöne blühende Gärten in Wernau. Treppen gehen runter zum Bodenbach und Treppen wieder rauf zu den nächsten Feldern. Der 05-P1000364zweite Anstieg. Sehr malerisch stehen die Berghöfe auf der Höhe. Der Bodelshofer Weg, der Hohlweg, alles sehr schöne Wege mit 06-P1000368gelegentlicher Sicht auf den Teckberg und zum Hohenneuffen. Auch der Fernsehturm ist sichtbar. Immer laufe ich entlang einer Art Wolkengrenze, nördlich etwas heller als hier und über der Alb. Noch vor den ersten Häusern steht ein flache, dafür sehr breite Sitzfläche unter einem riesigen Birnbaum. Mein Müsli, mit Orange statt Birne, die erste Hälfte, ist jetzt dran.

Jetzt gehts nach Wendlingen hinab, sehr allmählich. In den Gärten brutzeln Fleischstücke und blaue Geruchsfahnen wehen durch die 07-P1000373Sträucher. Die Lauter ist ein breiter Bach, er kommt aus dem Lenninger Tal von der Alb runter. Im Ort ist ebenfalls die Grillepidemie ausgebrochen. Es duftet und qualmt die ganze Straßenbreite zu. Einige Männer begutachten aufgespießte Fische, die hungrigen Mäuler anderer Leute sind schon begeistert „an der Arbeit“.

Auch aus Wendlingen hinaus steigt es nun zum dritten Mal stark an. Über dem Wald rechts am Hang steht eine sehr dunkle Wolke. Ringsum geben ihre Kolleginnen leise Brummelgeräusche von sich. Aber sie ziehen alle vorbei und der Regenschirm bleibt trocken heute. Die Landschaft ist jetzt recht trübe geworden. Rechter Hand, weit über dem Neckartal, erkenne ich wieder Wegteile meiner vorigen Spiralrunde.

08-P1000383Trotz der Regenstimmung sind doch recht viele Leute unterwegs. Die Hundehalter sind fleißig dabei, das ist klar. Nie nehmen diese Freunde des Menschen Rücksicht auf das Ruhebedürfnis unsererseits, das bei kühlerem Wetter immer so ansteigt. Und unterstützen damit die Gesundheit.

 

09-P1000389Noch mehr dunkle Wolken sowie der Talrand des Neckars nähern sich. Da wird doch sicher eine Bank rumstehen? Oder gehe ich gleich durch bis zum Bahnhof? Die Mauer dort drüben sieht ganz gut aus. Zuletzt also doch noch eine kurze Rast, der Müslirest ist jetzt lecker durchgezogen, das Sitzen geht leidlich – zehn Meter neben drei Bänken, die ich erst nach Sättigung entdecke.

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Drei Minuten vor meiner Ankunft am Bahnhof fährt die Regionalbahn rechtzeitig weg. Auf den Bahnsteigstufen überbrücke ich die Stundentakt-Wartezeit mit dem Berichtschreiben. Und deutlich merke ich bereits den erwarteten Muskelkater.

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Heute: Geplant 13,0 Km   Ist 15,5
Gesamt: Geplant 406 km   Ist 425,7

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Wanderung unterbrochen

Wanderung unterbrochen

Bin am 12. Mai in der Wohnung mit Rollator umgekippt. Vergleichbar, wie vom Gaul geworfen. Dauer der Unterbrechung hängt davon ab, wieviele Rippen gebrochen sind, aber die werden erst morgen gezählt.

Freitag, 16. Mai: Es ist noch spürbar, aber sonst alles ok.
Mittwoch, 20. Mai: Es wird noch etwas dauern.
Sonntag, 25. Mai: Inzwischen bisschen erledigen, staubwischen, bisschen Doc besuchen, bisschen ungeduldig. Und neue Bilder gemacht, bisschen blümelig.
3-P1000198Vermutlich geht’s am Donnerstag weiter.

Wanderspirale W30, 11. Mai 2014, Geradstetten bis Reichenbach an der Fils

 

01-P1000094Ein Berg steht vor mir. Unverrückbar! Am frühen Sonntagmorgen! 200 Meter hinauf etwa. Kein Lift, nirgends ein Aufzug! Was für eine deppete Wanderidee! – Aber andererseits ist es im Prinzip sonst nicht anders. Nirgends flattern Glücksfeen herum, die dir deine Wünsche erfüllen und Bequemlichkeiten abnehmen. 02-P1000080Meistens ist es tatsächlich halb so schlimm. Und danach das super Gefühl, dass man mal wieder gewonnen hat!

Gleich nach den letzten Häusern schwingt sich mein leicht ansteigender Wiesenweg wieder hinunter in die Talsohle eines Seitenbaches der Rems. Der Waldweg hat leicht begehbaren Schotteruntergrund. Wie gewohnt mache ich das Steigen langsam, denn ich weiß, dass dadurch meine Kräfte bis abends gut ausreichen. Noch vor 10 Uhr strahlt auch bereits die Sonne durch die Wipfel.

Oben am Waldrand weht es kräftig. Unter einer mächtigen Kastanie stehen zwei Bänke. Die Blütenkerzen verlieren bereits ihre Samen, der Boden und die Bänke sind gleichmäßig überstreut. Auf meiner Sitzunterlage mache ich es mir für 30 Minuten bequem unter dem Dach der gefingerten Blätter. Immer wieder wedeln Blüten in meinen Trinkbecher.

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Meine Route läuft hier nicht unbedingt durch Manolzweiler, sondern ein kurzes Stück entlang des Waldrandes. Soweit sehr schön. Dann geht rechts der Wanderpfad runter zum nächsten Querweg, allerdings 04-P1000095von der besten schlierigen, matschigen, saftigen und steilen Sorte. Wo finde ich hier nur Trittstellen? Mal ein Stein, ein Grasbüschel, eine flache Matschmulde, aber sie helfen weiter. Vorwärts gerichtet geht nichts. Das Gelenk bietet bei Gefälle dann normalerweise einen „Knickservice“. Nur, wenn dann aber gleichzeitig der Fuß nach vorn rutschen sollte… Also wieder seitlich tasten und immer zur Sicherheit die Ferse etwas höher aufsetzen als die Fußspitze.

Ein Biker kommt von oben. „Klappt das?“ – „Weiß noch nicht.“ – „Ich fahr mal runter, wenn’s schlimmer wird, komm ich zurück…“ Find ich aber super! Nur kurz wird es noch grenzwertig. Dann richtig besser, weil hier unten weniger Laub überhängt und alles besser trocknen kann. Der Biker kommt nicht.

Es geht bald noch weiter runter. Ein Neckarseitental diesmal. Dort wieder lange Wege hinauf, wieder auf die hohe Höhe. Oben durch Hohengehren. Hier habe ich einen selten guten Blick auf einen vorangegangenen Weg der Wanderspirale. Dort drüben, zwischen Krummhardt und Aichschieß, marschierten wir, Alfons und ich, 05-P1000100auf unserer W19. Danach eine bequeme Bank. Verflixt zugig hier, es pustet durch alle Nähte in alle Poren. Das Rasten geht wieder nur mit Jacke. Was bringt uns der Wind? Die Sonne scheint noch, doch südwestlich sieht’s unfreundlich aus.

Ich will Plochingen ja über den Stumpenhof erreichen. Da ist nun nur noch das dritte Tal dazwischen. Bisher werden es wohl so 350 Höhenmeter gewesen sein. Viel Spaß für die restlichen 200! Vorher noch durch Baltmannsweiler.

Der Abstieg beginnt. Unter mir rollende Schottersteinchen. Oben braust es. Sehr dunkel hier, nicht nur wegen der Bäume. Leiser Donner. Ich beginne einzelne Maßnahmen gegen den ersten ordentlichen „Spiral-Regen“: Rucksackverhüllung, Cameratasche unter die Jacke, die schnuckelige weiche Apothekentüte schützend und möglichst dekorativ ums Kniegelenk geknibbelt (habe sie als Zubehör immer dabei!), da beginnt „es“ auch schon – also gleich noch die Kapuze über die dünne Kappe! Und weitere Donner zwecks Vollständigkeit.

Unter einem inzwischen vergeblich dichteren Baumzweig stehend spanne ich lieber noch den Schirm auf. Denn jetzt prasselts! Das sind keine Tropfen! Hagelkörnchen mangelnder Qualität, nur bis zu sechs 06-P1000107Millimeter. Bald zehn Minuten lang wird hier noch der ganze Restbestand der verpatzten Wintersaison ausgekippt. Und schlagartig ist er verbraucht. Jetzt die Camera, denn der Weg ist weiß. Zwei junge Leute hatten sich untergestellt, weiter unten. Sie sind ebenso begeistert wie ich, von diesem Ereignis.

Mit Schirm stundenlang laufen, ja, das habe ich 2012 bei Halberstadt und vor Pullach geübt. Da schiffte es den ganzen Tag. Hier hört es nach 20 Minuten für die Restsonne des Tages plötzlich auf. Noch paar Restbissen und -schlucke. Endlich Rückbau aller Regensicherungen. 07-P1000115Eine graue FKK-Schnecke muss da nichts machen, sie flitzt nur wie katapultiert quer vorüber und gleitet nun regennass ungebremster 08-P1000109über den Weg. Nicht mal ein Häuschen hat sie an. Die findet da garnichts dabei!

Ein Tal von rechts. Drei hölzerne Schnitzgestalten, fünf Meter hoch mit Wurzelwerkkrone, stehen freundlich in der Gabelung der Wege, halten Infotafeln und kündigenden so den Bannwald an, der rechterhand beginnt. Ich aber suche den Weg hinauf zum Stumpenhof. Nur ein feuchter Pfad ist das, leider! Ich denke an vorhin. Wenn das am richtig steilen Hang wieder so wird… Nee! Zu spät schon für derartige Späße!

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Die einzige Alternative bleibt der sehr gemütliche Talweg, allerdings mit Bergeinsparung. Er mündet direkt in Reichenbach. Dort gibts einen Bus, der mich am Plochinger Bahnhof den verspäteten Ulmer Zug gegen 19Uhr20 erreichen lässt.

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Heute: Geplant 16,5 Km   Ist 17,7
Gesamt: Geplant 393 km   Ist 410,2

 

Wanderspirale W29, 9. Mai 2014, Winnenden bis Geradstetten

 

1-P1000055Was tut man, wenn man an der Haltestelle steht und – ein Treffpunkt ist vereinbart, und schon als der Bus vorfährt wird bewusst, das Handy liegt noch zu Hause! Schnell, sage ich zu mir, was tun??? Ich denke, soll es doch mal ausspannen! Den Helmut will ich nicht warten lassen.

2-P1000037Helmut hat sein Auto auf dem DB-Parkplatz abgestellt. In der Hoffnung, es ist abends noch da, der Schwerbehindertenausweis liegt vorsorglich sichtbar drin. Helmut ist linksbeinig mit einer Genium-Prothese ausgestattet. Seine Nordic-Walking-Stöcke sind für das bergige Gelände. Ich hatte ihn 2013 auf der Mitgliederversammlung des Bundesverbandes für Menschen mit Arm- oder Beinamputation kennengelernt. Da war bereits die Idee entstanden, dass wir mal zusammen wandern könnten.

1-DSC02633Schon am Aufstieg geht am Kleinen Rossberg eine Treppe hinauf zu einem vermuteten Aussichspunkt. Unsere Prothesen und Stöcke bekommen richtig viel zu tun. An den meisten Trittstellen fällt auf, dass diese Wegebauer offenbar an Stufen sparen wollten, statt zweien reicht hier eine. Höhe und Abstand der Stufen sind deshalb einfach sehr schräg aufgefüllt worden. Die Schuhsohlen sind bereits im heutigen trockenen Zustand hart an der Abrutschgrenze. Eine bereits 3-P1000040kippende Mauereinfassung mit Geländer verstärken den fragwürdigen Eindruck.

Oben ist die meiste Aussicht zugewachsen. Na gut, gehen wir halt wieder. Aber wie vermutet, der Abstieg ist noch deutlich schwieriger. Wenn man das Geländer hinab rutschen könnte! Aber ich kann nur seitlich steigen, mit den Gehhilfen vorher gründlich eingestemmt, wie es ein schwieriger Naturpfad erfordert. Bin nicht so geschickt wie Helmut. Lieber sehr langsam! Echt kriminell, diese Zumutung, kein Weg für jedermann! Das Mindeste, wenn er schon nicht gesperrt oder schnellstens restauriert werden könnte, wäre ein Schild, etwa so: „Für Unfälle auf dieser Treppe haftet selbstverständlich der Eigentümer“.

Ein rund um den Haselstein laufender Waldrandweg bietet uns bessere Aussichten. Eine bequeme Bank nutze ich, um die Prothese nochmal neu anzuziehen. Mein Dauerpickel war bisher leicht zu spüren, danach aber merke ich nichts mehr. Helmut schlägt gleich eine „Gewichtsabnahme der Rucksäcke“ vor, und wir lassen es uns schmecken.

Zwei Wanderinnen steigen vorbei. „Wo wollen Sie noch hin?“ „Winterbach. Und dann über Birkmannsweiler zurück“. Schöner Weg! Wir selbst erklimmen die Höhe durch Breuninsweiler nach Buoch bis auf runde 540 Meter. Diesmal eine Rast mit Blick nach Südosten, hinüber zur Ostalb und zum Schurwald.

5-P1000053Ein abfallender Waldweg. Hinter uns nähern sich zwei Pärle. Da wir ein Bild brauchen, auf dem wir beide drauf sind, fange ich gleich mal so an „Sie kommen uns gerade recht!“ Wie üblich sind Wanderer hilfsbereit. Der eine Mann stellt sich sogleich mit „…wir Wanderfreunde!“ als Motivaufwertung zur Verfügung, während der andere versucht, alle Füße mit draufzubekommen. Aber schwäbische „Füß“ reichet ja mindeschtens bis nuff zom Anschlag. Eine echte Verschönerungsmaßnahme wären dann noch die beiden Mädle gewesen. Später fanden wir eine sehr unfotogene Kröte, die sich uns in den Weg stellte. Niemand war da, der uns hier zu dritt aufnimmt. Unfotogen? Ja, eine Warze an der anderen! Und dann noch unscharf geworden. Wenn schon Warzen, dann doch bitte schön deutlich!

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Am Waldrand überblicken wir das Remstal und einige Weinbergflächen. Wie steil das da drüben hochgeht! Eine schöne Aufgabe ist das wieder, wenn die nächste Tagestour beginnt! Im Vordergrund breite Butterblumenwiesen mit einzelnen Lichtnelken eingestreut. Mitten im Tal der spitze Kirchturm von Geradstetten.

Obwohl ich meine Sardinen genieße, fällt mir irgendwie „Streußelkuchen“ ein. Wie kommt sowas zustande? Jedenfalls erfahre ich dadurch von Helmut, dass auch bei ihm große Streusel schon 6-P1000067immer den besten Eindruck hinterlassen haben, in einer Zeit, als es sonst nichts Süßes gab!

2-DSC02649Die Weinberg-wege scheinen nur quer zu verlaufen. Wir nehmen dann die „senkrecht“ zum Berghang verlaufenden Rasenstreifen zwischen den Rebenreihen. Eine wichtige Übung für Prothesen-Abwärtstraining, jede Gehschule bräuchte einen Weinberg! Helmut bestätigt mir, dass er daran jetzt erkennt, meine Unterarmstützen ermöglichen mir Sicherheit in jedem Gelände! Unten nutzen wir das Gras als genussreiche Sitzflächen, um 7-P1000069entspannend einige der Sonnenstrahlen zu tanken, bevor wir durch die Gassen und Straßen die Bahnlinie erreichen.

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Wieviele Km sind das nun heute? Dafür finde ich noch eine andere technische oder muskuläre Lösung. Helmut meint, dass er gern wieder einmal mitsteigen könnte. Ein Wille, ein Weg!

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Heute: Geplant 13 km   Ist 12,9
Gesamt: Geplant 376,5 km   Ist 392,5

Wanderspirale W28, 7.Mai 2014, Marbach bis Winnenden

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Habe die Entzündung so „eingepackt“, dass sie sich hoffentlich ruhig verhält. Ebenfalls Zurückhaltung erhoffe ich mir von der geschlossenen grauen Wolkendecke. Kaum reingetippt in meine Vorausnotizen, hier in der S4, geht ein Plätschern los und die Gleise draußen sind nass…

Soeben aus dem Zug, werde ich begeistert von einem kräftigen Regenschauer begrüßt. Doch schon nach zwei Minuten schwächelt er und ihm gehen die Tropfen aus. Die Luft ist heute fast warm. Den Marbacher Hügel hinauf und ich schwitze. Weg mit der Jacke. Und im Rücken verfolgen mich schnell freundlichblaue Aussparungen.

02-P1230153Am Rande von Marbach öffnet sich mir die Landschaft nach Südosten. Wie eine schräge Platte, rechts steil abgebrochen, steht der Lemberg im Südosten vor mir. Er ist mein Zwischenziel heute. Sehr schöne Wege, angenehmes Laufen.

In einer Senke hat das letzte Regenwasser Erde angeschwemmt. In voller Wegbreite. Ein schlieriger Glitsch, vergleichbar mit Glatteis. Hier sind meine Gehhilfen mal wieder die einzige Rettung. Zentimeterhoch sind die Schuhe mit einer dicken Schicht eingebräunt. Alternative? Zehn Zentimeter tiefe Felder mit Dickmatsch. Oder ich muss die „Fliege“ machen und Bodenkontakt vermeiden. Ich rutsche mich also weiter durch. Und da vorn geht ein Wiesenweg. Da kann’s nicht gleich antrocknen. So ein Regen ist doch was Feines. Schuhe 08-P1230279putzen im triefnassen Gras, während des Laufens, was will man mehr!

Dann beginnt der Schaftrand zu drücken. Ein Baum zum Anlehnen, damit ich einbeinig stehenbleiben kann, steht an einem Gartengrundstück. Während ich alles am Schaft in Ordnung bringe, spüre ich erst, was für ein kalter Wind das jetzt ist. Die Jacke schnell wieder an, eine Erkältung reicht!

Am Waldrand kommt der Anruf von Regula. „Wir sind jetzt am Parkplatz.“ – „Ich brauche noch eine Stunde“, muss ich antworten. Regula und ihre Mutter gehen noch zum Einkaufen, aber als ich 03-P1230195eintreffe, kommen sie vom Spielplatz, um die Ecke. Wer Regula ist? Klickt mal auf http://www.regularunge.de .

Zu dritt steigen wir hinauf zum „Gipfel“, flach wie ein umgestülpter Kuchenteller, finden Biertische und trockene Bänke und eine herrliche Aussicht über die südlichen Felder. Ich habe mir einen ausgewachsenen Hunger angewandert. Wir unterhalten uns über solche Dinge wie Training, Sport, Reha, Bewegung. Regula will eigentlich ab hier mitwandern. Doch eine Mail von der Uni bringt ihr eine eilige Aufgabe. Sie muss leider gleich wieder mit heimfahren. Sehr schade! Sicher klappt unsere Wanderung ein anderes Mal.

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Der Südhang ist jetzt voll in Sonne eingetaucht. Vor den Schuhen die Weinberge, weiter hinten Streuobstgärten, jede Menge. Im Hintergrund die blauen Hänge bei Schwaikheim, Winnenden und Backnang. Aus einem Winkel lugt deutlich der Hohenstaufen hervor. Er kennt meine Prothese schon seit Juni 2011 und grüßt verstohlen herüber. Und unser zugesperrter Turm, etwas weiter rechts, ist auch ganz klar sichtbar. Den sollte man zuhängen, solange man nicht hoch kann! Oder man verscherbelt ihn als Leuchtturm-Schnäppchen nach Ostfriesland.

06-P1230229Dieser Wegabschnitt bis Winnenden, durchweht mit deutlich frischerer Luft als vorhin. Der Wind hat stark zugenommen. Man kann ihn im Bild festhalten, wie er die niedrigen Ährenflächen in Wellen  05-P1230256durchwühlt. Die Wolken sind nun auch nur noch vergebliche Lückenfüller, wunschgemäß! Meist finde ich grasbewachsene Feldwege, die viel Kraft verbrauchen. Im Zickzackkurs, vorbei an 07-P1230262einigen Höfen, erreiche ich einen niedrigen und bequemen Grashang unter Obstbäumen. Erst mal wieder entspannen und was essen!

Zuerst zieht noch einmal eine Wolkenbank vorbei. Die letzte heute? Nach meiner unvermeidlichen Kau- und Schluck-Phase liegt alles wieder im Sonnenlicht. Der Blick zurück zum Lemberg; in Augenhöhe, im Gegenlicht, durch die halbhohen Gräser zu den dicken Stämmen und bizarren Ästen, längst wieder blütenlos und dick belaubt. Eine Wohlfühlrast.

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Ein kurzes Waldstück. Felder, die leuchten, wenn sie das volle Licht trifft. Hinüber zur Straße. Offenbar existieren Fußgänger für manche Verkehrplaner nicht. Die Straße geht direkt nach Winnenden hinein und der Autoverkehr ist jetzt stark. Man sollte einfach da den Autos entgegen laufen, denn ein Fußweg nach Winnenden ist hier ja nicht erforderlich! Zweimal muss ich deutliche Bogen gehen. Beim zweiten fehlt das eingezeichnete Verbindungsstück des Weges. Ein frisch gemähtes Wiesenstück. Muss ich hier wieder zurück? Aber es bringt mich weiter, wieder neben die Straße.

Eigentlich mag ich ja solche romantischen Umwege, sie sind zumeist eindeutig erlebnisreicher als die kürzesten Wege. Nun habe ich aber zuletzt umdisponiert. Ich möchte noch rechtzeitig zum Gruppentreff unserer Selbsthilfegruppe nach Nürtingen rüberfahren, und es eilt nun mal.

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Die S-Bahn fährt mir weg. Doch der nachfolgende Regionalzug ist schneller. Nur 10 Minuten nach Beginn bin ich dort.

Heute: Geplant 15,5 km   Ist 17,9
Gesamt: Geplant 363,5 km   Ist 379,6

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Zwischentraining

Zwischentraining 4.5.14 – Vorbereitung für W28.

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1-P1230121Heute die Belastbarkeit der Entzündung der letzten 6 Tage festgestellt. Ist noch empfindlich. Muss weiter behandeln.
Will am Mittwoch wandern.

Wetter heute super. Von S-Wangen bis zu mir gelaufen. Über die Wangener Höhe. Steil hoch, kleine Straßen und Pfade durch Gärten, und steil runter. Unbekannte Wege entdeckt.

Das Wetter ermöglichte gute Bildmotive, hier ein paar.

Heute 6,3 km. Die Entzündung wirkte danach relativ verärgert.

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