Monatsarchiv: Juli 2014

Wanderspirale W49, Kirchheim unter Teck bis Bikepark Reudern

1-P1030161Der Regen hat aufgehört, als es hell geworden war. Das anschließende Nieseln macht mich nicht nass und erfrischt auch 2-P1030105heute wieder. Erst gestern, bei einem Testlauf mit dem neuen Schaft, der vor kurzem seine definitive Form erhielt, konnte ich schon das gleiche Wetter genießen. Trotz des Tiefs ist die Luft nach wie vor angenehm warm.

Nun drückt er leider, der Neue, mit dem schwungvollen Design. In der Testform bin ich ja schon sechs Mal erfolgreich mit ihm gewandert, drüben im Gäu. Vor der Querung der A8 ziehe ich ihn neu an und es geht besser.

Ein kurzer Verbindungsweg zum Flugfeld auf der Hahnweide. Ein Baum verneigt sich elastisch vor mir. Er bietet mir Früchte an. Mirabellen, aber wie! Dicht an dicht, Hunderte an hunderten Zweigen! In Reichweite. Die 3-P1030147Braunen übersehe ich. Gut schmecken die Guten. Aber lieber nicht zu viel, der Weg ist noch lang. Die 30 gelben Kugeln entlasten den Baum nicht, ich schüttle noch kräftig die Tropfen ab, er richtet sich nur wenig mehr auf.

4-P1030154Auf dem Flugfeld ist alles ruhig. Wer will auch gern bei dem „Sauwetter“ durch „Keine-Sicht-Wolken“ gondeln. Drüben, in den Bäumen des Talwaldes, verheddern sich die Wolkenbäuche und bekommen Fransen. Hier blüht gelb ein Gurkenfeld, die Hecken tropfen, die Disteln verblühen. Lange Ranken wollen in Richtung der anderen Wegseite wachsen. Jetzt wird es sehr steil, der Knochen am Stumpf schmerzt, ich muss von den Stöcken 100% Einsatz verlangen.

6-P1030163Die Wasseroberfläche der Bürgerseen dampft. Der Grillplatz ist vereinsamt und pitschnass. Hier haben wir vor drei Jahren mit der Selbsthilfegruppe (Bild ganz unten) eine tolle Grillparty abgehalten. Einige 7-P1120483unserer Gruppe laufen hier im Sommer jede Woche einmal um die Seen herum. Ein Drittel des heutigen Weges habe ich geschafft. Die Rast ist hier sinnvoll. Hier könnte ich den Schaft nochmal anders anziehen. Der Niesel wird heftiger und geht schnell in Regen über. Die Rast wird kürzer. Bei Nässe ist es nicht ratsam, den Schaft abzunehmen. Das muss noch warten.

Im Wald tropft es heute gleich durch von oben. Der Talwald steigt an. Ein schönes Stück natürlicher Waldweg, mit natürlichen Pfützen, etwas schwammig, aber besser als der gelbe Schotter, leider zu kurz. Das alles strengt heute den Beinstumpf mehr an als sonst. Ich habe noch nicht die Hälfte.

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Kann ich das durchhalten? Alles Restliche ist bergiges Waldgebiet, im Süden, Richtung Frickenhausen, da muss man einfach durch und durchhalten können. Die Karte zeigt mir, es ist nicht mehr weit nach Reudern. Ich biege westlich ab.

 

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Heute km: geplant
 11    Ist 6,4
Gesamt km: geplant 608    Ist 631,8

 

 

 

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Stuttgarter Wanderspirale – Änderung

1-P1060112Stuttgarter Wanderspirale – Änderung

Eine andere Aufgabe erfordert ab jetzt gleichen Zeitbedarf wie für die Wanderspirale. Die Wanderberichte können nicht mehr am Folgetag einer Wanderung bearbeitet werden. Also werden die Touren zumeist etwas kürzer, die Gesamtanzahl etwas mehr und das Ziel wird später erreicht.

Roland Zahn
0163 4895 613

Wanderspirale W48, Reichenbach/Fils, Bahnhof bis Kirchheim unter Teck

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Diesmal ist Helmut mit seiner übergenialen Prothese wieder dabei. Deshalb Treff schon am Bahnhof. Leichter so für ihn, wegen seiner Rückfahrt am Abend.

Helmut steht schon bereit, als ich die Treppe hochsteige. Der Himmel ist zwar bedeckt heute, aber es wird schon halten, das Wetter. Auf der südlichen Seite des Filstales ist eine Joggerin so nett und macht uns ein Wanderfoto, wie wir so vergnügt den Spiralweg hinaufsteigen. Oben findet 2-P1030041der schnelle Helmut eine Bank, ganz offensichtlich mit einem Rastbedürfnis. Er hat saftige Feigen dabei, aus dem eigenen Garten, etwas völlig Exklusives. Eine davon zweigt er für mich ab, sie kommt später ins Müsli. Meine 3-P1030051Revanche: Trockenes, unsaftiges Krustenbrot, praktisch vorgekrümelt, wieder in indischen Gewürzen gewälzt. Uns geht’s halt soooo gut!

4-P1030054Ein weiter Blick zur schemenhaften Teck und rechts nach Hochdorf. Steil hinab. „Warte nur, wir werden wohl noch zwei/drei Mal steigen“, meint Helmut. Kaum unten, spüre ich Minitropfen. Dann bald große, die ersten dunklen Flecke auf dem Weg bilden schnell eine geschlossene nasse Fläche.

Für die Schweiß entwickelnde Regenjacke habe ich null Bock! Es ist so schon warm genug. Das Schwitzen ist mir zuwider. Ich habe deshalb vorhin schon das ärmellose Thermohemd angezogen, das immer bereits trocken aus der Waschmaschine fällt. Das ist doch damit jetzt eine Wohltat! Die frischen Tropfen auf der Haut, jeden einzelnen genieße ich, auch als es stärker wird. Während der letzten Hitzezeiten hatte ich öfters kein Warmwasser eingestellt in meiner Duschkabine. Ich glaube, das hilft mir jetzt, dieses Wetter ohne die Jacke als angenehm zu empfinden.

Helmut hält Händchen mit seinem Schirm. Meinen vergesse ich einfach. Eine regennasse Tropfwiese zwingt uns zu einem Umweg im Umweg der Spiralrunde, durch Schwärme von Bremsen am Waldrand, durch Heere von schrägen Regentropfen, über eine freie Fläche, herrlich schutzlos unter einer Wolkendecke, aus der wir nicht schlau werden.

Im zweiten, ansteigenden Abschnitt des Umweges ziehe ich doch noch die Jacke an, widerwillig. Die Technik kann ich so besser schützen und sie bleibt greifbar. Helmut kämpft jetzt mit einen durchscheinenden roten Cape, das er überstreifen will, eine Hand ist nun wieder entlastet vom Schirm.

Hinter Wellingen steigt es zum dritten Mal. Eine Strecke vor mir steht Helmut und zeigt mir was Blaues. Aha, die Hobbitpflaumen, auf dem Asphalt, im Gras. Ein kurzer Gütetest, ja, sie sind genehmigt. Ich bücke mich, schwups, rutscht mit die rechte Stütze weg, die ich direkt auf einer Pflaume abgestellt hatte. Fast wäre ich mit der Nase mitten in den wartenden Plaumen in der Wiese gelandet, ich Pflaume. Matsch wären sie gewesen. Besser aufpassen, bitte! Die linke Tasche voll, auch noch mit paar Mirabellen, steige ich dem Helmut essend nach.

5-P1030057Im nächsten Wald endlich runter mit meiner Jacke. Frischluft! Doch der vorhin schon leichtere Regen hat leider nun aufgehört. Ein Trost bleiben mir die schweren Tropfen vom Laub der Bäume. Warmer Regen, das erste Mal, dass ich ihn so auskoste. Am Waldrand vor Kirchheim steht die letzte Chance als feuchte Sitzbank, nicht stehend den Hunger vertreiben zu müssen. .

6-P1030077Ein Kontrast zur durchwanderten Natur, den wir auf dem Weg zur S-Bahn entdecken, sind die historischen technischen Wunder des Vereins Historische Dampftechnik Kirchheim unter Teck e.V. Vor allem der einmalige Dampfpflug macht großen Eindruck.

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Bis Plochingen fahren wir gemeinsam. Diese schöne Lok vor der S-Bahn, das wäre doch was! Helmut steigt noch um, ich muss ja erst am Hauptbahnhof raus. Passend zum heutigen Regenwandertag: Vor meiner Haustüre angekommen stahlt die Sonne über die Dächer.

 

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Km heute: Geplant 12   Ist 14,5
Km gesamt: Geplant 597   Ist 625,4

 

 

Wanderspirale W47, Schlichten bis Reichenbach/Fils, Leintel

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Im RE Richtung Aalen. Heute hängt Nebel herum. Hier unten im Remstal und auch oben in Schlichten. Im Norden und Westen, also schon in Heilbronn und Karlsruhe, strahlt laut iPhone Sonne. Vielleicht geht der Wind in die meinige Richtung. Doch schon in Endersbach wird es über den Hängen blaugrau…

02-P1020894Schlichten liegt hinter mir. Der Wald vor mir im Hintergrund ist kaum zu erkennen im dichten Morgennebel. Darüber ein stufenloser Verlauf ins Hellblau. Einige näher stehende Obstbäume haben bereits einen dünneren Vorhang. Ein Blick zurück der Straße entlang zeigt, hinter mir die 03-P1020898gleichen Erscheinungen, nur im grellen Gegenlicht. Durch diese Suppe bin ich gelaufen? Bin ich sogar noch drin! Ein gewisser Raum um mich scheint 04-P1020905nebelfrei zu sein, aber das täuscht.

Wieder ein Tag im Wald, auf dem Schurwald. Eindrücke, Episoden, Bilder, sehr vielfältig. Immer wieder gleich und doch anders. Nie langweilig. Der Waldweg führt hinein in die 05-P1020910Walddunkel-heit. Zwei Spuren, Gras. Hohe, nasse Halme neigen sich. Kräuter, Ranken, auch mal eine Brennnessel, die kürzeren Gräser, der Klee in der Mitte, sie alle sind intensiv bemüht, mich gut zu versorgen, mit Feuchtigkeit. 06-P1020920Am besten können das die regenschweren Buchenzweige, sie hängen weit herein in meine Trittspur und streifen über den Arm, das Hemd. Angenehme Kühle auf der Schulter. Von den oberen Etagen der Bäume treffen gut 07-P1020926gezielte Tropfen auf mich, ein weicher Schlag, eine gut gemeinte Erfrischung.

Wer sich mit der Natur einlässt, findet nicht nur leichte oder einfache Umstände vor. Die selten 08-P1020929genutzten Fahrspuren, manchmal als längliche Seenland-schaften, sammeln das Wasser, die vergehenden weichen Blätter mehrerer Jahre, große 09-P1020935und sichere Schritte sind erforderlich. Alles ist aber in das leuchtende Frühlicht eingetaucht. Die Nebelreste verformen sich deutlich zu Sonnen-strahlen, die durch Lücken der Blätter bis hier herunter dringen. Blätter voller Tropfen flimmern. Ein Tropfen zeigt grell die Lichtbrechung in klarem Spektralblau, ein ferner Stern in den Büschen, bis die Sonne ein Buchenblatt weiter gezogen ist.

Die Bäume sind dann niedriger und heller. In die Bogen der Gräser, zwischen den Brombeerhecken sind leuchtend weiße Fächer und Hängematten gebaut, mit dünnsten Fäden an Blättern oder Zweigen festgezurrt, manchmal in Trichtern spitz auslaufend. Raffinierte Fangtechnik zum Überleben.

10-P1020951Alle kleinen Mühen sind schon vergessen. Man wird immer reich belohnt, wenn man sich schon etwas hautnah einlässt mit den 11-P1020960schmalen seitlichen Waldpfaden nach einer Regennacht. Schwierig und herrlich ist der Wald heute.

Der Weg, jetzt breit und mit feinem Schotter, ist am Absinken hin zur Fils. Nach zwei Stunden kommt mein Frischlufthunger. Ich suche länger schon eine geeignete Stelle. Der flache Ameisenhügel, hinten von einem Baum gestützt, ist mir zu kribbelig zum Sitzen. Dann liegt am linken Wegrand endlich mal ein feuchter Baumstamm. Bald werden meine Sitzunterlage, der Akku, das Ladekabel, genau untersucht. Ameisen schauen, ob das verwertbar sei. Hier bin ich eben ein Fremdkörper für die Bewohner dieses Stammes. Bis zwischen die gebogenen Halme der Unterarmhaare wagt sich eine der großen Waldameisen. Lasst mich das noch notieren, bitte, ich geh‘ ja gleich. Vorsichtig puste ich sie ab. Doch da kommt noch, gemessenen „Schrittes“, ein Schnecke auf meine Rucksacköffnung zu geschlichen. Soll ich sie wohl noch samt ihrer teuren Immobilie mitschleppen? Nee! Aber sie dreht noch ab und erledigt wichtigere Dinge.

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Beim Weitergehen fiept das iPhone am Ladekabel wie die Feuerwehr. Dann Funkstille. Der „Saft“ verbraucht sich, 24, 20, 16%. Die Aufzeichnung wird unterbrochen. Nachher hole ich gleich noch ein neues Ladekabel. Sollten da etwa die Ameisen von vorhin ihre Fühler im Spiel gehabt haben?

Im Kirnbachtal ist ein leichtes Laufen. Das Gefälle liegt hinter mir. Der Bach wechselt wie üblich mehrmals die Seiten. Die Sonne legt noch paar Briketts ins Feuer. Der Schweiß verteilt sich gleichmäßig. Auch am Beinstumpf, denn ich spüre, dass der Liner den inneren Halt verliert. Mit ihm die ganze Prothese. Insgesamt drei Mal muss ich alles reinigen und trocknen.

Dann im Filstal, nach Westen auf Reichenbach zu. An der Bahnlinie Ulm – Stuttgart – entlang. Rechts Wiesenhänge mit Resten der früheren Mäanderformung der Fils. Aber der aufmerksame Spaß am Beobachten der Natur verformt sich immer mehr zur Konzentration am Auftreten. Ich sehe dort vorn schon die Brücke, wo es rechts hinauf geht zur Bushaltestelle Leintel.

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Bin zu früh hier. Erst viel später kommt ein Bus. Also weiter, runter zur Hauptstraße, nun offizell NACH der Wanderung. Schon wieder wird mein Bein länger. Im Penny ist man so nett und lässt mich ins Klo zum Richten. Hab ja auch ein Brot eingekauft. Jetzt ist alles wieder stabil im Schaft, nun noch zum Bahnhof und zum Ladekabel.

 

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Km heute:  Geplant: 11 km   Ist 11,7
Km gesamt:  Geplant 585 km   Ist 611,9

Wanderspirale W46, Schornbach bis Schlichten

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Drei Beine, zwei Berge, EINE HITZE!
Damit ist eigentlich alles gesagt. Doch paar nette Einzelheiten haben wir noch erlebt. Bitte nicht missverstehen: Wir hatten keinen Dreibeinhocker dabei. Die Berechnung von Laufwerkzeugen geht eben mit Beinprothese anders. Zwei Berge? Zum An- und Abgewöhnen. Dabei unterstützen sie die hitzige Schönwetterlage kräftig, mit herrlich steilen Wegen.

02-P1020622Gleich in Schornbach gehen unsere kleinen Entdeckungen los. Die Kirchturmspitze ist geschindelt, 5-farbig, zwei Grüntöne, Braun, gelb und weiß. Bunt durcheinander, aber sehr planvoll angeordnet. Ungewöhnlich, auffällig.

Bald verlassen wir Ort und Tal. Eine steile Steigung führt uns durch die Obstbaumhänge zum Wald und darin in einer Schleife weiter hinauf, bis 03-P1020626die geplante Route wieder erreicht ist. Zwei Pferde, in Begleitung, traben an uns vorbei. Etwa ab hier bin ich ja das letzte Mal zum Bus abgeschwenkt. Einige 04-P1020627Wanderer kommen flott hinterhergewalkt. Mein Spruch „Sie kommen mir gerade recht“ löst freundliche Reaktionen aus und nützt mir auch diesmal wieder, um ein gemeinsames Bild von uns zwei Wanderfreunden geschossen zu bekommen.

Bei den Wellingtonien geht nach links ein Pfad ab. Angenehm zu laufender Waldboden. Die Stämme der hohen Bäume sind hier noch nicht sehr mammutartig, ich meine, sie werden noch nicht in Metern Dicke gemessen. Die rotbraune Rinde, grünlich angehaucht von Flechten, ist sehr weich. Eine ideale Isolierung.

05-P1020642Der Wurzelpfad endet an einem Teich, dort, wo es schon wieder deutlich talwärts geht. Sonnenstrahlen durchdringen das „betrübte“ Wasser, in dessen Partikeln sie wie hineingegossene Milch wirken. Gundula balanciert über den schmalen Damm zwischen Abgrund und Brühe voraus. Ich überlege mir gerade, welche Sturzrichtung ich bei Gleichgewichtsverlust vorziehen würde, als Gundula mir eine Bildidee zuruft. Sie holt erst die Camera und dann gelingen ihr eindrucksvolle Bilder, mit Spiegelung und Gegenlicht.

Abstieg auf breitem Forstweg. Eine interessante Unterhaltung mit einem Forstexperten, der seinen Hund ausführt, über betriebswirtschaftliche Vorschriften, die forstwirtschaftliche Regeln außer Kraft setzen. Weiter hinunter. Der erste Wiesenhang am Eingang zum Remstal. Unzählige weiße Dolden leuchten grell vor den Schatten der Erlen am Bach; auf einer ausgedehnten Wiese stehen sie wie Wolkenkratzer im Vergleich zu den Blumen hoch im Gras. Ein Treff für viele Falter, wie Gundula kniend mit der Kamera festhält..

06-P1020656Eine Bank finden wir hier nicht. Aber bevor wir im Lärmbereich der B29 ankommen, breiten wir uns auf dem gemähten schräg abfallenden Rasenteppich eines Gartengrundstückes aus. Danach queren wir den 07-P1020670Verkehrsbereich und die gesamte Talbreite und dringen in Weiler ein. Dort nimmt man es genau mit Türen und Toren. Auch, wenn die Zäune fehlen. An dem Bild fehlt nur das Schild “ Türe nicht offen lassen!“

Müde ist Gundula heute, zu wenig geschlafen. Sie sucht die Schatten im Ort. An einem Spielplatz ist alles da, Schatten, Bänke, Ruhepause und eine Rutsche. Eine Kutschenrutsche! Der Spielplatzgestalter hat eine alte 08-P1020677Pferdekutsche aufgetrieben und als Aufstieg zu einer Rutschbahn wiederverwendet. Gundula hat keine Rutschlust heute. Zum ausgestreckt Ausspannen hat sie eine ideale „Dösrinne“ gefunden.

Der zweite Anstieg, der lange. Je steiler, desto schneller oben. Ist das nun Vor- oder Nachteil? Beides! Halberwachsene Früchte in Birnen- und Apfelform liegen und hängen rings um uns. Noch nichts zum kräftig Reinbeißen. Ein einziger reifer Apfel liegt vor mir, von Interessenten durchbohrt. Sicher hier eingeschleppt von einem, dem er zu stichhaltig oder noch zu sauer war. Der dunkle Waldrand bringt sofort etwas Erleichterung, aber nicht bezüglich dieser schiefen Hangebene. Holzig, laubig, feucht ist der Waldwegboden.

Unsere fortwährende Unterhaltung ist das beste Mittel, den Weg – gefühlt – noch kürzer zu machen. Es ist alles halb oder Dreiviertel so schlimm. Ich meine immer, so wie mir es oft ging, meine Vorstellung einer Schwierigkeit oder Aufgabe macht diese oft abschreckender. So hören wir bald Fahrgeräusche über uns, die Straße nach Schmiechen. Und wärmer als warm find‘ ich’s gar nicht! Zuletzt wächst des Weg noch zu. Zwischen Halmen, Blättern, Brennnesseln und Dornen schlüpfen wir wie gewohnt hindurch.

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10-P1020701Am Waldrand ist die Höhe erreicht. Die Frage nach einer Abschlußrast habe ich noch nicht fertig ausgesprochen, da ertönt schon der Ruf „Eine Bank!“ Fast noch eine Stunde genießen wir die Sonne im Rücken und spinnen unsere Gespräche weiter.

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Für Gundula ist der heutige Tag noch kürzer erschienen, als meine Aufzeichnung zeigt, sie schätzt acht bis zehn. Dass wir schwitzen ist klar. Doch im Winter passiert dir das unter Pulli und Jacke auch. Die Gründe für das heutige Schwitzen sind 30 Grad und 375 Meter Anstiege.

 

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Km heute:
Geplant 12,5    Ist 11,4

Km gesamt: Geplant 574,0    Ist 600,2

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Wanderspirale W45, Bürg bis Schornbach

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Heute früh im Radio: „Nach dem 1:0 strömten die Menschen auf die Straße…“ Ich auch. Aber vorher ging ich erstmal schlafen. Nun ströme ich per S-Bahn zu meinem Startpunkt. Hoffentlich strömt es heute nicht zu oft von oben.

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Vom Bus aus gesehen liegt Bürg steil oben auf den Weinbergen drauf. In engen Serpentinen gibt es Sicht in alle Richtungen. Die unten ausgebreitete westliche Landschaft ist schon bis Winnenden vom Regen völlig verschleiert. Bis hierher ist noch alles Klarsicht. Beim Aussteigen beginnt auch hier ein Niesel, der in Starkniesel übergeht. Nach kurzem Warten ist es bald vorbei. Durch die Straße weht Holzfeuerduft. Gelbe Blüten bieten mir vorerst einen freundlichen Sonnenersatz.

02-P1020527Die erhoffte Sicht zum Turm der ehemaligen Burg bekomme ich kurz vor dem Waldrand. Im Wald erscheint mir alles schon heller zu sein, da setzt sich die Sonne bereits durch. An der Serpentine der Waldstraße geht ein Pfad geradeaus, vorläufig noch fast eben. Wie erwartet senkt er sich nach einer breiten Baumwurzel. Der Hohlweg neben mir ist sehr tief eingeschnitten ins Waldgelände. Jetzt wird’s sehr steil. Alles ist naß. Immer ist ein kleiner Rutsch beim Auftreten dabei, ich taste mich schräg rückwärts hinunter. Die Stöcke sollten möglichst viel des Körpergewichts übernehmen, um den Druck der Schuhsohle auf dem Boden zu reduzieren. Eine Stelle hat es in sich, weil der Pfad hier sehr eng und schräg zum Hohlweg geneigt ist. Durchatmen! Jeden Schritt lieber zweimal überlegen. Aber die gute Konzentration hat bisher immer weiter geholfen.

Unten finde ich eine Holztafel mit dem Titel „Hohlweg nach Bürg“. Die tiefste Ausformung bekam dieser Weg um 1540 ab. Die Burg Altwinnenden/Bürg wurde abgebrochen, bis auf diesen markanten Turm. Dann haben sie die Quadersteine sechs Jahre lang hier runter gefahren und geschleift. Zum Bau der Landesfestung in Schorndorf.

03-P1020540Weite Wiesen und Streuobst oberhalb von Rettersburg. Ein Holzstapel, trocken und sauber, wird gleich mal genutzt nach dieser Anstrengung. Bald kommt ja auch die nächste Aufgabe, der Anstieg nach Birkenweißbuch. Mein Schaft sieht heute verändert aus. Zur Verabschiedung habe ich für ihn einen Knieschurz gebastelt. Ein besserer Spritzwasserschutz ist sinnvoll und es passt zum metallischen Bild der Prothese.

Nach Oppelsbohm wieder bergauf, ein schöner schmaler Weg durch die Wiesen bis zu einer Bank. Aus der Fünfminuten-Trinkpause wird ein dreiviertelstündiger Aufenthalt. Ich habe unten im Tal nicht gemerkt, 04-P1020561dass sich das iPhone nicht auflädt. Es verabschiedete sich wortlos. Das dauert jetzt. Also gleich noch eine Rast! Der Akku in der linken Hosentasche war nicht mehr (?) eingeschaltet. Die Routenaufzeichnung wurde deshalb auf km Länge 05-P1020566unterbrochen.

Dunkle Wolken spazierschweben vor mir vorbei. Es rumpelt auch einmal, wie eine Donnerimitation. Über der Ostalb senken sich die Regenschauer herab. Kirschen, Erdbeeren, und noch einiges werden neben der Straße geerntet und sogleich frisch angeboten. Einen vollen Korb schwarzer Kirschen am Gürtel, steigt ein 06-P1020584Mann von der Leiter. Wieviele Stufen hat er noch vor sich? Der Baum hängt noch voll.

Der nächste Waldabschnitt, 08-P1020594wieder eine lange Steigung, gleich wieder runter, dann kommt der Waldrand zum Schornbachtal in Sicht. Ich könnte auch südlich weiter direkt nach Weiler, der Tag ist so schön und ich möchte einfach weitermachen. Doch den Bericht will ich heute fertigstellen. Steil runter nach Schornbach also. Nach Mirabellen vorhin finde ich jetzt Pfaumen, vom Baum gestürzte. Einige putze ich sauber. Sehr gut geschmacklich! So 07-P1020590früh schon! Und einen Blick ins östliche Remstal gibt es hier und zum Hohenstaufen. 2011 führte meine Route nach Tübingen auch hinauf auf den Berg.

10-P1020600Unter einem Nussbaum, an einer Wegkreuzung kurz vor Schornbach, besetzte ich eine Bank, um mein Schokomüsli mit Orange zu verinnerlichen. (Das Bild zu diesem Platz habe ich oben als zweites untergebracht.) Und mir fällt ein: Möglicherweise wandert mein Schaft heute das letzte Mal mit mir. Es hängt halt noch von den Launen des Neuen ab.

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Km heute: geplant 12,5   Ist 12,7

foto3Km gesamt: geplant 561,5   Ist 588,8

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Wanderspirale W44, Maubach bis Bürg

 

01-P1010804Den ganzen Tag gibt es wohl Regen. Habe morgens mal in die Tassen, mal aus dem Fenster gekuckt. Lieber nochmal hingelegt. Weitergepennt. Wollte gestern nach 22 Uhr eigentlich das Radio ausmachen, doch nach dem 1:0 wurde da nix draus. Bin ja Krimifan. Dann sah ich beim Frühstück die drohenden Aufhellungen am Himmel und nun…

02-P1010807…bin ich halt doch rausgegangen, um was gegen den inneren Rost zu unternehmen. Bei der Station Maubach ist der Regen heftig. Da kommt noch der unsinnige Gedanke „Umkehren oder Weitergehen“. Blödsinn! Wie soll ich jetzt schon wissen, was gut geht oder was nicht gut ist.

Am südlichen Rand des Waldes, durch den wir vor vier Tagen hier anwanderten, steige ich hinauf zur geplanten Route. Fünf Minuten Stehrast an einer Bank. Einige Bissen Brot, etwas trinken. Die Sicht über die Felder zu den Waldhängen ist durch den leichten Dunst in Kulissen gegliedert. Oben weht mir der Regen entgegen, drückt sich durch das Gewebe der Regenjacke. Von vorn, von rechts. Die Unterarme sind recht bald etwas angefeuchtet. Nach dem Stiftsgrundhof überquere ich die Bahnlinie und bald darauf die B14 bei der Ausfahrt Nellmersbach.

Immer wieder gibt es am Himmel hellere Hoffnungsflecken. Dort müsste doch bei dieser Tendenz bald das Blau durchkommen. Schnell zieht sich das wieder zu. Am Hang entlang nähere ich mich dem Wald und dem Anstieg. Der hohe Turm von Bürg steht am rechten Ausläufer der Berge. 03-P1010821Blau gibt es jetzt trotzdem, in Form von Mirabellen. Richtige Hobbitpflaumen sind das. Hängen tief genug. Die Menge gleicht die geringe Größe aus. Schmecken! Aber auch heute will ich wieder nach Hause, brauche noch einen Busfahrer und breche 04-P1010826diese Stehrast wieder ab.

Am Beginn des steilen Hanges kommt kurz darauf die dritte kurze Stehrast. Die nasse Sitzfläche der Bank erzeugt keine Sitzlust. Jetzt erlebe ich mal wieder den Zustand der 05-P1010857regendurchweichten Waldwege. Mehrere Schwierigkeitsgrade und spezielle Rafinessen werden mir geboten. Übrigens lässt der Regen nach. Aber das Nachtröpfeln von den Bäumen geht natürlich noch lange weiter. Die Körperwärme 06-P1010856trocknet nun von innen bereits die eingedrungene Feuchtigkeit.

Hohe und schräge und fehlende Stufen, schön glitschig aufbereitet. Schlammlöcher in Wegbreite. Holzbretter überbrücken von Quellwasser ausgefüllte Wegteile. Die etwa fünf Meter langen Planken federn beim Auftreten. Doch Vorsicht, Nässe auf Holz, eine Garantie zum Rutschen, wenn du mal nicht aufpasst. Daneben tief abfallender, triefender Waldgrund oder badewannenähnliche Pfützen – guten Rutsch! Aber es gelingt, geht ja gar nicht anders! An einer Stelle sind kurze Bretter in Abständen angebracht. Da ist es vorteilhaft, nicht dazwischen zu treten.

07-P1010839Doch nicht nur die kleinen Wegeabenteuer gibt es heute. Ab der 08-P1010831Kreuzeiche ist der Waldweg breit, fest, mit bequemen Minischotter bestreut. Am Rande spießt die 09-P1010851kreative Flora des Waldes, frisch gebadet, wild durcheinander. Ich mag diese Vielfalt in diesem Zustand. Die Farben sind wegen des Regens besonders intensiv. Auch die Schnecken, kleine braune und größere orangene, genießen mit mir das Wetter. Und nach Osten rüber ein schöner Blick durch die Bäume in Richtung Allmersbach im Tal.

Was ist eigentlich schlecht am 10-P1010848Regenwetter? Die ungeeignete Kleidung. Die falschen Befürchtungen. Ich sollte mir ein Cape anschaffen. Die Regenhose ist zwar in ganzer Länge nass, hält aber gut dicht.

Der Weg steigt weiter. Zuletzt sehr steil hinaus aus dem Wald. Dächer tauchen hinter einer Wiese auf, der Stöckenhof. Dahinter geht’s wieder leicht runter. Bänke laden mich mehrmals ein. Ich ziehe das aber durch 11-P1010861jetzt, Bürg ist nicht mehr weit. Durch eine Waldlücke bekomme ich noch einen guten Blick auf den Lemberg, einer der schönen Tourberge. Die grauen Wolkenfetzen haben keine Lust mehr zum Tröpfeln, nur noch ziehen wollen sie. Die Sonne haben sie heute erfolgreich abgeschirmt.

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Ich bin froh, dass ich nicht umgekehrt bin. Diese sechs Stunden haben viel und Wichtiges gebracht. Was zeigen die Regenbilder? Im Vergleich zum heutigen Tag war doch die bisherige Berichterstattung recht trocken geraten.

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Km heute:   Ist 10,3
Km gesamt: Geplant 549    Ist 576,1

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Wanderspirale W43, Rielingshausen bis Maubach

 

01-P101075902-P1010677Ein Wanderrendezvous gleich mit zwei Mädchen, das ist doch mal was anderes! Carola, meine Tochter und ihre Hausmitbewohnerin und Freundin Gundula, wollten und könnten an einem 01-SAM_0053Freitag mal mitwandern, sagten sie mir. Heute ist das möglich. Über Marbach erreichen wir gemeinsam mit Bahn und Bus unseren Startpunkt.

03-P1010684Gut, dass wir rechtzeitig dran sind. Die jetzt noch frische Luft tut uns gut. Später kommt Hitze. Eine gute Stimmung am Morgen ist eine gute Basis für die Tagesstrapazen. Am Ortsrand entdecken wir die ersten Johannisbeeren, erst der zweite 06-IMG_1562 (1024x768)Strauch entspricht unseren Vorstellungen. Für Gundula allerdings zu sauer.

Die Straße nach Kirchberg/Murr ist schmal, geht über Kuppen und 1-P1010697durch enge Kurven. Mächtig hinunter ins Eichbachtal. Wir hoffen, die Autolenker passen auch etwas auf, übrigens alles Frauen. Am Grunde des Tales sind wir noch auf einem Damm. Wir sind hier in den Ausläufern des Schwäbischen Waldes, in 2-P1010702denen ich gelaufen bin. Schwieriges Gelände.

Oben bei den Obertorhöfen entdeckt Carola einen Vogelschwarm. Kurz fliegt er auf, 3-P1010716lässt sich wieder nieder. Auf Telefonleitungen sitzen sie. „Kuck mal, diese Melodie!“ Gundula meint, so wurden die Notenlinien erfunden, die einzelnen sitzenden Vögel bilden die Melodie. Schwierig bei nur drei Leitungen. In einen hohen Baum neben einem der Gebäude zwitschert es auch ohne Notenheft, da sitzen weitere Sänger zu Hunderten. Man sieht sie nicht. Ein singender Baum. Gundula bellt. Der 07-IMG_1603 (768x1024)Schwarm erhebt sich wieder, viele der Baumsänger schließen sich an. So beobachten wir diese Flug- und Gesangsstunde beim Weiterwandern. In der nächsten Senke grasen einige Pferde. „Zwei Reiher!“, weist uns Carola auf die kaum erkennbaren Schwebebewegungen hin. Einer der Hengste kommt sofort zutraulich zu uns an den Zaun, auch hier grasrupfend. Leider kann er nicht mitkommen. Das andere Pferd hätt‘ ich fast vergessen. Ein perfektes weißes Herz auf der Stirn! Das muss eine 4-P1010725liebevolle Rasse sein!

Am Nordrand von Kirchberg an der Murr biegen wir zum Wald ab. Dort, auf einer Wiese unter schattigen Bäumen, ist ein großer Spielplatz. Der Sandplatz mit einer Kletterburg und Rutsche ist mit zwei Reihen großer eckiger Steinquader rund eingefasst, so dass gute Sitze entstehen. Hier mögen wir noch die Sonne. Wir genießen Müsli, knabbern den Hunger weg, tauschen auch mal aus. Mein B-Vitamin-Getränk, speziell das Niacin (B3), erzeugt bei Gundula die erwartete Wirkung. Ein Mann führt seinen Hund „Waldrandgassi“. „Wir haben leider schon alle Wurst selbst gegessen“, rufe ich ihm rüber. Wir, als „Müslifresser! Trotzdem freuen wir uns über ein kleines Wurstdessert, das Carola verteilt.

05-P1010744Gestärkt und energiegeladen gehen wir weiter. Es wechselt wieder ab, Waldrand, Felder, hoch, runter. Während ich immer bei Steigungen dabei bin den Geschwindigkeitsdurchschnitt zu reduzieren, kommt das den beiden Mädchen sehr entgegen, 5-P1010751denn sie sind richtige Entdecker und Beobachter. So viele wunderbare Pflanzen am Wegrand reizen zum genaueren Hinschauen! So langsam senkt sich das Gelände zum Murrtal hinab. Durch einen schattigen Wald, über eine große Wiese mit 03-SAM_0083Obstbäumen. Hier setzen und legen wir uns zur zweiten Rast hin. Nun schon gern im Schatten!

Die Murr muss ich überqueren. Die nächstliegende Brücke ist in Burgstall, also ordentlich weg von der Hauptrichtung. Das Tal 02-SAM_0067gefällt uns. Weite Wiesen, große Bäume, der Umweg ist unwichtig. Nach der Brücke geraten wir auf einen Pfad. „Oh, der Weg hört ja auf“, meint Gundula zuerst. Doch er ist sehr schön und interessant. Und anstrengend. Schräg und steil. An einer Gabelung wären wir fast auf der gut erkennbaren Wegbiegung geblieben. Unser Pfad aber verschwindet zwischen Zweigen, steigt mächtig an im dichten Wald, schräg mit kleinen Schritten muss ich treten und stemmen. Die Prothese lockert sich etwas, der Schweiß im Liner entwickelt sich. Oben dann, am Stamm eines Apfelbaumes, kann ich das richten.

3-P1010765Ja, die Äpfel scheinen zeitig dran zu sein. Aber noch grün sind sie ja. Eigenartig rötlich sind die Halme der uns derzeit noch rätselhaften Getreidesorte, aber das googeln wir uns noch zusammen. Jedenfalls, das Murrtal ist überwunden, der Nordteil von Erbstetten auch, und wir nähern uns der Bahnlinie Stuttgart – Nürnberg. Also auch der S-Bahn nach Backnang. 09-2014-07-04 15.01.207-P1010796Unsere Rückfahrt-Station könnte in Nellmersbach sein oder in Maubach. Wir stellen uns natürlich auf das Kürzere ein.

Riesige Strohräder, in einem sehr sonnigwarmen goldgelblichen Gelb, lagern in Reihen auf einem ebenso goldigen Stoppelfeld.  Eine gemähte Reihe Halme liegt noch als langer gerader Haufen da, wartend auf den Traktor mit seiner Bündelmaschine. Doch die funktioniert grad nicht, der Bauer dreht ab zum Hof. Aber toll ist das alles als Bildmotive und Elemente in der Landschaft. Wechselfarbige Felder im Hintergrund, eines erinnert an einen gestreiften Schlafanzug. Uns gelingen schöne Serien dieser Bilder.10-2014-07-04 15.02.00

Und diese Ballen sind aufgerollt, also eine Spirale. Aber der Feldweg ist jetzt ein sehr gemeiner Schotter. Mühsam für uns alle. Als wir die Spirallinie verlassen, finden wir zwei Steinbecken eingerichtet, im Zuge von Schutzmaßnahmen und Renaturierung. Klares Wasser steht heute niedrig drin, so etwa 20 cm. Am Himmel vor uns geht es recht unbestimmt zu, als könnte sich kurzfristig ein Gewitter zusammenrotten. Durch so ein Unwetter strömte dann wohl alles Wasser von den Feldern hier in diese flache Mulde und ungebremst in den Maubach, im Ort. 6-P1010774Gundula kann’s nicht lassen und spritzt wild um sich. Erfrischungsmaßnahme? Völlig 08-P1010777unnötig, liebe Gundula, es ist nicht ausreichend und viel zu sauber!

Etwas seitlich sehen wir unter einer Eiche eine Art Bank am schattigen Waldrand. Ein halber Baumstamm, oben eben, sehr schaukelig. Ich sollte noch ein schönes Bild haben vom alten Prothesenschaft, der doch schon vieles gesehen hat seit Anfang 2011. Mich interessiert auch, wieviele Km das sind. Carola fotografiert das sehr schön. Auch wir Drei sollten mal auf ein Bild drauf. Unten, an der klaren Pfütze, besucht eine Frau mit Hund diese Bademöglichkeit und sie kommt auch herauf zu uns. Gern macht sie diese Aufnahme.

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Noch ein Bogen durch den Wald. „War es schwierig?“, frage ich, denn gerade Carola ist längere Strecken nicht so gewohnt. Doch sie empfindet es als recht gemütlich: „Wir schlendern ja nur!“ Also eine Schlenderung über zwölf Kilometer.

05-SAM_0197Wir sind doch recht zufrieden. Manches war schwierig. Das Murrtal war der schönste Teil. Gerade noch rechtzeitig für das Spiel Deutschland gegen Frankreich erreichen wir unsere S-Bahn.

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Km heute:   12,8    Km gesamt:   565,8

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Wanderspirale W42, Pleidelsheim bis Rielingshausen

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Bin schon noch etwas verschlafen. Wecker war nicht gestellt. 40 Minuten vor Weggehen werde ich munter. Am S-Bahnhof bekucke ich hungrig den Bäckerkiosk. Sieht alles etwas altbacke und angetrocknet aus. Vielleicht so eine extraflache Käselaugenstange? (Musste sich sicher die dicke Bäckersfrau draufsetzen, um sie so herrlich datschig breit und flach hinzukriegen!) „Von wann sind die?“ „Von Weihnachte!!!“ Aha, hatte ich doch recht!

Wo steckt Helmut? Stimmt hoffentlich alles mit seiner Prothese! Er trägt das „Genium“-Kniegelenk, das so wichtige Gebrauchsvorteile hat. Doch bald taucht er lächelnd mit aufgekurbeltem Seitenfenster in der Kanalstraße auf. Schön, dass er wieder dabei ist.

1-P1010603Noch in Pleidelsheim, sehen wir einen Bastler in seiner Garage. Er baut einen Kinderquad für den Sohn. Sieht gekonnt aus! Dann sind wir auch schon weg von den Häusern. „Vorsicht, brütender Mäusebussard, angriffslustig!“ werden wir durch ein Schild gewarnt, als wir ein Waldstück passieren. Soll der nur kommen! Meine Stöcke haben erwiesenermaßen sogar gegen märkische Wildschweine abschreckende Wirkung. Wie erwartet kommen wir unbehelligt vorbei.

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Bald, nachdem wir schon inmitten weiter Felder wandern, stehen Tische mit Bänken geschützt inmitten einer Gebüschgruppe. Hier werde ich plötzlich ganz langsam und komme nicht dran vorbei. Ich brauche etwas, was einige Zeit vorhält. Meine Heringsdose muss dran glauben.

Gerade Richtung Osten, auf irgendeinem Breitengrad, verbiegen unsere Füße Halm nach Halm. Die flache Ebene hier ist relativ niedrig, trotzdem gibt es weite Blicke. Ein Rübenfeld, ziemlich groß. Eine einzelne junge Frau beim Rübenhacken. Der Boden ist durchgetrocknet, der Regen fehlt. 4-P1010630Eine Menge Arbeit liegt noch vor ihr. Unermüdlich macht sie weiter.

Ein Wiesenweg, der sich im hohen, trockenen Gras aufgibt; ein Kleefeld, das uns aushilft einen anderen Weg zu erreichen; eine schmale Brücke, die uns aus der Kleewildnis entlässt, Steinheim an der Murr. Ein Eisenelefant, rostrot auf grünem Hügelchen, bewacht das Treiben der alten Stadt. Steil geht es dann im Ort alte Steigen hinauf. Drei Schüler kommen die Treppe hoch, die ich übersehen habe. „Ooch, kuck mal“, die Blicke zu meiner Prothese. Etwas ratlos sind sie, da kommt nur „…ein Metallbein“ und „…ein Ersatzbein“ als Bemerkung. Ich erkläre ihnen kurz, dass ich froh bin wieder laufen zu können. Das ist sofort verständlich.

Auf einem Wiesenhang über den Rebenreihen machen wir auf den Sitzunterlagen Rast. Aussicht zum Lemberg, Asperg und dem Strohgäu dahinter und rechts nach Kleiningersheim, das wir heute früh schon links liegen ließen.

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Quer zu unserer Richtung verläuft ein V-förmiges Tal, ein tiefer Graben, sehr steil an beiden Hängen und dicht bewaldet. Eine Brücke über den Otterbach gibt es nur etwas südlicher im Murrtal oder ziemlich weit im Norden. Wie geplant biegen wir rechts ab, südlich also, die kürzere Problemlösung. Am Beginn des Wanderpfades im Steilhang finden wir eine super Aussichtsplattform. Direkt unter der Brüstung weitere kleine Ebenen, mit Mauern umfasst. Die Reste der Burgruine Blankenstein. Doch wo geht der Weg? Endlich begreifen wir, die schmalen, hohen, unebenen Weinbergstufen unterhalb der Ruine sind unsere heutige Herausforderung.

Bereits die ersten zehn Stufen erfordern Absicherung mit den Gehhilfen. Helmut hat Nordic-Walking-Stöcke. Die Gummienden sind nicht für zu grobe Körperbelastung gemacht, sie verbiegen sich bei übertriebenem Druck und könnten sich demolieren. Gern übernimmt er meine Gehhilfen, wo das Geländer eingespart wurde. Dann noch mal fünf solche Stufen, ich gehe voraus, um die Lage genauer zu überblicken. Der Weinberg hat Terrassen mit Quermauern. Der Weg durchschneidet steil auf 100 Meter Länge diese Mauern, hat nur etwa 40 cm Breite, nirgends ein Geländer, schnurgerade zur Straße geht er. Mindestens mehrere Stufen! „Die hohe Treppe“, wie im Tolkien, nur von oben!

Mit Unterarmstützen ist man als Prothesenträger damit im Grenzwert des verträglichen Risikos. Ich rate das dem Helmut und seinen Schmalspurstöckchen ab. Wir gehen wieder hinauf, die zehn Stufen handundfußkraxelt er lieber. Dann eben die zweite Variante, fast zwei Km bis zur oberen Brücke. Der Wunschbus wird mir wohl rausgehen.

Oft ist mir von den Gehhilfen abgeraten worden. „Nehm‘ doch Nordic-Walking-Stöcke!“ Wenn ich das höre, weiß ich gleich, die am schönsten 04-SAM_0187schwierigen Wege kennt er wohl nicht. Helmut hat mir nach dem Versuch mit meinen Stöcken sofort zugestanden, dass das Entscheidende der Halt an den Unterarmen ist. Kommt doch mal mit, wer meine Methode der Absicherung falsch findet!

Und dann noch die Tatsache, dass mir der Halt am Unterarm bestimmt schon einige Klinikaufenthalte, vermutlich mit gebrochenen Knochen, erspart hat. Unzählige Male, nur in der Stadt, konnte ich mich beim Hängenbleiben des Prothesenfußes gerade noch stabilisieren. Auch auf den Naturwegen, weit, schwierig und einsam.

8-P1010671Der nördliche Weg führt uns in eine Landschaft, wunderschön. Vor uns die Hänge des Schwäbischen Waldes. Rechts hinter dem Tälchen, immer noch quer undurchdringbar, steht der Lehrhof, ein Dorf wie aus dem Bilderbuch von 1900. Nur ein einsamer Baukran versucht die Idylle zu stören, mit wenig Erfolg. Ein aufgetürmter Wolkenpallast schwebt weit im Osten darüber, mit einem verschwommen graublauen Fundament.

Noch ein ganzes Stück so in der falschen Richtung weiter. Dann senkt sich der Weg flacher hinunter, durch Lehrhof wieder mächtig hinauf, schräg über die Felder noch über den Gipfel des Tages hinein nach Rielingshausen. Wir haben seit dem Tal das Tempo angezogen. Denn der geplante Bus kommt 16Uhr39. Nur wenige Minuten vorher sind wir dort.

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Verschwitzt, aber zufrieden. „Jetzt reichts aber auch,“ meint Helmut, und da hat er recht, denn durch die Umwegzacken wurden es fünfzehn Kilometer. Er holt sein Auto wieder ab, ich fahre zur Selbsthilfegruppe nach Nürtingen.

2014 07 03 bericht uber die wanderung mir roland zahn am 02

Km heute:   15,0    Km gesamt:   553,0

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