Monatsarchiv: September 2014

Wanderspirale W63, Besigheim bis Großbottwar

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02-P1040446Zuerst durch die alte Stadt, über die Brücken. Voll hinauf. Dann Ausblicke auf die weite Talschleife und den felsigen Abbruch. Soweit die nächsten Stunden.

Die Enz glitzert im flachen Morgengegenlicht. Blumen und Skulpturen auf der Brücke. Alles wirkt gepflegt und geschmackvoll gestaltet. Das Rathaus ist seitlich bereits angestrahlt. Dunkle, winklige Stufen steigen durch einen Torbogen in der hohen Stadtmauer in eine schmale Gasse, direkt am kleinen Marktplatz. Den habe ich heute ganz alleine für mich. Alles ringsum schläft noch? Schon wieder 03-P1040434neigt sich der Boden zum Neckar hin und schnell bin ich wieder unten – am Neckar-Tiefpunkt der gesamten Spiralrunde.

06-P1040460Ich stehe oben am Rande des Steilhanges. Ringsum Rebenreihen. Der Neckar ist ein gekrümmtes blaues Band. Dahinter Besigheim, die gestern überwundene Höhe und 08-P1040474ein Teil des Stromberges. Talaufwärts wird der Frühdunst erkennbar. Auch die großen steilen Rebenhänge. Die Schleife vor Gundelsheim macht die Spirale nicht mit. Jetzt, nach zwei Stunden Steigung, begrüße und 07-P1040469besetze ich einen bequemen Baumstamm. Kauen, Berichtsnotizen, Schlucken, Maildurchsicht, Kauen, Antworten, Schlucken… Oje, was, schon 80 Minuten sind rum? Nu aber fix!

09-P1040489Die Gärten und Felder sind links von mir. Rechts vom Weg beginnen die
Rebenreihen. Sie verhindern mir die Sicht ins Tal. Deshalb gehe ich ein Stück zwischen den Rebstücken hinunter. Da beginnt die Flussschleife bei Mundelsheim und Hessigheim. Viele Spaziergänger sind unterwegs, kein Wunder, bei einem solchen warmen Fast-Oktober-Sonntag! Ich halte jetzt voll östlich, vorbei an Ottmarsheim.

Auf einer Bank mit Aussicht auf Weinstöcke prüfe ich nach, wie die Aussichten auf weitere Entzündungen sind. Es hat sich alles zurückgebildet. Die wenigen Dinge, die ich während dieser drei Wandertage einsetzen konnte, 05-P1040457haben sich wieder einmal bewährt. In 20 Minuten, während ich nebenbei meinen Mahlzeitriegel verkürze, kann ich beruhigt weiterschlendern.

Das Genium-Kniegelenk verlangt mein volles Körpergewicht, wenn ich sicher auftreten will. Nur so baut es den Wiederstand auf und ermöglicht ein flottes und gleichmäßiges Gehen. Jetzt aber geht es mal hoch, mal runter, ist schräg nach links oder rechts oder hinten, da liegen Schottersteine und wachsen Grasbüschel oder es ist schlierig. Außerhalb der glatten Wege ist fast jeder Schritt anders. Insgesamt aber habe ich gerade auf den schwierigen Wegstücken das Gefühl, dass es sicherer vorangeht.

10-P1040502Schon bekomme ich Blick zum Bottwartal und die Löwensteiner Berge. Einige Winzer beginnen mit der Lese. Nach der A81 habe ich meistens Feldwege, seitlich der Straße. Diese prägnanten Bergkuppen, ganz in der Nähe der Wunnenstein, schieben sich meinem Tempo angepasst nach hinten vorbei. Das Schloß Lichtenberg am Hang des Schwäbischen Waldes wächst mir entgegen.

Am Rande von Großbottwar sind die Sitzbänke von Frauen besetzt. Das kann dauern! Ein Steinbrocken hilft mir weiter, damit ich nicht störe. Nur noch paar Nüsschen einwerfen, das verschwitzte Hemd wechseln und dann schnell den Rest. Reichlich spät bin ich an der Haltestelle. Sonntags muss man Glück haben, der Bus nach Marbach kommt in 20 statt in 59 Minuten.

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Mein Wanderplan für morgen ist damit aber ins Wasser gefallen, trotz Schönwetters, denn ich bin erst nach 20 Uhr zu Hause.

Km heute: 16,1
Km gesamt: 806,9

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Wanderspirale W62, Hohenhaslach bis Besigheim

 

1-P1040404Der gestrige Bericht muss noch warten. Ab 23:00 Uhr Schlaf. 4:00 Uhr aufgestanden. Die Entzündungen habe ich erfolgreich behandelt (hoffe ich). 5-Minutendusche, 7-Minuten-Spiralnudel-Eintopf. Alle Zeit ist knapp, wenn es am nächsten Tag weiter gehen soll. Aber 30 Minuten Wartezeit am Hauptbahnhof.

Recht flügellahm schleicht der Zug von Würzburg ein. Meine Wartezeit wurde zur ersten Rast. 18 Minuten Verspätung, Lokwechsel. Mal ist es ’ne Weiche, mal ein vorausfahrender Zug, Bauarbeiten. Wer auf den Fahrplan der Bahn schaut ist selber schuld. Der Bus in Bi-Bi ist natürlich pünktlich verschwunden – heute im Stundentakt. Das bedeutet, die zweite Rast am Bushaltesteig. Die Steinbank behandelt mich recht kühl. Sitzunterlage, Brotdose, paar Erdnüsse zum Knabbern, etwas Zeit für Buchstabensuppe im iPhone. Der Bericht von gestern.

2-P1040347Viele einsame Wege liegen vor mir. Bald nach dem Hohenhaslacher See beginnen Wiesenwege. Selten werden die Fahrspuren benutzt. Ein braun belaubter Baum liegt auf ihm. Weite Wiesenflächen, begrenzt mit Baumgruppen und bewachsenen Wasserrinnen, kleinen Waldstücken. In der Domäne 3-P1040362Rechertshofen geht es still zu. Es wirkt hier wie in einem ausgestorbenen Schloßbereich. Hier hat Dornröschen 100 Jahre den Wecker nicht gehört und durchgepennt. Reste einer Befestigungsmauer, ein Torbogen. Die Dornenhecken sind inzwischen außerhalb. Die alten schiefen Holperpflasterwege stammen wohl noch aus dem Mittelalter. Überall umlagern mich alte Mauern. Südlich geht noch ein Weg hinaus und ich erreiche meinen geplanten Weg.

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5-P1040382Schmale Straßen, ein Aussiedlerhof, Astern leuchten herüber. Dicke Himbeeren, leider im Garten. Dann wieder Wiesenwege. Auf einem davon mache ich mich breit und über mein Müsli her. Kurzarm trage ich schon seit einer Stunde. Eine geliehene Sommersonne für etwa Herbstbräune strahlt mich an. Warme Lüftchen wehen heran. Dösstimnung mit Gähneinlage. Besser ist, ich gehe weiter, bevor mich alle Schnecken von vorhin wieder überholen.

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Gestern musste ich vier mal die Prothese neu anziehen, weil sich der Fuß immer wieder nach links dreht. Auch heute tut er das. Entzündungsmäßig stimmt alles wieder und scheint vorbeizugehen…

Schwer und langsam geht es im Gras. Da ich östlich laufe, bekommt meine rechte Schulter mehr Strahlung ab. Bald erreiche ich den Wald, ein kurzes Stück nur. Ganz anders die Straße. Etwa 200 Meter linke Seite. Immer wieder runter vom Asphalt ins Gras der Böschung, damit die entgegenkommenden 7-P1040406Fahrzeuge keine Probleme kriegen. Der anschließende Fahrweg bis Löchgau und die Ortsdurchquerung lassen sich nun recht flott laufen. Dort haben sie für Anwohner eine dekorative Mauer gebaut. Da kommt keiner mehr durch. Fünf Meter hoch, und mit Blümchen! Statt dessen fehlt der Fußweg an der Straße.

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Meine Reste verspeise ich am Waldrand auf einer Bank. Gleich geht es hinunter ins Tal der Enz, kurz vor der Mündung in den Neckar. Juckende Stiche am Bein, am Unterarm. Ich schaue auf die Uhr. 16:06 Uhr. Das ist wieder genau die Zeit, wenn die Mücken fertig verdaut haben. Die Wanderer scheinen am besten zu schmecken.

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Km heute: 13,3
Km gesamt: 790,8

Wanderspirale W61, Vaihingen/Enz bis Hohenhaslach

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Heute früh treffen wir uns am Gleis 5, Alfons und ich. Er hat zweimal Quartier in der Stuttgarter Jugendherberge. Nun fahren wir nach Vaihingen an der Enz, die Spirale soll sich wieder weiter krümmen!

Alfons wandert schon seit einigen Tagen auf dem Albsteig. In Donauwörth war sein Start. In Tuttlingen möchte er ankommen. Dazwischen liegt der HW1, der zertifizierte Albvereinsweg mit unvergleichlich schönen Ausblicken und Zwischenzielen. Aber dass er seine schöne Route unterbricht, um einen Tag zur Spirale zu kommen, darüber freue ich mich sehr!

02-P1040282Zuerst steigen wir hinauf zum Schloss Kaltenstein, das Wetter ist kühl am Morgen, aber mir wird’s bei dieser Steigung deutlich warm. Der Schloßhof 03-Foto 26.09.14 08 06 04ist versperrt, wir sehen kaum etwas von der Umgebung, also weiter durch den Rest Vaihingens.

04-Foto 26.09.14 08 21 33Heute trage ich testweise das GENIUM-Kniegelenk. Auf der Ebene in Richtung Kleinglattbach 05-P1040287macht Alfons Videoaufnahmen des Laufens mit diesem wertvollen Gelenk. Während er aus seiner Vertriebszeit erzählt, nähern wir uns bereits Sersheim.

Wir überqueren eine Straße. Ein Auto hält und der Fahrer spricht uns an. Ein Bekannter von Helmut, stellt sich heraus. Ebenfalls trägt er das Genium-Kniegelenk, wie auch Helmut, und ich diese Tage. Gern wäre er ein Stück mit uns mitgegangen, denn auch er schätzt die gesundheitliche Stabilität, die das Wandern mit sich bringt. Doch ein Termin wartet.

07-Foto 26.09.14 12 39 29Wir biegen umwegbedingt nördlich ab. Schon sehr spät für ein Frühstück, aber nie zu spät. Also ein Mittagsspätsstück. Endlich eine Bank. Unter Obstbäumen. Alfons hat einen Teleskopwanderstock, den er als Stativ benutzen kann, um sich selbst im Bild zu haben.

09-Foto 26.09.14 14 44 05Auf der Straße nach Hohenhaslach, das wir zum heutigen Ziel bestimmt haben, müssen wir ein Stück die linke Seite nehmen. Bald finden wir einen 10-P1040305parallelen Wiesenweg, der uns durch die Felder dem Ziel näher bringt. Eine Reihe schöner Bildmotive bietet er uns. Hohenhaslach als Motiv. Verschiedene Vordergründe finden wir, 11-P1040314halten sie beide fest und besprechen sie danach.

12-Foto 26.09.14 15 59 09Eine mobile Hühnerfarm steht auf einem großen Areal. Hoher Klee wächst hier, ein Paradies für Würmchen aller Art. Ich finde, das ist recht viel zu verpicken für ein Hühnerleben. Weiter vorn wird Holz gespalten. Der Mann ist ebenfalls begeistert von dieser herrlichen und ruhigen Gegend. Dann kommen wir zu den Treppen im Ort.

Steil ist der Weinberg. Dicke, rötlichblaue Weinbeeren hängen prall und schwer in großen Trauben an den Rebstöcken. Eine saftige Kostprobe muss sein! Sehr gut! Der alte Ort steht hoch oben auf einem schmalen und schrägen Bergsporn. Die Abschlußrast findet statt auf einer Bank am Rande der Weinbergstraße. Die Aussicht reicht bis hinüber zum Schwäbischen Wald, zum Schurwald und den vielen südlichen Höhen.

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Alfons schläft noch einmal in der Juhe und fährt dann morgen früh zur Fortsetzung seiner Wanderung ab Gingen/Fils. Für diese Tour beneide ich ihn! Viel Glück und gute Erlebnisse dabei, Alfons! Danke für das Mitwandern!

 

Km heute:   13,6
Km gesamt:   777,5

Wanderspirale W60, Mönsheim bis Vaihingen/Enz, Grabenstr.

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Sehr gute Pflaumen gibt’s hier! Ab Schlag Viertel vor Acht begann ein Genussmarsch. Noch im Ort gab’s eine verspätete Walderdbeere aus der Gartenwiese links. Dann ergriff ich durch den Lattenzaun meinen erkorenen Müsliapfel für nachher. 03-P1040057Aber der Pflaumen-weg bot mir mein Zweites Früh-stück. Während des Laufens mal bücken, frisch gefallene etwas säubern, prüfen, genießen. Genau die richtige Reife, der ideale Geschmack, ohne irgendwelche voraus gekrochene Vorkoster.

Dieser Weg war auch ansonsten besonders schön. Auf der Prothesenseite das Grenzbachtal, schon deutlich tiefer, Gärten neben dem Weg. Links der Steilhang voller alter Weinbergmäuerle, nur kann man sie nicht sehen. Jeder Zentimeter zugewachsen, mit Büschen, Ranken, kleineren Bäumen. Sehr selten ein geräumtes Grundstück, das die ehemalige Art der Hangkultivierung zeigt.

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Die beiden Fahrspuren waren zu Ende. Weiter ging ein schmaler Pfad. Im Wald der erhoffte Anstieg. Hätte ansonsten weit zurück müssen. Ziemlich 04-P1040058steil, dann sehr steil. Aus dem freigetretenen Erdboden ragten Steine, sichere Trittstellen. Manchmal heftig Schwung geben mit dem rechten Stock, hochschwingen mit der Prothese auf die nächste beabsichtigte unrutschbare Fläche. Manchmal Ist mein Weg neben demselben. Sanfte Streicheleinheiten aufdringlicher Brennnesselarme, aber schnell vergessen, denn dieser Weg war unterhaltsam genug.

Nochmal kam so ein Hangpfad. Ein gut gemeintes, aber sehr müdes Geländer. Unbegehbare Stufen, weil voller schräger feuchter Erde. Der Waldboden war schon besser, er half mal wieder über zwei besonders kritische Stellen. Die Füße rutschten bereits, es gelang noch ein Schritt rückwärts, hinein in liegende Hölzer und Stöcke und diversen Bewuchs, aber auch auf trockenes Buchenlaub. Nicht lang, dieser Weg, aber doch eine interessante Aufgabe.

Der Waldrand. Nach der Vielfalt der Wildnis des Talhanges sah es hier aus wie die Einfalt der Landwirtschaft. Junge Getreidetriebe in Reih‘ und Glied auf weiter Fläche, links ein Kleeblatt am anderen, schnurgerader Teerweg, oben eine Baumgruppe, sonst nichts. Doch als ich ganz oben war, öffnete sich alles. Weite Blicke über die welligen Hochflächen, Richtung Bretten, die gesamte Breite des Stromberges von Sternenfels bis hinüber nach Freudenberg, und der Einschnitt des Grenzbaches halbrechts vor mir.06-P1040077

05-P1040080Nun sitze ich unter einer Linde auf einer Bank in einem Wegdreieck, kaue noch fertig und bin neugierig auf den tiefen Taleinschnitt, der hier beginnt.

Bis zu den ersten Häusern von Iptingen werde ich „ab- und runtergebogen“, dann wieder weit nach links hinauf auf die nächste Höhe, nochmal in die nächste Senke, wieder hinauf. „Unerhört, kläff, was fällt die ein, kläffkläff, 07-P1040097hier zu laufen, kläffkläffkläff, mein Weg, kläff!“ Der weiße Köter hinter einem Feld meint wohl, ihm gehöre die Welt. Ich belle auch, rufe „komm mit“, aber das ändert nichts. Weit weg bin ich schon, ein kleiner weißer Punkt ist er, da erst ist er zufrieden. Er hat mich verjagd.

Diesmal ist es eine Bank unter Nussbaumzweigen. Wieder ist der Abstieg vor mir. Runter ins Grenzbachtal. Ein Pfad? Ein Waldweg, Fahrspuren. Bald bin 08-P1040109ich unten. Zuerst geht es im Wald das Tal weiter hinunter. Zwei kleine Seen. Dann ein sonniger Wiesenweg. Bisher wurde der ganze Tag vom Grenzbach und den seitlichen Bächen vestimmt. Bis zum dritten Anstieg heute.

Wieder steil. Wieder dicke hohe Grasbüschel. Schräg nach links geneigt, als ob er mich wegkippen wolle, dorthin, wo metertief die Brennnesseln auf mich warten. Rechts steht eine Reihe Apfelbäume, dicht hängen die roten Äpfel. Dreien, die grade soeben im Moment runterfallen wollten, erspare ich den Sturz. Dann ist auch bald die Höhe erreicht. Das Vaihinger Schloss kommt in Sicht.

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Noch ein Abstieg, bezeichnet als Wanderweg. Die Treppe, die zur Straßenüberquerung hinunter führt, finde ich nicht, alles an der steilen Böschung scheint zugewachsen. Ich drehe mich suchend um, da steckt meine Nase zwischen Pflaumen, fast bissgerechte Höhe. Auch recht. Nimm dir Zeit, wenn sie es erfordert. In sieben Minuten satt von Pflaumen, auf zur neuen Suche.

Als ich mehr gerutscht als geklettert am Straßenrand stehe, geht in dem Moment noch das linke Schuhbändel auf. Dann finde ich die Treppe, von unten. Gegenüber ist eine schmale Lücke im Gebüsch. Aha, der Pfad! Sehr eng, zuerst Zweige von beiden Seiten, dann doch relativ einfach. Schon dämmrig ist’s im letzten kurzen Waldstück.10-P1040138

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In Vaihingen gehe ich an der Stadtmauer entlang, weiter zur Grabenstraße, um den Bus zum Bahnhof zu nehmen. Den vierten Anstieg spare ich mir. Es ist schon fast 19 Uhr.

 

Km heute:   17,7
Km gesamt:   763,9

Wanderspirale W59, Heimsheim bis Mönsheim

2-P1030985 An der Rolltreppe zum Gleis 102: „Wegen des Streiks ist der S-Bahn-Verkehr zwischen 6:00 Uhr und 9:00 1-P1030995Uhr eingestellt“. Aber Leonberg hat noch einen weiteren Zugang zur Außenwelt.

6Uhr24 bis 8Uhr45 ist schon eine überzogene Anfahrtszeit. Aber es waren ja 60 Minuten Wartezeit dabei. Das „Schlupfloch“ nach Leonberg ging mit dem Bus 92 über Solitude. Mit etwa einer Stunde später als geplant kann es losgehen. Das Schleglerschloss in Heimsheim ist ein extrem klobiger Bau. Als Wohnsitz recht stabil, falls es unfreundliche Nachbarn gibt. Die nahe Kirche schlägt Neun. Der heutige Bahnstreik ist vorbei.

Nur wenig kann ich im Wald laufen. Dort überquere ich die ehemalige Römerstraße von Cannstatt über Pforzheim nach Ettlingen, die Steine sieht man sogar noch. Bald darauf zwänge ich mich am Straßenrand durch die Unterführung der Anschlußstelle Heimsheim der A8. Alle Autos machen große Bogen um mich. Erst nach einen km werde ich von dem Asphalttreten erlöst und gelange zwischen die Hecken des Heckengäus.

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Diese gekrümmten Wege, zwischen Wiesenstreifen und gepflegten Gartengrundstücken sind eng und versteckt. Meiner hört auf. Dort, wo er rechts abbiegen sollte, bleibt mir nur Wiese, ungemäht. Eine Gruppe 4-P1040010Jugendlicher und Kinder haben sich hier in dieser stillen sonnigen Ecke zum Wochenend-Camping eingerichtet. Wir wünschen uns gegenseitig das jeweils Geeignete und dann pflüge ich mal wieder durch halbhohes Gras rüber zum festen Fahrweg; allerdings ist bereits eine Spur vorhanden.

 

6-P1040013In einem breiten flachen Seitental setze ich mich vor einer Scheune ins niedrige Gras. Ein hoher Wolkenturm baut sich im Westen auf, zerfällt aber danach wieder. Eine dunkle Zone darunter bleibt. Nebel über der Rheinebene oder dem Schwarzwald? Geräusche von Kleinflugzeugen ringsum. Von der Straße rüber der typische Klang eines Porsche. Kein Wunder, hier im Porschegäu. Jetzt muss ich drüben den Hang hinauf, wie, ist von hier aus noch nicht zu erkennen.

Der geplante schöne Wiesenweg ist zugeackert. Also entsteht eine weitere Asphaltzacke, nicht weit unterhalb des Porschegebäudes. Vermutlich will sich Porsche hier draußen weiter ausbreiten, denn ich sehe eine lädierte Tafel „Stoppt Porsche“. An Insekten und Schmetterlinge denken, das demonstriert hier ein Landwirt auf einer -fast- gemähten Wiese. Etwa zehn mal wurden schmale Blumeninseln stehen gelassen.

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Die großen Wolkenflächen im Westen haben etwas Gewittriges an sich. Aber immer bleiben sie wo sie sind, halten sich vornehm zurück. Die Sonne strahlt recht intensiv und Schwitzen ist heute kein Problem. Nun senkt sich der Hügel wieder zum nächsten Tal. Viel Schotter liegt in den Fahrspuren.

Ich werde wohl in Mönsheim den Bus nehmen. Der Pickel ist noch empfindlich, je nachdem, wie ich den Schaft angezogen habe. Jetzt kommt schon das dritte Mal dran. Außerdem wird das Ladekabel wieder abgelehnt, sehr intensiv. Hält mir die Aufzeichnung durch? Nach Iptingen reicht es nun 7-P1040043zeitlich nicht mehr, da ginge es erst noch über die nächste Höhe.

Der Waldweg geht sehr steil hinunter. Eine Gruppe Radsportler kämpft sich hinauf. Dann wechsle ich am Waldrand noch das verschwitzte Hemd gegen ein frisches. Der Bus fährt mir noch weg, bevor ich die Haltestelle Mönsheim Rathaus erreiche. Nur 50 Minuten noch bis zum nächsten.

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Der Bus dreht sich durch viele Kurven. Eine dunkle, konturlose Wolkenfläche verhüllt nun doch die Sonne. Ein hell durchleuchteter Rand, ausgefranst und zerfasert. Nur noch wie ein heller verschwommener Punkt steht sie hinter dieser grauen Wand, unüberschaubar im Südwesten, wie ein riesiger Flügel im Nordwesten. Es wirkt, als verfolge dieses Gebilde unseren Bus, als dieser sich Leonberg nähert.


Km heute:
  11,7
Km gesamt: Soll 710   Ist  746,2

Wanderspirale W58, Weil der Stadt bis Heimsheim.

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Heute sitze ich nicht alleine in der S-Bahn (der Fahrer ist ja immer dabei), aber das gilt auch für den heutigen Weg (der Fahrer muss wieder retour). Helen, meine erste Enkelin, 2-P1180616hat sich angeschlossen. Wir hoffen auf Sonnenwetter. Gemeinsam fotografieren und die Bilder besprechen haben wir eigentlich vor. Spiralwandern auch.

Über dem Würmtal hängt eine stabile Hochnebeldecke. Unser Weg aus der Stadt ist nicht lang, aber doch ein deutlicher Bogen. Wiesenwege, Waldrand, ein kurzer Pfad, Merklingen breitet sich aus unten im Tal.

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Knappe zwei Stunden sind wir gewandert, da ist diese Bank gerade recht. Die Hänge da drüben kenne ich von früheren Wanderungen. Nach unserer Mahlzeit steigen wir zu dem Nussbaum durch hohes verblühtes Gras hinunter. 4-P1030947Meine Prothese und die Stöcke werden gekonnt festgehalten. Lange, trockene Halme, vom Regen fast in die Horizontale gedrückt, dicht liegend. Gelbe Birnen mit Rote-Backen-Design liegen im Gras. Zwei hebe ich auf zu einer Sofortverkostung. Das ist schon sehr selten, solche Fundstücke. Zumeist trifft man die Mostbirnen an, echte Gaumenkrümmer. Nüsse? Die sind alle noch oben. Für die nächste Rast haben wir auch bereits eine Pflaumenvorsorge begonnen.

5-P1030959Weiter nutzen wir eine vorgespurte Fährte durch das Gras, immer noch sehr steil. Auch der feste Weg. In Merklingen sehen wir ein sehr schönes renoviertes Fachwerkhaus, das völlig frei steht. Ein gutes Motiv. Wir probieren, wie wirkt es im Bild besser, nur das Haus alleine oder mit Vordergrund? Was ist eure Meinung?

Ganz andere Wirkung entsteht ja noch bei Sonnenstrahlen. Hier würden sie jetzt wohl 6-P1030958schräg von links einfallen und alles viel belebter und auch kontrastreicher machen. Aber ohne Sonne helfen auch ein paar zusätzliche Farben.

Die Würm führt viel Wasser nach den letzten langen Regenfällen. Aber als prägnantes Motiv taugt sie heute auch nicht. Nur ein recht verhaltenes Glitzern schickt sie uns auf die Brücke. Keine Enten, keine Schwäne, keine Badenixen.

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Die östliche Talseite wieder hinauf. Schöne Gartenmotive noch im Ort und eine Blumenwiese am Berghang. Unter dem Schaftrand entwickelt sich ein Pickel und das Laufen wird schwerer. Sofort brauche ich den Einsatz der Stöcke, um die weitere Verschlimmerung bis zur Rückfahrt hinauszuzögern. Weiter oben, der Wiesenweg, ist noch steiler, und gelangt in eine sehr schöne Aussichtsposition. Die Waldgebiete gegenüber des Tales stehen im Dunst. Sie wirken geheimnisvoll bei dieser Witterung. Genau hier steht die geeignete Bank für unsere zweite Rast. Jetzt schnippeln wir die Pflaumen und die mitgebrachte saftige Fruchtfleischbombe in das vorbereitete Müsli „Mousse au Chocolat“, noch im Trockenzustand. Rufe wie „hmmm!“, „aaahhh!“ und „lekkker!“ hallen weit über die Felder…

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Immer noch kein Anzeichen von Sonne. Und der restliche Weg ist inzwischen nur noch kurz. Denn ich möchte die nächstgelegene Haltestelle ansteuern. Trotz der heutigen Einschränkungen sind wir beide recht zufrieden mit dem Frischluftangebot in Wald und Feld.

 

Km heute:  9,4
Km gesamt:  734,5