Monatsarchiv: November 2014

Wanderspirale W71, Beuren bis Metzingen

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In der äußeren Spiralkurve sind meine Anfahrtswege manchmal etwas zeitaufwändiger. Heute ergibt sich daraus, dass ich bereits 5Uhr52 mit dem Bus starten möchte, um meine Planung halten zu können. Da passt es nicht so ideal, wenn ich den Wecker nicht höre. Weniger als eine Stunde vorher werde ich munter – für die Spiralnudeln reicht’s trotzdem.

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Über der Alb wird’s hell. Der Steinklotz des Hohenneuffens und der Albtrauf wirken aber noch wie eine einheitlich dunkle Mauer. Der schmale Weg windet sich allmählich runter nach Neuffen. Bereits hier habe ich deutlich den Jusi vor mir. Von zwei Joggerinnen, die sich aktiv für krebskranke Kinder einsetzen, wird mir ein See mit Insel und mit Enten empfohlen. Doch ich habe bereits Zeit verloren und zeitig wird’s dunkel.

Nach dem Steinachtal am Ortsausgang von Neuffen steigt es wieder an zum Gelände vor den Steilhängen. Rechts in den Gärten steht eine Bank, so schräg, wie der Hang. Nicht gut zum Sitzen! Also weiter hoch. Oben sehe ich die Teck im heutigen Dunst verschwinden.

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Gelbe Äpfel liegen dicht an dicht im Gras. Sehen noch recht aufreizend aus. Nebendran steht endlich eine Bank über einem Graben. Rotkohl bei Kohlberg, zubereitet mit Apfelschnitzen (zu Hause hineingeschnitzt), wie das alles wieder zusammenpasst! Geschmackliche Alleinstellung mit indischen Gewürzen – das findet ihr nirgends sonst, vielleicht nur, wenn ihr mitwandert!

04-P1050339Zwei Frauen, zwei Kinderwägen, gefüllt mit zwei Kindern. Unverschämt ausgebreitet habe ich mich und schaffe etwas Platz auf der rechten Seite. Wir unterhalten uns angeregt, der Zustand des Weges hier hinauf zum Jusiberg, nach dem ich frage, ist leider nicht bekannt. Ich probier’s halt aus. Mein Reserve-Stoffbeutel wird noch gefüllt mit 15 prächtigen gelben Äpfeln, gedacht für künftige Müslis.

05-P1050358Der Anstieg zum Jusi zielt etwas rechts des Steinbruches hinauf zu dem Sattel. Die Blätter der Bäume sind zumeist schon abgeworfen, aber in den Hecken verbleiben noch einzelne Farbtupfer. Am Waldrand gehe ich an einer moosgepolsterten 06-P1050359Bank vorbei, nicht schon wieder rasten, zu oft Rast gibt Stress – anschließend! Ein guter Weg geht hinauf zum Sattel, ab dort ein Pfad auf dem Grat. Das Kalkgestein ist von der Witterung in 08-P1050374natürlichen Stufen abgetragen, trocken, aber trotzdem rutschig. Ich muss aufpassen nicht wegzurutschen, damit die Gehstützen nicht links und rechts die Hänge abwärts verschwinden.

Das Jusiplateau zeigt „09-P1050384verdunstete“ Sicht. Bei den drei einzelnen Bäumen setze ich mich. Unter meinen Schuhsohlen kuckt hinter der Gipfelwiese ein Teil von Kohlberg herüber. Eine auffallend spitze Form hat der Floriansberg. Die Wolkendecke im 10-P1050387Westen reicht bis unter die Grashalmspitzen. Am Schurwald und von Esslingen bis Plochingen zieht der einzige Sonnenfleck des Tages nach Osten, während der Dampf der Altbacher Schornsteine nach Westen geweht wird. Als ich so schön kucke und mein Getränk angerührt habe, schiebt mein Jackenärmel den lecker gefüllten Becher nach vorn und alles wird vom weit geöffneten Maul des Rucksackes getrunken. Zur Strafe trinke ich selbst auch noch eines.

11-P1050400Steil sinkt der Waldweg aus braunem Buchenlaubteppich wieder ab. Im Unterholz hängen noch die gelben Blätter sehr fest, wohl um die Herbststimmung noch etwas zu verlängern. Als ich das Schild „Sportgaststätte Kappishäusern“ entdecke, wird mir ein Stück Kuchen auf die innere Netzhaut projiziert. Eine Warnung, hier ja nicht vorbeizugehen.

12-P1050405So, die im Griechenlokal entstandene Ernährungslücke ist entsprechend wieder geschmackvoll gefüllt. Gleich neben dem Sportplatz führt der Waldweg weiter. Dann Gärten, das Ermstal kommt linkerhand aus Bad Urach in Sicht. Im Dämmern des Abends taucht vor mir die Achalm auf, bereits recht nah. Immer tiefer komme ich, auf kleinen Wegen, mit Stufen durchsetzt, bis zum Bahnhof in Metzingen. Die Dunkelheit ist mit mir eingetroffen.

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Im Zug ist schon mal Zeit zum Berichte schreiben. Und zu Hause nicht vergessen den Rucksack trockenzulegen! Der Stoffbeutel hat wohl die meiste Feuchtigkeit geschluckt.

Km heute: 13,0      Km gesamt: 912,2

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Wanderspirale – Zwischennotiz

1-P1050282Ein langjähriger Mitwanderer ist von mir gegangen. Meistens war es recht harmonisch zwischen uns. Doch dann konnte er, im wahrsten Sinne des Wortes, unausstehlich sein! Er blies sich dick auf, wurde puterrot und zwickte mich teuflisch – unter dem Prothesenschaft! Er nannte sich Pickel und mutierte gelegentlich zum Abszess. Nun wurde er mir entnommen und hinterließ ein schmerzliches Loch. Jetzt ist die Wartezeit bald vorbei und es kann endlich 2-IMG_5101weitergehen.

 

Wanderspirale W70, Jesingen bis Beuren

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Der schöne blaue Morgenhimmel verschwindet klamm und heimlich am östlichen Horizont, hinter den Hochflächen der Alb. Ersatzweise schleicht sich von Westen eine trübdunkle Dunstschicht heran. Ist das der schöne Feinstaub von Stuttgart? Die paar hellen Flecken im Süden sind nicht wetterbestimmend. Der Teckberg erscheint im Gegenlicht wie eine finstere Wand.

Die A8 dröhnt in beiden Ohren. Als das lärmende Band hinter mir liegt, sehe ich Nabern vor mir. Soll ich spontan Helmut und Bruni besuchen? Helmut gehört zu unserer Selbsthilfegruppe und er trägt auch eine Oberschenkelprothese. Ja, meint er, ich 2-P1050173soll ruhig kommen. Ein Kaffee und ein paar süße Ministollen von Bruni. Das tut mal gut, nehme ich gern als Tourenfrühstück an. Helmut zeigt mir das Freiluftmuseum von Beuren auf seinem Tablet. Tolles Ziel, zum Besuchen wird es heute nicht reichen.

Durch Nabern und Dettingen gelange ich zu einem sehr schmalen Steg über die Lauter. Gleich beginnt die Steigung im Wald. Da sollte man vorher – da steht ja schon eine hölzerne Sitzgruppe, etwas verwittert, grad richtig. Eine Banane 3-P1050187von Bruni wird ins Müsli eingearbeitet. Da sind diesmal auch gelbe Rosinen drin, kannte ich noch garnicht. Auch eine winzige Spinne findet das interessant. Eine andere entdeckt das 4-P1050221Höhlenlabyrinth meines Rucksackes. Lass sie kucken, solange sie nicht rumspinnt! Sie versucht sich jetzt wohl bei mir als Haustier unterzuvermieten in der Hoffnung auf Gourmetküche. Da hat sie recht!

5-P1050242Der Weg steigt steil an im Wald. Nicht lange, das ist nur eine geringe iHöhe vor dem Tiefenbachtal, das ich durchquere. Mit Sonnenstrahlen oder ohne, hier ist jedes Bildmotiv eine Pracht. Nächste Woche ist dann wohl alles haltlos herabgeschwebt und am Boden versammelt.

6-P1050247Im Schatten geht’s wieder hoch. Die freie Fläche vor Beuren öffnet sich. Zwei Miniknubbelberge vor der Alb, der Engelberg und der Spitzenberg. An ihnen geht mein Weg vorbei. Aber nun bin ich 7-P1050248fast auf „Tuchfühlung“ mit dem Albtrauf, der hier ja bereits am Ansteigen ist. Und das mit der perfekten Herbstfärbung der Buchen. Die richtige Zeit für diese Gegend.

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Immer wieder kommt der Hohenneuffen ins Blickfeld. Wie wäre es, die W71 mit einem kleinen Ausrutscher hinauf zur Ruine zu versehen? Das speziell gäbe einen Anstieg von 423 auf 743 Meter hinauf. Kurz vor Beuren, zwischen den Obstbäumen, kommt das Müsli 2. Teil, diesmal mit Birnenstücken drin. Die Birne hatte ich mir aufgelesen, noch vor dem Besuch bei Helmut. Einige Schnitz der Banane habe ich mir hierher gerettet; eine gute Geschmackskombination ist das!

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Auf einer hellgrauen Gartenbank neben einer Scheune kann ich den Sonnenuntergang erwarten. Der kommt natürlich, leider aber ohne Abendrot. Dann steige ich die Treppen hinunter ins Zentrum.

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Km heute: 14,3
Km gesamt: 899,2

 

Wanderspirale W69, Bünzwangen bis Jesingen

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Vorhin im Filstal noch Nebel. Gute Stimmung oben. Sonne kommt durch. Tolle Waldwege. – Vorgestern nach W67 Muskelgrimmen wie noch nie. Doppelportion „Regenpulver“ genehmigt. Gestern lief alles wieder wunderbar. Aber
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Muskelverspannung vom Feinsten bei 03-P1050067Rücken-massage. Heute? Mal sehen – Da, ein idealer Baumstumpf…

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Ja, offenbar speziell für mich
zurechtgeschnitten, er hat die richtige Höhe, ist besonnt, beblättert und benadelt; mein eigener samt Prothese sitzt sehr bequem drauf. Hmm!, Magerquark! Etwas verunreinigt sieht er aus durch das Pulver Mousse au Chocolate, Haferflöckchen, Rosinen, Haselnüssen und Kreuzkümmel. Nur kurze Rast, je nachdem, wieviele Worte ich hier, neben der Schluckarbeit, für den bisherigen Bericht verschwenden will.

04-P1050078Das war schon sehr eindrucksvoll vorhin, als ich die ersten Feldflächen im Morgennebel durchwanderte. Die Sonne war noch wie  eine

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grelle verschleierte Lampe. Der Waldrand, wie beim Wachwerden. Im Wald ein geplantes Wegstück, voller aufstrebender Kräuter und Bäumchen, völlig durchnässt, zwang mich zurück zur Straße. Da drangen dann schon die Sonnenstrahlen quer durch die Bäume. Jetzt, der Pfad nebendran, ist schöner als gedacht.

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Nach dem Waldgebiet nähere ich mich Schlierbach. Durch Felder, dann neben der Straße auf einem Begleitweg. Ein Fahrzeug mit mannshohen Rädern schleicht sich von hinten an, dass ich es erst recht spät bemerke. Ein Anhänger mit dickem Rundbehälter hängt dran, ein landwirtschaftliches Gerüchle nachziehend, das weder an Bratenduft noch an „4711“ erinnert, aber die Mischung beider käme hin.

Trinkrast in einem Buswartehäuschen in Schlierbach. Dann nach Süden hin durch ein Neubaugebiet hinaus. Da schau dir das an, ein Spiralenfan hat sich eine Schnecke in die Einfahrt gepflastert. Große Streuobstwiesen vor dem 05-P1050095nächsten Wald. Leicht steigt der Weg wieder. Mir wird richtig warm. Dünne Wolkenfasern schweben kaum merklich, die Sonne dringt trotzdem kräftig hindurch. An einem Wiesengrundstück steht ein Tisch mit Bank. Die Müsli- und Quarkreste werden mit Appelschnippeln veredelt.

06-P1050103Breitflächige Wiesen, Wald an drei Seiten. Sehr ruhig ist es hier. Die Sonnenstrahlung wird schwächer. Im Wald werden Rohre verlegt, eine tiefe Rinne ist ausgehoben. Vor der nächsten Kreuzung sind Gatter quer und breit aufgestellt. Nur über den Waldboden komme ich vorbei. Einzelne Tümpel mit klarem Wasser entdecke ich seitlich des Weges; interessante Farbkombinationen sind entstanden.

07-P1050110Ich habe noch Brot, und Appetit wie üblich. Die Holzstapel, bevor es runter ins Tal geht, bieten einen sehr bequemen Platz, sogar mit Rückenlehne und Blick den Weg zurück. Wie in einem Farbkasten fühlt man sich hier. Auch ohne Sonne leuchten die Tupfer der Blätter.

Heute läuft sich die Prothese wieder sehr gut, verstehe das wer will! Bis zur Trinkrast spürte ich wieder das Hüftgelenk, danach war es ok und der Weg konnte weitergehen.

08-P1050135Während ich hinabsteige erscheint die Alb enorm imposant. Schräges Abendlicht auf den Hängen. Ein Drachenflieger löst sich von irgendwo oben und bald schon schwebt er in der Nähe vorbei. Die Teck steht hellgrau vor Dunst über den Bäumen. Vom letzten Licht sehen die östlichen Berge wie warm übergossen aus. Noch vor den Häusern fange ich das Abendrot ein.09-P1050137

Km heute: 13,4
Km gesamt: 884,9

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