Monatsarchiv: April 2015

Highlight H5 – 3 Tage Gschwend

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Er ist ausgebrochen! Überall ist er grün, weiß und gelb aufgeplatzt und verströmt Blütendünste. Inzwischen leuchten seine frischen Buchenblätter im Gegenlicht. Jetzt aber raus in die Natur und tief durchatmen! Nicht übel, der Frühling, drei Tage hier im Schwäbischen Wald!

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Sonnenmontag
Zu dritt sitzen wir am Frühstückstisch, Hannelore, Konrad und ich. Wir kräftigen uns genüsslich für die erste von einigen kleinen Touren. Am Nachmittag soll es heftig regnen. Also los, wenigstens bis zu Erika und Heinz, Freunde von Konrad. Bissle schwätze, Kaffee trinke! Rückfahrt wird sich regeln.

Bereits am Vorabend, nach meiner Ankunft, führte mich Konrad in seine Lebensweise ein: Wandern und Kontakte zu Freunden halten. Ein Abendspaziergang. Dann standen wir an einer Lichtung. Romantische Höfe. Pferdekoppeln. „Komm, gucke wir kurz bei Manfred und Heiderose rei…“ Eine sehr nette, freundliche und aufgeschlossene Bekanntschaft; sofort wurden wir reingebeten. Ein für mich unerwarteter Abend.

02-P1060707Und heute: Auffällig sind die Buchenblätter. Hellgrün vor dunklen Fichten. 03-P1060723Löwenzähne erobern die Wiesenflächen und Wegraine. Im Wald vereinzelte Heidelbeergesträuche mit rosa Blüten. Verschüchtert kommt die Sonne durch Kondensschwaden.

Grasige Waldwege über die Höhe Hohenohl. Fünf Douglasien an Waldweg, durch Rotenhar und eine Wegserpentine hinauf zum Hohetannen, auf der Frickenhauser Höhe vor Mittelbronn. Heinz kommt zum vereinbarten Parkplatz.

Knabbereien zum Kaffee bei gegenseitigem Kennenlernen. Wir wussten nicht, dass dies eine Rast wird als der erste Teil einer Doppelrast.
Zurück zur Heidschnucken-Mahlzeit. Heinz fährt uns. Hannelore hat das erfrorene Lamm in einer Pfanne schon auf dem Tisch und schaufelt mir ordentlich auf den Teller. Konrads neue Idee: Gehen wir doch zum „Weiterweg“. Doch da kommt der Blick zum Fenster, wo schon längst die Regenströme schauern müssten. Stattdessen Sonne! Das ändert meinen geheimen Faulenzerplan.

04-P1060732Also setzen wir, nach dem Rastteil 2 mit Lamm, unsere Wanderung an anderer Stelle mit einer Wegschleife fort. Am Parkplatz viele Autos. Eine Gruppe von Frauen. Unser Weg macht eine Runde.

05-P1060739Paare von Tafeln zu religiösen Themen, aus bieblischer und daneben aus weltlicher Sicht beschrieben, weisen uns den Weg. Mehrmals schöne Holztore als Begrenzung der Wege auf dem Waldboden, mit Holzhäcksel bestreut. Super, wie man darauf läuft. Alle Wanderwege müssten 06-P1060751so sein. Auch finde ich hier meine Lieblingsbeinbewegung: Tänzeln über Wurzeln!

Am Thema „Der lange Tisch“. Die Frauen aus verschiedenen Sozialstationen kamen aus der 07-P1060765Gegenrichtung und sitzen sich auf diesen langen Bänken bereits einige Zeit gegenüber. Das Treffen mit uns war unvermeidlich. Sie rufen uns eine Einladung zum Hinsetzen und Mitessen zu. „Selbst gekaufter Hefezopf mit Butterbrezeln“! Klar nehmen wir an.

Wie klein die Welt ist! Als ich Stuttgart Ost als Wohnsitz erwähne, nennt eine Frau eine Straße mit Hausnummer von dort, wo sie geboren ist. „Und ich wohne in der 6!“, sage ich. Und diese Begegnung im tiefsten Schwäbischen Waldland!

Auf dem Rückweg das Gegenlicht. Uns wird klar, das Wetter wurde besser; keiner der zugesagten Regenschauer ging nieder. Besonders hier leuchten uns die Buchenblätter entgegen. Zu Hause ist ein gutes Abendbrot gerichtet. Attraktion ist die Pfeffermühle. Oben draufdrücken, unten rauscht’s wie ein Rasenmäher. Und das mit Beleuchtung! Also geeignet als Taschenlampe mit Pfefferriesler für Waldrast auf Nachtwanderungen. Und gelegentlich mit Salzfüllung, ideal zum Streuen bei Glatteis im Dunkeln!

08-P1060786Regendienstag
Kurze Hose, dünne grüne Jacke, Niesel, blaue Rucksackhülle, Schutztüte um das C-Leg-Kniegelenk. Wir ziehen uns dicker an. Westwind, entgegenkommend. Konrad schlägt zuerst das Buchbrünnele vor. Ein Steinmauerbrunnen, zu schmales Becken als Badewanne. Das Bächle rieselt in sein Privattälchen, zugewachsen mit stakeliger Fichtenjugend. Ein Mühlrädle dreht sich in dem schwachen Strahl. „Du muscht hier runter komme, da kriegscht dei Bild am beschte“. Gebückt, Zweige schiebend, Stöcke niedertretend, gelange ich hinunter in die Talkerbe und mache ein Unterholzbild. Langsam wieder hinauf zum Pfad. Aber der Gegenhang rutscht mich vermutlich wieder hinunter, zu steil. Also gehen wir lieber ein Stück zurück durch den Wald. Regen? Nix mehr.

10-P1060795Im Wald ist es annehmbar. Oben, auf den freien Wiesen nach dem Wasserhof, weht es winterlich genug für klamme Finger. Verschämt sind auf den Wiesen die Löwenzahnblüten vor Kälte verschlossen. Jacke 09-P1060790bis zum Reißverschluß-Endpunkt hoch gezogen; ich atme Wärme hinein. Beobachte dabei den Bewuchs der Fahrspur, in der ich steige. Plötzlich der Windschatten des Hagbergturmes, ich schaue hoch, gewaltig steht der dunkle Holzturm schon nah vor mir. Der HW3 geht hier drüber, von Lörrach bis Wertheim. Und Wald, wohin man blickt, in jeder Richtung. Eine Nische am Eingang bietet uns Windschutz und zwei sparsam bemessene Bänke, aber Magenfüllsel haben wir reichlich. Ich schlage mich voll mit Brennmaterial aus Knusperbrot, Wurst, Käse, Tomatenschnitzen und Gurkenscheiben. Gut gepfeffert.

11-P1060800Konrad. Seit etwa 1958 kennen wir uns. Seine Zeit als praktizierender Bäckermeister ist längst vorbei. Er macht es sehr richtig: Gestern meinte er zu mir, das langsame Mitlaufen neben mir sei ein Gewinn für ihn. Jetzt schätze er seine sonstigen Wanderungen eher als „Fluchtmärsche“ ein, er sei bisher einfach zu schnell, um die Natur und Landschaft vollständig auf sich einwirken zu lassen. Er hat wirklich eine ausgeprägte Gabe, genau zu beobachten und sich dafür zu begeistern. Weil er längst regelmäßig wandert, so ale zwei Tage, kann er mir meine gleichen guten Erfahrungen mit viel Bewegung bestätigen. Er ist, Jahrgang 1941, leistungsfähig und gesund. Beneidenswert für viele andere! Hannelore ist eine tolle Unterstützung für ihn. Ihre gute Haushaltsführung in den vielen Räumen der ehemaligen Bäckerei, ihre klare und bestimmte Haltung und ihre gute Küche machen für beide ihren Alltag im Alter lebenswert.

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Auf dem Heimweg sagt Konrad, du, da kriegemer vielleicht en Kaffee! Wo? Ja hier, glei in dem Haus. Ein netter Schwätz mit Heidrun ist die Folge. Kuchen ist nicht da, aber wir noch zwei Scheiben Knusperbrot. Heidrun bekommt von den Brötle und dem Brot noch Knusper-Muster, wir dafür Aprikosenmarmelade zum Schmieren. So tut man sich gute Dinge auf einfache Art. An welcher Ecke trifft Konrad eigentlich keine Bekannten?
Überall „Hallo“ und „Wie geht’s“. Da sieht man, Bäckermeister ist wichtiger als Bürgermeister, höherer Nutzen für alle und Beliebtheit bei allen ist vorprogrammiert.

Durch Wald und über Wiesen zurück am Bach entlang. Der Fisch in der Pfanne wartet bereits ungeduldig. Ihm ist es aber längst gleichgültig, wie gut er schmeckt!

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Kurzmittwoch
Mein einzigster Großzeh meldet sich mit einer Nagelbettentzündung. Was will er jetzt? Ruhe oder Km? Wir entschließen uns zu beidem, also einem Spazierwandergang. Das wird er wohl noch aushalten. Meine Serie der Highlights hat ebenfalls den Sinn, in Bewegung unterwegs zu sein. Natürlich soll der Zeh dabei sein. Aber möglichst auch mal mit Freunden. Nicht jeder kann so einfach zu mir nach Stuttgart kommen wie ich wo anders hin. Und man sieht mal was „Wo-ganz-anderes“, mal wieder Pfaffenhofen, Regensburg, Hamburg oder Leipzig. Kürzere Runden über paar Tage stellen sich dann auf der Karte anders dar als der Drehwurm um Stuttgart. Die heutige Route habe ich leider nur im zweiten Teil abgebildet. Aber man sieht, diese drei Tage ermöglichen ein gutes Kennenlernen einer schönen Gegend.

Das heutige Wetter ist ideal. Der Zeh macht keinen Mucks und wird vergessen. Im Altenpflegeheim besuchen wir Walter, der nach Herzproblemen wieder auf die Beine kommen will. Wirklich WILL! Vier Monate ist er jünger als ich. Er wird’s wohl auch schaffen.

Vor uns der Wiesenhang, von dem oben die Drachenflieger starten. Wie ein Magnet wirkt er auf mich. Gerade hatte ich erst gemeint, dass ich bei kleinen Runden bis 5 km immer müde und lauffaul bin, was mir bei 15-km-Planung nie passiert. Der Hang wird mein Ziel und die Stimmung deutlich besser.

14-P1060839Konrad bitte ich, von der seitlichen Waldbegrenzung der Wiesenfläche Bilder zu schießen, um die Steigung deutlich zu machen. Irgendwie habe ich es unklar erklärt, fremde Camera, es klappt nicht. Also schieße ich von hier aus wackligem Stand ein Bild hinüber.

Nach der Straßenüberquerung erst schalte ich die Aufzeichnung ein und wir steigen wir einen Holzabfuhrweg hinunter. Da hier kein vernünftiger Typ rumzusteigen pflegt, liegt die Holzernte samt sämtlichen Größenordnungen von Ästen wild über den Weg verstreut. Genau der richtige Parcours für uns, um den Tag an Wert noch mehr steigen zu lassen.

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Der Heimweg bietet uns den ersten Flieder, schöne Gärten und bei mir einen ausgewachsenen „Dampf vom Kohl“. Der Hunger wird schnell gestillt. Die letzten Lücken zwischen den Nudeln und den Hackfleischkrümeln füllen sich aus mit Schmelzwasser des leckeren Vanille-Karamell-Eisberges.

Drei ungewöhnliche Tage mit den beiden Müllers sind vorbei und prall ausgefüllt mit schönen Erinnerungen. Danke euch beiden für den schönen Aufenthalt!

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3 Tage Highlight 5: 23,2 km
Km Highlight gesamt: 171,9

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Highlight H3.5 – neckarabwärts – von Lauffen bis Heilbronn-Sontheim

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Während der Fahrt nach Lauffen werde ich unvermutet fündig. Die obere Rucksacktasche auf. Ein Osterei! Und das noch am Osterdonnerstag? Hmmm! Marzipan mit kandierter Ananas. 08-P1100202Geschmack hat nichts mit Ostern zu tun.

FotoDas Zementwerk hat sich am rechten Ufer breitgemacht. Nicht einmal an einen Pfad für Neckarwanderer wurde gedacht. Neue Suche, hin und her. Der Weg durch die alte Stadt, die Heilbronner Straße hinauf, würde mich zum Verkehrsteilnehmer auf der B27 machen. Um keine Staumeldungen zu verursachen gehe ich zurück, über den Kirchberg, zur Bahnlinie. An einer Bank bleibe ich erst noch hängen.

Nun sind bald zwei Stunden vorbei. Immer noch Lauffen, aber schon Hunger. Ich erinnere ich mich an das vorhin gekaufte frische Brot. Es ist knusprig. So mag ich es. Den Beginn breche ich ab. Die Randstücke heißen bei uns in Leipzig ganz speziell! Früher klang das so bei uns: „Mama, grieschischn Ränftschn?“

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Die Bahnlinie verbiegt sich in eine weite Linkskurve von fast 180 Grad. Mein iPhone-Ladekabel spinnt, piepst mich an, ich stelle auf Flugmodus, wodurch die Strecke in sturer gerader Linie aufgezeichnet wird, als wäre ich über die 5-P1060685Felder gelaufen. Ich behalte aber trotzdem den gekrümmten Wegkontakt neben den Gleisen. Am Beginn dieses ebenen Bogens wird der Weg holpriger, später grasig. Von den Feldern am linken Hang sammelt sich manchmal das Wasser hier zwischen den Grasbüscheln und macht die ansonsten festgetretene Erde zu rotbrauner Pampe.

Am Außenbogen der anderen Talseite steigen senkrechte Felsen hinauf bis zu bewachsenen Steilschrägen und zur Bundesstraße. Vor mir beginnen sich allmählich Mulden von den Höhen herabzusenken. Der Beginn einer anderen Landschaft, die sich im Norden bereits in blauem Dunst zeigt. Ich merke, das 3-P1060680Kabel lädt trotz Protestes auf; ich schalte den Flugmodus wieder aus.

Da vorn eine Hütte. Zwei weiße Gartenstühle mit Tisch, aber im Schatten. Um die Hausecke scheint noch die Sonne auf Biertisch und -bank, das ist genau richtig zum Rasten.

4-P1060684Immer höher steigt der Weg in die Hügel hinauf, teilweise schön steinig oder grasig, hinein in die Weinberge bei Nordheim. Unterhalb des Steilhanges hat neben der Bahn kein Pfad mehr Platz. Durch diese Wildnis bekomme ich einmal den Blick hinunter zum Neckar. Niemand, nicht einmal mit Sportprothese, könnte hier hinunter abkürzen.

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Hinter dem Nordheimer Bahnhof gibt es nur noch Radwege. Vom Neckarsteg aus verbindet der Neckar die sich spiegelnden Blautöne des Himmels mit den anderen Frühlingsfarben am Ufer zu einem ausgewogenen Bild. Die abendliche Sonne, jetzt zwischen 17 und 19 Uhr, wärmt immer noch, aber einige kühle Lüfte wehen umher. In Sontheim brauche ich nicht lange auf den Bus zu warten.

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Km heute: 12,8
Km Highlights gesamt: 148,7
Km/h für H3.5: 1,71

Roland Zahn
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H 3.4 neckarabwärts – von Kirchheim bis Lauffen

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Fenster auf, Osterwetterkontrolltest! Frisch, aber genehmigt. Hinter dem östlichen Dachfirst noch versteckt ist die Sonne am Klettern. Unten, im schattigen Garten, stakt einer mit einer Tüte herum. Vorsichtig inmitten einer breitflächigen Primelpracht. Er 08-P1100202greift in die Tüte, dann in Verstecke der Büsche und hinter Blumentöpfe. Aha, der Osterhasenvertreter!

An meiner Bushaltestelle kommt mir das Morgenlicht entgegen. Diese sonst so verkehrsreiche Straße macht einen ungewohnten Eindruck. Gleich wird mein Bus heraufkommen.

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Immer noch: Unten kühl, oben blau. Die Weiden am Neckarufer bei Kirchheim zaubern mit ihren Miniblättchen hellgrüne Schimmer in die Tallandschaft. Blaue und rötliche Kissenblüten lassen sich gemütlich und völlig entspannt über die Ränder alter Mauern hängen.

03-P1060559Am Beginn der Neckarschleife stehen blaue Bänke vor gelben Büschen. Perfekt besonnt. Ein Angebot, das ich jetzt nicht ausschlagen möchte. Denn die konzentrierte Wärmezufuhr ist nötig. Vorhin schon angelte ich mein Reservehandtuch aus den Rucksacktiefen 04-P1060555hervor und stopfte es gefaltet über die Reling meines T-Shirts. Denn der heutige Ostwind kommt aggressiv direkt aus Putins Gefriertruhe.Die Krümel von meinem Ostermohnkrümelstreusel-kuchen pustet er aber nicht runter.

„Guten Morgen!“ Ich drehe mich rum. Doch der Mann samt Westi steht vorn im Gegenlicht. Er erzählt mir von seinen Knieprothesen, den verloren gegangenen Knorpeln, den Schmerzen an den restlichen. Ich sage ihm, wie ich das bisher verhindert habe, um schmerzfrei zu laufen. Er ist gewohnt, trotzdem täglich dreimal mit Hund den Neckar zu besuchen, so knapp 4 km. Hunde auf Rezept, Vorschlag an die Kks.

05-P1060579Beim Sitzen wird’s zu kühl. Weiter auf dem Uferradweg, nach Lauffen laufen! Als der Fahrweg nach links abkürzt, bringt 06-P1060581mich ein gewundener Pfad geradewegs in die Wildnis. Wie es sich gehört ist hier alles waldgemäß „aufgeräumt“. Jedes Stöckchen, ob Stamm oder Zweig, legt oder knickt sich zurecht, wie es ihm gerade passt. Die paar Bäume sind schnell überstiegen. Ein zehn Meter breiter Waldstreifen zwängt sich wie ein Damm zwischen zwei Seen hindurch.

08-P1060599Gute Bildmotive, jede Menge, gerade hier von der kurzen Halbinsel aus. Als ich den Pfad zurück gehe, entdecke ich rechts zwei Schwäne im Wald. Ein großes Nest. Einer sitzt drin, der andere watschelt umher, beide zupfen konzentriert an Zweigen oder Blättern. Vermutlich noch als Baumaßnahmen. Sicher haben sie mich vorhin bereits bemerkt. Aber kleinere Besucherscharen wie ich sind offenbar uninteressant.

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Ja, der Pfad führt weiter zum Ufer, fußbreit. Zwei Flossenjäger! sSoll ich nach einem Neckarhecht fragen? Ich erkundige mich lieber nochmal nach der Durchlässigkeit des Waldes. Ja, der Pfad wird dort vorn nach links zum Weg 09-P1060602abbiegen. Dann stehe ich direkt gegenüber des Kernkraftwerkes Neckarwestheim. Geballte Betonmassen in drei Halbkugeln, wie aus der Puddingform. Ein ständiges Rauschen dringt herüber. Es ist eigenartig unheimlich, wenn man bedenkt, was 10-P1060611solche Dinger und diese ganze kluge Technologie schon weltweit angerichtet haben und uns mit ziemlicher Sicherheit noch weiterhin zumuten werden.

Sicherheit gibt es immer, wie man sie sich auslegt. Gern gehe ich weiter, stocke jedoch an einem Baum, der sich unüberschwingbar quer zwischen dornige Undurchdringlichkeiten gelegt hat. Auch ich muss umkehren!

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Bald sind die Felder erreicht. Der Uferweg, jetzt wieder nördlich. Orange, Gelb, grünlich, noch pastellen durchscheinende Farbtupfer der Uferbäume vor dem gegenüberliegenden Felsenhang, der dunkel im Wolkenschatten aufsteigt. Größere Wolkenbänke sind jetzt auf Reisen, nach Südfrankreich, schätze ich.

Lauffen taucht auf. Noch durch einen Wald, durch Rebenfelder mit hässlichen Rebenstangen, schon im Ort noch über 125 Stufen klettern, um im Bahnhof um eine Minute den Zug zu verpassen – der soeben ausgefallen ist.

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Km heute: 10,5
Km der Highlights gesamt: 135,9
Km/h H 3.4: 1,89

Highlight H4, Oberallgäu: Wilhams bis Weitnau

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Ostermontag mit Familie und Suchwanderung im Schnee – klingt das gut? Eine geführte Eiersuche für viele Familien mit Kindern. Die Familie meiner Tochter befindet sich im Urlaub in Martinszell.

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08-P1100202Diese Menge von über 50 Teilnehmern und die ergiebigen Schneereste hatte ich nicht erwartet. Dass ich Ostern im Schnee wandern kann, einfach klasse! Carola, Jörg und Pauline, meine zweite Enkelin, marschieren schon mal los.

Während des Wanderns gehen den „Osterhasen“ immer wieder Ostereier „verloren“, um gefunden zu werden, ohne suchen zu müssen. Kaum steigen wir hinab ins erste Tal, überfällt uns ein dichtes Schneetreiben. Kamera in den Rucksack, Handschuhe an! Im Nu bin ich Schlusslicht, der beste Platz in der Reihe!

3-P1060636Der Weg ist noch breit, steinig, die letzten vor mir sehe ich eilig im Wald verschwinden. Bald wird Jörg auftauchen, um das Auto zum Ziel zu fahren. Das tut er auch, zeitlich genau richtig, denn den Pfad nach links hätte ich nicht beachtet. Jörg führt mich noch zu unseren beiden anderen, bevor er umkehrt.

Jetzt wird’s interessant! Linker Hand murmelt der Bach, schmaler geneigter Pfad, von über hundert Füßen vor mir frisch zu Eis getreten. Ausweichen in holprigen Schnee. Im Wald wird dreimal die Bachseite gewechselt. Die Stege darüber bestehen aus zwei Planken, 4-P1060640maximal 40 cm breit, beschneit und ebenfalls vollflächig eisig. An einer Seite ein Holzgeländer. Wieder wartet der Bach auf uns – umsonst. Dem schmalen Weg folgen wir aufwärts.

Immer wieder findet Pauline unerwartet ein großes Ei, schön 5-P1060643golden umhüllt, alle von der gleichen Sorte, keiner konnte sie vorher finden! Leichter wird es für mich auf dem holprigen Fahrweg, immer noch ansteigend. Eine Fahrspur ist zumeist schneefrei. Große runde Steine ragen gelegentlich aus dem Boden heraus. Und einmal finde sogar ich drei blinkendgrün umhüllte Leckereien, seitlich im Schnee.

Am Abstieg kommt uns Jörg entgegen. Wir genießen die Blicke ins Weitnauer Tal. Die große Gruppe der Vorausgestürmten ist immer noch hier in der Gaststätte und genießt die Warterei, bis ihr Bus fährt. Nun sind sie so durch den Wald gejagt, haben zwar Eiersuche gespielt, dabei aber kaum etwas von der herrlichen Gegend wahrnehmen können. Wir hatten es in aller Ruhe und stressfrei.

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Ein gemütlicher Nachmittag in der Ferienwohnung mit spontaner Suppe, frisch gebackenen Brötle, Musik, Videos, viel Gekicher, Ballspiel und Blödsinn folgt der Frischlufttour. Wiederholtes Schneetreiben vor dem Fenster. Jörg bringt mich rechtzeitig zum Bahnhof.

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Vom Zugfenster aus erlebe ich einen gelungenen Sonnenuntergang. Die nächste Schneewolke fürs Oberallgäu nähert sich bereits.

Km heute: 4,6
Km Highlights gesamt: 140,5

Zwischentraining Kräherwald

 

Botnanger Sattel – Weg in halber Höhe zwischen der Straße und dem Feuerbacher Tal – Feuerbacher Heide – Killesberg Stadtbahn U5: 6,1 km – 2,23 km/h

Manches kommt manchmal zusammen. Die letzten Wochen brachten zu wenig Bewegung. Um die Kondition wieder auf den gewohnten Stand zu bringen, will ich heute etwa 5 km laufen, in der Nähe der Verkehrsmittel. Gereinigte Luft und Sonne nach Stürmen und Regen. Der Wald ist dabei, die Knospen nach Vorschrift zu öffnen. Ich komme mir sehr langsam vor, doch ich erreiche die üblichen Zahlen. Die nächste Tour sollte dann etwa 8 km kurz werden. Immer wieder merkt man, wie schnell man nachlässt. Aber auch der Aufbau geht flott, wenn man systematisch rangeht.

MEHR Bewegung hilft

Nicht immer ist WENIGER mehr!

Wie kommt es, dass ich mich 2015 mit 78 besser fühle als in 1997? Dass ich unternehmungslustiger, widerstands- und leistungsfähiger wurde? Trotz Sepsis, Koma, Beinstumpf, Rolli und Rente?

Obwohl ich 2006 mit einer Oberschenkelamputation erwachte, nach 16 Klinikmonaten verschwindender Haut, Muskeln und Knochen, 70-jährig – und bereits vor fast 20 Jahren oft antriebslos, ideenarm, müde und schlapp, ständig nach Stühlen suchend.

Seit 2007 wanderte dieses Wrack mit Prothese aber bereits genüsslich auf langen Tagesmärschen, über Stock und Stein, quer durch Deutschland, bisher mehr als 7000 Kilometer. Mit nie vermuteter Lebensqualität, guter Stabilität, immer gut drauf und völlig verwandelt.

1-P1020755Wie geht das?

Jüngere als ich, allerdings mit zwei Beinen, sehe ich schleichen und humpeln. Keiner will, dass es ihm so geht! Dabei wäre bessere Fitness manchmal so einfach erreichbar.

Meinen Berichte stecken voller Eigenerfahrungen dazu. Genaueres verrate ich aber ebenfalls gerne. Also die Einzelheiten, was ich geändert, weggelassen und kombiniert habe. Eben, was gewirkt hat.

Es geht dabei um Bewegung, körperliche und geistige, aber MEHR, als vielleicht bisher üblich. Um die Einheit von Input und Output.

Auf Fragen SOFORT Antworten zu bekommen funktioniert nicht gut per Mail. Deshalb bekommst du gern meinen Rückruf. Es kostet uns nur die Zeit am Telefon.
Vorsorge zahlt sich aus.

Roland 

(Bild oben: Titelmotiv meiner Vorträge)