Monatsarchiv: Juni 2015

Der Götz war ausgeritten

Highlights H3.8 – von Heinsheim bis Neckarzimmern

1-P1070192Gut sieht das Wetter aus. Mit falschen Vermutungen fahre ich deshalb los. In Heinsheim ist die Sonne aber versteckt und auf der Straße nach Gundelsheim fallen kleine Tropfen. Am Beginn der Brücke an der Schleuse wimmelt es von Klassenwandertags-01-P1100202Schulkindern. Schnell die Regensachen an! Die Lehrerin schaut zum Himmel und zuckt die Schultern.

Der Schleusenchef meint zu meiner Prothese, das ginge ja schon ganz gut. „Ja, Bewegung ist wichtig!“ Und erzählt von seinen prägenden Erlebnissen mit Operateuren. Ihn hatte man mal vergessen seine Wunde am Bein zuzunähen und heimgeschickt, mit schlimmem Ergebnis. Kommt mir doch bekannt vor, diese Kompetenz! Wir sind uns einig, ein solides Handwerk wie Installateur, Zimmermann oder Metzger sollte doch lieber dem Studium unterstützend vorausgehen.

2-P10701953-P1070199Da werden uns ja doch noch zwei kleine Sonnenstrahlen geschenkt. Am Rande von Gundelsheim steht die nächste Schulklasse mit aufgespannten Regenschirmen, unter dichten Kastanien. Ich rufe nur „Schirme zu, die Sonne scheint!“ Die Reaktion des Lehrers: „Sie Optimist!“

4-P1070200Nur zwei Bildmotive finde ich hier. Das Schloß und die Hausecke einer Gasse, benutzerfreundlich. Ich spüre, hier bin ich noch in Götzens Reich, dem Land der einprägsamsten frommen Sprüche. Beim Anstieg zum Michaelsberg komme ich in absolute Einsamkeit. Ein nasser, steiler Waldweg, der Regen tut was seine Sache ist. Am Waldrand oben öffnen sich regenverschleierte Weideflächen. Mein Hunger nagt plötzlich bis in die Hydraulik.

5-P1070201Eine Landluft-Stehrast während Tröpfelei, schon mal gemacht? Ich lehne meinen kippfreundlichen Rucksack zu seiner Entspannung an einen Pfosten des Weidezaunes. Brauche Überbrückung. Wackelige Trinkprozedur, hastiger Kauvorgang. Blicke spüre ich. Sämtliche braunen und schwarzen Kühe stehen nahe am Zaun, schauen zu mir, voller Unverständnis, dass ich das saftigste Gras ablehne. Und was sie deshalb folgern, erscheint mir auch klar: „Rrrrindviech!“

Nach dem Hofgut und der Kapelle Michaelsberg geht eine schmale Straße hügelig dahin. Unter einem Baum finde ich eine nur schwach eingenässte Bank. Jetzt genieße ich, extrem langsam kauend, meinen Knusperriegel, die Trockenzone der Sitzunterlage und die Ruhe dieser Landschaft.

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Vor mir neigen sich die offenen Flächen zum bewaldeten Neckarhang hin. Einen Überblick gibt eine Tafel. Ganz in der Nähe fließt auch die Jagst vorbei, Berlichingen ist wirklich nicht weit. Dann steigt das Gelände noch lange weiter an, entlang der Waldränder, neben langgezogenen Wiesen. Leichter Regen, ohne mich durchzuweichen. Diesmal beobachtet mich ein Falke. In Wipfelhöhe kreist er viermal kurz vor mir, denn einmal genügt ihm nicht. Dann schwebt er, den Wind geschickt nutzend, weit hinüber zum anderen Waldrand. Bin unhandlich als Jagdopfer. Der Wegweiser „Hornburg“ ist verwittert. Von der Anhöhe zweigt hier der Wanderweg links ab und verläuft bald neben einer Schlucht.

Was für ein Geräusch mag das wohl gegeben haben, als der Sturm diese dicke Fichte knackte! Wie fest ist dieser Weg? Der Abgrund ist tief, der Hang enorm 6-P1070205steil. Von unten nicht erklimmbar, sicher voller Bruchholz. Wenn hier ein Erdrutsch passierte – doch da ist schon die Straße.

7-P1070208Unmittelbar nach dem Wald stehen die Festungs-mauern und der hohe Turm der Hornburg. Er hat schon früher sehr eindrucksvoll auf mich gewirkt. Für meine Lehrabschlussprüfung als Plakatmaler und Dekorateur in Leipzig durfte ich ein Schaufenster mit Koffern und Taschen gestalten. Mein Thema: „Reise“. Wie passend zur DDR! Ich wählte Motive auch aus westdeutschen Sehenswürdigkeiten aus, die ich als Scherenschnitte verarbeitete. Dabei auch die Götzenburg.

8-P1070207Ihr Hausherr, der Götz, ist nirgends zu entdecken zwischen den teuren Blechkarossen im Burghof. Offenbar mal wieder ausgeritten, mit einem kräftigen „Ihr könnt mich mal!“ Ich verziehe mich wieder, auf den Hangweg, schaue ins diesige Tal und erreiche die Station Neckarzimmern. Ein Reitersmann kam mir nicht entgegen.

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Km heute: 12,5
Km Highlights gesamt: 184,8

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Naherholung für die Muskeln

Highlight H3.7 neckarabwärts – von Obereisesheim bis Heinsheim

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Den Neckar zu begleiten ist einfach. So wie ich heute. Neckarabwärts, nördlich von Heilbronn. Man hat hier den Radweg, schön geebnet und schlaglochlos, hindernisbefreit, muskelschonend. Aber nchts für mich! Die Gelenke brauchen Erde unter sich, die Muskeln mehr Arbeit, Futter für die Fitness. 01-P1100202Tallagen sind die bequemste Topografie. Aber direkt neben dem Neckar, da wächst eine Menge Gras. Man hat die Wahl: Stein oder Erde.

03-P1070149Gleich ab Haltestelle Schwimmbad überquere ich die Wiese! Das Gras ist gekürzt. Ein Asphaltweg führt mich weiter zum Neckar. Dann bleibe ich möglichst immer am Ufer und kann den Boden erleben. Zuerst kleinschottrig bestreut, zumeist aber als Wiesenwege mit schmalen Radspuren, kitzelhalmig eingefasst.

04-P1070152Es wird zu eng zum Fahren zwischen dicht bewachsenem Hang und Flussböschung. Es bleibt ein dunkler Pfad. Einige Blicke durch Büsche und Bäume zum Wasser. Übermannshohe Kräuter. Weiße Dolden, ich muss hinaufschauen wie zu den Wolken, um sie zu sehen. Brombeerblüten auf hohen dichten Hecken. Einige Ranken und Brennnesseln biegen sich mir in den Weg. Wie praktisch doch die Gehstöcke sind, sie schaffen energisch Beinfreiheit.

05-P1070168Dorfbild von Untereisesheim vom Ufer aus. Der Ort streckt sich auf niedrigem Geländesockel. Der Fahrradweg nimmt mir den Pfad weg. Bei der Friesinger Mühle wird ein Frachtkahn beladen, Kipper lassen Sand oder Kies hinausrutschen, etwas, das ausreichend gut staubt. Ich lasse zwei Entladungen mit weißen Puderwolken vorbei gehen.

Rast kurz darauf, schattig unter jungen dichten Linden, gleich hinter der Bahnlinie. Der rote Zug nach Heidelberg und Mannheim fährt dröhnend über die Eisenbrücke. Wieder beginnt hier der Ufergrasweg. Es sind ja nicht nur die Büschel aus Halmen, es gibt Wellen in den Fahrrinnen, Löcher, frisches Heu. Es ist eben uneben. Alles Kleinigkeiten. Doch mit der Zeit spürst du diese fortwährende Einwirkung unspürbarer einzelner Hindernisse. Das Tal ist so schön und eben, und doch eigentlich wie die Geländewellen überall. Das ganze „Ländle“ –  ein Parcours!

06-P1070171Aber Wimpfen am Berg mussten sie unbedingt unbequem obendrauf stellen, auf dem Kraichgauhang. Statt unten zu 07-P1070177bleiben in Wimpfen im Tal, 08-P1070182dessen Stiftskirche über die alte Dorfmauer lugt. Ein Weg erklimmt die Höhe durch Wald, Stufen hinauf und durch die Stadt-mauer. Ein Berggrat, nur paar Meter breit, schon wieder senkt es sich. Ein dicker eckiger Turm macht den Anfang der alten 09-P1070178Stadt. Einst Stauferpfalz, dann Freie 11-P1070188Reichs-stadt. Das „Steinhaus“, der hohe „Blaue Turm“, die Salzgasse. Eindrücke wie aus dem Mittelalter-Bilderbuch. Ich düse eigentlich nur durch, bei allem, was man hier sehen könnte! Picke nur paar Motive in die Kamera.
10-P1070186Wenn ich Kulturreisender wäre, dürfte ich dabei nicht wandern. Zeit haben für eins, zwei Ziele. Ich suche die Bewegung, die Ausdauer, den Genuss daran weiterzugehen. Auch ich hätte mich nur mal hinsetzen können, ein Eis löffeln, die Athmosphäre auf mich wirken lassen, eine Unterhaltung. „Nur mal“ ’ne halbe Stunde. Lohnt sich dann noch der Rest? Nein! Ich bin ungeduldig genug, will schon wieder raus, weg von den Häusern, weiter, hinunter in die Wiesen!

Zunächst finde ich wieder einen Pfad, diesmal einfacher begehbar. Erhöht im Waldhang über dem Radweg und dem Neckar. Danach erreiche ich wieder den wiesigen Weg am baumbestandenen Ufer. Weite Blicke. Vor mir am Hang die Kirche von Heinsheim, daneben eine Burgruine. Hinter mir noch der hohe gezinnte Turm als Silhouette. Diese Talaue ist wohl die letzte vor Heidelberg. Denn etwas später versenkt sich der Neckar sich windend in den Gesteinen des Odenwaldes. Das Tal wird enger.

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Grasholpern bringt auch Ermüdung. Rast am Wiesenweg, das Ziel in Sicht, unter Zweigen, die Sonne brennt mir auf den echten Unterschenkel. Ein schwarzes Insekt ersäuft sich im gelben Becher beim Teenaschen. Ich rette es ins Gras. Ein blauer Falter flattert flott um meine Anwesenheit und alle Klamotten und Fressalien, wissensdurstig, zumindest neugierig. Hinter mir schwappen Wellen, wenn ein Schiff vorbeituckert. Ich sitze, kucke, kaue und genieße. Mehrfach!

Am Sportplatz vorbei hinauf zum Lindenplatz. Die kurzen Unterhaltungen am Wartehäuschen können nur wenig klären. Was mich umtreibt unterwegs bleibt zumeist unverständlich. Der nächste Bus bringt mich nach Bad Rappenau.

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Aber eine Route war das, deren Einfachheit und Einsamkeit es angenehm und, trotz der Ebene, spürbar gut in sich hatte! Naherholung? Na ja!

 

Km heute: 12,9
Km Highlights gesamt: 172,3

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„MEHR Bewegung hilft“ oder „Fitte dich auf!“

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Also, mal ein einfacher Vorschlag: Du baust dich auf, unabhängig von anderen, nach deinem Plan. Egal, ob mit Handicap oder ohne. Einfach, wenn du dich fitter und besser fühlen willst. Fitness für das, was DU willst: Um mit guter Ernährung und regelmäßigem Bewegungstraining deinen Körper zu kräftigen.

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Jeder weiß, Bewegung hilft, um den inneren Rost zu verhindern. MEHR Bewegung hilft eben auch mehr. Geist und Körper anfordern und trainieren, aber bitte über die Notwendigkeiten des Alltages hinaus.

Mit MEHR Bewegung und kontrollierter Ernährung unseren Alltag zur individuellen „Alltags-Selbsthilfe-Wohlfühl-Genuss-Therapie“ machen! Die „Kampfplätze“ sind die Küche und draußen die Natur!

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11-P1210896Ich selbst trainiere heute wieder auf Ausdauer über 10 km, kombiniert mit Steigungen. Mein Trainingsvirus juckt mich deutlich. Die Wanderspirale, die 85. Tour insgesamt, die 7. in diesem Jahr. Den Wunnenstein erklimmen. Vielleicht erreiche ich Gronau, nein, bestimmt!

Für diese Therapieform ist meine heutige Wanderung wieder ein zutreffendes Beispiel. Wie meistens geht es dabei um die so nützliche Anstrengung. Die Steigung hinauf zum Wunnenstein, heute nochmal mit der alten Beinprothese, zieht sich hin. Am Waldrand steht die obligatorische Sitzbank, auf der ich 2-P1070107etwas von meinem Rucksackmaterial in meine Verwertungs-Position verlagere. Der Blick nach Nordosten zeigt sonnige Aufhellungen über Auenstein. Ansonsten Wolkendecke.

1-P1070099Aber die angenehm frische Luft heute ist ein Genuss nach der Schwüle. Hättest du Stress, er würde schnell verfliegen. Alleine bin ich hier nicht. Drei Ponyreiterinnen mit Hunden, ein Fahrradschieber, Tausende von Eiligen mit 130 auf der A61. Wie oft bin ich selbst „bewegungslos“ hier lang gedüst. Bald ist der Lärm hinter mir und wird endlich vom entspannenden Konzert vieler Vögel abgelöst.

4-P1070119Auf der Terrasse des Wunnenstein-Gasthofs werden eine Stunde vor Öffnung die Tische von den Kastanienkugeln und Ästchen gesäubert. Die südliche Aussicht, weit ins Land hinaus, wunderbar! Also hinauf zum Turm, stolze 406 Meter hoch; meine 5-P1070122Kuchengelüste schlucke ich runter. Auf dem Gipfel stehen ungedeckt Tisch und Bänke. Mist – den Löffel für die Müsligelüste hab ich vergessen, finde aber mein Fischmesser. Aha, das geht ja viel besser so und schmeckt nicht schlechter. Gib einem Chinesen ein Fischmesser für sein Müsli, nie wieder rührt er Stäbchen an!

Meine Müsli-Komposition ist sehr eigenwillig, gut und lecker. Die gewohnte Ernährung kritisch zu betrachten ist heute ja unverzichtbar. Sich mal zu informieren, was braucht überhaupt mein Körper so. Was aber mute ich mir zu, was für Käse steht manchmal auf den Packungen? Was ist zu viel zu wenig, was zu oft zu viel, was nützt und was schadet? Bin ich bereits Mülldeponie? Das Bewusstsein dafür anspitzen!

Für mich als 1936er-Originalausgabe und 2006er „Einbein“-Umgestaltung ist diese „Therapie“ wirklich tägliche Realität. Die Resultate als spontane Erlebnisberichte auf meinem Blog zeigen diese langfristige Wirksamkeit.

Ein Pfad führt nordöstlich den Rücken des Wunnensteins hinab. Da sind einige Späßchen eingearbeitet, liegende Stämme, querhängende Äste, rutschiger Erdboden. Also ein Weg nach Wunsch.

6-P1070133Kuppen, Buckel, Rücken und Rebenhänge, das sind die „Löwensteiner Trainingsberge“, „abgekalbte“ Ausläufer des Schwäbischen Waldes. Gekonnt gestaltete Tafeln zum Thema „Wein“ stehen an den Wegen (Bilderkiste). Noch ein Kurzbesuch auf der Burg Hohenbeilstein reizt mich, wieder mit Steilanstieg. Also fitte ich mich nochmal hoch. Auch wieder eine Bank dort oben, zwecks meiner Rest-Knabberizitäts-Vertilgung. Vor mir, die Waldhänge, sind schon fast unmittelbar nahe, aber die hebe ich mir auf. Für die Fortsetzung.

7-P1070136Bis ich Gronau erreicht habe, sind doch einige Pluspunkte zusammen gekommen, die mir spontan gefallen und langfristig wirken.

Soll mir doch mal jemand sagen, welche andere ausdauernde Gesundheitstherapie das ebenso konzentriert schaffen kann – innerhalb von acht Stunden, ebenso sauerstoffhaltig, vielseitig, erlebnisreich, vergnügungsgeladen und angereichert mit aufbauenden Zufalls-Anforderungen, dabei aber immer ohne Überanstrengung und Stress. Und wurscht, ob mit ohne Sonne!

Km heute: 12,3
Km „Spirale 2015“ gesamt: 94,0
Km/h: 2,02
Anstiege: 225 m
Abstiege: 211 m
Km Prothesentrainings gesamt: 7230,7

Kniewechsel – höchst unterhaltsam

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Plötzlich entsteht eine verrückte Idee: Ich werde das LiNX entführen! Dieser glänzende Käfer hier auf dem Weg, das ist nicht der einzige „Edelstein“, der sich unter mir bewegt! Denn über 13-P1070083vierzigtausend Euro sind per Ventil an meinen Beinstumpf geheftet. Einfach weiter nach Norden gehen und versuchen nach Holzgerlingen zu entkommen. Kaum einer begegnet mir in diesen einsamen Wäldern – ich denke nochmal zurück, wie es dazu kommen konnte.

14-Foto 26.09.14 16 04 03Es begann im Herbst mit Hydraulik-Müdigkeit. Du läufst bergab und das Kniegelenk gibt dir nicht mehr genügend Widerstand. Schnell liegst du auf Käferniveau. Mehr Stockeinsatz, also mehr Energieschub nach oben, zur Freude von Schultern und Nacken. Und außerdem läuft die Garantie des Gelenkes nur noch bis Februar. Und meine eigene? Also: Prothesen testen!

Bereits im Oktober bekam ich die Chance das Genium zu probieren, ein Star-Produkt des Marktes, mit Aussicht auf längere Wiederholung im nächsten Frühjahr. Drei Wandertage auf der Spirale, Alfons war einmal dabei. Im Januar war das Orion dran, mit dem geländegängigem elektronischen Fußgelenk élan. Zwei Tests in Pfaffenhofen. Aber da hatte ich leider die Einstellung vermasselt und es klappte nicht.

Unvermutet bot mir Daniel ein völlig neues System an, das damals noch nicht auf dem Markt war. „Damit ist hier noch niemand gelaufen“, meint Daniel.
Neu und besonders ist auch, dass Fuß und Knie miteinander wichtige und geheimnisvolle Unterhaltungen führen, unermüdlich. Damit habe ich im Februar Testläufe unternommen, im Wechsel mit Bettterminen (eine Erkältung wollte das so). Und danach z. B. den langen Marsch nach Marbach. Mit einem neuen Gelenk gesund über 30 km, das überzeugte. Völlig unerwartet spürte ich höhere Sicherheit und Schnelligkeit. Wichtigste Gebrauchsvorteile! Die Beantragung wurde ungewohnt schnell genehmigt.

08-P1060858Am 13. Mai konnte ich einen 7-km-Testlauf mit einem provisorischen neuen Schaft unternehmen. Dunkelhimmelblau, bearbeitungsfreundlich, aber er muss dafür stabilisiert werden. Einwandfrei läuft er, problemlos.

Wann wird diese Weltneuheit geliefert? Bis dahin wollte ich nochmal die gewohnten Laufeigenschaften der alten Prothese genießen. Von Münster nach Remseck, (etwa die 490te C-Leg-Tour), wo die lange Reihe der bis heute über 610 Prothesenwanderungen Anfang Oktober 2007 startete.

01-P1060936Dann kam am 28. Mai das Techniker- und Vertriebsteam, Roger und Adam, ein wertvolles „Präsent“ im Arm, extra mit Schleifchen drum, auch mit einer Urkunde, wegen des allerersten in Deutschland ausgelieferten Exemplars des LiNX Systems, meinem künftigen Wanderkumpan. Die beiden Orthopädietechniker-Meister 03-P1060946Daniel und Fred erhielten die erste LiNX 02-P1060943Zertifizierung erteilt. Den endgültigen neuen Schaft hatte Daniel bereits daran befestigt. Meine ersten Gehversuche fanden im 04-P1060949Werkstattgang und auf dem Hof statt. Es wurde schnell klar, da müssen wir noch einiges am Schaft ändern.

Wieder einmal muss ich also neu laufen lernen! Wäre ich zu dieser Anstrengung nicht bereit, würde ich doch – völlig freiwillig – auf mindestens über 90 Prozent des weiteren Lebensinhaltes verzichten, den ich per Beinbewegung selbst erreichen kann. Wie unsinnig wäre das! Wenn nun wieder einmal eine neue Prothese kommt, heißt das doch: Diese unwahrscheinlichen Erlebnisse mit den vorigen Prothesen können per Wille fortgesetzt werden. Dieser Wert ist nicht gleich dem Marktwert der Prothese. Die zurück erlangte Beweglichkeit und Widerstandskraft ist einfach unbezahlbar!

Zwei Kilometerchen, zwei Tage später oben bei Plattenhardt, gaben uns weitere Hinweise. Daniel bot mir die Gelegenheit, bei ihm in der Wohnung und drumrum weiter zu testen, an seinem Wochenendsamstag.

06-P107006407-P1070066Ebenfalls schnell: Die erste LiNX-Wanderung am 1. Juni ab Werkstatt. Vorher wird erstmal probiert. Dann beobachte ich noch, wie sich das LiNX lustvoll an das C-Leg randrückt. In der Spielecke lenke ich dieses ab. Aber kurz vor 12 gehe ich voll ausgerüstet zu einem etwas längeren Test rüber zum Fasanengarten. Wie geht diese Probe aus? Der Schaft beginnt mich auf wenig schmeichelhafte Art zu drücken. Zuerst läuft es sich schnell und man spürt die 09-P1070072Energie aus der Fußspitze, die wie ein Außenbordmotor oder ein schiebender Finger im Rücken wirkt. Je länger meine Schritte, um so deutlicher spüre ich den Schub. Bei der ersten Rast, am Spielplatz, zog ich den noch ungewohnten Schaft schon mal frisch an. Ich will eine Schleife durch den Wald ziehen und zur Nach-arbeit in die Werkstatt zurück gehen.

11-P1070092Der Wald ist groß. Viele reizvolle Wege gibt’s hier, nicht nur der kurze Parcours mit Querhölzern wie bei Stufen. Das herrliche Wetter. Die Walderd-beeren flüstern sich wohl Witze zu und bekommen schon rote Ohren. Ich will10-P1070084einfach weiter. Eigentlich läuft es sich doch ganz gut. Hinter der B14 ein steiler Anstieg. Wie eine helfende Hand im Rücken, so schiebt der Fuß. Der Hunger entsteht samt Frischluftappetiet, der mir aus allen Poren dringt. Auf derben Holzscheiten lasse ich mich naturbequem nieder.

Wie müsste ich denn zurück? Reicht das noch rechtzeitig? Ich tendiere dazu, vielleicht bis nach Holzgerlingen-Nord zu kommen, denn dort stoppt die Schönbuchbahn. Doch bald merke ich, auch auf direktem Wege bin ich schon zu weit von der Werkstatt entfernt. Was tun?

Da kommt mir eine Idee…

(Dass wir gerade mit diesen zehn Kilometern ein Problem am Stumpfende erkennen und auch lösen konnten steht natürlich in direktem Zusammenhang mit – leider erst dem letzten Drittel der Wanderung!)

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Km heute: 9,8