Monatsarchiv: August 2015

Der Leu am Leuchtturm

1-P1100202Highlight H7
Lindau

Der Job dieses Löwen ist recht ungewöhnlich: Die Schiffe begrüßen und verabschieden und die Hafeneinfahrt bewachen. Er macht aber such deutlich, es gibt nicht nur afrikanische, sondern auch bayrische Löwen! Doch wohin schaut er so sehnsüchtig? Hinüber zur Schweiz. Ist er wohl Käse- oder gar Schokoladenliebhaber?

Vom Leuchtturm aus gehe ich die Kieswege am Ufer entlang. Die Berge sind nah, trotz des Dunstes deutlich zu erkennen. Schiffe und Boote aller Art schaukeln im Gegenlicht. An einigen Strandstelle ist Kies, über Treppen erreichbar. Einige Leute baden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt hier so viele Bildfmotive, dass der Bericht deshalb vorwiegend aus Bildern besteht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Art der alten Stadt erinnert mich stark an Regensburg oder Rothenburg ob der Tauber. Alles Sehenswerte steht hier sehr dicht zusammen auf weniger als einem Quadratkilometer. Der Pulverturm,  der Mangturm, das alte Rathaus, der Diebsturm usw. Das Kaffeegäßchen ist so schmal, dass man kaum den Turm des Münsters ins Bild bekommt.

 

 

 

 

Die Gastronomie und die Andenkenläden leben hier gut. Alte und extrem enge Gassen, buckelige Pflastersteine. Mittelalterromantik, flanierwütige Besucherströme. Eingeborene? Kaum auszumachen. Bei dem geköpften Mammutbaum finde ich ein Café; die Prothese sitzt nicht mehr richtig. Der Streuselmohnkuchen überredet mich wortlos zur Rast.

Kreuz und quer geht mein Weg. Der See ist überall nebenan. Aber die historischen Bauten, die Hitze und der Trubel rund um mich erzeugen eine wanderunübliche Stimmung.

Meine Rückfahrt (mit zwei Stunden Wartezeit in Ulm) geht etwa so lange wie meine heutige Stadtwanderung. Die Züge sind heiß und gestopft voll. Die meisten Leute waren auch am See und fahren bis ins Stuttgarter Gebiet zurück. Die Bahn sollte kühles Bier spendieren – jetzt hab‘ ich’s: Der Löwe wartet auf das Schiff mit Löwenbräu!

Km heute: 6,0
Km Highlights gesamt: 240,2

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Widerstände

Spirale S10
Oppenweiler bis Oberbrüden

Zuerst ist alles ok. Schnelle Bahnverbindung, warmes Sommerwetter, kühle Luft. Bald nach dem Bahnhof beginnt’s hinten zu drücken.

’s wird schon gehen. Das Frühlicht reizt meine Kamera. Eine kronenamputierte Apfelbaumruine steht einarmig am Bahngleis und trägt tapfer seine schwerer und schwerer werdenden Früchte. Sonnenreflexe auf schmalen Blattfingern. In Zell steht ein prächtig-gleichmäßig gewachsener Kastanienbaum und fängt schon mal an Herbst zu spielen. 

Dieser dooofe Druck! Da, eine Scheunenwand. Prothese runter! Beginnende Entzündung? Pflaster drauf, Tropfen Öl gleich dazu. Weiter! 

Fünf Minuten später. Jetzt drückt’s links. Eine Bank steht in Sichtweite. Prothese wieder völlig neu anziehen! Wie oft denn noch? Weiter!

Sofort danach. Das ist ja verdammt locker. Ich muss schon wieder reklamieren, denn der Schaft schlenkert anstatt zu wandern. Ich will keine „Schlenkerung“ machen! Ein PKW-Anhänger als „Anlehne“ gibt mir den nötigen Halt. Fertig, jetzt aber flott weiter!

11-P1210896Nun habe ich bereits vierzig Minuten verloren. Hier beginnt auch der Anstieg, von wegen flott! Er ist lang, bewaldet, mit gleichmäßiger Steigung, ein weiterer Zeitfresser. Bin jetzt schon dankbar für den Schatten. Nach einer Stunde steht eine Sitzgruppe neben einer Weggabelung bereit. Guten Appetiet!

Bis hierher ist wieder alles erträglich. Eine Frau fragt nach dem Weg, um ihr Hündchen fertig auszuführen. Zum Eschelhof? Ja, hier vorn links gleich rechts hoch. Um nach Althütte zu kommen, biege ich hier sofort rechts ab. Schön eben zuerst. Dann wellig, dann leichtes Gefälle. Der Druck von vorhin meldet sich zunehmend zurück.

Dann wird es kurzzeitig normal-steil. Mehr Körpergewicht kommt auf die Schaftrückseite. Jetzt wird der Druck heftig. Bis Oberbrüden lässt er nicht mehr nach. Am Kirchplatz wird die Haltestelle zur Abbruchstelle.

Spirale S9: 6,7
Spirale 15 gesamt: 115,1

Mutmacher!

Wanderspirale S9
Gronau bis Oppenweiler

Mein Weg zum Bus: Auch heute beobachte ich die zarten Blättchen, die sich mehr und mehr durch meinen Gehweg bohren, tiefe Spalten bildend. Mit den gleichen enormen Kräften aus dem Erdboden, die auch wir – gelegentlich optimal – nutzen! Unermüdlich, ausdauernd! Was für ein Mutmacher!

11-P1210896Das wird heute wohl ein weiterer Gewöhnungsmarsch: Nachdem die neue Prothese vorgestern im Neckartal Kletterei bekam, stelle ich dem LiNX-System heute die Wanderspirale vor. Um uns beide nicht zu überanstrengen, teilte ich gedanklich die geplante Etappe, denn das Klettern wird heute höher hinauf.

Gronau, an der Kante des Schwäbischen Waldes, Ortsteil von Oberstenfeld, ist etwa 22 Kilometer von Stuttgart City entfernt. Über Marbach fahre ich flotte 94 Umweg-Minuten dorthin.

Mein Zutrauen hängt hinterher: Ich denke „das schaffe ich nur bis Allensbach am Weinberg!“ Aber als ich die Höhe erreicht habe stellt es sich anders dar.

Der Anstieg wird Geduld erfordern. Gleich neben der Kirche gehts schon mal hoch. Zwischenrein ist der Weg im Bottwar-Seitental, an der Kurzach entlang, ebener bis hügelig. „Na, Sie sind aber mutig…“ So etwa spricht mich ein älterer Herr an, der fleißig seine Beweglichkeit pflegt, gut gelaunt und fit wirkt. Als ich erfahre, dass er 1921er sei, wird er für mich zum nächsten Mutmacher! Wenn ich in siebeneinhalb Jahren 7000 km geschafft habe – weitere sieben Jahre, da bin ich ja erst 85!

Ab einem kleinen umwachsenen Talsee steigt es kontinuierlich. Der Bach glitzert, die Sonne scheint wohltemperiert, die Stimmung ist hoch angereichert. Es ist Sonntag, immer wieder sind Leute unterwegs. Ich gehe langsam, pfeife tonlose Melodien in mich hinein, den jeweiligen gleichmäßigen Laufrhythmus damit unterstützend. Will ja nicht dauernd stehenbleiben! Das hilft phantastisch für gute Laune, hohe Berge und weite Strecken, und für Ausdauer!

Mit einer Frau komme ich ins Gespräch; ihr geht es wie vielen. Man kann es zuerst kaum glauben, dass man mit Prothese so fern eines Ortes den Berg hinauf steigt oder überhaupt wandert. Auch sie wünscht mir Mut und „Weiter so!“

Bevor ich ganz oben bin, wird es ganz steil. So steil, dass der ursprüngliche Beton des Weges zumeist schon weggespült ist. Noch vorher, nach der Überquerung einer Wasserrinne, finde ich einen Waldbodensockel. Ideale Sitzhöhe, ebener Abstellfläche, für meine breite Auswahl an Verfütterungsmaterial.

Ich bin oben. Über sechs Kilometer waren das bisher. Und dann erlebe ich wieder, wie man sich selbst Mut machen kann. Jetzt, um 13:30 Uhr, bin ich schon zu weit für die gekürzte Planung. Leicht schaffe ich es bis ins ursprüngliche Ziel. Was für ein schöner langer Tag!

Die Hohe Straße. Neben dem Parkplatz eine Hütte. Ich biege um den Eckpfosten, dort sitzen sechs weitere Mutmacher, hier eingeflogen mit Auto und Fahrrad. Ich setze mich dazu. Die üblichen Fragen und Antworten: Warum, woher, wohin. Sie haben sich hier auch erst kennengelernt. Der Mann neben mir: „…und ich wohne in Oppenweiler, ich lad Sie gern ein, wenn Sie nachher kurz vorbeikomme wolle…“ Da ist meine Entscheidung für den längeren Weg wie zementiert.

Mal steil runter, mal wieder nuff, mal langweilig eben, so kurven die Waldwege auf halber Höhe weiter. Der letzte Abstieg ist holprig; ich kenne ihn hautnah, und wie! Doch davon gleich weiter unten im Text.

Wolkenverdickungen verdecken den Blauhimmel. Nahe am Waldrand die wenigen Häuser von Rohrbach. Im Süden scheint der Regen schon am Fallen zu sein. Ja, wirklich, dort, wo Stuttgart liegen müsste, hängen schräge Streifen über dem Land. Punkt 18:00 Uhr erreichen mich Warntropfen. Aber da ist schon das Ortsschild. Und paar Minuten später klingle ich uneingenässt an der beschriebenen Haustüre.

Auf der Veranda während des leichten Regens, im Anblick der Burg Reichenberg, mit Bierchen und Veschper – ein einmaliger Wanderabschluss, bevor ich zum Zug gefahren werde. Und bevor ich zum Dank die Story aus meinen Notizen vorlese, auf der ich 2013 hier am Bahnhof begann und auf dem Abstiegsweg von vorhin im Matsch zwischenlandete…

…Plötzlich rollt der Weg unter meinem Tritt nach oben vorn, das heißt, der linke Schuh gleitet einen halben Meter zurück, und bevor die Prothese das nachmachen kann, drückt sich meine linke Schulter schon tief in den weichen wässrigen Schlamm… Die Beine sind höher als der Kopf… Wie dreht man sich im Schlamm um?… Halb oben, da entsteht ein Wadenkrampf, da gibt es wieder kein Halten, da schlingert es mich hinterrücks nochmal genussverlängernd weiter nach unten… Meine Hände sinken tief hinein, sie fühlen sich an wie die einer Kuchenbäckerin im Teig. Rückwärts sitzend drücke ich mich genüsslich hoch auf…  (Mai 2013)

Inzwischen ist dieser Weg kaum wiederzuerkennen. Gut rekultiviert! Heute zu trocken zum Wiederholen der Situation!

Km heute: 14,3
Km Wanderspirale 2015 gesamt: 108,4
Km Wanderspirale ab 2014 gesamt: 1088,9

Knöchelelektronik

Highlight-Wanderung H3.9 – Neckarabwärts
Von Neckarzimmern bis Neckarelz.

Zwei Monate Testläufe. Nicht nur das elektronische Kniegelenk ist neu. Auch das Knöchelgelenk, eine Neuheit auf dem Markt, ist nun elektronisiert. Eine neue Beinprothese, nach fünf Jahren weiter Strecken, das erfordert Anpassungen im Laufverhalten, besonders bei längerem Auf und Ab in der Natur. Heute möchte ich versuchen den Testgedanken aus dem Kopf wieder herauszudrängen.

Das bedeutet aber, dass vor allem der Prothesenschaft, der meinen Beinstumpf aufzubewahren hat, meine Haut selbst bei Tagesmärschen nicht ärgern darf, ebenso der weiche, hautschützende „Liner“. Tun sie anfangs aber nicht! Drücken, Zwicken, Kneifen sind ihre Eigenschaften vor der erforderlichen handwerklichen „Umerziehung ihres schlechten Benehmens“.

Angefüllt mit Ungeduld hoffe ich, es sei Schluss mit der aufgezwungenen Passivität. Eine vermorgennebelte Bahnfahrt (mit dem Bonus eines Schienenersatzverkehrs),  ein sonniger Tag wird sicher sein.

Gleich nach dem Steg der Schleuse steigt die schmale Straße an; am Neckar fehlt hier der Platz. Wenn ich zurückschaue, steht die Hornburg noch im Dunst; einige Nebel kämpfen mit verborgenen Strahlen. Dann senkt sich der Weg wieder und der erwartete Sieg der Sonne ist perfekt.

Hochhausen, ein kleiner Ort, eingepasst in die seitlichen Hügel. Unabsichtlich verfolge ich hier den Neckarsteig. Na, das ist ja die

reinste Berg- und Talbahn. Nett sind die Leute, freundlich und offen. Zwei interessante Gespräche ergeben sich, und bei steil ansteigenden Wegen ist das zum Verschnaufen doppelt willkommen.

Dann ein Waldweg, wieder oben im Talhang. Rast auf den spärlichen Halmen des Wegbodens zwischen sehr großen Ameisen, die wegen mir ihre wichtigen Geschäfte aber nicht unterbrechen. Ihre Straßen verlaufen seitlich und vor mir. Ob ich direkt auf einer ihrer Straßenkreuzungen sitze, kann ich momentan nicht feststellen. Nichts bewegt sich auf meiner Haut. Von rechts brummt es. Ein großer Käfer im Landeanflug auf benachbarte Gräser. Grün funkeln seine Flügel im Gegenlicht.

Ein anderer Test läuft heute. Meine Schwester gab mir mal ihre Wechseloptik-Kamera zum Probieren mit. Eine größere Tasche ist dabei, die sehr einfaches Handling ermöglicht. Aber fotografische Perfektion ist beim Wandern mit Prothese nicht angebracht. Mir geht es lediglich um die Ästhetik der Landschafts- und Naturerlebnisse, um spezielle Ereignisse. Das zu zeigen, was trotz Prothese, mit mehr Bewegung, als Gewinn entstehen kann: Nicht daheim vergammeln, sondern interessante Wege und den Wechsel von Landschaft, Wetter und Jahreszeit hautnah erleben!

Brennnesselverhangen und doldendurchwuchert führt die eine Spur des Waldweges weiter. Zu wenig Wanderer sind hier unterwegs. Naturkontakte für mein nackig-knackiges Bein. Schon sieht es so aus, als müsste ich umkehren, doch die Spur durchdringt die beginnende Wildnis. Eine Kerbe im Hang, die zuwächst. Äste und Stämme hängen waghalsig über. Kräftige Kräuter beanspruchen den Pfad energisch für sich. Später, von der festen Waldstraße aus, sieht der Weg rückblickend fast unbegehbar aus. Jetzt aber nehme ich den Lärm des Talgrundes deutlicher wahr. Die Kreuzung mehrerer Bundesstraßen. Nicht weit entfernt liegt Mosbach in einem Seitental.

„Verlaufen?!“ Ein kleiner Transporter, die rechte Türscheibe wird runter gekurbelt. „Wollen Sie zum Goldfisch?“ Ist mir unbekannt! „Ich will einfach nach Heidelberg – aber nicht heute!“ Sie biegen grinsend rechts ab, auf einem „nicht existierenden Fahrweg“, zu einem Werkgelände im Wald. Auf beiden Apps ist er nicht in ihren Karten eingetragen!

Jetzt kapiere ich. Die Bergstollen „Brasse“ und „Goldfisch“ gehörten zu einem früheren Arbeitslager, raffiniert im Wald versteckt. An den dunklen Eingängen komme ich vorbei. Inzwischen wurde ein Geschichts-Lehrpfad angelegt. Unglaubliches aus heutiger Erkenntnis ist hier geschehen; das sollte man sich am PC mal ansehen.

Das wird nichts mit der geplanten Station Binau. Die Zeit läuft mir davon! Die Topografie fordert einiges, wenn man nicht regelmäßig auf Tagestour ist. Auch Aufenthalte wegen Druckstellen am Bein. Für eine ersehnte zweite Rast finde ich am Sportplatz Obrigheim eine Bank am Neckarufer.

1-P1100202Wie ein Hochhaus aus älteren Tagen steht das Schloß Obrigheim schräg hinter mir. Ruhig ist es hier in der Sonne. Der Angler dort gegenüber genießt seinen Tag auf andere Weise. Das wäre nichts für mich, Angel-„Sport“ bis zur Unbeweglichkeit. Übrigens gut zu kombinieren mit Schach-„Sport“! Drüben finde ich auch die Station Neckarelz. Das reicht, denn die Heimfahrt dauert auch noch eine Weile.

„Fern der Heimat“ bin ich hier. Die nächsten Touren bekommen immer längere Fahrtzeiten. Die Tagesstrecken werden eingezwängt bei etwa 10 km.

War das heute nun kein Test mehr? So sicher bin ich mir da nicht! Denn für so ein kurzes Wegstückchen merke ich die Muskulatur zu stark. Ich hatte seit März doch zu oft zu kurze und zu einfache Wege!

Km heute: 10,5
Km Highlights gesamt: 234,2

 

Alstergewimmel

Besuch in Hamburg
Highlight H6.2 – Mundsburg bis Rotherbaum

Ich werde etwas probieren. Zum Testen gab mir Angelika ihre Kamera mit. Etwas schwerer wie meine, aber mit einer bequemen Tasche, die einfaches Handling ermöglicht. Naja, nicht zu vergessen, die noch andauernde Entzündungsanfälligkeit am Oberschenkel, auch ein Testprogramm!

Am Ufer angekommen drehe ich nach Norden ab. Ich will bis zur Alsterbrücke, um danach vielleicht noch weiter zum Jungfernstieg zu gehen. Aber die Bilder, die gehen heute vor!

Von der Brücke über den Rondeelkanal sehe ich dichtes Gewimmel auf dem Wasser. Jetzt fehle nur noch ich; die Brücke wäre das beste Ufer für ein Erfrischungsbad. Dreiecke schieben sich langsam dahin; man bewegt sich auf viele Arten, sitzend, stehend, in Barkassen. Vorhin, auf der Anlegestelle eines Ruderclubs hüpfte, sprang und warf man sich quiekend hinein.

 

 

Die Busse mit Oberstübchen der vielen Stadtrundfahrten sind für die 01-P1100202bequemen Leute unterwegs, unermüdlich. Aber die Uferwege sind ebenfalls beliebt und ideal für die Jogger und Radfahrer. Immer wieder wechseln die Vordergründe am Ufer, Schilf, Dolden, Zweige, vor der im Dunst liegenden Stadtkulisse, die sich ständig verschiebt. Schöne Parkanlagen reizen mich für Runden auf dem Gras.

7-P1010829Im Süden zieht eine dunkle Wand heran, kaum beachtet. Schnell geht das. Fast erreiche ich den Aussichtspunkt, an dem ich 2008 ein interessantes Motiv fand. Das hängt, nun umgesetzt in ein Tuschebild, bei Angelika an der Wand.

Schnell die Technik einpacken, rüber zum Bus. Obwohl, einige schwere Regentropfen würden mir bei dieser Hitze gefallen. An der Haltestelle beginnt es leicht. Beim Umsteigen am Gänsemarkt geht mein Wunsch in Erfüllung.

Km heute: 7,0
Km H6.2: 10,0
Km Highlights 2015 gesamt: 223,7

Langhälse, Langbeiner und Langweiler

Besuch in Hamburg
Highlight-Wanderung H6.1 – Hagenbeck

01-P1100202„…machen wir doch mal Hagenbeck, war ich lang nicht dort!“ Vorschlag meiner jüngsten Schwester. Nur eine Spazier-Wanderung kann das werden. Diese „Tour“ kringelt sich durch das Tierparkgelände. Der ehemalige Haupteingang, das fantasievolle Jugendstil-Tor, ist jetzt im Gelände integriert.

So attraktiv wie das Tor ist der gesamte Zoobereich gestaltet. Die Gärtner und Landschaftsarchitekten haben hier einen Wohlfühlpark geschaffen. Nicht nur für die sehr vielen Besucher. Weite offene Flächen, hohe Bäume, Seen und Teiche. 

05-P1070426Eine riesiges Reich besitzen jetzt die Kegelrobben, Südamerikanischen Seebären, Pazifischen Walrosse, Antarktischen Pinguine. Ein dunkler Rundgang führt hinab in den künst-lichen Berg zu dicken Glasfenstern der  Unterwasser-Wohnstuben.

2-DSCN1241Auf eine weitere bunte Reihe Insassen, Giraffen und Kraniche, Kamtschatka-bären, Löwen und Kaninchen, Bisons und Riesenschildkröten, treffen wir auf unserer Wegschleife.

08-P1070431

Zum großen Teil sind diese Tiere längst echte Raritäten. Trophäenjagd, Ausrottung, Klimawandel und mehr. Die Millionen abgeschossener Bisonsoder die Dezimierung der träge und langweilig wirkenden Schildkröten sprechen für sich. Unser Verhalten zeigt, der Mensch steht nicht über dem Tier.

Die Sonne sticht, uns rinnt der Schweiß. Geht es den Tigern und Elefanten genauso? Sie sind zum Lunch in ihren Appartements verschwunden. Wir 1-1-DSCN1279kürzen ab für den Heimweg.

Meine erste Wackel-Hängebrücke schenkt mir ein neues Laufgefühl. Da spürt man, wie die Welt sich dreht. Dahinter eine großartige Anlage für einige unserer nächsten Verwandten. Klettern, fast bis in den Himmel, Seile, Netze, was das Affenherz so braucht.

Es ist offensichtlich, diesen Sumatra-Orang-Utans, wie allen anderen Tieren hier, geht es gut. Überall spürt man, sie sind optimal versorgt, sie werden beachtet, dank eines tierisch guten Sozialsystems.

Das besonders Tolle an diesem Tierpark finde ich, die machen das so gut, dass man sogar auf solche Gedanken kommt:

Es geht den lieben Viechern besser als manchem unserer eigenen Spezies in unserem noch reichen Land! Leute, die zukunftslos unter Brücken schlafen und ihre Hände aufhalten müssen! Uns erscheinen sie nutzlos bis lästig. Also geht oft nichts voran, denn träger als die Schildkröten sind manche etwas menschlicheren Entscheidungen für unsere eigene Gattung. Gebt ihnen doch wenigstens einen Winkel im Hagenbeck, mit gleichwertiger, aber artgerechter Kost!

Aber hier im Tierpark, im Affenhaus, das ist Kultur, da ist die Welt in Ordnung!

Km heute: 3,0