Spiralzacken


Wanderspirale S10

Oberbrüden bis Althütte

„Das ist mir zu steil! PAUSE!“ Das ist eine Ausrede! Ja, wirklich! Was nicht dem Schwarzwald, dem Thüringer Wald, der Schwäbischen Alb oder wenigstens den norddeutschen Endmoränenhügelchen gelungen ist, der Schwäbische Wald schafft es, mich wegen dieses schwäbischen Keuperhaufens steigfaul zu machen!

11-P1210896Erst an einem Querweg steht linker Hand eine Hütte im Waldschatten. Auch ein verwitternder Tisch mit zwei Bänken; die dekorative Tischdecke aus Moos, Nadeln und braunem Buchenlaub. Hier vorbeizugehen, dafür gibt es keine entschuldbare Ausrede!

Die schmale Waldstraße wurde erst kürzlich mit frischem Rollsplitt neu umgestaltet. Die Sohlen haften ungenügend bei dieser übertriebenen Steigung, denn der Split rollt noch. Zusätzlich begann der Schaft hässlich zu drücken, wenn ich richtig belastete. Erst hier am Tischrand bekomme ich den Halt, alles neu zu richten. Wichtig, denn gleich steigt es weiter derartig an und nachher sind keine weiten und leichteren Ebenen zu erwarten.

Die ansässigen Kleinflugkörper machen es mir gleich, sie lassen es sich bei mir schmecken, als wäre es Top-Qualitäts-Bio-Tomatensaft. Sie wissen genau, wo oben ein Hemdkragen aufhört, wo ungeschützte Unterarme herumfuchteln, in welcher Flughöhe die Kniekehlen-Landeplätze zu finden sind. Auch einfach durch den Strumpf werde ich angemückt. Während ich doch unwackelbar stillhalten muss, für die Aufnahmen dieses Stilllebens, schlürfen sie mich aus als willkommene Nahrungsergänzung des ansonstigen Rotwild-, Mäuse- oder Wildschweinblutes.

Am Wegrand nach dem Wald nicken mir die Farne zu im noch kühlen Südwestwind. Das Sommerwetter ist heute nochmal perfekt und heizt mir schnell ein. Immer noch steigt der Weg an. An einer Scheune in Rottmannsberg muss ich gleich dreimal hintereinander den Schaftsitz korrigieren. Etwas von der Richtung abgebracht hat mich die Schaftunsicherheit, denn einfacher läuft sich’s auf der Straße nach Sechselberg, anstatt rechterhand weiter unten im Gelände. Im Ort entdecke ich, dass man sich hier beginnt „einzuspinnen“. „Kunst am Stall“ – mal ’ne gute Idee!

Dieser mickrige Bach ist dran schuld, dass ich wieder sooo weit runter muss, obwohl Althütte dort drüben oben liegt. So unbedeutend er auch aussieht, er hat hier mit seiner Gerieselkraft eine der kerbigen Schluchten geschaffen, welche selten erlebbare Ruhe ausstrahlen. Völlig lärmlos ist es hier. Nur einige Stimmen tönen rüber vom Gegenhang; eine Ziege meckert noch dazwischen. Die Steilhänge sind nur nutzbar für Gärten mit Obst, Hüttchen und Häuschen. Und viel Wald.

Und warum mache ich nicht nochmal den Umweg, oben drumrum? Naja, ich habe mir doch diese Spirallinie geplant, auch um zu wissen, was passiert auf so verrückt-vernünftiger mutwilliger Route, wenn ich sie so annähernd als möglich verfolge. Nun geht es deshalb eben mal hier lang, die Richtung korrigierend. Jetzt spüre ich die Geländewirkung deutlich, als Intensivtraining.

Etwas knieangeweicht bereits vor Beginn des zweiten Anstieges? Jedenfalls, die Suche nach einem bequemen Sessel beginnt. An einer Waldweggabelung entdecke ich eine Art Moosminiebene, befriedigend pobackenkompatibel. Das erfordert einige Meter hochzukraxeln. Zapfen aufräumen, störrige Äste abknaxen, Abstellplatz für Trinkbecher suchen, umsturzsicher. Noch die Sitzunterlage und Platz nehmen! Ok, es ist bequem! Hier erst bin ich so richtig in Mutter Natur angekommen.

Der Waldhüter entdeckt mich beim Müsligenießen, stoppt seinen Jeep, wundert sich. Entdeckt das im Grünen unpassend leuchtende Blau meiner Stöcke. Ich wische mir die Kefirspuren von den Lippen und deute noch auf mein unauffällig schwarzes Ersatzteil. „Wo kommet Sie denn her – und wo wollet Sie denn damit noch hin? – Ich nehme Sie gern noch ein Stückle mit nuff!“ Halb verständnislos, viertels mitleidig, viertels zweifelnd, fährt er weiter, nachdem ich ihm erklärt habe, wieso und warum ich das schon selbst machen will. Und danke auch noch für die Wegtipps! Den hätt‘ ich obenrum nicht kennengelernt. Solche Begegnungen und Unterhaltungen sind doch was Wichtiges. Ob im tiefen Wald oder bei der erforderlichen Bahnfahrt.

Oben angekommen kippt mein geplanter Weg bereits wieder über die andere Straßenkante hinab in die nächste Schlucht! Neiiiiin! Nicht nochmal heute, ich kenne das doch jetzt! Und mein Bus um Achzehnuhrsieben? Ich nehme auch deshalb den erst vorhin empfohlenen weiteren Umweg, der diese Senke samt Zuflüsschen umgeht. Auch dieser Weg verzichtet auf horizontale Stellen. Auf und Ab, Hin und Her windet er sich am Hang entlang. Ich nähere mich, kurz vor Althütte, wieder dem steilen Anstieg, den ich ansonsten benutzt hätte.

Ein ungewöhnlicher Tag mit Zick und Zack in Höhe und Breite, und eine Zusatz-Menge Muskelarbeit. Immerhin waren es heute die meisten Höhenmeter der bisherigen Wanderspirale: 496. Ach ja, und die ersten frischen Falläpfel im Rucksack!

Km heute: 12,4
Km Spirale 2015 bisher: 127,5

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2 Antworten zu “Spiralzacken

  1. Gezackte Spirale, ein schönes Bild von deinem Weg hast du mit Mapout aufgezeichnet. Der lilafarbende Weg wäre übrigens ein geführter Wanderweg gewesen. Den hast du nur haarscharf verpasst. Aber immerhin, das ist eine tolle Leistung, mehr als 12 km und knapp 500 Höhenmeter. Darauf kannst du stolz sein. Liebe Grüße Alfons
    Vergiss nicht auf Twitter zu drücken.

  2. Ok, danke für die Anregung. Du weißt doch, dass mir die vorgegebenen Wege wurscht sind, besonders auf der Spirale. Aber auch wegen des angeschrägten Geländes habe ich es spontan etwas anders gemacht. Auf dem Kartenbild sieht man es gut, 2x habe ich tiefe Senken wenigstens teilweise umgangen. Sonst wären wohl nochmal über 100 Höhenmeter mehr zu steigen gewesen. Nicht so erbaulich, wenn der Schaft wegen der Schweißbildung nicht dauernd gut sitzen kann. – Liebe Grüße zurück, Roland

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