Monatsarchiv: Oktober 2015

Regen an der Regnitz

Highlight H9
Bamberg

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Nebel und Dunst bereits auf der Bahnfahrt. Innerhalb Bambergs ist es klarer. Der rechte Regnitzarm aufwärts ist ein ruhiger Radweg, an der Regnitz, dem linken „Arm“, will ich dann zurück, 01-P1100202eine Runde durch die Altstadt, vielleicht ein Café aufsuchen, das ist mein Plan. Um bis etwa 19 Uhr im Hotel zu sein.

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Morgen dann soll ich mit meinem neuen Bein beim FOT-Kongress präsent sein. „Wie läuft’s denn so mit der neuen Prothese?“ Bereits bei meiner 1000-Kilometer-Prothesenwanderung 2011 gehörte Bamberg zu meinen nahezu 80 Quartierorten. Deshalb startete ich rechtzeitig, um dieses Städte-Highlight für einen genüsslichen Trainingsmarsch zu nutzen.

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Mit einem Schirm wollte ich mich nicht belasten. Neben dem Münchner Ring wechsle ich die Arme des Flusses; schön dass es trocken bleibt. Drüben muss ich kurz steil hinauf, bevor ich den bewaldeten Uferweg erreichen kann. Oben konnte die vorher nasse unbekannt7Bank gut abtrocknen, weil sie schräg steht. Meine Kopfkappe darf Unterlage spielen. Zeit für ein paar Bissen.

Die regennassen gelben Blätter liegen so dicht auf dem Waldweg, dass dieser völlig verdeckt ist. Dämmrig führt mich jetzt der Weg zwischen Waldhang undimg 0045 Fluss zur Stadt zurück.

 

Noch früher hätte ich starten sollen! Hier gibt’s so viel zu entdecken! Zudem wird’s immer dämmriger. Auf den rundkopfigen Pflastersteinen erscheinen kleine dunklere Punkte. Da entdecke ich das erhoffte Café. Während ich mir zwei Kuchenstücke einverleibe,img 0048 verschafft sich der Himmel mit einem heftigen Regenschauer Erleichterung. Gerade richtig, denn mit zuerst wenigen Tropfen geht’s dann weiter.

Die  Tröpfle werden beständiger. Mir ist es gleichgültig. Diese Stimmung mag ich. Auch unbekannt1die Dämmerung beginnt. Dazu noch dieser einmalige Ort, „Klein-Venedig“. Um dieses Motiv im Bild festzuhalten reicht noch das Licht. Hundehalter wissen, wie schön und unschädlich ein leichter Abendregen sein kann. Ich behaupte, das liegt nicht nur am Hundchen! Am Hotel laufe ich gezielt und mutwillig vorbei, wende nochmal an der Spinnerei und gehe zur anderen Seite. Die Tropfen zaubern viele Ringe auf das Wasser.  Jetzt füllen sich die Pfützen.

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Km heute: 12,3
Km Highlights gesamt: 281,8

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Quer durch den Farbkasten

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Wanderspirale S12
Von Eselshalden bis Plüderhausen

Meine Finger werden klamm. Die Luft weht wie im November. In der ersten Stunde ist meine Jacke zu dünn. Doch das vergeht alles. Die Depotstraße und der Eibenhofweg führen mich mit weiten Schlaufen hinunter ins enge Bärenbachtal.

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Zumeist kommt mir das Licht entgegen. Die herbstlichen Blätter strahlen wie Tausende kleiner Leuchtpunkte. An Farbe wird heute kaum gespart. Hunderte Farbtöne sind bereits zu entdecken.

 

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Der feuchte Weg ist mit kleinem Schotter frisch belegt. Er verhält sich wie Sand, oder besser, wie steiniger Schlamm; stets sinke ich beim Fersenauftritt etwas ein. Das kostet mir unnötig Zeit und Kraft.

 

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Die Bank steht fast im Schatten. Die Natur beginnt sie zu erobern. Daneben eine Quelle, die leise aus den Fugen grob gemauerter Steinbrocken rieselt. Schnell wird es mir kalt beim Sitzen und ich ziehe weiter.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin Tag ohne Abenteuer. Hat dieser Weg  immer nur Schotter zu bieten? Als ich die Furt erreiche, wird es besser. Nach der schmalen Brücke gelangen bei der Mittagsrast endlich warme Strahlen an meinen Rücken, der erst heute früh linksseitig eine neue Muskelzerrung eingesammelt hatte.

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Ein besonders wichtiger Punkt ist wohl die Bank mit dem allseits bekannten Thema, schön deutlich lesbar und bequem zum Anlehnen.

 

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Naja, und wenn ich außer der ruhigen Tallandschaft mit vielfältigen Farbtupfern kein Abenteuer erlebe, macht die Bahn mir eins zurecht. Ich gehe zuerst zu Gleis 1, da fährt mein Wackelzug aus Aalen auf Gleis 2 ein und mir davon.

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Die Farben meiner Fotos haben noch ein Abenteuer zu bestehen. Ich rätsle, wie sie sich auf der Speicherkarte und beim Kabeltransport ab Kamera zum PC zusammenquetschen müssen, ohne sich dabei zu vermischen, nicht so, wie z. B. im Aquarellkasten. Und nach der für sie sehr engen Röhre fidel und wie echt auf dieser Seite ihre prachtvolle Wirkung zurück erhalten. 

OLYMPUS DIGITAL CAMERAKm heute: 11,9
Km Wanderspirale 2015 gesamt: 153,4

Lauter tolle Angebote

Wanderspirale S11
Von Althütte bis Eselshalden

03-P1060817Der Pfad zum Bach zweigt nach links ab. Er windet sich den Steilhang hinunter, fast senkrecht, verwurzelt und feucht. Eine Rutschpartie will ich nicht. Ein ungeeignetes Angebot. Aber ich habe ja hier den breiten Igelsweg; ich komme schon noch ins Tal.

Leider bekam ich ein Problem an der Kamera. Um den Bericht trotzdem aufzulockern, bieten sich Motive der Jubiläums-Wanderung am 3. Oktober mit Gundula an. Bereits acht Jahre bin ich mit Prothesen unterwegs, gekräftigt durch ausdauerndes Schwingen der Beine, begeistert über die einmaligen und wunderbaren Erlebnisse. Mit den Bildern fasse ich heute also zwei Berichte zusammen.

Weiter vorne geht es spitz nach links unten zurück, einfacher als vermutet. Am Waldrand überblicke ich im Frühdunst das obere Wieslauftal und sehe Klaffenbach vor mir. Unten am Bach ein überdachter Steg. Auf der Sonnenseite verdunstet vom Moos der Dachziegel die Nachtfeuchtigkeit und weht als Nebel davon. In den Winkeln der dicken Balken schmücken große Spinnennetze den Ausgang. Gleich nebenan eine Furt. Ein großer Schritt genügt. Da wird mir auch schon am Hang einer sonnenbetupften Wiese ein 1A Rastplatz angeboten. Drei Steintische mit Kunststoffbänken; eine genügt mir.

Ursprünglich war die Wanderung ab Althütte bereits am Samstag geplant, mit Gundula. Wegen der Feiertags-Busverbindungen hinter Backnang war das nicht möglich. Statt dessen benutzten wir einfach die Stadtbahn und wanderten in den Stuttgarter Wäldern. „Vom Pfostenwäldle zum Schattengrund“. Das gemütlich ansteigende Lindenbachtal, zum Schloß Solitude mit der 600 Jahre alten Eberesche, zum Bärenschlössle. Dort an der Lokaltheke „stachen“ mir 04-P1060837leckerweiche Kuchenangebote ins Auge, mit einer unüberwindlichen und überzeugenden Ausstrahlung. Dann passierte mir also ein Apfelkuchen in Tortenformat. Wenn ich wieder hier bin, gehe ich wohl nicht ohne Rundum-Kuchentest wieder weiter.

Herbstliche Angebote können auch sehr unvermutet sein. Wieso wirft man hier nach mir? Der Klang dieses Geschosses auf der Straße ist hölzern-hohl. Walnüsse 06-P1060889lösen sich heute freiwillig aus ihrer Hülle in Richtung Erdmittelpunkt, griffbereit zu Füßen abgebremst! Schnell sind zwei Hosentaschen gefüllt. Und als der Wiesenweg zum Waldrand ansteigt, leuchten mir knallrote Äpfel vom Weg und aus dem Gras herauf. Zum Anbeißen lecker! Gesagt – gebissen!

Einfach grade rauf den Steilhang! Serpentinen sind eingespart. Das ist mein Weg, einer von der
schlimm-schönsten Sorte! In der 
Mitte glatt geschliffene, festgestampfte Erde. Seitlich davon haften noch braune Nadeln, Stöckchen aller Größen, Baumsamen, Kleinstkrümel. Gelegentlich schaut der runde Kopf eines Steines heraus und bietet sich als willkommener Halt; einige Grashalme sind noch ungeknickt. Die Hauptaufgabe eines Steilhanges ist ja, dass er möglichst steil herunterhängt. Paarmal denke ich, geht das hier überhaupt weiter? Sollte ich die Kralltechnik anwenden, Hände voran?Wie weit würde ich rollen? Danach müsste man meinen Namen mit zwei „L“ schreiben! Schließlich rette ich mich seitlich auf das weiche Laub des Waldbodens. Aber es gibt bösartige Wurzeln, Ranken wie Drahtseile und krakelige Stöcke. Man versucht meine Füße im Geäst einzuklemmen. Liegendes Altholz, wirr durcheinander, drängt mich zurück zum Pfad.

Ab hier ist jetzt die Steilheit geringer, nur noch fast zu steil. Vor der erhofften Waldstraße steigt eine künstlich befestigte Böschung wie eine Mauer hinauf. Doch ein Stapel alter Stämme ist bereits tief in den krümeligen Lößböden eingesunken. Was noch herausschaut kann man übersteigen oder als Stufe verwenden. Puh! Gemeines Bergtraining war das – aber schön! Später bietet mir der Wald, wohl zur Besänftigung, sauber geschälte Fichtenstämme zum Rasten an, in der Ideal-Pohöhe.

Eine Gabelung der Waldstraße. Links steigt es, Autoverkehr, zu kurz!
Rechts sinkt es. Dort gibt es schmalere feste Waldwege mit vielen Windungen, aber es ist weiter. Ich steige also in eine untere Etage, lege mich in die Kurven, sinke in ein weiteres Seitental, um danach wieder aufzusteigen. Ein schöner Weg, voller Ruhe, bis die Straße auf der Höhe erreicht ist.

Neben der Straße, am Waldrand, sehe ich im Schatten einer Jagdhütte eine schmale Bank. Doch die Rückfront bietet mir mehr! Aussicht bis zur Alb mit der prägnanten Silhouette der Teck und einen Tisch mit Bänken. Wie gemütlich! Sofort drängt sich mir das Bild eines vollgepackten Kuchentellers auf. Dabei entdeckt mich der Jäger. „Was haben Sie denn da gemacht“, mit Blick zur Prothese. Kurzer Plausch. Erklärte mir seine humane Rehkillmethode. He, es ist ja erst kurz nach Vier! Da könnte ich doch…!

Schwupps, packe ich alles zusammen. Nur bitte noch’n Bissen und ’nen Schluck! Flott läuft sich’s weiter. Gar nicht weit. Die paar Häuser hier in Eselshalden. Nirgends Esel!

Trotz allem Gekurve bekomme ich nun sogar ganz easy den ersten der angebotenen Busse nach Schorndorf. Und zu Hause mache ich noch schnell, also authentisch, das Früchtebild, das mitgebrachte Angebot von Klaffenbach.

1-P1080122Km heute: 14,0
Km Wanderspirale 2015 bisher: 141,5
Höhenmeter Anstieg: 390
Höhenmeter Abstieg: 412