Lauter tolle Angebote

Wanderspirale S11
Von Althütte bis Eselshalden

03-P1060817Der Pfad zum Bach zweigt nach links ab. Er windet sich den Steilhang hinunter, fast senkrecht, verwurzelt und feucht. Eine Rutschpartie will ich nicht. Ein ungeeignetes Angebot. Aber ich habe ja hier den breiten Igelsweg; ich komme schon noch ins Tal.

Leider bekam ich ein Problem an der Kamera. Um den Bericht trotzdem aufzulockern, bieten sich Motive der Jubiläums-Wanderung am 3. Oktober mit Gundula an. Bereits acht Jahre bin ich mit Prothesen unterwegs, gekräftigt durch ausdauerndes Schwingen der Beine, begeistert über die einmaligen und wunderbaren Erlebnisse. Mit den Bildern fasse ich heute also zwei Berichte zusammen.

Weiter vorne geht es spitz nach links unten zurück, einfacher als vermutet. Am Waldrand überblicke ich im Frühdunst das obere Wieslauftal und sehe Klaffenbach vor mir. Unten am Bach ein überdachter Steg. Auf der Sonnenseite verdunstet vom Moos der Dachziegel die Nachtfeuchtigkeit und weht als Nebel davon. In den Winkeln der dicken Balken schmücken große Spinnennetze den Ausgang. Gleich nebenan eine Furt. Ein großer Schritt genügt. Da wird mir auch schon am Hang einer sonnenbetupften Wiese ein 1A Rastplatz angeboten. Drei Steintische mit Kunststoffbänken; eine genügt mir.

Ursprünglich war die Wanderung ab Althütte bereits am Samstag geplant, mit Gundula. Wegen der Feiertags-Busverbindungen hinter Backnang war das nicht möglich. Statt dessen benutzten wir einfach die Stadtbahn und wanderten in den Stuttgarter Wäldern. „Vom Pfostenwäldle zum Schattengrund“. Das gemütlich ansteigende Lindenbachtal, zum Schloß Solitude mit der 600 Jahre alten Eberesche, zum Bärenschlössle. Dort an der Lokaltheke „stachen“ mir 04-P1060837leckerweiche Kuchenangebote ins Auge, mit einer unüberwindlichen und überzeugenden Ausstrahlung. Dann passierte mir also ein Apfelkuchen in Tortenformat. Wenn ich wieder hier bin, gehe ich wohl nicht ohne Rundum-Kuchentest wieder weiter.

Herbstliche Angebote können auch sehr unvermutet sein. Wieso wirft man hier nach mir? Der Klang dieses Geschosses auf der Straße ist hölzern-hohl. Walnüsse 06-P1060889lösen sich heute freiwillig aus ihrer Hülle in Richtung Erdmittelpunkt, griffbereit zu Füßen abgebremst! Schnell sind zwei Hosentaschen gefüllt. Und als der Wiesenweg zum Waldrand ansteigt, leuchten mir knallrote Äpfel vom Weg und aus dem Gras herauf. Zum Anbeißen lecker! Gesagt – gebissen!

Einfach grade rauf den Steilhang! Serpentinen sind eingespart. Das ist mein Weg, einer von der
schlimm-schönsten Sorte! In der 
Mitte glatt geschliffene, festgestampfte Erde. Seitlich davon haften noch braune Nadeln, Stöckchen aller Größen, Baumsamen, Kleinstkrümel. Gelegentlich schaut der runde Kopf eines Steines heraus und bietet sich als willkommener Halt; einige Grashalme sind noch ungeknickt. Die Hauptaufgabe eines Steilhanges ist ja, dass er möglichst steil herunterhängt. Paarmal denke ich, geht das hier überhaupt weiter? Sollte ich die Kralltechnik anwenden, Hände voran?Wie weit würde ich rollen? Danach müsste man meinen Namen mit zwei „L“ schreiben! Schließlich rette ich mich seitlich auf das weiche Laub des Waldbodens. Aber es gibt bösartige Wurzeln, Ranken wie Drahtseile und krakelige Stöcke. Man versucht meine Füße im Geäst einzuklemmen. Liegendes Altholz, wirr durcheinander, drängt mich zurück zum Pfad.

Ab hier ist jetzt die Steilheit geringer, nur noch fast zu steil. Vor der erhofften Waldstraße steigt eine künstlich befestigte Böschung wie eine Mauer hinauf. Doch ein Stapel alter Stämme ist bereits tief in den krümeligen Lößböden eingesunken. Was noch herausschaut kann man übersteigen oder als Stufe verwenden. Puh! Gemeines Bergtraining war das – aber schön! Später bietet mir der Wald, wohl zur Besänftigung, sauber geschälte Fichtenstämme zum Rasten an, in der Ideal-Pohöhe.

Eine Gabelung der Waldstraße. Links steigt es, Autoverkehr, zu kurz!
Rechts sinkt es. Dort gibt es schmalere feste Waldwege mit vielen Windungen, aber es ist weiter. Ich steige also in eine untere Etage, lege mich in die Kurven, sinke in ein weiteres Seitental, um danach wieder aufzusteigen. Ein schöner Weg, voller Ruhe, bis die Straße auf der Höhe erreicht ist.

Neben der Straße, am Waldrand, sehe ich im Schatten einer Jagdhütte eine schmale Bank. Doch die Rückfront bietet mir mehr! Aussicht bis zur Alb mit der prägnanten Silhouette der Teck und einen Tisch mit Bänken. Wie gemütlich! Sofort drängt sich mir das Bild eines vollgepackten Kuchentellers auf. Dabei entdeckt mich der Jäger. „Was haben Sie denn da gemacht“, mit Blick zur Prothese. Kurzer Plausch. Erklärte mir seine humane Rehkillmethode. He, es ist ja erst kurz nach Vier! Da könnte ich doch…!

Schwupps, packe ich alles zusammen. Nur bitte noch’n Bissen und ’nen Schluck! Flott läuft sich’s weiter. Gar nicht weit. Die paar Häuser hier in Eselshalden. Nirgends Esel!

Trotz allem Gekurve bekomme ich nun sogar ganz easy den ersten der angebotenen Busse nach Schorndorf. Und zu Hause mache ich noch schnell, also authentisch, das Früchtebild, das mitgebrachte Angebot von Klaffenbach.

1-P1080122Km heute: 14,0
Km Wanderspirale 2015 bisher: 141,5
Höhenmeter Anstieg: 390
Höhenmeter Abstieg: 412

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