Monatsarchiv: Januar 2016

Flockenparade

Taltraining 15. Januar 2016
Von Dettenhausen bis Neuenhaus

Der erste Schnee des Winters. Angenehme 1-2 Grad Januarwärme! Dichtes Schneetreiben, morgens in Stuttgart. Aber beim Losmarschieren, hinein ins Schaichtal, tanzen sitzplatzsuchend nur noch wenige und kleine Flocken um mich herum.

Richtig hell wird es nicht, dämmrig und diesig bleibt es. Das Waldtal verläuft über zehn Kilometer bis zur Aich, nicht sehr breit. Immer wieder gibt es Wiesenflächen. Die dunklen bewaldeten Hänge ziehen sich etwa hundert Meter hinauf. Keine Straße stört. Nur einige Forstwege queren kurvig den Bach. Ein Gebiet voller kühler Ruhe! Bis auf mein Knirschen im Schnee und dreimal die Schritte anderer Winterwetterfans.

Und dann auch die Froschteiche. Derzeit quakt hier nichts. Nur zu Knurren beginnt es einiges unterhalb meiner Ohren. Aber die Konzerte Hunderter Breitmaul-Solisten im Sommer sind hörenswert! Und kostenlos! Jetzt schwimmen weiße Inseln auf der gefrierenden Fläche. Ein Graureiher überschwebt in Wipfelhöhe den See unhörbar mit Inspektionsrunden. Für ihn gibt es nur noch wenige Quadratmeter freien Wassers.

Den Sinn des Knurrens habe ich schnell begriffen. Wo ist die angepeilte Bank verblieben? Ein vereinzelter Baumstamm bietet sich an. Schneebedeckt. Jeder Untergrund ist mir recht. Da sind auch schon meine eng aufrollbare Isomatte als Nässeschutz und für den Sitzkomfort ein folienumspanntes Schaumstoffteil bereitgelegt.

Spiralnudeln, gelbe Erbsen, braune Kichererbsen, indisch gewürzt, den zweiten Teil meines Morgenkraftfutters habe ich mir in einem Marmeladeglas mitgebracht. Löffel diesmal nicht vergessen. Eine Mandarine zum Nachtisch. Ein Frischluftgenuss, der die Stimmung weiter anhebt. Und währenddessen beginnen die Flocken wieder dichter herabzuschweben. Mal von links, mal von recht, dann gibt es Wirbel, und es scheint, als strebten sie gezielt die Rucksacköffnung an. Dieses Treiben beende ich. Das Tauwetter im Rucksack unterbinde ich und ziehe diesem schnell „den Hals zu“.

Die Westseiten der Stämme sind weiß. Schwarze Rillen ziehen sich holzschnittartig durch den Belag. Nur in der Nähe werden wenige Farbtöne deutlicher erkennbar. Einige Efeuranken, ebenfalls weiß bestreut, bringen kleine dunkle Grüns in diese Schwarz-Weiß-Welt. Manchmal als Wegmarkierung ein verwaschener Gelbtupfer, rote Punkte auf den Sägeflächen der Holzstapel. Die schwebenden Flocken hüllen fast alles ein, verdichten sich in der Tiefe des Waldes zu grauen, wehenden Schleiern.

Von rechts krümmt sich der Weg von Häslach den Hang herab. Mit ihm meine „Spiralrunde“; das war Anfang Juni 2014. Hier stehen Bänke, eine Feuerstelle, ein Tisch, heute wieder dankend angenommen. Blütenweiße Tischdecke, zwei Zentimeter dick. Damals blühte es bunt, als ich das Tal weiter hinauf ging.

Die Schaich windet sich, wie es sich gehört für einen Bachlauf. Oft in engen Krümmungen zwischen dichten Bäumen. Manche überbrücken sie, Wurzelarme ragen in die Höhe. Einmal arbeitet sie an einem neuen Durchbruch. Das Wasser
dreht sich wegen des Widerstandes zurück. Irgendwann entsteht hier eine Abkürzung und ein weiterer Stamm macht sich’s bequem.

Wege abkürzen kann niemand in diesem Tal. Das letzte Drittel steigt die Route rechtsseitig etwas über der Talsohle an. Dann die Wiesen vor dem Ort. Das Licht wird bläulich, es ist schon nach 16 Uhr.

Gleich neben der spitzturmigen Kirche erscheint nach wenigen Minuten mein Bus nach Bernhausen. Flocken taumeln an den Fenstern vorbei.

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Auszeit

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11-P1210896Wanderspirale S13
von Plüderhausen bis Wangen


Endlich weht mir wieder die frische Luft um die Ohren! 11. Dezember, die Finger werden langsam klamm. Die Handschuhe wärmen sich zu Hause aneinander. Sie verhielten sich vorhin recht still, als ich 2-IMG_0186noch überlegte, was ich nicht vergessen sollte. Die Wiesen des Remstales liegen noch im Schatten der Hänge. Sie erinnern mich an die Oberfläche – einer Dresdner Christstolle! 

Ich selbst hatte mich etwa drei Wochen lang  zu Hause „liegen gelassen“. Genauer gesagt, mir Hausarrest verordnet. Seit der Wanderung in Bamberg war am Beinstumpf eine hochempfindliche Entzündung entstanden, die auch nicht mit Gutzureden und gewieften Versprechungen auf die sonst erfolgreiche Behandlung reagieren wollte. Also wurde auch ich konsequent stur. Und ignorierte volle 20 Tage meine 56 Stufen, vom DG hinunter in die Welt der Erlebnisse.

Vorsichtshalber brachte mir mein Orthopädietechniker nochmal den alten Schaft. Damit überstand ich dann am 18. Tag 15 Minuten Hoffnungstraining in der Wohnung. Danach die doppelte Zeit. Kurze Einkaufstour, Schloßgartenparcours, kleine Wanderungen in der Nähe. Sehr systematisch, wegen der Anpassung. Meine Auszeit hatte zwei Aufgaben: Die Entzündung muss weg und danach muss mit kürzeren Touren die Kondition zurück kommen. Alles ging gut, meine Stimmung stieg. Ein paar bildliche Eindrücke davon zeige ich hier. Auch dabei gab es eine Menge zu entdecken.

3-IMG_7607Schlossgarten:
Neben dem Hauptbahnhof wird die Brücke zur Cannstatter Straße abgerissen, etwas später dann endlich Ruhe zwischen den Platanen – 4-IMG_7457Romantik verschiedener Art

 

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Ludwigsburg bis Marbach:
Auf die Hunde gekommen, aber keiner will mit mir

 

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Körschtal bei Plieningen:
Die unbeflockte Pracht der Bäume im Winter 2015/16. Eindrücke wie im Vorfrühling!

 

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Die Prothesentour 500:
Kunst, Architektur und Fauna in Stuttgart Nord:

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Rosensteinpark:
Begegnung mit der Vergangenheit; kein geeigneter Wanderfreund!

 

 

Nur die beiden ersten und das letzte Bild dieses Kombi-Berichtes stammen von der heutigen Tour.

Es ist gut, wenn der Anstieg gleich morgens bevorsteht. Auf den Schurwald hinauf, schon der siebente Anstieg innerhald meiner Spiralrunden. Lange, schattig, sehr steil manchmal. Oben am Waldrand bemerke ich das gute Wetter bewusster als im Wald. Bei Breech sehe ich links den Hohenstaufen, diesen gleichmäßigen Muschelkalkkegel. Da bin ich bereits im zweiten Teil meiner Tour. Zur Fils hin senkt sich das Gelände leicht. Hier oben ist nicht viel Platz für Ebenen.

Bereits beim nächsten Hof gelange ich wieder in ein schmales Tal, das ich schon bald wieder in Richtung Wangen verlassen muss. Ein weich bemooster Baumstamm ist die Gelegenheit neue Energieportionen zu sammeln. Da geht’s schon wieder kräftig hoch. Feucht-glitschige Wiesenwege, frische Höhenlüftchen, Anspannung meiner Flachlandmuskulatur. Noch vor den 9-IMG_7637ersten Häusern von Oberwälden bekomme ich endlich einen besseren Blick zum Kaiserberg. Auf den schon seit anno Dazumal eine klitzekleine Spirale hinauf klettert. Doch was heute viel wichtiger ist: Meine große windet sich wieder, den Albhängen entgegen und auf Tübingen zu!

In Wangen freut es mich, dass diese charaktervolle Katze mit mir gemeinsam auf den Bus nach Göppingen wartet. Doch rechtzeitig verschwindet sie auf weichen Tatzen zu anderen Zielen.

Km heute: 13,1
Spiralkilometer 2015 gesamt: 181,0