Um-, Quer- und Hohlwege

 

Wanderspirale 94 – 26.3.16
Bissingen an der Teck bis Erkenbrechtsweiler

 

 

 

 

            Kleine Wellen hat der Bissinger See und noch genügend Platz zum Spiegeln der umstehenden Häuser samt der Burg Teck. Heute werden hier Krebse herausgeholt, vier rostrote Prachtexemplare krabbeln schon in einer schwarzen Wanne.

Vor mir die Lücke des Sattelbogens, der Durchgang zum Lenninger Tal. Also, gleich mal mächtig steigen, zur Gewöhnung an den späteren vollständigen Anstieg. Am Weg sind einige rotbraune Objekte installiert. Kunst aus Rost, aus alten landwirtschaftlichen Werkzeugen. Mit Humor und Bezug zur Landschaft.

Bei der Großen Scheune besetze ich einen weich bemoosten Holzstumpf, ein baumamputierter Bestandteil dieser alten Allee, deren Zweck ich bisher nicht erfahren konnte. Aber die kühl überlaufende Badewanne, nebenbei im Bachbett, nutze ich heute nicht. Bereits 2011 wanderte ich diesen Weg in Richtung Tübingen und fühle mich beim Abstieg nach dem Sattel zurückversetzt in damalige Erlebnisse.

Durch Unterlenningen, vorbei am Sulzburghof, hinauf in den Wald und zu einem Querweg. Ab dort gäbe es auch einen kurzen direkten Weg, vielleicht nur einen Kilometer lang, um die Hochfläche zu erreichen. Doch vom gestrigen Regen ist der Steilhang nicht zu begehen. Als Ersatz gibt es den Eichenbergweg, in halber Höhe nördlich und westlich herum um den Brucker Fels.

Die Sonne im Rücken beginne ich. Es geht sehr flott im Vergleich zur ersten Steigung vorhin. Der Weg krümmt sich langsam in den Schatten. Hoch steht links der dicke Berg über mir. Rechter Hand liegt Brucken im Tal, weiter vorn Owen, in der Ferne Kirchheim.

Ein geeigneter Rastplatz, zwei Bänke. Kurz was knabbern; immer rechtzeitig will ich das entsprechende Getränk nehmen. Unter mir liegen der Spitzberg und der Engelberg – und bereits Beuren, so nah, dass ich sagen könnte, mir reicht’s jetzt! Tatsächlich ist sogar noch näher eine Bushaltestelle erreichbar. Doch als ich vorhin den Wald verließ und sah, wie hoch noch die Sonne steht, spürte, wie warm hier die Luft weht, überfiel mich spontan der Entschluss, das machst du fertig und genießt diesen lang ersehnten schönen Tag! Basta, keine Widerrede, ich will da hoch!

Die große Runde meines Umweges endet auf dem Rasen eines Sportplatzes. Daneben die Straße. Dahinter unterhalb ein risikoreicher Pfad. Immer noch besser als das Risiko zwischen Motorradrasern auf zu schmaler Fahrbahn. Danach erst muss ich noch weiter hinunter ins Tobelbachtal, nun wieder südwestlich.

Erst 17:06 Uhr beginnt mein Hauptanstieg auf dem Blauer-Rank-Weg. Dieser Talweg steigt und steigt, steinig und immer steiler. Die trockenen Buchenblätter und die weißen Kalksteine des Weges machen gleichmäßige Raschel-Knirsch-Musik, während ich versuche die Kraft einzuteilen. Der Talstich wird immer dunkler und enger, der Weg windet sich, mein sich verengender Horizont nähert sich mir ringsum auf nur etwa 100 Meter, sodass mir die Sonne gleich mehrmals untergeht, obwohl es noch zu früh dafür ist.

Mein Anstieg braucht 40 Minuten bis zum ebenen Querweg. Dort stoppe ich für eine Trinkpause im Stehen. Ich nehme vorsorglich meinen „Anti-Krampf-Drink“ (weil ich seit Herbst 2014 nach langen Touren einen „Wadenkrampf im linken Oberschenkel“ eingefangen habe, nach einigen Versuchen mit der Dosierung aber die Methode der Verhinderung raushatte).

Bin heute wieder sehr zufrieden mit der Möglichkeit, den Auswirkungen langer Herausforderungen etwas entgegen setzen zu können. Es gibt also auch heute wieder kein Energie-Problem über die gesamte Distanz in neun Stunden Wanderzeit und keinerlei Müdigkeit. Obwohl ich mich jetzt so gegen 18 Uhr eigentlich schon zu Hause entstiefle.

Der Restanstieg entspricht zuletzt wieder dem vorherigen Teil. Jetzt tritt auch schnell die Abenddämmerung ein; geheimnisvoll erscheinen die dunklen Bäume des Steilhanges, die auf einmal zu bizarren und schemenhaft harrenden und kriechenden Wesen einer Märchenwelt verwandelt erscheinen. Aber mit dem ersten Zentimeter des ebenen Asphalts im Ort endet der Hohlweg und diese Phantasie wie abgeschnitten.

Ich kann sagen, bis zuletzt machte das alles heute wieder einen Riesenspass – unabhängig von allen Umständen.

Manchmal fragt mich einer, gehst du immer alleine? Meine Antwort, klar macht das Spaß, aber auch zu zweit. Also, komm mal mit!

Km heute: 15,3
Höhenmeter heute: 692
Start bis Ziel: 10:42

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