Reizklima

Wanderspirale 95 – 2. April 2016
Erkenbrechtsweiler bis Gsaidt

Bevor ich nach Hülben gelange, müsste ich durch das Tor der Römischen Befestigungsanlage. Doch eine Weile schon gibt es diese nicht mehr; stattdessen erinnert eine Bildtafel an vergangene Zeiten. Bis hierher bin ich schon einige Zeit gewandert und bin froh, dass wenigstens ein Hauch von Wärme zu ahnen ist.

Sofort nach dem Start merkte ich, dass meine Kleidung den 8 Wärmegraden nicht angepasst ist. Mein „Dickes Fell“ wärmt mich auch nicht! Trotzdem sagte ich mir: Bewegung der Beine hilft besser als Warten auf mehr Frieren. Und zwischen 10 und 11 soll ja die Sonne ihren Durchbruch bekommen.

Zudem kam der Wind kalt und zugig. Beim Steinbruch drüben steht Wald; er könnte vorübergehend Schutz bieten. Und der Anstieg dorthin feuerte den inneren Ofen an. Den Steinbruch umging ich. Der buschbestandene Damm schützte etwas vor den Ostwinden. Als ich zurück zur Straße gelangte, zeigten sich helle Flecken und Scheinversuche in der Wolkendecke.

Eine Menge Zwei- mit Vierbeinern sowie einige hundlose Morgenspaziergänger waren auch schon unterwegs und es gab nette Unterhaltungen. Ein älterer Mann bereitet für die Naturfreunde eine Runde zum Hohenneuffen vor. Ganz ähnlich ein Wandersmann, der danach zum Auto zurück will. Eine freundliche Frau meinte mich schon mal getroffen zu haben. Spontan schlug ich vor, sie könne ja mal mitgehen.

Jetzt, 12Uhr30, setze ich mich zur Rast am Ortsrand Hülbens; der Riegel kurz nach dem Start hat sein Versprechen, eine Mahlzeit ersetzen zu können, gehalten.  Immer noch reizt die Luft mit kühler Temperatur, denn die Wolken reagieren noch wenig auf Bestrahlung. Mit gegenüber scheint es, als schlürfe der Talgraben die Hänge der Albhochfläche in sich hinein, ein steiler bewaldeter Stich, in dem mein Weg eintaucht.

Sofort merke ich, für diese Steilheit ist die Prothese nicht ideal angezogen. Es gibt hier nirgends einen Halt, um das ändern zu können. Lieber gehe ich erstmal seitwärts, im Laub und aufgeworfenem Erdbrei einer Reifenspur; das kostet Zeit.

An Felsen vorbei komme ich in die Region der treibenden Kräuter und Waldblumen. Auf einem Baumstamm unterbreche ich diesen unbequemen Abstieg, Mahlzeit (schon wieder!) und Wald genießend. Noch sieht man tief hinein zwischen den Stämmen; bald grünt das Unterholz und verschließt die Sicht. Der Bärlauch beherrscht den Walsboden. Unten, am Waldrand, drückt mir unvermutet Wärme entgegen.

Inzwischen ist klar, dass sich ein weiterer Anstieg heute nicht mehr machen lässt. An der Bahnstation Gsaidt ist der Zug schon durch. Gegenüber, über dem nächsten Berg und den Höllenlöchern, scheint die Sonne noch recht fad durch die widerspenstigen Hochnebel.

Km heute: 11,2
Wanderspirale gesamt: 1225,5

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s