Monatsarchiv: Mai 2016

Testtage

Testtage mit Ausdauerschaft 4
Tag 1 in Gschwend
Runde Gschwend – Hagkling – Oppenland

Der neue Prothesenschaft muss getestet werden. Wird er mir passen, eine gesamte Tageslänge ohne Ärgernisse durchhalten können? Das Dumme daran ist nur, mein Orthopädietechniker kann mir das nicht abnehmen.

 

 

 

 

Nein! Das Dumme daran ist das Gute daran! Das Vergnügen liegt bei mir! Also bin ich heute halt selbst wieder am Wandern. Konrad, der alte Freund aus der Albvereinsjugendgruppe von 1957 macht mit bei dem ersten Wanderversuch mit dem neuen Schaft. Ab seinem Haus in Gschwend marschieren wir los. Der Schwäbische Wald war schon letztes Jahr von uns heimgesucht worden. Wichtig sind unsere Erlebnisse. Wir entdecken ein Hundertwasser-Haus, beobachten Falken in einer Falknerei, entdecken ein Insektenhotel, rasten neben einer Waldwiese beim Ferienhaus Oppenland und freuen uns an der beschwingten Landschaft. Die erste Herausforderung ist besonders interessant, die Überquerung eines Baches. Das Rüberkommen geht ja noch, aber die restliche Höhe muss ich auf den Knien hochkraxeln. „Können wir Ihnen helfen“, tönt es vom Waldrand; drei Mädchen vom Ferienhaus.

Nun geht es darum, die heutigen Schafterkenntnisse aus 3 Stunden Beinbewegung auf unterschiedlichen Gründen festzuhalten. Kommen morgen die gleichen oder wird alles anders? – 4,8 km.

Tag 2 in Gschwend
Runde ab Wildgarten zum Bergsee

Spät aufgestanden, ums so besser gefrühstückt. Mittagessen wird verschoben, Wandern geht nun mal vor.

Dieser schmale Bach hat es in sich. Er frisst den Hang an, er spült ganze Wagenladungen des steilen Berghanges ab. Das schmale Tal ist noch kühl, aber wärmere Luft strömt uns entgegen. Junge Wedel des Schachtelhalms haben sich erhoben, alte Baumbruch-Knorzel stehen wie Mahnmale im Gegenlicht.

Später, nach steilem Anstieg, Baumstapelrast und Bergpfad-abstieg erreichen wir den Bergsee. Er glitzert vor sich hin, ist weitgehend belagert von alten Blättern. Auch andere Leute sind spaziergängernd zu ihm auf dem Weg, als wir zum Auto hinauf steigen.

Der Schaft? Keine schlechten Nachrichten! Heute keine verdrehte Stimmung bei ihm. Aha, das liegt also am Anziehen! Nur eine Entzündung, durch irgendeinen permanenten Druck beim Auftreten. – 5,8 km.

Tag 3 in Gschwend
Konrads Lieblingstal

Es regnet zwar, doch wozu haben wir Jacken, die auch mal trocknen können? Beim Mühläckerle bleibt das Auto stehen. Hier, etwas mehr rechts, hatte ich 2008 eine Tusche/Kreidezeichnung für Müllers gemalt.

Im Wald spazieren wir durch den Märchengarten, am Steinkreuz vorbei in ein ebenso schmales Tal wie gestern. Selbst die Schirme sind ganz gespannt, wie sich der Regen so entwickelt. Doch er lässt langsam nach, wie manchmal die Anspannung meines Regenschirms. Die triefende Nässe lässt die vielen frischen Grüntöne kräftig leuchten. Dem Feuersalamander ist das Wetter gerade recht. Pünktlich kehren wir zum Küchentermin um.

Konrad klettert über den Graben zu einem Hochstand und nimmt Platz. „Extra niedrig für dich!“ Also ein Tiefst-stand! Doch mir fehlt die Lust dazu, denn ich möchte eine leichte Entzündung versorgen. Heute 4,6 km.


Tag 4 in Gschwend

Runde ab Wildgarten über Rauhenzainbach und Neumühle

Feucht und kühl beginnt der Tag. Erst
kurz vor Zwei gehen wir los. Es ist immer wieder wunderbar, in welcher Fülle sich der Wald durch die Täler und Schluchten und über die steilen Hänge ausbreitet. Wald, den ganzen Tag, frisch und triefend und tausend Grüns und würzige Düfte, Bächemurmelei, Baumkulissen, eine nach der anderen.

Zuerst hinunter zum Rauhenzainbach, Nähe des gleichnamigen Ortes und dann denselben hinauf. Hunger bremst mich aus. Waldboden, leicht geneigt, Kissen und Jacke drauf, Platz nehmen! Brötle, Würschtle, Karöttle, Frischluftkost, Hmmm!

Als es weiter geht, läuft’s wie von alleine. Wie schön doch so ein Anstieg sein kann, denke ich. Vorne, an der Neumühle, begrüßt uns ein Mann. „Wollt ihr ’n Bier?“ Na klar, wieso nicht? So gibt’s mal wieder eine sehr nette Unterhaltung und gute Hinweise, hier mal wieder aufzutauchen.

Kurz vor dem Auto entdecken wir links im Wald Moos, eine große ununterbrochene Moosmatratze bis hinüber zum Niedrigwald. Kleinste Fichtenschößlinge schießen daraus hervor, moosüberzogene Stümpfe dazwischen warten auf Zerfall. Wir federn begeistert darüber, um dieses Gefühl auszukosten, das du woanders nicht bekommst. So muss es sich anfühlen über Wattebäuschchen zu hüpfen.

Der angesagte Regen ab 17 Uhr bleibt aus. Wir müssen das verkraften! Worauf kann man sich noch verlassen? Die Enttäuschung verschlucken wir mit der Planung eines Pfannenkuchenprojekts. Eins steht fest: Heute 7,4 km, keine Entzündung, keine Druckstellen, keine Beschwerdebriefe!

Tag 5 in Gschwend
Runde ab Steinhöfle

Auf Karten suchen wir das Osterbachtal. Es ist ebenso tief eingekerbt und versteckt in den nordöstlichen Wäldern, wie die anderen zuletzt kennengelernten Täler. Einen der Zuflüsse umgehen wir. Viele Wellingtonien wachsen hier. „Wie Brotrinde, die Baumrinden“, meint der Bäckermeister neben mir. Nur nicht so knusprig, denke ich. Steil geht jetzt der Weg runter und schneller als gefühlt sind wir bei den Talwiesen. Musikalisch begrüßt von einigen Schafen.

Der Wiesenhang als Rastplatz ist sehr angenehm. Dann beginnt der Rückweg sehr zeitkontrolliert, denn rechtzeitig sollten wir beim Essen sein. Ich nutze diesen Weg als erste Gelegenheit, mal den Aufwärtsschwung zu messen, den die neue Prothese samt neuem Schaft hinbekommt!

Bissle bin ich schon überrascht, denn bei über 3 km Anstieg war diese Zügigkeit noch nicht möglich. Es scheint sich da ein gutes Team gefunden zu haben. Zwei Drittel einer Tageswanderung auf Berghängen haben wir mit 8,5 km problemlos geschafft. 

Tag 6 in Gschwend
Minirunde südlich Gschwend

Heute 3,6 km. Nach sechs kleinen Touren mit dem neuen Schaft über knapp 35 km entstanden nur wenige Probleme. Diese können bald behoben sein. Es waren unterhaltsame und vergnügliche Test- und Fest-Tage, dank Konrads unermüdlichem Mitwanderns, Hannelores „Fünfsterne“-Kochkünsten und beider großer Gastfreundschaft!