Auf Sand gebaut

Highlight 10 – 9. Juni 2016
Runde bei St. Peter-Ording

Ein Kiefernwald zuerst, dann der Damm, um weiter nördlich den Strand zu erreichen. Absperrung! Freundlich wird uns die fällige Kurtaxe abgenommen. Nun besitzen wir das Recht, uns heute auf diesen Sandkörnern zu bewegen.

Bald ist die Dünenpassage hinter uns und wir überblicken die Lage und einen kleinen Teil des riesigen Strandfladens. Wer sind WIR? Berndt, mein Neffe, Helen, meine Enkelin und bereits Mitwanderin, und ich als Anstifter. Anstelle von Sylt, was ich vorher geplant hatte, ist die Fahrt hierher spürbar näher.

Weit vor uns bewegt sich etwas Weißliches wie Wellenschwappen. Hölzerne, hohe Stelzenungetüme tragen Häuschen, Treppen hinauf sind erkennbar. Fahnen straffen sich im Wind. Der erste lockere Sand umfließt sofort meine Schuhe. Die Schritte gleiten gleichzeitig mit den Gehversuchen rückwärts. Jaja, das erinnert mich doch gleich an meine erste Strandberührung bei Warnemünde!

Okay, wenn jemand mal ’ne Sitzung hat, wird’s ungemütlich, falls er bei Flut zu tief sitzt. Clever sind die Nordfriesen! Da lohnt sich das vorherige Treppensteigen; Fahrstühle würden hier nur sandig Knirschen.

 

Doch vor unserer Hoch-WC-Nutzung erklettern wir eine Holzrampe, gegen den ersten Hunger. Der Wind treibt sich ebenfalls auf dem Strand herum, weht den Sand in die Strandkörbe, modelliert die Schuh- und Zehenabdrücke der Kurtaxenkundschaft und pustet ihn mir auf den Gouda. Macht nichts, verkrümelt sich. Aber spürbar kühl ist’s wieder, wenn der Sonnenschein verloren geht.

Wir ziehen uns zurück, so wie die einsetzende Flut die angeketteten Bojen erreicht und das Wasser hinter die äußere Strandlinie drückt. Schon müssen wir durch seichte Priele treten, in denen bereits das Wasser steigt.

Kinder spielen begeistert im Wasser einer Sandsenke, unter den Stützbalken einer weiteren Brettervilla. Schnell hole ich mir noch dieses Motiv, bevor wir hier geflutet werden. Dann erreichen wir eine fast völlig ebene Strandfläche aus hartem Sand, wie festgeklopft. Keine Leute mehr um uns. Weit weg, in Ufernähe, bewegen sie sich; die Dünen erscheinen ebenfalls klein vor dem Ort. Nein, so einen breiten Strand kenne ich noch nicht.

Von hinten flattert etwas an uns vorbei. Das sind die Strandsegler, klärt mich Berndt auf. Also Segeln für Wasserscheue, schließe ich daraus. Eigentlich sind Wasserfreuden sehr beliebt. Doch auch drüben an der Wasserkante nutzt niemand diesen herrlich brandigen Badespaß! Ein Schild sagt uns, Strandsegler seien „gefährlich“, niemand solle diese ebene Fläche überqueren. Kann nicht auf uns zutreffen! Den Strand, den gesamten, haben wir für heute gekauft. Die Segler stellen sich auf zum Training, zum Treibenlassen.

 

Wieder ein Hochstelzenrestaurant, Arche Noah heißt es. „Helen, hier bekommst du nichts Veganes, bestimmt nicht!“ Wahrscheinlich nicht mal Strandhaferflocken! Tiere der Arche auf der Speisekarte, ja, vielleicht Giraffenhalssteak. Vorher Krokodilschwanzsuppe? Zum Dessert noch frischen Quallenpudding mit Seeanemonenblättern? So niedlich, wie die vorhin von der Flut gestrandeten? Denn von Obst, Gemüse und vegan war bei der Arche nicht die Rede.

Nachher holen wir uns aber ein Eis, denke ich mir. Ein neuer Rasthunger und ein kräftiger Rückenwind, treiben uns nun auf die Dünen zu. Wir lehnen uns in den hochgradig rieselfähigen Sand, sehr kontaktfreudig, beinahe so fein wie Puder und genießen das, was ohne Sandkörnchen zwischen die Zähne kommt. Bisher knirscht es nicht in der Prothese.

Der Strand an der Nordsee ist völlig auf Sand gebaut, aber vom Feinsten!

Nun Richtung Parkplatz. Entlang der Strandhaferflocken-plantage. Zur Seebrücke, eine kleine Stiege hilft uns hinauf, zu den Scharen der menschlichen Strandläufer, hinein nach St. Peter-Bad.

Die „Eiszeit“ verschieben wir noch bis Meldorf. Helen findet hier tatsächlich Eis aus deftig veganen Himbeeren, in vielleicht ebensolcher Waffeltüte. Wir zwei noch Unveganisierten vertiefen uns in anderen unterkühlten Genüssen. Straßencafé, windgeschützt, ohne Sand zwischen den Zähnen!

Highlight 10
Km heute: 10,1

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2 Antworten zu “Auf Sand gebaut

  1. Grenzgänger

    Habe gerade mit Genuss deinen Beitrag gelesen. Ein echtes Highlight hast du da erlebt und natürlich wieder wunderbare aufnahmen gemacht. Gruß Alfons

  2. Naja, du hast aber den Moselstrand! Und Moselwein gibst an der Nordsee auch nur mit Glück. Wieviele Flaschen hast du schon geleert? Schöne Tage weiterhin, Gruß Roland

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