Monatsarchiv: Februar 2017

10.000 Strapazenkilometer

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Highlights – Neckaraufwärts: 15. Februar 2017, Neckartenzlingen bis Oferdingen

Kürzlich erreichte ich den neuntausendsten Genusskilometer. Allesamt habe ich diese Entfernungen, selbst ziemlich wohlgemut, meinen drei Wanderprothesen zugemutet. Zwei überstanden es sehr gut; der dritten geht’s wie mir. Trotz vieler Einflüsse. Berge, Schlamm, Wetter, Schmarren, Empfindlichkeiten, Überalterung, „Strapazen“. Die nächsten img_1559spannenden Tausend liegen vor mir, ein Prozent davon auch heute.

Kopfmäßig bin ich wie darauf einjustiert. Und wenn was dazwischen kommt? Na und? Klar kann das sein. Klar ist das wohl auch ein Novum, ich meine, so mal mit Prothese, über zehn Jahre. Ein Versuch! Du kannst zu Hause bleiben bei langweiligen Serien und Faulenzia oder du gehst raus – unterhaltsam die Beine schwingen!
 
Meistens bin ich alleine unterwegs; ich besitze keinen Herdentrieb. Doch zu zweit, zu dritt, da ist die Herde noch winzig. Möchte die eine oder der andere mal (wieder) mitwandern? Ich würde mich freuen. Bin ja erreichbar.
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Meine Routen der „Highlights“ will ich mal weiterwandern. Ich finde, diese langen Täler sind einfach kurzweilig! Gleich zu Beginn eine Besonderheit. Der Talhang vor mir img_2372ist unbewaldet; neugierig genießen Felsen den Ausblick zum Neckar. Dieser Buntsandstein wurde nicht nur zu besonders guten Mühlrädern img_2378verarbeitet. Er hat auch dem Kölner Dom und dem Ulmer Münster als Baumaterial gedient.
 
Ganz anders die vorangegangene Route ab Nürtingen. Da lag einiges in der Luft. Schneeschauer, blaue Himmelserscheinungen und sogar kurze frühlingshafte Sonneneinbrüche.
 
Oft gelange ich auf Wiesenwegen oder Waldpfaden dicht ans Neckarufer. Doch das beste ist ja, wenn du an einem abzweigenden Waldpfad ein Schild siehst „Dieser Weg endet“, gehst also im tiefsten Inneren höchstgradig beruhigt den anderen und stehst nach einem Kilometer vor einem einfahrtbreiten verschlossenen Tor, flankiert mit hohen Zäunen. Ich meine, INNERHALB! Hinter mir war keine img_2696Sperre. In was für einen Frischlufttresor bin ich hier unbemerkt eingebrochen? Was mögen das für Leute sein, die vorne zurammeln und hinten noch das Geld für ein Schildchen zusammensparen?
 
Zurückwärts erkenne ich links unten einen alternativen Pfad. Unten am Bach sind trittsichere flache Steine eingelagert. Dazwischen bächelt es murmelnd. Eine vermutliche Rutschpartie gäbe das, denn bis dort unten hin ist der img_2700Boden zu steil und haltlos. Umspülte Prothesen und abgesoffene Handys mag ich nicht.
 
Alles doch wieder zurück, vollends. Und oben leider auf die Straße und vor die Außenansicht des Tores. Das „gesicherte“ Gelände entpuppt sich als der stinknormale „Häckselclub“ der Stadt Reutlingen! Also, hütet euch künftig vor Wegen mit ohne Schildern! Nochmal zurück will ich heute nicht! – Denkste!
 
Wieder am Neckar gerate ich auf einen Pfad, der sich langsam zu einem Pampeparcours entwickelt. Ganz am Rande geht es vielleicht doch?! Einfach mal wieder richtig genießen!? Paar Meter weiter hat sich unauffällig das Design meiner Schuhe auffällig verändert. Ringsum, etwa zwei Zentimeter breit, wölbt sich der Matsch das Leder empor. Beidseitig! Wer baut nur solche verweichlichten Spazierwege, hier, schon im Ort, direkt neben der Kirche, die links oben auf dem Hang thront?
 
Ich sag’s ja, vorne am Weg, da war vorhin kein Schildchen dran!
 
Als ich kaum noch die Füße aus dem Sog und Geschmatz rauskriegen kann, rufe ich lieber mal um Auskunft. Der Mann in seinem Gärtle meint einfach: „Der Weg isch doch ganz normal! Hat halt gregnet! Isch doch normal! Kehret se eifach om, weil, nach vorne zue, no mendeschtens zwoihondrt Metr, da wirds scho no e bissle rutschig.“
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Dieses vergleichbare Bild musste ich bei mir „ausleihen“. 2011, im Steigerwald. Einem Feldweg mit frisch gepflügten Äckern würde man solche Ergebnisse verzeihen, oder?
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Was für eine Gegend! Schlamm schabend und weit verbreitend gelange ich beim dritten Rückzug hinauf nach Oferdingen (sollte lieber Oferfluchtingen heißen!). Spuren hinterlassend in Bus und Bahn, gerate ich ländlich markiert zurück ins „saubere Ländle“ mit langweilig geputzten Schuhen.
 
Wirklich kurzweilig, diese Highlights der langen Täler!
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Flocke an Flocke

 

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Vier Tage im Schnee
 
Was vielen missfällt ist mir manchmal gerade recht. So auch kühles Schneewetter, zum Beispiel auf weiten, zugigen Feldern. Die kühlen Tupfer im Gesicht. Die weiß umgemalten Landschaften. Das Beherrschen der Tricks der beschneiten Wege.
 
Doch ohne angepasste Vorbereitung an mein Ersatzteil klappt das nicht. Schon mit den Stiefeln und Hosenbeinen beginnt es. Ich mache Halbe-Halbe mit der Prothese. Sie beansprucht nicht nur jeweils die rechte Hälfte, sondern muss auch unbedingt damit beginnen.
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Gewürzter Tee wird vorgekocht, genügend Futterdosen gefüllt, Antizitterkleidung bereitgelegt und die beiden Sitzunterlagen sind auch dabei. Wieso zwei davon? Vielleicht setzt sich ja mal jemand neben mich auf den Baumstamm am Wege. Oder ich will’s mal dicker!
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1-img_2263Im Bopserwald,
4. Januar
So gegen Zwölf bin ich dann am Waldrand am Eulenrain. Auch andere Flockenfans sind längst unterwegs. Viel zu lange habe ich ausgeschlafen heute! Dicke kühle Flusen treiben mir entgegen, auch mal in den Nacken, was ich besonders mag. Der Weg hinauf zum Fernsehturm erfordert Geduld. Oben dann lagert rechts ein rund geformter Rastbalken, der bereits mit einem weißen Tischtuch bedeckt ist. Er gabelt sich am linken Ende und bietet mir dadurch einen besonders bequemen Platz.
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Waldwege gehe ich, alle kenne ich bereits. Für siebzehn Uhr melde ich mich noch zur Rast bei Rita in Sillenbuch an. Beinamputiert ist sie auch, über 80 und vermisst ihre Gehfähigkeit! Auf der Straße ein Sturz mit dem Rollator – und auch ihr Zutrauen ist wie wegamputiert. Einfach und schnell geht sowas! Besuche mag sie, einsam fühlt sie sich; ich soll mal reinschneien. Und Kaffeerast beim Schneewandern, das klingt gut. Eine volle Kanne und die Reste des Weihnachtskuchens stehen auf dem Tisch. „Das muss endlich alles weg!“ Selbst will sie garnichts. Was soll man da machen! Unterhaltungen zwischen Einbeinern, worum geht es da wohl? Naja, zum Schluss steht noch der leere Teller da und die Kanne mit Restfeuchtigkeit. Und auf meinem Programm der Rest meines Wanderweges zur U7, dunkel und völlig vereist.
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3-img_2266Am Katzenbacher See,
6. Januar
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Zwei Tage später dann bei Vaihingen. Feiertag, Spaziergängertag. Wolkenloses Frostwetter. Am Katzenbacher See führen die Wege weit in die westlichen Wälder hinein. An jeder Wegkreuzung denke ich, da und da und dort könnte ich auch gerne noch weiter gehen. Es geht nur eine Richtung! Und weil die Sonne schon wieder an den Baumwipfeln schleift, wähle ich den kürzesten Weg, lange bergauf. Neben der Steigarbeit ist heute jeder Tritt ein Eislauf oder eine Versenkung im Schnee daneben. Morgen suche ich mir ebenere Wege!
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Eichenhain, 8. Januar
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Neun Stunden Ausschlafen zur begeisterten Fortsetzung der Wege im Schnee. Die Luft ist wieder voller Flocken. Zumeist von der kleinen Sorte, kaum erkennenbar. Im Eichenhain bei Riedenberg stehen die imposantesten Eichen, dekorativ beschneit. Kinder sind unterwegs zur Rodelbahn. Die Eltern stehen dort fröstelnd dabei. Ich halte mit noch warmem Tee bequeme Rast auf einer der unberührten Schneebänke.
 
Eine große weite Fläche bietet die andere Talseite. Der Schnee treibt sich um mich herum. Die Luft ist diesig, dicht gefüllt mit Miniflöckchen. Eine wunderbare Stimmung! Nur zu ahnen ist dort drüben die Stelle mit der vorhin verwendeten Bank hinter den grau verhangenen Eichen. Nicht weit vorn bei der Baumgruppe wartet bereits die nächste. Es ist wieder wie bei „Hase und Igel“ Die Sitzfläche in Sichtweite, scheint der Hunger dort bereits angekommen.
 
Nach der Domäne Kleinhohenheim geht’s durch den Wald und hinunter ins Ramsbachtal. Da erwarte ich jetzt nur noch leichte Steigung, entlang des Weidachbaches bis nach Möhringen. Mit der Zeit wird es jedoch langsam langsamer und schwieriger.
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Der Schnee verhält sich inzwischen anders als die Tage vorher. Er hat bereits erhöhte Temperatur; die schönen Kristallsterne werden instabile Pampe. Ein Schritt vor, ein halber zurück. Dazu dreht der Prothesenfuß wegen der Glätte oft nach rechts ab. Bald nimmt die Steigung weiter zu. Die Feldwege hinter der alten B27 werden zu Hindernisläufen. Oben im Ort ist das neue Glatteis inzwischen fertig, denn es wird dunkel. Mit gebremster Langsamkeit erreiche ich rutschend und schlingernd am Bahnhof Möhringen gerade noch die offene Türe der fahrbereiten Stadtbahn.
 
Doch kaum bewege ich mich nach der Busfahrt auf festem Boden, läuft die Prothese unter mir wie am Morgen, als sei sie frisch geschmiert,  gerade erst aufgestanden, heiß auf neue Muskelstrapazen!
Oberes Körschtal, 10. Januar
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Heute Schnee mit Eisregen! Morgen Regen! Also los und in die laue Winterluft, sofort! Ich verlasse den vereisten Bahnsteig in Rohr. Mit Sonne und Hunger. Ungefrühstückt, spontan ab Bettkante, kurz vor dreizehn Uhr, ziehe ich jetzt meinen Riegel heraus. Immer zwei Bissen im Mund zergehen lassend. Pfefferkuchen-Geschmack! Bis zum letzten Milligramm auskosten! Mal sehen, wo der Mittagshunger eintritt.
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Die ebenen Flächen der Filder wirken einsam bei den vereinzelten dunklen Punkten und Baumreihen im sonstigen Weiß. Die Joggerdichte erscheint noch dünn; einige Unentwegte versuchen sogar mich einzuholen. Nach dem Möhringer Freibad senkt sich der Einschnitt des Steinbaches, ein Zufluss zur Körsch. Wo bleibt nur der Eisregen?
 
Am Weidachwald überrascht mich endlich der Hunger. Diese Bank kenne ich noch. Die blaue Routenlinie zeigt mir 6,9 km,  nach fast drei Stunden Marsch. Da genügt also für heute eine Rast. Durch den Wald führt dieser Weg weiter nach Hohenheim.
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Doch vorher komme ich gezielt rechts vom Weg ab. Dessen festgefahrene Eisfladen reizen mich weniger. Dagegen genieße ich die Dämmerathmosphäre durch verschneite Wiesen. Ein Pfad, undeutliche Fußspuren, links die Erlenreihe am Bach, rechts Streuobstflächen. Ein anderer Schleeliebhaber stapft mir entgegen, lächelnd. Vorn an der Häuserkante leuchten bereits gelblich die Lampen am Wege. Wo bereits das Glatteis auf neue Opfer wartet.
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Plattes Land, Alster und Elbe

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3 Tage Hamburg, Januar  ’17
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Wie sieht es hier eigentlich aus, ich meine, mal weiter außerhalb Hamburgs, zu Fuß. Ich bin zwar die ebenen Landschaften um Leipzig gewöhnt, aber zumeist, in der letzten Zeit seit 1955, die abwechslungsreichen Hügel um Stuttgart.
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Schleswig-Holstein
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Ab Rellingen finde ich auf der Karte einen Weg, der sich eine Weile weit streckt, in gerader Linie nach Nordosten. Er ist
links begrenzt mit einer knorrigen, sehr alten Hecke. Der Weg und einige der Wegkreuzungen scheinen bereits seit langer Zeit zu existieren. Alles ist sehr ruhig hier, weit entfernt von den erbaulichen Nachrichtensendungen der letzten Tage, also auch erholsam.
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Sehr alte Bäume und dichter Bewuchs begrenzen den Weg. Begleitet von tiefen Gräben. Gebrochene Eisreste schmelzen langsam dahin. Dahinter halb verborgen Weideflächen, Äcker oder Brachland. Vereinzelte Waldstücke. Zwei Rehe im Dunst der feuchten Luft. Grasige Zufahrten mit schiefen Zäunen. Wenig Fernsicht. Alles sehr abwechslungsreich.
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Ein Waldpfad führt durch den Rest eines Moores. Linksseitig ist der Wald voller Wasser, teilweise noch gefroren. Der Weg glitscht etwas, Vorsicht, da möchte ich nicht hinein geraten, da mir das Handtuch fehlt. Wieder auf der schmalen Straße, wird von links her ein Hengst spazieren geführt, bedeckt mit einer wärmenden Decke. Er dreht sich neugierig zu mir um, bleibt stehen. „Das machen wohl die Stöcke“, meint die Frau. Das Spiel wiederholt sich nochmal. Will der, dass ich ihn reite? Ich gehe hin, er lässt sich streicheln. Im 1-img_2453nahen Pferdehof verschwinden sie. Und ich, irgendwo in Garstedt, bald danach im Bus. Und wäre der nicht so schnell gefahren, hätte ich noch eine Lesestunde genossen.
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Alster
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1-img_2456Ab der Haltestelle Alsterredder bin ich schnell unten im Tal. Neben dem Fluss gibt es Wasser-flächen, teils noch gefroren. Wie vorgestern ist der Himmel eine weiße Fläche; meine Handschuhe dürfen sich an mir wärmen.
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Unglaublich, hier sind Bänke, deren Sitzfläche derart geneigt ist, mindestens 30 Grad, dass man nach hinten sinkt und durch die 4-img_2459Schwerkraft fast durch die Lücke unter der Rückenlehne gezogen wird. Unvorstellbar, dass sich jemals der Bänkeaufsteller 2-img_2462selbst mal hinein begeben haben könnte!
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Die Talschleifen der Alster, ihre mehrfach verlagerten Altarme, steilen 5-img_2473Prallhänge und der wilde Bewuchs des Tales sind sehr interessant. Zweimal muss ich umkehren, als ich die Pfade dicht am Ufer benutze. Der eine Pfad ist sehr schräg geneigt. Überlagert von einem gestürzten Baum. Das wäre ja noch gegangen. Doch wie geht es in dieser Talschleife weiter? Die Umkehr ist wegen der Neigung bereits hier kaum ohne Abschmieren zu machen. Der andere Pfad wird plötzlich derart schmal, gerade nur zwei Fußbreit, und bietet gleich daneben den direkten vollautomatischen Zugang in die erkaltete Alstersuppe.
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Aber ich finde heute auch „missratene“ Bänke, auf denen man sich nicht abgelegt fühlt, wo ich sogar Dinge unabstürzbar ablegen kann. Außerdem finde ich mal einen sehr bequemen rundgeschliffenen Stein. Einen Sitzstein. Ich esse so vor mich hin, da schnüffelt es. Wie üblich haben Hunde bei Rastenden nur einen möglichen Gedanken. „…!…!…!“ Die freundliche Radfahrerin ruft ihn schnell zurück. Und dann kann ich wieder die dunkler werdende Aussicht genießen, unbeschnüffelt.
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Die von mir ungenau vorgeplante Bushaltestelle stellt sich als derzeit unbenutzbar heraus. Für Schüler eingerichtet, und auch nicht jetzt. Mehr als ein Kilometer zur B432 kommt also noch dazu, entlang einer Autostraße. Ich schalte auf Düsenbetrieb und schaffe den nächsten Bus.
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Elbe
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Das einzige alpine Gelände in Hamburg ist diese steile Stiege, die vier Meter neben meinem Bett steil in den tiefen Abgrund des Hauses führt. Sechzehn Stufen zum EG, der eigentliche Beginn jeder meiner Wanderungen hierzulande. Meine Familie schläft noch; vorsichtig taste ich mich abwärts und raus in die noch dunkelfrische Morgenluft. Heute mit Bus, U- und S-BAHN und nochmal Bus, durch verschneiten Wald nach Schnakenbek.
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Dort nur noch Schneereste, verharscht. Jetzt erst wird es hell. Doch im nahen Wald ist es nur dort noch weiß, wo die Kaltluft am ehesten hereinfällt, an Wegkreuzungen oder Rodungen. Der Geländehang beginnt und sehr allmählich senkt sich der breite Weg. Durch Bäume und Gebüsch sehe ich unten weite bläuliche Wasserflächen, zur Ferne hin undeutlich begrenzt. Sehr breit erscheint hier die Elbe.
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Weiter unten erkenne ich noch einen Pfad. Der Wanderweg zwischen Lauenburg und Geesthacht am „Hohen Elbufer“. Über eine Spur im braunen Laub bin ich schnell dort. Das südliche Ufer verschwindet fast im Dunst. In dieser Ruhezone ist die Natur unter sich. Wildromantisch, kaum beeinflusst. Zweimal erreiche ich den unmittelbaren Uferrand und fange herrliche Bilder ein.
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3-img_2504Doch dann stehen da Zäune. Der langgestreckte Campingplatz Tesperhude. Fast jeder Baum dieses Geländes wird derzeit gekappt und zurechtgepflegt. Im Vergleich zum beruhigenden Naturzustand von vorhin herrscht hier eine geradezu unästhetisch hässliche Ordnung. Rechte Winkel der Wege, Einfassungen, gestutzte Hecken, alles hat man „im Griff“.
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Und dann noch der Tesperhuder Strandweg, dann entlang der Elbuferstraße. Kein schöner Wanderweg mehr! Und zusätzlich thront rechts oberhalb ein hoher grober Klotz aus grauem Beton. Das Kernkraftwerk Krümmel. Aber Augen auf und nach vorn und durch! An einer Grillstation stoppt mich jedoch das Druckgefühl des Schaftes. Schnell eine Korrektur!
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Kaum gehe ich weiter, ist mir, als habe die Prothese Atomkraft getankt. Ich trete auf und werde sofort, ohne meine eigene Krafteinwirkung, nach vorne gedrückt. Auch dann, als es endlich den Berghang hinauf geht, weg von der lauten Straße, und auch später im Wald, an richtig heftigen Steigungen. Naja, eigentlich wie üblich.
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Das koste ich natürlich wieder genüsslich aus. Deshalb erreiche ich sogar den Busbahnhof Geesthacht, also etwas weiter als geplant. Und in der gleichen Minute starten wir schon nach Bergedorf. Aber ein Anhänger der Atomtechnik bin ich trotzdem nicht geworden!
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