10.000 Strapazenkilometer

img_2685

Highlights – Neckaraufwärts: 15. Februar 2017, Neckartenzlingen bis Oferdingen

Kürzlich erreichte ich den neuntausendsten Genusskilometer. Allesamt habe ich diese Entfernungen, selbst ziemlich wohlgemut, meinen drei Wanderprothesen zugemutet. Zwei überstanden es sehr gut; der dritten geht’s wie mir. Trotz vieler Einflüsse. Berge, Schlamm, Wetter, Schmarren, Empfindlichkeiten, Überalterung, „Strapazen“. Die nächsten img_1559spannenden Tausend liegen vor mir, ein Prozent davon auch heute.

Kopfmäßig bin ich wie darauf einjustiert. Und wenn was dazwischen kommt? Na und? Klar kann das sein. Klar ist das wohl auch ein Novum, ich meine, so mal mit Prothese, über zehn Jahre. Ein Versuch! Du kannst zu Hause bleiben bei langweiligen Serien und Faulenzia oder du gehst raus – unterhaltsam die Beine schwingen!
 
Meistens bin ich alleine unterwegs; ich besitze keinen Herdentrieb. Doch zu zweit, zu dritt, da ist die Herde noch winzig. Möchte die eine oder der andere mal (wieder) mitwandern? Ich würde mich freuen. Bin ja erreichbar.
.
img_2668
.
Meine Routen der „Highlights“ will ich mal weiterwandern. Ich finde, diese langen Täler sind einfach kurzweilig! Gleich zu Beginn eine Besonderheit. Der Talhang vor mir img_2372ist unbewaldet; neugierig genießen Felsen den Ausblick zum Neckar. Dieser Buntsandstein wurde nicht nur zu besonders guten Mühlrädern img_2378verarbeitet. Er hat auch dem Kölner Dom und dem Ulmer Münster als Baumaterial gedient.
 
Ganz anders die vorangegangene Route ab Nürtingen. Da lag einiges in der Luft. Schneeschauer, blaue Himmelserscheinungen und sogar kurze frühlingshafte Sonneneinbrüche.
 
Oft gelange ich auf Wiesenwegen oder Waldpfaden dicht ans Neckarufer. Doch das beste ist ja, wenn du an einem abzweigenden Waldpfad ein Schild siehst „Dieser Weg endet“, gehst also im tiefsten Inneren höchstgradig beruhigt den anderen und stehst nach einem Kilometer vor einem einfahrtbreiten verschlossenen Tor, flankiert mit hohen Zäunen. Ich meine, INNERHALB! Hinter mir war keine img_2696Sperre. In was für einen Frischlufttresor bin ich hier unbemerkt eingebrochen? Was mögen das für Leute sein, die vorne zurammeln und hinten noch das Geld für ein Schildchen zusammensparen?
 
Zurückwärts erkenne ich links unten einen alternativen Pfad. Unten am Bach sind trittsichere flache Steine eingelagert. Dazwischen bächelt es murmelnd. Eine vermutliche Rutschpartie gäbe das, denn bis dort unten hin ist der img_2700Boden zu steil und haltlos. Umspülte Prothesen und abgesoffene Handys mag ich nicht.
 
Alles doch wieder zurück, vollends. Und oben leider auf die Straße und vor die Außenansicht des Tores. Das „gesicherte“ Gelände entpuppt sich als der stinknormale „Häckselclub“ der Stadt Reutlingen! Also, hütet euch künftig vor Wegen mit ohne Schildern! Nochmal zurück will ich heute nicht! – Denkste!
 
Wieder am Neckar gerate ich auf einen Pfad, der sich langsam zu einem Pampeparcours entwickelt. Ganz am Rande geht es vielleicht doch?! Einfach mal wieder richtig genießen!? Paar Meter weiter hat sich unauffällig das Design meiner Schuhe auffällig verändert. Ringsum, etwa zwei Zentimeter breit, wölbt sich der Matsch das Leder empor. Beidseitig! Wer baut nur solche verweichlichten Spazierwege, hier, schon im Ort, direkt neben der Kirche, die links oben auf dem Hang thront?
 
Ich sag’s ja, vorne am Weg, da war vorhin kein Schildchen dran!
 
Als ich kaum noch die Füße aus dem Sog und Geschmatz rauskriegen kann, rufe ich lieber mal um Auskunft. Der Mann in seinem Gärtle meint einfach: „Der Weg isch doch ganz normal! Hat halt gregnet! Isch doch normal! Kehret se eifach om, weil, nach vorne zue, no mendeschtens zwoihondrt Metr, da wirds scho no e bissle rutschig.“
.
img_3113
Dieses vergleichbare Bild musste ich bei mir „ausleihen“. 2011, im Steigerwald. Einem Feldweg mit frisch gepflügten Äckern würde man solche Ergebnisse verzeihen, oder?
.
Was für eine Gegend! Schlamm schabend und weit verbreitend gelange ich beim dritten Rückzug hinauf nach Oferdingen (sollte lieber Oferfluchtingen heißen!). Spuren hinterlassend in Bus und Bahn, gerate ich ländlich markiert zurück ins „saubere Ländle“ mit langweilig geputzten Schuhen.
 
Wirklich kurzweilig, diese Highlights der langen Täler!
Werbeanzeigen

Eine Antwort zu “10.000 Strapazenkilometer

  1. 9000 km mit Prothese, das soll dir erst mal jemand nachmachen. Du wirst die 10.000 km Marke knacken, da bin ich mir sicher. Immer wieder ein Genuss, deine Berichte zu lesen. LG Alfons

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s