Bewegung hilft

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Also, mal ein einfacher Vorschlag: Du baust dich auf, unabhängig von anderen, nach deinem Plan. Egal, ob mit Handicap oder ohne. Einfach, wenn du dich fitter und besser fühlen willst. Fitness für das, was DU willst: Um mit guter Ernährung und regelmäßigem Bewegungstraining deinen Körper zu kräftigen.

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Jeder weiß, Bewegung hilft, um den inneren Rost zu verhindern. MEHR Bewegung hilft eben auch mehr. Geist und Körper anfordern und trainieren, aber bitte über die Notwendigkeiten des Alltages hinaus.

Mit MEHR Bewegung und kontrollierter Ernährung unseren Alltag zur individuellen „Alltags-Selbsthilfe-Wohlfühl-Genuss-Therapie“ machen! Die „Kampfplätze“ sind die Küche und draußen die Natur!

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11-P1210896Ich selbst trainiere heute wieder auf Ausdauer über 10 km, kombiniert mit Steigungen. Mein Trainingsvirus juckt mich deutlich. Die Wanderspirale, die 85. Tour insgesamt, die 7. in diesem Jahr. Den Wunnenstein erklimmen. Vielleicht erreiche ich Gronau, nein, bestimmt!

Für diese Therapieform ist meine heutige Wanderung wieder ein zutreffendes Beispiel. Wie meistens geht es dabei um die so nützliche Anstrengung. Die Steigung hinauf zum Wunnenstein, heute nochmal mit der alten Beinprothese, zieht sich hin. Am Waldrand steht die obligatorische Sitzbank, auf der ich 2-P1070107etwas von meinem Rucksackmaterial in meine Verwertungs-Position verlagere. Der Blick nach Nordosten zeigt sonnige Aufhellungen über Auenstein. Ansonsten Wolkendecke.

1-P1070099Aber die angenehm frische Luft heute ist ein Genuss nach der Schwüle. Hättest du Stress, er würde schnell verfliegen. Alleine bin ich hier nicht. Drei Ponyreiterinnen mit Hunden, ein Fahrradschieber, Tausende von Eiligen mit 130 auf der A61. Wie oft bin ich selbst „bewegungslos“ hier lang gedüst. Bald ist der Lärm hinter mir und wird endlich vom entspannenden Konzert vieler Vögel abgelöst.

4-P1070119Auf der Terrasse des Wunnenstein-Gasthofs werden eine Stunde vor Öffnung die Tische von den Kastanienkugeln und Ästchen gesäubert. Die südliche Aussicht, weit ins Land hinaus, wunderbar! Also hinauf zum Turm, stolze 406 Meter hoch; meine 5-P1070122Kuchengelüste schlucke ich runter. Auf dem Gipfel stehen ungedeckt Tisch und Bänke. Mist – den Löffel für die Müsligelüste hab ich vergessen, finde aber mein Fischmesser. Aha, das geht ja viel besser so und schmeckt nicht schlechter. Gib einem Chinesen ein Fischmesser für sein Müsli, nie wieder rührt er Stäbchen an!

Meine Müsli-Komposition ist sehr eigenwillig, gut und lecker. Die gewohnte Ernährung kritisch zu betrachten ist heute ja unverzichtbar. Sich mal zu informieren, was braucht überhaupt mein Körper so. Was aber mute ich mir zu, was für Käse steht manchmal auf den Packungen? Was ist zu viel zu wenig, was zu oft zu viel, was nützt und was schadet? Bin ich bereits Mülldeponie? Das Bewusstsein dafür anspitzen!

Für mich als 1936er-Originalausgabe und 2006er „Einbein“-Umgestaltung ist diese „Therapie“ wirklich tägliche Realität. Die Resultate als spontane Erlebnisberichte auf meinem Blog zeigen diese langfristige Wirksamkeit.

Ein Pfad führt nordöstlich den Rücken des Wunnensteins hinab. Da sind einige Späßchen eingearbeitet, liegende Stämme, querhängende Äste, rutschiger Erdboden. Also ein Weg nach Wunsch.

6-P1070133Kuppen, Buckel, Rücken und Rebenhänge, das sind die „Löwensteiner Trainingsberge“, „abgekalbte“ Ausläufer des Schwäbischen Waldes. Gekonnt gestaltete Tafeln zum Thema „Wein“ stehen an den Wegen (Bilderkiste). Noch ein Kurzbesuch auf der Burg Hohenbeilstein reizt mich, wieder mit Steilanstieg. Also fitte ich mich nochmal hoch. Auch wieder eine Bank dort oben, zwecks meiner Rest-Knabberizitäts-Vertilgung. Vor mir, die Waldhänge, sind schon fast unmittelbar nahe, aber die hebe ich mir auf. Für die Fortsetzung.

7-P1070136Bis ich Gronau erreicht habe, sind doch einige Pluspunkte zusammen gekommen, die mir spontan gefallen und langfristig wirken.

Soll mir doch mal jemand sagen, welche andere ausdauernde Gesundheitstherapie das ebenso konzentriert schaffen kann – innerhalb von acht Stunden, ebenso sauerstoffhaltig, vielseitig, erlebnisreich, vergnügungsgeladen und angereichert mit aufbauenden Zufalls-Anforderungen, dabei aber immer ohne Überanstrengung und Stress. Und wurscht, ob mit ohne Sonne!

Km heute: 12,3
Km „Spirale 2015“ gesamt: 94,0
Km/h: 2,02
Anstiege: 225 m
Abstiege: 211 m
Km Prothesentrainings gesamt: 7230,7

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Inhalt

Gesund erkrankt

Die ersten Kilometer

MEHR Bewegung

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G e s u n d   e r k r a n k t

Sobald ich Wald- und Wiesenwege entdecke, die sich durch herrliche Berge und Täler winden, geraten meine Beine P1150877in heftige Zuckungen. Dort, wo ich stehe, verliere ich jeden Halt!

Unwillkürlich entstehen Schritte. Verbunden mit einem fieberhaften Erlebnisdrang und einer ausgeprägten Entfernungsunempfindlichkeit. Alles Anzeichen einer wachsenden Nichtgenughaberitis! Ich vermute Bewegungsviren, die den Bewegungsaparat und vor allem den Kopf befallen haben. Obwohl ich mich seitdem doch sehr verdächtig wohlfühle…

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D i e   e r s t e n   K i l o m e t e r

Mein erster Fußmarsch mit Prothese war ein voller Kilometer! Er wollte nicht mehr aufhören! Der Prothesenschaft „prothestierte“ gegen diese ungewohnte Beanspruchung. Er drückte mich zurück, unfreundlich. Dann drehte er sich langsam nach links und die Prothese samt daran angebrachtem Fuß machten das natürlich mit.

Das Gehen wurde dadurch fast zum Stolpern. Dann tauchte endlich die Ecke zur Hackstraße auf. Mein „Chauffeur“ ist Straßenbahner und er erlöste mich. Das war am 27. September 2007.

Der zweite Marsch, schon am nächsten Tag, die Königstraße hin und her, hatte mehr als die doppelte Entfernung, fiel aber schon viel leichter. Die Anstrengung war gar nicht mehr bewusst. Ab sofort wurde der Rollstuhl in den Keller verbannt. In diesen zwei Tagen liegt bereits das ganze Geheimnis, warum es mir dann immer besser ging: Im systematischen und regelmäßigen Aufbau – immer mit „kleinen Schritten“!

Foto104So entwickelte sich die Selbst-Mobilisierung Schritt für Schritt weiter, bis endlich auch wieder ausgedehnte Wanderungen durch die Natur, rund umP1110339 Stuttgart, möglich wurden. Es machte einfach Spaß, die Leistung zu spüren, zu fotografieren, nette Leute zu treffen, völlig neu unabhängig zu sein! Schon am 1. November ging ich von Benningen entlang des Neckars zur Marbacher Straße in Ludwigsburg, unglaubliche 6,5 Kilometer. Und am 12. Mai 2008 schaffte ich bei Aidlingen die 10 km. Interessant ist es, diese Strecken auf den Wanderkarten nachzumessen, aber viel wichtiger ist das Gefühl, dass es mir immer besser geht!

P1100089Ich traute mir immer mehr zu.  Bei Dieter zu Besuch, im Garten, mein Magen knurrte bereits ahnungsvoll, es duftete appetietlich aus der Küche, ich erzählte noch schnell von meinem alten Traum, der über 30 Jahre her ist. „Was, du willst 650 km von Stuttgart  nach Leipzig laufen? Wenn du DAS machst, mit Prothese…“ – Und dann haben wir was ausgeheckt…  .

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M E H R   B e w e g u n g . . .

…als im Alltag! MEHR als nur das Notwendige! MEHR Bewegung hilft auch MEHR! Zusätzliche Spaziergänge oder kleinere Wanderungen, regelmäßig. Viele tun es, aber besonders bei Handicap ist es wichtig.

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Bereits in fünf Tagen kannst du fünf km schaffen, zehn km bequem in vier Wochen – wenn du dich systematisch mit Zeitkontrolle aufbaust, täglich. Die Kilometer sind nur ein Maßstab. Wichtig ist deine neue Leistungskraft und körperliche Stabilität, die du anders zumeist nicht so leicht bekommen kannst.

Sich selbst bewegen, bevor man bewegt werden muß

Anstrengung? Die ist immer dann spürbar dabei, wenn man im Bewegungsmangel ist. Das sind wir fast alle, egal wieviele Beine. Doch nach jeder Bewegungs-Zwangspause, schon beim zweiten oder dritten Versuch, frage ich mich, warum spüre ich die Anstrengung so schnell nicht mehr?

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Tour Landsberg Am 03.10.12 39

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Mit Lisa, unterschenkelamputiert und älter als ich, habe ich für jeden dritten Abend einen Anruf vereinbart. Sie stört mächtig, dass sie sich nicht aus dem Haus getraut, die Stufen, ohne Rollator, kein Zutrauen, die Gefahr der Depression, lauter Befürchtungen. Physisch und psychisch nicht weit entfernt vom Notfall. Sie will aber raus und wir haben ein paar Tipps ausgetauscht. Beim ersten Anruf bereits klingt ihre Stimme völlig anders und frischer, begeistert. Sie berichtet, schon wieder sei sie, mit einem Stock, fünf Minuten länger gelaufen, dreimal jetzt, es ginge ihr schon viel besser! Auch sie hat jetzt dieses Aufbau-Erlebnis, bereits nach drei Tagen!

Mehrbewegung könnte eine der wertvollsten Angewohnheiten sein. Kaum Kosten, einfach losgehen, beliebig zu dosieren und eine Menge wohltuender Auswirkungen. Eine sehr wichtige Änderung des eigenen Verhaltens. Das, was ich tue, wie ich das tue oder was ich nicht tue, bestimmt, wie es mir geht! Den eigenen Schweinehund zu Hause fest anketten! Schon seit langem habe ich große Vorteile, weil ich einige fragwürdige Verhaltensweisen, teilweise brummend, geändert habe.

Verhaltenswechsel

„He Uwe, du brauchst einen Fernseher? Wenn du meinen wieder hinkriegst, kannst du ihn mal eine Weile benutzen.“ Weder Uwe noch das Gerät habe ich wiedergesehen. Von keinem irgendwann mal Grüße. Auch mein Autoverkauf war zuerst ein Verlust. Mein Verhalten danach? Die Mattscheiben-Sucht verlor sich, ich hatte wieder entschieden mehr Zeit für Dinge, die mir nützen. Uwe, bleib wo du bist! Und als Fußgänger ging es mir deutlich besser.

Zweitens: Badeurlaub in Südfrankreich. Das Meer-Badewasser sollte man abduschen. Nur, Warmwasser gab’s speziell für den Kaffee. Was blieb mir übrig? Das Gute daran: Ich dusche seitdem zuletzt immer kalt. Anfälligkeiten und Erkältungen gingen zurück. Gefühlsmäßig herrlich erfrischend. Für die Zeit der Rente war das wichtig für mich, wenn man mehr Zeit hat und auch mal im kalten und nassen Wetter unbeschadet heimkommen möchte. Aber noch viel bedeutender waren die beiden Veränderungen in 2001 und 2007.

P1190073„Du siehst so bleich und müde aus, da hab ich was für dich“, sagte Frank zu mir. Habe ich so ausgesehen wie es mir ging? Nahrungsergänzung wollte ich eigentlich nicht wieder, schlechte Erfahrungen! Ihm zuliebe probierte ich „das Zeugs“ eine Weile. Als sich unerwartet dann doch wohltuende Wirkungen einstellten, konnte ich mit diesen guten Ergebnissen und veränderten Gewohnheiten sogar, auf einfache Art neben Rente und Job, zusätzliches Geld verdienen.

P1190093Als letztes Beispiel, wieder ein wichtiger Spruch an mich, den Rollstuhl-Fan: „…jetzt laufen Sie doch endlich mal!!!“ Ich tauschte also die Rollstuhl-Armbewegung und den bequemen „Behinderten-Porsche“ um in mühsame natürliche Fortbewegung. Dadurch aber wurde sehr bald mein gesamtes Befinden nochmal entscheidend weiter verbessert. Jetzt döst mein Rollstuhl vereinsamt im Keller vor sich hin, als Ablage für Streusand.

Das alles natürlich nur aus meiner persönlichen Sicht. Zusammengefasst ist diese Kombination der Veränderungen für mich ein bewährtes Konzept geworden: Fehlendes Gaspedal, Verzicht auf die Mattscheibe, Wasser für Gänsehaut, wohlschmeckende Vorsorgedrinks gegen meine Ernährungslücken und wöchentlich ein bis zwei Prothesenbelüftungen bei Wind und Wetter, das zusammen bringt mir ein vorher unbekanntes Gefühl von Zutrauen und Energie Leistungserhalt und neuem Bewegungsdrang. Was mir gut tut, gebe ich nicht freiwillig wieder her. Trotz Koma und Amputation geht es mir deutlich besser als vor zwanzig Jahren!

P1080585Beine, die wichtigsten Werkzeuge

BEIN-Bewegung, MEHR als im Alltag, hat sich als die wichtigste Bewegungsart herausgestellt. Sie ist der logische Anfang für alles, was ich sonst noch will. Sie P1110029verläuft moderat, beansprucht und kräftigt dabei den gesamten Organismus, macht ihn widerstandsfähiger, stärkt das Zutrauen, tut der Psyche und dem Selbstbewusstsein einen großen Gefallen. Sie ermöglicht viele starke Erlebnisse und neue Chancen. Viele P1160180Türen gehen erst dadurch auf.

Wobei finde ich die am besten geeignete Beinbewegung? Bei kleinen und mittleren Wanderungen. Sportliche Disziplinen sind oft anspruchsvoller. Auch Tageswanderungen sind P1200645unkompliziert. Völlig beliebig und ohne Stress kann man damit umgehen, alleine, mit anderen mit Camera oder Skizzenblock, beliebig lang, verbunden mit schönen Zielen und einem kühlen Abschlußbier. Je öfter und regelmäßiger ich unterwegs bin, desto P1210373deutlicher spüre ich, dass es imer leichter und selbstverständlicher wird. Und dass ich mich immer besser fühle, kräftiger, widerstandsfähiger und wohler!

Positive gesundheitliche Auswirkungen zu fördern ist immer wichtig. MEHR Bewegung ist kostenlos. Zu diesem „Preis“ bauen sich Muskeln auf, die Knochen bleiben länger stabil, die Atmung wird tiefer, der Kreislauf kreist zufriedener – und, und, und. Man therapiert sich selbst. Es kommt einfach mehr Leben zurück, der „Rost“ verschwindet. Das neue Verhalten „Wandern“, regelmäßig und ohne Überforderung eingeplant, führt zum wichtigsten Profit im Leben, der von nichts übertroffen werden kann!

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Aktion „Bewegung hilft“

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