„MEHR Bewegung hilft“ oder „Fitte dich auf!“

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Also, mal ein einfacher Vorschlag: Du baust dich auf, unabhängig von anderen, nach deinem Plan. Egal, ob mit Handicap oder ohne. Einfach, wenn du dich fitter und besser fühlen willst. Fitness für das, was DU willst: Um mit guter Ernährung und regelmäßigem Bewegungstraining deinen Körper zu kräftigen.

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Jeder weiß, Bewegung hilft, um den inneren Rost zu verhindern. MEHR Bewegung hilft eben auch mehr. Geist und Körper anfordern und trainieren, aber bitte über die Notwendigkeiten des Alltages hinaus.

Mit MEHR Bewegung und kontrollierter Ernährung unseren Alltag zur individuellen „Alltags-Selbsthilfe-Wohlfühl-Genuss-Therapie“ machen! Die „Kampfplätze“ sind die Küche und draußen die Natur!

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11-P1210896Ich selbst trainiere heute wieder auf Ausdauer über 10 km, kombiniert mit Steigungen. Mein Trainingsvirus juckt mich deutlich. Die Wanderspirale, die 85. Tour insgesamt, die 7. in diesem Jahr. Den Wunnenstein erklimmen. Vielleicht erreiche ich Gronau, nein, bestimmt!

Für diese Therapieform ist meine heutige Wanderung wieder ein zutreffendes Beispiel. Wie meistens geht es dabei um die so nützliche Anstrengung. Die Steigung hinauf zum Wunnenstein, heute nochmal mit der alten Beinprothese, zieht sich hin. Am Waldrand steht die obligatorische Sitzbank, auf der ich 2-P1070107etwas von meinem Rucksackmaterial in meine Verwertungs-Position verlagere. Der Blick nach Nordosten zeigt sonnige Aufhellungen über Auenstein. Ansonsten Wolkendecke.

1-P1070099Aber die angenehm frische Luft heute ist ein Genuss nach der Schwüle. Hättest du Stress, er würde schnell verfliegen. Alleine bin ich hier nicht. Drei Ponyreiterinnen mit Hunden, ein Fahrradschieber, Tausende von Eiligen mit 130 auf der A61. Wie oft bin ich selbst „bewegungslos“ hier lang gedüst. Bald ist der Lärm hinter mir und wird endlich vom entspannenden Konzert vieler Vögel abgelöst.

4-P1070119Auf der Terrasse des Wunnenstein-Gasthofs werden eine Stunde vor Öffnung die Tische von den Kastanienkugeln und Ästchen gesäubert. Die südliche Aussicht, weit ins Land hinaus, wunderbar! Also hinauf zum Turm, stolze 406 Meter hoch; meine 5-P1070122Kuchengelüste schlucke ich runter. Auf dem Gipfel stehen ungedeckt Tisch und Bänke. Mist – den Löffel für die Müsligelüste hab ich vergessen, finde aber mein Fischmesser. Aha, das geht ja viel besser so und schmeckt nicht schlechter. Gib einem Chinesen ein Fischmesser für sein Müsli, nie wieder rührt er Stäbchen an!

Meine Müsli-Komposition ist sehr eigenwillig, gut und lecker. Die gewohnte Ernährung kritisch zu betrachten ist heute ja unverzichtbar. Sich mal zu informieren, was braucht überhaupt mein Körper so. Was aber mute ich mir zu, was für Käse steht manchmal auf den Packungen? Was ist zu viel zu wenig, was zu oft zu viel, was nützt und was schadet? Bin ich bereits Mülldeponie? Das Bewusstsein dafür anspitzen!

Für mich als 1936er-Originalausgabe und 2006er „Einbein“-Umgestaltung ist diese „Therapie“ wirklich tägliche Realität. Die Resultate als spontane Erlebnisberichte auf meinem Blog zeigen diese langfristige Wirksamkeit.

Ein Pfad führt nordöstlich den Rücken des Wunnensteins hinab. Da sind einige Späßchen eingearbeitet, liegende Stämme, querhängende Äste, rutschiger Erdboden. Also ein Weg nach Wunsch.

6-P1070133Kuppen, Buckel, Rücken und Rebenhänge, das sind die „Löwensteiner Trainingsberge“, „abgekalbte“ Ausläufer des Schwäbischen Waldes. Gekonnt gestaltete Tafeln zum Thema „Wein“ stehen an den Wegen (Bilderkiste). Noch ein Kurzbesuch auf der Burg Hohenbeilstein reizt mich, wieder mit Steilanstieg. Also fitte ich mich nochmal hoch. Auch wieder eine Bank dort oben, zwecks meiner Rest-Knabberizitäts-Vertilgung. Vor mir, die Waldhänge, sind schon fast unmittelbar nahe, aber die hebe ich mir auf. Für die Fortsetzung.

7-P1070136Bis ich Gronau erreicht habe, sind doch einige Pluspunkte zusammen gekommen, die mir spontan gefallen und langfristig wirken.

Soll mir doch mal jemand sagen, welche andere ausdauernde Gesundheitstherapie das ebenso konzentriert schaffen kann – innerhalb von acht Stunden, ebenso sauerstoffhaltig, vielseitig, erlebnisreich, vergnügungsgeladen und angereichert mit aufbauenden Zufalls-Anforderungen, dabei aber immer ohne Überanstrengung und Stress. Und wurscht, ob mit ohne Sonne!

Km heute: 12,3
Km „Spirale 2015“ gesamt: 94,0
Km/h: 2,02
Anstiege: 225 m
Abstiege: 211 m
Km Prothesentrainings gesamt: 7230,7

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Kniewechsel – höchst unterhaltsam

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Plötzlich entsteht eine verrückte Idee: Ich werde das LiNX entführen! Dieser glänzende Käfer hier auf dem Weg, das ist nicht der einzige „Edelstein“, der sich unter mir bewegt! Denn über 13-P1070083vierzigtausend Euro sind per Ventil an meinen Beinstumpf geheftet. Einfach weiter nach Norden gehen und versuchen nach Holzgerlingen zu entkommen. Kaum einer begegnet mir in diesen einsamen Wäldern – ich denke nochmal zurück, wie es dazu kommen konnte.

14-Foto 26.09.14 16 04 03Es begann im Herbst mit Hydraulik-Müdigkeit. Du läufst bergab und das Kniegelenk gibt dir nicht mehr genügend Widerstand. Schnell liegst du auf Käferniveau. Mehr Stockeinsatz, also mehr Energieschub nach oben, zur Freude von Schultern und Nacken. Und außerdem läuft die Garantie des Gelenkes nur noch bis Februar. Und meine eigene? Also: Prothesen testen!

Bereits im Oktober bekam ich die Chance das Genium zu probieren, ein Star-Produkt des Marktes, mit Aussicht auf längere Wiederholung im nächsten Frühjahr. Drei Wandertage auf der Spirale, Alfons war einmal dabei. Im Januar war das Orion dran, mit dem geländegängigem elektronischen Fußgelenk élan. Zwei Tests in Pfaffenhofen. Aber da hatte ich leider die Einstellung vermasselt und es klappte nicht.

Unvermutet bot mir Daniel ein völlig neues System an, das damals noch nicht auf dem Markt war. „Damit ist hier noch niemand gelaufen“, meint Daniel.
Neu und besonders ist auch, dass Fuß und Knie miteinander wichtige und geheimnisvolle Unterhaltungen führen, unermüdlich. Damit habe ich im Februar Testläufe unternommen, im Wechsel mit Bettterminen (eine Erkältung wollte das so). Und danach z. B. den langen Marsch nach Marbach. Mit einem neuen Gelenk gesund über 30 km, das überzeugte. Völlig unerwartet spürte ich höhere Sicherheit und Schnelligkeit. Wichtigste Gebrauchsvorteile! Die Beantragung wurde ungewohnt schnell genehmigt.

08-P1060858Am 13. Mai konnte ich einen 7-km-Testlauf mit einem provisorischen neuen Schaft unternehmen. Dunkelhimmelblau, bearbeitungsfreundlich, aber er muss dafür stabilisiert werden. Einwandfrei läuft er, problemlos.

Wann wird diese Weltneuheit geliefert? Bis dahin wollte ich nochmal die gewohnten Laufeigenschaften der alten Prothese genießen. Von Münster nach Remseck, (etwa die 490te C-Leg-Tour), wo die lange Reihe der bis heute über 610 Prothesenwanderungen Anfang Oktober 2007 startete.

01-P1060936Dann kam am 28. Mai das Techniker- und Vertriebsteam, Roger und Adam, ein wertvolles „Präsent“ im Arm, extra mit Schleifchen drum, auch mit einer Urkunde, wegen des allerersten in Deutschland ausgelieferten Exemplars des LiNX Systems, meinem künftigen Wanderkumpan. Die beiden Orthopädietechniker-Meister 03-P1060946Daniel und Fred erhielten die erste LiNX 02-P1060943Zertifizierung erteilt. Den endgültigen neuen Schaft hatte Daniel bereits daran befestigt. Meine ersten Gehversuche fanden im 04-P1060949Werkstattgang und auf dem Hof statt. Es wurde schnell klar, da müssen wir noch einiges am Schaft ändern.

Wieder einmal muss ich also neu laufen lernen! Wäre ich zu dieser Anstrengung nicht bereit, würde ich doch – völlig freiwillig – auf mindestens über 90 Prozent des weiteren Lebensinhaltes verzichten, den ich per Beinbewegung selbst erreichen kann. Wie unsinnig wäre das! Wenn nun wieder einmal eine neue Prothese kommt, heißt das doch: Diese unwahrscheinlichen Erlebnisse mit den vorigen Prothesen können per Wille fortgesetzt werden. Dieser Wert ist nicht gleich dem Marktwert der Prothese. Die zurück erlangte Beweglichkeit und Widerstandskraft ist einfach unbezahlbar!

Zwei Kilometerchen, zwei Tage später oben bei Plattenhardt, gaben uns weitere Hinweise. Daniel bot mir die Gelegenheit, bei ihm in der Wohnung und drumrum weiter zu testen, an seinem Wochenendsamstag.

06-P107006407-P1070066Ebenfalls schnell: Die erste LiNX-Wanderung am 1. Juni ab Werkstatt. Vorher wird erstmal probiert. Dann beobachte ich noch, wie sich das LiNX lustvoll an das C-Leg randrückt. In der Spielecke lenke ich dieses ab. Aber kurz vor 12 gehe ich voll ausgerüstet zu einem etwas längeren Test rüber zum Fasanengarten. Wie geht diese Probe aus? Der Schaft beginnt mich auf wenig schmeichelhafte Art zu drücken. Zuerst läuft es sich schnell und man spürt die 09-P1070072Energie aus der Fußspitze, die wie ein Außenbordmotor oder ein schiebender Finger im Rücken wirkt. Je länger meine Schritte, um so deutlicher spüre ich den Schub. Bei der ersten Rast, am Spielplatz, zog ich den noch ungewohnten Schaft schon mal frisch an. Ich will eine Schleife durch den Wald ziehen und zur Nach-arbeit in die Werkstatt zurück gehen.

11-P1070092Der Wald ist groß. Viele reizvolle Wege gibt’s hier, nicht nur der kurze Parcours mit Querhölzern wie bei Stufen. Das herrliche Wetter. Die Walderd-beeren flüstern sich wohl Witze zu und bekommen schon rote Ohren. Ich will10-P1070084einfach weiter. Eigentlich läuft es sich doch ganz gut. Hinter der B14 ein steiler Anstieg. Wie eine helfende Hand im Rücken, so schiebt der Fuß. Der Hunger entsteht samt Frischluftappetiet, der mir aus allen Poren dringt. Auf derben Holzscheiten lasse ich mich naturbequem nieder.

Wie müsste ich denn zurück? Reicht das noch rechtzeitig? Ich tendiere dazu, vielleicht bis nach Holzgerlingen-Nord zu kommen, denn dort stoppt die Schönbuchbahn. Doch bald merke ich, auch auf direktem Wege bin ich schon zu weit von der Werkstatt entfernt. Was tun?

Da kommt mir eine Idee…

(Dass wir gerade mit diesen zehn Kilometern ein Problem am Stumpfende erkennen und auch lösen konnten steht natürlich in direktem Zusammenhang mit – leider erst dem letzten Drittel der Wanderung!)

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Km heute: 9,8

H3.6 – Sontheim bis Obereisesheim Freibad

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„Lieber gemütliche Bequemlichkeit als anstrengende Gesundheit…“  So handeln wir oft. Erst ein böses Handicap und eine deutliche Meinungsäußerung waren erforderlich, dass ich nach zwölf Monaten endlich aufwachte.

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Mein drittes Ersatzbein ist fällig! Gemeint ist die neue Beinprothese, die mir in paar Tagen angeschraubt wird, an einen ebenfalls neuen Schaft. Da ist für mich als Einbeiner wieder jede Menge Training, Testlaufen und Geduld nötig.

08-P1100202Was ist der wichtigste Unterschied zwischen einem Zweibeiner und einem Einbeiner? Der Einbeiner lernt mindestens 2x Laufen!

05-P1060911Heute bin ich schnell am Neckarweg. Eine schmale Japanerin stöckelt flott mit ihren dünnen Walkingstäbchen an mir vorbei. „Sie sind natürlich viel schneller als ich“, rufe ich ihr zu. Sie dreht sich halb um, deutet zur Prothese: „Fast ganz wie natürlich!“ Na also! Die Leute sehen nicht, wie waggelig ich mich manchmal selbst fühle.

Als Prothesenfrischling tut man wieder das, was ein Kleinkind automatisch tut. Immer wieder „aufstehen“, immer neue Versuche, nie aufgeben, so viel Bewegung als möglich. Laufen lehrt man sich selbst, auch beim zweiten Mal.

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Auch schwierigere und weitere Wege. Ganz besonders die anstrengenden Bewegungen helfen uns weiter. Würde ich das aus Bequemlichkeit nicht tun, könnte ich dem Orthopädietechniker keine zutreffenden Rückmeldungen geben können wo’s drückt. Welches Produkt bekomme ich dann von ihm vermutlich? Ein Marterinstrument!

Deshalb habe ich mich auch heute wieder eine Dosis Tageswanderung verordnet. An der nächsten Brücke gehe ich rüber zur Westseite, um glatt an Heilbronn vorbei zu kommen. Da, eine Bootsanlegestelle für die Kanuten mit einem sonnigen Frühstücksmäuerchen zum entspannten Sitzen. Ich wollte mir Pumpernickel mitbringen, fand im Laden aber nur Hefezopf. Jetzt esse ich ihn halt als „Hefenickel“! Plötzlich Schwapp! Die erste Bugwelle eines Polizeibootes spült über den Beton um mich einzunässen. Nur Schuhsohlensäuberung, danke!

Der Weg zieht sich fast schnurgerade am linken Neckarufer entlang. Neben mir rauschen die Autos vorbei. Viele Radfahrer sind unterwegs. Diese Route hier ist etwas anders als sich windende einsame Pfade durch die stillen Fluren. Neben Neckargartach gehen Stufen runter zum Wasser, nur halb sichtbar, denn Kehrwoche gibts hier nicht. Relativ abgeschirmt kann ich hier meine geplante Riegelmahlzeit genießen.

03-P1060860Gleich nach dieser bisher hässlichsten Raststelle rutscht der Schaft. Dreimal muss ich ihn neu ansetzen. Nützt wenig! Das ging die letzten Tage besser. Bin derzeit oft raus gegangen und fühle wieder angenehm die neue Kräftigung.
Besonders interessant der Testlauf mit dem provisorischen Schaft, aus hellblau transparentem Material geformt. Sechs Km problemlos und schnell gelaufen, ab Werkstatt. Das motiviert!

06-P1060918Der Radweg geht im weitem Neckarbogen unter der langen Talbrücke der A6 weiter. Hier verschenken die Angler ihre wertvolle Lebenszeit an die atemlosen Augenblicke, in denen die Spannung bis zum Anbeißen unaufhörlich steigt. Ich bezeichne meine Touren ja nicht als Sport, aber die Angler sagen „Angelsport“, was sich deutlich durch schweißtreibende Ruhe, Nervenanspannung und hohe Bequemlichkeitsanforderungen zeigt.

Dann biegt der Weg nach Obereisesheim ab. Ich biege mit, bevor der Schaft mich schafft. Als ich an der Bushaltestelle am Freibad ankomme, stelle ich fest, dass die Wegaufzeichnung beider Apps unterbrochen ist. Abends biegen wir das, Alfons und ich am PC, wieder zurecht.

07-P1060915Km heute: 10,7
Km der Highlights gesamt: 159,4

C-Leg: Sehnsucht nach Sooneck

C-Leg: Sehnsucht nach Sooneck

01-P1060854Während ich unnötigerweise neugierig zur Abbrucharbeit eines hässlichen Wohnblocks hinaufschaue, den rechten Gehstock links quer genommen, bleibt die rechte Fußspitze hängen. Der Gehstock fehlt genau in diesem Moment.

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Die Zeit dieses Kniegelenks ist bald vorbei! Deshalb hier ein Rückblick.
Trotzdem: Wir beide haben uns nochmal neue Schmarren zugezogen. Ellenbogen ganz leicht, das Restknie kaum. Aber das C-Leg! Eine ganze Platte der Metallbeschichtung halbmondig abgesplittert. Kann mir nicht passieren! 03-D2_45127Nun sind es mindestens 20 Geländeabdrücke zwischen Zingst auf dem Darß und Urfeld am Walchensee, aber woher genau, weiß ich auch nicht mehr.


Wir beide haben viel erlebt seit Februar 2010. Ich suche gern die verrücktesten 04-P1090819Wege heraus und Freund C-Leg macht es einfach mit, mit einer Eeeeeselsgeduld! Zuerst im Eichsfeld und an der Werra. Dann ab Leipzig zum Rennsteig, mit Alfons durch Franken, das erste Mal über die Alb zum Neckar nach Tübingen. Wenn Talschleifen fehlten, suchten wir zwei begeistert nach Umwegen. Wir beide – das heißt auch immer, mitsamt dem Prothesenschaft – wir sind eine Einheit. Diese beiden Teile werden bald ersetzt mit einer neuen Prothese samt neuem 05-P1120201Schaft und ich –  nur gelegentlich repariert.

 

Mir scheint, die Elektronik des C-Leg hat ein gut Teil meiner Wanderleidenschaft übernommen und gespeichert. Derzeit teilen wir das Stuttgarter Umland in Spiralrouten auf. Gleichzeitig entdecken wir sehr attraktive Kurven des Neckars vielleicht auch des Rheines, möglichst auch mal nicht alleine.


Besonders schön waren die gemeinsamen Touren, zum Beispiel mit Carola, Gundula, Rüdiger, Helmut, Alfons. Einige mehr wollten auch gelegentlich mitwandern, doch Krankheit oder Aufgaben verhinderten es. Daniel, mein Schaftbastler, Dieter, unser BMAB-Chef. Katrin, die Bloggerin „Schönbuche“, Alfons, der Grenzgänger, und auch Jessica, die Journalistin von der Wortwalz und nun Burgenblogger auf Sooneck im Mittelrheintal.


Gerade Jessica entfesselt zur Zeit auf allen Medienkanälen Bewusstseinsebenen für Landschaftswerte, Kulturerbe und die überrollten Bedürfnisse der Menschen dort. Für ein ganz besonderes, magnetisches Tal, das für „mein Knie“ und mich noch unerwandert ist.

Zu den bisherigen Bildern:
Kopfmotiv: Die Spuren der Jahre (Mai 2015) – fotorojo
Juli 2010: Die ersten Wanderungen um Stuttgart mit C-Leg – Rast auf der Limpurg bei Weilheim/Teck – Foto: Unbekannt
24. August 2010: Testwanderung 3 Wochen im Eichsfeld und an der Werra – Verabschiedung bei ottobock durch Roger Rost – Foto: Unbekannt
Februar 2011: Daniel Vette übergibt dem C-Leg den neuen Ausdauerschaft – fotorojo
16. April 2011: Aktion Bewegung hilft – Prothesenwandertag bei Duderstadt – Foto Unbekannt
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Juni 2012: Aktion Bewegung hilft – mit Alfons im Harz bei Braunlage – Foto: Alfons
11. August 2012: Auf dem Isarkies, kurz vor dem Ziel in München – Foto: Alfons

Dabei durften wir gemeinsam herrliche Unmöglichkeiten wahr machen. So bedeutende Flüsse wie Elbe, Saale, Donau, Pleiße und Nesenbach haben wir, Rhein und Weser fehlen. Zum Beispiel, besonders die Aktion Bewegung hilft. Den Strand der Ostsee verbanden wir mit der Felsenkante der äußeren Alpenhänge! Leipzig, 08-Bh12Seiler-813Tübingen, Berlin und München – diese landschaftlichen Rahmen drücken wenig aus. Die Wurzel bei Gschwend etwas direkter und heftiger. Sie war versteckt unter Laub, glitschig, mit Gefühl verbunden, wir machten uns rückwärts lang auf dem Pfad. Oder der Morastweg bei Oppenweiler, der uns die beste Färbung des Jahres verpasste, zuerst 09-Foto 1bebbig und dann bröckelig; aus der Rückenlage kuckten wir dutzig in die Wipfel und dachten, gehen wir noch? Wir beide unkenntlich verschlammt; „es“ machte trotz der geschluckten Brösel einfach weiter mit. Ohne zu motzen!


Nicht nur gestolpert sind wir, auch lange 10-P1040892ebene Täler ganz normal geduldig gewandert. Über den Staffelstein, den Großen Inselsberg, den Breitenstein, gestiegen und geklettert, abwärts gerutscht und geyieldet, über Bächle und Bikerspuren und um Pfützenseen geschwankt. Grober Schotter war uns nie so recht, um so mehr die Horizontalbäume. Heiß geworden ist ihm beim Abstieg vom Thüringer Wald, die Finger verbrannt hat es mir. Ihr merkt hier schon, richtig viel war das alles!


2011 bekam es von Daniel den jetzigen Ausdauerschaft aufgesetzt. Apothekentütchen bekam es umdekoriert, als die Wolkenbänke heranzogen, keinen Tropfen darf es zutscheln! Mein Schirm reicht nicht gut für Zwei. Also, zum vierten Geburtstag bekam es deshalb von mir einen schicken glänzigen Regenschild gebastelt und gestilt, mit echtem Tesafilm doppelt festgezurrt, doch es hat diesen Schutz einfach zerrupft!

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Nun aber ist seine Zeit bald vorbei, nach knapp 5800 Gelenk-Kilometern, jetzt im Mai oder Juni 2015. Eine vierte TÜV-Kur bekommt es nicht. Wie viele Schritte sind das wohl gewesen? Sozusagen auf Goodwill ist es jetzt noch bei mir. Macht es noch paar Touren mit? Bissle knickrig in der Hydraulik seit dem Herbst, wir müssen halt aufpassen. Na ja, aber es scharrt noch ungeduldig, wenn es meint, ich kuck‘ nicht. Danke für diese Zeit, für diese Geduld mit mir, Partner!

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Die weiteren Bilder:

12. August 2012:
Aktion Bewegung hilft, Begrüßung in München durch Herrn Joachim Seiler, 1. Vorsitzender Sozialverband München, und Dieter Jüptner, Präsident Bundesverband für Menschen mit Arm- und Beinamputation (BMAB) – Foto: Unbekannt
Mai 2013: Unfreiwillige Rastbei Oppenweiler/Murr – fotorojo
Oktober 2014: Stuttgarter Wanderspirale W67, im Windbruch bei Schorndorf/Rems – Foto: Gundula
Juli 2014: …oder einfach unvergessliche Bilder und Momente
Fußmotiv: Rast auf dem Grünen Band (Juni 2012) – Foto: Alfons
(Bei allen Bildern namentlich unbekannter Personen bestehen Genehmigungen zur Veröffentlichung)

Highlight H5 – 3 Tage Gschwend

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Er ist ausgebrochen! Überall ist er grün, weiß und gelb aufgeplatzt und verströmt Blütendünste. Inzwischen leuchten seine frischen Buchenblätter im Gegenlicht. Jetzt aber raus in die Natur und tief durchatmen! Nicht übel, der Frühling, drei Tage hier im Schwäbischen Wald!

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Sonnenmontag
Zu dritt sitzen wir am Frühstückstisch, Hannelore, Konrad und ich. Wir kräftigen uns genüsslich für die erste von einigen kleinen Touren. Am Nachmittag soll es heftig regnen. Also los, wenigstens bis zu Erika und Heinz, Freunde von Konrad. Bissle schwätze, Kaffee trinke! Rückfahrt wird sich regeln.

Bereits am Vorabend, nach meiner Ankunft, führte mich Konrad in seine Lebensweise ein: Wandern und Kontakte zu Freunden halten. Ein Abendspaziergang. Dann standen wir an einer Lichtung. Romantische Höfe. Pferdekoppeln. „Komm, gucke wir kurz bei Manfred und Heiderose rei…“ Eine sehr nette, freundliche und aufgeschlossene Bekanntschaft; sofort wurden wir reingebeten. Ein für mich unerwarteter Abend.

02-P1060707Und heute: Auffällig sind die Buchenblätter. Hellgrün vor dunklen Fichten. 03-P1060723Löwenzähne erobern die Wiesenflächen und Wegraine. Im Wald vereinzelte Heidelbeergesträuche mit rosa Blüten. Verschüchtert kommt die Sonne durch Kondensschwaden.

Grasige Waldwege über die Höhe Hohenohl. Fünf Douglasien an Waldweg, durch Rotenhar und eine Wegserpentine hinauf zum Hohetannen, auf der Frickenhauser Höhe vor Mittelbronn. Heinz kommt zum vereinbarten Parkplatz.

Knabbereien zum Kaffee bei gegenseitigem Kennenlernen. Wir wussten nicht, dass dies eine Rast wird als der erste Teil einer Doppelrast.
Zurück zur Heidschnucken-Mahlzeit. Heinz fährt uns. Hannelore hat das erfrorene Lamm in einer Pfanne schon auf dem Tisch und schaufelt mir ordentlich auf den Teller. Konrads neue Idee: Gehen wir doch zum „Weiterweg“. Doch da kommt der Blick zum Fenster, wo schon längst die Regenströme schauern müssten. Stattdessen Sonne! Das ändert meinen geheimen Faulenzerplan.

04-P1060732Also setzen wir, nach dem Rastteil 2 mit Lamm, unsere Wanderung an anderer Stelle mit einer Wegschleife fort. Am Parkplatz viele Autos. Eine Gruppe von Frauen. Unser Weg macht eine Runde.

05-P1060739Paare von Tafeln zu religiösen Themen, aus bieblischer und daneben aus weltlicher Sicht beschrieben, weisen uns den Weg. Mehrmals schöne Holztore als Begrenzung der Wege auf dem Waldboden, mit Holzhäcksel bestreut. Super, wie man darauf läuft. Alle Wanderwege müssten 06-P1060751so sein. Auch finde ich hier meine Lieblingsbeinbewegung: Tänzeln über Wurzeln!

Am Thema „Der lange Tisch“. Die Frauen aus verschiedenen Sozialstationen kamen aus der 07-P1060765Gegenrichtung und sitzen sich auf diesen langen Bänken bereits einige Zeit gegenüber. Das Treffen mit uns war unvermeidlich. Sie rufen uns eine Einladung zum Hinsetzen und Mitessen zu. „Selbst gekaufter Hefezopf mit Butterbrezeln“! Klar nehmen wir an.

Wie klein die Welt ist! Als ich Stuttgart Ost als Wohnsitz erwähne, nennt eine Frau eine Straße mit Hausnummer von dort, wo sie geboren ist. „Und ich wohne in der 6!“, sage ich. Und diese Begegnung im tiefsten Schwäbischen Waldland!

Auf dem Rückweg das Gegenlicht. Uns wird klar, das Wetter wurde besser; keiner der zugesagten Regenschauer ging nieder. Besonders hier leuchten uns die Buchenblätter entgegen. Zu Hause ist ein gutes Abendbrot gerichtet. Attraktion ist die Pfeffermühle. Oben draufdrücken, unten rauscht’s wie ein Rasenmäher. Und das mit Beleuchtung! Also geeignet als Taschenlampe mit Pfefferriesler für Waldrast auf Nachtwanderungen. Und gelegentlich mit Salzfüllung, ideal zum Streuen bei Glatteis im Dunkeln!

08-P1060786Regendienstag
Kurze Hose, dünne grüne Jacke, Niesel, blaue Rucksackhülle, Schutztüte um das C-Leg-Kniegelenk. Wir ziehen uns dicker an. Westwind, entgegenkommend. Konrad schlägt zuerst das Buchbrünnele vor. Ein Steinmauerbrunnen, zu schmales Becken als Badewanne. Das Bächle rieselt in sein Privattälchen, zugewachsen mit stakeliger Fichtenjugend. Ein Mühlrädle dreht sich in dem schwachen Strahl. „Du muscht hier runter komme, da kriegscht dei Bild am beschte“. Gebückt, Zweige schiebend, Stöcke niedertretend, gelange ich hinunter in die Talkerbe und mache ein Unterholzbild. Langsam wieder hinauf zum Pfad. Aber der Gegenhang rutscht mich vermutlich wieder hinunter, zu steil. Also gehen wir lieber ein Stück zurück durch den Wald. Regen? Nix mehr.

10-P1060795Im Wald ist es annehmbar. Oben, auf den freien Wiesen nach dem Wasserhof, weht es winterlich genug für klamme Finger. Verschämt sind auf den Wiesen die Löwenzahnblüten vor Kälte verschlossen. Jacke 09-P1060790bis zum Reißverschluß-Endpunkt hoch gezogen; ich atme Wärme hinein. Beobachte dabei den Bewuchs der Fahrspur, in der ich steige. Plötzlich der Windschatten des Hagbergturmes, ich schaue hoch, gewaltig steht der dunkle Holzturm schon nah vor mir. Der HW3 geht hier drüber, von Lörrach bis Wertheim. Und Wald, wohin man blickt, in jeder Richtung. Eine Nische am Eingang bietet uns Windschutz und zwei sparsam bemessene Bänke, aber Magenfüllsel haben wir reichlich. Ich schlage mich voll mit Brennmaterial aus Knusperbrot, Wurst, Käse, Tomatenschnitzen und Gurkenscheiben. Gut gepfeffert.

11-P1060800Konrad. Seit etwa 1958 kennen wir uns. Seine Zeit als praktizierender Bäckermeister ist längst vorbei. Er macht es sehr richtig: Gestern meinte er zu mir, das langsame Mitlaufen neben mir sei ein Gewinn für ihn. Jetzt schätze er seine sonstigen Wanderungen eher als „Fluchtmärsche“ ein, er sei bisher einfach zu schnell, um die Natur und Landschaft vollständig auf sich einwirken zu lassen. Er hat wirklich eine ausgeprägte Gabe, genau zu beobachten und sich dafür zu begeistern. Weil er längst regelmäßig wandert, so ale zwei Tage, kann er mir meine gleichen guten Erfahrungen mit viel Bewegung bestätigen. Er ist, Jahrgang 1941, leistungsfähig und gesund. Beneidenswert für viele andere! Hannelore ist eine tolle Unterstützung für ihn. Ihre gute Haushaltsführung in den vielen Räumen der ehemaligen Bäckerei, ihre klare und bestimmte Haltung und ihre gute Küche machen für beide ihren Alltag im Alter lebenswert.

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Auf dem Heimweg sagt Konrad, du, da kriegemer vielleicht en Kaffee! Wo? Ja hier, glei in dem Haus. Ein netter Schwätz mit Heidrun ist die Folge. Kuchen ist nicht da, aber wir noch zwei Scheiben Knusperbrot. Heidrun bekommt von den Brötle und dem Brot noch Knusper-Muster, wir dafür Aprikosenmarmelade zum Schmieren. So tut man sich gute Dinge auf einfache Art. An welcher Ecke trifft Konrad eigentlich keine Bekannten?
Überall „Hallo“ und „Wie geht’s“. Da sieht man, Bäckermeister ist wichtiger als Bürgermeister, höherer Nutzen für alle und Beliebtheit bei allen ist vorprogrammiert.

Durch Wald und über Wiesen zurück am Bach entlang. Der Fisch in der Pfanne wartet bereits ungeduldig. Ihm ist es aber längst gleichgültig, wie gut er schmeckt!

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Kurzmittwoch
Mein einzigster Großzeh meldet sich mit einer Nagelbettentzündung. Was will er jetzt? Ruhe oder Km? Wir entschließen uns zu beidem, also einem Spazierwandergang. Das wird er wohl noch aushalten. Meine Serie der Highlights hat ebenfalls den Sinn, in Bewegung unterwegs zu sein. Natürlich soll der Zeh dabei sein. Aber möglichst auch mal mit Freunden. Nicht jeder kann so einfach zu mir nach Stuttgart kommen wie ich wo anders hin. Und man sieht mal was „Wo-ganz-anderes“, mal wieder Pfaffenhofen, Regensburg, Hamburg oder Leipzig. Kürzere Runden über paar Tage stellen sich dann auf der Karte anders dar als der Drehwurm um Stuttgart. Die heutige Route habe ich leider nur im zweiten Teil abgebildet. Aber man sieht, diese drei Tage ermöglichen ein gutes Kennenlernen einer schönen Gegend.

Das heutige Wetter ist ideal. Der Zeh macht keinen Mucks und wird vergessen. Im Altenpflegeheim besuchen wir Walter, der nach Herzproblemen wieder auf die Beine kommen will. Wirklich WILL! Vier Monate ist er jünger als ich. Er wird’s wohl auch schaffen.

Vor uns der Wiesenhang, von dem oben die Drachenflieger starten. Wie ein Magnet wirkt er auf mich. Gerade hatte ich erst gemeint, dass ich bei kleinen Runden bis 5 km immer müde und lauffaul bin, was mir bei 15-km-Planung nie passiert. Der Hang wird mein Ziel und die Stimmung deutlich besser.

14-P1060839Konrad bitte ich, von der seitlichen Waldbegrenzung der Wiesenfläche Bilder zu schießen, um die Steigung deutlich zu machen. Irgendwie habe ich es unklar erklärt, fremde Camera, es klappt nicht. Also schieße ich von hier aus wackligem Stand ein Bild hinüber.

Nach der Straßenüberquerung erst schalte ich die Aufzeichnung ein und wir steigen wir einen Holzabfuhrweg hinunter. Da hier kein vernünftiger Typ rumzusteigen pflegt, liegt die Holzernte samt sämtlichen Größenordnungen von Ästen wild über den Weg verstreut. Genau der richtige Parcours für uns, um den Tag an Wert noch mehr steigen zu lassen.

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Der Heimweg bietet uns den ersten Flieder, schöne Gärten und bei mir einen ausgewachsenen „Dampf vom Kohl“. Der Hunger wird schnell gestillt. Die letzten Lücken zwischen den Nudeln und den Hackfleischkrümeln füllen sich aus mit Schmelzwasser des leckeren Vanille-Karamell-Eisberges.

Drei ungewöhnliche Tage mit den beiden Müllers sind vorbei und prall ausgefüllt mit schönen Erinnerungen. Danke euch beiden für den schönen Aufenthalt!

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3 Tage Highlight 5: 23,2 km
Km Highlight gesamt: 171,9

Highlight H3.5 – neckarabwärts – von Lauffen bis Heilbronn-Sontheim

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Während der Fahrt nach Lauffen werde ich unvermutet fündig. Die obere Rucksacktasche auf. Ein Osterei! Und das noch am Osterdonnerstag? Hmmm! Marzipan mit kandierter Ananas. 08-P1100202Geschmack hat nichts mit Ostern zu tun.

FotoDas Zementwerk hat sich am rechten Ufer breitgemacht. Nicht einmal an einen Pfad für Neckarwanderer wurde gedacht. Neue Suche, hin und her. Der Weg durch die alte Stadt, die Heilbronner Straße hinauf, würde mich zum Verkehrsteilnehmer auf der B27 machen. Um keine Staumeldungen zu verursachen gehe ich zurück, über den Kirchberg, zur Bahnlinie. An einer Bank bleibe ich erst noch hängen.

Nun sind bald zwei Stunden vorbei. Immer noch Lauffen, aber schon Hunger. Ich erinnere ich mich an das vorhin gekaufte frische Brot. Es ist knusprig. So mag ich es. Den Beginn breche ich ab. Die Randstücke heißen bei uns in Leipzig ganz speziell! Früher klang das so bei uns: „Mama, grieschischn Ränftschn?“

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Die Bahnlinie verbiegt sich in eine weite Linkskurve von fast 180 Grad. Mein iPhone-Ladekabel spinnt, piepst mich an, ich stelle auf Flugmodus, wodurch die Strecke in sturer gerader Linie aufgezeichnet wird, als wäre ich über die 5-P1060685Felder gelaufen. Ich behalte aber trotzdem den gekrümmten Wegkontakt neben den Gleisen. Am Beginn dieses ebenen Bogens wird der Weg holpriger, später grasig. Von den Feldern am linken Hang sammelt sich manchmal das Wasser hier zwischen den Grasbüscheln und macht die ansonsten festgetretene Erde zu rotbrauner Pampe.

Am Außenbogen der anderen Talseite steigen senkrechte Felsen hinauf bis zu bewachsenen Steilschrägen und zur Bundesstraße. Vor mir beginnen sich allmählich Mulden von den Höhen herabzusenken. Der Beginn einer anderen Landschaft, die sich im Norden bereits in blauem Dunst zeigt. Ich merke, das 3-P1060680Kabel lädt trotz Protestes auf; ich schalte den Flugmodus wieder aus.

Da vorn eine Hütte. Zwei weiße Gartenstühle mit Tisch, aber im Schatten. Um die Hausecke scheint noch die Sonne auf Biertisch und -bank, das ist genau richtig zum Rasten.

4-P1060684Immer höher steigt der Weg in die Hügel hinauf, teilweise schön steinig oder grasig, hinein in die Weinberge bei Nordheim. Unterhalb des Steilhanges hat neben der Bahn kein Pfad mehr Platz. Durch diese Wildnis bekomme ich einmal den Blick hinunter zum Neckar. Niemand, nicht einmal mit Sportprothese, könnte hier hinunter abkürzen.

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Hinter dem Nordheimer Bahnhof gibt es nur noch Radwege. Vom Neckarsteg aus verbindet der Neckar die sich spiegelnden Blautöne des Himmels mit den anderen Frühlingsfarben am Ufer zu einem ausgewogenen Bild. Die abendliche Sonne, jetzt zwischen 17 und 19 Uhr, wärmt immer noch, aber einige kühle Lüfte wehen umher. In Sontheim brauche ich nicht lange auf den Bus zu warten.

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Km heute: 12,8
Km Highlights gesamt: 148,7
Km/h für H3.5: 1,71

Roland Zahn
0163 4895 613

H 3.4 neckarabwärts – von Kirchheim bis Lauffen

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Fenster auf, Osterwetterkontrolltest! Frisch, aber genehmigt. Hinter dem östlichen Dachfirst noch versteckt ist die Sonne am Klettern. Unten, im schattigen Garten, stakt einer mit einer Tüte herum. Vorsichtig inmitten einer breitflächigen Primelpracht. Er 08-P1100202greift in die Tüte, dann in Verstecke der Büsche und hinter Blumentöpfe. Aha, der Osterhasenvertreter!

An meiner Bushaltestelle kommt mir das Morgenlicht entgegen. Diese sonst so verkehrsreiche Straße macht einen ungewohnten Eindruck. Gleich wird mein Bus heraufkommen.

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Immer noch: Unten kühl, oben blau. Die Weiden am Neckarufer bei Kirchheim zaubern mit ihren Miniblättchen hellgrüne Schimmer in die Tallandschaft. Blaue und rötliche Kissenblüten lassen sich gemütlich und völlig entspannt über die Ränder alter Mauern hängen.

03-P1060559Am Beginn der Neckarschleife stehen blaue Bänke vor gelben Büschen. Perfekt besonnt. Ein Angebot, das ich jetzt nicht ausschlagen möchte. Denn die konzentrierte Wärmezufuhr ist nötig. Vorhin schon angelte ich mein Reservehandtuch aus den Rucksacktiefen 04-P1060555hervor und stopfte es gefaltet über die Reling meines T-Shirts. Denn der heutige Ostwind kommt aggressiv direkt aus Putins Gefriertruhe.Die Krümel von meinem Ostermohnkrümelstreusel-kuchen pustet er aber nicht runter.

„Guten Morgen!“ Ich drehe mich rum. Doch der Mann samt Westi steht vorn im Gegenlicht. Er erzählt mir von seinen Knieprothesen, den verloren gegangenen Knorpeln, den Schmerzen an den restlichen. Ich sage ihm, wie ich das bisher verhindert habe, um schmerzfrei zu laufen. Er ist gewohnt, trotzdem täglich dreimal mit Hund den Neckar zu besuchen, so knapp 4 km. Hunde auf Rezept, Vorschlag an die Kks.

05-P1060579Beim Sitzen wird’s zu kühl. Weiter auf dem Uferradweg, nach Lauffen laufen! Als der Fahrweg nach links abkürzt, bringt 06-P1060581mich ein gewundener Pfad geradewegs in die Wildnis. Wie es sich gehört ist hier alles waldgemäß „aufgeräumt“. Jedes Stöckchen, ob Stamm oder Zweig, legt oder knickt sich zurecht, wie es ihm gerade passt. Die paar Bäume sind schnell überstiegen. Ein zehn Meter breiter Waldstreifen zwängt sich wie ein Damm zwischen zwei Seen hindurch.

08-P1060599Gute Bildmotive, jede Menge, gerade hier von der kurzen Halbinsel aus. Als ich den Pfad zurück gehe, entdecke ich rechts zwei Schwäne im Wald. Ein großes Nest. Einer sitzt drin, der andere watschelt umher, beide zupfen konzentriert an Zweigen oder Blättern. Vermutlich noch als Baumaßnahmen. Sicher haben sie mich vorhin bereits bemerkt. Aber kleinere Besucherscharen wie ich sind offenbar uninteressant.

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Ja, der Pfad führt weiter zum Ufer, fußbreit. Zwei Flossenjäger! sSoll ich nach einem Neckarhecht fragen? Ich erkundige mich lieber nochmal nach der Durchlässigkeit des Waldes. Ja, der Pfad wird dort vorn nach links zum Weg 09-P1060602abbiegen. Dann stehe ich direkt gegenüber des Kernkraftwerkes Neckarwestheim. Geballte Betonmassen in drei Halbkugeln, wie aus der Puddingform. Ein ständiges Rauschen dringt herüber. Es ist eigenartig unheimlich, wenn man bedenkt, was 10-P1060611solche Dinger und diese ganze kluge Technologie schon weltweit angerichtet haben und uns mit ziemlicher Sicherheit noch weiterhin zumuten werden.

Sicherheit gibt es immer, wie man sie sich auslegt. Gern gehe ich weiter, stocke jedoch an einem Baum, der sich unüberschwingbar quer zwischen dornige Undurchdringlichkeiten gelegt hat. Auch ich muss umkehren!

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Bald sind die Felder erreicht. Der Uferweg, jetzt wieder nördlich. Orange, Gelb, grünlich, noch pastellen durchscheinende Farbtupfer der Uferbäume vor dem gegenüberliegenden Felsenhang, der dunkel im Wolkenschatten aufsteigt. Größere Wolkenbänke sind jetzt auf Reisen, nach Südfrankreich, schätze ich.

Lauffen taucht auf. Noch durch einen Wald, durch Rebenfelder mit hässlichen Rebenstangen, schon im Ort noch über 125 Stufen klettern, um im Bahnhof um eine Minute den Zug zu verpassen – der soeben ausgefallen ist.

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Km heute: 10,5
Km der Highlights gesamt: 135,9
Km/h H 3.4: 1,89

Highlight H4, Oberallgäu: Wilhams bis Weitnau

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Ostermontag mit Familie und Suchwanderung im Schnee – klingt das gut? Eine geführte Eiersuche für viele Familien mit Kindern. Die Familie meiner Tochter befindet sich im Urlaub in Martinszell.

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08-P1100202Diese Menge von über 50 Teilnehmern und die ergiebigen Schneereste hatte ich nicht erwartet. Dass ich Ostern im Schnee wandern kann, einfach klasse! Carola, Jörg und Pauline, meine zweite Enkelin, marschieren schon mal los.

Während des Wanderns gehen den „Osterhasen“ immer wieder Ostereier „verloren“, um gefunden zu werden, ohne suchen zu müssen. Kaum steigen wir hinab ins erste Tal, überfällt uns ein dichtes Schneetreiben. Kamera in den Rucksack, Handschuhe an! Im Nu bin ich Schlusslicht, der beste Platz in der Reihe!

3-P1060636Der Weg ist noch breit, steinig, die letzten vor mir sehe ich eilig im Wald verschwinden. Bald wird Jörg auftauchen, um das Auto zum Ziel zu fahren. Das tut er auch, zeitlich genau richtig, denn den Pfad nach links hätte ich nicht beachtet. Jörg führt mich noch zu unseren beiden anderen, bevor er umkehrt.

Jetzt wird’s interessant! Linker Hand murmelt der Bach, schmaler geneigter Pfad, von über hundert Füßen vor mir frisch zu Eis getreten. Ausweichen in holprigen Schnee. Im Wald wird dreimal die Bachseite gewechselt. Die Stege darüber bestehen aus zwei Planken, 4-P1060640maximal 40 cm breit, beschneit und ebenfalls vollflächig eisig. An einer Seite ein Holzgeländer. Wieder wartet der Bach auf uns – umsonst. Dem schmalen Weg folgen wir aufwärts.

Immer wieder findet Pauline unerwartet ein großes Ei, schön 5-P1060643golden umhüllt, alle von der gleichen Sorte, keiner konnte sie vorher finden! Leichter wird es für mich auf dem holprigen Fahrweg, immer noch ansteigend. Eine Fahrspur ist zumeist schneefrei. Große runde Steine ragen gelegentlich aus dem Boden heraus. Und einmal finde sogar ich drei blinkendgrün umhüllte Leckereien, seitlich im Schnee.

Am Abstieg kommt uns Jörg entgegen. Wir genießen die Blicke ins Weitnauer Tal. Die große Gruppe der Vorausgestürmten ist immer noch hier in der Gaststätte und genießt die Warterei, bis ihr Bus fährt. Nun sind sie so durch den Wald gejagt, haben zwar Eiersuche gespielt, dabei aber kaum etwas von der herrlichen Gegend wahrnehmen können. Wir hatten es in aller Ruhe und stressfrei.

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Ein gemütlicher Nachmittag in der Ferienwohnung mit spontaner Suppe, frisch gebackenen Brötle, Musik, Videos, viel Gekicher, Ballspiel und Blödsinn folgt der Frischlufttour. Wiederholtes Schneetreiben vor dem Fenster. Jörg bringt mich rechtzeitig zum Bahnhof.

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Vom Zugfenster aus erlebe ich einen gelungenen Sonnenuntergang. Die nächste Schneewolke fürs Oberallgäu nähert sich bereits.

Km heute: 4,6
Km Highlights gesamt: 140,5

Zwischentraining Kräherwald

 

Botnanger Sattel – Weg in halber Höhe zwischen der Straße und dem Feuerbacher Tal – Feuerbacher Heide – Killesberg Stadtbahn U5: 6,1 km – 2,23 km/h

Manches kommt manchmal zusammen. Die letzten Wochen brachten zu wenig Bewegung. Um die Kondition wieder auf den gewohnten Stand zu bringen, will ich heute etwa 5 km laufen, in der Nähe der Verkehrsmittel. Gereinigte Luft und Sonne nach Stürmen und Regen. Der Wald ist dabei, die Knospen nach Vorschrift zu öffnen. Ich komme mir sehr langsam vor, doch ich erreiche die üblichen Zahlen. Die nächste Tour sollte dann etwa 8 km kurz werden. Immer wieder merkt man, wie schnell man nachlässt. Aber auch der Aufbau geht flott, wenn man systematisch rangeht.

MEHR Bewegung hilft

Nicht immer ist WENIGER mehr!

Wie kommt es, dass ich mich 2015 mit 78 besser fühle als in 1997? Dass ich unternehmungslustiger, widerstands- und leistungsfähiger wurde? Trotz Sepsis, Koma, Beinstumpf, Rolli und Rente?

Obwohl ich 2006 mit einer Oberschenkelamputation erwachte, nach 16 Klinikmonaten verschwindender Haut, Muskeln und Knochen, 70-jährig – und bereits vor fast 20 Jahren oft antriebslos, ideenarm, müde und schlapp, ständig nach Stühlen suchend.

Seit 2007 wanderte dieses Wrack mit Prothese aber bereits genüsslich auf langen Tagesmärschen, über Stock und Stein, quer durch Deutschland, bisher mehr als 7000 Kilometer. Mit nie vermuteter Lebensqualität, guter Stabilität, immer gut drauf und völlig verwandelt.

1-P1020755Wie geht das?

Jüngere als ich, allerdings mit zwei Beinen, sehe ich schleichen und humpeln. Keiner will, dass es ihm so geht! Dabei wäre bessere Fitness manchmal so einfach erreichbar.

Meinen Berichte stecken voller Eigenerfahrungen dazu. Genaueres verrate ich aber ebenfalls gerne. Also die Einzelheiten, was ich geändert, weggelassen und kombiniert habe. Eben, was gewirkt hat.

Es geht dabei um Bewegung, körperliche und geistige, aber MEHR, als vielleicht bisher üblich. Um die Einheit von Input und Output.

Auf Fragen SOFORT Antworten zu bekommen funktioniert nicht gut per Mail. Deshalb bekommst du gern meinen Rückruf. Es kostet uns nur die Zeit am Telefon.
Vorsorge zahlt sich aus.

Roland 

(Bild oben: Titelmotiv meiner Vorträge)

Highlight H3.3 – Großingersheim bis Besigheim

01-P1060507Dritte Verschiebung der Wanderspirale. Heute Störungen im Betriebsablauf, 15 Minuten Verspätung. Busanschluß klappt nicht. Heute also wieder die Neckaralternative. S-Bahn auch 08-P1100202verspätet. Abmarsch 8 Uhr.

Inzwischen sitze ich schon wieder, weil sich der Liner wieder zu sehr von der Erdanziehungskraft beeindrucken lässt. Erst ein Km nach dem Start. Der „Sitz“ ist ein Betonblock neben einer Scheune unterhalb des Römerhofes. Auch ziehe ich hier die kurze Hose an wegen der linden Lüfte. Am Prothesenfuß ändere ich die Höhe am Vorfuß. Visitenkarten vorn in die Socke. Es hilft wenig, das Knie gibt weiter wenig Halt.

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03-P1060478Neckarabwärts, linksseitig. Unterhalb des Schlosses Kleiningersheim entlang, Wiesenwege am Wasser, rechtsseitig poltert das Schotterwerk vor sich hin und zu mir herüber, aber bald ist wieder Ruhe.

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Ein Pfad im Wald, gegenüber Mundelsheim. Zwei Frauen wandern mir entgegen, ich lass mal wieder ein Bild machen. Ein Ehepaar kommt ebenfalls daher, wandert auch regelmäßig. Wild geht’s hier zu. Unter Baumstämmen durchklettern, über die schlammige Nässe eines kleinen Baches klettern, die Kröten nicht erschrecken, vorbei an Cillablüten, Stützpunkte zum Absichern suchen, wo der schmale Weg fast zu schräg abgetreten ist, und die störrigen 07-P1060495Buschzweige mir in den Weg ragen. Denn vier Meter tiefer, aber nur ein bis zwei Meter weiter rechts, schaukeln schon die Uferwellen um harte Steinbrocken. Einmal muss ich mich an fingerdicken Stängeln festhalten, nur so zur Sicherheit. Ja, im Walde wachsen halt keine anderen Geländer!

Die schräge Prallhang-Wildnis des Naturschutzgebietes wird abgelöst, wie kann’s anders sein, von Weinbau. Der erste Zitronenfalter beflattert den warmen Uferweg. Auf einer blauen Bank am Schreyerhof gibt’s was Gutes und verdiente Pause. Ein Pfauenauge beobachtet mich beim Kauen. Ob er wohl Erdnüsse mag?

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Ich merke am Display, dass vorhin die Wegaufzeichnung ausgesetzt hatte. Doch das messe ich nachher genau nach an den eingetragenen Karten-Wanderrouten, genau so, wie auch an den eigenen Aufzeichnungen vorher und danach. Man sieht auf dem Kartenbild das Teilstück und seine Länge. Die roten Linien sind meine Wege.

 

Dort vorn wird eine flacher Ebene umflossen, hier noch nördlich, gleich wieder südlich, und wieder nach Norden und noch einmal. Als wolle der Neckar diese Gegend richtig auskosten. Eine der stillsten und schönsten Teile des mittleren Neckars zwischen Horb und Gundelsheim. Geradezu DAS Highlight, meine heutige Route!

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Ich umlaufe diesen Landfinger. Wer hat hier schon was verloren. Angler, Hundespazierer, Gärtlebesitzer, Landwirtschaftler, Wanderschaftler, Prothesenschaftler. Nichts für Leute, die abkürzen wollen. Ein schöner Umweg! Hier scheint sogar wieder die Erdanziehungskraft besonders zuzunehmen. Denn schon wieder gerät der Liner vertikal in Bewegung. Nicht sehr hilfreich! Nicht mehr Luxusliner!

Auf die andere Seite nüber, durch Hessigheim. Über die Radfahrerbrücke wieder rüber. Bei dem Anglerheim steht auf der zugänglichen Veranda ein 11-P1060516schmales Bänkle für mich bereit, ein Holztisch dahinter. Vor dem Neckar ist für die Angler noch ein See vorhanden. Auf dem Fahrweg ist inzwischen Betrieb. Viele Leute genießen jetzt diesen Nachmittag. Mich begeistern immer wieder die wie abgeschliffen wirkenden steilen Hänge mit den vielen Mauern des ruhig neben mir fließenden Landschaftsgestalters.

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10-P1060511Besigheim steht im Gegenlicht vor mir. Schneller als erwartet bin ich näher gekommen. Ich übersteige noch den Bergsporn, auf dem die alte Stadt steht. Auf der Neckarbrücke entdecke ich meinen rechten Fuß in der Abendsonne.

Km heute: 13,7     Km gesamt: 125,4     Km/h: 2,21

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Highlight H3.2 – Unteres Neckartal – Marbach bis Pleidelsheim

08-P1100202Ilsfeld ist samstagvormittags nur zu erreichen, wenn man schon freitags startet. Also wieder eine Spiralverschiebung.

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Die Neckarwege zwischen Marbach und Wendlingen habe ich bisher seit dem ersten Prothesenwandertag gelegentlich belaufen. Heute also ab Marbach abwärts. Wetter: Kühl, aber gut. Kaum geht es hinunter, spüre ich das Rutschen des Liners; die Prothese wird länger. Unter dem Steg ziehe ich Liner und Schaft neu an, trinke etwas und gehe dann am Uferweg weiter. In der Innenkurve beginnt ein Damm, bis zur Benninger Brücke. Von hier aus sehe ich am Hang gegenüber einen Weg durch den Weinberg ansteigen. Hinüber, hinauf.

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05-P1060423Es scheint, als sei die Hochnebeldecke am Schwächeln. Garantiert,unmittelbar an der Oberkante wird es himmelblau! Aber wozu brauche ich Sonne zum Fotografieren, wenn mir solche Motive geboten werden. Die Bewegung der Wellen. Weinstöcke in der Tanzschule und einen Baum, der einen Saurier imitiert. Und oben, als das gebrochene Licht bereits kräftiger durchdringt, eine Stimmung über den Gärten und Mäuerchen, über dem ganzen Tal, die es eben bei vollem Licht nicht geben kann.

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06-P1060429Kurz vor dem Wald will ich abbiegen, um ein Stück auf halber Höhe zu gehen. Da blinkt mich durch die Hecke ein weißer Gartenstuhl an, unbesetzt, neben einer Feuerstelle mit abgesägten Stammstücken zum Sitzen. Der Stuhl verwandelt sich beim Näherkommen in ein Gartensofa, allerdings noch ungepolstert. Aber ich bin jetzt nicht überzimperlich und drücke mal ein Auge zu und den Po in die weichen Kissen meiner Phantasie.

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Einige Scheinübungen der Sonne, ohne dabei zuviel Wärme zu verschwenden, sind als helle Flecken zu beobachten. Gut abgefüllt und mit leicht erleichtertem Rucksack wandert es sich nicht schwieriger. Auch geht’s von nun an bergab. Bis zur Freiberger Brücke heißt der Neckarweg „Krautlose“. Der Hochnebel ist inzwischen wieder eine dicke kühle Wolkenpampe.

Die lange, gebogene Insel gibt es wegen des Neckarkanals. Während der „Altneckar“ um zwei Ecken fließt, kürzt der höher liegende Kanal die Talschleife ab. Eine weite Fläche mit Feldwegen für die vielen Freiberger oder Gemmrigheimer Hundehalter. Die Jacke muss gut geschlossen bleiben. Der Ostwind konnte sich heute für nichts erwärmen. So wird meine Wiesenrast eine zugige Sache. Also flott weiter. Die Wettervorhersage gestern schien besser als die Sonne heute.

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Am alten Neckar wuchern riesige Brombeerheckengebirge, hoch, tief, breit, igelig. Nur an einer Stelle komme 1-P1060450ich zum Uferrand. Alles sieht wild aus und nach Hochwasserspuren. Weiter zum Baggersee im Naturschutzgebiet „Pleidelsheimer Wiesental“. Dort wurde etwas Wunderbares erreicht. Gegen die Pläne des Zuschüttens von See und Altneckar, gegen einen weiteren Kanal sowie gegen ein riesiges Brückenbauwerk.

1-P1060455Jetzt leben und brüten dort, fern vom Lärm in relativer Einsamkeit, auf hohen Bäumen, einer schmalen Insel, z. B. Enten, Reiher und Kormorane (siehe auch Bilderkiste).

Km heute: 12,5
Km Highlights gesamt: 111,7

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Highlight H3.1 Neckarabwärts ab Marbach

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Hbf.: Bahnstart zur Spiralwanderung S7: „7:02 Osterburken Zug fällt heute aus“ Mein Umsteigen zum Bus wäre in Kirchheim/Neckar. Bahnauskunft: „Mit der S-Bahn 5 bis Bietigheim, die geht in fünf Minuten, dort kriegen Sie den Zug!“.

Doch dort ist er vor zwei Minuten abgefahren! Klasse, die Bahn! Ab jetzt wäre Ilsfeld erst mittags erreichbar. Was tun? Nur den halben Weg laufen und danach Taxi in die Pampa bestellen? Nun sitze ich halbbequem auf Bruchholz, 06-P1060354direkt am Ufer der Enz. Die Sonne wird inzwischen halbverschleiert, die Temperatur ist aber schon erträglich gegenüber der frostigen Hände, vorhin in den Morgenschatten.

08-P1100202Ich dachte mir, jetzt bin ich bereits am richtigen Ort für den Start eines halb geplanten, mehrteiligen Highlights. Einfach mal den Neckar runter bis… -Jetzt bin ich zwar bis Besigheim an der Enz, aber dorthin auch von Marbach aus zu kommen, kein Problem und besonders schön! Probieren!

05-P1060349Kurz entschlossen ist halb verdrossen! Doch noch fließen fast zehn Kilometer Enz vor mir her, bevor sie sich mit dem Neckar zusammentut. Zuerst durch die Parkanlage mit Blick auf Bissingen, ab dort ein Stück auf der Spirallinie 04-P1060348meiner fünften Runde in Bietigheim entlang, dann links ab auf diese große Talaue, zu Füßen der letzten Häuser und der Weinberge dort hinten, über nasse, kurzgestutzte Wiesen.

Aber vorhin, mein Start. Ein kurzer Abstieg zum Tal. Wie in eine Kühlkammer! Drüben, hinter der Enz, bestahlte die Sonne die Wiesen vor Bissingen. Hier ist links der kühle Fluss und rechts die schattigen senkrechten 02-P1060334Talwände. Ein kurzer geologischer Pfad über die Schichtstufenlandschaft Baden-Württembergs. Da sehe ich auf der Karte die Gründe, warum es an den Keuperhängen und unter dem Albtrauf so garantiert rutscht.

03-P1060342Und etwa hier, kurz vor dem imposanten Viadukt der Bahnlinie nach Karlsruhe, da konnte ich den nächsten Tausenderschritt meiner Wanderprothesen verbuchen in meiner Sammlung. Sieben solcher Schritte 07-P1060364sind getan, sind da auch zehn möglich? Probieren!

 

Jetzt weiter, der Bahnlinie und der Enz entlang, schön dazwischen. Wald und offene Flächen wechseln. Die steilen Weinbergterrassen haben gemeine Stufen, prothetisch gesehen. Noch ist nichts Grünes drin im Gelände. Die gekappten Weidenstümpfe am Ufer treiben längst mächtig lange, orangene Ruten nach oben und gehören zu 08-P1060383den ersten frühlingshaften Farbgestaltern der Landschaft. Aber dass es auch Weiden-Kindergärten gibt, wusste ich bisher noch nicht.

09-P1060372Besigheim ist bereits in Sicht. Eindrucksvoll, diese alte Stadtkulisse. Ebenso meine Schuhe seit vorhin. Da bin ich durch einen feinkrümeligen Maulwurfshügel auf dem Wiesenweg geschoben. Wandereroutfit! Die Mooskissenreinigung vorhin hatte wenig Erfolg. Die zweite Rast ist mittelunbequem. Die untersten Steinstufen so einer Weinberg-„Himmelsleiter“.

11-P1060391Besigheim, malerisch und intelligent zwischen Enz und Neckar aufgebaut.
Die Bebauung ist schräg und steil über die beiden Hänge gezogen. Die Front des Rathauses geht über in eine ungewöhnlich hohe Mauer. So wird der steile Enzhang in voller Höhe genutzt. Die obere Brüstung und die Stufen an dieser Wand vermitteln interessante Ausblicke. Schade, dass im Moment die Sonne zugedeckt ist. Einige Bilder von Besigheim stelle ich in die neue Seite Bilderkiste: Wenn sich gute Bildmotive eines Ortes zu sehr „drängeln“, sind sie ein Fall für die Bilderkiste. Dann belasten sie nicht den Bericht.

12-P1060398Bei der 6. Spiralrunden-Querung bin ich bei der Enzmündung. Deutlich erkennt man das unterschiedliche Wasser. Hinter Walheim, finde ich endlich eine hochurgemütliche Rastgelegenheit. Gleich darauf kann ich rechts unter 13-P1060400den Gleisen durch. Von meiner Bank aus bemerke ich eine Gestalt, die unbeweglich den Wegeweiser spielt. „Da geht’s lang!“. Der Himmel ist längst zugegraut, die Lüfte angekühlt, der Weg aber schon weit abgewandert.

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Ein Tag mit Änderungen. Zuerst fiel der Zug nach Kirchheim aus, dann fuhr er mir als Zugabe weg, na, dann lauf‘ ich eben hin, nach Kirchheim! Und die Entfernung hat ja auch gepasst. Die dadurch ebenfalls verpasste Spiraltour ist das nächstemal sicher unverpasst – fahrplanmäßig!

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Km H3.1 heute: 14,1/Km/h 2,29
Km Highlights gesamt: 99,2

Spirale S6 – Fortsetzung – Bönnigheim bis Ilsfeld

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Noch ist es morgens beim Start gut, die Jacke zu schließen. Nachher wird sie mir zu viel sein, bei ungewohnten 13 Grad. Wetter vom Zug aus: super!

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      Bönnigheim, Haltestelle Burgermühle, die Fortsetzung des verkorksten Versuches am 20. Februar, als mich die Entzündung wieder zurück zwang. Inzwischen ist alles wieder ok. Der Weg geht weiter nach Osten. Eine alte Allee, mit dicken Stämmen begrenzt, führt auf der Höhe neben dem Wiesental direkt zum Schloss Hohenstein. Sieht gut aus, wenn man von hier herankommt. Doch von unten sieht man die massigen Neubauten, direkt daneben. Meine Diagnose: Geschmacksverkümmerung!

Noch vor Kirchheim/Neckar mache ich kurze Rast. Mühsam kommt ein alter Mann näher. Er lehnt sich an die Rückseite der Bank. 91 Jahre alt ist er und leidet unter Makuladegeneration. Aber er möchte trotzdem noch lange nicht auf die kurzen Ausflüge verzichten. Er sagt, nicht mal die Gesichter der Gesprächspartner könne er mehr erkennen.

4-P1060302Nach der Neckarbrücke biege ich ab in die nördlichen Weinbergwege. Die Wärme setzt ein. Meine erste Entkleidungsübung des Jahres wird erprobt. Die äußere Jacke.

5-P1060307Ich finde einen Weg hinunter zur nächsten Neckarschleife, um den Uferpfad zu verfolgen. Ein sehr steiler Waldpfad, abbrechende Holzstützen einfacher Stufen. Überall sprießen kräftige Blätter durch das welke Vorjahreslaub. Unten am 6-P1060311Neckar nur ein Trampelpfad. Die Anlagen des Kraftwerkes Neckarwestheim sind bis an das Ufer gebaut. Dicke Betonpfeiler sind in den Wanderweg gerammt. Eine Sprechanlage. Also. ich möchte hier nicht klingeln, sonst verlangen die noch Autobahnmaut von mir. Den steilen Hang lerne ich nun auch aufwärts noch einmal kennen.

An einem Kartoffelhof finde ich drei gestapelte Autoreifen. Ein unterhaltsamer Wackelsitz. Wackeln beeinflusst nicht den Geschmack oder wäre hungerreduzierend. Es gibt wieder mal Sardinen. Vom Öl gieße ich etwas raus, für die Bodenbakterchen. Ein grau-schwarz melierter Hund schleicht erwartungsvoll, aber in vorsichtigem Abstand, vor mir herum. Ich weiß, er hat gewisse wurstförmige Gedanken. Dann schleckt er eben das Öl auf. Pfui Appetiet!

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Neckarwestheim liegt am Hang. Endlich bin ich durch und oben. An der Wegkreuzung öffnet sich der Blick zu den nächsten Höhen. Eine Frau mit Hund bestätigt mir den Bewegungsvorteil durch den Vierbeiner. Auch dass sie diese Aktivität künftig ohne ihn weitermachen würde.

Nebenbei steht Tisch und Bank. Das Müsli will ich nicht wieder zurück transportieren. Mit Aussicht schmeckts zwar nicht besser als es dies schon tut, aber man kann es sich ja genusssteigernd einbilden. Jetzt dürften’s noch vier Kilometer sein, bis Ilsfeld. Etwas kühl weht mir hier oben der Wind in den Rücken und die dünne Wolkenschicht lässt nur noch wenig Sonnenstrahlung durch.

9-P10603268-P1060321Eine malerische Senke, ganz hinten kuckt die Kuppe des Wunnensteins recht neugierig über den Wald. Hohe Pappeln stehen am Bachlauf, ein Reiter genießt die Landschaft ebenso wie ich, mal trippelnd, mal Galopp, nur mit einem enorm größeren Radius. Wenig später sehe ich ihn schon ganz hinten am Waldrand. Der blaue Himmel im Osten ist jetzt hier und es wird mir nochmal richtig eingeheizt, mit Unterstützung der letzten Steigung.

 

Nach dieser Höhe gehe ich hinunter zum Bus. Der11-P1210896 nach Kirchheim fährt heute nicht. Mit Glück erreiche ich den einzigen, der mich hier noch entführen kann. Nach Heilbronn, die Gegenrichtung! Doch egal, alle Züge fahren nach Stuttgart!

Km des Versuches am 29.2.15: 1,00
Km heute: 15,2
Km S6 gesamt: 16,2
Km Spirale 15 gesamt: 81,7
Km Prothesenwanderungen seit 3.10.2007 gesamt: 6998,1

H2.2 – Vom Osten nach Marbach

08-P1100202Heute, am 25.2.15, bin ich unterwegs für Ausdauer und flüssiges Laufen auf ebenen Wegen am Neckar entlang, wirklich flüssig wie der Neckar selbst. Wichtig dafür finde ich das sehr gute Abrollen des Prothesenfußes. Wäre ich schneller, könnte ich den Tag anders planen!

Dieser Marsch ist der letzte der Testläufe mit dem LiNX System. Am Freitag werden die Prothesen wieder getauscht. Eine erhöhte Schnelligkeit hat sich während der vergangenen Touren schon angedeutet. Heute will ich es genauer wissen, nicht nur auf kurzen Strecken, sondern auch über eine gesamte Tageslänge.

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Zu Hause, hier im Osten Stuttgarts, ist noch alles dunkel. Verhaltenes Schnarchen hinter den schwarzen Scheiben. 5:54 Uhr beginnt ein langer Tag. Wo muss ich heute abbrechen? Wenn nicht, erreiche ich mein vielleicht zu hoch gestecktes Ziel, den Marbacher Bahnhof.

Nicht leicht ist es im Park der Villa Berg. Dunkle Wege, die Schritte tasten nach unten zu den Berger Bädern. Im leichten Dämmern noch den Rosensteinhügel überlaufen. Bei der Wilhelma wird es langsam hell.

Alles habe ich genau geplant. Essen, Pausen, Extrastopps zum Trinken, aber nicht das Drehen der Prothese. Siebenmal muss ich das heute richten.

01-P1060281Bei Münster die erste Rast. Weiter auf dem westlichen Neckardamm. Dann die erste große Flußschleife. Die Steilhänge unterhalb von Mönchberg. Die zweite Rast bei der Landungsbrücke Fellbach. 12 km bisher. Kaum dort gestartet beginnt die Entzündung mit den ersten Andeutungen von Unmut.

03-P1060283Den Schaft ziehe ich hier so an, das die Kante irgendwie daran vorbeidrückt. Nach 100 Metern spüre ich nix mehr. Mal sehen. Bei der Endstation Remseck der U14 ist die Hälfte erreicht, 15,7 km. Kaum weiter, fängt der Druck wieder an. Irgendwie drücke und drehe ich es wieder zurecht. Nach der Rast 3 bei Hochberg beginnt ein langes Teilstück, etwa 7 km, doch sehr schön ist der Weg im nächsten Neckarbogen. Das streckt sich jetzt schon ordentlich. Trotzdem, meine Rastpausen bleiben alle unter 20 und die Trinkstopps unter 10 Minuten.

Was kann passieren bei ungewohnten Entfernungen oder Anstrengungen. Die Muskeln von Radprofis oder Marathonisten, das hört man, werden übersäuert, ein Krampf kann in das Bein fahren. Aus ist’s! Mineralienverluste!

04-P1060284Mann, was habe ich heute früh schon geschwitzt beim Einlaufen! Irgendwann ist auch mal die Energie verbraucht oder die Gelenke fressen sich fest – nee, das glaub‘ ich wieder nich! Aber die gewohnten Sportlerprodukte habe ich dabei. Der Kopf bleibt damit frei, um auch die gefräßige Arbeit des Neckars zu bewundern, der mit einer unendlichen Geduld Berghänge angefressen, weggespült oder gegenüber wieder verkrümelt hat.

05-P1060286Rast 4 bei Neckarweihingen. Noch strahlt die Sonne schräg auf den Ort, der sich hinter dem Fluss breitmacht. Nochmal über 6 km werden gefordert, wenn ich bei der S-Bahn Anhalter spielen möchte. Es abenddämmert. Langsam merke ich die Beine. Beim Kraftwerk liegt ein schmales Baumstämmchen an der Hangböschung. Ein Sitz! Er wackelt beim Belasten. Bitte nur kurz was trinken. Den Rest der Mineralien halbiere ich für hier und nochmal da vorne. Weiter! Es wird dunkel!

Nochmal drei km, oder vier? Die Lichter drüben beobachte ich. Der zuerst gerade Weg krümmt sich nach links. Die Marbacher Schleuse, die Altstadt. Der Halbmond wirft mir meinen Schatten vor die Füße. Im Dunkeln schemenhaft die Lehne einer Bank vor den schaukelnden Reflexen. Der Rest von allem Trinkbaren ist jetzt dran. So langsam entsteht ein deutliches Bahnhofsbedürfnis.

Inzwischen versuche ich jetzt nur noch zu schauen, was erkenne ich als nächstes. Also mein Restinteresse heute. Quer taucht die Bahnbrücke auf. Kurz vor dem Neckarsteg schaue ich auf’s MapOut. Genau 30,0.

06-P1060287Noch zur Stadt rüber, die steile Brücke, der Trampelpfad zur Fußgängerampel, der Anstieg, die Gleise des Bahndammes in Kopfhöhe. 20Uhr10 die Treppe zur Unterführung. Zufriedener Start zum Bett.

foto 2

 

Das Highlight 2 ist abgeschlossen. Es hat mir interessante Erkenntnisse gebracht, auch Geduld erfordert, doch gute, nachweisbare Ergebnisse trotz der Ausfallzeiten. Geholfen haben dabei die MapOut-Aufzeichnungen der Laufzeiten, Routen und Entfernungen. Im letzten Jahr ergab sich die Zahl von 2,27 km/h für meinen Durchschnitt der reinen Laufzeiten von 78 Tagestouren. Und die Tests mit LiNX ergeben Laufzeiten, in der Spitze deutlich über 3,00 km/h. Mein aktueller LiNX-Schnitt durch die drei Testwanderungen mit verbesserter Einstellung beträgt 2,77 km/h. Mal rechnen: Das sind 22 Prozent! Alleine dieser 10,5-Stunden-Lauf nach Marbach ergab den Schnitt von 2,94.

Highlight-km heute: 31,2 (Galileo 30,5)
Highlight-km gesamt: 85,1

H2.1 – Ein Innovationstest mit dem LiNX System – Februar 2015

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Eine neue Prothesen-entwicklung soll uns Oberschenkel-amputierten die Bewegung erleichtern helfen. „LiNX“ System – Einheit von Knie und Fuß. Weltweit in dieser Form das erste. Ende Januar 2015 ruft mich mein Orthopädie-Techniker an mit dem Angebot der Firma Endolite, dieses System als Erster unter den Stumpf zu schnallen und zu testen. Ein echtes Highlight, oder nicht?

Sofort sage ich zu, denn eine Knie-Neubeantragung ist fällig. Das Testen verschiedener Modelle ist eh geplant. Und dann bin ich auch schon, am 7. Februar, im Werkstattgang und -hof am wackligen Probieren.

07-P1060244Danach schauen wir, Frau U., Herr B., Herr M. und ich wie es sich im Gelände läuft. Der mir bekannte Pfad steigt leicht an, das braune Laub schaut kaum noch unter der Schneedecke hervor. Es geht mir ums Spüren, läuft diese Prothese anders mit mir? Spontan müssen meine Gehstöcke in horizontale Ruhestellung. Ein ungewohntes Gefühl kommt vom Boden herauf, so als wäre meine Fußsohle breiter, die Fußspitze gab sicheren Halt, irgendwie sehr zuverlässig.

Die Widerstände gleich vorweg: Eine zweiwöchige, grippale Erkältungszeit begann am Tag nach der Übernahme; wiederkehrende Entzündungen an meiner Sitzfläche lösten das ab. Das Ergebnis waren anfangs kurze und generell auch seltene Tests.

09-P1060263Am nächsten Tag beginne ich neugierigst die Übungen. Bald geht’s steil hinauf. Oben beginnt der Wald. Auf dem belaubten, mit Stöcken, Zweigen und Löchern ausgestatteten Weg ins nächste Tal ist wieder dieses angenehme Auftrittsgefühl. Doch was stimmt hier trotzdem nicht? Ich verliere mein erforderliches Zutrauen, kehre um, lege mich gleich ins Bett und beginne lange Schlafzeiten. Erst am vierten Tag, bereits knickrig im Bein, erwacht mein Widerstand gegen diese falsche Entwicklung.

Raus jetzt! Was einkaufen! Dann zurück ins Bett. Nächster Tag: Kein Durchhalten zu spüren, beim Aufbautraining im Schloßgarten, also zurück ins Bett. So geht’s aber nicht weiter!

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Erst zwischen dem 12. und dem 16. Februar führte ich eine Mischung aus Matratzen- und Waldluft-Therapie durch. Das heißt, viermal ausschlafen, raus in die Wälder, auf und ab über Treppen, Laub und Asphalt. Zwischen zwei und sieben Km. Immer sofort zurück ins Bett. Das hat gewirkt!

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Bei diesen kurzen Ausflüchten lernte ich auch die Tücken einer provisorischen Einstellung kennen. Aufwärts ging’s noch am besten. Ebene Wege, da dauerte es eine Ewigkeit, bis endlich das „Bein“ nach vorne kam. Und abwärts war das Anstrengendste. Der Fuß bremste mich ab. So geht das nicht. Ich kam mir vor wie Schnecke mit Bremsklotz. Nur gut, dass am 18.2. eine Einstellungskorrektur angesetzt wurde.

Soweit mein Rückblick in die erste Hälfte der Testzeit.

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Grundaufmotiviert laufe ich fest frischverschraubt wieder zur S-Bahn. Verrückt! Keine Eile habe ich, bin aber schneller als sonst! Über 3,5 km/h! Na gut, dann steige ich eben bei der Uni schon aus und laufe noch neugieriger einfach bis zum Dunkelwerden. Im Rot- und Schwarzwildpark, am Bärenschlössle belagern noch halb angetaute Schnee- und Eisreste die Schattenpartien der Wege. Der Abstieg geht nach Botnang. Bergab, da muss ich noch üben. Bei diesem Wandertest bin ich deutlich schneller als der gewohnte Durchschnitt.

Jetzt kommt mir zugute, dass mich immer interessiert, was ich kann oder nicht kann. Ich besitze deshalb viele Notizen zu meinen Leistungen. Nun kann ich diese vergleichen.

Schön wär’s! Denn am nächsten Morgen entdecke ich, mal wieder zu spät, eine empfindliche Entzündung. Das heißt Stumpfruhe! Aber ich müsste doch nochmal zur Werkstatt, um den Fuß besser drehen zu lassen. Dieser wichtige Versuch entfällt vorerst schmerzbedingt. Zwar versuche ich am 20.2. die Wanderspirale, bin schon in Bönnigheim, doch die Entzündung wehrt sich dagegen. Abbruch! Das Wochenende kommt dazwischen. Am Sonntag, dem 22.2., riskiere ich eine Tageswanderung.

07-P1060279Ab Fernsehturm steige ich runter zum Schloßplatz. Problem: der Fuß dreht immer nach links. Das gute Abrollen wird dadurch wieder zerstört. Das Neuanziehen, dreimal heute, bringt nichts, denn es dreht sich wieder. Dann hinauf zur Doggenburg, zum Botnanger Sattel, hinauf auf den Birkenkopf. Steil hinunter zum Südheimer Platz. Über 13 km, gefühlsmäßig langsam. Doch die Aufzeichnung zeigt, dass ich schneller bin als sonst. Wie das?

Das Richten des Fußes am 23.2. ist schon wieder zu viel für die restliche Empfindlichkeit. Noch ein Tag Zwangspause! Alles will ich am 25.2. riskieren. Mein Traum seit Oktober ist, die 30-km-Marke zu knacken. Das ist zwar erst etwas später geplant, aber warum nicht jetzt? Entweder ich breche wieder ab oder es klappt. Doch dieses Abenteuer wird ein Bericht extra.

Wichtig hier sind aber auch einige verschiedene Eigenschaften dieser Prothese.

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Gern bin ich auf Waldwegen unterwegs. Das braune Laub ist nass durchtränkt, gibt nach, weist Senken und Rinnen auf, ist mit Hölzern belegt. Das alles ist gleichgültig! Der Fuß passt sich jeder Situation und Schräge an, das Rohr zu mir hinauf behält stur seine Senkrechte. Das gleiche Sicherheitsgefühl bestätigt sich später auf einer Schotteraufschüttung. Steine locker liegend, so etwa 4 cm Größe. Es spielt keine Rolle, du läufst einfach drüber.
Meine Gehstöcke, auf schlimmen Pfaden oft die Rettung, stören hier nur. Sturzangst? Hier nicht!

Der Fuß kann während seiner ständigen Unterhaltung mit dem Knie noch mehr. Eine Schwelle, ein hochstehender Gossendeckel, eine Wurzel oder so etwas, einfach drauf mit dem Vorfuß! Du schiebst das Knie butterweich „durch“, und oben, in dir selbst, da holpert nichts!

Steigungen. Man bekommst viel mit von der Fußspitze. Das Gefühl einer Energiespende. Am Berg bin ich tatsächlich etwas schneller und leichter als gewohnt hinaufgekommen, nicht immer, aber unerwartet.

Diese Testphase ist völlig anders verlaufen als gedacht. Statt vieler langer, herrlicher Tagestouren auf der Spiralroute drehte ich im Bett umher von links nach rechts, ebenfalls im Uhrzeigersinn. Die wenigen Unternehmungen, was sagen sie mir?

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Leichter, schneller, sicherer, das trifft auf zentrale Punkte zu. Echte Vorteile für Wanderungen und den Alltag! Das bisherige Kniegelenk ist bewährt und brachte mich gesund über mehrere Tausend Kilometer, in jeder Situation. Bald sollte ich mich entscheiden.

Km der bisherigen Tests Highlight 2: 44,2
Km der Highlights gesamt: 53,9

Bilder 1, 2 und 7: Roger Maisel

 

S6 – Versuch

1-P106027211-P1210896Wenn du einen wolkenlosen blauen Himmel hast, darunter eine wunderbar frische Wintermorgenluft, und darunter eine ungeduldige Testprothese, leider kombiniert mit einer geduldigen Entzündung, das passt dann nicht gut zusammen.

Aber ohne nicht wenigstens eine praxisnahe Gewöhnungschance zu testen will ich den Tag nicht verstreichen lassen. Vielleicht geht es ja doch gut, wie schon so oft. Ein Kilometer, ein Tropfen Öl, ein Pflaster, es nützt heute nichts! Wenn ich will, dass es schnell besser wird für die folgenden Tage, muss ich zurück…

 

1. Linx-Test – Vorausnotiz

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Das Linx-System von Endolite ist noch nicht auf dem Markt bzw. offiziell getestet. Ich darf es heute und die folgenden zwei Wochen testen.

Wir beginnen in der Werkstatt des Sanitätshauses Sascha 2-P1060241Wilden in Böblingen mit der Einstellung. Es folgen Läufe im Gang, an der Treppe, im Hof und im nahen Wald. Für morgen plane ich die Wanderung S6 der Spirale 15.

 

Spirale 15 – S5 Hohenhaslach bis Bönnigheim

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11-P1210896Die meisten der Spiraltouren haben so ihre Besonderheiten. Diese auch. Habe ich Eiswege? Reicht mir die Zeit bis Bönnigheim? Drei Stunden habe ich heute verschlafen! So lange wie noch nie.

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                                                                                                                                                                                                                  Aber sehr gut ausgeschlafen. Wegen meiner Blitzpackerei spare ich eine Stunde ein. Noch nie stand ich 60 Minuten nach Abheben von der Bettkante schon an der Bushaltestelle. Doch erst nach Elf kann ich losmarschieren. Der Weinbergweg neben einer Hecke hat im Schatten noch Schneereste. Gut begehbar, sind nur leicht angeharscht. 03-P1060212Gleich beginnt der Wald. Dort liegt Schnee auf den Wegen. Die Spuren der wenigen Fahrzeuge haben unterschiedliche Eigen-schaften. Mal unrutschbar harschig, mal reines Eis, mal kiesig. Aber insgesamt komme ich gut hinauf.

Halbe Höhe. Steh-Trink-Knusper-Knips-Rast an einem Hochstand bzw. Anstand. Will einen Tiefstand der Teefüllung anpeilen und den Hunger nicht zu unanständig ansammeln lassen. Nur zehn Minuten, schon fertig.

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Aufwärts gehe ich gern gemütlich, mit großen Schritten. Und hier möglichst in der Harschspur. Spart das Zeit oder Energie? Bald merke ich Auffälligkeiten unter meiner Jacke. Wie auf der Bank am Bullerofen fühle ich mich; 06-P1060222verbrenne energisch die bereits geschluckte Energie. Mindestens eine Jacke ist’s mir zu warm! Die dicke äußere klemmt sich mein Rucksack unter die Klappe.

 

Von da an wird es steiler und die Schneehöhe vertieft sich. Es wird so ungefähr zehn Zentimeter schwierig. Zwischen den Spuren klingt es jetzt sehr knirschig. Der Prothesenfuß rollt dort nicht so gut ab, aber anstelle selbst in den Schnee zu rollen ist es besser so. Immer noch dampfe ich gewaltig ab. Wieviele Jacken noch unter die Klappe? Höchstens bis zum untersten Shirt!

Oben angelangt. Den Querweg gehe ich links. Rechts ginge es 5 km nach Freudental, aber es macht mir auch so genug Spaß. An der Pfeiferhütte halte ich wieder an. Kontrolle. Ja, es reicht zum geplanten Bus. Hier macht die Route einen Knick nach rechts, geht nun über den Rotenberg fast eben und bietet bessere Trittflächen in den Radspuren.

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Bald schon geht’s runter vom Stromberggelände. Östlich breitet sich die Neckarsenke rings um Lauffen bis zum Schwäbischen Wald hin aus. Der stark abfallende Wegteil ist das bisher schwierigste Stück. Es liegt ganztägig im Schatten, sehr eisig und kalt.

09-P1060225Nach dem Wald eine ganz andere Situation. Die Schmelze auf dem Weg. Und im Hintergrund die romantische Fahne von Neckarwestheim, dem
Tschernobylkollegen. Schmal steigt sie auf, verbreitet sich und zieht flockig über meiner Kappe zur Auflösung. Eigentlich wäre diese Gegend ja sehr schön!

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Links neben der Talfläche zieht sich der „kahle“ Hang eines Weinberges dahin, sich ganz allmählich absenkend. Nur die Reihen der Reben bilden auf der Schneefläche eine interessante Struktur. Kurz vor Bönnigheim mache ich die letzte Stehrast. Das sind nun fünf mal etwa zehn Minuten auf diese Art heute und einmal den Liner frisch aufgezogen. Es ist also gut zu wissen, dass ein Tag auch ohne zu sitzen funktioniert.

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Noch eine Besonderheit der heutigen phantastischen Winterwanderung: Bönnigheim, das war der eigentlich geplante Zielpunkt für die Wanderspirale 2014. Es ist nach 1061 statt 1000 km erreicht. Aus der entstandenen Differenz kann ich erkennen, wieviel Abstriche durch unvorhergesehene Umwege, hier 6%, man machen könnte, bei künftigen Planungen.

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Km heute: 11,4
Km gesamt: 66,5

Spirale 15 – S4 Illingen bis Hohenhaslach Allmandklinge

01-P1060200Wer sich über die üblichen Umwege Enkel angeschafft hat, kennt auch die „Babyfeuerwehr“! Diese abendliche Freude kam gestern bei meiner Tochter auf mich zu. Gern verschob ich meinen heutigen Start.

Der Zug aus und nach Heidelberg, der mich in Illingen wieder ausstoßen soll, hat für seine verspätete Ankunft einen anderen, besser klingenden Grund: „Verzögerter Betriebsablauf“. Da kann ja keiner was dafür. Verspätungen bei der Bahn sind oft wie zeitlicher Gummi. 10, dann 10 bis 15, dann 20 Minuten, die Abfahrt liegt bei knappen 29 Minuten. Heute werde ich durch Abkürzungen Zeit einsparen müssen, um trotzdem ans geplante Ziel zu kommen. Also nix mit Umwegen!

02-P1060172Ein Schlammgrundstück zwischen den Häusern von Illingen. Unglaublich! Zwei Pferde stehen apathisch im Matsch. Die Suche nach dem letzten Grashalm wurde längst aufgegeben. Manche Leute können sich einfach nicht in andere hineinversetzen oder sind vielleicht auch zu gleichgültig.

Am Waldrand, nach einer Fünfminuten-Schluckrast, beginnt der wellenartige Anstieg auf den südlichen Höhenzug des Stromberges. Durchschnitten von der eingekerbten Bahnlinie Stuttgart-Mannheim. Die Bewölkung hält heute dicht und hat bereits die letzten helleren Lücken zugezogen.

03-P1060176Alles Weiß der letzten Schneefälle ist schon davongeflossen. Überall wuchern wasserdurchtränkte Moospolster umher. Da drüben auf dem Waldboden stehen 04-P1060190handgroße grüne Gestalten, als versammelten sich Moosgeister zur Besprechung der Eroberung weiterer Wurzeln.

Der obere Weg ist steil und kaum begangen. Tief 05-P1060192ist er in den Hang eingeschnitten. Gekippte Bäume sind zurechtgestutzt, um durchzukommen. An der Bergkuppe steht ein Wurzelgetüm am Rande des Hohlweges. Breit, tief und verflochten greifen die schlangengleichen Finger in die Erde. Darüber steht der „Schreckstein“ wie eine Mahnung, ein Markungsstein.

06-P1060196Sofort senkt sich das Gelände wieder hinein ins nächste Tal. Bis hier hoch eingedrungen in die Einsamkeit sind die schweren Fahrzeuge der Waldarbeite07-P1060197r. Zerstörte Wege, das kennen wir zur Genüge! Gut durchfeuchtet, mit Hölzern aller Art geschmückt, so sehe ich die einzige Alternative zum Tagesziel zu gelangen. Wie üblich gehe ich wegen der 08-P1060198Standsicherheit mit Krebsgang zu Tal. Die Gehstützen verhindern das Wegrutschen der Schuhsohlen, indem ich ihnen so viel wie möglich Belastung zumute. 400 Meter Schlammpiste schaffe ich in stolzen 45 Minuten. Dann steht am festen Waldweg eine hölzerne Sitzecke neben einem eifrig sprudelnden Brunnen. Hier gönne ich mir eine halbe Stunde Rast.

09-P1060202Ab Gündelbach gibt es für mich nur die Straße. So wird der Zeitverlust etwas ausgeglichen. Manche Wiese ist überschwemmt. Spaziergänger-Gespräch: „Was habetse denn in Ihre schwere Rucksack?“ Ich hätte sagen sollen „Einen leckeren Riegel“, doch das hätte den großen Rucksack nicht begründet. „Lauter gute Sache“, sage ich lieber. Das ist nicht so verwirrend. Dann sehe ich links oben die Weinberge von Horrheim und beginne den zweiten Anstieg.

Im Weinberg finde ich nochmal ein schmales Bänkle für eine Zehnminuten-Steh-Schluckrast. Die Weinbergtreppe will ich hoch. Dort arbeiten Winzer an ihren Rebstöcken. Ich hätte gar nicht zu fragen brauchen nach dem Zustand des Höhenweges. Die Eingeborenen kennen zumeist ihre Umgebung nicht so gründlich wie ich mit Hilfe der App im Handy. Doch die schmalen Weinberg-Stufen sind tief eingesenkt, ich komme nicht recht an sie heran. Also einfach den Hang zwischen den Reihen der Weinstöcke hinaufstemmen. Der Boden mit seinen niedrigen Kräutern lässt das Abrutschen nicht zu.

10-P1060207Problemlos sind die weiteren Wege. Einmal stutze ich. Ein langes Holzwesen liegt im Laub auf dem Rücken, die 16 Beine starr nach oben gestreckt, völlig muckslos. Schläft es oder hat es seinen Weg beendet? 11-P1060208Vooorsichtig schleiche ich vorbei. Man kann ja nie wissen, in diesem Waldland voller Überraschungen! Auf der Höhe tauende Schneereste. Der abkürzende Wanderpfad ist in der Dämmerung nicht verlässlich.

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Die Waldstraße ist sicherer. Und nun doch ein deutlicher Umweg. So wird auf dem letzten Kilometer fast noch eine Nachtwanderung aus dem heutigen Marsch.

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Km heute: 16,1
Km gesamt: 55,1

H1 – Pfaffenhofen

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08-P1100202Samstag

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Alfons hat mich dazu eingeladen, die Innereien meines seit 2010 strapazierten Handys auf ein neues Altes zu zaubern, bei ihm in Pfaffenhofen. Ganz klar, wandern wollen wir auch.

03-P1060125Das Neue ist schon dabei, als wir am 24.1.15 gegen 9Uhr30 am Bahnhof sind. Dort treffen wir Frau Decker, die aus der Ingolstadter Gegend angereist ist.

 

04-Foto 24.01.15 11 54 13Beim Klostergut Scheyern starten wir eine Runde, auf dem bezeichneten Benediktusweg. Das trübsinnige Wetter vertrübt nicht im geringsten meine 05-P106012806-Foto 24.01.15 13 14 19Stimmung, eher schon meine Unbeholfenheit mit der Testprothese. Es geht zwar besser als mein gestern abgebrochener Kurzversuch, aber mein permanenter Disput mit der Fußspitze bringt mich 07-Foto 24.01.15 15 28 38höchstens auf die Hälfte von „Unflott“.

Der langsamen „Raserei“ meiner Vorneweg-Spazierer kann ich kaum folgen und erhasche so nur einzelne Bruchstücke der Unterhaltungen. Einige Bildmotive halte ich unterwegs fest, denn die weiß bezuckerte Landschaft, wie aus einem Bildband für Depressionsfreunde, vergnügt mich wie gewohnt. Fünf Km, und das sogar in drei Stunden, eine reife Leistung!

09-P1060148Der genussreiche Brauereigasthofbesuch im Kloster, eine Kurzbetrachtung des Klosterhofes und eine Streugutkiste mit der Aufschrift „Kartoffeln“ – unsere heutigen abschließenden Highlights und Erlebnisse zur Lebensart in Bayern.

10-Foto 24.01.15 20 07 02Abends dekoriert mich Alfons zur Küchenfee, denn ich bestehe darauf uns einen indisch gewürzten Eintopf zu köcheln.

Km heute: 5,0

 

 

 

12-P1060156Sonntag

Wieder hat es geschneit. Wir fahren zu einem Parkplatz in der Nähe. Der Weg ist abwechslungsreich. Anders als gestern läuft es sich nicht.

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Die vorgesehene Runde von acht km kürze ich ab. Ohne neue spürbare Erkenntnisse über die Laufeigenschaften des Kniegelenkes und Fußes hat diese Mühe im Schnee wenig Sinn.

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Km heute: 4,7
Km gesamt: 9,7

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Spirale 15 – S3 Pinache bis Illingen

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11-P1210896Eigentlich wäre heute Freitag. Aber gleich morgens in den Regen hineinlaufen, das mag ich nicht. Deshalb brachte mir das Wetter eine Zeitverschiebung auf den Sonntag. Der Himmel über Stuttgart ist klar und die Stimmung verschiebt sich ebenfalls, weiter nach oben.

Gegen das Sonnenlicht glänzen die Felder weiß. Ein Hundebesitzer zeigt mir an Ortsrand diesen Blick und meint, das hier ist doch die schönste Gegend von allen!

02-P1060015Eine Meinung anderer Art bekam ich vorhin, bei mir an der Bushaltestelle. „Warum fährscht da soweit weg, kanscht doch auch hier laufe!“ – „Was hascht da alles drin in dei Rucksack?“ „Veschper, Tee!“ Kopfschütteln! „Da gehört noch a Kaschte 03-P1060016Bier nei und zwoi Flasche Wei!“ Soviel zu meiner mangelhaften Verpflegung und unsinnigen Fahrerei.

Leichter Nebel ist noch vor dem Wald. Doch drinnen hängen die weißlichen Schwaden dicht und völlig verhakt in der Zweigen. Eine Buche vermutlich, hat sich in Baumsplitter aufgelöst und zeigt deutlich die innere Bauweise (im Zweifelsfalle sind bei mir alles Buchen, bis auf die Weihnachtsbäume). Eine 04-P1060021Gestalt, mehr hüpfend als joggend, kommt mir entgegen, den schlüpfrigen Wegstellen ausweichend. Auf einem Holzstoß genieße ich in diesem Nebeldämmern mein Brot. Dann dringen die Strahlen kräftig durch einige Lücken, als würden die Stämme mit grellen Leuchtern inspiziert.

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Etwas viel Verzögerungen sind das heute. Jetzt gerade, an einer Scheunenwand, das zweite Mal die Prothese besser zum Sitz bringen, das damit zusammenhängende schwierige Laufen, morgens die 07-P1060027Langschläferfahrpläne, der nasse Waldweg, ein Umweg zur Fahrstraße. Ich werde nicht weit kommen heute. Der hier aufgefundene Schädelteil zeigt mir unfreundlich seine Beißerchen, als wolle er damit sagen, nun verzieh‘ dich endlich!

08-P1060031Auch im Enztal macht sich der Nebel breit. Die Enz lärmt am Lomersheimer Wehr den Anwohnern die Ohren voll, obwohl das Hochwasser bereits abklingt. Auf der anderen Seite gehe ich weiter am Fluss entlang. Dicke 09-P1060055Bäume machen in starker Strömung Fußbad. Dann wendet sich ein Pfad nach oben. Steil, erdig, feucht, im Schatten zwischen bemoosten Mauern und dichtem Gebüsch. Zwei Jungs wollen mir entgegen biken. Ich rufe ihnen zu, mich erst hoch zu lassen. Wir kämen hier nicht aneinander vorbei. Geduldig warten sie. Aha, mit ihren Vätern machen sie eine Tour runter zur Enz und weiter nach Vaihingen.

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Fast bin ich oben, da stehen Kieferngruppen wie dekoriert am Steilhang. Sehr tief rauscht der Fluss hier unter dem Nebel. Kaum ist der Gegenhang erkennbar. Die Sonne kämpft immer noch über ihre heutige Vorherrschaft.

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Ich sollte ab Mühlhausen lieber zurückfahren. Und dieser Blick hier ist ein herrlicher Abschluss. Der Busfahrplan überrascht mich. Nur Sammelruftaxi ist Sonntags möglich Das war’s wohl mit den Bildern, nun eben noch schnell rüber zur Bahnlinie nach Illingen. Und nochmal hinauf auf den Berghang.

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Doch da öffnet sich das Tal und die große Enzschleife, außen begrenzt von den Felsenzähnen liegt zum Genießen vor mir und dem Kameraauslöser ausgebreitet, im bereits abendlichen Licht, wie weggezaubert die Nebel. Hier 13-P1060091sind noch die längs zum Hang gebauten Weinbergmauern zu durchwandern. Eine Rarität inzwischen. Einige Sonntags-Spaziergänger benutzen ebenfalls noch diesen sich windenden grandiosen Höhenweg.

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16-P1060118Über reichlich eingewässerte Feldwege nähere ich mich der Senke von Illingen und der Bahnstation. Die Äcker und Wiesen sind vollgesogene Schwämme. Das letzte Licht muss sich bereits über den Horizont krümmen, um noch meine Wege zu erreichen. Am Bahnsteig ist es zwar schon 17Uhr35, aber noch nicht ganz dunkel!

Km heute: 13,4
Km gesamt: 39,0

Spirale 15 – S2 Steinegg bis Pinache

11-P121089601-P1050958Der Bahnsteig von Gleis 5 und 6. Zwei Gleise und drei Züge verspätet. Wie könnte das dann bei derzeit 16 Gleisen aussehen? Naja, das wird ja sicher besser bei künftig acht Gleisen. Mein Zug ist mit 5 Minuten Verspätung dabei. Dafür stehen mir in Pforzheim sieben Minuten Umsteigen zu – bei verlegtem Busbahnhof. Fliegen kann ich noch nicht. Da sollte die Bahn Red Bull verteilen!

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Heute geht’s zuerst ins Tal. Ein Bach hüpft schnell neben mir hinunter. Dort steht ein rotsteiniges Schloß im Wald, sehr verwunschen wirkt es. Die Würm windet sich tief ins Gelände hinein nach dem Ort Würm und dann zur Enz in 02-P1050911Pforzheim. Viel Wasser vom ersten Schnee kommt aus den Wäldern herab.
Gleich geht’s wieder hoch hinauf, nach Tiefenbronn, ein schöner Weg mit alten überhängenden Bäumen.

03-P1050917Übrigens, rechtzeitig bin ich trotz der fünf Minuten Verspätung. Ein Busfahrer hat das wieder ausgebügelt. Den Bus 741 sehe ich auf mich zufahren, nachdem er am provisorischen Bussteig gestartet ist. Mit den Gehhilfen fuchtele ich ihn entgegen, dass es wohl ziemlich wild aussieht. Tatsächlich, er hält an, macht mir die Türe auf. Versuch‘ das mal beim Regionalexpress!

04-P1050918Im ersten Waldstück rieselt das Schmelzwasser dünn über die Waldwege. Schnee sehe ich kaum noch. Hier ist der Wind wenig zu spüren, aber vorhin blies er mir heftig entgegen und wollte mich zuerst nicht in den Wald lassen. Einige 05-P1050927Moosstämme wollen mich vom Wege fortlocken. Aber da lenkt mich rechts eine Tafel ab, die auf sehr lebendige Art zeigt, was hier um mich herum alles am Wuseln ist.

07-P105094006-P1050933Zuerst bemerke ich links am Weg nur eine Bank, deren „Lehne“ nach hinten zur Hütte ausgebaut wurde. Dann entdecke ich die Frontseite mit besonderem Service. Eine Nische mit erhabenem Holzfußboden, einen Tisch, links und hinten eine Bank. Stabil, robust, sauber; über eine Fußbodenheizung würde ich mich nicht sonderlich wundern.

08-P1050954An Wimsheim wandere ich vorbei. Einige Häuser sehe ich durch die Bäume. Nach der A8-Unterquerung habe ich weite Feldflächen vor mir. Der schmale Asphaltweg hüpft vor mir her durch Talsenken und zeigt sich nur an den Kuppen. Aber dieses Auf und Nieder der Wege juckt mich längst nicht mehr, der anfängliche Widerwille ist getauscht gegen eine gewisse Anziehungskraft: Was liegt hinter diesem Berg oder Horizont?

Der Wind packt mich an den Schultern und will mich schräg nach rechts über die Wiesen treiben. Doch er kennt meine Prothese nicht. Die macht sowas nicht so schnell mit. Mit der Zeit gibt er es auf und faucht mir nur noch um die Ohren, dass die Ohrläppchen schlenkern.

09-P1050960Hinter Wurmberg finde ich im Wald meine zweite Bank. Inzwischen sind etwa zehn Km geschafft. Auch die Sonne hat sich von Süden her durchgerungen einige Strahlen durch sperrige Wolkenbänke zu pressen. Ihre Mühe, mich zu erwärmen, ist nutzlos, denn da stehen auch noch einige Bäume im Wald.

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Insgesamt senkt sich der Weg immer mehr ab. Ich nähere mich langsam dem Enztal bei Mühlacker. Der Sendemast steht schon deutlich mit aufrechter Haltung und durchgedrücktem Rücken rot-weiß vor den dunkelblauen Wolkenschichten, die sich über den Stromberghöhen breitmachen. Von Westen her werden die Felder noch einmal grell angeleuchtet, als ich den Wald endgültig verlasse.

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Das Ziel wird Pinache. Die Sonne steht schon tief, das Licht wirkt verschleiert, als ich die Haltestelle erreiche. Die Häuserfassaden sind hier sehr farbig und reflektieren noch die letzten zehn Strahlen. Wegen dieses Motives verpasse ich fast den Bus. Schnell 12-P1050998witsche ich hinter her, winke, wie heute morgen schon eingeübt, dem Fahrer in den Spiegel hinein. Die hintere Tür schwingt auf.

Km heute: 15,6
Km gesamt: 25,6

Spirale 15 – S1 Simmozheim bis Steinegg

 

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11-P121089602-P1050827Meinen Spiralwurm, den für 2015, beginne ich heute als „Wurmfortsatz“ des vorjährigen, etwa zwei Runden. Längere Anfahrten, schlechtere Verbindungen, aber auch hochinteressante Landschaften, die bisher nur angekratzt sind. Die Stromberghöhen, die Albhochfläche, die Ostkante des 04-P1050829Nordschwarz-waldes. Gelegentlich längere Anstiege, größere Waldflächen, längere Ausweich-manöver, kürzere Tagesstrecken. Viel Neues und Spannendes. Ab Simmoz-heim, Nähe Calw, geht’s wieder auf die lange Prothesen-Spiral-pirsch. Wer kommt mal (wieder) mit?

Bei Glatteis hast du keine Chance. Ich geriet am Anstieg im Ort auf den Eisspiegel. Hatte bereits Mühe nur mit dem Umkehren. Fuhr wieder zurück.

06-P1050833Heute, zwei Tage später, muss der Nachtfrost aber auch noch überwunden werden. Erst gegen sieben Uhr war mein Start. Der Mond stand auffällig aufgeblasen und tief gesunken dicht über dem 08-P1050865Killesberg-Horizont im Westen. In Neuwirtshaus senkte sich der gelbe Schein der Sonne auf die höheren Fabrikwände. Berauhreiftes Glemstal bei Höfingen. Es wird wieder ein schöner Wintertag.

Zuerst will ich ins Simmozheimer Bäckercafé. Kenne ich seit vorgestern. Nette Verkäuferin, ebenso heißer Tee, weiterer Eisabtauservice der Sonne bis etwa 07-P1050845zehn Uhr. Schön gedacht! Als ich dort bin, ist der Laden dicht. Also sofort losgehen!

Der Eisweg am Ortsausgang vertieft kurz meine Knitterfalten auf der Stirn. Doch ich entdecke wenige 09-P1050876Zentimeter trockenes Pflaster. Danach ist es ein sehr schöner Weg mitten durch die letzten tieferen Schneereste der ersten Schneefälle dieses Winters.

Am Höhenweg quere ich den Wanderpfad der Hugenotten und Waldenser. Sogleich geht es wieder hinunter nach Münklingen. Die über zehn Millimeter dicke Eisschicht ist in viele kleinere Eisschollen zerbrochen. Ganz am Rande gelingt mir der Abstieg. Links senkt sich eine Böschung zu einer Garageneinfahrt, bedeckt mit dickem verharschten Schnee. Drei seitliche Schritte hinein und ich bin auf der trockenen Ebene.10-P1050878

Am Reiterhof ist viel Betrieb. Auch sonst sind heute viele Leute unterwegs, ob mit oder ohne Pferd. Der Hang zum letzten Taleinschnitt. Über eine Wiese kann ich abkürzen. Reif liegt auf den Büscheln, die im Schatten wachsen. Alles ist hart. Gegenüber der letzten Schlammwanderungen komme ich auf dem Frostboden sehr gut zurecht.

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Sehr freundlich sind die Leute auch hier, auffallend oft werde ich gegrüßt. Bei Malmsheim war mir das schon zwei Runden vorher aufgefallen. Die weiteren Wege bis Steinegg sind immer problemloser. Eine Talüberquerung, noch ein Waldstück. Dann wird es wieder kühl. Bevor neues Eis entsteht erreiche ich den Bus nach Pforzheim.

Insgesamt war das ein sehr schöner Beginn des Jahres. Alles ging glatt, trotz der lauernden Eisflächen. Abenteuer? Nein! Einfach schön und zum Genießen, so, wie’s sein soll!

10,0 km

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Wanderspirale 2014 – Rückblick und Danke!

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Für mich ist das absolut nicht selbstverständlich, was das Resultat aus 2014 – dem mehrmaligen Umrunden meines Bettes – in Bezug auf mein Wohlbefinden betrifft. Für mich selbst ist wichtig, richtig zu verstehen, was die Gründe dafür sind.

Zuerst möchte ich mich bedanken bei den Freunden, die dazu bereit waren, ein- oder mehrmals mitzuwandern.

03-P1220254Alfons. Nennt sich „Grenzgänger“. Begeisterter Wanderer auf langen Routen, z. B. „Grünes Band“. Perfekter Helfer am PC! W19 und W61.

 

02-SAM_0053Carola. Meine liebe Tochter. Über ihr Mitgehen zusammen mit Gundula habe ich mich besonders gefreut! W43.

 

01-P1210655Frieder. Er war der erste Mitwanderer, schon im kühlen Februar. Wäre wohl gern nochmal mitgekommen. W12.

 

05-P1040873Gundula. Ihre Entdeckungen in der Natur haben mich fasziniert. Kein Weg war ihr zu schwierig! W22, W34, W43, W46, W67.

 

06-P1030952Helen. Meine liebe Enkelin.
Wirklich schön, dass sie mitgehen konnte! Nur das Wetter stimmte nicht W58

 

04-P1000055Helmut. Wandert auch selbst gern ums Haus herum. Der einzige Beinamputierte, der mitgegangen ist. W29, W42, W48.

 

07-P1010014Tabea. Enkeltochter meiner zweiten Frau aus deren erster Ehe. Wir hatten einen der längsten und schnellsten Wege. W35.

 

Auch andere Personen wollten gern mal mitwandern. Ich würde mich sehr freuen auf eine Möglichkeit in 2015?

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Mein Verlauf der Wanderspirale war nur mit dem Bewusstsein der langen Ausdauer möglich. Bereits die Planung war es erforderlich, für lückenlose Beständigkeit bereit zu sein. Natürlich auch auf der Grundlage des relativ vernünftigen Lebenswandels – was ich tue und was nicht.

Alle energieverschwendenden Tagestouren, über zufallsbedingte Gelände, wie sie durch die Spiral-Route entstanden, erforderten immer rechtzeitig vorher das gezielte Auftanken von Mikronährstoffen. Verstärkt durch den mit Oberschenkelprothese auf einer Tagestour nahezu doppelten Energieverbrauch.

Deshalb bin ich geradezu begeistert über die Wirkungsweise meiner „mitgewanderten“ Nahrungsergänzung. In Minutenschnelle und zuverlässig, immer genau dann, wann es erforderlich wird, bringt sie mir die Fähigkeit durchzuhalten und Ziele zu erreichen.

Dieses Konzept Anstrengende Mehrbewegung in der Natur plus gezielt angepasste Ernährung plus gute Entspannung hat sich wieder bestätigt.

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Auch die Zahlen während des Jahres zeigen das. Sie haben mir als unverzichtbare Kontrolle geholfen, die Beständigkeit beizubehalten.
• 19 Wanderungen außerhalb der Spirale über 178,9 km
• 78 statt 77 Spiralwanderungen über 995 statt 1000 km
• Gesamt-Kilometer 2014: 1173,9
• Gesamt-Kilometer seit 3.10.07: 6823,9
• Schönstes Wegstück: Der Windbruch, W67

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Weitere Angaben dazu:
• 78 W. von Start bis Ziel: 663 Stunden / pro Tag 8,5 Std.
• Die längste Wanderung: W22 Liebenau bis Böblingen über 11,5 Std.
• Gesamt-Rastzeit: 116 Std. / pro Tag 1,5 Std.

• Reine Gesamt-Laufzeit 78 W: 442 Std. / pro Tag 5,66 Std.
• Die längste Tageslaufzeit: W13 Sielmingen bis Musberg über 501 min
• Die weiteste Wanderung: W77 Nufringen bis Althengstett über 19,1 km

• Gesamt-Höhenmeter: 15647  (Mt. Everest 8844 / Zugspitze 2963)
• Die meisten Meter Anstieg: W30 ab Geradstetten: 387 / Tagesdurchschnitt 200 m

Am Beginn hieß es: „Wandern für einen guten Zweck“. Das Kinder- und Jugendcamp des Bundesverbandes für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e.V. (BMAB) in der Wedemark im August 2015 sollte unterstützt werden. Eine äußerst wichtige Veranstaltung! Der leider nur einzige erschienene Presseaufruf in den Stuttgarter Nachrichten sowie die vielen privat verteilten Visitenkarten brachten leider kein Ergebnis. Dabei könnte es jedem einzelnen ebenfalls passieren – morgens wacht man auf, und…..

11-P121089608-P1100202Mein Konzept führe ich 2015 weiter mit „Spirale 15“ und „Highlights 15“. Die Ziele sind unvergessliche Naturerlebnisse, Erhalt der Leistungsfähigkeit und bleibendes Wohlbefinden durch mindestens 800 Wanderkilometer.

Danke an alle Beteiligten!
Roland

W78 Althengstett bis Simmozheim

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02-P1050785Der erste Schnee des Jahres auf der letzten Tagestour des Jahres! Zehn km fehlen mir noch. Wie hoch sind die Flocken inzwischen gestapelt auf den Höhen außerhalb? Wird der Prothesenfuß den Schnee zerteilen können oder wird er ausgebremst? Bedenkenschlepperei ist schwerer als ein praller Rucksack auf dem Rücken!

Leichter Schneefall am Start. Vorbei am Bahnhof, schade, dass die Bahnlinie nach Calw eingespart wurde. Kritisch sind die Fußwege und Strassen im Ort, entweder glatt oder vereist. Die B 295 nach Calw muss noch überrutscht werden, danach erreiche ich endlich die normale Schneehöhe von etwa 20 cm Einsinktiefe.

03-P1050791In den Fahrspuren sind Trittflächen, unter denen ich eisigen Harsch spüre. Das Schneepulver schiebe ich mit dem Prothesenfuß problemlos beiseite, trotz der leichten Steigung. Aber mehr Anstrengung als ohne Schnee ist dabei.

04-P1050792Die Buchenzweige des Waldes tragen noch die Last des braunen Laubes, mit mehr Auflagefläche für Schnee. Das vermehrte Gewicht biegt sie weit herab. Ich entlaste einige mit dem Stock. Sie schnellen wieder hoch, 05-P1050794werfen dankbar den Schnee auf mich und nicken zustimmend.

Wind fegt durch die Wipfel der hohen Bäume. Mit vielen Schneefladen schweben auch Flockenstaubfahnen herab. Jetzt weht 06-P1050796Westwind auch die dichten Miniflocken entgegen. Im Gesicht prickelt es. Da vorn ist ein heller Streifen hinter den Bäumen, die Straße nach Neuhengstett und Calw.

„Ich steige das Monbachtal empor. 07-P1050801Komme nach Neuhengstett, entlang der langen Hauptstraße. Meine Blase drückt, drückt, drückt. Jedes Gasthaus, sie stehen hier beidseitig eines am anderen, in dem ich dringend einkehren möchte, alle haben blöderweise geschlossen…“ Das könnte der Bericht sein über einen Traum, den ich in der BGU-Klinik hatte. Am Ende der fünf Kunstkomawochen im August 2006, nach der Amputation. Sehr genau erinnere ich mich daran.

Die B 295 drückt mich in die Querrichtung. Sie liegt eine Waldetage tiefer, der Weg hat sich parallel gebogen. Bald geht er heftig runter. Da, die abschüssige Unterführung. Der Pulverschnee versteckt die schräge Eisschicht. „Dalegsdinieder“ denke ich, als ich wieder aufstehen will. Das geht üblicherweise langsamer als das Hinlegen. Da aber rechts ein schmaler Fußweg eisfrei angelegt worden war, geht es nun weiter zum Rand von Simmozheim. Dahinter bauen sich die nächsten Gäuhöhen auf, am Rand mit vielen Kiefern bestanden. Breit davor die Siedlungen des Ortes.

Halb verwehte Fußspuren. Beginnen ganz plötzlich und hören genau so wieder auf. Wie kann das gehen? Doch ich muss mich weiter konzentrieren. Das Licht aus der gleichtönigen Wolkendecke ist hier auf dem verwehten Weg so verteilt, ohne jeden Kontrast oder Schatten, dass sich die Orientierung so verflüchtigt und alles nur noch weiß, weiß, weiß ist.

08-P1050803Die Schritte werden langsamer, noch vorsichtiger, fallen immer schwerer, als hielten mich stramme Gummibänder zunehmend zurück. Hier müsste doch irgendwo… Doch erst noch weiter vorn an der Waldecke steht sie, die vermutete Bank, tief weiß geschmückt, dekoriert mit einer leeren Weinflasche. Also auch andere Leute sind begeisterte Naturliebhaber!

Eine gute Weile sind sie nützlich, meine beiden Sitzunterlagen. Bis ich erspüre, dass es von unten her eventuell Eiszapfen bilden will. Weiter bitte, bevor die Hose anfriert! Aber meine Köstlichkeiten schließe ich noch ab mit einem der hervorragenden Nürnberger Lebkuchen, die mir Tochter Carola zu Weihnachten bescherte.

Nur noch ahnungsvolle drei Prozent glaube ich anfangs vom weiteren Weg zu sehen, der sich hier irgendwo unter der weißen Hülle weiter windet. Ist doch egal! Weg ist dort, wo ich hintrete! Hin und her unter Obstbäumen. Fersenrutsch vermeiden am Abhang der Wiese! Der danach erreichte Weg im flachen Tal bietet wieder Eis an. Doch weder Schoko, Nuss noch Stratiatella haben die hier!

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Da muss ich schon mal überlegen. Wenn ich jetzt, gegen bald dreizehn Uhr, erst vier-komma-ix km leisten konnte, ist es bei neun km dunkel. Und habe, vermutlich, noch nicht mal Münklingen erreicht. Dafür aber weiterhin kontrastlose Schneewüste mit kontrastloser Verfinsterung. Das klappt nicht wie gewünscht! Das Ziel ist bereits hier. Aber ein sehr erlebnisreicher und besonderer Halbtag war es, das letzte Stückchen!

Auf einem der eisigen Simmozheimer Fußwege wird Sandstreu verschwendet. Ein Schulbub mit einem großen Eimer geht rückwärts vor mir her. Er grinst, denn er merkt wohl, dass mir das gefällt. (Sollte er mir nicht Blumen streuen, Eisblumen heute09-P1050804, weil ich das Jahr doch mit Ausdauer und klasse Gesundheit geschafft habe?). Um ihn nicht nervös zu machen, gehe ich sehr angepasst grinsend gemütlich hinter ihm her.

Die Hauptstraße noch. Da unten bei der Kirche muss die Bushaltestelle sein. Überall langsam bitte, denn überall kannst dich hier wieder niederlegen! Ich schau auf den Fahrplan. 12:45 Uhr kommt der Bus. Also in vier Minuten. Ich drücke die Aus-Tasten der beiden Routenaufzeichnungen und schließe damit die „Stuttgarter Wanderspirale 2014“ ab.

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Natürlich hat das Jahr noch zwei Tage. Ich könnte also die restlichen km noch nachschieben. Was habe ich denn eigentlich heute? Naja, 5,2 km. Das sind gesamt 995 km. Was soll’s! War ja nur Training für die „Spirale 15“! Die zwei Tage mach ich’s mir gemütlich! – Da kommt der Bus.

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Wanderspirale W77, Nufringen bis Althengstett

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02-P1050696Für zwei mal „W“ noch 30 km. Etwas knapp! Eigentlich wäre die „W77“ die letzte „W“ gewesen. Mal sehen, wohin ich heute gerate, Dachtel oder Gechingen? Dunkelheit und Stille in Nufringen. Frisch, aber nicht winterlich. Die Helligkeit im Osten beginnt. So schnell geht das, am Ortsrand mache ich schon die ersten Bilder. Weihnachtsbaum vor Morgenhimmel.

03-P1050697Drei Frauen überholen mich. Neugierige Frage, wo ich jetzt schon hin will. Ich bemerke, dass sie ja auch schon vor dem Aufstehen unterwegs sind und sicherlich auch einen Grund dafür haben werden. „Mir send halt Hausfraue, vorem Frühstück walke, da isch halt dr Tag net so zerhackt!“

04-P1050701Im Wald höre ich zwei Schüsse. Hoffentlich verwechseln die Jäger mich nicht mit Schwarzwild bei meiner Anthrazitjacke. Ab dem Waldrand im Norden geht ein Fahrweg neben der Straße. Falls ich jetzt endlich irgendwas zum Sitzen 06-P1050713finden könnte, nehme ich es wahr, und wenns bequem sein sollte. Als der Weg nach langer Steigung abbiegt, steht da wieder wie bestellt eine Wunschbank, hier mit Aussicht nach Deckenpfronn.

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Seitentäler der Würm. Auf und Ab. Heute möchte ich Gechingen erreichen. Hatte bereits eine ungezügelt frühe Anfahrt. Ich versuche also auch flott(er) zu laufen. Die Drinks schneller umzurühren. Kürzer zu Rasten. Abwechselnd nur drinkzurasten mit paar eingeweichten Bissen. Aufzubrechen während ich noch kaue. Als ich Punkt 12 Uhr, also fünf Stunden nach dem Start und fünf Stunden vor der Fünf-Uhr-Dunkelheit, schon über zehn Ka-Em verzeichnet habe, merke ich, das zahlt sich aus. Dann bremst mich mal der zweite Anstieg aus, steil, aber gerade. Nicht stehen bleiben, durchziehen!

09-P1050729Zusammengebrochen und perfekt bemoost. Niedrig, schief, feucht, wie sich das für Moos gehört, und bequem wie noch nie! Dabei stabil. Eine Bank oben an der Höhenkreuzung, von der Wanderer träumen, wenn auch 10-P1050730lehnenlos. Wozu brauche ich eine Lehne, wo ich mich doch beim Laufen immerfort am Rucksackgestell anlehne! Weiter geht’s, die Deckenpfronner Planie wieder nördlich runter.

Gechingen, gleich nach dem nächsten Hügel und es ist erst vor Zwei. Um diese Zeit und bei diesem Wetter hört doch keiner auf! Was gibt’s hier noch im Angebot? Althengstett heißt das neue Tagesziel. Doch vorher steht da noch eine hölzerne Volks-Bank am Wege, nicht schön und bemoost, dafür aber Blau mit Orange. Besser als nichts für den Nachschub. Denn gleich danach fordert der vierte Anstieg neue Energie.

Das Trinken ist heute sehr wichtig. Anorak mit Unterjacke. Ständig schiefe Ebenen mit flottem Schritt. Es wird warm und das Schwitzen wird permanent. Aber die Innenjacke ziehe ich erst nach Gechingen aus, als sich die zwischenzeitlichen Wolken verziehen und echte Sonnenwärme den kalten Wind ablöst.

12-P1050759Oben ein Schutzgebiet mit den hier üblichen kleinteiligen Flächen. Heckengäu-landschaft. Einige Matschstellen. Ranken mit Dornen. Man sollte immer eine Gartenschere dabei haben. Aber eine besondere Landschaft, die ich besonders mag. Nachmittagslicht. Unter 13-P1050767Kiefern eine letzte Rastmöglichkeit. Die Sonne glitzert zwischen den Zweigen durch und zaubert Prismenfarben in mein Bild.

Bekomme ich noch ein Abendrot-Sonnenuntergangs-Motiv? Ich spurte wie mit Düsen ausgestattet den Berg hinunter, um aus dem Waldschatten zu kommen. Unten, hinter der 14-P1050782Fahrstraße, leuchten die Bäume des gegenüber liegenden Hanges rötlich. Als ich noch rechtzeitig dort bin, wird das leider nicht so attraktiv wie erhofft.

Noch eine kleine Dosis Abendlicht liegt auf dem Kirchturm. Die Haltestelle der Busse nach Weil der Stadt finde ich gleich neben der Kirche. Über das Ergebnis heute bin ich froh, denn jetzt wird mein Spiraltour-Abschlussfoto auf der W78 wohl noch im Hellen machbar sein.

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Km heute: 19,1
Km gesamt: 989,8

Wanderspirale W76 Kayh bis Nufringen

 

1-P1050651 1-P1050654Unsichtbares Eis auf dem Asphalt. Der schmale Weg ist steil. Hinter mir Sonnenaufgang. Zwischen Wiesen hinauf zum Grafenberg. Dann ein schöner Hangweg, halbe Höhe. Jetzt viele Stufen im warmen Licht der ersten Wanderstunde…

Das sieht zuerst gut aus. Die unteren Stufen sind weit auseinander gesetzt, besitzen einen stabilen Betonsockel und das Gras dazwischen verhindert den Schlamm. Ab dem Waldrand waren andere Treppenkonstrukteure am Werk. Meine Schätzung, 2-P1050656weit über 100 „kunstvoll“ gesteinmetzte Meisterwerke. Also, einfach mal probieren! Bald merke ich aber, so richtig rutschfest und schwungvoll hoch ist das hier nicht. Grob behauener Stein, ungleichmäßig gesetzt, schief abgesunken, voller halb zersetzten Laubes, schmale Trittflächen.

3-P105066317 Stufen schaffe ich. Dann bekomme ich nicht genügend Stand. Und der nächste „Felsen“ ist besonders hoch und oben drauf zu schräg. Sieht im Bild eigentlich zu einfach aus. Im Krebsgang ziehe ich mich vorsichtig zurück.

4-P1050665Der Hangweg des Grafenberges, weit über der schiefen Ebene, geht in meiner Richtung weiter. Dicht unter mir liegt nochmal Kayh mit dem spitzigen Kirchturm in der Morgensonne. Durchs obere Mönchberg steige ich jetzt über seinen Bergsporn vollends hinauf. Von der Bank unterhalb des oberen Weges aus erkennt man Herrenberg und die markante und massige Stiftskirche, die immer so wirkt, als rutsche sie gemütlich den Hang hinunter.

Leicht gewellte Waldstraßen. Die anfänglichen Sonnenstrahlen sind leider vorbei. Wieder habe ich viel Zeit verloren. Zuerst klappte der Anschluss nicht, dann ein versperrter Privatweg, die umsonst erstiegenen Stufen, zwei Unterhaltungen, das summiert sich.

6-P1050680Ich stehe auf der Autobahn und keinen juckt’s. Kein Wunder! Die sehen mich nicht, weil ich mich auf dem Waldweg über dem Tunnel befinde. Und hier ist auch ein Baumkletterpfad mit allen Raffinessen und „Tarzansprung“. Doch 8-P1050683niemand ist da, um klettern zu lassen. Ich hatte ja schon mal die Treppe! Der weite Blick über das Gäu, soweit runter klettern muss ich nachher nicht. Bestimmt für alle Kinder zum Klettern liegt da ein alter Baumriese. Brüchiger, als 7-P1050685dieser Stamm zusammengebrochen, ist eine Hütte, die nur noch vom nachgewachsenen Gebüsch vom undefinierbaren Bretterhaufen abgehalten wird.

In zwei Abschnitten geht’s runter vom Schönbuch, vorbei an einem interessanten Aufbruch mit Braunem Mergel. Auf der Geländestufe sind weite Wiesen. Dort finde ich in einer Waldecke eine saubere Rastbank, so richtig geeignet zum Unterkühlen. Alles geht deshalb schneller als zumeist, denn der Wind bläst, wie sich’s zum Ende des Herbstes gehört.

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Die geplante Strecke ist noch weit, wenn ich an Nufringen einmal vorbei bin. Vermutlich würde ich dann bis Deckenpfronn kommen und sicher in die Dunkelheit. Doch nur ein Stück weiter rechts ist die S-Bahn-Station.

Km heute: 9,3
Km gesamt: 970,7

Wanderspirale W75, Entringen bis Kayh

01-P1050627Ein leichter Regen. Der Bus kommt etwas zu spät. Sturmschritt zum Zug Richtung Singen. Aufatmen, geschafft! Flotte Anfahrt heute, nur zwei Halte bis Herrenberg. Dann noch der Bus…

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Immer noch leises Nieseln. Der Himmel geht in tiefes Blau über, wird schnell heller. Der Anstieg zielt in den Einschnitt zwischen zwei dicken Bergnasen. Dort oben, neben den Sportheim, nehme ich den Wanderweg, denn er ist kürzer. Stellenweise aber auch steil, es rutscht gelegentlich. Oben lenkt die weite Landschaft den Blick nach Südosten. Die Talnebel modellieren die Landschaft in deutliche Formen. Vor dem Schönbuchspitz steht rechts oberhalb des Pfades eine Bank. Nicht 03-P1050596erreichbar wegen einer zu hohen Steinstufe. Ein bankförmiger Stein, lehnenlos, dient kühl als bequemer Ersatz.

 

Echte Dresdner Stolle, gestern von Ilo überreicht, der lieben Frau von Joachim, Kegel- und Skatfreund, Zigarren-, Wein- und Pulverliebhaber, begnadeter Taxifahrer; er wurde ebenfalls in Dresden „gebacken“, nur ohne Puderzucker. Für ein solches Backwerk könnte man schon seine letzten Goldreserven lockern. Danke euch beiden, da sollte man gleich nachbestellen! Als Parallelgenuss die Aussicht in den Keil zwischen Alb und Schwarzwald, deren Höhen gut erkennbar sind, über dem Neckartal und weit hinter den Gäuflächen.

05-P1050608Das ist heute die erwartete schönste Schönbuch-Randwanderung. Ist es ja auch, bisher! Dann ein Wegstück vom Allerfeinsten! Löcher, Rinnen, durchwühlter Boden, dicke Schichten von braunem Laubmatsch, in voller Breite zubereitet. Mindestens 100 Meter sind das. Nur der Wald selbst gibt mir eine Chance, nicht schon sofort zu versinken. Zwischen finger- und ärmchendünnen Bäumchen winde, drehe und schiebe ich mich in kurvenreich durchs Gehölz. Zurück auf dem Weg mit tiefgründigem Charakter denke ich zuerst, jetzt hab ichs. Nein, nein, Genuss darf nie zu kurz sein, jetzt geht es ähnlich schlumpatschig weiter. Manchmal existiert sogar ein Pfadstück, jedoch schräg, schmierig, von nassen Wurzeln durchzogen. Da braucht man nicht auf Glatteis zu warten. Seitliches Ausweichen, gezieltes Auftreten ist das Gebot! Nur langsamst bitte, dann gibt es die Hoffnung durchzukommen. Als sich der Wald wieder senkt, wird plötzlich der allerschönste Lieblingsweg daraus, leider nur kurz. Vor dem Querweg noch eine Abkürzung, direkt durch dichten Wald, über einen liegenden Stamm, unter tief ragenden, stacheligen Zweigen, um nicht zuletzt doch noch „tiefzufliegen“.

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Der Querweg geht ins Tal oder in die Gegenrichtung. Geradeaus also weiter, wie bisher, nochmal ansteigend und noch einmal das selbe Spiel, ebenso weit. Jetzt zur Abwechslung eine ausgespülte Rinne. Das steigt sich schwieriger, weil die Stiefel schlecht reinpassen. Tief hinein in triefendes Laub, hochgedrückt wird Schlammwasser. Flache Schuhe wären jetzt ersoffen! Seitlich ist alles oft ganz schräg, schlüpfrig und haltlos. Nur Ruhe bewahren! Schritt für Schritt abstemmen, sichern. Nach 80 Minuten unterhaltsamstem „Wanderns“ auf 1200 Meter Länge begrüße ich freundlich einen festen Fahrweg. Die Schuhe besitzen nun „Schlammwasserstandsmarkierungen“.

Auf dem Waldweg, der um den Einschnitt einiger Bäche und Rinnen im Schönbuchhang herumführt, brauche ich im Vergleich nur 30 Minuten für etwa dieselbe Entfernung. So erreiche ich nun flott eine Hütte und einen verlassenen Rastplatz, der sich dahinter versteckt hält, inmitten einer sich verwildernden Wiese.

07-P1050620Die Bänke und Tische sind bereits von der Natur erobert worden. Blätter, Moos und andere herbstliche Reste sind darauf verstreut. Ich gebe noch die Schalen dreier Mandarinen dazu. Den Rest versenke ich in mein Müsli. Der nächste Abschnitt, eine schnurgerade Waldstraße, geht direkt auf Kayh zu. Frisch gefällte Bäume liegen seitlich. Eine alte Sandgrube zum ehemalige Abbau von Sandstein, jetzt zugewachsen. Am Waldparkplatz überlege ich: Noch hinauf zum Grafenberg oder gleich zum Bus? Ganz klar, der Bergpfad wäre zu zeitaufreibend. Denn ich habe einen Termin. Um 17 Uhr 08-P1050636wird in Böblingen-Hulb mein Beinrest zum Leihstumpf!

Die Straße bricht sich durch die Gesteinsschichten hinunter zu den Wiesen. 09-P1050643Am Waldrand steht die ideale Aussichtsbank. Ein Highlight jagt heute das nächste! Zuerst Aussicht mit Stolle, dann der köstlichste Matsch, danach die Müslimahlzeit und jetzt? Die Reststolle mit neuer Aussicht. Aber nun zum Bus am Kayher Rathaus!

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Wirklich, mein Beinstumpf ist jetzt doppelt wichtig! Ein Kollege meines Orthopädietechnikers bereitet sich auf seine Meisterprüfung vor. Der Gipsabdruck eines Prüfungsschaftes wurde bereits angefertigt. Nun muss er üben was der Stumpf hält, und das wieder am lebenden Modell.

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Km heute: 10,4
Km gesamt: 961,5

Wanderspirale W74, Lustnau bis Entringen

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02-P1050487Morgens mit dem Bus nach Tübingen. Von Leinfelden, wenn es noch dunkel ist. Bei Steinenbronn zeigen sich helle Stellen. Am Hasenhof liegt ein helles orangenes Band wie ein Keil auf dem östlichen Horizont. Ob der noch breiter wird? Die 03-P1050499Wiesenhänge vor der Kälberstelle sind weiß von Reif. Bei Bebenhausen wird die Wolkendecke zu rosa Wollknäueln. Es entwickelt sich ein herrlicher Morgen…

04-P1050514Gleich beginnt es mit einem heftigen Anstieg hinauf zum Wasserkraftwerk „Auf dem Sand“. Seit langem mal wieder begleiten mich einige Sonnenstrahlen. Blicke zur Alb und zum Tübinger Osterberg, der durch die Ammer vom Schönbuch abgetrennt wurde. Die Route schneidet heute die Hänge im Tübinger Stadtgebiet an, also gleich wieder runter und nach dem Nordring wieder hoch zum Max-Planck-Institut.

05-P1050518Die Bank im Parkstreifen kurz vorher ist von einer glasklaren Eisschicht überzogen. Meine Sitzunterlagen, ich nehme heute die gepolsterte unter der ausgebreiteten dünneren Schaumstoffrolle, sind dadurch gut justierbar. Ein Hüftschwung nach rechts, wenn ich was aus dem Rucksack brauche, der soeben vom Sitz rutscht, dasselbe nach links, weil ich schnell wieder zum Trinkbecher will, der das dem Rucksack nicht nachmachen soll. Doch außer dieser guten Unterhaltung freue ich mich auch, dass die Sonne jetzt vollständig blau unterlegt ist und die Gesamtstimmung weiter anhebt.

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Im Bereich des Botanischen Gartens schwirren tänzelnd weiße Punkte um mich. Der Himmel war, unbemerkt von mir, verdunkelt worden; soeben dachte ich noch dass es regnen könnte. Schnell entsteht ein leichtes Schneetreiben.

Nach der Straßenüberquerung gerate ich neugierig in das umzäunte Gelände des Arboretums. Hier sind mehr als 1000 Gehölzarten systematisch angeordnet. Im Navi sehe ich, es gibt weitere Ausgänge. Um die Schilder unter den Bäumen und anderen Pflanzen kümmere ich mich erstmal nicht; der bisherige Weg war bergig und insgesamt zu langsam zurückgelegt. Gartenarbeiter sägen Stämme am Hang unter mir. Doch mein Wunschtor ist verschlossen. Zurück zu den Arbeitern bietet mir der eine sehr bereitwillig die Öffnung an. Sehr freundlich! Besten Dank!

07-P1050528Doch der dritte Anstieg heute ist noch nicht zu Ende. Im Wald steigt es höher an als bisher. Der Schnee fällt weiter. Er erzeugt klirrende Töne auf den Blättern. Eine gleichmäßige Hintergrundmusik. Und auf dem Weg bleibt er sogar liegen. Als ich schon hoffe, oben einen Ski- und Rodelverleih anzutreffen, hört das Flockengeräusch fast schlagartig auf.

08-P1050530In der Waldecke am Heuberger Tor mache ich die Hauptrast. Der südliche Rand des zusammenhängenden Schönbuch-Waldgeländes ist hier erreicht. Diese Bank ist dicht bedeckt mit Blättern, weiß bestreut. Zwischen 09-P1050540den Waldrandbäumen sehe ich den beginnenden Taleinschnittes, der hinunter zur Weststadt sinkt, und dahinter Hagelloch. Schneereste liegen noch auf den kalten moosigen Steinbegrenzungen.

Auch mir wird’s kühl durch und durch. Kaubewegung reicht nicht aus. Also schneller hineingeschluckt, was Energie zurückgibt! Die vor mir liegende Strecke ist fast eben, ich kann mehr Dampf geben und bald sammelt sich angenehme Wärme unter meiner äußeren Hülle.

10-P1050557Neben dem Zubringer zum Schloß Roseck/Hohenentringen nehme ich den weichen Wegboden des HW5. Eine Bank noch vor dem Schloß. Nur wenige Trinkeinheiten und Erdnüsse hier. Eine Infotafel zeigt mir aber, was es mit einem Friedwald auf sich hat. Ein geschützter Platz z12-P1050567wischen Baumwurzeln, sommers das Gezwitscher der Vögel, herbstens das Rauschen der Sturmwinde über dem Bergwald, im Winter sanfte Schneeflocken und später die Waldblumenteppiche, so sind das vielleicht angenehme Gedanken für die Kandidaten und Zurückgelassenen.

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Dort vorn sehe ich die Brüstungsmauer. Blick ins Gäu und zum Rammert. Auch zur Wurmlinger Kapelle, wo mir 2008 die verrückte Idee eines Albaufstieges kam. Alles ist verhangen und wird zunehmend dunkler. Im Sommer ist der Hof voller durstiger Gäste, die vor dem Friedwald noch einige heben möchten. Ein Holzkünstler hat hier eine Ausstellung. Vögel, Vasen, Sitze, Blumenkübel, alles sehr gekonnt und geschmackvoll. An einer Mauer steht ein ungewöhnliches Holzsofa. Doch das hätte schon draußen an der Tafel stehen sollen. Jetzt schnell runter zum Bahnsteig nach Entringen!

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Der kurze steile Pfad ist wohl zu aufgeschlammt durch die vielen Regentage. Der längere hat auch einige Tücken, die Stöcke bekommen jetzt ihren Abendjob. Dunkel wird’s jetzt schnell. Bevor die Lichter angehen, verlasse ich den Waldrand.

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Km heute: 14,5
Km gesamt: 951,1